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Wöcheatlichr Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg uud Kirchhai«. — Illustriertes Souutaasblatt.
Expedition: Markt 2L — Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Ang. Koch. "
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Erstes Blatt
und die
auf von
Verlin, 15. Nov. Unser erlauchtes Kaiserpaar ist heute von der in das Ausland unternommenen längeren Reise in die Heimat zurückgekehrt, wo Aller- höchstdemselben die Herzen in ganz besonders warmer Weise entgegenschlagen. Die »Nordd. Allg. Zig." schreibt hierzu: Wiederum war Kaiser Wilhelm aus gezogen, von dem Streben beseelt, den Kreis seiner Anschauungen zu erweitern und mit eigenen Augen die reichen Geistesschätze zu sehen und zu durchforschen, welche uns in den Ländern, die als die Wiegcstätten menschlicher Geisterbildung und Kultur
der der und
publik einen neuen Triumph bereitet. Und der große Boulanger wußte inzwischen auch nichts weiter zu betreiben, als sein altes Metier, nämlich das Schimpfen. "Von der Insel Jesay, wo er noch in aller Seelenruhe sitzt, hat er einen neuen Schreibebrief nach Paris gerichtet, in welchem er weder einmal den schließlichen Sieg seiner Sache ankündigt. Prophet Boulanger gilt aber nicht mehr recht etwas in seinem Baterlande. Die D putiertenkammer selbst hat ihren früheren Präsidenten Floquet wieder zum Vorsitzenden gewählt. Die Boulangisten haben bereits augekün- digt, daß sie in den folgenden Sitzungen nach Kräften sich bemühen werden, Lärm zu machen.
In Belgrad wird zwischen König Milan. Ministern und Regentschaft sehr eifrig über die definitive Regelung der Frage verhandelt, wo künftig die Eltern des jungen Königs bleiben sollen. Milan meint, es sei am besten, wenn künftig weder er, noch Natalie wieder nach Serbien kämen, er verlangt aber eine Erhöhung seiner Rente und die Tilgung seiner Schulden. Zwischen Bulgarien und Serbien hat es einige kleine Grenzzwischenfälle gegeben, deren freundliche Beilegung aber gesichert ist. In Athen reißen die griechischen Blätter den Mund immer noch gewaltig auf und verlangen eine Intervention auf der Insel Kreta; aber die von London aus erfolgte Veröffentlichung des Depeschenwechsels über die kretensische Angelegenheit wird wohl daS heiße griechische Blut etwas abkühlen. In dem Aktenstück wird nämlich von allen europäischen Großmächten übereinstimmend gesagt, daß das Austreten Griechenlands unverständig sei und eine Einmischung in die türkischen Angelegenheiten nie geduldet werden würde
Prinzessin Friedrich Leopold erwartet wurden, begaben sich sofort zum neuen PalaiS.
Derrtsches Reich.
Potsdam, 15. Nov. Der Kaiser Kaiserin sind um 7 Uhr 57 Minuten Station Wildpark eingetroffen, wo sie
Ausland die Herzen. Ausgestattet mit hoher fürstlicher Würde und eine leuchtende Gestalt holder Weiblichkeit, ist die erlauchte Frau überall in der Fremde der Gegenstand achtungsvoller Verehrung gewesen, und hat dazu beigetragen, die Erfolge der Reise zu fördern und zu mehren. Durchdrungen von dankbar freudigen Empfindungen über diese Erfolge, rufen wir heute, inniger denn je, dem hohen zurückkehrenden Paare ein herzliches „Willkommen in der Heimat !“ zu. — Die Budgetkommission setzte heute die Beratung deS Marineetats fort. Bei dem Titel Schiffsbautrn wurde von 2 geforderten Avisos einer abgelehnt, das Uebrige bewilligt. Die neue Kaiseryacht (Titel 21) wurde mit 21 gegen 7 Stimmen bewilligt, nachdem der Sekretär deS MarineamtS HeuSner ausgeführt hatte, daß ein Ersatz für die ,Hohrrizollern" unumgänglich notwendig sei, da dieselbe bei 15,10 Knoten Geschwindigkeit den jetzigen schnelleren Schiffen nicht zu folgen vermöge. Vom Zentrum stimmten Frhr. v. Franckenstein, Frhr. v. Huene und Graf Hoensbroech dafür. — Heute abends treffen Hierselbst der japanische Prinz Urisugawa Takethito und deflen Gemahlin inkognito unter dem Namen eines Grasen und einer Gräfin Sawa mit zahlreichem Gefolge ein. Die Gäste werden in Hof Equipagen abgeholt. Der Prinz ist rin Adoptivsohn des Kaisers von Japan, er ist Korvetten-Kapitän und beabsichtigt, di« deutschen Marineeinrichtungen zu studieren, während die Prinzessin, eine Schönheit deS japanischen Hofes, sich iu die hiesige Hofgesellschaft einführen laffen will. — DaS Schreiben des ReichtagSpräfidenten betreffend den Beschluß des Reichstags wegen Vorlegung eines Entwurfs einer Militärstrafprozeßordnung wurde den Bundesratsausschüffen für Landwehr, Festungen und Justizwesen überwiesen.
Paderborn, 15. Nov. Weihbischof Freusberg ist gestern abend gestorben.
München, 15. Nov. Der heutigen Festsitzung der Akademie der Wissenschaften wohnten die Minister Frhr. v. Lutz und Frhr. v. Frellitzsch, die Mitglieder der Stadtvertretung und andere distinguierte Personen bei. Stiftsprobst Dr. Döllinger hielt die Festrede über die Zerstörung deS Tcmplerordens, Profkflor Scholl sprach über die Anfänge der politischen Litteratur bei den Griechen. Zu auswärtigen Mitgliedern der Akademie wurden ernannt Dr. Nanck >n Petersburg, Dr. Kern, Professor des Sanskrit in Leyden, und Stanislaus Cacizaro, Senator und Professor der Chemie in Rom, zu korrespondierenden Mitgliedern Dr. Sievers in Halle, Dr. Abbe in
gelten, von längst vergangenen Geschlechtern überliefert worden sind. Daneben hat der thatkrästige, so rastlos an Seinen hohen Beruf hingegebene Herrscher auch, wie hinlänglich bekannt, die freundlichen und guten Beziehungen gefestigt und erweitert, welche uns mit den Staaten und Völkern im Süden und im Osten Europas verbinden. Das deutsche Volk hat mit Stolz und Freude den Widerhall der jubelnden Zurufe vernommen, welche seinem Kaiser in jenen Ländern rntgegentönen, sowie er den Boden derselben betreten. Galten dies« Jubelrus« doch in erster Linie der Person deS Monarchen, der in der kurzen Spanne seiner bisherigen Regierung das Wort König Friedrichs, der erste Diener des Staates zu sein, in so hingebungsvoller Weise bethätigt. Sie galten aber nicht minder dem FriedenSsürsten, der unablässig bemüht ist, die Bürgschaften deS Vertrauens und der Eintracht, die zwischen Deutschland und seinen Verbündeten und den anderen Nationen bestehen, mit dem ganzen Vollgewicht Seiner Person zu vertreten, und mit dem Ansehen und der Würde Seines hohen Amtes zu bekräftigen. Selten wohl sind dem gekrönten Haupt eines mächtigen Reicher im Norden, so von der Wärme der Empfindung und von begeisterter Stimmung getragene Kundgebungen dargebracht worden, als Kaiser Wilhelm II. bei seinem jüngsten Aufenthalt in Hellas und in der Türkei. Aus der Rückkehr in die Heimat ist unser Kaiser mit Seinen beiden erlauchte» Verbündeten zu kurzer Begegnung zusammen getroffen, was als ein neues Unterpfand für die Uebereinstimmung und Einmütigkeit, mit welcher die alliierten Herrscher an den Zielen und Aufgaben einer unerschütterlichen Friedensliebe festhalten, gelten darf. So erscheint denn dies« Kaiserreise als ganz besonders reich und inhaltsvoll in Bezug auf die Eindrücke, die der deutsche Herrscher von den von Jbm besuchten Ländern empfangen, und auf die Wahrnehmungen, die Er von den wiederholten Begegnungen mit den befreundeten Souverainen in die Heimat zurückbringt. — In diesem Sinne charakterisiert sich die diesmalige Reise besonders al- eine im Dienst des Vaterlandes unternommen?, aus welcher, wie aus den ftüheren, erneut demselben die gedeihliche Festigung und Stärkung seiner Machtstellung und Würde nach Außen hin erwachsen kann. Auch unsere Kaiserin begleitete aus der eben beendeten Fahrt, allen Beschwernissen und Mühseligkeiten derselben trotzend, Ihren erlauchten Gemahl, und gewann Sich durch die Milde und Anmut des Wesens, wie im Inland, so auch im
Wochenschau.
(Schluß.)
Aus unseren Kolonieen liegt in dieser Woche nicht viel neues vor. Hauptmann Wißmann läßt feit seiner Rückkehr aus Inner-Afrika durchfliegende Kolonnen die Küste abpatrouillieren und die Sklavenhändler, die hier und da wieder aufgetaucht find, vertreiben. Nennenswerten Widerstand hat es hierbei nirgends gegeben. Ueber das Schicksal der deutschen Emin-Pascha-Expedition und deS Dr. Peters liegen ausführliche Berichte auch heute noch nicht vor. Es heißt nur aus Asiika, Peters Tod gelte als zweifellos. Stanley und Emin Pascha gehen durch deutsches Gebiet Unterstützungs-Kolonnen entgegen Die Sage der deutschen Schutzlruppe in Südwest Afrika rst doch nicht so schlimm, wie sie mehiiach geschildert wurde. Die Häuptlinge der Hereros haben durchaus nichts gegen die Deutschen, nur ein Gesindelhaufen scheint auigewiegelt worden zu sein von den vertriebenen englischen Agenten und tiefen werden sich die erfahrenen deutschen Soldaten wohl schon vom Leibe halten. Immerhin wäre es viel leicht gut, wenn die beschlossene Verstärkung der südwestaftikanischen Schutztruppe sich möglichst bald auf den Weg machte.
Die französische Parlamentssrsfion hat begonnen, die neugrwählte Deputiertenkammer ist. am Dlenstag im PalaiS Bourbon zusammen getreten. Die Boulangisten hatten für diesen Tag in Paris das Unterste zu Oberst kehren wollen, aber es ist nicht so arg damit geworden. Die Regierung hatte sehr deutlich verlauten lassen, daß jeder offene Widerstand rück fichtölos mit blanker Waffe niedergeschlagen werde, und da Säbelhieb« ziemlich unsanft thun, besonnen sich die Freund« des Zukunftsdiktators eines Besseren, gingen von ihren fürchterlichen Plänen ab und ließen es bei Heulen und Schreien bewenden. Die Spek takler, um die sich das große Publikum so gut wie gar nicht bekümmerte, wurden von der Polizei sehr rasch auseinandergetrikben, etwa anderthalbhundert Verhaftungen vorgenommen, unter denen sich auch mehrere Abgeordnete befanden; zweidrittel aller Arrestanten wurden aber bald wieder freigelassen. Die Lärmmacher werden sich nun noch wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu veranlworten haben; erreicht haben sie weiter nichts, als der Re-
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• (Nachdruck verboten.^
Ingeborg
Ei» Haide-Idyll von Johanna Berger.
(Schluß.)
,68 thot mit leid, Inge," sagte er bewegt, daß »ein Anblick Dich erschreckt hat. Ich wußte e8 wohl darum schob ich die Heimkehr so lauge auf. — Aber ich sehute wich krank nach meiuem Kinde. ES ist ja Alles, was wir von LebeuSglück auf Erden geblieben ist. Uud draußen in der Welt ist «S einsam «nd öde." Er seufzte aus tiefster Brust. „Aber ich »erde Dir sicht lange zur Last falle», Inge, — ich gehe bald wieder!" Er hielt noch immer die goldbetreßte Mütze in der Hond. „Darf ich eio paar Stnndeu hier bleibeu? Ich bi» müde, Ingeborg!"
Das Mädchen war totenblaß. Sie stand ihm stumm gegenüber. Der traurige Slang feiner Stimme zerriß ihr das Herz. .Er ist unglücklich", dachte sie. ^lrwer, armer betrogener Manu!"
„Wie kannst Dn so fragen ? erwiderte sie endlich. ^Zst tS nicht die alte Heimat? — Bleibe hier, so lange eS Dir gefällt. Du bist kein Fremdling in der Haidewühle1» — Und nun musterte fie ihn ver- stöhlen. Er sah so bleich so gebrochen und elend aus.
Er trat langsam näher und warf bte Mütze ans den Tisch.
.Ist daS mein Junge?' fragte *er weich. Eine dunkle Glut war ihm auf die Stirne getreten, mit brenneudeu verlangenden Augen starrte er ans das Beltchen hin.
.ES ist Dein Stab, Erich!» versetzte tief erschüttert das Mädchen.
Der große Manu beugte fich, an allen Gliedern zitternd, über den Kleinen herab, der ihn mit klarem, verständigem Ausdruck feiner großen Sinderaugen betrachtete. Doch plötzlich hallte es hell und lieblich in da» Gemach hinein: .Papa!" Und nun zum zweiten Male: .Papa!» Erich zuckte zusammen, bann riß er eit einem Jubellaute baS Kindchen empor und
in feine Atme. Er drückte eS, unbekümmert um dessen jetzt laut erhebendes Geschrei, immer fester an seine Brust und küßte uud liebkoste eS, bi» eS wieder ruhig wurde.
Jageborg stand dicht daneben mit gefalteten Händen. Sie blickte auf Erich und dann wieder auf das Kind. Iu ihren Augen perlten große Thränen. Sie biß die Zähne aufeinander, bamit dar Weinen fie nicht Übermannte.
.Mein Liebling, mein prächtiger, verständiger Junge!* so kam es endlich von Erichs bebenden Lippen. „Als ich ihn das letzte Mal ans den Armen btilt, glaubte ich nicht, daß er am Leden blieb. Sch Jage, liebe Inge, tote soll ich Dir danken, tote Dir vergelten! Die Stimme versagte ihm, aber er reichte ihr liebreich bte magere braune Rechte Über baS Kind hinüber.
Sie atmete schwer, als sie ihre Hand in bte seine legte, aber fie entzog fie ihm nicht oieber.
.Ich freue mich, daß Du eS lieb hast, Erich!* sprach sie herzlich. «Das atme Bübchen «ar so ver- lassen, so--*
,O Gott, Inge, rühre nicht an meine tiefste Wunde!" so fuhr er flawrneub auf. — „Aber Du hast ihm alles geschenkt, Vater- und Mutterliebe. Du nahmst daS verkümmerte kleine Wesen an Dein gütig«» Herz und ersetztest ihm alle«."
„Ich that nur meine Pflicht", sagte fie einfach, „über ich habe eS lieb gewonnen, unendlich lieb, eS ist mein größtes Glück! Laß eS mir Erich, ich kann nicht leben ohne daS Kind."
Sie konnte nicht weiter reden, bte blassen Lippen zuckten, eine namenlose Augst sprach anS ihren Worten.
Er reichte ihr ben Kleinen wieder hin, der, laut anfjubelnd vor Freude, sein dunkles Köpfchen an ihre Schulter lehnte. Sie preßte ihn hastig an die Brust und begann leidenschaftlich zu »einen.
„Er bleibt bei Dir, Inge", sprach er bewegt. „Behalte ihn, so lange Du willst, und so Gott will für immer. — Doch wird eS Dir nicht lästig werden mit der Zett?"
Sie schüttelte den Kopf. .Niemals, Erich.» Und nun stieg ihr das Blut heiß in die Wangen. Sie schloß das Kind noch fester in ihren Arm.
Der Seemann schaute auf fie nieder mit seltsamen Blick. .Inge», sagte er zitternd, .Inge!'
Sie hob ben Kops nnb strich sich bte Haare ans dem verweinten Gesicht. Unb bann trafen fich Beider Augen voll und ganz mit dem Ausdruck der alten unvergessenen Liebe. Eine neue hochgehende Flut der reinsten Empfindung bestürmte ihre Herzen mit zwingender Gewalt, unaussprechlichem Glück.
Erich sank zu ihren Füßen nieder nnb preßte das Gesicht ans ihre Knie. Ueber feine hageren Wangen liefen Helle Thränen. Die ganze große Gestalt bebte in heftiger Erregung.
.Vergieb mir!* schluchzte er, ,»ergieß mir!»
,34 habe Dir nichts zu vergeben, Erich!' ttöstete sie. Ich selbst trug bte größte Schuld an Allem. Doch nun find die schweren Jahre vorüber I»
Unendlich weich klang ihre Stimme.
Da flog eS wie Sonnenschein über fein verhärmtes Gesicht. «Zuge, geliebte, einzige Inge!» so rief er aus. .Nun lasse ich Dich nicht wieder, Du erste, beste teuerste Liebe meines Herzens!»
Er war aufgesprungen und hatte seine Arme um fie und da» Kind geschlungen, er küßte Beide. Und das Mädchen schmiegte ihr thrinenüberströmte» Gesicht zitternd und bebend an seine Brust, wie Überwälttgt von Seligkett. Ihr Atem stockte — fie hatte keine klare Vorstellung von dem, was geschah und was ge. schehen sollte. Sie empfand nur Eines, Erich liebte fie noch, sein Herz gehörte ihr wieder.
Doch nun begann der Kleine bitterlich zu meinen. Er fühlte fich augenscheinlich in seinen Rechten g-kränkt. Ingeborg herzte und beruhigte ihn und dies half ihr Über alle Verlegenheiten hinweg.
.Wir sorgen nun gemeinsam für da» Sind!» sagte er innig, .Seine Mutter ist verloren und wiederkommen wird fie nicht. Er gehört uns nun ganz allein — unser traute», liebe» Bübchen!»
Sie nickte zustimmend und sah durch Thränen lächelnd selig zu ihm auf. Bald darauf saßen fie Hand in Hand nebeneinander vor dem allen gemflt» ließen Kamin. Der Kleine lag wieder in seinem Brüchen und schlummerte süß. Ingeborg hatte ihren Kopf an Erich» Schulter gelehnt, und fie flüsterten zusammen von vergangenen Tagen, von der Zukunft nnb ihrem späten Glück.
Da» Feuer war allmälig zusammengesnuken, im Zimmer war eS dämmerig nnb still. Draußen brauste der Sturm über die Haide und klatschend fielen die Regentropfen gegen die Fenster. Die kahlen Erlenzweige nickten und grüßten geheimnisvoll linein. Der Bach rauschte, das Mühlrad klapperte laut nnb der Knecht pfiff sein Liedchen dazu. — Aber kein Ton, kein Laut, nicht einmal diese nahen und bekannten Töne störten die Seligkett in dem stillen Gemach.---
Erich» nnb JngeborgS Ehebund war von fester Dauer. Ans Summer, Irrtum und Unrecht war zweien Menschenherzeu ein ungetrübtes Glück erblüht, und fie wußten eS fich zu wahren. Kapitän Jeebens ging nicht wieder zur See. In der stillen Haid« wollte er v rgeffen, was die wunderschöne wette Welt ihm angethan. Der Knabe entwickelle fich prächtig, ein echter Friesensohn. Er blieb seiner Ellern Liebling und ihr einziges Kind.
— Ein CommiS in einer Kleider-Handlnng hatte heimlich einen Mantel an fich genommen. Der Prinzipal hatte eS aber Berner ft nnb ihm beim Gehall-AnSzahlm 16Mk. abgezogen. SIS dcrCommiS wegen biefer fehlenden Summe fein Befremden ausdrückt, erklärt ihm fein Chef, daß er einfach den Preis des gestohlene» Mantels in Abrechnung gebracht hätte. .Aber, Herr Prinzipal», sagt der Commis, .wir liefern doch diese Mäntel an unsere Kunden für 14 Mk.» .Ja, entgegnet der Prinzipal, .wenn Sie 12 Stück auf einmal gestohlen hätten, könnte ich Ihnen auch den EugroS- Preis berechnen!»