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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marbnrg und Kirchhain. Illustriertes Somtaasblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Ang. Koch. "

^Nachdruck verboten.) Iugeborg

Gin Haide-Idyll von Johanna Berger.

(Fortsetzung.)

Nach ben ersten eifrige» Fragen nud Antworten setzte sich die Familie au de» gedeckte» Abendtisch. Evcheu faltete ihre HL»de und sprach das Gebet. Erich ließ sich gleich deu Uebrigeu dir ländliche Kost wohlschmeckeu. Der Müller holte aus einem Borats, schranke eine große Flasche Schiedam »einen extra» feinen Tropfen', wie er sagte, und braute für sich und de» Junge» eine» steiseu Grog, de» »Will- kommeustrunkl«

AIS da» Mahl beendet war, ginge» die Frauen r» ihrer Beschäftigung. Der Hausherr und Erich hatten ihre Pfeifen augebrauvt und plauderten iw h meinen Ledersopha. Im Kamin war das Feuer tusammengeschürt, unr eiu großes Stück Steinkohle, von einem Saume roter Glnt umgebe«, brannte auf dem Roste und die graue Hauskatze lag dicht da. «eben und schumrte in der behaglicheu Wärme. Die Müllerin saß mit ihrem Rädchen davor und spann. Jageborg saß seitwärts im Schatten nud beugte fich tief über ihre Sttickarbett herab. Mehrere Maschen waren gefallen und es war keine leichte Sache, ste wit deu vor innerer Aufregung zitternden Fingern aufzuuehmen.

Iugeborg hatte bet Tische kein einziges Mal die Augen erhoben, aber ihr gewöhnlich'bleiches Gesicht war bis unter das weiche blonde Haar mit lebhaftem Rot gefärbt. Doch jetzt schaute ste mit großen Augen auf Evche», welche am Rande des Hellen Kreises, den »aS Kaminfeuer im Zimmer abzeichnete, zwanglos auf einem niedrigen Bänkchen kauerte. Sie war un. beschäftigt, wie immer. Ste hiett die weißen Arme nm die Knie geschlungen und schaute ttiumerisch io die zuckende» Flamme» btvein.

.ES ist ein schrecklich langweiliges Leben hier!' sagte ste plötzlich, indem ste fich streckte nud gähute.

.Warum nimmst Du keine Arbett znr Hand, Du Thunichtgut S' fragte die Mülleriu tu strengem Tone.

«Was soll ich deuu vornehmen? Spinnen kann ich nicht, und stricken, wie Inge, brr!' Sie schüttelte stch. .Ich wollte, ich wäre noch in der Stadt bet Tante Babett und säße nicht in der gräuliche» Haide.'

.Und was hätte dort aus Dir werde» sollen?' erwiderte die Mutter. Lieber würde ich fürs Geld arbeite», als so faulenzen wie Du. Ich sage Dir, Mädchen, Du wirst niemals einen ordentlichen Manu finde», der Dich znr Fra» begehrt, oder ich müßte mich sehr irren!'

Evcheu warf trotzig die Lippen auf. Dauu ließ ste langsam ihre Blicke von der Mutter durch das gonge Zimmer schweifen und bann wieder zurück, bis ste auf der Gestalt des jungen SemaunS haften blieben, Und als ob ihre blauen Augen eine mag­netische Kraft besäßen, so etwas von Hexerei und Zander Erich fühlte unter diesem Blicke plötzlich das Blut in seine Wangen strömen nud ein Gefühl sein Herz durchfluthen, wie er eS eigentlich »och nicht gekannt und gefühlt.

Das Gespräch stockte einen Moment. Ma» hörte keinen anderen Laut mehr in dem Gemache als das eintönige, melancholische Schnurren des Spinnrades. Erichs Arm lag auf der Sophalehue und knisterte unter dem krampfhaften Druck desselben. Der rote Feuerschein wob eine Strahlenglorie um Evcheus Eugelsköpfcheu und ihre berückenden Augen glänzen wie edleS Gestein. DaS Mädchen sah fast über- rdisch schön auS.

.aber Erich, zertritt doch den armen Garnknäuel nicht!' so unterbrach ste mit einem filberue» Lachen das Schweigen. .Und Inge steht nicht einmal, daß ie ihn ans dem Schooße verloren hat!'

Der jnuge Man» fuhr hefttg aus seinem Sinne» und Träumen empor. «Was meinst Dn, ich habe keinen Knäuel gesehen. Du hast hellere Augen wie ich!'

.Träumer Du! Da liegt er zu Deinen Füßen.

Geheimrätin" nennen zu können. Nie aber kam es vor, daß er dadurch, daß ich anderer Ansicht war, unglücklich ober unzufrieden mit sich selbst gewesen.' Der Kaiserin Blick fiel dann auf jene Stelle, wo es heißt:Sie war auS größeren Berhältnisien zu ihm gekommen, hatte mit reichen Anlagen, schnell^ faffendem und hochfliegendem Geist, als Lieblings- kind ihres Vaters, ihren geistigen Inhalt aus einem weit umfangreicheren Gebiet von bildendem Stof erhalten. Durch glückliche Jahre hatte fie mit Eifer und zuweilen mit Geduld dahin gearbeitet, in der Seele des Gemahls die Jnteresten groß zu ziehen, die ihr am Herzen lagen unb er empfand in seinem einfachen, lauteren Gemüt, was in ihm lebendig ge­worben war, als ihr Werk !"Auch das stimmt ganz und gar nicht,' sagte die Kaiserin mit Er­regung.Er war es, der mir seinem hochfliegenden Geist mich für alle jene Ideale erwärmte, die sein Herz erfüllten. Er war es, der mit Geduld dahin arbeitete, in einer Seele die Samenköner zu pflanzen, die in der seinigen schon zur herrlichsten Blüthe ent­faltet waren. Alles, was auS dem harmlosen Kinde, daS er damals in sein Schloß einführte, geworden, ist sein Werk! Ich weiß thatsächlich nicht, was es heißen soll, wenn Freytag schreibt:Ihm war, als hätte er erst durch sie sehen, fühlen, das Wahre er­kennen, das Schöne genießen gelernt. Es war leicht zu verstehen, daß solche Herrschaft einer Frau dem Manne, dem künftigen Regenten von Preußen, Schwierigkeiten und Kämpfe zu bereiten drohte." Die Kaiserin versank in tiefes Nachdenken:Solche Herrschaft! Ich ihm Schwierigkeiten und Kämpfe bereitet! Wann und wo? Habe ich je darnach ge- ttachtet, seinen Willen dem meinigen unterzuordnen? Der Kaiser war nicht der Mann, der sich der Herr­schaft seiner Frau gebeugt hätte, selbst wenn doch genug, unterbrach sich die Kaiserin, das Buch bei Seite legend,muß ich denn alles lesen, was ge­schrieben wird?" Sie trat in eine Fenstervertiefung, blickte lange und wehmutsvoll auf das dort hängende Bild Kaiser Friedrichs und verließ bann, kaum fähig, ein Wort zu sprechen, daS Gemach. Kaiserin Friebrich soll, so wirb weiter berichtet, denFreytag- schen Erinnerungen eigenhändig das Motto voran­gesetzt haben:Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen und das Erhabene in den Staub zu ziehen! Ich ttaure nicht! es gießt noch edle Herzen, die für den hohen, seltenen Mann erglühen.' Die Erinnerungen sollen mit diesem Motto versehen der Bibliothek der Kaiserin einverleibt worden sei».

Die Kaiserin Friedrich

hat sich vor ihrer Abreise aus Berlin, wie jetzt bekannt wird, ziemlich ausführlich über Gustav FreytagS Erinnerungen an Kaiser Friedrich geäußert. Ganz unverständlich', so bemerkte jemand, welcher der Umgebung der Kaiserin sehr nahe steht, muß allen denen, die den Kaiser in seinen Beziehungen zu seiner Gemahlin kannten, daS sein, was Freytag über den Kaiser als denMann seiner Frau' sagt. Da heißt eS wörtlich:Er rühmte ihr reiches Wifien und ihren Geist, zu dem er immer ausiehen müfle.' Und weiter:Seine Hingabe und Unter­ordnung unter die geliebte Frau war eine völlige. Diese Liebe war das Höchste und Heiligste in seinem Leben, daS ihn ganz erfüllte. Sie war die Herrin seiner Jugend, die Vertraute aller seiner Gedanken, seine Ratgeberin überall, wo fie Rat zu geben ge­neigt war." Die Kaiserin soll hierzu bemerkt haben: .Sie habe zu ihrem Gemahl emporgesehen, nicht er zu ihr; als bescheidenes, fast unwissendes siebzehn­jähriges Mädchen sei sie nach Berlin gekommen. Was fie geworden, verdanke sie ihrem unvergeßlichen Gatten.'Er war es", so sprach die Kaiserin, der mich für alles Schöne unb Gute begeisterte, mich in seine Pläne einweihte, den Wunsch in mir rege machte, meinen geistigen Horizont zu erweitern. Meine rege Anteilnahme an seinen Bestrebungen erfreuten ihn; ich war, wie er oft sagte,sein guter Kamerad", mit bem er alles besprechen konnte." Die Kaiserin hatte bei tiefen Bemerkungen FreytagS Buch vor sich aufgeschlagen unb deutete wehmütig lächelnd auf eine Stelle, in der es heißt:Die Erziehung der Kinder, daS Urteil über Menschen und Ereignisse, alles richtete er nach ihrer Persön­lichkeit. Wo er ihr einmal nicht ganz folgen konnte, ober wo fein innerstes Wesen ihrer Forderung widersprach, war er tief unglücklich und unzufrieden nut sich selbst."Der Kaiser mir nicht folgen können", sagte die hohe Frau, indem eine Thräne ihr ins Auge trat.Und bann, wann unb wo hätte ich je Forderungen gestellt, die seinem innersten Wesen widersprachen, ihn unzufrieden und unglücklich machten? Es war wein Stolz, ihm im hohen Fluge seines Geistes folgen zu können, seine Pläne zu verstehen, seine Wünsche zu teilen. Wir waren Eins im Denken und Fühlen! Tie Wortealles richtete er nach ihrer Persönlichkeit", sind entschieden unzutreffend. Der Kaiser pflegte in entscheidenden Fragen meine Meinung zu hören, wir tauschten unsere Ansichten aus, er freute fich, mich seine

Kaiser betritt heute zum erstenmale den Boden deS ottomanischen Reich-, in dessen Geschichte dieser be­rühmte Tag eine hervorragende Stelle einnehmen wird; denn, wenn es auch offiziell gemeldet wurde, daß der Besuch Sr. Majestät des Kaisers Wllhelm 1L in Konstantinopel keine politische Absicht verfolgt, so ist es doch außer allem Zweifel, daß diese- wichtige Ereignis nur zur Befestigung des Friedens im Osten, sowie im Westen Europa- beitragen kann. AuS diesem Grunde schon, und ohne von den Ueberliefe« rungen der orientalischen Gastsreundschaft z» reden, begrüßen mit Freude die unzähligen, unter dem Szepter Sr. Majestät des glorreichen Sulwns Abdul- Hamid Khan II. lebenden Völker die Ankunft deS Herrscher- eine- der mächtigsten Reiche der Welt. Wir haben übrigens sagen hören, wie daS edle und leutselige Wesen des deutschen KaiserpaareS ihm alle Sympathieen in den verschiedenen Ländern gewann, welche es bis jetzt bereiste. Es giebt aber noch eine Ursache, aus welcher der Besuch Sr. Majestät Wil­helm II. alle Herzen in der türkischen Hauptstadt mit aufrichtiger Freude erfüllt. Der angeborene Edelmut deS Osmanlis macht ihn eingedenk der seitens anderer erhaltenen Beweise von Achtung und Freundschaft; nun erzählte gestern ein türkisches Blatt, welche Ehren König Wilhelm von Preußen, später Kaiser von Deutschland, glorwürdigen An­denkens, dem jetzigen Sultan bezeigte, aI8 sich letzterer, im Jahre 1867, in der Begleitung des hochseligen Sultans Abdnl Aziz nach Koblenz begab. Die Ottomanen, welche ihren großmütigen Herrscher fast abgöttisch verehren und lieben, haben den warmen und ehrenvollen Empfang nicht vergessen, welchen damals die deutsche Regierung und daS deutsche Volk den beiden hohe» Reisenden bereiteten. Seit jener Zeit entstand zwischen den Höfen von Berlin und Konstanttnopel ein Freundschaftsverhältnis, welches erst nach der Thronbesteigung Abdul-Hamid Khan II. einen markierten Charakter annahm. Kaiser Wilhelm I. wußte bei verschiedenen Gelegenheiten die Großmut und die politische Weisheit des neuen Sultan- vollkommen zu würdigen, und die Regie­rung des Kaisers Wilhelm II., welcher in die Fnß- stapfen Seines glorreichen Großvaters getreten ist, legt ben Wunsch an den Tag, bie Freundschaft mit bem, burch eine kluge Staatsleitung zu einem wich­tigen Faktor in den ganz Europa interessierenden Fragen emporgehobenen ottomanischen Reiche zu unter­halten. Dies wurde hauptsächlich durch bie Reor­ganisation bet ottomanischen Miliiärkräfte auf btr Basis bes allgemein als bas beste anerkannten beut»

SBanberang traten fie ans tiefem Waldesschatten in eine kleine sonnige Lichtung hinaus. Die Schwester» setzte» fich hier in ben Schatten überhängender Birken­zweige. Erich stanb ihnen gegenüber an bie Föhre gelehnt. Sein Gesicht zeigte heute statt der gewohnten ftenndltche» Heiterkeit den Ausdruck ungewöhnlichen Ernstes. Mit seltsamen Ausdruck hastete» seine Augen an dem Mädcheupaar. Iugeborg hatte ein dunkles, einfaches Kleid angelegt ohne jeden Besatz, lieber ben Kopf war ein weißes Tuch geknüpft, das zum Schutze vor der Sonne schirmartig Über der Stirn hinwegragte und das reiche blonde Haar vollständig verbarg. Evcheu» Anzug war sehr sorgfältig ge» ordnet, sorgfältiger, wie fie es jemals in der Haide für nötig gehalten hatte. Ein Kleid von weißem, duftigen Musselin und ein Strohhütcheu mit blaß- blauem Beibenbanbe standen ihr allerliebst. Das Hütchen hatte fich ein wenig verschoben, was ihren belebten sprechenden Zügen ein pikantes Aussehen gab, während dar ernste blasse Geficht der Schwester unter dem entstellenden Tuche kalt und reizlos erschien.

So in stummes Auschanen der beiden Mädchen versunken, schien fich der junge Seemann jetzt erst recht deS vollständigen Gegensatzes der Schwestern bewußt z» werden. Das Blut schoß ihm heiß in» Geficht, seine hübschen Züge trugen plötzlich ben Aus­guck einer tiefen leidenschaftlichen Erregung. ES war ihm zu Muthe wie einem Menschen, der vor einer schweren unheilvollen Eutscheidmlg steht, von »er fein ganzes Lebensglück abhängt. Er hatte bie Mütze in bie Hand genommen, schloß auf Sekunden )ie Augen und ließ fich die dnftgedräukte Luft nm die heiße Stirn wehen. Dabei lauschte er aber be­gierig der lieblichen Stimme EvchenS, au» deren rotem Munde Bruchstücke bekannter Melodie« er­gangen. DaS Mädchen trillerte lustig vor sich hi» !>ab leise, während fie fich über die Vergißmeinnicht in ihrem Schoße beugte unb fie zierlich aneinander- reihte. Rn« hing sie ben halbvollendeten Kranz über ben rauben Arm, knöpfte ben Hut fester unb sprang

Anzeige» nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowre die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a. M., Eassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf TJf IV Stoffe tn Frankfurt a. M-, Berlin,München u. Köln ®. 8.

Daube u. Co- in Frankfutt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

-Mische, »eich.

©erlitt, 9. Nov. Der Reichskanzler erhielt heute abend das nachstehende Telegramm vom Kaiser auS Corfu:Vorzügliche Fahrt von Stambul bis hierher; Wetter prachtvoll; Farbeneffekt und Be­leuchtungen an Land und auf See von ungekannter Schönheit gesehen. Die Klarheit war gestern so stark, daß sämtliche drei Spitzen und daS dazwischen­liegende Festland deS Peloponnes auf einmal zu übersehen waren, was sonst noch nie eintraf. Alles wohl. Wilhelm." DerReichsanzeiger" ver­öffentlicht die Verleihung deS Schwarzen Adlerordens an den Prinzen Georg von Griechenland. Wie dieBerl. Poltt. Nachr." vernehmen, beabsichtigt der Staatssekretär Herbert Bismarck morgen mittag nach seiner Ankunft hier fich alsbald nach Friedrichs- ruh zu begeben. Ein schwacher Hoffnungsschimmer, daß die Nachricht von des Ermordung des Dr. Karl Peters sich nicht bewahrheiten werde, war ja trotz der bestimmt auftretenden Meldung immer noch geblieben. DaS Emin Pascha-Komitee hat derNat.-Ztg." folgende Mitteilungen zugeheu lassen: Auf unsere Depesche an Hansing & Cie. in Zanzibar ging folgende Antwort ein:Gerüchte be­sagen, Kolonne sei von SomaliS zersprengt, zwei Europäer tot, einer verwundet. Nachricht kann wahr sein, doch von Deutschen in Lamm nicht geglaubt." Herr Clemens Denhardt telegraphiert unterm 8. Nov. von Zanzibar:Akida von Kau meldete MaffaiS Expedition vernichtet, ein Deutscher ist verwundet gerettet. Ich glaube dies nicht. Anfang Oftober scheiterte Borcherts Dhau bei Kipini; Rusts Kolonne (d. h. die Vorräte) verbrannte Ende Oftober. Bor­chert neu gerüstet Tana gereist. ES ist vor der Hand unmöglich, auf Grund dieser Meldungen auch nur eine Vermutung darüber auszusprechen, ob der kühne Mann, deffen Nekrolog die gesamte euro­päische Presse in den letzten Tagen geschrieben hat, noch am Leben ist.

In einer derNordd. Allg. Ztg." soeben zugegangenen größeren Sendung türkischer Zeitungen fällt die Festnummer des in Konstantinopel erschei­nenden BlattesServet" besonders in die Augen, welche, auf feinem Schreibpapier abgezogen, die wohlgetroffenen Porttäts Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin bringt und vor dem sonstigen, durchgängig in türkischen Schriftzeichen ge­druckten Text folgenden,Se. Majestät der deutsche Kaiser in Konstantinopel" überschriebenen Festartikel in deutscher Sprache veröffentlicht:Ein deutscher Schau nur, Inge, bet Faden ist abgerissen und Du wirst einen Knote« mehr in Deine« Strumpf be­kommen!'

»Ich mertte «icht, daß er fiel,' sagte Iugeborg, indem fie fich wett vorbeugte und hastig de« Knäuel ergriff.

»Verzeihe, Inge!' sprach Erich ein wenig ver­wirrt. »Ich bin so steif, so ungalant. Ich habe wenig Verkehr mit Damen gehabt!'

,DaS werft maul' fiel Evcheu boshaft ein. »Aber wir wollen Dich ziehen!' Erich antwortete nicht, er strich langsam mit ben Fingern über das krause braune Haar. Dann nahm er fein volles Glas und trat zu ihr hin.

»Willst Du mir ben Willkommeugruß zutrinken, Evcheu?' fragte er. Er blickte feurig auf fie herab.

»Warum nicht.' Sie lachte lustig auf unb indem ste ihre Nixeuaugeu in bie seinen senkte, nahm fie ihm das Glas ans der Hand und nippte langsam, Tropfen um Tropfen davon, bann gab fie es ihm lächelnd zurück. Und nun trank er begierig den Rest.

»Nein, wie gut das schmeckt', flüsterte fie ihm zu. »Ganz anders als das blaffe SBaffer, welches bie Mutter Thee tituliert*

Jetzt schwand alle Röte von Iugeborg« Wangen und noch mehr Maschen fielen herab. Ihre ängst­lichen forschenden Blicke ruhten unverwandt auf ihrer chöueu Schwester, welche schon wieder mit bezaubern- >er Nachlässigkeit in ihrem Sessel kauerte und bald mitwillig lachte, bald ben entzückeubsten Unsinn schwatzte ober bem jungen Manne, ben ste kaum k-nuen gelernt, ihre söß-sten Blicke schenkte. So plauderte, lächelte und kokettierte fie, während Erich in langen Zügen von dem berauschenden Gift trank, welche» die Menschen Liebe neunen.

A" ""deren Tage mußte Erich mtt bem Sater di- Mühle beschauen, bie «ecker, bie Felber unb {Siefen. Der Mittag führte bie Familie wieder zu- sammen. Später machten bie Mädchen mit Erich einen Spaziergang in bie Halbe. Nach stunbenlanger

Erscheint täglich außer an Werttagen nach Sonn- und -

Feiertagen. Quartal-Abonnements-Preis bei der Expe-

bitten 2/4 SRI., bet den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. O*

L'sL'KU' s'' Dienstag, 12. November 1889.