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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marbnrg nnd Kirchhain. Jllnstriertes Sonntagsblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.

M 260.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Ouartal-Abonnemcnts-Preis bei der Expe­dition 2Vt SRI., bei den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Mittwoch, 6. November 1889.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf TTTV M-ffe tn Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln: ®. L. W ' <0 Daube u. Eo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari».

Einer der ehrwürdigsten Veteranen des preußischen Heeres und zugleich der älteste Ritter des in den Befreiungskriegen gestifteten vaterländischen Ehren­zeichens des Eisernen Kreuzes, der Generalleutnant z. D. August Stockmarr, ist am gestrigen Tage in dem selten erreichten Alter von 96 Jahren in Dessau aus dem Lebe» geschieden. DieNordd. Allg. Zeit." widmet dem Verschiedenen folgenden Nachruf: Der Verewigte, dem es vergönnt war, längere Zeit dem Heere und zwar in den verschie­densten Wirkungskreisen anzugehören und bis zu den höchsten Staffeln der militärischen Stufenleiter auf­zusteigen, erfreute sich ebenso brs zu den spätesten Tagen seines Lebensabends eines reinen ungetrübten Familienglückes und einer Ehe, die in ihrer Tauer weit über die Grenzen hinauSr eiebte, welche sonst im Leben von der Vorsehung dem Menschen gesetzt sind. Er folgte im Tode nur einige Tage seiner ihm vorangegangenen Gattin, mit welcher er 65 Jahre hindurch verbunden gewesen ist. In dem Heimgegangenen scheidet ein General, welcher sich der ganz besonderen Huld Kaiser Wilhelm I. zu erfreuen hatte, mit welchem ihn viele denkwürdige Erinnerungen an eine gemeinsam verlebte Vergangen­heit verbanden. Ehre seinem Andenken!

Das Landesökonomie - Kollegium zu Berlin hat eine Kommission zur Beratung des Entwurfs zum bürgerlichen Gesetzbuch unter dem Vorsitz des Unterstaatssckretärs Dr. v. Maicard niedergesetzt, mit deren Beschlüßen sich die nächste Versammlung des Kollegiums beschäftigen wird. Von diesen Be­schlüßen ist hervorzuheben, daß die Kommission sich mit 15 gegen 2 Stimmen für den deutsch-rechtlichen Grundsatz:Kauf bricht nicht Miete" ausgesprochen hat, ohne auf eine Erörterung der Frage einzugehen, in welcher Weise der deutsch - rechtliche Grundsatz auszugestalten ist, ob insbesondere der neue Eigen­tümer lediglich die Fortsetzung des zwischen dem bisherigen Eigentümer und dem Mieter oder Pächter geschloßenen Vertrages zu dulden hat, oder ob Rechte und Verbindlichkeiten aus diesem Vertrage auf ihn übergehen. Ferner war die Kommission im Gegensatz zu dem Entwurf der Ansicht, daß die Eintragung des Miet- oder Pachtrechtes in das Grundbuch zu gestatten sei und daß im Falle der Zwangsversteigerung das eingetragene Recht wie ordere eingetragene Realrechte zu behandeln sei. In Bezug auf die Schadenscrsatzpflichr wurde folgender Beschluß gefaßt:Tie Bestimmungen in den §§ 704 ff. und 722 Abs 2 des Entwurfs über den Umfang des zu ersetzenden Schadens sind

zu weitgehend und in ihrer Anwendung gefährlich für die Jntereßen der Landwirtschaft."

Hamburg, 2. Rov. Ueber die Ankunft des Grafen Kalnoky in Friedrlchsruh berichtet derHamb. Korr." folgendes:Anstatt der im gewöhnlichen Laufe der Dinge zur Spätherbstzeit an diesem kleinen Orte herrschenden idyllischen Ruhe machte sich am Sonnabend ein etwas regeres Leben und Treiben bemerkbar; der bevorstehende Besuch des hervor­ragenden österreichischen Staatsmannes hatte auch auf diese Waldeinsamkeit seine Wirkung geübt. Das Wetrer ließ sich leidlich an; war auch am frühen Morgen viel Regen gefallen, so klärte sich doch der Himmel im Verlauf des Vormittags auf, so daß der schöne Sachsenwald sich dem hohen Gaste des Fürsten Reichskanzlers in vorteilhaftester Beleuchtung seines Herbstgewandes zeigen konnte. Gegen Mittag sammelten sich auf dem Bahnhofe einige Gruppen von Einwohnern. Zwei Equipagen des Fürsten rollten heran; sie waren leer. Schon glaubte das am Bahnhof harrende Publikum, welches gekommen war, um Zeuge der Begrüßung beider Staatsmänner sein zu können, eine Enttäuschung erfahren zu müßen, zumal als der Geheime Legationsrat, Herr von Brauer, auf dem Perron erschien und sich an dem Platze aufstellte, wo vermutlich der Graf den Zug verlaßen werde. Der Zug brauste heran; dem letzten Wagen entstieg der Graf, begleitet von seinem Sekretär, Herrn Legationsrat Grafen von Wydenbruck. Herr von Brauer begrüßte beide Herren und ge­leitete den Grafen den Bahndamm entlang. Da hörte man ein allgemeinesAh!" des Publikums. Der Fürst befand sich schon ganz in der Nähe und ging rüstig, hochaufgerichtet, mit großen Schritten, gefolgt von seinen beiden großen Hunden, den Damm entlang auf den Grafen zu. Beide Herren ent­blößten das Haupt und schüttelten sich wiederholt die Hände, wendeten dann die Schritte und wandelten wieder dem Bahnhofe zu. Dicht vor dem Publikum angelangt, blieben die beiden Staatsmänner stehen. Alle Anwesenden zogen grüßend den Hut. Plötzlich rief Jemand einHoch" und die etwa 25 an­wesenden Personen stimmten kräftig in diesen Ruf ein. Der Fürst schien von dieser spontanen Kund­gebung sichtlich erfreut; er sowie der Graf lüfteten die Hüte und verneigten sich dankend gegen die Anwesenden. Sodann bestiegen der Fürst und der Graf den ersten, Graf von Wydenbruck und Herr von Brauer den zweiten Wagen und fuhren dem Schloße des Fürsten zu. Das Aussehen des Fürsten war ein vorzügliches, er trug seinen großen

-eMfches Reich.

f Nachdruck ti erboten.]

Die Rose von Windermere.

(Fortsetzung.)

XLIVi

Die Erzählung neigt fich ihrem Ende zu, sehen daher noch einmal nach de» in derselben Avähuteu Personen.

Wir betrete» zuerst ein Haus in einer der vor- Wneren Straßen von Loudon, wo wir ein junges «ädcheu finden, das eben von einer langwierigen »raukheit genesen ist, in der dasselbe von einem durch Mehrere glückliche Kuren schnell berühmt gewordenen «zt behandelt wnrde.

Dieser, welcher seine Patientin, für die er eine »chr als gewöhnliche Teilnahme hegte, eben verlaßen sollte, sah fich, indem er die Thür öffnete, ihrem «ater gegenüber, welcher, nachdem er ihn sehr herzlich Müßt hatte, sagte: «Und Sie glauben, lieber Aktor, daß es ihr nicht schaden wird, wenn fie mich Men Abend zu Lady Balderston begleitet?"

,O, gewiß nicht, wenn sie selbst Neigung ver- mrt, hinzugehen!" entgegnete der Arzt.

»Und Sie gestatten ihr doch auch wohl eine kleine Mtveräuderuug? Sie hat mir erklärt, daß fie schon Me des Beesthee'S nnd Hühuerfrikaflee'S über.

sei."

»Natürlich! natürlich! Mit meiner Bewillignua Ms fie eßen, wozn fie Appetit verspürt. ES ist *6, wie Sie ja wissen, immer mein Rat, sobald *fine Patienten fich auf der Besserung befinden." - »So könnten wir auch wohl einmal wagen, die Miet zu besuchen?" fragte der besorgte Vater. b »Wenn fie Vergnügen daran findet, ganz gewiß! S heitert fie ans, erregt ihre Nerven, nnd damit ist Aon viel gewonnen. Also diesen Abend zn Lady Aderftou morgen in die Oper und Speise

i Md Trank, wozu eben Verlangen da ist!" «. Bei diesen Worten verschwand der Arzt, in dem M Leser wohl Doktor ESdaile »iedererkaunt haben,

Berlin, 4. Nov. Nach dem Weißbuche übe» Lstasrika telegraphierte Freiherr von GravenreutI cm 21. Oktober:Ich habe Buschiri, weicher mi 6000 Eingeborenen des Mafitestammes Usaramc verwüstete, von Dar - es - Salaam über Madimole umgangen und fein Lager überrumpelt, wobei dre Maßenangriffe der Mafite blutig zurückgeworfer H würben. Von einer zweiten Abteilung am Kingam wurden gleichfalls kleine günstige Erfolge erzielt Ich nehme heute nachmittag die Verfolgung bei flüchtigen Mafite auf. Unsererseits 7 Tote uni Verwundete, worunter kein Europäer." GravenreutI telegraphierte ferner am 25. Oktober:Zwischei Tar-es-Salaam und Bagamoyo ist das Hinterlani auf 4 Tagereifen landeinwärts gesäubert. Tie zer sprengten Mafite wurden überall von der Bevölke nmg und den Patrouillen erschlagen. Ueber 40t Tote wurden aufgefunden. Unser Verlust beträgt 7 Tote und 3 Verwundete. Die Verbindung mi Hauptmann Wißmann ist hergestellt." Das so­eben erschienene Septemberheft zur Statistik bei Deutschen Reiches enthält die erste vorläufige Mit teilung über die Ergebmfle der deutschen Kriminal statistik im Jahre 1888, die überaus erfreulich sind indem sie eine nicht unerhebliche Abnahme der weger Verbrechen oder Vergehen gegen Reichsgesetze Ver urteilten zeigen: Es sind nämlich im deutschen Reich, wegen derartiger Delikte im ganzen 350 666 Per­sonen verurteilt gegen 356 357 im Jahre 1887 353 0 00 im Jahre 1886, 343 087 im Jahre 1885 345977 im Jahre 1884, 330128 im Jahre 1883 und 329 968 im Jahre 1882. Tie Abnahme im Vergleiche zum Vorjahre bettägt also 5691 Per­sonen oder 1,59 Prozentz; sie wird aber dadurch in -ihrer Bedeutung noch vergrößert, daß die allgemeine Levölkerungszunahme im letzten Jahre mindestens 1 Prozent beträgt. Seit 1884 hat die Zahl der Verurteilten nur um 1,36 Prozent zugenommen, während die Bevölkerung in dieser Zeit um min­destens 3,5 Prozent gestiegen ist. Man sieht also, daß von einer allgemeinen Zunahme der Krimina­lität nicht die Rede ist und daß der Pessimismus auf diesem Gebiete jeder Begründung entbehrt. Die Ziffern für 1889 werden zwar wohl möglicherweise infolge der Maßenverurteilungen der ausständischen Bergleute rc. wieder etwas höher ausfallcn, doch wird sich das allgemeine BUd dadurch nicht ändern, lluch bei näherem Eingehen auf Einzelheiten bieten die 1888er Zahlen Anlaß zur Zufriedenheit.

der seine frühere Patientin, Laura Lawton, diesmal in London behandelte, wo ihr Dster stets einige Monate im Jahr mit ihr zuzubiingen pflegte.

Aus dem einfachen Landarzt war schnell ein be­rühmter Mau» geworden, und infolge vieler Ber- biuduugeu, die er augekuüpft, war es ihm unmöglich geworden, die Hauptstadt so bald wieder zu ver­laßen, an die viele Verehrer ihn für immer zu fesseln strebten.

Nettere Bekannte flüsterten fich zwar zu, daß Miß LawtonS Kränklichkeit der Hauptgrund seines BletbeuS fei, da fie entschieden der Meinung waren, daß der kleine, lebhafte, von der Natur ziemlich ver. uachläsfigte Arzt von je her eine zarte Neigung zu dem junge» Mädchen empfunden habe.

Sein nächster Weg führte ihn zn Mr. Snther- laud, zu dem er jedoch mit innigem Bedauern ging, da er eS fich nicht verhehlen konnte, daß alle Be- wühnugeu und Ratschläge für diesen verloren seien nnd er seinem schnell fortschreitenden Brvstleiden bald erliegen müsse.

Zur Sette seines Wagens lief munter fein ge­treuer Bryan, der gelbliche Wachtelhnud, der e» schnell gelernt, in den Straßen von London, wie er es rüher auf dem Laude gethan, seinem Herr» zu ölgeu. Im Vorbeigehen erkannte ihn ein junger Bursche, besten Bekanntschaft vir ebenfalls an den See» gemacht.

Der Wagen des Doktors wnrde eben durch einen Fußgänger ungehalten; diese Gelegenheit benutzend, näherte der junge Mann fich demselben und sagte: »Ja, ja, ich habe Bryan oft genug in den Bergen gesehen, wo sein lustiges Bellen die Waffervögel aus dem Schilf aufzujagen pflegte, wenn sein Herr in >etn Windermeres« ober Derwentvater fischte. Damals sah Bryan aber auch bester aus als jetzt; es geht ihm wie mir, vir könne» Beide die Stadt- uft nicht »ertragen! Ich wünschte nur, meine Bündel zwischen Keswick nnd Windermere wieder hi» imb her tragen zu können l"

Der also Klagende war Jack, der Bote zwischen den von ihm genannten Orten, dem eS bei seinem ersten Herrn, dem Obersten Renmore so gnt gefallen, daß er eS versuchen wollte, in Loudon die Stelle eines GroomS oder Reitknechts zn bekommen, was ihm, wie er früher gedacht, nicht schwer fallen würde; bisher war ihm dies jedoch trotz aller Bemühungen nicht gelungen.

Zu feinem großen Glück wurde er gleich vou Doktor ESdaile erkannt. Nachdem Jack ihm feine Leidensgeschichte erzählt, vernahm er zu seiner großen Freude, daß er nach der Wohnung deS Doktors kommen solle, wo er ihm schon Beschäftigung geben »erde. Da er als treu und ehrlich bekannt war, erhielt er die Stelle eines Bedienten, und Jack und Biyan waren von dem Tage an unzertrennliche Freunde, ja ersterem sagte der Dienst bei feinem zweite» Herr» sogar noch bester zn als der bei Stau fielt», da er vor alle» Dingen die Aus ficht hatte, auf lange Zeit in demselben bleiben zu können.

Doktor Esdalle erwartend, saß Miß Sutherland bei ihrem kranken Bruder, dessen Lebenskräfte äugen, scheinlich immer mehr abnahmeu, und dem Unter­haltung z» verschaffen fie fich, so gut fie eben konnte, sehr anstreugte.

Ihm ein GlaS des den scharfe» Huste» milder», de» Getränkes reichend, sagte fie: »Hast Du schon vou dem Gerücht bezüglich Dottor EsdaileS gehört?"

»Gerücht? Welches Gerücht?" fragte, ohne auf. zusehen, ber Kranke verdrießlich, der in einem Sessel am Karnin saß. »Fischt er vielleicht jetzt gar Forellen hier in der Themse?"

»Nicht doch, Bruder, dazu wird ihm bei seiner Praxis wohl kaum »och Zeit bleiben. Er soll aber Menschen fischen und nach Miß Lawton zum Beispiel jetzt allen EmstrS seine Angel auSwerseu!"

»Wünsche ihm viel Glück dazu!" lautete die Antwort^

Schlapphut und hatte weiße Handschuhe angelegt. Die Abreise des Grafen Kalnoky findet, wie es heißt, am Montag über Hamburg statt."

Wien, 4. Nov. DiePol. Korrefp." meldet^ Prinz Ferdinand von Coburg habe anläßlich der Belästigungen seines Ceremonienmeisters Bourboulo« seitens der serbischen Polizeiorgane auf der Durch­reise nach Sofia den bulgarischen Vertreter in Belgrad, Mintschewitfch, beauftragt, die ferbische Regierung von seiner Reise durch Serbien zu ver­ständigen; die serbische Regierung fei für alles ver­antwortlich , was ihm in Serbien zustoße. In­folgedessen ist der Zug des Prinzen während der ganzen Fahrt von Agenten der Geheimpolizei be­gleitet, der Waggon besonders überwacht worden.

Bem, 4. Rov. Das eidgenössische Budget pro 1890 verzeichnet bei 72 532 306 Frcs. Einnahmen 85 538 300 Frcs. Ausgaben, also ein Defizit von 13 006 000, wovon 5 734 000 für Handfeu:rwaffen und 3 Millionen für Munition in das außerordent­liche Budget fallen, so daß das Defizit des ordent­lichen Budgets 4 271400 Frcs. beträgt. Die Gesamtausgaben für das Militär belaufen sich auf 20 300 000 Frcs. mehr als im Vorjahre.

Rom, 4. Nov. Der Ministerrat setzte die Er­öffnung des Parlaments auf den 25. ds. Mts. fest und bestätigte das Präsidium und das gesamte Bureau des Senates.

London, 4. Nov. Das hiesige Emin Pascha- Ersatzkomitee erhielt ein Telegramm aus Sansibar, wonach dort Briefe von Stanley, datiert Viktoria- Nyanza, 29. August, eingetroffen sind mit der Mel­dung, daß Stanley mit Emin, Casati und 800 Mann in der Richtung auf Mpuapua marschiere. Wadelai ist in der Gewalt der Mahdisten.

Sofia, 4. Novbr. Die Sobranje wählte den Regierungskandidaten Slawkone mit 161 Stimmen zum Präsidenten. Stoilow erhielt 74 Stimmen.

Konstantinopel, 4. Nov. Die deutsche Kaiserin empfing gestern nachmittags den Vorstand des deut­schen Hospitals, ferner die Aerzte, Diakonissinnen und den Vorstand des deutschen Frauenvereins. Der Empfang fand im Garten des Hospitals statt. Die Kaiserin drückte ihr lebhaftes Jntereffe für die Thä- tigkeit der Diakonissinnen aus, unterhielt fich auf das huldreichste mit dem Vorstande und den Aerzten, ließ sich durch die Gemahlin des Botschafters von Radowitz sämtliche Schwestern und den Vorstand des Frauenvereins vorstellen und nahm eine von

Die arme Lama hat doch sehr darunter gelitten, daß damals ihr Name mit dem ihres eifrigen Be­wunderers dem Gast ihres Vaters so oft ge» nannt wurde."

»Du hast in der Zett ebenfalls eine gute Lehre erhallen, die, wie ich hoffe, Dn sobald nicht wieder vergeßen wirst I"

»Eine Lehre? Welche Lehre?" fragte, ganz erstaunt aufblickend, Miß Sutherland.

»Nun, einfach bk, Dich nicht um unbekannte Personen zu kümmern), deuu Du hast gewissermaßen den Mann, der uns zwar Alle an der Nase herum, geführt hat, iuS Unglück gestürzt, indem Du, wie Du selbst erzählt hast, zwei Mal ben Bluthund Quaudisch auf seine Fährte geleitet hast!"

»Nein, Bruder, diese Anklage ist doch zu schreck­lich!" tief Miß Sutherland, welche fich arg getroffen fühlte.

»Aber doch wahr! Denn er wäre ihm gewiß in Windermere und auch als Lord BalderstouS Sekretär glücklich entgangen, hättest Du nicht beide Male Qnandifch ans ihn aufmerksam gemacht."

Hierauf wußte allerdings die Schwester kett» Erwiderung. Es trat eine augenblickliche Panse ein, die durch Dottor EsdaileS Eiuttitt aber ball» unterbrochen wnrde.

Mit der ihm eigenen Lebhaftigkeit begrüßte er die Geschwister, dann trat er dicht an seinen Patienten heran nnd sagte, indem er dessen Hand ergriff: »ES geht besser, Mr. Sutherland, der Puls ist lebhafter als gestern, und im Vergleich zu ben früheren Tagen strahlen Ihre Auge« fast in fugend- lichem Feuer."

.Besser?" wurwelle der Kranke »»gläubig. »Diese» Morgen 'schien mir der Puls fast still zu fieben!"

»Nicht doch! Ihre Nerven find entschiede» triftiger. Und wen» erst der Sommer kommt nnd Sie anf dar Land, in ein Bad oder gar nach dem Kontinent gehen können"