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Der Ausverkauf

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Dem Ausverkar

Wenn danebm auf jener Lehrerversammlung dem preußischen Kultusminister der Vorwurf ge­macht wurde, er sorge nicht für das äußere Wohlergehen seiner Lehrer, so ist das einfach nicht wahr. Der Kultusminister Falk freilich hätte gut wirthschaften gehabt, damals, als die Milliarden das Land überschwemmten, aber hat nicht er es gerade versäumt, ähnlich wie es in Bayern und Sachsen geschehn, einen Reservefonds für die Bedürfnisse der Lehrer und der Schule festzulegen?

Jetzt freilich, wo das Geld knapp ist, wo gerade die Liberalen jede neue Steuer, die Geld bringt, verweigern (so z. B. die Börsensteuer, die auch noch das Gute hat, daß sie gewiß den kleinen Mann nicht drückt, denn der kleine Mann jobbert nun einmal nicht, das thut blos der große Geldsack), da ist es sehr schwer, allen ge­rechten Ansprüchen der Lehrer plötzlich zu ge­nügen.

Die Lehrer haben es ja selbst ausgesprochen, sie wollten auf bessere Zeiten hoffen, und der Großherzog von Baden soll gesagt, haben: „es ist schon dafür gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen." Nun, dem schließen wir uns von Herzen an. Wir verstehen aber unter den Bäumen, die nicht in den Himmel wachsen sollen, die liberalen und internationalen Gift­bäume, die unser Volksleben mehr und mehr überschattet, und das gesunde, christlich-deutsche Leben unter sich erstickt haben!

Mögen auch die Lehrer bei den kommenden Wahlen dazu beitragen, daß diese Giftbäume gründlich ausgerottet werden, dann werden die ersehnten besseren Zeiten auch für die Schule nicht mehr zu fern sein.

„Seid einig!"

so predigen die liberalen Zeitungen ihren Lesern angesichts der bevorstehenden Reichstagswahlen fortwährend. „Unsere ganze Zukunft hängt davon ab." Ja, freilich hängt diesmal die Zukunft des lieben deutschen Vaterlandes von dem Ausfall der Reichstagswahlen ab, aber wer wird denn die liberalen Parteien zu Hütern unseres Glückes und unserer Zukunft machen?

Diese verschiedenen kleinen Parteien, als da sind: Fortschrittler, Sozialdemokraten, Alt-Liberale, Sezessionisten, Nationalliberale, und wie sie alle heißen, sollen erst für die Wahlen künstlich zu „einer großen liberalen Partei" zusammengeleimt werden, um dann bei dem nassen Wintcrwetter hier in Berlin schon in der ersten Session wieder auseinanderzufallen! , ,

Warum sind denn die Liberalen so unemrg? Nun da sind viele ehrgeizige Leute, die Führer, der Richter, der Lasker, der Bennigsen u. s. w., die wollen alle für sich kommandiren und schließ­lich will keiner gehorchen. Wenn sie sich so schon untereinander nicht vertragen, da kann man sich denken, was es mit der berühmten Freiheit und Gleichheit sür Andersdenkende und gar erst sürs ganze Volk auf sich hat! Nicht wahr. Du Bauers­mann, sie ist Dir gut bekommen, die Wucher- und Schacherfreiheit, die es jedem Trödler er­laubte, mit Dir zu handeln. Dich zu betrügen, Dich von Haus und Hof zu jagen!

Nicht wahr, Ihr Handwerker und christlichen Kaufleute, sie ist Euch gut bekommen, die Gewerbe- und Handelsfreiheit: Der wucherische Geschäftsmann und Großkapitalist, für den Ihr zu ehrlich wart, hat Euch ausgesogen und bankerott gemacht!

Auch Euch, Ihr Arbeiter, Euch ist sie gut bekommen, die Freizügigkeit, und wie alle die Freiheiten sonst noch.heißen! So lange Ihr ar­beiten könnt, braucht man Euch, seid Ihr aber alt und arbeitsunfähig geworden, dann wirft man Euch weg, und schließlich habt Ihr Alle das gleiche Recht zu hungern und zu verhungern, denn die Liberalen haben ja das Unfallsgesetz zu Fall gebracht, sie werden ebenso die Alters­versicherung verwerfen, wenn sie wiedergcwählt werden. Darum fort mit den Liberalen. Ihnen gegenüber steht eine große konservative Partei, die genau weiß, was sie will: Schutz des Christenthums und des Deuffchthums, ein starkes Königthum; Schutz der nationalen Arbeit in Ackerbau, Handel

und Gewerbe, Schutz und Hülfe dem Arbeiter gegen die systemmäßige Ausplünderung.

Was in der Wett passirt.

Unser Kaiser

begab sich in dieser Woche von Ems zum Besuch unserer Kaiserin nach Koblenz. Wenn auch die Erkrankung der Hohen Frau auf den Kaiser und Allerhöchstdessen Stimmung nicht ohne Eindruck bleiben konnte, so ist das Allgemeinbefinden des geliebten Monarchen doch ein zusriedenstellendes.

Hebet das Befinden unserer Kaiserin lauten die Nachrichten aus Koblenz bis zu diesem Augenblicke besriedigend. Die Heilung der durch die Operation verursachten Wunde nahm bisher einen normalen Verlauf. Es erscheint selbst­verständlich, daß in allen Kreisen des Volkes sich die innigste Theilnahme kundgiebt. In den Häusern der Reicheren, wie in den Hütten der Armen steigen, in aufrichtiger Verehrung, die Gebete Aller für die Wiedergenesung der theuren Landesmutter zum Himmel empor.

Ueber Leipzig und Umgegend ist der

kleine Belagerungszustand

verhängt und in Folge desselben die Ausweisung mehrerer Führer der Sozialdemokraten verfügt worden. Mit dieser Maßregel sind die liberalen Blätter gar wenig zufrieden und äußern sich daher recht empfindlich über dieselbe.

Eine Rede, welche

Gras Wilhelm Bismarck

in einer Volksversammlung vor vierzehn Tagen gehalten, hat eine große Verstimmung auf liberaler Seite hervorgerufen. In der Berliner Stadtver­waltung sollen sogar schon Berathungen statt­gefunden haben, ob man nicht klagbar gegen den Redner vorgehen wolle. Der „Deutsche Patriot" hat in der Rede des Grafen Wilhelm von Bismarck nichts Unrechtes entdecken können, und falls die Berliner Stadt­väter wirklich eine Klage gegen den Letzteren an­strengen sollten, werden sie voraussichtlich sehr wenig Glück mit derselben haben.

Um die

Lehret

für sich bei den bevorstehenden Wahlen zu ge­winnen, haben die Fortschrittler die Bezeichnung „die geknechteten Lehrer" erfunden. Von einer „Knechtung" der Lehrer hat bis­her aber noch Niemand etwas gemerkt und man sieht auch aus dem eben erwähnten Ausdruck, daß es der Fortschrittspartei auf eine Täuschung mehr oder weniger nicht ankommt.

In Oesterreich

haben die Excesse böhmischer Studenten gegen Deutsche in letzter Zeit große Erregung hervvr- gerufen. Viele deutsche Studenten sind ge- mißhandelt und derartig verwundet worden, daß ihre Aufnahme in Krankenhäuser erfolgen mußte. Der Kaiser von Oesterreich ist sehr un­gehalten über diese Ausschreitungen und Kron­prinz Rudolf, der in Prag wohnt, hat sogar be­kannt machen lassen, daß er seinen Wohnsitz dort aufgeben würde, falls sich diese Excesse wieder­holen sollten.

Sehr aufgebracht ist man über Frankreich in

Italien,

wo man die Ereignisse in Marseille noch immer in Versammlungen re. bespricht. Da in Mar­seille italienische Unterthanen beschimpft und thatsächlich angegriffen wurden, so hat das italie­nische Volk jetzt seinen ganzen Haß auf Frankreich geworfen.

Aus England

traf vor einiger Zeit die Nachricht ein, daß der Sozialdemokrat Most wegen tatsächlicher Auf­reizung zum Fürstenmorde zu 18 Monaten Zwangsarbeit verurthcilt worden ist. England scheint endlich zu begreifen, welche Gefahr das sogenannte Asylrecht in sich birgt und auch

die freie Schweiz

will, worauf mehrfache Anzeichen hindeuten, dieses Asylrecht jetzt sehr beschränken. Es steht zu hoffen, daß auch

Frankreich

in ähnlicher Weise künftig vorzugehen sich ent­schließt, weil dann die Ruhe, mehr und mehr zurückkehren und der Friede in Europa gesicherter erscheinen würde.

Rußland

hat natürlich noch sehr viel mit seinen inneren Angelegenheiten zu schaffen, wird aber, wenn die übrigen Staaten die unruhigen Elemente bei sich nicht mehr dulden, gewiß m kürzerer Zeit, als dies bisher zu erwarten stand, auch noch mit den Mördern von Profession, den Nihilisten, fertig werden.

Im „freien"

Amerika

hat eine ruchlose That große Aufregung Herbor­gerufen. Auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Garfield, wurde ein Revolverschuß abgefeuert und zwar von einem eingewanderten Franzosen, Namens Guiteau. Telegramme aus Washington melden, daß Gar­field so schwer verwundet worden, daß an sei­nem Aufkommen gezweifelt werden muß und während der „Deutsche Patriot" dies schreibt, ist der nordamerikanische Präsident vielleicht schon seinen Wunden erlegen. Der Tod desselben kann unberechenbare Folgen für das „freieste Land der Welt" — so nennen die Liberalen ja so gern Amerika — nach sich ziehen.

Wenn.

Sitzen am Ministertisch erst Fortschrittsherrn und Liberale

Dann wirst du geführt zum Glücke, deutsches Volk, mit einem Male!

Ist Herr Lasker Kriegsminister und Reichskanzler Eugen Richter

Forckenbeck der Mann des Innern, Albert Träger, groß als Dichter —

Gar Minister der Marine, und Bamberger der Fi­nanzen,

Rickert (Danzig) in Reserve, auszuhelfen gleich im Ganzen,

Etwa Eisenbahnminister, Post- und Telegraphen- leiter — _—

Ach, der gute deutsche Michel, würde endlich dann gescheidt er?

Der Mops.*)

Eine Fabel.

Es war einmal ein dicker Mops, Der ging, wie Möpse thun, auf allen Vieren Bei Hellem Mondschein einst spazieren. Da kam ein Graben in die Ouer', und hops! Sprang auch der dumme, fette Mops — Sinübcr meint ihr? — Nein! — r sprang zu kurz und fiel hinein

Von wegen seiner schweren Masse. Und als er endlich der Gefahr, Da zu ersaufen, ledig war, , So stellt' er sich recht mitten auf die Gaffe Und fängt euch da ein Schelten an, Daß man sein eigen Wort nicht hören kann. Es sollte aber dieses Schelten — Wem meint ihr wohl? — dem Monde gelten; Und der hat ihm doch nichts gethan.

Er schalt ihn aber Bärenhäuter, OchS, Esel, Schlingel und so weiter. , Der Mond — nicht wahr, der schalt doch wieder? O nein! — sah lächelnd auf den Mops hernieder Und fuhr, als ging's ihn gar nichts an, Lustwandelnd fort auf seiner Himmelsbahn Und wird seitdem, wie Jedermann bekannt, Noch immer Mond, nie OchS genannt.

•) Ob Vater Campe, alS er dies ersann, Wohl schon gedacht an manchen FortschrittSmann?

Auflösung des Rösselsprungs in Nr. 1:

Fortschritt und Sezessionisten Möchten sich bei unS einnisten. Und sie hoffen stark dermalen Auf den Sieg bei RcichStagSwahlen. Aber es wird anders kommen, Denn der Wunsch zählt zu den frommen, Oh, und lang sind die Gesichter Dann vom Rickert und vom Richter.

Verantwortlicher Redakteur: O.deGrahl, Berlin. Druck der Norddeutschen BrMruckcrei und Verlags« anstatt, Berlin, Wilhelmstraße 32.

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