Wchrullichr Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchham. — Illustriertes SouutagsblaU.
Expedition: Markt 2L — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.
As. 391.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-Abonnenrents-Preis bei der Expedition 2‘/4 Mk., bet den Postämtern 2 Ml. 60 Psg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Psg.
Marburg,
Donnerstag, 12. Dezember 1889.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M., Eaffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M., Berlin,München u. Köln; (5 2. Daube u. Co in Frankfurt a. M-, Berlin, Hannover, Paris.
XXIV. Jahrgang.
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Deutsches Deich.
Berlin, 0. Dez Der Kaiser ist heute morgens 9 Uhr 23 Mm. auf der Station Wildpark einge troffen und begab sich direkt nach dem Neuen Palais e Potsdam. — Der Kaiser wird nach einer Meldung aus Neugattersleben (Provinz Sachsen) mit kleinem Gefolge Sonntag, 15. ds. Mts., abends 5 Uhr, mittelst Sonderzuges von Berlin eintreffen, um als Taufzruge der jüngst geborenen Tochter des Kammcrherrn v. Alvensleben in der neuen Kirche ^gegenwärtig zu sein. Montag, den 16. Dez., findet sodann eine größere Jagd statt. — Dem Reichstage ging ein Weißbuch über die deutschen Schweineein- suhr - Verbote zu, sowie über die seitens Englands, Belgiens und Hollands gegen die deutsche Vieh einfuhr und Biehdurchfuhr ergriffenen Sperrmaß regeln. Die am 25. Nov er. erfolgte Zurückziehung des zu gunsten Oberschlesiens gewährten Einsuhr- diSpenses für die Schweine aus Stetnbruch, sowie die Frage des Erlaffes der OrdreS für Schleswig- Holstein sind eingehend berücksichtigt. Das Weißbuch enthält 123 Aktenstücke, darunter statistische Ausweise über die Verbreitung der Maul- und Klauenseuche in Deutschland und den östlichen Nach darländern und mehrere Gutachten von Gesundheits- und veterinärärztlichen Autoritäten. Die neueste Monatsübersicht über den Stand der Maul- und Klauenseuche in Preußen läßt eine erhebliche Abnahme erkennen.
Elberfeld, 10. Dez. In der heutigen Ver- hwdlung des Sozialistenprozesies bekannte der An geklagte Röllinghoff, daß in Barmen eine geheime : Organisation bestanden habe. Die Stadt sei in drei Klubs eingeteilt gewesen, deren Vertrauensmann und Korrespondent er selbst gewesen sei. Röllinghoff be faßte sich mit der Verbreitung des .Sozialdemokrat" und der Sammlung und Versendung der Gelder nach Zürich unter einer Deckadresse, worüber Quittung im Briefkasten des „Sozialdemokrat" unter dem Stichworte .Rotfärber" erteilt wurde.
München, 10. Dez. Im Abgeordnetenhause beschwerte sich bei der Beratung des Etats der Abg. Walther, daß ein Geistlicher seitens der Polizeidirektion durch den Zusatz zu einem Schriftstücke, wonach derselbe den Aufruf zum bayerischen Katholikentage mitunterzeichnet habe, eensuriert worden sei. Der Minister des Innern Frhr. v. Feilitzsch ant wartete: Weder das Kultusministerium, nach das Ministerium des Innern, noch die Polizeidirektion überwachten die Geistlichen. Sollte dieß dennoch
(Nachdruck verboten)
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Noma» von I. von Werth.
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(Fortsetzung.)
Die Leberde war von feinem Wort erläutert, aber der Blick, der sie begleitete, war so mäcktig, daß der Schul ige, ohne eine Verteidigung zu wagen, gesenkt n Blick-S hinausschlich. Erst als die Thür sich hinter ihm gefchlofl-n, sank die Hand wieder herab nnd die gespenstisch bleiche Mädchengestalt verschwand hiutei der Portiere. Naary war längst onf die Knie gefunkt n nnd hatte die gefalt ten Hände flehend erhoben, dock sie wagte fein Wort über die L'ppen zu bringen.
Iw Treppenhanse aber, an der Bttnstiade, lehnt- tote gebrochen ein Wann. Er hielt die Angen weit geöffnet, wie beim Erblicken einer Vision, während feine bebenden Lippen murmelten: „Wie schön, mein Gott, wie schön sie war.* Und fester und fester preßte die Hand sich gegen die bleiche Stirn.
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Die Ceremonie mit all ihrer Feierlichkeit war vorüber. Ring» war e» still und bnntcl auf Schloß Strahlernck. Nur die Treppe war matt erlencht-t tob im Wohnzimmer der B-rstorbenen brannte eine edisame Lampe, die den hohen, westen Raum nur sehr uuvollfommen erleuchtete.
Dem wundervollen Karen September war her erste rauhe Okwbertag gefolgt. Jetzt heulte draußen der Wind und zauste die Baumkronen, daß ihre Zweige knarrte- und ächzten.
„Laß' ein w-nig Feuer im Kamin aumacheu, Louisou", halte Rose vor einer Viertelstunde gesagt. .Dann geh' zu Bett, wenn Du magst; ich bedarf Deiner heut nicht mehr."
.Werden da» gnädige Fräulein heut nicht zu Stacht speisen?" fragte die alte Kammerfrau. ,68 ist feit einer Stunde servirt."
»Nein, ich bin nicht bei Appetit. Sage Ignaz,
vorgekommen sein, so sei es ohne Vorwiffen der Regierung geschehen.
Darmstadt, 10. Dez. Der Großherzog reiste heute nach England ab. Der Erbgroßherzog ist nach Leipzig, Prinzessiy Irene nach Korfu abgereist.
Worms, 8. Dez. Die Arbeiter von Worms haben es sich nicht nehmen lasten, Seiner Majestät dem Kaiser bei seinem heutigen Besuche der Stadt eine besondere Huldigung darzubringen. Bei seinem Aussteigen auf dem Bahnhof Rosengarten überreichte ihm eine Deputation auf goldverziertem schwarzen Sammetkisten einen frischen Lorbeerkranz mit einer Schleife in den Reichsfarben und eint Adresse, in welcher dem aufrichtigen Danke für die Fürsorge des Kaisers für den Arbeiterstand und dem festen Vertrauen auf die zum Schutze desselben erlassenen weisen Gesetze wie auf da» fernere Wohlwollen des Kaisers Ausdruck gegeben wird. Der Kaiser dankte mit warmen Worten für die loyale Kundgebung der ihm von jeher als besonders reichstreu und tüchtig bekannten Arbeiter von WormS, welche stets allen Versuchungen und Lockungen nach anderen Richtungen hin widerstanden hätten, und sprach die Hoffnung aus, daß das gute Beispiel bei den Arbenern des Vaterlandes überall die beste Nachahmung finden möge.
Ausland.
Wien, 10. Dez. Im Abgeordnetenhause legte die Regierung einen Gesetzentwurf zur Herstellung eines zweiten Geleises auf den Bahnstrecken Krakau- Przemysl und Przemysl-Lemberg der Galizischen Karl Ludwigsbahu vor. — Die „Poltt. Korresp." meldet aus Belgrad: Der Ministerrat beschloß gestern die Lösung des Beitrages mit der Englischen Bank und die Uebernahme des Salzmonopols in Staatsregie von morgen ab. — Der Dichter Ludwig Anzengruber ist an - Blutzersetzung infolge eines Furunkels an der Hüfte gestorben. Der Tod ereilte den Dichter bei der Redaktionsarbeit. Plötzlich versagte ihm die Sehkraft und er bat daher seine Wirtschafterin, ihm ein Manuskript vorzulesen. Kurz darauf erlag er einem Krampfanfalle. Der Hingang Anzengrubers ruft auf allen Seiten das tiefste Beileid hervor.
Paris, 10. Dez. Die republikanischen und die meisten radikalen Journale besprechen die Giltigkeitserklärung der Wahl JoffrinS und heben hervor, die Kammer habe von neuem, indem sie diese Wahl für giltig erklärte, ein Werk hoher Politik und republikanischer Vorsorge gethan. Die konservativen sowie die bo: langiftischen Blätter meinen, das all
büß et eine Flaswe ffietn bringt und anfpaßt, wenn P.of-ffor (Brauer kommt. Ich erwarte ihn hier."
Da» junge Mädchen war dann an daS Fenster getreten, batte die Stirn an die kalten Scheiben gepreßt und schaute hinaus in die schwarze sternlose Nacht. Wie wild der Oktoberwind heulte! Und dock ar eS da draußen nttt friedlicher als tu ihrem Innern? W-un der Sturm verrauscht ist, wird Über jenen gepetischt-n Bäumen wieder die Sonne scheinen; aber in ihrem Herzen, wird da noch jemals die Sonne bes Glücks leuchten können? Sie preßte die schlanken F uget fest in einander die Finger, die von keinem Golvreif mehr nmschloffen wurden.
Der alte Ignaz hatte Wein gebracht und im Kamin Feuer angezündet; das junge Mädchen schien ntckts davon zu bemerken; es stand noch immer regungslos am Fenster. Im Vestibül traf der alte Diener mit Lonilon zusammen.
„Was wird ans all' dem Unglück werden?" fragte er kopfschüttelnd. *
„Müffen'S abwarten", flüsterte die Rammeifiau zurück.
„Nun, was auch werden mag, Gott segne unser gnädiger Fräulein", sagte Ignaz, und bann schaute er ans, ob der-Profeffor noch nicht komme.
Oben im Kamin züngelten die Flammen und warfen rote Streiflichter über die Blumen und Ranken de» Teppichs. Ab und zu beleuchteten sie auch auf grelle Weise die scklanke Mädchengestalt am Fenster in ben lang herabfließ-üben tiefschwarzen Gewändern, als wollten sie benfelben ein wenig von ihrer Farbe leihen, nm fie nicht gar so traurig erscheinen zu lassen.
Da tonrbe leise bie Thür geöffnet nub Ignaz ließ Professor Groner in daS Zimmer treten. Der Doktor sah sich um. Da er Rose nicht bemerkte, ließ er sich aufseufzend auf eines der Polster nieder und sagte:
„Nun bleibt mir noch ein schwere» Werk zu thun. Arme, arme Rose!"
gemeine Stimmrecht sei nicht mehr vorhanden und an seine Stelle sei die Laune einiger Weniger gesetzt. Einige boulangistische Komitees beschlossen gestern, eine Protestversammlung gegen die Wahl Joffrins abzuhalten. — Dem „XIX. Siöcle" zufolge ordnete der Minister des Innern ConstanS eine Unter« uchung über bie Epidemie in den „Magasins du
Louvre" an.
Sofia, 10. Dezbr. Die Sobranje genehmigte mit großer Majorität den Vertrag, betreffend eine Anleihe von 30 Millionen, nachdem der Ministerpräsident Stambulow dem OppositionSmitgliede Kitautschew gegenüber erklärt hatte, die Cotirung der Anleihe im Auslande sei ein Beweis für das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit Bulgariens.
Konstantinopel, 10. Dez. In der letzten Zeit kehrten einige Hundert der bei dem Ausbruche der Unruhen auf Kreta nach Athen und dem Piräus geflüchteten Familien freiwillig nach ihrer Heimat Kreta zurück, wodurch die böswillig verbreiteten Nachrichten über die Unsicherheit auf der Insel Kreta und die schlechte Behandlung der Christen seitens ber türkischen Einwohner und der türkischen Behörden widerlegt wird.
Sanfibar, 10. Dez. Das „Bureau Reuter" meldet: Dr. Parke meldet, das gestrige Befinden Emin Paschas bekunde einige Besserung.
Hesse«-Nassau.
Marburg, 10. Dez. Die hiesige Ortsgruppe des „Allgemeinen deutschen Schulvereins zur Erhaltung deS Deutschtums im Auslande" hielt gestern abend in dem Quentinschen Saale ihre Jahresversammlung. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Proseffor Dr. Fischer, eröffnete die Versammlung mit einem Bericht über die Thätigkeit deS Vereins und die Sage unserer Starnmesgenofsen außerhalb des Reichs. Die Ereigniffe deS Jahres sind teils freudiger, teils trauriger Art. Die Feinde führen Schlag auf Schlag gegen daS Deutschtum im Aus lande. Am meisten gefährdet ist die Lage der Deutschen Stammesbrüder in den Ostseeprovinzen Rußlands. Die deutsche Schule, selbst die deutsche Privatschule ist daselbst vernichtet. Und doch kann leider der Verein mit dem besten Willen aus bekannten Gründen nicht mehr thun, als den Bedrängten jegliche Teilnahme zu bezeigen. Ähnlich steht es bekanntlich in Ungarn, wo die Magyari- sierung rücksichtslos fortschreitet. Nicht so hoffnungslos erscheint die deutsche Sache in Böhmen. Das ist der Gndruck, den der Redner auf seiner letzten
Da» junge Mädchen hatte diese Worte gehört. Sie trat leise hinter den Stuhl des Pros-ffois, legte die Hand auf feine Schulter und sagte, sich zu ihm nteberbeugenb: „Ich will e» Ihnen erleichtern.'
Der Doktor fuhr betroffen herum. Wie unvorsichtig er da gewesen, Rose hatte schnell einen Sessel an feine Seite geschoben, sich darauf niebetgelaffctt und sagte, feine Hand ergreifend, mit seltsam ruhiger Stimme: „Zuerst danke ich Ihnen, daß Sie so gütig meinem Wunsche uachgekommen find und mir noch zu so später Stunde eine kurze Zeit widmen wollen." „Nicht doch, entgegnete der Arzt. „Danken Sie nicht. Ich habe mit Ihnen zu sprechen und würde Sie um eine Unterredung gebeten haben, wären Sie meinem Wunsche nicht zuoorqekommen."
,Wa» Sie mir sagen woll.n, weiß ich bereits oder glaube es doch zu wissen", fi I das junge Mädchen dn. „Nicht wahr, Taute Edith hat kein Testament hiuterlaffeu?"
Der Arzt nickte. „Ich habe hier alles durchsucht und keine Spur gefunden. Der Rechtsanwalt schreibt wir, daß ihm nichts von einem Testamente bekannt fei. Ja, die Freiin habe während der zwei Jahre, während welcher er ihre Angelegenheiten führte, nie« male eines Testaments Erwähnung gethan, noch die Absicht geäußert, ein solches zu machen. Auch unter b'U Papieren der Freiin, welche er von seinem verstört» neu Vorgänger übernommen, habe er selbst nickt den leisesten Anhalt für die Annahme gesunden, daß eS vor feiner Zeit gemacht worden sei. ES ist also keine Hoffnung mehr."
Rose nickte. „Sirahleueck und Tante Ediths Vermögen fallen nun an entfernte Verwandten von ihr, und mir bleibt nichts. Ich muß daS Schloß v-rlaffen, wie ich eS in frühester Kindheit betreten, arm und verwaist." Sie hielt einen Augenblick inne, fuhr dann aber fort: „Was liegt daran?! Ich bin jung und gesund; ich habe so Manches gelernt; 'ich werde arbeiten, nm mir meinen Unterhalt zu verdienen."
Der Arzt hatte erschreckt zugehört. Diese Ruhe
Reise bet Gelegenheit der 9. Hauptversammlung deS österreichischen Schulvereins zu Karlsbad i. B. vom 7. bis 9. September gewonnen hat. Der Deutsch- Böhme hält zähe fest an der nationalen Idee, be- onders zeichnen sich die Frauen und Jungfrauen aus, ein Drittel aller Mitglieder des Vereins find Frauen. Redner schildert, wie besonders die Stadt Karlsbad an jenen Tagen alles aufgeboten habe, ihren deutschen Charakter zu zeigen. Bon den dortigen Rednern rühmt er vor allen die Thätigkeit des Baron von Dumreicher, der seine staatliche Stellung aufgab, um ungestört der nationalen Sache zu dienen. Herr Professor Fischer mahnt, daß auch wir, wie dort unsere österreichischen Stammesbrüder, hier im Reiche, aller Parteiunterschiede vergeffend, diese nationalen Bestrebungen unterstützen müffen. Alle nationalen Parteien sollen in dem Schulverein vertreten sein, und zum Teil sind fie eS schon. Der Redner erinnert an jene herrlichen Worte deS Prinzen von Bayern, des Thronfolgers in Bayern, die dieser in seiner Rede bei Gelegenheit des 7. deutschen Turntages in München den Herren aus Österreich zurief: Halten Sie fest an Ihrer deutschen Sprache und an Ihrer deutschen Gesinnung! In der That, wenn auch noch viel Gleichgiltigkeit der Sache deS deutschen Schulverein» entgegrntritt, so wird die Teilnahme dasür doch in jedem Jahre reger und besonders die deutsche Jugend ist es, auf die der Verein und die deutsche Sache ihre Hoffnung setzt. Redner empfiehlt sehr die in Berlin zuerst, am 22. März d. Js. in» Leben getretene Einrichtung eines sogenannten deutschen Abend» auch für Marburg, mit Vorträgen, musikalischen und theatralischen Aufführungen zu beginnen, um auch auf diese Weise das Interesse für die gute Sache zu beleben. Der Redner erntete den Beifall der Versammlung, insbesondere nahm Herr Konsul Dr. Ochsenius das Wort und darauf hinweisend, wie wohlthuend den Deutschen im Auslände jede Teilnahme von uns sei, forderte er die Versammlung auf, Herrn Professor Dr. Fischer für seine eifrige Thätigkeit, besonders auch bei jener Hauptversammlung in Karlsbad, den Dank de» Vereins durch ein Hoch darzubringen. — Der Schatzmeister, Herr Buchhändler Braun, erstattete Bericht über Einnahmen und Ausgaben, woraus von den Herren Proseffor Dr. Feußner und Konsul Dr Ochsenius die Rechnungen geprüft und richtig befunden wurden. — Bei der vorgenommenen Vorstandswahl wurde auf Vorschlag des Herrn Major von Söller die sämtlichen sett-
ängftigte ihn wehr, al» eine üb ig oß< Auslegung e» gethan hätte. Jetzt fi l er ihr in das Wort: „Arbeiten um da» tägliche Bi ot — Rose wiffeu Sie auch, wa» daS heißt mit neunzehn Jrh-en?"
„Heut gerade bin ich zwanzig Jahre alt geworden, Herr Doktor", aab Rose zurück. „Hab wenn ich bisher das Schaffen nm Brot nicht gekannt, so werde ich eS lernen."
„Aber wozu daS alles?" fiel Doktor Groner gereizt ein. DaS Herz tbat im weh bei feinen eigenen Worten, aber er mußte hören, wie fie selbst darüber backte. „Bietet sich Ihnen mcht eine neue Heimat?" Oeffact Rottenau nickt feine gastliche Thore, und möchte Baron Rotteck Sie nicht lieber heut al» morgen al» fein junge» Weib heimführen? Ihre Trauer kann da nicht hindern--*
Der Doktor hatte erregt gesprochen, daß ihm der finftere Blick der schönen Mädchenangen erst jetzt auffiel, al» fie mit einem gebietenden „Nicht weiter" die Hand auf feinen Arm legte. Sus feinen erstaunt fragenden Blick erwiderte fie: „Nun kommt, waS ich Ihnen zu sagen habe." Daun erzählte fi- den Auf« tritt, den fie gestern in ihrem Zimmer ganz unabsichtlich belauscht. Sie hatte immer mit der seltsam ruhigen Stimm» gesprochen. Erst al» fie alle» erzählt hatte, verließ ihre Festigkeit fie einen Augenblick.
„Sagen Sie mir, Herr Doktor, war ich zu hart mtt ihm?"
„Mein arme», mein liebe» Kind", rief der Arzt. Dennoch atmete er wie erleichtert auf, fie für feine Hiobspost so vorbereitet zu finden. Er nahm den zerknitterten Brief an» feinem Portefeuille» da» er beim Eintritt vor fick auf den Tisch gelegt, und fuhr fort: „Sie haben jenem Buben nur gethan was ihm aebühite. Hier mein Kind, lesen Sie diesen Brief. Nachher werden Sie fich keine Vorwürfe über Ihre Härte mehr macken. Er tarn mir vor wenigen Tagen durch einen unbedeutenden Zufall in die Hände."
(Fortsetzung folgt).