Einzelbild herunterladen
 

Einnahmen des sächsischen und des württembergischen Etats werden unverändert angenommen, ebenso die fortdauernden Ausgaben des ordentlichen Etats. Der Kriegsminister erklärt, daß er allen von der Subkvmmission vorgeschlagenen Abstrichen gegenüber die gestellten Forderungen aufrecht erhalten müsse, daß er aber angesichts der Hoffnungslosigkeit eines weitern Widerspruchs, bei dem neue Gründe nicht vorgcführt werden könnten, auf einen solchen mit Ausnahme von zwei Positionen verzichten werde. Die erste dieser Forderung ist die erste Baurate für Magazingebäude in Stettin im Betrage von 400000 Mark, welche die Subkommission zu streichen vor­schlägt. Regierungsseitig wird mitgeteilt, daß inso­fern die Umstände sich geändert hätten, als der Magistrat von Stettin sich erboten hat, die frei- werdenden Grundstücke alsbald zu kaufen, und zwar zu Preisen, die nahezu die Kosten des Neubaues decken. Nachdem der Abgeordnete Hobrecht und an­dere Mitglieder der Subkommission anerkannt, daß durch diese Mitteilung die Gründe, die sie zum Ab­strich geführt hatten, hinfällig würden, wird die Position einstimmig bewilligt. Die von der Sub­kommission vorgeschlagenen Abstriche von 141000 M. für das Magazin in Magdeburg. 14 500 M. für das Magazin in Gleiwitz und 7300 M. für da- Magazin in Hanau werden genehmigt', und die übrigen Titel bis 12 unverändert bewilligt. — Als in der Reichstagssitzung vom Freitag der Abg. Richter die Beschlußfähigkeit deS Hauses bezweifelte, weil er, wie er sagte „nicht für angemeflen hielt, daß diese wichtige Frage" — eS handelte sich um die von den Herren Dr. Baumbach und Singer mit wenig Witz und viel Behagen abgehandelte Wohl- gemuth-Affaire — „durch einen vorzeitigen Schluß­antrag unterbrochen" würde, ergab allerdings der Namensaufruf, daß das Haus wirklich nicht be­schlußfähig war, gleichzeitig aber auch, daß von 36 dem Reichstage angehörenden Deutschfreisinnigen nur 14 anwesend waren, aber 22 fehlten, und nicht we­niger als 17 der Letzteren ohne Entschuldigung. Ob eine selbst so lückenhaft im Hause vertretene Partei gut thut, von den geschäftsordnungsmäßige» Fakultäten in der Weise, wie es von freisinniger Seite neuerdings wiederholt geschehen, Gebrauch zu machen, mag dahin gestellt bleiben. Aber, indem dir Hälfte der deutsch,freisinnigen Parlamentarier ge­rade dieser Sitzung fern blieb, in der bekanntlich der Abg. Richter „das Ansehen der Regierung und des Vaterlandes vor dem Auslände" unter seine Protektion nahm, scheinen die so zahl-

Btt Ritterorden der heiligen Marin M Jerusalem und Episoden aus dem Lebe« der deutschen Herren in Marburg.

Schon im Jahr 1128 war tu Jerusalem ein Hospital für hülfSbedürfttge deutsche Pilger errichtet ivordeu, welches seine Entstehung etu m in Jerusalem ansässigen deutschen Ehr paar verdankte und uebst einem daneben b fiadltcheu Bethaus unter den Schutz der Jaugfraa Maria gestellt worden war. Die fromme Brüderschaft, welche sich zur Pflege der Pilger gebildet hatte, bestand nicht blos aus Kraakevpfleger», sondern anch ans ritterlichen Männern und nannte sich: „Die Brüderschaft des Hospitals S. Maria z» Jerusalem. Im Jahre 1190 vor Akkon, wohin die Kreuzfahrer nach der Eroberung, Jerusalems durch Saladtn uud der uuglücklicheu Schlacht bei Hitti» gezogen waren, wurde „der Ritterorden der heiligen Maria zn Jerusalem" gestiftet uud am 6. Februar 1191 vom Papst Clemens bestätigt. Derselbe giug ans der obengenannte» Brüderschaft hervor, von der sich einige Brüder noch im Spital deS eroberte« Jerusalem befanden, während die andern mit den Kreuzfahrern vor Akkon lagerten und daselbst die Krankenpflege besorgten und am Kampfe gegen die Ungläubigen teil nahmen. Bald erwarben sich die Dentsch.Ordeusritter hohen Rahm nud großes Ansehen in de» Herren der Kreuzfahrer durch ihre ritterliche Tapferkeit. Auch dir Gunst der damaligeu Päpste uud deutschen Kaiser, errang sich der Orden in so hohem Grade, daß er von denselben mtt Gaotzbi^ zengungen und Privilegien überhänft wnrde und durch Scheukungeu beträchtliche Befitznogeu erwarb. Der durch feine ausgezeichnete Persönlichkeit und hohe« Verdienste bet den päpstlichen, wie auch kaiserliche« Höfen so hochbeliebte Meister deS Ordens, Heiman» von Salza, stand in ganz besonderer Saust bet Kaiser Friedrich n. Unter den vielen Schenkungen rmd Gnostbezeugungen, die derselbe dem Orden zu teü werde» ließ, verlieh er de« Hochmeister Her«««

1 zu

US8 dec

die

ch-

von illen

jich-

mcht nden

MU.

n

‘D

i des

:hge-

wir

kreis

r’s

Bll,

■en

I I

r899 ei- 18- Bn.

Illustriertes Sonntagsblatt.

280

lasieren, die einfache Wiederholung der diesjährigen Streikbewegung wäre schon zu viel.

finocn müsien. Die für die Wahlagitation frei bleibende Zeit wird also eine recht kurze sein, und daraus erklärt sich auch, weshalb im Reichstage selbst jetzt mehr für die Wähler, als für die Abgeordneten gesprochen wird.

Größere Schwierigkeiten, als ursprünglich er­wartet sind, haben sich bei dem Sozialistengesetz ergeben, für welches die Reichsregierung in der von ihr vorgeschlagenen Form bisher keine Reichs­tagsmehrheit gesunden hat. Die beiden Haupt­forderungen der verbündeten Regierungen sind: Ein dauerndes Sozialistengesetz unter Zugeständnis meh­rerer Milderungen; aber unter diesen Milderungen soll sich der Fortfall der Befugnis, auf Grund des Sozialistengesetzes Personen aus bestimmten Orten ausweisen zu können, nicht befinden. Das dauernde Gesetz ist von der Kartellmehrheit des Reichstages bereits zugestanden, aber die Bewilligung der Aus weisungsbcfugnis für die Dauer lehnen mit dem Zentrum und den Freisinnigen auch die Nattonal- liberalen und ein Teil der Freikonservattven ent­schieden ab. Aus den Äußerungen mehrerer national­liberaler Abgeordneter ergiebt sich, daß die Partei an diesem Bcschluffe unbedingt festhalten will, der damit motiviert wird, daß die Ausweisungsbefugnis nicht den geringsten praktischen Nutzen erzielt habe. Die Entscheidung hängt nun von den verbündeten Regierungen ab, und folgendes ist nur möglich: Erstens die nationalliberale Partei ändert ihre bis­herige Ansicht und stimmt der Regierungsvorlage zu; dann wäre alles sofort geordnet. Zweitens giebt die Reichsregierung nach, verzichtet entweder auf die Ausweisungsbefugnis und ist mit einer Zeitbewilligung zufrieden. Auch dann würde also sofort ein Aus­gleich erzielt sein. Drittens endlich bleibt der Fall übrig, daß niemand nachgiebt, und dann bliebe nichts übrig, als, wie 1887 den Reichstag aufzu­lösen und des Sozialistengesetzes wegen an die Wähler zu appellieren. Es ist aber anzunehmen, daß Fürst Bismarck es vermeiden wird, unnötig einen Konflikt herbeizuführen, desien Austragung gar nicht abzusehen wäre. Voraussichtlich wird man sich in einem Vermittelungsoorschlage einigen und so verhüten, daß die Sozialdemokraten neues Waffer auf ihre Mühle erhalten. Jeder Streit zwischen Reichsregierung und Parlament bringt den größten Nutzen nur der Sozialdemokratie. Was uns im Frühjahr 1890 bevorsteht, weiß niemand, die Er­eignisse des letzten Frühjahres mahnen dringend zur Vorsicht und Ruhe. Es braucht nicht ein Welt­streik zu sein, von welchem exaltierte Köpfe phan-

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Ouartal-Abonnements-Preis bei der Expe­dition 2*/t Mk., bet den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnfertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Bestellungen

str den Monat Dezember nehmen auf die

Oberhesfische Zeitung

Lmit ihren Gratisbeilagen Lreisblatt

die Kreise Marburg uud Kirchhai« und

IlluSriertes Ssrrrrtngsblatt ßmtliche Postanstalten, unsere Agentur in ßirchhain, sowie für hiesige Stadt un- jrre Expedition entgegen.

Die Lage im Reichstage.

T Als bei der Eröffnung der gegenwärtigen Reichs- ügssession die Ansicht ausgesprochen wurde, es werde Ikotz aller Wünsche nicht leicht sein, schon vor dem veihnachtsseste den Schluß der Session herbeizu- sihren, konnte man immer noch annehmen, daß in kn bevorstehenden zwei Monaten das Arbeitspensum siwältigt würde. In der Hauptiache waren ja an pößeren Vorlagen nur der neue Reichshaushalt und tos Sozialistengesetz vorhanden, denn über die neue kankvorlage herrschte keine erh-bliche Meinungs- krschiedenheit. Die bereits stattgehabten Sitzungen hoben ergeben, daß die Prüfung des Etats in diesem Jahre eine ganz außerordentlich genaue ist; der Dqember ist da und noch ist der Militäretat nicht tMnal in der Budgrtkommission des Reichstages ftrti$efhlll worden. Bis zum spätesten Beginn

-ter Akihnachtsferien find es »och drei Wochen. In Msen: Militäretat. Marineetat, Postetat, die Etats per Zölle und Steuern, das Sozialistengesetz, das Wankgesetz und diverse Anträge im Reichstage in ■Kiter und dritter Beratung zu erledigen, das ist Wie Unmöglichkeit, wenn nicht die Verhandlungen Madezu übers Knie gebrochen werden sollen. Bei Mer fachlichen Prüfung wird sich doch dies umfang­reiche Arbeitspensum nicht in so kurzer Zeit erledigen Wen. Der Reichstag wird also nach Neujahr seine Witzungen abermals beginnen und das zweifelhafte Vergnügen haben, mit dem am 15. Januar zu Mmentretenden preußischen Landtage wiederum, lstenn auch nur kurze Zeit, zusammenzutagen. In ||kr zweiten Februarhälfte läuft die Legislaturperiode

* und werden dann die Wahlen notgedrungen statt-

Marbrrrg,

Freitag, 29. November 1889.

Deutsches Reich.

Berlin, 27. Nov. In der heutigen Sitzung der Budget-Kommission des Reichstags wurde nach einer Erläuterung des Referenten Grafen Saldern- Ahlimb das Kapitel 29, Militär - Medizinalwesen, ohne Erörterung bewilligt. Bei Kapitel 30, Ver­waltung des Traindepots u. s. w., bezweifelt der Abg. Richter die Zweckmäßigkeit der Trennung von Train- und Traindepot - Inspektion, worauf der Kriegsminister klar darlegt, daß es für den Train- Inspektor unmöglich ist, eine dem Bedürfnis ent­sprechende Aufsicht über das Trainmateriol zu führen wozu allein 12 000 Fahrzeuge gehören. Kapitel 30 wird bewilligt, ebenso Kapitel 31, Verpflegung von Ersatzmannschaften auf dem Marsche. Bei Ka- pitel 12, Ankauf der Remonte erläutert der Kriegs­minister den höheren Ansatz für den Pferdeankauf. Statt 655 M. find fürs Pferd 715 M. gerechnet- man habe seit Anfang dieses Jahrzehnts stets mehr zahlen müssen und sei dadurch zu Etats Ueberschrei- tungen gekommen, die man für die Zukunft mög­lichst zu vermeiden wünsche. Kapitel 32 und 36 werden ohne Erörterung bewilligt. Bei Kapitel 37 Artillerie- und Waffenwesen, wird Auskunft erteilt über die vermehrte Einstellung von Zivilarbeitern an Stelle von kommandierten Soldaten. Bei den Ar­tilleriedepots allein seien täglich durchschnittlich über 3500 Mann nötig. Diese mußten von einigen we­nigen Truppenteilen gestellt werden, worunter die militärische Ausbildung bei den betreffenden Truppen­teilen erheblich gelitten habe. Es sollen jetzt nur noch 1400 Soldaten kommandiert, und daneben 1050 Zivilarbeiter mit einem Lohn von etwa 2 M. eingestellt werden. Kapitel 37 und 38 werden un­verändert bewilligt nach kurzer, durch den Abge ordneten Kalle veranlaßter Erörterung über die Pulverfrage. Kapitel 39, 40 und 41 werden eben­falls genehmigt. Auf die Anfrage deS Abgeordneten Dr. Hammacher bei Kapitel 41, ob die Rechtsver­hältnisse der penfionsberechtigten in den Kommunal­dienst übergegangenen Militärpersonen in ihren Pen­sionsbezügen in der vom Reichstage gewünschten Weise geordnet werden sollen, erwidert der Kriegs - Minister, daß ein bezüglicher Gesetzentwurf fertig sei und vorgelegt werde, sobald die Geldmittel da seien, unter Berücksichttgung der unteren Chargen. Ka­pitel 42, Zuschuß zur Militärwittwenkasse, und Kap 43, verschiedene Ausgaben werden genehmigt. Die

öchcMche Beilagru: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck uud Verlag von Joh. Aug. Koch.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowie die Annoneen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M., Eaffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXTV Stoffe m Frankfurt o. M., Berlin,München u. Köln; ®. g. *** * t>uu»e Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

(Nachdruck verboten)

»sle.

’IU, Roman von I. von Werth.

(7901

1

(Fortsetzung.)

Uud doch, wie gatt Hütte ich, wenn Du zum IHtomm oder zum L-bewohl meine Hand leicht i den Lippm berührtest, beide Arme »m Deinen 18 geschlungen und gefragt: .Harald, liebst Du h denn gar nicht? Ich weiß wohl, ich bin nicht

«3n, aber ich bin Dtr so gnt, hab' Dich so nu- kdltch lieb.* Wohl sagte ich mir, daß diese offene fege das richtigste sei, aber ich konnte den Mut «zu nicht finden. So versackte ich ans alle »nr 1 gliche Weise Dir zn gefallen. Ich verwandte höchste Sorgfalt auf meine Toilette, und habe Aiue Umgebung damit oft bitter gequält. Ich ver-

I genau. Mein Schleier fing Feuer; die züngelu. u Flamme» glühte» rings um meine» Körper; sie t u!?en mir weh, und ich verlor das Bewußtsein. Als y a r r>- «r Befiunnag wiederkehrte, da ruhte ich in Deinen

,£®tn, da lag mein Kopf an Deiner Brust. Ich tnbtv «ktr »ar stürmische, ängstliche Pochen Deines Herzens, fh;,| y jeder Schlag sagte mir, daß Du mich liebst unb ssi'tt treu lieben wirst in alle Ewigkeit. Ich hiett

Hand in der meinen. Ihr leiser Druck be- 2 M Mgte mich stets, wenn das Fieber mich peinigte nud rrt a dickliche PhantafiegebUde mich quälten. Wenn ich >. and; in der langen, finster» Nacht »iemals in /lieben Ange» schauen konnte, so hiett ich Doch i ä-^I***®* Hand, hörte Deine liebe Stimme, nnb fühlte

i ichte in mein Benehmen jene Nonchalance zn legen, p n * i$ einmal als vornehm hatte rühmen hören. vH» «rdlich suchte ich an allen jungen Mädchen, denen i begegnete, irgend einen Fehler heraus, nm mir wir heu zu können, daß anch fie Deiner nicht würdig ritzt* ie». Wie oft habe ich deS Abends stundenlang vor cy. Spiegel gesessen nnb darüber gemeint, daß ich er $of|” häßlich bin nnb Dir nie würde gefallen können, kam das Wald fest. O, ich entsinne mich dessen

Eiter

«ich von Deiner sorgsamen Liebe umgeben, all die langen, langen Stunde» hindurch.

,Nu» darf ich Dir auch saqeu, wie unsäglich ich Dich liebe. Ich kann wieder offen nnb natürlich sein ohne fürchten zu müssen, Dein Herz roieber zu bet Heren. Das Leben bisher war ja nur ein quälender Traum, aus welchem ich endlich an Deinem Herzen erwacht bin/

Sie hielt erschöpft inne. DaS Sprechen hatte sie angestrengt, und tiefe Röte ans die gewöhnlich bleichen Wangen gezaubert. Jetzt, zum ersten Mal erschien fie Harald swön, wie fie da vor ihm lag mit den eigentümlich glänzenden Augen, dem schwarzen, lose herabhängenden Haar nnb den roten Wangen. Unb bieS Mädchen liebte ihn, fest so langer Zeit. Wie viel hatte er hier gut zu machen. Er preßte ihre Hände au Lippen nnb Herz nnb flüsterte wieder nnb wieber, vor ihrem Lager Inieenb: .Ja, Heloise ich Hebe Dich, Hebe Dich von ganzem Herze». Ver- gieb meine frühere Kälte; ich will fie Dich vergessen machen im Uedermaß meiner Siebe."

Wieder wurde die Port'ö.e leise nnb vorsichtig mrückschlagen, unb Doktor Grouer trat in bas Zimmer. Die alte Hermine hatte bisher am Fenster gesessen unb sich vergebens bemüht, an ihrem Strickzeug zu arbeiten; bet bem, was fie mit angehört, war Thräue auf Thräue auf bie Arbeit nnb Masche auf Masche von beu Nabeltt gefallen. Jetzt erhob sie sich nnb ging dem Doktor entgegen. Sie traten Beide an das Bett der Kranken. Der dicke Teppich machte ihre Schritte unhörbar. Als Harald den Arzt bemerkte erhob er fich, aber Heloise hielt feine Hand fest nnb bat: »Geh nicht von mir, Harald, laß wich nicht wieder allein in der finstern Nacht. Ich bitte Dich, bleib bei mir."

Harald sah erstaunt nnb beunruhigt zn dem Professor hinüber nnb bie Kammerfrau sagte: „Hier ist ber Herr Professor Grouer, ber nach bem Befinden deS gnädigen Fräuleins sehen will!"

.Herr Doktor, Eie hier?" fragte Heloise. ,O,

ich danke, eS geht mir besser; mag fein weil ich so glücklich bin. Mir ist, als dufteten Veilchen nm mich her, aber eS find wohl nur die Blumen des LiebeSfrühliugS."

.Ich habe Dir einen Strauß Veilchen mtigebradjt", entgegnete Harald nnb gab ihr bie Blumen, bie bis- bet vor ihr auf ber Decke gelegen, in bie Hand. Die Kranke atmete entzückt ihren Wohlgeruch ein. .Nun Hermine mußt Du uns auch Licht bringen; ich möchte bie Veilchen gern sehen. Nicht wahr, Herr Doktor, fie darf?"

Die Drei sahen entsetzt bald die Kranke, bald fich gegenseitig an. Schon wollte Hermine ihre junge Herrin Über ihren Irrtum belehren, da machte Doktor Grouer noch rechtzeittg ein Zeichen, daß fie schwieg. Er trat vorsichtig leise an das Fenster und riß plötzlich bie Garbinen auseinander, daß die hellen Sonnenstrahlen in blendender Fülle in das Zimmer fluteten. Sie zitterten warm und golden über die fieberheißen Wangen der Kranken und über die großen, weit geöffneten, schwarzen Augen. Dennoch zuckte fie mit keiner Wimper, und gleich darauf wiederholte fie ihre Bttte: .Nicht wahr, Herr Doktor, Hermine darf Licht bringen?"

»Sie müssen fich »och ein wenig gedulden", er­widerte der Arzt freundlich. .Strengen Sie nur einmal die Augen ein wenig an und bemühen Sie fich, die Dinge ringsum zu unterscheiden. Man ge. wöhnt fich so leicht an die Dunkelheit. I tzt sehen Sie einmal dahin, woher Sie meine Stimme kommen hören. So — sehen Sie mich?•

Die Kranke hielt einige Augenblicke laug die Augen nach dem Fenster gerichtet, durch welches der sonnige Sommerhimmel herein lachte in wolkenloser Klarheit. Dann schüttette fie den Kopf und sagte leise: .Ich kann nichts unterscheiden. ES ist ganz finster und schwarz."

(Fortsetzung folgt)

/

Üeu.