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Was in der Welt passirt.
Unser Kaiser
setzt in Gastein die Badekur mit gutem Erfolge fort und wird, wie es letzt heißt, in der ersten Hälfte des Monats August mtt dem Kaiser von Oesterreich in Ischl eine Zusammenkunft haben. Wie alliahrlich, so hat sich auch jetzt während der Anwesenheit unseres Kaisers, ein stattlicher Kreis hervorragender Persönlichkeiten in Gastein eingefunden.
Aus Koblenz liegen gottlob nur günstige Nachrichten über das Befinden unserer Kaiserin
vor. Die Genesung schreitet täglich weiter vorwärts, die durch die Operation entstandene Wunde ist geschlossen und, so Gott will, hören wir bald, daß unsere geliebte Kaiserin das Krankenbett ganz verlassen hat.
Liberale Blätter hatten die Nachricht verbreitet, daß es dem Fürsten Bismarck
in Kissingen nicht gut ginge. Was die Liberalen so gern sehen wurden, das verkünden sie immer schon vorher als -rhatsache. Aber diesmal haben sie wieder gehörig aus der Luft gegriffen, wie das ja meistens ihre Art ist, denn aus Kissingen erfährt der „Deutsche Patriot", daß es dem Reichskanzler sehr gut geht und daß er sich selten so wohl befunden hat, als m diesem Augenblicke.
Liberale Berdächtlgungen
stehen noch immer auf der Tagesordnung und täglich erzählen die fortschrittlichen Blätter — voran das sogenannte „Deutsche Reichs-Blatt —
ehn ins Leben gerufen, bis Alles wohl überlegt und — das nöthige Geld dazu vorhanden war — Schulden aber wurden kaum gemacht! ,
Kam aber mal solch' Kluger, der „von den wachsenden Bedürfnissen, die die mächtig forffchreitende Zeit gebieterisch fordert-- — sprach, dann sagten Deine Vertreter: „Sehr schön — schaffen Sie sich nur das an, mein Lieber. Wir können's noch entbehren. Haben wir einmal überflüssiges Geld, dann wird schon Rath werden." Und dabei blteb es, denn Deine gewählten Jnnungsmeister hatten die Mehrheit m der Stadtvertretung, und zwar - durch Dich! - Politische Meinungen waren dabei Völlig Nebensache. Sie gehörten in keine Stadtverordneten- Nersammluna Sparsamkeit, gesunde Verhältnisse, keine drückenden Lasten für den Bürger - das war die Politik, die zum Besten Aller von Deinen Obermeistern getrieben wurde. ,
War aber einmal ein neuer Oberbürgermeister, Syndikus oder besoldeter Stadtrath zu wählen, so wurde streng darauf gesehen, daß es wohl ein tüchtiger geprüfter Verwaltungsbeamter, aber kern Mitglied des Reichs- taas — oder des Abgeordnetenhauses oder gar ein politischer Parteiführer war Weshalb? — Man nahm sehr richtig an, daß em solches hohes Kommunalamt, bei ehrlicher Erfüllung dieses Amtes, die ganze und volle Thätiqkeit eines Mannes erforderte!--
Wie sieht es dagegen jetzt in den Stadtvertretungen aus? Geh doch mal hin, mein abgedankter, aber stets noch benutzter Freund! - Doetoren, Direktoren Professoren, Literaten und Banquiers, die sinden sich reichlich, aber Handlverker - ja - die kannst Du mit der Laterne suchen.
Zetzt sind Deine Freunde in der Kommune durch und durch hohe Politiker, Parlamentarier - meist Fortschrittmänner, mit denen die städtischen Millionen Schulden immer gleichen Schritt gehalten haben L btefie oft aber noch überflügelt haben. Geld spielt gar keine Rolle mehr und die Erhöhung der Magistrats-Gehälter oder „nothwendige Gratifikationen bleiben dabei nicht zurück.
Will aber die Regierung für ihre Beamte etwas thun, oder aber eine neue, wirklich nothwendige Stelle schaffen, dann schreien gern dieselben Fortschrittsmänner, die ich Dir eben, Stadtverordnete und Maglstratsmlt- glieder, vorgeführt habe — im Reichstage und in ihren Zeitungen über Verschwendung und — Steuerdruck! —
Wenn ich das Wort „Steuerdruck" aus dem Munde dieser Herren höre, wird mir immer ganz sonderbar zu Dluthe.
°sn Berlin bewilligten unlängst die Stadtverordneten dem Oberbürgermeister 2000, den beiden Unterbürgermeistern je 600 Thaler — nicht Mark _ jährliche Gehaltserhöhung. Soeben lese ich, daß m geheimer Sitzung dem Stadtbaumeister für Erbauung des Viehhoses eine Extra-Gratchtatwn von 15 000 Mark gegeben ist. Ein zweiter Herr ist nur belobt worden. Er kommt wohl auch noch dran. Meinst Du nun, mein armer Freund, daß der „Steuerdruck" diese Herren drückt! - - — Ferner smd aus Berlin von besoldeten Magistratsmltglledern ihrer sechs tm Reichstage oder Abgeordnetenhaus als Parteiführer, von Stadtverordneten aber nicht minder eine Anzahl. —
Was muß man daraus schließen? —
Entweder haben die Herren bet ihrem Amte sehr viel Zeit übrig, oder sie haben Vertreter, die doch bezahlt werden müssen; aber nicht auf ihre Kosten — Gott bewahre — auf Deine! Sieh Dich mal um tm Lande Die meisten Städte haben bedeutende Schulden gemacht, und gerade in den letzten 20-30 Jahren. Sie wetteifern förmlich mit einander und verwänden Kopf und Kragen. Und Alles zu Deinem Besten?!--. —
Hast Du etwas davon, gerade Du? — Bricht diese städtische Fmanzwlrth- • schäft aber einst zusammen, und es muß so kommen, dann Werden dieselben Herren nicht zu Hause sein. — Die Wahrheit dessen, was ich Dir hier ge- wat habe fühlst Du, denn die Thatsachen liegen vor Dir. Bist Du aber nicht selbst schuld daran, solche Zustände geschaffen zu haben? In Deiner Macht steht es jetzt nicht minder, sie zu ändern. Stelle Dich mit Demen Genossen Schulter an Schulter, wähle wieder Handwerker rn dre Stadtvertretung — wähle selbstständige konservative Manner m den Reichvtag; sie werden sich einander die Hände reichen — und — verlaß darauf sie werden den liberalen Errungenschaften em Ende machen, die Dich, armer Freund, bisher gerade am härtesten getroffen haben. Aus Wiedersehn!
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denen sich m „Zwischen »!
A. Burchard
Aus bei haltenden Artil von Johanne G. Dannehl, von Wichard k bewährten Sä Rudolf Elch-, lauf des größt bigen, „Bilde setzungcn von sowie zahlreich Kaden, Car«! u. s. w.
ihren Lesern neue Wunbergeschichten über „konservative Verleumdungen", über den „Deutschen Patriot'- u. s. W. Sie möchten he Geschichte der t
letzten 12 Jahre gar zu gern auf den Kopf stellen und bemühen sich, bte ;
Schuld bezüglich der während der Herrschaft des Liberalismus entstandenen
freiheitlichen-- Gesetzgebung den Konservativen in die Schuhe zu schieben. | Das wird ihnen aber ganz gewiß nichts helfen, denn heutzutage weiß es bereits jeder Handwerksmann und jeder Bauer, wer sein aufrichtiger |
Freund ist. Mögen sie daher immer zu von „konservativen Verleumdungen-- I
reden, es wird den Liberalen doch nicht gelingen, bte Wahrheit tn den i
Augen des Publikums zu verdrehen. |
Große Sorge macht den Liberalen I
der Ausfall der Wahlen
in Sachsen und Bayern. Dort haben die Konservativen und Katholiken M bei den Landtagswahlen große Siege über die Fortschrittler und National- liberalen errungen und deshalb jammern die liberalen Blatter tn allen I Tonarten. Dieses Wahlresultat scheint eine gute Vorbedeutung für den Ausfall der Reichstagswahlen zu sein.
Aus Frankreich I
ist die Nachricht eingelaufen, daß es den französischen Truppen tn Afrika I in der letzten Zeit etwas besser ergangen ist. Ob sie aber dauernde Erfolge erringen werden, bleibt noch immer sehr zweifelhaft. Der Ppsst) Don | Carlos, welcher gegen die französische Regierung seine Umtriebe richtete, ist von letzterer ausgewiesen worden. !
Die Verhältnisse in |
Bulgarien I
scheinen nun ihrer Regelung entgegen zu gehen. Eine Proklamation des Fürsten Alexander ist von der gesammten Bevölkerung sehr enthusiastisch -
aufgenommen worden und die Bedingungen, welche der Fürst der National- \ Versammlung gestellt hatte, wurden von letzterer genehmigt. So wird es also vorläufig nicht zur Abdankung des Fürsten kommen.
Daß es in
Rußland dem Liberalismus noch immer nicht gestattet ist, nach Herzenslust zu schalten und zu walten, macht der fortschrittlichen Presse m Deutschland große Sorge. Sie beschäftigt sich vorzugsweise gern nut russischen Zuständen und scheint nur darauf zu warten, daß die Regierung daselbst ■ unterliegt. Auch diese Kundgebungen liefern den Beweis dafür,, daß der fortgeschrittene Liberalismus revolutionäre Tendenzen verfolgt.
In
Amerika
hat ein heftiger Orkan großes Unheil angerichtet. Die Stadt Neu-Ulm tn Minnesota ist von demselben fast gänzlich zerstört worden und es sind sehr viele Personen gelobtet und verwundet worden. Die von diesem Orkan heimgesuchte Gegend ist fast nur von Deutschen bewohnt. — Dem Präsidenten Garfield geht es besser. Man hofft nunmehr nut Bestimmtheit, ihn am Leben zu erhalten.
$Är Kopfreehtter.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Eine Raupe trifft bei ihrem Spaziergange eine Mauer von 12 Meter Höhe. Sie beschließt, dieselbe zu besteigen und macht sich Morgens 6 Uhr auf den Weg. In 12 Stunden legt sie 3 Meter senkrecht zur Längenrichtung der Mauer zurück, dann aber schläft sie vor Erschöpfung em und erwacht mitten in der Nacht. Sie fühlt sich gestärkt und setzt ihren Weg fort. Als aber um 6 Uhr Morgens volle Helligkeit eintritt, bemerkt sie zu ihrer größten Bestürzung, daß ein böser Dämon sie tm Schlaf herumgedreht hat, so daß sie direkt wieder nach abwärts marschirt ist und zwar gerade 2 Nieter. Flugs macht sie kehrt und legt in 12 Stunden wieder 3 Meter nach oben zurück. In der Nacht passirt ihr jedoch dasselbe Malheur, wie in der ersten und sie befindet sich am andern Morgen wieder um 2 Meter tiefer als am Abend vorher. Wieder macht sie sich auf den Weg nach oben, schreitet 3 Meter bis zum Abend vorwärts, marschirt aber während der Nacht wieder 2 Meter nach unten, und so legt sie allemal des Tages 3 Nieter nach oben, des Nachts 2 Meter nach unten zurück. Da die Raupe recht schwach im Kopfrechnen ist, so seufzt sie: „Wie lange toirb diese Mauer meine Geduld mißbrauchen und in wie viel Tagen werde ich auf der Höhe derselben angelangt fein?" Der Mitleid fühlende Leser wird der armen Raupe ohne Zweifel die erwünschte Antwort er- theilen. _
SchätzcnSwerthes Material zu Wahlreden, selbständigen Artikeln in bet konservativen Presse und überhaupt zur Wahlagitation enthält die Broschüre: Für „Fürst Bismarck und seine WirthschaftS-Politik", welche soeben im Selbstverläge deS Wahlvereins der deutschen Konservativen erschienen ist und. vom Bureau desselben (Berlin IV., Wichmannstraße 1) gegen Einsendung von 1 M (auch in Briefmarken) bezogen werden kann. Allen Freunden der konservativen Sache sei der Bezug dieser Broschüre dringend empfohlen. Der Ertrag ist zur Wahlagitation beftimmt. Die Broschüre enthält folgende selbständige; Artikel: WaS bedeutet die neue WirthschastSpolitik der Regierung? — Die Nothwendigkeit einer nationalen Handels- und Schutzzollpolitik für Deutschland. — Die Nothwendigkeit und Unschädlichkeit landwirthschastlicher Schutzzölle. Ueber die Reform des Bank- und KreditlvesenS. — Die Stellung ber, Hand- werkec- und Jnnungkfrage innerhalb der sozialen Frage. — Die Vorzüge der Verbrauchssteuern. — Wozu gebraucht der Reichskanzler neue Steuern? — Das Tabaksmonopol. — Der Unfallversicherungs-Gesetzentwurf. — Der Kamps - um die Währung. __________ '
Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber: O-de Grahl, Berlin. Druck der Norddeutschen Buchdruckerei u. Verlagsanstalt, Berlin, Wtlhelmstr. 32.
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