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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg md Kirchhain. Illustriertes

Expeditton: Markt 31. Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Ang. Koch.

M 301.

I

Erscheint^ täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Ouartal-Abonnements-Preis bei der Expe­ditton 2*/+ Mk-, bet den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (extl. Bestellgeld). Jnferttonsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für di« Zeil« 25 Pfg.

Marburg,

Dienstag, 24. Dezember 1889.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfutt a. M., Caffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXIV Mofle in Frankfurt M., Berlin, München u. Köln; ®. 2- *

Daube u. Lo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Unsere verehrten Abonnenten bei der Post ersuchen wir freundlichst ihre Be­stellung für das erste Quartal 1890 auf die Oberhesfische Zeitung mit ihren Gratisbeilagen

Krrisblatt

fite die Kreise Marburg uud Kirchhain und

-llnftkiertes Sonntassblalt baldigst machen zu wollen.

Der Nr. 1 wird ein schöner Wanb- «nd Notizkalender für 1890 gratis bei­gefügt. Für den erzählenden Teil unseres Blattes haben wir das Abdrucksrecht des höchst spannenden Romans

Eine vornehme Frau von Hermann Heiburg,

Mitarbeiter desDaheim" und anderer Blätter erworben und wird derselbe nach Beendigung der gegenwärtigen Erzählung zum Abdruck kommen.

DieKitter der Arbeit "

In den Vereinigten Staaten von Nordamerika hat sich ei« Ereignis vollzogen, das auch für Deutschland eine m>tze Lehre bedeutet:ES ist der Zusammenbruch I Mer Organisation, die alsOrden der Ritter der I Arbeit" so viel genannt wurde. Der Orden nahm seinen Anfang 1865 unter den Schneidern von Philadelphia, erweiterte sich zu einem Bunde, der olle Geschäftszweige ohne Unterschied umfaßte und erklärte, die Arbeiter so organisieren zu wollen, daß sie Gehorsam für ihre Forderungen erzwingen könnten. Man folgerte: Wenn alle Arbeiter der Vereinigten Staaten zusammenhalten, ihre Forde tungeit gemeinsam geltend machen und in keinem Falle davon abgehen, fo müssen sie gewinnen. Ein Mgcmeiner Streik, der alle Mittel des Transportes und der Produktion umfaßt, ist eine Waffe, die un­möglich versagen kann. In der Theorie schien das bielverheißend und eine Weile ging alles sehr gut. Bald schienen die Ritter der Arbeit eine Macht im Lande zu sein. Große Schaaren schloffen sich ihnen

(Nachdruck verboten) «ort.

Roman von I. von Werth. (Fortsetzung.)

i Der Manu beugt sich nieder, tiefer uud liefet Hs Ariauua erschrocken herum fährt. Sie hat einen f heißen Atem aus ihrem Nacken gefühlt.

-Giovanni", will fie rufen. Doch da steht vor k eine dunkle Gestalt im laugen schwarze« Priester- leide, den dreieckigen Hut auf dem Kopf. Jetzt timmt er ihn ab und mitten ans dem kurzen schwarzen

: haar alänzt weiß wie Elfenbein die Tonsur. Er rcheht segnend die Hand und spricht mit einer feien ch verschleierten Stimme: .Gegrüßt feist Du, meine

] tochter.*

1 -Ach, Ihr seid eS, Pater Alfonso", sagt fie, und i I zittert wie eine leise Enttäuschung durch ihre stimme. Seufzend erhebt fie fich und schellt nach Licht. Dann tritt fie au deu Pater heran, führt line Hand mechanisch an die Lippen nnb läßt fich in ihm zu eine Divan geleiten.

Laßt wich jetzt nicht allein, mein Later, ich kann itzt ni»t beten. Mein Herz ist voll Sunbe anb keine Lippen find nntein. Helft Ihr wir, Ehrwürben «ein Vater.' Sie verhüllt das Seficht mit btn 1 finben. ES zuckt in ben Angen beS Mannes ans.

»arm rückt er bebächtig einen Sessel neben den Divan »b nimmt baranf Platz.

Die Kirche ist gütig, gnädig nnb barmherzig. Sie mmt fich in ihrer grenzenlosen Liebe auch ber ver- ^enen Schäflrin au, fie führt mit milber Hanb bie rirrten auf ben rechten Weg zurück nnb hilft benen Neber anf, bie in ihrer Verblendung gestrauchelt und efallen.' Nach' dieser Einleitung ging der Pater #f das Beben AriauuaS ein. Er hatte einst, noch

junger Geistlicher, das halbwüchsige Mädchen, das Nbefchreiblich schön zu werde» versprach, in dem Schmutz vld der Unordnung einer neapolitanischen Santina t«fgesunden. Auf feine Vermsttelnug hin hatte fich die

an. ImBoykott", imWanderredner", in den Beschlüffen einer geheimen streng zentralisierten Ver­waltung schienen die Arbeiter nahezu unwidersteh liche Mittel zu haben für die Durchführung ihrer Zwecke. Trotz dieser großen Vorteile, obwohl die staatliche Gesetzgebung und Verwaltung auf die Ritter der Arbeit keinerlei Druck ausübte und die Politiker ihm geradezu schmeichelten, hat der Orden doch si inen völligen Zusammenbruch erlebt. 1886 besaß er 750 000 zahlende Mitglieder; so ziemlich jeder vierte Mann der gewerblichen industriellen Arbeiter gehörte dazu. In diesem Jahre sind die Mitglieder auf den zehnten Teil herabgegangen und diese werden in den Listen nur festgehalten dadurch, daß man ihnen Rückstände und Beiträge erläßt. Die luxuriös eingerichteten Bureaus in Philadelphia, die man vor vier Jahren um 200 000 Mark erbaut hat, sind verpfändet zur Deckung von laufenden Ausgaben, Ortsvereine lösen zu Tausenden sich auf. Wie ist das Alles so gekommen? Der Grund liegt nicht blos darin, daß die Arbeiter merkten, wie ihre Beittäge dienen mußten, um den vollziehenden Beamten der Gesellschaft ein ange­nehmes Leben zu ermöglichen. Hätte der Arbeiter­meister Powderley sich bemüht, eine dauernde Hebung der Lohnverhältnisie zu erzielen, so hätten ihm seine Leute seine 20 000 Mk. pro Jahr, freie Wohnung und Reisediäten nicht mißgönnt. Aber völlige Erfolg­losigkeit zusammen mit den hohen Gehalten der Beamten, das hat seinen Ruin herbeigeführt. Der Orden verzeichnete eine enorme Menge Mitglieder, organisierte verschiedene große Streiks, veranlaßte allerlei Lärm und Tumult, brachte ein bis zwei völlig unbrauchbare, schlechte Gesetze durch, aber für die wirkliche Hebung der Arbeiterverhältniffr hat er lediglich nichts geleistet. Die Nachricht, daß der Großmeister der Arbeiter Zeit und Mittel gefunden hat, sich für die Juristenlaufbahn auszudilden, wird kaum dazu helfen, der sterbenden Organisation neues Leben zu schaffen. Trotz alledem soll der Orden beabsichtigen, einen neuen Versuch in England und aus dem europäischen Festland zu machen. Es wird gut sein, wenn die Arbeiter der alten Welt sich erinnern, wie cs dem Orden in Amerika gegangen ist, falls sie ausgefordert werden sollten, als europäische Ritter der Arbeit sich einzuzeichnen.

Sevtsches Keich.

Berlin. 21. Dez. Der Kaiser, welcher be­kanntlich von einer leichten Erkältung ergriffen wor­den war, ist, wie derHofbericht" meldet, jetzt

Kirche ihrer angenommen. So hatte man fie in einem Kloster in der Nähe von Rom erziehen lassen und fie mit Allem umgeben, was das Leben schön nnb ange­nehm macht. Dadurch hatte man ihre Liebe nnb Dankbarkeit zu erringen gesucht.

Damals, als Ariauua eben zu voller Schönheit er­blüht war, ba hatte ber Prior einen Namen genannt nnb hinzugefügt:Wir müssen Macht gewinnen über btefen Mann, über feinen weitreichenden Einfluß und seinen Reichtum.'

Mau führte Ariauua mit ihm zusammen. ES kam wie ein Zufall. Des Mädchens unbewußte Schön­heit besiegte fein nnbeschützteS Herz. Nun kam er il fiero Goffredi, wie er in der Stabt genannt wurde alS Bittender tn ben Orden. Er bot alles, was er befaß, für bie Hand AriannaS. Der Prior ließ fich rühren. Ja derselben Stunde, in der Guglielmo Gvffredi bie Akten in das Priors Hand legte, in welchen er vor dem himmlischen nnb bem irdischen Richter beschwor, baß er fich von bem Augenblick an, in welchem er Ariauua als fein angetrantes Weib umfange, nur noch für ben Verwalter seiner Reich­tümer ansehen wolle, ba btefelben nach feinem Tobe säwmtlich ber Kirche znsallen, ebenso wie bie Kinber welche Gott ihm schenken würbe, Eigentum ber Kirche sein sollten, in berfelben Stunde trat Ariauua mit ihm vor den Altar. Er, Pater Alfonso«, hatte mit all de« übrigen Priestern der Trauung beigewohnt.

Gvffredi ließ fich mit feinem jungen Weibe in Mailand nieder nnb ber Prior schickte auch Pater Alsonss dahin, um feine Schützlinge nicht ganz außer Acht zu lasse«.

So verging ein Jahr nach bem anbern. Gott hatte ihnen ketue Kinder geschenkt, aber Guglielmo Goffrebi war glücklich im Befitz feines schönen Weibes. Er war ein eifriger Diener nnb Anhänger ber Kirche geworben. Der Prior betraute ihn öfter als einmal mit geheimen Senbnuge« nnb ehrenvollen Aufträgen. Ariauua kümmerte fich wenig barnm.

War er anwesend, so war fie heiter; war er fort

vollständig wieder hergestellt und hat bereits gestern Nachmittag das Bett wieder verlassen können. Heute erschien der Kaiser bereits frühzeitig in seinem Ar­beitszimmer und erledigte Regierungsangelegenheitcn. Nachmittags nahm der Kaiser noch einige Vorträge entgegen. Auch das Befinden der Kaiserin, des Kronprinzen und der kaiserlichen Prinzen ist ein ganz vortreffliches. Am 30. Dezember wird das Kaiserpaar mit den Prinzen und dem gesammte« Hofstaate vom Neuen Palais nach Berlin über­siedeln, um während der Winterzeit im Schlöffe Wohnung zu nehmen. Das Weihnachtssest wird von ber Kaisersamilie im Neuen Palais gefeiert werben. DasArmecverordnungsblatt" publizirt eine Kabinetsordre vom 12. Dezember, wonach Linien-Ulanen und Dragoner, soweit sie nicht einen Namenszug führen, auf den Epaulettes, Achselstücken und Schulterklappen die Regimentknummer zu führen haben; ferner eine Bekanntmachung über die zu Neujahr eintretende anderweitige Organisation des Kriegsministeriums und die provisorische Einrichtung eines vierten Waffen-Departemcnts, sowie einer neuen Handwaffen-Abteilung, endlich die Uebersicht der In­fanterie-Truppenteile, welche zum 1. April Ein­jährige einstellen. Die Eröffnung des Landtags am 14. Januar wird nach derPost" wahrschein­lich durch den Kaiser in Person vsrgenontmen wer« werden. Der Reichsanzeiger" veröffentlicht heute das neue Bankgesetz. Der Unterstaatssekretär von Zastrow ist heute Vormittag plötzlich verstorben. Tas Ministerium des Innern, welchem der Ent­schlafene angehört hatte, widmet denselben folgenden Nachruf: Das königliche Ministerium des Innern hat einen schweren Verlust erlitten. Der Unterstaats- Sekretär, Präsident der königlichen Prüsungs-Kom- mifsion für höhere Verwaltung-beamte, Schatzmeister des Johanniterordens, Wirklicher Geheimer Ober- Regierungsrat Herr Alfons von Zastrow ist heute Morgen um 11 Uhr im 56. Lebensjahre durch Gottes unerforschlichen Ratschluß mitten in seinen Berufsgeschäflen aus diesem Leben abberufen wor­den. Tief erschüttert stehen wir an der sterblichen Hülle des zu früh Heimgegangenen, in welchem der königliche Dienst und das Vaterland einen durch her­vorragende geistige Begabung und unermüdliche Hingebung ausgezeichneten Beamten, wir aber einen Kollegen von unwandelbarer Liebenswürdig­keit und Herzensgüte verlieren. Die Geschäfte für den verstoibenen Unterstaatssekretär im preußischen Ministerium des Innern, v. Zastrow, führt vor­läufig der Direktor im selben Ministerium, Braun-

so war fie nicht minder vergnügt. Zum Abschied bot fie ihm lächelnd die Lippen nnb beim Wiebersehen streckte sie ihm fröhlich bie Hanb entgegen. Ihr Herz schlief. Doch eS sollte empor geschüttelt werbe« a«S feinen Träumen. Vor sechs Monaten etwa hatte Guglielmo von ihr Abschied genommen. Sie hatten erst kurz vorher ihr Landhaus t« der Nähe beS Komer-See's bezogen. Da geschah eS, anfeiner ihrer einsamen Wauberungeu, anf bem klassischen Boden in den Ruinen des Kastello Barodello, wo einst Friedrich Barbaroffo nach der unglücklichen Schlacht bei Legnano rot ben Nachstellungen feiner Feinde eine verschwiegene Zufluchtsstätte gefunden.

Pater Alfonso kannte die kleine Scene, die fich dort abgespielt, genau so gut, als wäre er selbst habet gewesen und hätte neben jenem Mann mit den wunder­sam klaren, blauen Augen an dem dicken Gemäuer des runde« Thurmes gelehnt, wo dickköpfige, rot- blühende Disteln zwischen dem Geröll hervorwachsen, nnb bie Kl tterakazie wuchert. Seit jener Stnnbe war eine Beräuberuug mit ihr Dorgegangen. Die herrliche Blüte in bem Menschengarten hatte eine Seele bekommen, eine feurige, glühende Seele. Sie erschloß ber Liebe, btefem fremden wonnigen Gefühl ihr ganzes Herz. Das war Glück! Glück, wie fie eS nie zuvor auch nur geträumt. Je mehr diese Liebe fie aber ganz beherrschte, desto größer wurde auch die Sehnsucht nach einer Erwiderung ihres Gefühls. Damit begann für fie die Zett der schwankenden Pein, des Zntodebetrübtseins.

Manche Gedanken hat ber Pater ausgesprochen nnb mit Ermahnungen zur Dankbarkeit nnb gelegen!- licheu Erinnerungen an ihre Abhängigkeit von ber Kirche umrankt. AlS er jetzt inne hält, erhebt Ariauua de« Arm, weist auf ein Seitenttschchen, anf bem ein erbrochener Brief liegt nnb sagt:Da schreibt er, daß er bald heim kommt. Und ich kann jetzt feinen Anblick nicht ertragen.* Sie streicht mit beiden Händen das Haar ans der Stirn. .Ich kau« nicht.'

kehrens. Während die offiziellen Berichte aus dem Saargebiet ziemlich gut lauten, berichten rheinische Zeitungen das gerade Gegenteil. So wird der .Köln. Zeit." aus Saarbrücken telegraphiert: Auf allen Gruben, ausgenommen König, Kohlwald, Maybach und Friedrichsthal, befinden sich die Berg­leute teils vollzählig, teils in ihrer Mehrheit im Ausstande. Die Zahl der Streikenden wird auf 6500 geschätzt. Die Ausschüsse des Bundes­rats sind, wie schon anderweitig gemeldet wurde, gestern in die Schlußberatung des von ihnen ausgearbeiteten Gesetzentwurss über Gewerbe­gerichte und die Bildung von Einigungsämtern ein­getreten, doch sind die Beratungen, wie sich dies ja bei dem Umfange der Materie nicht anders Voraus­sehen ließ, noch nicht zu Ende geführt.

Saarbrücken, 21. Dez. In den Gruben Fried- richsthal, Maybach, Koenig, Kohlwald, Sulzbach, Kreuzgräben und Jägersfreude ist alles angesahren. Ein partieller Streik besteht noch in Ensdorf, Alten­wald, Dudweiler, Camphausen, Reden, Jtzenplrtz, Von der Heydt, Louisenthal und Puttlitz; jedoch sind auf allen diesen Gruben mehr Bergleute ange­fahren als gestern. Neu in den Streik eingetreten ist Grube Hcinitz mit drei Vierteln ihrer Belegschaft.

Esse« a. d. R., 21. Dezbr. In ber heutigen Generalversammlung bes Vereins für bergbauliche Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund unter Vorsitz des Asseffors Krabler wurden, wie dieRhei­nisch-Westfälische Zeitung" meldet, die ausfcheidenden Mitglieder des Vorstandes wiedergewählt. Der Be­richt des Geschäftsführers Dr. Natorp bezeichnet die augenblickliche Lage des westfälischen Bergbaus als eine glänzende, wenngleich etwas getrübt durch die seitens der Arbeiter entstandenen Schwierigkeiten.

Köln, 21. Dez. Wie derKölnischen Zeitung" aus Saarbrücken gemeldet wird, ist bei den Gruben Bcrginspektionen 1 bis 6 eine Bekanntmachung der Bergwerksdirektion angeschlagen, wonach diejenigen Arbeiter, welche bis Montag nicht anfahren, als freiwillig aus dem Grubendienst ausgetreten ange­sehen werden.

Hamburg, 21. Dez. Heute nachmittag brach in der großen Helbingschen Spritfabrik in Wandsbeck Feuer aus. Von hier aus sind Dampfspritzen dort­hin abgegangen. Den Anstrengungen der Lösch­mannschaften ist es gelungen, das Feuer in der Hel­bingschen Spritfabrik zu Wandsbeck auf die Lager- schuppen zu beschränken. Dem Vernehmen nach sind beträchtliche Mengen Spiritus verbrannt.

Weimar, 21. Dez. Anläßlich des militärischen

@inen Augenblick schimmert es wie Mitleid in den Ange« des Priesters, bann sagt er mit ruhiger Würbe:Meine Tochter, die Kirche ist milde, barm­herzig und gnädig. Sie legt Keinem schwerere Lasten auf, als er zu trage« vermag. Ich weiß, daß he«t ei« Befehl an ihn ergangen ist, ber ihn noch längere Zeit fern hält.'

Wie erleichtert atmet fie anf. Daun kehrt ber schmerzliche Ausdruck anf ihr Gesicht zurück. Sie steht plötzlich wieder hoch aufgerichtet vor bem Priester hat bie weißen Hände geballt unb stampft nngebnlbig de« Teppich mit bem Fuß.Es ist eine Deutsche in sein Haus gekommen, jung, schön nnb vornehm. Er wird mich niemals lieben*, setzt fie in auSbrechen- bem Schmerz hinzu.

«Sie wird nicht schöner sei«, als Du, meine Tochter*, ermibert der Pater mit kaum merklichem Lächeln.Und jung? Jung bist Du auch. Vor­nehm? Er bezahlt fie. Weshalb sollte er fie Dir vorzieheu? Laß ihr keine Zeit, auf seine Seele ein­zuwirken ! Hältst Du fie nicht schon gefangen mit Deinen Augen?'

Sie preßt die verschlungene« Hände gegen ihre Brust. Ihre Augen öffnen fich Wetter nnb fie haucht kaum verständlich:Ja, ja*

Der Pater fährt fort:Und Du, meine Tochter, kannst mehr als jene Deutsche. Ich weiß, er leidet. Er zieht bei jedem Schritt eine klirrende Kette mit fich. Zeige ihm Erlösung von dieser Fessel. Die Kirche kann binden und lösen von ungeliebten Gatte« und wahnsinnige« Weiber«.*

* *

AIS Johannes Löben das Bibliothekzimmer ver» lassen hatte, wo Rose mit so wundersam klopfendem Herzen zurückgeblieben, ging er in sein ArbettSzimmrr. Während das junge Mädchen fich bann an Signora PacciuiniS Sette einen Sessel an ben Samin rückte, entfaltete er ein Heims rofenbuftenbeS »Ulet, das er am Morgen auf feinem Schreibtische vorgefunden.

(Fortsitzung folgt)