hundert Unrichtigkeiten, neben der antiken Größe die Lüge verabscheuenden Cato!
Warum aber diese Erbitterung der Fort- schrittspresie gegen den Mann, der doch nur das Md bei dem rechten Namen genannt hat? Weil die Fortschrittspartei fürchtet, daß, nachdem jhr der Mantel abgerissen ist, mit dem sie ihre reichsfeindlichen Blößen deckte, diejenigen sich von jhr abwenden werden, welche bisher, durch die Macht der Phrase geblendet, patriotisch zu handeln glaubten, wenn sie diese Partei unterstützten und nicht ahnten, daß sie damit auf den Umsturz des Reiches selbst gerichtete Bestrebungen förderten! Mn liegen die Verhältnisse jetzt vor ihnen da und der Schleier, den die Fortschrittspresse wieder künstlich über dieselben zu breiten bemüht ist, kann nicht dicht halten vor denen, die unbefangen prüfen wollen. Zeder, der es gut mit seinem Vaterlande und seinem Könige meint, hat die heilige Pflicht, immer und ganz besonders bei den bevorstehenden Wahlen Diejenigen zu bekämpfen, welche als reichs- und königsfeindliche Republikaner sich gezeigt haben, und Denjenigen beizustehen, welche des Vaterlandes festeste Stütze sind!
Edle Dreistigkeit.
Das „Deutsche Reichsblatt", Organ des Herrn Eugen Richter, führt das deutsche Reichswappen an der Stirn. Ungefähr mit demselben Rechte, mit dem sich der Verleger Rudolf Rosse d. h. Moses zum deutschen Volke zählt. Denn die Fortschrittspartei hat an der Aufrichtung des deutschen Reiches nur einen negativen Antheil. Sie hat nicht bloß gegen die Reorganisation unseres Heeres, das die Siege von 1864, 66 und 70 erfochten, heftig gekämpft, hat nicht bloß zu den Kriegen 1864 und 66 das Geld verweigert und Preußen den „Großmachts- litzel" austreiben wollen: sondern sie hat auch gegen die Verfassung des Norddeutschen Bundes und gegen die deutsche Reichsverfasiung gestimmt. Wäre es nach ihr gegangen, so hätten wir gar lein deutsches Reich und Preußen wäre zu einer Macht zweiten Ranges herabgedrückt. Noch mehr. Ginge es nach ihr, so würde die Macht des Kaisers und seiner Armee, auf der die Sicherheit des Reiches beruht, beschränkt und erschüttert, so lvare der Mann, der das Staatsschiff mit starker Hand durch Sturm und Wogen hindurchlenkt, längst vom Steuer verschwunden. „Fort mit Bismarck!" ist schon längst Herrn Richters Parole gewesen; und wenn man das heute ableugnet, so ist das wieder nichts als eine edle Dreistigkeit.
Frisch und fröhlich, frei und dreist bindet das Blatt seinen Lesern Märchen auf und malt ihnen Gespenster vor. Die „Reaktion mit allen ihren Schrecken" bricht herein! Wer fürchtet sich tot'm schwarzen Mann?! Unser Kaiser und die von ihm berufenen Minister, an deren Spitze der Reichskanzler, wollen dem Volke die Kirche und die christliche Schule erhalten und den schädlichen Folgen des Kulturkampfes entgegenarbeiten: das nennt Herr Richter Reaktion; sie wollen dem thatsächlich darniederliegenden wirthschaftlichen Leben Rieder aufhelfen, wollen Industrie und Gewerbe, Handel und Landwirthschaft durch Reformen heben und die Steuerlast gerechter Vertheilen: nennt Herr Richter Reaktion. Das „Deuffche Reichsblatt" schwatzt den Lesern vor, die Regierung wolle nur mehr Geld und immer mehr Geld aufhäufen, ohne es zu gebrauchen. Traut rs ernsten Männern, die ihre ganze Kraft dem Wohl des Staates und seiner Angehörigen wid- snen, wirklich dies „kindische Vergnügen" zu? Fürst Bismarck hat wiederholt erklärt, er wolle Re Reichen mehr zu den Steuern heranziehen, ben kleinen Mann dagegen entlasten: das si,Deuffche Reichsblatt" behauptet kühn das Gegen- •Nl und straft ihn dreist Lügen. In der einen Rümmer behauptet es: die Kornzölle tragen gar nichts zur Vertheuerung des Kornes bei, nützen also dem Landwirth nichts; in der andern la- wentirt es darüber, daß dem armen Manne das Brot ganz gewaltig vertheuert werde. Und so öcht es fort.
Neben der edlen Dreistigkeit geht einher eine holde Verschämtheit.
Das „Deuffche Reichsblatt" vertritt nachweislich und nachdrücklich den Fortschritt. Der Verleger ist ein Jude, der vornehmlichste Mitarbeiter Eugen Richter, Führer der Fortschrittspartei. Dennoch spricht es nie von der Fortschrittspartei, sondern immer nur von der liberalen, der „großen liberalen Partei". Herrn von Bennigsen werden schöne Komplimente gesagt, die „Erklärung der Nationalliberalen" mit Sammethändchen angefaßt. Sehr klug! Die Herren wissen wohl, daß die Fortschrittler sich durch ihr Auftreten in einen üblen Ruf gebracht haben und daß das Wort „Fortschritt" einen dumpfen Klang erhalten hat. Als der Ausdruck „Demokraten" doch gar zu anrüchig geworden war, verwandelten sie ihn in „Fortschritt"; wenn auch dieser Name nicht mehr zieht, verstecken sie ihn hinter die allgemeine Bezeichnung „Liberalismus". Ob sie aber mit diesem Speck viele Mäuse fangen werden? Wir hoffen, ebensowenig wie mit ihrem Gerede über die christliche Religion und Kirche. Man sollte es kaum glauben, aber es ist so: dieselben Leute, welche sich für das moderne Judenthum in's Zeug legen, welche Kirche und Christenthum bei jeder Gelegenheit wüthend befehden und seit Jahren vielleicht ihren Fuß nicht mehr in ein Gotteshaus gesetzt haben — sie rühmen sich vor dem ganzen Lande ihrer Unwissenheit in biblischen Dingen — dieselben Leute geben ihrem Schmerze darüber Ausduck, „daß die Evangelischen sich immer mehr von der Kirche abwenden" und reden in hochtrabenden Worten von dem Christenthum und seinem Stifter! Ist das Verschämtheit oder Unwissenheit?
An die Handwerker.
„Es sind schlechte Zeiten" sagen heute die Handwerker und es ist wahr, die Zeiten sind schlecht für die Handwerker. Manch braver Handwerksmeister plagt sich unverdroffen von früh bis spät und erwirbt kaum den kärglichen Lebensunterhalt für seine Familie. Woran liegt das? Wenn man der Sache auf den Grund geht, zum größten Theile an den Handwerkern selbst. Ja, mein lieber Handwerksmann, das klingt bitter, aber der Arzt, der helfen will, kommt mit Lakritzen und Himbeerwasser nicht aus, der muß auch bittere Medizin geben. Das Handwerk befindet sich in Verfall in Folge der sogenannten liberalen Gesetzgebung, speziell der Gewerbefreiheit, der Preis- gevung der Innungen und an dieser Gesetzgebung trägt der Handwerker zum großen Theile mit Schuld.
Ich will meine Behauptungen beweisen. Wenn ein Schuhmacher sein Handwerk redlich erlernt und durch gute Arbeit sich eine Kundschaft erworben hat, so dauert es nicht lange, bis ein Anderer kommt, der vielleicht nach einem halben Jahre aus der Lehre gelaufen ist und sich ebenfalls als „Schuhmachermeister" niederläßt. Er pfuscht seine Arbeit zusammen, aber er macht das Paar Stiefel um 1 Mark billiger und die Kundschaft läuft zu ihm. Der Mann, der sein Geschäft redlich erlernt hat, muß nun auch seine Preise heruntersetzen, und so geht es fort, bis schließlich keiner mehr etwas verdient. Der Pfuscher macht dann Pleite, geht nach einer anderen Stadt und fängt das Spiel von Neuem an. Das ist der Segen der Freizügigkeit. Und wo der ehrliche Meister ja noch ein Paar Groschen verdient, da etablirt ein Mann, der die Brandsohle nicht vom Oberleder unterscheiden kann, einen Stiefelbazar, kauft in Ungarn, wo die Leute billiger arbeiten können, weil das Leder dort billiger ist, in Mafien ein und verkauft dann zu Schundpreisen. Das ist der Segen des Freihandelssystems. Kommt dann der deuffche Meister, dem der Mann, der noch keinen Stiefel selber gemacht, die Kundschaft entzogen hat und bittet um Arbeit, dann giebt er sie ihm zu Preisen, bei denen kaum das trockene Brod zu verdienen ist. Das ist der Segen der Gewerbefreiheit.
Genau wie bei den Schuhmachern geht es auch bei den übrigen Handwerkern. Die drei „liberalen Errungenschaften", Freizügigkeit, Freihandelssystem und Gewerbefreiheit sind es, die den Handwerkerstand ruinirt haben. Und daran, daß sie bei uns gesetzlich eingeführt wordm sind.
ist der Handwerker zum größten Theil selber Schuld. Wer hat jene Gesetze eingeführt? Die Liberalen. Wer hat sie vergeblich bekämpft? Die Konservativen. Die Handwerker aber haben bis jetzt fast immer ihre Stimmen den „entschieden liberalen", fortschrittlichen und demokratischen Kandidaten gegeben. Warum? Jeder Mensch strebt nach Freiheit und die Handwerker haben nicht bedacht, daß absolute Freiheit die Auflösung jeder staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung bedeutet. Freizügigkeit, Freihandel, Gewerbefreiheit, das klingt ja so schön freiheitlich und die „entschieden liberalen" Agitatoren haben mit ihren hochtönenden Phrasen dafür gesorgt, daß die Handwerker durch schöne Worte geblendet und getäuscht wurden. Daß aber diese „Freiheiten" schließlich noch zwei andere im Gefolge hatten, nämlich die Freiheit der Ausbeutung der Handwerker durch das Großkapital und die Freiheit für die Pfuscher, den ehrlichen Handwerker durch ihre Konkurrenz zu ruintren, das haben sie weislich verschwiegen, das hat der Handwerker erst jetzt zu seinem Schaden gemerkt. Zum großen Theile haben die Handwerker das erkannt, in Berlin, in Breslau, in Dortmund haben sie in Versammlungen, die von vielen Tausendm besucht waren, durch Resolutionen klar und deutlich gesagt, daß sie nichts mehr wifien wollen von jenen Freiheitsschwätzern, die uns belehren wollen, und, wie Herr Ludwig Loewe, nicht wifien, was wir in der Elementarschule gelernt haben, daß die Reformation, die den dreißigjährigen Krieg veranlaßt hat, vor diesem gewesen ist, hundert Jahre vorher.
Den Herren vom handwerkerfeindlichen Fortschritt aber wird bange um ihr Reich. Damm haben sie ihren Haupthelden, den durch seine langen Reden bekannten Eugen Richter, veranlaßt, ein Blatt zu schreiben, das, von den Herren Mosse (Moses) und Cohn herausgegeben, den Namen „Deutsches Reichsblatt" zu führen sich erdreistet und die Handwerker wieder unter das Joch ihrer Feinde zurückführen soll. Aber Thaffachen sprechen lauter als die Phrasen dieses Blattes, das fast nichts enthält, als Beschimpfungen derer, die durch die That bewiesen haben, daß sie Freunde der Handwerker sind, des Reichskanzlers und der Konservativen und wer nicht mit offenen Augen schläft, der läßt sich zum zweiten Male nicht bethören, sondern sagt: „Fort mit diesem Blatt, das unter der Maske der Volksfreundlichkeit uns zu verführen sucht, und fort mit den fortschrittlichen Redehelden! Ich wähle diejenigen, die sich als meine Freunde erwiesen haben, ich wähle konservativ!
Der das geschrieben hat, ist ein alter Handwerksmeister, der ftüher auch sich von den fortschrittlichen Phrasen blenden ließ, aber durch Schaden klug geworden ist!
Die Lehrerversammlung zu Karlsruhe.
In der Pfingstwoche waren 1600 deutsche Lehrer in Karlsruhe versammelt, um ihre Er- fahrungm aus dem Schulleben mit einander auszutauschen.
Die liberalen Zeitungen preisen diese Lehrerversammlung als ein „Bollwerk der Opposition gegen die Regierung", besonders gegen den preußischen Kultusminister.
Der Zweck einer solchen Versammlung ist an sich gut und schön, nur müssen deutsche Lehrerversammlungen auch von dem rechten Geiste getragen sein, von dem christlichen Geiste, denn unser Volk ist ein christliches Volk und will seine Kinder christlich erziehen lafien.
Der Geist auf den deutschen Lehrerversammlungen, wie sie jetzt sind, fließt aber nicht aus dem Christenthum, sondern aus nichts anderem, als der materialistischen Weltanschauung. Das zeigt sich ganz klar an einem in Karlsruhe gefaßten Beschlüsse, der es ausspricht, daß auch die Simultanschule geeignet sei, sittlich-religiösen Sinn zu pflegen. Also diese Versammlung empfiehlt die Simultanschulen, die überall, wo sie bestehen, nicht Friede und Eintracht, sondern Unfrieden und Feindschaft in die Gemeinden gebracht haben; die darum auch in Preußen Dank der Einsicht im Kultusministerium überall, wo sie nicht dringend geboten sind, wieder abgeschafft werden.