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... Marburg, Sonnabend, 1. Januar 1881
Än?eigen nimmt entgegen; die ExpedMo» d.Llaltes, sowie d-Aunoncen-Bureauk von LH, Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; LH. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenyein L Boaler in Frankfurt a- M., Berlin, Leipzig, Löln tu; Rudolf Moffe in Berlin, Kraul- furt a. M- tu
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Anzeigen nimmt er ? die Expedition d.lu sowie d.Annoncen-Bu. von E-L-Daube L Co. Frankfurt a-M; Jägerisch. Buchhandlung bc‘;-4j; Hermann'! che Bnchhosdl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; w Lhiene» in -loerfeld: 4. Schlotte in »reinen.
^^Emt tWlch außer an den Werktagen nach Tonn- undeiertagen- Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „zinftnirtes LountagSdlatt" durch die Expedittou (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 21, Mark, durch bte Printer des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (efd. Bestellgebühr). - Jnsertionsgebühr für die gespaltene >jeüe 10 Pf,.
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Die Exped. d. Oberh. Zeitnag.
Das scheidende Jahr 1880
ist zwar äußerlich ein Friedensjahr gewesen, d. h. der Völl- frieden wurde durch keinen europäischen Krieg gestc; aber die Gährung innerhalb der Völker ist nicht $t Stillstand gekommen. Auf der Balkanhalbinsel steht e Sache so, daß man noch immer jeden Augenblick den 21= bruch neuer Feindseligkeiten erwarten kann und es fzt sich sehr, ob eS den gemeinsamen Anstrengungen der MSe gelingen wird, auch in dem neuen Jahre den Frieden ,f= recht zu erhalten. In Rußland ist die nihilrstische si- tation zwar zu einem gewissen Stillstand gezwungen wom, aber gänzlich beseitigt ist sie keineswegs, Lebenszeichen r- selben haben sich auch in dem verflossenen Jahre gc$t. In Oesterreich dauert die innere Gährung unter dem bueu Völkergemisct fort und daS Zaubermittel, diese verschieben cn5,*ennterejeit friedlich zu vereinigen, ist auch in dem
ke nicht entdeckt worden. In Frankreich schreitedie ue Agtation unaufhaltsam fort und eS fraglich, ange nich die Gironde der opportunistischen Regier,gs- .tei, nachdem daS Beschwichtigungsmittel des Kmr- mpfes veibraucht ist, im Stande sein wird, dem sich tranwälzeisten „Berg" der roten Partei Widerstan zu .eisten, und ob, sie sich nicht dazu wird hinreißen lsen. durch die Ausfüh ung des Revanchegedankens der ineren Gefahr einet neuen Ableiter zu geben. Die letzten läge erst haben gezeigt, wie mächtig dieser Gedanke noch iiden Herzen der Machthaber ist. Für England ist daS sahr 1880 kein gänzendes gewesen und der wieder auSgebryene Krieg in Sidafrika, wie die trostlosen Zustände in Jand werfen tiefe, dunkle Schatten. Das Schlimme ist, b< sie Zugleich als die Folgen ungesühnten, in früherer Zf an Irland begangenen Unrechts erscheinen.
Auch für unser deutsches Vaterland hat das abklau- fene Jahr nanches Schwere gebracht, da häufige Lgen- güsse in nanchm Gegenden die Ernte bedeuten geschädigt hattm. Handel und Gewerbe haben fich amer noch nicht son den schlimmen Einflüssen des Gmder- schwindels erholen können und überdies liegen dtestach-
Ei« fahrender Spielman«.*) ; Von Elise Polko.
Motto:
„Manch selt'ne Chronik schlug h auf, Urkunden, Pergamente — Daß ich et führ’ der Dinge Lau!
Sie recht beim Namen nennte- -* s Julius Woff.
(Rattenfänger von Hmeln.)
Ich habe gar manche Dämmerstunde in einemkleinen wunderlich ausgestatteten Stübchen verbracht, — j-t ist's seit Vtonalen für immer geschlossen, wenigstens fü jenen alten Bewohner, den sie daraus fortgetragen — :s war die Heimat eines pensionierten Cantors. Die Gict hatte ihn fett Jahren gelähmt, der Frühling und Sommer mußten zu ihm kommen mit ihren Gaben, wie «ich der Orgelton aus der nahegelegenen Kirche zu ihm z, durch das offene Fenster. Die Menschen, deren Herz er gar oft, erquickt mit seinem Spiel, brachten ihm Bluuen oder Früchte, und die Kinder liefen ab und zu unt legten blühende Zweige auf den Reliquienschrein feine; engen Hauses und Herzens, auf das uralte Spinett. Die armen, schmerzzuckenden Finger des alten Musikers berühren noch Men Abend die schwarzen Tasten: „ich übe meine, Bach!" pflegte er dann lächelnd zu sagen, — aber nur gestcrhafte Tone ohne Zusammenhang wurden laut. Und noh andere seltsame Klänge, bald hoch bald tief, zogen sumuend aus dem Kasten und da erklärte er geheimnisvoll feinet Gästen, das Inen verschiedene unvergeßliche Stimmen von Menschen
sn *2, Erlaubnis des Herrn Verlegers aus Ri. 18 der »Reuen Musikzetiung.'
teile der Goldwährung, welche unsere Valuta int Vergleich mit der der Silberländer bedeutend verteuert hat, schwer auf uns, so daß es unserem Exporthandel schwer wird, die teuern deutschen Waren int Auslande zu verkaufen, während es dagegen als ein gewinnreiches Geschäft erscheint, ausländische Waren nach Deutschland zu führen. Solange die Goldwährung dauert, wird das auch schwerlich bester werden^ denn der Zoll, durch welchen wir unsere Industrie schützen wollten, wird durch die Nachteile der verteuerten Valuta unwirksam gemacht. Dazu kommt, daß unser Handwerk von den infolge der Gewerbefreiheit entstandenen großen Warenmagazinen immer mehr unterdrückt und zur Auflösung seiner gewerblichen Selbstständigkeit gezwungen wird. Auch die wiedererwachtcn JnnungSbestrebungen werden nichts helfen, wenn nicht durch die Reform der Gewerbeordnung daS Gewerbe von der Uebermacht des handelnden Kapitals befreit wird. Nicht jeder, der Geld hat, sondern jeder, der ein Gewerbe ordnungsmäßig gelernt hat, muß die Freiheit haben, das gelernte Gewerbe, aber nicht jedes beliebige andere zu betreiben. Diese Erkenntnis ist in dem Laufe des Jahres in immer weitere Kreise unseres Volkes gedrungen, der Pann des liberalen Vorurteils, welcher so lange auf unserem Volke gelegen und ihm für jede bessere Auffassung der Verhältniffe das Verständnis verschloß, ist gebrochen. Man sagt sich jetzt bereits in vielen Kreisen: Ist es nicht eine Thorheit, wenn wir Deutsche, die wir vorzugsweise eine arbeitende und nicht eine handeltreibende Nation sind, unsere Gewerbeordnung nach handelspolitischen Interessen uns Gesichtspunkten einrichten? WaS soll es UNS als einem christlichen Volke nutzen, wenn wir unsere Schulen konfessionslos machen, unsere Ehen, statt tote unsere Väter Zseit Jahrhunderten nach christlicher Sitte vor Gottes Altar, vor dem Bureautisch des Civilstandsbeamten schließen. Diese Fragen, welche jetzt überall auftauchen, zeugen von dem Wiedererwachen einer gesunden mit den realen Faktoren, statt mit abstrakten Gleichmacherei-Theorieen rechnenden Austastung der Lerhästniste. Gebe Gott, daß dieser gesunde toinn sich immer mehr vertiefe uns wir immer mehr erkennen, wie schließlich alles auf die Gesinnung, die Grundsätze und die Weltanschauung ankommt, von der die Menschen, die Verhältnisse des Volkes, wie ihren eigenen» Beruf ansehen und behandeln. Sind die Menschen von einer gesunden Auffassung der Dinge erfüllt, so werden sie auch gesunde, gute Gesetze machen und werden auch ihren Beruf in der rechten Weise führen und erfüllen. Dem Liberalismus liegt die falsche naturalistische Weltanschauung zu Grunde, welche alles für Natur und Naturgesetz erklärt und deshalb dem Grundsatz huldigt, man müsse tie Menschen und Dinge sich nur möglichst ungehindert entwickeln lassen, dann werde sich alles von selbst ans's beste regeln. Diese Manchestertheorie des Gehenlassens hat großes Unglück ungerichtet. Sie ver-
nnd Instrumenten, die er in seinem langen Leben gehört, alö er selber noch ein fahrender Musikant gewesen, der viel in der Welt herumgekommen. „Bei diesen Tasten da," versicherte er bann, und das Spinett fang leise dazu, „höre ich ganz deutlich die wunderbare Catalani trillern, die einst in Leipzig in dem alten Gewandhaussaal stand und den ärmlichen kleinen Teppich, den man auf dem Podium ausgebreitet, zurückftieß, ihren kostbaren Shawl mit der Miene einer beleidigten Königin herunterriß und vor ihre kleinen Füße warf.--Und der Baßton hier
ist ter prachtvolle Stromeyer, Kammersänger in Weimar, besten Ton die Kirchenwände beben machte, — und das kleine b erzählt mir von dem Tenoristen Gerstäcker, dem allgemeinen Frauenliebling und wenn ich das drei- gestrichene Es anschlage, da erklingt Paganini's Zaubergeige. Um die Welt möchte ich den alten Kasten ba nicht misftn — kein Sultan bet Welt könnte sich eine unterhaltendere Sheherazade wünschen. Einen modernen Flügel wünschte ich mir nur, um noch einmal ordentlich meinen Bach darauf spielen zu können.
Nun, alle seine vielen Freunde, Schüler und Verwandten hatten denn wirklich endlich einen Flügel für ihn zusammen- gespart und gebeten und manche liebe Künstlerhand ihr vcherflein zu jener Liebesgabe beigetragen, aber am Tage nachdem man sie mit großer Mühe in fein Stübchen geschleppt — ging er, die Hände auf den neuen weißen Tasten, still lächelnd heim zu feinem Johann Sebastian Bach. —
Mil eben diesem alten Musikanten versank eine Welt seltsamer Musikantengejchichten, aber in stillen Stunden oder hervorgerufen durch irgend einen Klang zieht die
kennt, daß der Mensch nicht bloö ein Naturwesen, sondern vor allem ein sittliches Wesen ist und daß auch sein Leben und fein Verkehr auf sittlichen Grundsätzen beruht. Das Verlasten dieser christlichen Weltanschauung hat der Welt namenloses Unglück gebracht, und es ist allerhöchste Zeit, daß wir die weittragende Bedeutung der christlich-sittlichen Weltanschauung erkennen und uns ihr wieder voll und ganz zuwenden. Davon hängt unsere Zukunft ab. Gebe Gott, daß wir im neuen Jahr einen tüchtigen Schritt vorwärts thun auf dieser Bahn.
Deutscher «eich.
Berti«, 30. Dezember. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt offiziös: „Wiederholte Beschwerden über Belästigungen des reisenden Publikums durch ungebührliche Uebersüllung der Eisenbahn- coupees rechtfertigen, wie der Minister der öffentlichen Arbeiten in einem Erlaß vom 21. v. M. ausspricht, die Annahme, daß bei der Placierung der Reisenden durch die Schaffner vielfach mit der gebührenden Rücksicht noch nicht verfahren wird. Zum Teil handle es sich hierbei um vcr- waliungsseitige Bestimmungen, wonach ans den Anfangsstationen der Züge nicht sogleich sämtliche, sondern nur erst die zunächst elfforderlichen Coupees geöffnet werden dürfen. Eine derartige Bestimmung, welche überdies zu einer unzulässigen Bevorzugung einzelner Reisenden Anlaß geben könne, sei, wo sie noch bestehe, alsbald in Wegfall zu bringen und Anordnung zu treffen, daß schon auf der Abgangsstation stets sämtliche Coupees, über welche nicht für besondere Zwecke schon anderweit verfügt sei, sofort geöffnet werden. Im Uebrigen soll bei der Zuweisung von Plätzen, unbeschadet notwendiger Einrichtungen int Interesse der Ordnung Sicherheit und Oekonomie des Betriebes, den Wünschen und der Bequemlichkeit des reisenden Publikums in entgegenkommender Weise Rechnung zu tragen. Vor allem sei auch die für die warme Jahreszeit angeordnete mäßige Besetzung der Coupees (1. Klaffe mit 4, 2. Klasse mit 5 und 3. Klaffe mit 8 Personen) in Zukunft allgemein und ohne Beschränkung auf die wanne Jahreszeit so lange hinreichender Platz vorhanden sei, als Regel festzuhallen. Der Minister macht die sorgsame und nachdrückliche Ueberwachung der Befolgung dieser Bestimmungen zur besonderen Pflicht." — Einen halbamtlichen Artikel der „Nordd Allgem. Ztg." über die deutsche Flotte, welche nach dem bekannten „Flottengründungsplan" binnen Jahresfrist der Vollendung entgegensieht, entnehmen wir folgendes: Es ist wohl mit Sicherheit anzunehmen, daß wir schwerlich ferneren Panzerbauten für unsere Marine entgegenzusehen haben; sollte sich wirklich .einmal noch der Stand unserer Panzerschiffe vergrößern, so könnte der Zuwachs wohl nur in der Reihe der Küstenve rteidiger zu suchen sein. Die Existenz der Schlachtschiffe vsird ja bei dem heutigen Pro- eine oder die andere vorüber wie eine ferne bekannte Melodie. —
Unb eine Weihnachtsgeschichte war es, die der Alte einst erzählte und die ich heut nachzuschreiben versuchen will. Eine große Mappe voller Holzschnitte und Stiche von zweifelhaftem Wert, nur intereffant durch die bekannten Namen, die sich unter den gewaltig verzerrten Portrait- köpfen vorfanden, kannten alle seine Besucher, sie lag stets vor ihm auf dem Tische und er bezeichnete sie scherzend als das Lieblingsbilderbuch eines alten Kindes. Die berühmten Frauen, die Mara, Faustina Haffe, die Test und Anoere, würden sich entsetzt haben über diese verschwollenen, schielenden Zerrbilder, die man als ihre Conterfey's in die Wett gesandt hatte, und was die männlichen Bildnisse betraf, so bildeten sie geradezu eine Galerie von Ungeheuern. Nur eines einziges Kopfes erinnere ich mich — eines uralten Stichs, deffen dämonische Schönheit mich einst frappierte. Wunderbar düstere leidenschaftliche Augen schauten daraus in die Ferne und ein leises Spottlächeln spielte um seine Lippen. — „Wer ist dieser interessante Kopf?" — fragte wohl Jeder, dem das Blatt in die Hände fiel.
, Die Antwort lautete: „Das soll das Portrait des größten Geigers, Gamben-, Clavier- und Guitarrenspielers seiner Zeit sein, — das Bildnis David Funk's aus Reichenbach. — Was der alte verstorbene Cantor von ihm erzählte, fiel mir wieder ein, als ich neulich im Cölner Gürzenich Saal den modernsten Zauberer wiederum hörte, der mit seiner Geige die Lande durchzieht — Pablo ee Sarasate. — Ihm wird ein glücklicheres Los von den Göttern beschieden fein, als seinem einst nicht minder berühmten deutschen Cvllegen.