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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg nnd Kirchhain. Illustriertes Sonntaasblatt.

Expedition: Markt 2L Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch. ®

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Ingeborg

Mn Haide-Idyll von Johanna Berger.

(Fortsetzung.)

j L »Möchtest Du nicht eine Arbeit vomehmeu, «chen?' sagte Ingeborg vorwurfsvoll. ,Du vbeitest niet Du liegst lieber im Grase und laug.

1 feilst Dich. Ich denke, wenn Du Dich nützlich be- chifttgen würdest, so wenn Du mir vielleicht l helfen wolltest?

»Der Himmel beschütze mich vor Deiueu Strümpfen*, Mviderte Evchev. »Soll ich mir etwa die Hände der- 2 derben mit dem rauhen Gar»? Nein, Inge, ich bin «cht Du. Ich kann mich nicht aufopferu für die vweu Leute. Wozu auch? Um mir etwa den Segen j N Himmel» zu verdienen?" Sie lachte hell uud Fermütig auf uud schüttelte den Lockenkopf. .Ich 2° ein Sonntagskind, Schwester; za mir wird das «ück uud der Segen ganz von selbst komweu, ohne 1 **6 ich mir Mühe deshalb mache. Tu wirst eS

Hou noch erleben, Inge!'

Ingeborg hatte mit erustcr Mieue zugehört, xlch, Evchen!' sagte sie ruhig.Brauchen kövutest

eS wohl, das Glück, aber rechne nicht so bestimmt 1 ^raus. Besser wäre eS, Du suchtest eS tu Deinem Herzen. Aber davu ist eS die höchste Zeit, daß Dn Abers wirst. Ich wollte Dich überhaupt noch etwas Neu. Ist es wahr, daß Du iu der Stadt eiu EerhältntS mit?'

Evchen kräuselte verächtlich die roten Lippen. 1 Ach so, Du meinst mst dem Studenten. Aber das * «ine Ewigkeit her. Warte, ich kann es Dir genau Achrechuen. ES find drei Jahre seitdem verflossen. M war damals eiu rechter Lackfisch uud habe jetzt n« Tändelet längst vergessen.'

»Nun ja, Du warft freilich «och eiu Kind', er» Äderte Jugeborg.86er nach diesem LiebeSttödel j F# Tu Dich, wie mau mir erzählte, mit einem Oberen versprochen!'

Deutsches Reich.

Berlin, 7. Nov. Dem Reichskanzler ging heute nachmittag vom Kaiser nachstehendes Tele- * grotnm zu:Nach einem Aufenthalte, der einem Traume gleicht und welcher durch die freigebigste Gastfreundschaft des Großherrn zu einem paradiesi­schen gemacht wurde, passiere ich soeben bei schönem Wetter die Dardanellen." Die Budget-Kommission des Reichstages genehmigte den Ankauf des deutsch­norwegischen Kabels und erledigte den Postetat. Bei dem Etat des Auswärtigen Amtes erklärte llnterstaatssekretär Graf Berchem, gegen die Schweiz bestehe keine Mißstimmung. Die Nachsorderungen für die Wißmannsche Expedition würden gegen zwei Millionen Mark betragen. Die Fälle, in denen Kommunen die Kosten des regelmäßigen Schulbau bedürfnisscs aus Anleihcmitteln zu bestreiten be­schließen, haben sich in letzter Zeit erheblich gemehrt. Der Finanz-Minister und der Minister des Innern haben hieraus Veranlassung genommen, darauf auf- oierksam zu machen, daß diese Kosten, namentlich in solchen Gemeinden, deren Bevölkerung in rascher Zunahme begriffen ist, und in welchen daher das Bedürfnis zur Ausführung neuer Schulbauten in kurzen Zwischenräumen wiederzukehren Pflegt, zu den regelmäßigen Ausgaben des Gcmeindehaushalts ge­rechnet werden muffen. Wo hiernach nicht etwa die Notwendigkeit zu umfassenderen Schulhaus-Neu- bautcn durch besondere Umstände, wie beispielsweise durch eine außerordentliche Vermehrung der Bevöl­kerung, durch unerwartetes Eintreten von Bauschäden an älteren Schulbauten u. s. w. herbeigeführt wird, soll darauf gehalten werden, daß die Kosten der Echulhausbauten aus den regelmäßigen Einnahmen der betreffenden Stadtgemeinden bestritten werden. Zu diesem Zweck ist den städtischen Behörden im besonderen empfohlen worden, Schulhaus-Neubau- sovds anzusammeln, welchen regelmäßig jährlich an- zemcflene, nach dem mutmaßlichen Bedürfnis des betreffenden Zeitabschnitts zu berechnende Beträge aus den Jntradcn des städtischen Aerars zuzusühren sind.

Zu den vorläufigen Ergebniflen der deutschen Strafrechtspflege für das Jahr 1888, aus welchen ju entnehmen ist, daß der Umfang der Kriminalität ßch im Vergleiche zu dem Vorjahre merklich ver­ringert hat, führt dieKöln Ztg." aus:Sowohl im Ganzen wie im Einzelnen weisen die Zahlen rote Verminderung der Extensität des Verbrechens äu Deutsche» Reiche auf, und bei gewiffen Ver- brechensgruppen ist dieselbe besonders bedeutsam.

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Massa datiert. Von Nkone wollte Peters am fol- 1 Zünden Tage, 9. September, aufbrechen, um nach Mafia und weiter am Tana hinauf in der Richtung nach dem Kenig Gebirge zu marschieren. Nach einer ; weiteren Nachricht war er am 12. September in 1 der Landschaft Malakota, in welcher Mafia liegt, angelangt. Peters hatte zur Zeit nur 25 Somalis bei sich und wußte, daß sein Vordringen sehr ge­fahrvoll war. In einem früheren von dem Emin- Pascha-Komitee ausgegebenen Bericht hieß es:Am 1 25. Juli war die Kolonne des Dr. Peters voll­kommen marschfertig und verließ Witu am 26. Juli. Diese Kolonne, geführt von Dr. Peters und Leut­nant v. Tiedemann, bestand aus 25 Soldaten (So­malis), 98 Trägern (85 Männern und 13 Frauen), : 8 Dienern, 1 Wagenführer; sie nahm 16 Kameele, 8 Esel, 1 Pferd und 4 Hunde mit sich. Außerdem hatte Peters 6 Boote auf dem Tana zur Beförderung von 80 Last Getreide gemietet. Eine zweite Kolonne mit dem Rest des Gepäcks sollte unter der Führung der Herren Kapitän- Leutnant Rust und O. Borchert dem Dr. Peters Nachfolgen. Borchert war durch den Prozeß der Neera" in Zansibar zurückgehalten." Man wird sich des Gedankens nicht entschlagen können, daß auch diese zweite Abteilung der Expedition in Gefahr steht, von den Eingeborenen angegriffen zu werden. Hoffentlich erhält sie zeitig genug die Nachricht von dem Geschehenen, so daß sie den Rückzug antreten und sich in Sicherheit bringen kann. Auch hält man infolge der Niedermetzelung der Expedition Peters die Lage Stanleys und Emins neuerdings für gefährdet. Hebet Dr. Peters entnehmen wir einem Nekrologe derPost" folgende biographische Notizen: Dr. Peters, geboren am 27. September 1856 als Sohn des Pfarrers in Neuhaus a. d. Elbe, empfing seine Erziehung an der Klosterschule zu Ilfeld, studierte Geschichte, National Oekonomie und Jurisprudenz, erhielt 1878 von der Berliner philo- sophischen Fakultät die goldene Medaille für eine geschichtliche Arbeit über den Frieden zu Venedig und promovierte dann. Er lebte dann einige Jahre in London, um, nach Berlin zurückgekehrt, ein philosophisches WerkWillenswelt und Weltwille" zu vollenden und dann mit noch einigen Gleich­gesinnten die Agitation für eine energische Kolonial­politik zu beginnen. Bekannt ist, daß er im Jahre 1884 die ersten Verträge mit den ostafrikanischen Häuptlingen schloß, welche von der Regierung an­erkannt wurden und zur Bildung des Protektorates führten.

daß mau das Klappern der Nadeln deutlich »er. nehmen konnte.

Nach einer Weile sprach ste wieder:Evchen, hör mich einmal au. Ich will Dir gewiß nicht ohne Grund Vorwürfe machen, ober als Deine älteste Schwester habe ich das Recht, Dich zu ermahueu uud zu warnen. Du bist leichtfertig und flatterhaft, eS kommt Dir gar nicht darauf au, ein Meuscheuherz zu brechen.'

Evcheu trommelte ungeduldig mft den Fingern au dem dicken Baumstamme herum und gab keiue Antwort.,

Und nun sage wir die Wahrheit', fuhr die Schwester fort.Ist vielleicht wieder jemand iu der Stadt, dem Du Versprechungen gegeben hast? Nnn, beichte doch, Evcheu, heraus mit der Sprache!'

Eine brennende Röte stieg iu Evcheus Gestcht, die entweder durch Aerger oder Scham erzeugt ward. Sie richtete sich heftig aus und ries mit blitzenden Augen:Nein, tote garstig von Dir, Inge, mich so i« quälen. Ich bin kein Schulmädchen mehr, das man auShorcheu darf. Dir kann allerdings der- gleichen nicht paffireu iu der eiusameu Haide. Auch bist Du ja so vernünftig, so ruhig! Ich bin fest »aöon überzeugt, daß Dein Herz auch damals nicht tärket gepocht hat, als Du noch jung warst!'

Ingeborg sah fie betroffen an.AIS ich noch l»ug war?' fragte sie verwundert.

_ »Nun ja, Inge! Ich meine so iu meiuem Alter. Du bist freilich noch gar nicht alt, ober stets so ernst, o würdevoll uud gemeffeu, daß jedermauu Respekt K°n Du hast Dich wohl uoch niemals

3°Sborg wurde dunkelrot. Evcheu sah fie lustig »Abe nicht recht, Schwester?' sagte fie. gehörst zu den Menschen, die kühl und gelaffeu bu^r Lebeu gehen. Dn kennst keine Liebe, keine «eibeuschaft.

und Koketterie find zwei ver. schiedeue Begriffe.'

Das Buch Gustav Freytags über Kaiser Friedrich hat von verschiedenen Seiten eine scharfe Verurteilung gefunden. Nachdem zu­erst der freikonservative Abgeordnete Dr. Arendt in betDeutsch. Wochenschrift", dann der freisinnige Abgeordnete Schrader in derNation" herben Tadel gegen Freytag ausgesprochen haben, schließt sich ihnen jetzt Professor Hans Delbrück in denPreuß. Jahrbüchern" an. Herr Delbrück leitet seine sehr umfangreiche Auseinandersetzung mit folgenden Sätzen ein: Mit Beklommenheit habe ich dies Buch gelesen und mit Bitterkeit habe ich es endlich aus der Hand gelegt. Sagt man, es ist die Wahrheit, welche bitter schmeckt, so antworte ich: solchen Trank zu kredenzen, ist gut, es ist höchste, edelste Mannes­tugend, wo eine Notwendigkeit, wo ein Zweck vor- liegt. Hier sehe ich keine Notwendigkeit, keinen Zweck. Welchem preußischen Könige, ja nur welchem hervorragenden Mann ist es geschehe», daß ein Jahr »ach seinem Tode von Freundeshand der Welt ein Charakterbild übergeben wird, in dem mit einer wahren Erbarmungslosigkeit jeder Zug nach der Seite der Schwäche hin ausgemalt und ausgeführt ist ? Selbst der goldige Schimmer der Liebenswürdigkeit und Herzensreinheit, in den das Ganze getaucht ist, muß diesen Eindruck nur verstärken. Daß ein großer Dichter und Schriftsteller mit diesem Bild ein Kunst­werk geschaffen, das alle lesen und von deffen Ein­druck sich das Gemüt des Volkes beherrschen lasten wird, verschärft immer von neuem in uns das Ge­fühl des Bedauerns. So unsere Empfindung, wenn die Charakteristik Freitags richtig wäre. Sie ist aber nicht richtig. Ich würde mich desselben Fehlers schuldig machen, besten ich den sonst so verehrten Mann anklagen muß, wenn ich auf die intimen Einzelheiten seiner Schilderung eingehen wollte, um dieses zu bestreiten, jenes zu bestätigen, anderes durch Ergänzung zu vervollständigen und dadurch erst in das rechte Licht zu rücken. Alle solche In­tima laste ich auf sich berufen, um zwei Punkte herauszugreifen, die ihrer Natur nach der allge­meinen Geschichte angehören und bet denen ich außer­dem glaube, nicht blos Zeugnis gegen Zeugnis setzen, sondern auch mein Zeugnis durch allgemeine Argu­mente von einleuchtender Kraft verstärken zu können. Die beiden Punkte, die Delbrück hervorhebt, sind: die Stellung des Kronprinzen zur deutschen Kaiser­frage und Freytags Urteil über de» Kronprinzen als Feldherrn.

Das Defizit der Berliner Ausstellung für Unfallverhütung beträgt nicht blos hunderttausend

Kann fein, Inge! Jedenfalls finde ich es aber bester, meine Jugend zu genießen, als so schrecklich stumpfsinnig dahin zn leben, wie Du, ohne Ab­wechselung, nnd dann allmählich eine alte Jungfer ZU werden. Nein, lieber sterben! Aber streiten wir nicht länger darüber! Ich gehe lieber in den Wald nnd pflücke mir Blumen. Laß Dir die Zeit nicht lang werden bet Deinen Strümpfen, Du, Dn Heilige!'

Sie warf auflachend der Schwester einen dicken Erikabüschel zu und sprang leichtfüßig davon.

Ingeborg sah mit einem Seufzer der schlanken Mädchengestalt nach, wie fie sorglos wie ein Vögel- cheu über die Haide flog. Eochens weiße Z^ne glänzten zwischen den kirschroten Lippen hindurch, als te sich lachend noch einmal urnwandte. Dann war fie hinter den dunklen Föhren verschwunden.

Einen Augenblick zog Ingeborg die Stirn in Falten, >ann schwand langsam die Röte von ihrem Se­icht. Trotzdem fie ein wenig böse auf ihr Schesterchen war, fühlte fie dennoch in ihrem Herzen ein nnend» ich heißes Sehnen nach der allgemeinen Liebe, welche sich diese mühelos erwarb und niemals zu würdigen wußte. Sie empfand mit einem Gefühl der Leere, daß niemand fie liebte, wie man Evcheu liebte, wenn- gleich jedermann sie mft einer Achtung ehrte, die weit über ihre Jahre hinansging. Sie hatte keine Freundin, wie fie schon als Kind keine Gespielin ge- >abt; ernst und einsam blieb fie allein. Allmählich »atte sie gelernt, fich so unbedeutend vorzukommen, > fie nicht mehr darauf hoffte, Sympathie oder warme Zuneigung zu erwerben, obgleich fie nicht er­raten konnte, was ihr eigentlich obging, um von der warmen Flut des Lebens ausgeschlossen zu werden. Ihr reiches, tiefes Empfinden, welches fie vor den Menschen scheu und herbe verschloß, konnte Keiner ahnen. Im Gegentheil; jedermann war der Mein- ung, fie halte fich absichtlich fern von allen Zerstreu­ungen der Jugend und er sei ihre freie Wahl, allein zn bleibe«.

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Für die soziale Verwertung des kriminalistischen Ma­terials ist es von hervorragendem Interesse, daß l die strafbaren Handlungen gegen das Vermögen, also vor allem die Diebstähle, auch im Verhältnis > zu dem Vorjahre wiederum sich vermindert haben; : die Statistik weist nun seit einer Reihe von Jahren eine fallende Bewegung bei diesen Vergehen nach, i wiewohl weder das Strafrecht noch das Strasprozeß- i recht während dieser Zeit eine Abänderung erlitten hat. Ta zweifellos der Eifer der gerichtlichen Po- . lizei bezüglich der Aufspürung strafbarer Handlungen - nicht geringer geworden ist, so kann diese Erschei- i nung nur darauf zurückgcsührt werden, daß die wirt­schaftlichen Verhältnisse sich im Laufe der letzten Jahre immer mehr gebessert haben. Allen Behaup- i tungen der politischen Opposition zum Trotze geht aus diesem Ergebniffe der Statistik mit größter 1 Sicherheit hervor, daß die Möglichkeit der Be- schaffung des Unterhaltes gerade für die unbemitteltere i Klaffen eine leichtere geworden ist, und die Ver­mutung liegt nahe, dieses Ergebnis neben dem teilt i schaftlichen Aufschwung wenigstens zum Teil auf die Wirkung der sozialen Gesetzgebung zurückzuführen. 1 Gerade in diesen Tagen, in welchen man schon die i Behauptung aufgestellt hat, daß die voraussichtlich nur vorübergehende Preissteigerung zu einer Ver­mehrung der Eigentumsverletzungen geführt habe, und in welchen der verbissene Radikalismus sich darin gefällt, von den staatlichen und gesellschaftlichen Zu- ständen Deutschlands das unerquicklichste und ab­schreckendste Bild zu entwerfen, grade jetzt ist es ge­boten, auf diese Thatsache die Ausmerksamkeit der weitesten Kreise zu lenken, denen sonst alles, was mit der Statistik zusammenhängt, ziemlich fern liegt. Es kann doch wahrlich um die deutschen Zustände in wirtschaftlicher Hinsicht nicht so schlecht bestellt sein, wie die Reden der Herren Richter und Bebel die Welt glauben machen wollen, wenn sich aus den alljährlich veröffentlichten Rechenschaftsberichten der Strafrechtspflege eine stetige Verminderung der eigent­lichen Notvergehen ergiebt."

Der Streit um die Emin-Pascha-Expedition, der Monate lang die öffentliche Meinung in Deutsch­land beschäftigte, ist beendigt, beendigt durch ein furchtbares Geschick: die Expedition ist von den Afrikanern vernichtet worden, Dr. Peters und sein Gefolge weilen nicht mehr unter den Lebenden, wie bereits telegraphisch gemeldet wurde. Der letzte hierher gelangte Bericht von Dr. Peters war am 8. September aus Nkone, Landschaft Sakunini am Tana - Fluß, ungefähr drei Tagemärsche unterhalb

Evcheu zuckte spöttisch bte Achseln.Du stichelst wohl auf den Kandidaten? Das war ja ober nur pure Spielerei. Die Käthe hatte fich verlobt mit dem Provisor und da wollte ich auch gern eine kleine Braut sein. Aber der Spaß dauerte nicht lange. Der Mensch war so eifersüchtig der reine Othello! Mit dem ist es lange aus. Gott sei Dank l"

Die Leute erzählten mir uoch mehr. Es war die höchste Zeit, daß der Vater Dich nach Hause holte!'

»Ach, Jng«, Du wirst doch nicht auf das hören, was die Leute sagen. Uud kann ich etwa dafür, wenn man mich gern hat? Nun machst Du mir uoch Vorwürfe deshalb.'

,3a, Evchen, denn ich halte Dein Thun für aroßen Leichtfiun. Tu bist kokett und ich glaube, Dir fehlt etwas, wenn Du kein LiebeSgetändel treibst. Wie viel Verhältnisse hottest Du eigentlich schon biS zu Deinem neunzehnten Jahre?'

Evchen schlug einen Moment die Angen nieder. Aber gleich daraus warf sie mit Entrüstung dickLocke» zurück und erwiderte ttotzig:Wenn Du'junge Herren meinst, die mit mir tanzte», mir de» Hof machten und mich mit Aufwerksawkeiten über, chütteteu so kann ich DirS nicht betraten. Ich gab mir keine Mühe, fie zu zähle» I Aber einen wirklichen Bräutigam, den ich liebe' Sie hielt mit dem Sprechen inne, ein rätselhaftes Lächeln chwebte um den kleinen lieblichen Mund. Dan» warf fie fich rücklings wieder in das Haidekraut Möck. Und als könne der alte Lindenbaum ihr das Rätsel lösen, mit so sehnsüchtigen Augen starrte fie wieder in daS grüne »lättergetoirr hinauf. Bis zu i tiefer Stunde hatte ste daS wundersame Märchen daS Hangen und Bangen, das Jauchzen und Jubeln > »er Liebe nur oberflächlich berührt. Sie ahnte nur, daß eS «»sagbar schön fein müsse, wenn daS Her, zum Herze« in echter Liebe fich findet.

Ingeborg blickte ernst und stnuend vor fich nieder, während fie mft einem solchen Eifer weiter strickte, \

Marbura, Ä.lXÄtsssr ?£»:---------

bitten 21/. Mk. bet den SBoftämtern 2 Mk so «Rfn lern ** !°®'e ote Annoncen--BureauE Don Haasenstetn und Vogler

Sonnabend, 9. November 1889. ÄaÄÄÄÄ M. Jahrgang.

_______Jujm^ettanten sur vte Jette 20 Psg. Daube u. Co.mFrankfurt a.M., Berlin, Hannover, Paris.