Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marbnrg und Kirchhain. —
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck uud Verlag von Joh. Ang. Koch.
Illustriertes Sonntagsblatt.
JVi 302
Erscheint? täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Ouartal-Abonnements-Preis bei der Expe- bition 2*/t Mk-, bei den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Mittwoch, 25. Dezember 1889.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg u-Wien; Rudolf XXIV. Habraana. Stoffe in Frankfurt a. M-, Berlin, München u. Köln; ®. 8. *** ’ «u 9UWÖ* Daube u. To. in Frankfurt o. M-, Berlin, Hannover, Paris.
Unsere verehrten Abonnenten bei der Post ersuchm wir freundlichst ihre Bestellung für das erste Quartal 1890 auf die Oberhesfische Zeitung mit ihren Gratisbeilagen
Kreisblatt fßr die Kreise Marburg uud Kirchhai« und
Ittttstrirrtes Sonntagsblatt
baldigst machen zu wollen.
Der Nr. 1 wird ein schöner Wand- «nd Notizkalender für 1890 gratis bei. gefügt. Für den erzählenden Teil unseres Blattes haben wir das Abdrucksrecht des höchst spannenden Romans
Eine vornehme Fran von Hermann Heiburg, Mitarbeiter des „Daheim" und anderer Blätter erworben und wird derselbe nach Beendigung der gegenwärtigen Erzählung zum Abdruck kommm. x
ZUM weihnachtsfest!
Wieder grüßt uns das Weihnachtsfest, nach ! manchen bewegten Tagen und Wochen, und freu- big versammelt sich die deutsche Familie zur weihe- bollen Feier des schönsten Festes im ganzen Jahre. Hellen Jubel entlockt cs der frohen Kinderbrust; als lieblich verklärte Feier erscheint sie auch dem gereiften Manne. Das ganze tiefe deutsche Fühlen, unser eigenstes Wesen wird durch die Weihnachtsfeier in Anspruch genommen, es ist ein deutsches Familienfest, und darum begeht auch keine andere Nation der Erde das Weihnachtsfest mit solcher Innigkeit wie wir. Darum halten wir aber auch unverbrüchlich fest an der poesievollen, erhebenden und beglückenden Feier, die den Lichtpunkt bildet in der langen Winterszeit! Weihnachten ist gekommen! das ist der Freudenruf, der von den Lippen unserer Kinderwclt schallt, und Weihnachten ist gkkowmen, so sprechen die Großen nach. Friede und Ruhe beglückt die Millionen, Freude und Friede erfüllen das deutsche Haus. Verklärend tritt das hohe Fest
Weihnachten.
Ein? Flammenkranz, ein Glorienschein umstrahlt das eine ‘ Wort,
Unb Weihnacht" schallt es überall vom Süden bis zum Norb. Die weihevolle, heil'ge Nacht, bie ist uns wieder kommen, Das schönste Fest der Christenheit, ein wahrer Wunderbronnen! «in hellauf Jauchzen füllt die Welt trotz Wintersschnee und Eis,
Das füllt die Brust unb wärmt bas Herz bet Jugend, F wie beim Greis;
Für Alle gilt das Weihnachtslieb als Siegs- unb Freudenlied, Als eine Kunde befs'rer Welt, bie alles Niedre flieht.
Auf Erben Friebe uns verheißt bas Weihnachtsfest so hehr, Verheißung, wie noch keine klang an unser Ohrbisher. llnd Wahrheit liegt im Weihnachtsgruß voll Müde und voll Huld.
Der Friede kommt dereinst einmal! Wart' ab nur in Geduld! Des Friedens Herold Freude heißt, und bie kehrt bei uns ein, Venn nur am Christbaum erst erglänzt bet Kerzen goldner Schein;
Venn aus beut Äug' von Groß unb Klein Zufriedenheit nur blinkt.
Und bann „Lob sei bem Höchsten!" hinauf gen Himmel bringt. Db's'nun ein Schloß ist, ein Palast, ob Mein Häuschen klein: ks bricht bie heil'ge Weihenacht für Alle gleich herein! Der frohe Sinn, bie Weihnachtslust sind Allen gleich bescheett, 6ie$fteH’n sich ein, wo immer ist em treuer deutscher Herd. 8m Land, bas Eis unb Schnee nie wK^Renh-s Und dort auch deutsche Jugendkrast geheimem Sehnen lauscht Das Weihnachtsfest, das deutsche Fest, bricht auch fur ste hereii^ Und stille Grüße fliegen heiß zum Vaterland dann Heun. Der ganze deutsche Volkesstamm, und wo er auch zerstreut, Ist doch mit seinem ganzen Sinn so treu verbunden heut. Der Sieben rings im Weltenrund denkt lebeS deutsche Haus, Denn Bruderstimme kräst'ger spricht noch als des Sturms Gebraus.
Der deutschen Weihnacht unser Hoch, ihr unfern vollen Gruß, Villkommen sie, bie uns begrüßt, mit ihrem Freudenkutz. Freut Euch, bie weihevolle Nacht, ist wieder uns gekommen Dar schönste Fest der Christenheit, ein wahrer Wunderbronnen!
auch an die heran, deren Mut durch Krankheit, Not und Sorge gesunken. Keiner bleibt ganz ungerührt, wenn die Weihnachtslieder erklingen, und unter ihrem Klange sprießen frische Kraft undfrische Hoffnung auf.
In bewegter Stimmung können wir in diesem Jahre das Christfest begehen. Seit langer Zeit schweigt zum erstenmale aller Kriegs- und Waffenlärm, eine wirklich weihnachtliche Stille ruht über ganz Europa. Noch starren die Völker in Waffen, ist keine Aussicht vorhanden, daß die eiserne Waffenrüstung sich milder gestalten wird, aber wir wollen diese Weihnachtsstille als Vorboten für die Erfüllung der Weihnachts - Verheißung ausfaffen: „Friede auf Erden!" Ja, wir feiern unser schönstes fest im vollsten, tiefsten Frieden, die Spannung, welche die Staaten Europas so lange in Aufregung und Unruhe gehalten, sie beginnt sich zu lösen, und wenn auch die Annäherung der Staaten und Völker noch viel, viel zu wünschen übrig läßt, ruhigere Gedanken sind doch zur Herrschaft gelangt und üben einen wohlthätigrn Einfluß aus. Ruhig und friedlich steht unter allen den Mächten unser Deutschland dar, immer bemüht, versöhnend zu wirken, bestehende Mißverständniffe zu beseitigen, uneigennützig thätig im Dienste des Friedens. Und der ehrlichen Arbeit hat auch der ehrliche Lohn nicht gefehlt: das zweite Jahr, in welchem Wilhelm II. die deutsche Kaiserkrone trägt, neigt seinem Ende sich zu, und nie waren die Aussichten für die Zukunft so günstige, wie gerade jetzt. Das sind freudige Gedanken beim brennenden Christbaum, Gedanken, die uns das Weihnachtsfest doppelt als Friedens- und Freudenfest erscheinen lassen, in uns die Hoffnung bestärken, daß dereinst wahr wird: Friede auf Erden!
Bewegt sind die Zeiten und drohen uns nicht äußere Feinde, so haben wir zum Weihnachtsfest um so mehr Anlaß, unsere Blicke auf das zu richten, was uns umgiebt, was nicht nur unser Betrachten, sondern unser Mitraten und Mitthaten erfordert. Lebhafte Bewegungen gingen im Laufe des Jahres durch weitere Bevölkerungsschichten; sie sind noch nicht zum Abschluß gekommen, und wie sie zum Ende gelangen, zu welchem Ziele sie kommen, das steht beim ganzen deutschen Volke. Neue Zeiten kommen unaufhaltbar heran und wir dürfen nicht abwarten, daß sie uns überraschen/ es gilt, bei Zeiten selbst die Hand anzulegen und mitzuhelfen, damit ftiedlich und versöhnlich das Eine in das Andere sich füge. Weihnachten predigt uns mit gewaltiger Stimme die Liebe des allmächtigen
(Nachdruck verboten.)
»ofe.
Roman von I. von Werth.
(Fortsetzung.)
Er starrte lauge auf die feinen ungleichmäßigen Schriftzüge, welche ed bedeckten, ohne daß doch seine Mienen den strengen ersten Ausdruck verloren hätten.
»Mein Freund', so lautete das Schreiben, „nicht wahr, ich bin neulich wieder einmol ganz das launenhafte Kind gewesen, das Ihnen gar nicht gefällt. Sie zürnen mir, daß ich von Ihrer jungen Deutschen nicht gerade liebevoll gesprochen. Ich gebe Ihnen jetzt R-cht; das war nicht gut von mir uud ich möchte eS gern sühnen. Schicken Sie mir die Dame uud ich verspreche Ihnen, sie sehr liebenswürdig anfzu. nehmen. Mit diesem Zugeständnis wollen wir Frieden oder doch Waffenstillstand schließen. Um ihn zu besegeln, erwarte ich Sie heute Abend trn feindlichen Lager, um den Thee einzunehmen mit Ihrer
friedlichen Ariauua.'
Endlich fältelte er das Billet wieder zusammen warf einen prüfenden Blick über seinen Anzug und rief wenige Minuten später, in den Wagen steigend, dem Kutscher zu: ,Casa Goffredi.'
Wieder ist die ganze Zimmerflucht erleuchtet. Ariauua hat den Befehl gegeben, den Gast ohne vorgehevde Meldung ein treten zu lassen. So kommt es, daß der Cousul die Zimmer leer findet. Er tritt erst betrachtend vor eines der vielen kostbaren Oelge- mälde. D"nn durchwandert er die Reihe der Ge- mächer. Die dicken Teppiche, welche überall das bunte Marmor.Parquet verdecken, machen seine Schritte nnbörbar. So kommt er an das kleine Bondonir. Im Thürrahmen, dort, wo gestern Pater Alfonso gelehnt, bleibt er stehen. Vor ihm, ans dem Bet. schemel zn Füßen des MadonnendildeS, kniet wieder- nm die Herrin des Hauses. Die Arme hängen wie müde herab. Zwischen den verschlungenen weißen Fingern hält fie den Rosenkranz. Sie hat die Schläfe
Gottes zur Menschheit/ unter dem Einfluß dieser milden Lehre ist in der Welt das Schönste und Größte geschaffen, sind wir unaufhaltsam weiter geschritten, auf dem Wege der Kultur und Gesittung. Aber nie ist ein Stillstand im Völkerleben, und so gehen auch wir jetzt mit schnellen Schritten vorwärts! Blicken wir doch um uns, vergleichen wir 1889 mit 1879, wie ganz anders stellt sich heute alles dar? Tiefgehende Aenderungen sind geschaffen, hochbedeutsame Neu-Einrichtungen gekommen, Deutschland hat versucht, nach besten Kräften den Pflichten zu genügen, welche die Zeit an uns gestellt hat. Die Gesetzgebung ist mächtig, aber mächtiger ist die Volkskraft; sie muß sich immer mehr bethätigen, jeder Einzelne eintreten für Frieden und Versöhnung im ganzen großen Vaterlande, dann wird auch der reiche Segen solcher Mühe gewiß nicht ausbleiben.
Wir freuen uns des Weihnachtsfestes, wir gedenken gern der verlebten ftohen Stunden noch nach Wochen, und liebe Geschenke rufen uns jeden einzelnen Moment ins Gedächtnis zurück. Pflegen wir aber auch das tiefe und dankbare Empfinden bei uns und anderen auch in der Folgezeit. Gerade in den bekannten Bewegungen dieses Jahres ist viel über Undankbarkeit, ob mit Recht oder Unrecht, mag heute dahingestellt bleiben, geklagt worden, Verbitterung und Verfeindung ist dadurch eingetreten. Das muß fort aus dem deutschen Volke, ist unserer nicht würdig. Sehen - wir, wie Weihnachten ein ganzes großes Volk zur ftohen Feier wie eine Riesenfamilie vereinigt, wie es durch diese Einmütigkeit allen gleiche Freude bringt. Und wir sind auch in den übrigen Wochen des Jahres auf Einigkeit und freundliches Entgegenkommen angewiesen, wir können nicht immer nach eigenem Kopf und nach eigenem Willen handeln, selbst wenn uns unsere Ansicht als die bessere erscheinen mag. Durch Einmütigkeit haben die deutschen Stämme sich ein machtvolles Vaterland, eine Weltstellung errungen, Einmütigkeit seiner Bürger allein kann uns Wohlstand geben und Gedeihen bringen. Daß in dieser Richtung noch sehr viel geschehen kann, daß darin noch manches zu wünschen ist, wissen wir alle; wir wissen auch, daß bei allseitigem guten Willen eine Besserung emtreten kann. Daß sie recht bald kommen, reiche Früchte für uns er ganzes Volk zeitigen möge, ist unser Festwunsch.
Deutsches Reich.
Berlin, 23. Dezbr. Der Kaiser, welcher wieder völlig hergestellt ist, empfing heute vormittags ans das kleine Gebetbuch gelehnt. Die Lippen be- wegen sich betend, während nnter den geschlossenen Lidern hervor langsam Helle Tropfen quellen. Um bie betenden Lippen aber liegt ein süßes liebreizendes Lächeln. Die sonnigen, blauen Angen des Mannes können sich nicht losreißen von diesen: Bilde und dennoch drängt sich ein anderes ihm ans. ES ist im Schlafzimmer seiner Kinder. Sie fitzen mit fromm gefalteten Händen in ihren Bettchen. Zwischen ihn steht hoch anfgerichtet eine schlanke Mädchenge- gestalt im schwarzen Trauerkleide, die schmalen Hände in einanbergelegt, den ernsten Blick an den dunklen Nachthimmel geheftet, der mit tausend goldenen Sternen in das Fenster schaut. Das ist das Mädchen das sich als wahres Kind des einen ewigen Gottes fühlt nnb in Freude unb Schmerz dankend unb flagenb, sich an fein Vaterherz flüchtet. Sie spricht mit fünfter inniger Stimme klare Worte, bestimmte Gebanken aus, nnb bie Kinderlippen sprechen sie nach. So beten fie für ihn.
Doch der Anblick deS Inieenben, schönen Weibes läßt ihn nicht weiter zn bergleichen Gebanken kommen. Sie, biefe greifbare, schöne Wirklichkeit, verhindert seinen Geist, sich weiter mit den idealen Fragen des LebensrätselS zn beschäftigen.
Die Lippen der Betenden bewegten sich noch immer während Perle auf Perle durch die schlanken Finger gleitet. Die Worte werden vernehmlicher; fie betete den englischen Gruß. „JesnS, der unsere Liebe entzünden wolle', tönt eS an das Ohr deS Lauschers. Da stockt die Beterin. Sie schlägt die Augen auf und wiederholt: „Nein, nein; der die Liebe in feinem Herzen entzünden möge.'
AIS fühle fie den warmen Blick der blauen Augen der aus ihr ruht, wendet fie den Kopf. „Giovanni', ruft fie und eilt ihm entgegen. „Giovanni', wiederholt fie fast ängstlich und bleibt auf halbem Wege stehen. Die auSgestreckteu Arme gleiten herab und das schöne, stolze Haupt fenft sich Scham übergossen.
Da steht er vor ihr unb ergreift ihre beiden
die Vorträge deS Zivil- und des Mililärkabinetts. — Dem Bundesrat ist der Entwurf eines Gesetzes für Elsaß-Lothringen, betreffend die Verjährung der Fischereifrevel, zugegangen. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht einen Erlaß des Ministers Lucius an die Landesbehörden, worin angeordnet wird, daß behufs Abwehr der unter der Bezeichnung „Influenza" begriffenen Pferdekrankhciten (Brustseuche, Pferde- stäupe, Skalma) Ausbruch und Erlöschen der Krankheit schleunigst im Kreisblatte veröffentlicht, den Vorständen der Gestüte wie den Generalkommandos Nachricht gegeben und dem Minister über den Stand alljährlich am Jahresschlüsse Bericht erstattet werde. — Ein merkwürdiges Urteil hat das Bundesschwurgericht in Neuenburg in der Schweiz gefällt. Wie schon mitgeteilt, sind die drei Anarchisten, welche wegen der Verbreitung eines anarchistischen Manifestes angeklagt waren, sämtlich sreigesprochen worden. Die Freisprechung erfolgte nicht etwa, weil bie Angeklagten bet ihnen zur Last gelegten That nicht überführt worden wären, im Gegenteile, die Angeklagten bekannten sich alle drei bei ihrem Verhöre für schuldig, ja der Hauptangeklagte Nicollet erklärte noch mit Emphase, er begehre keineswegs die Nachsicht der Geschworenen; ob er schuldig oder unschuldig erklärt werde, in jedem Falle werde er in der anarchistischen Propaganda und mit dem Verbreiten von Manifesten fortfahren. Trotzdem der der Anklage zugrunde liegende Thatbestand also zweifellos festgestellt war, gaben die Geschworenen ihr Verdikt auf „nichtschuldig" ab, wofür ihnen auch noch auS dem Publikum heraus Bravorufe zuteil wurden. Die Herren Anarchisten können nun alle unverdrossen weiter arbeiten, von der schweizerischen Justiz werden sie so leicht nichts zu befürchten haben. Unb dabei verwahrt sich noch die Schweiz dagegen, daß sie den Anarchismus und die Sozialdemokratie begünstige. — Unter Vorsitz des Ehrenpräsidenten, Oberbürgermeisters v. Forckenbeck, und des Festpräsidenten, Stadtverordneten Diersch fänd gestern im Bürgersaal des Rathauses in Berlin eine Sitzung sämtlicher Ausschußmitglieder für das zehnte deutsche Bundesschießen statt. Oberbürgermeister von Forckenbeck eröffnete die Sitzung mit einer Ansprache. Es gelte jetzt, alle Kräfte einzusetzen zur Erreichung einer würdigen Feier des zehnten deutschen Bundesschießens in der Reichshauptstadt; die Erreichung solch hohen Zieles entspräche nicht nur der Würde derselben, sondern auch dem Ansehen, das der deutsche Schützenbund genießt. Als im Herzen des deutschen Volkes die Einheitsbestrebungen wieder lebendig
Hände. „Brianna, Sie haben mich gerufen. Da bin ich.'
«Ich glaubte es nicht, daß Sie meinem Rufe folgen würden. Daher bin ich nun so glücklich, daß Sie doch gekommen', entgegnete fie verwirrt. Doch plötzlich schonte sie auf. „Sie hoben mich vorher beobachtet?' Und heftig entzieht sie ihm ihre Hände.
Ja, Madonna.' Er bleibt unbeweglich, bis fie vor seinem Blick die Lider senkt. Dann fährt er fort: „Ariauua ich habe uachgedacht, für wen Sie mit so hellen Glückesthräneu nnb so lächelnder Innigkeit beten möchten, nnb welchem Glücklichen enblich Ihre letzten Worte gelten konnten.'
„Fragen Sie nicht, nein, fragen Sie nicht', bittet Brianna.
-Er hätte an meiner Stelle stehen müssen', fährt Johannes fort, „nnb feit biefer Stunde würde er Sie anbeten. Doch warum find Sie so gar geheimnisvoll damit? Der Name heißt, wenn ich nicht irre Guglielmo Goffredi.'
-Nicht diesen Namen', ruft fie heftig. „Sprechen Sie ihn nicht ans. Ich mag, ich will ihn nicht hören von Ihren Lippen.'
Er sieht verwundert zu ihr nieder. „Sv galten jene Worte nicht ihm, nicht Ihrem Gatten?'
„Nein, nein, nein*, entgegnet sie leidenschaftlich, »nicht ihm gelten meine Gebete, nicht ihm gilt meine Sehnsucht, meine heiße Liebe.' Die letzten Worte hat fie nicht ungestüm, sondern schnell nnb leise gesprochen, bie Hände auf das pochenbe Herz gebrfidt. Unb so, schnell nnb leise, wie im Fieber, spricht fie weiter, währenb ein Schauer bisweilen ihre Gestatt erbeben läßt nnb ihre Blicke unverwandt an der kleinen flackernben, heiligen Lampe hängen.
„Ich hab' ihn nie geliebt, nie, niemals. Ich wurde fein Weib, wett Andere es wollten. Aber ich wußte auch nicht, was Liebe ist, was lieben heißt, und fühlte die Veränderung in meinem Leben nicht sonderlich, feit ich den Namen gewechselt und diesen Goldreif trug.