Illustriertes Sonntagsblatt.
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O. Sichel über -e« Fürsten Bismarck.
Die zwei ersten Bände des neuen Geschichts- wrrkeS von Heinrich v. Sybel „Die Begründung de» Deutfchen Reiches durch Wilhelm I." werden demnächst im Verlage von A. Oldenbourg (München und Leipzig) erscheinen. AlS Probe dafür teilen wir folgende allgemeine Charakteristik deS Fürsten Bismarck mit:
„Ganz im Sinne deS Königs (Friedrich Wilhelm) hat man oft von Bismarcks Frankfurter Lehrjahren geredet, ungefähr ebenso paffend, wie wenn man von der Schwimmschule eines jungen Fisches sprechen wollte. Gewiß, er, der bisher niemals im diplomatischen Dienste sich geübt hatte, trat hier in eine ihm fremde Welt und hatte manche Kenntnis von Personen und Sachen sich erst anzueigne». Aber nachdem er sich binnen wenigen Wochen auf dem neuen Boden orientiert hatte, entwickelte er seit den ersten Schritten seines Wirkens seine politische Meisterschaft. Er war rin Staatsmann von Geburt. Eine freigebige Natur hatte ihn mit allen Erforder- »iffen deS Herrscherberufs ausgestottet, mit rascher und durchdringender Auffassung aller Verhältniffe, mit scharfer Erkenntnis der Stärken und Schwächen jeder Position, mit sicherem Blick für die Brauchbarkeit der verschiedensten Menschen zur Förderung seiner Zwecke. Mit einer unerschütterlichen Willenskraft in der Verfolgung seiner Absichten verband er eine niemals versagende Elastizität deS Geistes in der wechselnden Anwendung des jedesmal zweckmäßigen Verfahrens; ohne jemals einen systematischen Unterricht durchgemacht zu haben, besaß er die Fähigkeit, welche Thucydidrs von ThemistokleS rühmt, durch die Macht seiner Natur in kurzem Nachdenken das Erforderliche sofort zu treffen.
Aber diese Züge werden bereits in seiner Frankfurter Korrespondenz gleich deutlich wie in seinem späteren Wirken auf höherer Stufe sichtbar. Uebcrall bewundert man die Umsicht der jede Frage allseitig beleuchtenden Erörterung, den Mut in der Aufstellung des anzustrebenden Ziels, die unerschöpfliche Fülle immer neuer, de» Gegner überraschender und verwirrender Evolutionen, und dabei den festen Pulsschlag einer stets vom Verstände geleiteten Energie. Noch befand er sich nicht in der leitenden Stellung, sondern hatte den Befehlen der vorgesetzten Behörde zu gehorchen; aber stets traf der Gang seiner Berichte in thatsächlicher Begründung und zwingender Logik so unwiderstehlich zum Zweck, daß sich nur in seltenen Fällen dem Minister die Möglich-
Anfang des nächsten Jahres stattfinden sollen. — Die Nachricht, daß der Bundesrat sich mit einer Vorlage, betreffend den Bau strategischer Eisenbahnen im Osten und Westen des Deutschen Reiche», beschäftige, wird von den offiziösen „Berk. Pol. Nachr." dementiert, indem sie versichern, daß ein solcher Gesetzentwurf oder eine solche Vorlage überhaupt nicht existiere.
Gratz (Posen), 13. Nov. Anstelle deS ver- storbenen Zakrzewski wurde der Pole Cegielski zum Landtagsabgeordneten gewählt.
Dresden, 13. Nov. Die Thronrede deS Königs heißt den Landtag herzlich willkommen, konstatiert die günstige und erfreuliche Gestaltung der wirtschaftlichen Lage. Die Industrie und der Handel sei in weiterem Aufschwung begriffen; zugleich sei eine Befferung der Verhältnisse der arbeitenden Klassen eingetreten. Der König freut sich, bestäfigeu zu können, daß in allen Teilen des Landes die in allen Bevölkerungsklaflen erkennbare arbeitsame Thätigkeit nicht ohne Lohn bleibt und das Vertrauen auf die Erhaltung des Friedens und die Zuversicht auf weitere fruchtbare Erfolge befestigt. Die Höhe der eingestellten Einnahmen des Etats gestattet den Schulgemeinden weitere Unterstützung durch Beiträge zur Lehrerbesoldung zuzuwenden, auf eine allgemeine Ermäßigung des Schulgeldes in den Volksschulen und eine Erhöhung des MinimalgehalteS der Lehrer hinzuwirken. Die Thronrede kündigt eine durch- greifende Aufbcfferung der Beamtengehälter für daS Finanzjahr 1892—93 an, für jetzt aber schon den Wegfall der Pensionsbeitrage und die Gewährung von Beihülfen an die niedriger Besoldeten; ferner eine Vorlage über Pensionen an berufsmäßige Gemeindebeamte, eine Novelle zu dem Gesetz über die Grundstückzusammenlegung, eine Armenordnung, eine Vorlage über den Bau mehrerer Lokalbahnen.
.Da» freut wich", versetzte kühl die Schwester.
Evchen blickte verwundert zu ihr auf. ,D» sagst WtS so eisig, Du zürnst mir doch wohl?'
«Wie sollte ichl — Aber ich habe eine Bitte n Dich.'
,Ei, da bin ich doch neugierig!'
,Du bist flatterhaft, Evcheu l Mache Erich glücklich. Sei gut, sei treu! Hörst Du, sei treu!' — Jngeborgs Stimme bebte von verhaltenem Schmerz.
^Nachdruck verboten.)
Jugeborg
Ei» Haide-Idyll von Johanna Berger.
(Fortsetzung.)
Nu» blickte Jugeborg sinnend zum Fenster hinaus i» die Haide, welche im Scheine der Morgensonue vor ihr lag. Da schreckte sie heftig empor, denn Eschen stand plötzlich neben ihr. Das junge Mädchen Var zierlich gekleidet und hielt einen Rosenzweig ia der Hand. Sie wagte aber nicht, die Schwester an znsehen, und nur zögernd kamen ihr die Worte von den Lippen: .Du weist es wohl schon, Inge? — Ich habe mich gestern verlobt mit dem Erich!"
Jugeborg schaute mit traurige» Auge» vor sich nieder, daun sagte fie gelaffeu: .Ich wußte, daß es so kommen würde."
Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Expedition: Markt 2L — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Loch.
_,Unb Du bist nicht böse darüber, nicht wahr, Inge? Du hattest ihn ja nicht gern, hast wohl kaum noch au eine Heirat mit ihm gedacht. Du bist ja eine Natur, die mit sich selbst fertig wird, darum gabst Du ihm deu Korb."
Jugeborg schwieg eiu Weile, ehe fie ruhig erwiderte: ,Du hast Recht, Evcheu, ich bin feine zärtliche Natur und ich habe eiugefehen, ich paffe nicht für Erich."
.Aber ich, Inge, ich! Du glaubst gar nicht, wie lieb wir nur habe». Ach schrecklich lieb! Und tu wenig Tagen werde ich seine kleine Frau und reise i ■ »it ihm in die wunderschöne herrliche Welt. O, Inge, Inge, ich bin überglücklich I" Sie schlug jnbelnd die feinen Händchen zusammen.
Asslar»-.
Wie«, 13. Nov. Der Kaiser und Kalnoky find heute ftüh hier eingetroffen. Der Kaiser empfing die Teilnehmer der hier tagenden Bischofskonferenz um zehn Uhr zu einer 20 Minuten dauernden Audienz.
Pest, 13. Novbr. Die ungarische Regierung zeigte der deutschen Regierung den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche an, welche wohl die Mästung beeinträchtige, den Handel und Verkehr hemme, ober der Gesundheit der Tiere nicht int geringsten schädlich sei, in etlichen Schweine Mästungen Steinbruchs (bei Pest) eingetreten sei. Sie teilte die außergewöhnlichsten strengsten Verfügungen mit, die behufs Tage schwanden dahin, obgleich fie so lang, fe erbarmungslos lang waren.
Jngeborg half der Mutter ftüh und spät und sorgte für die Armen nnb Kranken der Gegend, aber zuweilen saß fie auch gedankenlos vor der Mühle nnb schaute apatisch tu die Haide hinan». —
Von dem jungen Paare war einmal an» fernen Meeren ein Brief in die Heimat gekommen. Später schrieb Erich eine kurze Notiz, daß er mit Evcheu, ihre» zarten Zustande» wegen, einige Monate in Marsaille bleiben müfle. Und dann gelangte keine Nachricht mehr zn den bekümmerte» Eltern. —
Wieder verging ein bange» Jahr. Da kam eine» Tage» ganz unverhofft ein alter invalider Matrose tu der alten Haidenmühle an. Er hatte nebst einem inhaltreichen Schreiben, welche» den Elter» unzählige bittere Thräueu entlockte, eiu kleine» schwaches Bübchen mttgebracht, dem die Mutter — davougelaufeu war. Es blickte au» einem kränklich bleichen Gesichtchen mit nnschuldigen brauen Rehaugen verschüchtert und ängstlich um fich her.
Aber mit dem Kinde war plötzlich ein anderer
J” da» stille einsame Hau» gezogen, wie ein köstlicher Sonnenstrahl. Und JugeborgS verhärmte» Gestcht, ihr ganze» Wesen strahlte diesen Sonnenschein wieder. — Sie hatte den schwächlichen Buben, der bje Mutterliebe nicht kannte, sofort wie eine thenre Gottesgabe an ihr tiefe», reiche» Herz genommen, fich innerlich gelobend, ihm das Verlorene zn ersitzen, ihn zu hüteu uud zu bewahren vor allem Eleud der falten lieblosen Erdenwelt. Ja, der arme Kleine hatte in der That die eigene Mutter verloren. — Die Ober- flächlichkest, der leichte Sin», der Evchen schon als Mädchen eigen war, kam bei ihr al» Fran erst recht zum vollen AuSbrnch. Der Schwester ernstes Mahnwort: .Sei treu!" war schnell in alle Winde verflogen. Wo nnb wie sie fich von Gatten und Kind getrennt, konnte man in der Mühle nicht erfahren.
(Fortsetzung folgt.)
-«risches Reich.
Berlin, 13. Nov. Die Ankunft des Kaiserpaares hier in Berlin (Anhalter Bahnhof) wird Freitag gegen 7 Uhr morgens stattfinden. Das Kaiserpaar wird noch so lange im Neuen Palais Wohnung nehmen, bis die baulichen Veränderungen im Schloß beendet sind. — Die Budgetkommission des Reichstags beriet heute den Marine-Etat. Die Einnahmen und Ausgaben für das Marineamt, die Seewarte ». s. w. wurden unbeanstandet genehmigt. Die Mehrforderung für einen neuen Vizeadmiral (13 200 Mk.) wurde mit 14 gegen 11 Stimmen bewilligt. Von den Mehrforderungen im Tit. N (50 760 Mk.) wurden auf Antrag deS Abg. Freih. v. Franckenstein, nachdem die volle Mehrforderung abgelehnt war, die Forderungen für 1 Korvettenkapitän, 2 Kapitänleutnants und 2 Leutnants zur See, zusammen 17 000 Mk. gestrichen. Die Vermehrung der Deckoffiziere (66 300 Mk.) wurde ohne Abstimmung genehmigt, ebenso die Zulage für einen neuen Marinebevollmächtigten in Rom (10 000 Mk.). Fortsetzung morgen. — Die Konservativen haben zum Bankgesetz ihren angekündigten Antrag nunmehr in Form einer Resolutton eingebracht: den Reichskanzler zu ersuchen, die Anteilscheine der Bank zu kündigen und dem Reichstage eine Vorlage zu machen, wodurch die Reichsbank unter Beibehaltung ihrer Organisation und der in Deutschland bestehenden Notenbanken in den Besitz des Reiches übergeht und die Ausschüffe der Anteilseigner durch einen aus Vertretern des Handels, der Industrie und der Landwirtschaft gebildeten Beirat ersetzt werden. — Der Ausschuß des Emin Pascha-Komitees beschloß, um schließlich doch etwas seinem Namen entsprechendes zu thu», dem durch daS deutsche Gebiet nach der Küste marschierenden Emin Pascha durch Vermittlung Wißmanns zur Unterstützung Tauschartikel und Lebensmittel zuzusenden. — Staatssekretär v. Bötticher ist von Friedrichs- ruh zurückgekehrt. In den Erörterungen, die er dort mit dem Reichskanzler pflog, handelte eS sich namentlich auch um den Termin für die Reichstagswahlen. Es heißt, daß die Behörden zu beschleunigter Aufstellung der Wählerlisten angehalten werden sollen, die bekanntlich vier Wochen vor dem Wahltage zur Kenntnisnahme der Wähler ausgelegt werden muffen. Das deutet auf einen sehr nahen Wahltermin. Man nimmt an, daß der Reichstag, wenn irgend möglich, noch vor Weihnachten ge schloffen werden und daß dann die Neuwahlen im
Aber drinnen war es desto ttanlicher. Thüren und Wände hatte man mit Tannengrün »nd Blumen, «nirlanben geschmückt, denn e» gab ja Hochzeit heute. DaS Gerücht davou war durch die einsame Haide gedrungen nnb man hatte fich gewundert, daß e» so schnell ging damit. Die» hatte auch trotz de» schlechten Wetters eine Menge Neugieriger auf da» gastfreie Mühlgut gelockt, welche die Trauuog der schönen Müllerstochter mit dem schmucken Seekäpttän au- sehen wollten.
Mitten in der großen Wohnstube staub der blumeu- geschmückte Altar. Die Braut sah lieblicher ous wie je in ihrem weißen Kleide und dem Myrtenkranz iw blonden Haar. Sie stand wie ein Kind mit großen erstaunten Augen vor dem Altar und lauschte halb zerstreut auf die erhebeudeu Worte deS alten Geist, licheu. Aber fie verzog keine Miene dabei, fie vergoß keine Thräne, während unter Erichs dunkeln Wimpern blitzende Tropfen hervorschimmerten. Nach, dem die Ringe gewechselt, das Ja gesprochen nnb bie Ceremouie beendet war, da sprudelte Evchen über von Heiterkeit und Last. Denn nun ging eS ja endlich für immer fort von der langweiligen schrecklichen Haide in die wunderschöne Welt hinan».
Jugeborg hatte fich tu den letzten Wochen sehr verändert. Die schönen dunkelblauen Augen blickten matt und keine Spur von Rot färbte die Wangen mehr. ES schien, als wolle das Mädchen jeden Augenblick zusammenbrechen — aber fie klagte nie. malS. Still und ruhig, aber vorsorglich wie immer, hals fie bei den Vorbereitungen zur Hochzeitsfeier. Sie hatte eS gelernt, unter Thräueu zu lächeln und fich Mut zu wahren auch in den dunkelsten Stunden.
Und auch diese dunkeln Stunden ginge» vorüber. Die Neuvermählte» waren fort und Nebel und Siegen, schauer verhüllten mit ihren grauen Schleiern jede Spur des Wagen», der mit ihnen über die Haide r'llte. Dam, folgten stille Tage nnb Monate - geräuschlos, einsam nnb fienbeker. Aber auch biese
Anzeige» nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowie die Annoncen-Bureanx von Haasenstein und Bögler m Frankfurt a. M., Eaffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf TTTV QftfirrtftttiL Moffe in Frankfurt «. M-, Berlin, München u. «An; ®. L- AA1 ’' «Uu*7lBuu8* Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
leit einer abweichenden Auffassung darbst. Herr v. Manteuffel brummte wohl in auskeimender Eifersucht: der junge Schönhäuser scheint ja seiner Sache sehr gewiß zu sein — schrieb aber dann fein „Einverstanden" unter den Bericht.
Durch die Frühreife deS Talents und die indirekte Beherrschung des Vorgesetzten erinnert BiSmarö lebhaft an das Austreten des Generals Bonaparte int Jahre 1796. In allem übrigen aber erscheint neben der Aehnlichkeit der tiefste Gegensatz der Charaktere zwischen beiden Männern. Statt der kolossalen, jedes andere Gefühl erdrückenden Selbstsucht des korsischen Imperators zeigt sich bei dem preußi- schkn Beamten die patriotische Hingabe an den Staat, die unbedingte Pflichttreue gegen König und Vaterland. Seine Seele war erfüllt von dem Berufe, Preußen zu Macht und Blüthe zu erheben; jeder Schritt feines Wirkens war abhängig von dieser einzigen und beherrschende» Aufgabe. War er früher Parteimann gewesen, so wurde er jetzt, im prägnanteste» Sinne des Wortes, Diener des Staates. Gegen deffen Anforderung träte jede andere Rücksicht in den Hintergrund. Fragen höchster Bedeutung, Freihandel ober Schutzzoll, feudale ober demokratische Einrichtungen, Religionsfreiheit oder Hierarchie, Fragen also, die für viele tausend Men schen als bestimmende Prinzipien des ganzen Daseins gelten, waren für ihn nichts als je nach den Umständen gebrauchte Mittel für Preußens ferneres Emporwachsen, so daß ihn nicht selten seine Gegner den grundsatzlosesten Opportunisten aller Zeiten schalten. Wen» ferner Friedrich der Große, der ein langes Lebe» dem harten Dienste des Staatsinte- reffes widmete, im inneisten Herzen der Ueberzeugung war, daß der Staat nur ein Mittel zur Unterhaltung und Pflege der ideale» Güter, der Schönheit und Wahrheit, der Kunst und der WiffensHft, fei: so war umgekehrt Bismarck auch hier Utilitarier, und so sehr er jene Güter zu schätzen verstand, so war doch stets feine erste und letzte Frage, inwieweit diese Kunst oder jene Wiffenschast dem preußischen Staatszweck nütze. Obgleich nicht ganz in diesen Zusammenhang gehörig, mag hier auch die Thatsache erwähnt werden, daß er, der weiter als irgend ein Mensch von religiösem Jndtfferentismus entfernt war, wiederholt seine ehemaligen Parteigenoffen vor der damals üblichen Verquickung von Politik und Kirchentum warnte: ihr predigt damit, war sein Wort, die Menschen nicht in die Kirche herein, sondern aus der Kirche hinaus, und schadet dem Staat, indem ihr dem Volk seine Religion verleidet."
«Aber Inge!" — ich werde doch feine Frau und,--*
.Sei treu!" wiederholte die Schwester.
DaS Mädchen schlug errötend die Augen nieder. Dann sagte fie ausweichend: »Ich bin nur froh, daß Du nicht böse auf mich bist, Inge. Und schau nur welch entzückenden Ring mir mein Schatz geschenkt." Sie hob die Hand und hielt der Schwester daS funkelnde Kleinod vor die verweinten Augen.
Später kam auch Erich ins Zimmer herein. SIS er Jugeborg gegeuüberstand, stieg ein dunkle» ver. legeue» Rot in fein männlich schönes Gestcht.
.Inge", sagte er stockend, .Du hast wohl schon Alles erfahren? Aber wir gehen bald fort von hier, das Evcheu und ich. — ES ist mir zu peinlich. Ach, Hebe Inge, ich — ich möchte Dir nicht gerne wehe thuu 1"
Sie blickte ihn mit stolzer Miene an. Dann sagte ie mit Eiseskälte: ,3a, heirate fie bald, fie ist ver- inberlich, leichtfertig. —"
„Halt ein, Jage!' unterbrach er fie mit ffgmmenben Auge». «Sie ist meine Braut nnb ich Hebe fie!"
Gleichmütig fuhr Jugeborg fort: ,Unb lasse fie nicht viel allein als Deine Fran. Wache über sie, benn ihr Herz ist flatterhaft."
.Ihr Herz ist mein! — Und nun hast Du mir wohl nichts mehr zn sagen?" Seine Ettmme klang gereizt.
.Nein, Erich I" war bie ruhige Antwort.
Der junge Mann blickte ihr noch einen Moment wie fragenb in baS bleiche Gesicht, bann wandte er ich achselzuckend von ihr ab. Gleich darauf schlug krachend bie Thür hinter ihm ins Schloß.
Hub nach drei Wochen brach noch ein anderer Tag an; naßkalt, finster und regenschwer. Feuchter Nebel lag über der Haide nnb flatterte, vom Winde gejagt in phantastischen grauen Schleiern darüber hin. Die Mühle sah düster hinter den Eilen hervor und aus >em Schornstein stieg der Rauch wie ein langer chwarzer Tranerschleier in dunstige Luft.
Erscheint täglich außer an Werttagen nach Sonn« und EJUH. A m a
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