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VöchrMchc Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. —
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und »erlag von Zoh. Ang. Koch.
Illustriertes Sonntagsblatt.
Jfä 878.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Ouartal-Abonnements-Preis bei der Expedition 2l/t Mk-, bei den Postämtern 2 Mk. 50 Psg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Psg.
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Mittwoch, 27. November 1889.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frantfurt a. M., Caffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXTV Q'flbrÖflltfl. Moffe m Frankfutt a. M., Berlin, München u. Köln: ®. g.
Daube u. Lo. in Frankfutt a. M., Berlin, Hannover, Pari».
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für den Monat Dezember nehmen auf die
Oberhesfische Zeitung
mit ihren Gratisbeilagen Kreisblatt
lSr die Kreise Marburg «ad Kirchhain und
-llastriertes Sonntagsblatt sämtliche Postanstalten, unsere Agentur in Kirchhain, sowie für hiesige Stadt unsere Spedition entgegen.
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Schatz vsv Lebe« «ad Gesundheit der Arbeiter.
Man wird sich erinnern, wie im vorigen Jahre nach Publikation der Rechnungsergebnisse der Be-
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mssgenossenschaften für das Jahr 1887 die Opposition die Behauptung ausstellte und mit Zähigkeit aufrecht zu halten suchte, daß trotz Einführung der Unfallversicherung und der damit verbundenen Unfall Verhütung die Maßregeln, welche in unseren Fabriken
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kaaks» eine dauernde Erwerbsunfähigkeit nach sich gezogen,
pnn Schutze von Leben und Gesundheit der Ar beiter getroffen seien, sich verschlechtert hätten. Die Behauptung wurde dabei auf Zahlen gestützt, welche die berufsgenoffenschaftlichen Ergebnisse für die Jahre 1886 und 1887 über die Häufigkeit der vorgekom »wen Unfälle sowie die Folgen der letzteren gebracht hatten. Namentlich ein Vergleich zwischen im Folgen der Unfälle von 1886 und 1887 mußte alb Beweis für diese Behauptung herhalten. Und tS war nicht zu leugnen, daß im Jahre 1887 die in ihren Folgen schwereren Unfälle gegen die von
11886 bedeutend zugenommen hatten. Während im letzteren Jahre 2422 Unfälle den Tod und 5328
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war im Jahre 1887 die erstere Kategorie auf 2956 mb di« letztere auf 10 953 gestiegen. Jedem mit den betreffenden Verhältnissen Vertrauten war es
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indessen klar, daß die Zahlen einzelner Jahre für einen solchen Vergleich eine viel zu schwache Unterlage bieten. Größere Unglücksfälle und andere Zufälligkeiten können die Anzahl der Unfälle eines Jahres gegen diejenigen eines anderen in die Höhe schnellen lassen, ohne daß dies in irgend welchem Zusammenhänge mit der Beschaffenheit der Schutz- voßnahmen in den Fabriken zusammenhinge. Es
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(Nachdruck verboten) «ole.
Roman von I. von Werth.
(Fortsetzung.)
Dabei seufzte die Wt:tin so tief und schmerzlich daß HauS sogar herauzugelaufeu kam und verwundert . fragte, was der Frau Försterin denn fehle.
Pfund Haus*, machte sie uuu ihrem Herzen Last, »es war doch gar zu schrecklich. Ich hott' drobeu aus dem Kammerfensterle zug'fchaut, von da gtugS am besten. ES sah ganz prächtig avS, wie fie erst mit den Fackeln g'tauzt und dann die Raketen tu die Höh' stiegen und eS aussah, als ob all die lieben Stern' bvm Himmel regneten. Aber daun, ich sahS ganz ßeuau, wie die in dem grünen Seidenkleid avfing zu breuueu und statt stch utederz'werse wie toll raunt'. Da war ich so steif vor Schreck, das ich wich ust rühren könnt'. Wie daun aber die weiße Rose st- rette» wollt' und das Fever ihr Kleidchen ergriff, da lief ich, was ich könnt', ihr beizusteheu. Als ich unteu vckam, war's Fener schon aus, und der Herr, der tat schönen Goldfuchs g'rttte, hielt sie in seinen Arme». An anderer, den fie Doktor nannten, sagte: eS sei Kt gefährlich, nur eiue Ohnmacht, uud der eine Arm bad' einige Brandwunden, aber uit von Bedeutung, lab dann sagt' er »och, fie sollte» uvr mache», baß « schnell heim kämen. Nachher waub't er fich z» der Stfintn, die noch immer am Bode» lag, »ob sagt': »Die ist arg mitgrnommeo. Wir wolle» hoffe», baß st« uit eher z»m Bewußtsein kommt, als dis wir in stsiildersbach etng'troffe finb." — Du weißt Haus, in Ebersbach, wo der Ohm Carl wohnt. — Dao» lief ich wieder, nach der Ander» zn seh». Der junge Herr wb fie grab i» de» Wagen, wo schon eine alte Dame Aß, ihre Matter, glaub' ich. Ich dacht' erst, er wär' M Bruder, aber das muß er wohl doch ust g'wese kitt, den» als der Wagen davon fuhr, hob er den «ranz auf, der dem Fräulein ans den Locken g'falle tatr, und steckt' ihu tu die Brusttasch'.'
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wurde hieraus auch mehrfach hingewiefen, indessen die Ovpofition bestand aus ihren Zablen und hielt an ihrem nur zu oft mißbrauchten Grundsatz fest, daß „Zahlen beweisen^'. Nunmehr liegen auch die betreffenden Zahlen für 1888 vor, aber trotzdem die oppositionellen Federn sonst eine große Geschäftigkeit an den Tag gelegt hatten, die berufs genossenschaftlichen Rechnungsergebnissen einer Besprechung zu unterziehen, einen Vergleich zwischen 1888 und und 1887 haben sie bisher in der fraglichen Angelegenheit nicht gezogen. Diesmal hat sich aber auch das Verhältniß ganz anders gestaltet. Während von den Unfällen des Jahres 1887 18,5 Proz. den Tod, 686 Pro;., dauernde Erwerbsunfähigkeit und 12,9 Proz. vorübergehende Erwerbsunfähigkeit zur Folge hatten, stellten sich dieselben Prozentsätze für 1888 auf 15,7 Proz., 64,6 Proz. und 19,7 Proz. Man sieht also, daß gerade die schwereren Unfälle abgenommen haben, während die leichteren eine Zunahme erfuhren, dabei kamen aus je 1000 versicherte Personen im Jahre 1888 an entschä- digungsberechtigien Verletzten 4,35, während 1887 dieselbe Zahl 4,14 betrug. Die Häufigkeit der Unfälle ist also fast konstant geblieben. Nun sind wir weit davon entfernt, dies Ergebniß als einen Beweis für eine in einem Jahre eingetretene Besserung bet Fabrikmaßnahmen zum Schutze von Leben und Gesundheit der Arbeiter anzu ehen, die Opposition müßte es jedoch in Konsequenz ihrer früher geäußerten Anschauung thun. Selbstverständlich unterläßt sie es jetzt, einen Vergleich zwischen 1888 und 1887 anzustellen, wie sie ihn zwischen 1887 und 1886 gezogen. Die Unterlassung indessen wie das thatsächliche Ergebniß der Jahre 1887 und 1888 bezüglich der Schwere der vorgekommenen Unfälle follten jedem Unbefangenen zeigen, daß die Zahlen, welche die Opposition für ihre Behauptungen ms Feld führt, stets einer sorgfältigen Prüfung bedürfen, ehe ihnen Glauben gefchenkt werden kann.
«tutrdiM Rtidt.
Berlin, 25. Nov^ Die „Nordd. Allg. Zig." schreibt: Die gegenwärtige Lage in Brasilien, soweit fie aus telegraphischen Meldungen erkennbar ist, dürfte den Mächten keinen Anlaß zur Beunruhigung geben, der provisorischen Regierung fehlt anscheinend weder die Macht, noch der Wille, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Es liegt daher kein Bedürfnis vor, deutsche Kriegsschiffe nach Rio de Janeiro zu entsenden. — Tas Gerücht von einer Verlobung des russischen Thronfolgers mit der
„Und dann*, fiel HanS ein, „sagtet mir, ich sollt' sein Pferd sattel» unb gab mir einen harte» Thaler.' Dabei zog er die Münze aus der Tasche, ließ einen Augenblick die Sonne daraus spielen und steckte fie schnell wieder ein.
„Was willst denn mit all dem Geld machen?* fragte die Försterin. „Gieb her, ich will DtrS anfheben.*
„Nee*, sagte aber der Bursche, „morgen ist Kirchweih in Dorndorf, und da wollt ich doch für die Hedwig und für die Mariandel einen Jahrmarkt kaufen.*
„Ach je, die Kinder I Sie haben ja »och kein Frühstück', rief die H;ine Frau. Dann lief fie, nachdem fie dem Hans freundlich zngeuickt hatte, schnell ins HauS.
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ES war am Morgen nach jenem Festabend beim Forsthavfe, als Harald in feinem Zimmer unruhig auf und nieder schritt. Ec trat an das Fenster. Er hatte befohlen, daß fein Pferd um fieben Uhr oorgeführt werde, und »och hatte man ihm nicht ge meldet daß es seiner warte. Da öffnete fich hinter ihm die Thür. AlS er fich mü der Frage: „Ist der Castor endlich da?' umwandte, sah er seinen Freund Benno vor fich. Der streckte ihm die Hand entgegen und rief:
„Guten Morgen, caro. Du bist erstaunt, mich fo früh hier zu sehen, das will ich glauben. Ich fürchte jedoch, Dich zu einer anderen Zeit gar nicht mehr zu treffen, da ich schon gestern und vorgestern in das leere Nest gekommen. Da bist Du ja wieder im vollen ReitcostÜm. Hast Du einen Spazierritt vor? Ich begleite Dich.'
„Nein', entgegnete Harald kurz. „Ich will sofort nach WilderSbach.' Dabei griff er nach Hut und Gerte.
„Nun, so begleite ich Dich auch dahin. Aber sage mir, alter Junge, was ist mit Dir vorgegaugen? Bei Gott, Du stehst ganz erbärmlich auS. Bist Du un» glücklich ober nur verliebt?'
„Laß diese Redensarten, ich habe jetzt keinen Siu»
jüngsten Tochter des Kaisers Friedrich, der Prinzessin Margarelhe, findet jetzt in manchen Kreisen Glauben, wenn sich auch zur Zeit nicht feststellen läßt, wie weit die Nachricht begründet ist. Die allgemeine Auffassung der gegenwärtigen politischen Lage findet darin jedenfalls ihren Ausdruck. Man würde aus der Verwirklichung schließen, daß Rußland ernstlich eine Annäherung an Deutschland sucht und andere Richtungen als fehlerhaft erkannt hat. Schon nach dem jüngsten Zarenbesuche hatte übrigens, wie erinnerlich, von guter Seite verlautet, die Umgebung des Kaisers Alexander habe hier die Ueberzeugung gewonnen, daß keine deutsche Kriegspartei bestehe. Die letzten Erklärungen der Regierung tm Reichstage können diese Ueberzeugung gewiß nur bestärken. Man hatte aus jenen Anzeichen bei dem Zaren- besuch auch wohl mit Recht geschlossen, daß ein flußreiche Petersburger Kreise gewissen slawischen Bestrebungen weniger zugethan sind, als es zuweilen den Anschein hatte. Diese Stimmung wird sich hoffentlich dauernd erweisen. — Schon am 7. Nov. war an dieser Stelle von einer in den Reihen der Wiiu-Gesellschaft bemerkbaren Bewegung zugunsten einer „möglichst engen Verständigung mit der Ost- afrikanischen Gesellschaft" gemeldet. Die Blätter berichten jetzt, daß der Abschluß der Verhandlungen wegen einer Verschmelzung der beiden Gesellschaften bevorstehe. In dieser Form ist die Nachricht insofern wohl verfrüht, als noch manche Vorfragen zu erledigen sind und ein Beschluß der Generalversammlung der Witu- Gesellschaft jedenfalls erst stattfinden müßte. Die Stellung der Ostafrikanischen Gesellschaft könnte jedenfalls dadurch nur befestigt werden. — Wenn sich die jetzt als sicher gemeldete Rettung des Dr. Peters vollauf bestätigt, wird ihn seine Rückberufung am Kenia wohl bald erreichen. Aber andere Aufgaben für ihn in Afrcka sind damit jetzt wie früher keineswegs ausgeschlossen. — Die ersten Nachrichten über die Brüsseler Konferenz gegen den Sklavenhandel haben bestätigt, daß Persien durch einen Bevollmächtigten an derselben teilnimmt. Die Bedeutung der Thatsache, daß auch die persischen Gebiete dem Handel verschlossen werden sollen, war von vornherein allseitig anerkannt. — Der Botschafter General v. Schweinitz begab sich heute vormittag zum Reichskanzler nach Friedrichsruhe.
— (Die Reichstags-Deputation bei Kaiser und Kaiserin.) Heber den Empfang, den das Reichstagspräsidium am Freitag bezw. SamStag bei dem Kaiser und der Kaiserin gefunden hat, erfährt die „K. Z." noch folgendes: Der Kaiser, der gerade dafür', war die zurückweisende Antwort. „Du scheinst heut bei sehr guter Laune zu sein, aber ich habe weder Zeit noch Stimmung zum scherzen. Du nimmst eS mtr nicht Übel, ich muß fort.'
„Hm, lieber Junge, Du hast Recht. Ich hatte gehofft, etwas von meiner Laune auf Dich übertragen zu können, denn dies trübselige Gesicht steht Dir utchtt Deshalb war ich nun freilich nicht herg»kommen. Jh wollte Dir nur sagen, daß unsere Wette gilt Damit ich Dich nicht anfhalte, erzähle ich Dir das Nähere faisant chemin. Komm.' Die Treppe hinab steigend, fuhr er fort: „Ich habe gleich, nachdem Du mich der Freiin vorgestellt, das Terrain zu sondiren versucht. Natürlich, nachdem ich mich erst, nach möglichst viele» Richtunge» hi» als solide» Junker gezeigt. Dau» ging ich als höflicher Mann auf die Jvteressen der Freiin ein, fragte, ob fie fich nicht einsam fühle, fo ganz allein auf ihrem Schloß, und war sehr erstaunt zu hören, daß fie eine Nichte bei fich habe, die alle Pflichten einer Tochter treulich erfülle und daher auch alle, verstehst Du wohl, alle Rechte einer solchen genießen werde. Ich sagte, wie glücklich ich sein würde, dem gnädigen Fräulein vor. gestellt zu werden. «IS die Freit» mir daraafhi» ihre Rose unter all de» jungen Damen bezeichnete, erkannte ich fie wieder, spielte mit vielem Geschick den Erschreckten, Verlegenen, beichte endlich und erhielt Absolutio», erst von der Tante und ans deren Fürsprache von der Nichte.'
Die beide» jungen Männer waren an der Freitreppe angenommen, wo die Pferde ihrer harrte». Als fie gleich darauf ans dem Hofthor trabten, *uhr Benno fort: „Die Heine Feuerszene am Abend (am mir dann sehr zu statten. Ich ttng Rose in den Wagen, nachdem fie ohnmächttg in meine Arme gesunken war. Ich sorgte so viel als möglich für ihre und der Freiin Bi quemlichkeit und erhielt von dieser die Erlaubnis, mich von Zeit zu Zett nach dem Befinden der Dame erkundigen zu dürfen. Am nächsten Morgen war ich bann auch schon in aller Frühe mit
von einem Gegenbesuche bei dem Prinzen und der Prinzessin Arisuwaga zurückkam, empfing die drei Herren am Freitag um 5 Uhr im Fahnensaale des hiesigen königlichen Schlosses; er sah außerordentlich frisch und wohl aus, seine Gesichtsfarbe ist leicht gebräunt. Er sprach längere Zeit mit großer Lebhaftigkeit mit den drei Herren; er betonte, daß er die Reichstagsverhandlungen mit großer Aufmerksamkeit verfolge; er sprach über die diesjährige Ernte, bedauerte, daß aus dem Osten des Reiches die Mitteilungen über den Ausfall derselben weniger günstig lauteten und erkundigte sich, wie der Ertrag der Ernte in der Heimat der Herren zu schätzen sei. Im Laufe der Unterhaltung meinte der Kaiser scherzend, auf einer Hasenjagd in der Nähe Berlins habe er jüngst einen kleineren Landwirt angesprochen, der in seiner Nähe gestanden, er habe sich auch bei ihm nach der Ernte erkundigt und beklagt, daß er im Durchschnitte nicht gute Nachrichten erhalten habe. Darauf habe aber der Angeredete gutmütig gemeint, er, der Kaiser, möge sich das nicht zu schwer z» Herzen nehmen, die Landwirte pflegten überhaupt immer gern zu klagen und seien selbst dann nie völlig zufrieden, wenn sie eine recht glänzende Ernte gehabt hätten. Die Kaiserin erzählte, wie sehr sie es als Prinzessin Wilhelm gewünscht habe, einmal einer Reichstagssitzung beizuwohnen; immer neue Schwierigkeiten und Hindernisse hätten sich aber der Verwirklichung entgegengestellt, schließlich sei aber doch ihr Wunsch erfüllt worden und sie habe einen sehr lebendigen Eindruck von den Verhandlungen erhalten, der auch jetzt noch bei ihr völlig frisch fei. Die Kaiserin sprach sodann von der Schönheit der Reise, die sie jüngsthin zurückgelegt; sie sprach von Griechenland, von der großartigen türkischen Gastfreundschaft ; namentlich erzählte sie auch von ihrem Besuch im Harem, der fie besonders lange gefesselt hätte. Der Sultan habe sie mit einer für türkische Verhältnisse fast unglaublichen Aufmerksamkeit umgeben. Die Kaiserin bezauberte die Herren durch die große Anmut, Einfachheit und Natürlichkeit ihrer Unterhaltungsgabe; sie gönnte ihnen nahezu zwanzig Minuten und nachdem sie dieselben entlassen hatte, rief sie noch Herrn v. Levetzow zurück, um mit ihm Vereinsangelegenheiten zu besprechen, an denen sie besonderen Anteil nimmt.
Fiiedrichsruh, 25. Nov. Der württembergische Ministerpräsident Frhr. v. Mittnacht ist am Sonnabend zum Besuche des Reichskanzlers Fürsten Bismarck hier eingetroffen.
München, 25. Novbr. Der Reichsrat nahm
einem Rosenstrauß in Strahleneck. Ich sprach jedoch nur die Kammerfrau der Freiin und beauftragte fie, dem gnädigen Fräulein beim Erwachen meine Blumen zu überbringen. Jedenfalls hat diese Anfmerksamkeit die Damen sehr gerührt. AIS ich gestern wieder mit einem frischen Strauß in Strahleneck vm sprach, empfing mich die Freiin in höchst eigener Person. Sie war sehr gütig und sagte mir beim Abschiede, wenn ich heute zur Visitenzeit komme» wolle, würde ich auch Rose sprechen könne», die mir gern für die duitigen Aufmerksamkeiten bauten möchte. Nun, moe vieux, was meinst Du? Berechtigt btefer Anfang nicht zu ben schönsten Hoffnungen?*
„Liebst Du Fräulein Ternoff?' fragte Harald, als Benno fetne Geschichte beendet, tote aus tiefem Sinnen.
„Lieben?* wiederholte der Gefragte verwundert. „Vorläufig liebe ich, mich vor dem Ruin zu retten. Aber nun sage, was t» aller Welt ist mit Dir vorgegangen. A propos, ich habe noch gar nicht gefragt, wie es Deiner Braut geht.*
(Fortsetzung folgt)
An Aord des „Kaiser".
Ein Herr, der auf dem Dampfer „Kaiser* die Orientfahrt mttgemacht, teilt einem Berliner Berichterstatter Über die Art, in welcher der Monarch fich an Bord bewegte, folgende bezeichnende Züge mit. „Bekanntlich*, fo berichtet der Gewährsmann, „mußte die Ausfahrt aus dem Hafen von Genna, die am Mittag stattfiuden sollte, wegen der Ungunst der Witterung verschoben werden. Erst am nächste» Marge» lichtete» wir wohl ober Übel bie Anker, trotzdem die See noch dasselbe unfreundliche Gesicht machte. Das Meer ging so hoch, daß selbst Seetüchtigeren, als es der Kaiser ist, um ben Mage» herum es bänglich zu Mute warb. Der Kaiser stand ans der Kommandobrücke und blickte »»verwandt nach dem „Hohenzolleru* hinüber, dem bie Welle» aller-