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M 10.

Berlin, den 4. September 1881.

Der

atriot

Herausgegeben und verlegt vom Wahlverein der Deutschen Conservativen.

Wünsche beziehungsweise Correspondenzen bezüglich des „Deutschen Patriot" sind an das Bureau des Wahlvereins, Berlin W., Wichmannstraße L, zu richten.

Wer entstellt, hetzt und verleumdet?

„„Der Deutsche Patriot" entstellt, hetzt und verleumdet!"

Das ist jetzt der täglich tviederkehrende Klageruf liberaler Blätter, denen die Thatsache nicht aus dem Sinn will, daß das deutsche Volk denn doch endlich sich von seinen bisherigen falschen Freunden, den Liberalen, lossagt und seinen wahren Freunden, den Konservativen, mehr und mehr sich anschließt.

„Der Deutsche Patriot" hat seinen Lesern, gestützt auf unumstößliche Beweise, die Ziele der Liberalen klargclegt, er hat aus dem eigenen bis­herigen Verhalten derselben diese Ziele nachgewiesen und dabei Aussprüche angeführt, die unleugbar sind, weil durch die Geschichte thatsächlich verbürgt.

Und Das nennen liberale Blätter entstellen, Hetzen und ver­leumden! ■ Warum? Nun, weil sie selbst diese drei von ihnen bestens kultivirten Eigenschaften als tägliches Handwerk betreiben.

Ein kurzer Rückblick auf das Gebühren des fortgeschrittenen Liberalismus wird hierfür den besten Beweis liefern.

Beständig leugnet der Liberalismus, daß es ihm um eine Schmälerung der Rechte unseres Kaisers und Königs zu thun sei, und macht doch kein Hehl daraus und läßt keine Gelegenheit vorübergehen, ein „parlamentarisches Regiment" anzustreben. Ein parlamentarisches Regiment würde aber in erster Linie die Rechte der Krone schmälern, wenn nicht endlich ganz ver­nichten. Diese liberale Presse entstellt also, wenn sie behauptet, daß der Liberalismus eine solche Schmälerung der königlichen Gewalt nicht wolle.

Täglich richten liberale Blätter die bissigsten Angriffe auf den Fürsten Bismarck. In verwerflichster Weise wird da das Volk aufgehetzt, indem man unseren Reichskanzler als den Feind der Wohlfahrt des Volkes hin­stellt, seine innere Politik als gänzlich verkehrt bezeichnet und lächerlich zu machen sucht, lieber seinen angegriffenen Gesundheitszustand spötteln die im Dienste des sogenannten Fortschritts stehenden undeutschen Zeitungs­schreiber und entblöden sich nicht, den Versuch zu machen, den großen Staatsmann, der sich um sein Vaterland unsterbliche Verdienste erworben hat, in den Augen der großen -Stenge herabzusetzen. Alle Absichten und Pläne der Negierung werden als mit dem Wohle des Volkes unvereinbar geschildert, ja man erdichtet angebliche Pläne derselben, um auf diese Weise noch besser Haß und Verachtung gegen die Staatsregierung im Volke zu verbreiten. Das Volk wird mit Unwahrheiten geradezu überschüttet, und um ihm möglichst viel Stimmen für den falschen Freund, den Liberalismus, bei den Wahlen abzudrücken, wird dem Lande Roth und Elend in Aussicht gestellt, falls es nicht willenlos den Verführern folgt. Ja, wiederholt hat der sogenannte Fortschritt zu dem säubern Mittel gegriffen, den Bewohnern von Provinzen, in denen es bezüglich der Wahlen schlecht für ihn stand, für den Winter Nothstand und Hungersnoth in Aussicht zu stellen, ihnen aber ausgiebige Hilfe für den Fall fortschrittlicher Wahlen zuzusichern. Dem Lehrerstande wird seine mäßige pekuniäre Lage täglich zugeflüstert und man weist darauf hin, daß es unter dem Minister Falk doch ganz anders gewesen sei, als unter der Leitung der Herren von Puttkamer und von Goßler. Auch den Militäranwärtern wird plötzlich eine be­sondere Liebkosung seitens der liberalen Blätter zu Theil. Früher lärmten letztere gegen die Versorgung von Militäranwärtern überhaupt, weil da­durch angeblich der Civilist beeinträchtigt würde, jetzt — man merke sich

das wohl — kurz vor der Wahl, nimmt sich die fortschrittliche Preffe plötzlich der Militäranwärter zärtlich an, „die so lange warten müßten, bis sie eine Stelle finden" u. s. w. Die liberalen Blätter, die früher stets gegen das Beamtenthum Front machten, sind augenblicklich die besten Freunde desselben, namentlich der Unterbeamten. Man bedauert — selbstverständlich um Stimmen für die fortschrittlichen Kandidaten einzu­fangen — auch hier die „unbefriedigende pekuniäre Lage" der­selben, indem man durchblicken läßt, daß die Liberalen, falls sie die Majorität erhalten sollten, sofort diese pekuniäre Lage verbessern würden. Und trotzdem gleichzeitig der sortschrittliche Lärm über viele Steuern!

So wird auf fortschrittlicher Seite entstellt und gehetzt, daß es nur so eine Art hat, während man gleichzeitig den Fürsten Bismarck, die Negie­rung und die Konservativen verleumdet, als hätten sie für das Wohl des Volkes kein Herz, sondern wären nur bestrebt, daffelbe durch Steuer- überbürdung möglichst auszusaugen.

Wer entstellt, hetzt und verleumdet also? Ist es „der Deutsche Patriot", der offen und frei sonntäglich in die Hand seiner Leser kommt, oder ist es der fortgeschrittene Liberalismus, deffen widerliches Treiben soeben in kurzen Zügen geschildert worden?

Wahrlich, hier zeigt sich in seiner ganzen kläglich« Weise der Grund­charakter des sogenannten Fortschritts und der von ihm abhängigen Zeitungs­presse. Man glaubt, durch Verdächtigungen des politischen Gegners seine eigenen unsauberen Eigenschaften vor der Welt verbergen zu können. Aber glücklicherweise haben die sogenannten liberalen Errungenschaften, welche unser Volk an den Bettelstab zu bringen drohten. Jedermann die Augen geöffnet, so daß man überall Recht von Unrecht und somit auch die konservative von der fortschrittlichen Sache klar unterscheiden lernte.

Warum willst Du nicht mehr liberal wählen?

Deutscher Mann und Reichstags-Wähler, hast Du auch recht bedacht, was du thust, wenn Du viele alten Freunde, liberale und fortschrittliche Volksbeglücker, bei den nächsten Wahlen fallen läßt? Sie haben Dir doch so viel Liebes und Gutes versprochen, besonders in den letzten 10 Jahren und auch früher schon; es ist freilich leider nicht viel von diesen Ver- sprechungen wahr geworden, aber man darf auch nichts überstürzen und übereilen, warte doch noch ein paar Jährchen bis ...... . sie müssen ja kommen die versprochenen fetten Jahre, nach all den mageren, an der Börse merkt man's ja schon, „Oelheim" ist bereits gegründet, was will man noch mehr! Also nur ein ganz klein wenig Geduld!

Jawohl Geduld hast Du lange genug gehabt, Deutsches Volk, und es ist recht, daß Du sie noch hast, d. h. daß Du den Muth hast, die Fehler der letzten 10 und 20 Jahre auf ordnungsmäßigem, gesetzlichem Wege wieder gut zu machen. Und das thut noth. Denn heute pfeifen es schon die Spatzen auf dem Dach, daß die liberale Schwindelzeit vor allen Dingen die Herrschaft des großen Kapitals begünstigte und das hat sich denn auch im lieben deutschen Reiche in Stadt und Land recht fest gesetzt, und saugt wie ein großer Schwamm rund um sich her alles auf, was in seine räuberische Nähe kommt. „Halte zusammen, was Du hast" ist der eine Grundsatz des Großkapitals oder der goldenen Internationale, wie es seine unfreundlichen Gegner auch nennen, „Th ei le und herrsche" der andere. Und zwar wird das folgendermaßen gemacht:

Während das große Kapital, seinem ersten Grundsatz folgend, sich von Steuern, Abgaben u. s. tv. möglichst frei, und unter sich, soweit es nämlich überhaupt noch in verschiedenen Händen befindlich, fest zusammenhält, hat es die anderen Theile der staatlichen Gesellschaft, das Handwerk, die Hand­arbeit, den Ackerbau von einandergerissen, und durch fortwährendes Gerede von Jnteressenpolitik und Agrarierthum, von finsterem Mittelalter, Jnnungs- zwang, Polizeiaufsicht, u. s. w. hetzt es auch heute noch diese so verträg­lichen friedliebenden Stände nach Möglichkeit gegen einander auf. Aber das nicht allein, auch die Handwerker unter sich, die Arbeiter unter einander, die Landleute unter sich müffen möglichst schlecht auf einander zu sprechen