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Marburg, Dienstag, 22. Oktober 1889.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler m Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg u. Wien: Rudolf Moffe in Frankfurt a. M-, Berlin, München u. Köln; G. L- Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

XXIV. Jahrgang.

Deutsches Reich.

Berlin, 19. Okt. Die Kaiserin Friedrich ist mit der Prinzessin Sophie und den beiden anderen Töchtern, sowie mit dem Erbprinzen und der Erbprinzessin von Meiningen heute früh 9 Uhr nach Venedig abgereist. Bor dem Palais, in den Straßen und am Bahnhofe stand eine zahlreiche Menschenmenge, welche den Scheidenden Hochs und Hurras zuries. Tie Kaiserin war in Traurrgewand, die Prinzessin-Braut in weißer Toilette. Aus dem Bahnhofe hatten sich Prinz Leopold der Haus- minister, mehrere Generäle und der Polizeipräsident ringefunden. Prinz Leopold geleitete die Prinzessin- Braut zum Waggon. DerNordd. Allg. Ztg." wird aus Wien telegraphiert, daß nach Meldung dortiger Blätter der Minister des Äußern Graf Kalnoky gegen Ende Oktober einer Einladung des Fürsten Bismarck nach Friedrichsruh folgen werde. DerPost" zufolge kehrt der Reichskanzler am 25. d. Mts. nach Berlin zurück, um an den Sitzungen des Reichstages teilzunehmen. Ueber die Unterredung zwischen Fürst Bismarck und dem Zaren bringen dieHamb. Nachr." solgende Mitteilung: Das Gespräch habe sich vorzugsweise auf den Fall Wohlgemuth bezogen und sei dann zu dem Schicksal der Ostsee - Provinzen übergegangen, während die Frage der militärischen Rüstungen überhaupt nicht berührt worden und die von der .Köln. Ztg." angedeutete angebliche Denkschrift des Generals Obrutschew vom Zaren als eine Erfinvung gekennzeichnet sei. Auch die internen Fragen des Dreibundes, wie die Stellung Deutschlands zu Österreich und umgekehrt, sollen vom Zaren unbe­rührt ge kaffen sein und er dem Reichskanzler auch keinen Anlaß geboten haben, sich darüber zu er­klären. In Bezug auf Bulgarien hätte Fürst Bis­marck das Vorrecht Rußlands anerkannt, jedoch darauf hingewiesen, daß «s ratsam sei, sich der Cympathieen der Bevölkerung zu versichern und das Agentenwesen zu beschränken. An der Stellung Deutschlands zu Bulgarien habe sich nicht das min­deste geändert. Deutschland stehe den Vorgängen in Bulgarien noch eben so interesselos gegenüber, wie etwa den russischen Bestrebungen in Asien. Ueber den allgemeinen Zweck des Dreibundes Ruß­land und Frankreich gegenüber sollen vom deutschen Kanzler dem Zaren die weitgehendsten Beruhigungen gegeben sein. Anscheinend kam der Zar nicht ganz frei von Besorgnis nach Berlin, der Dreibund könne doch irgend eine seinen Leitern günstig erscheinende

sNachdruck verboten.)

Die Lose von Windermere.

(Fortsetzung.)

Ed gab aber auch tu dem Heinen Umkreis Manche, die Gertrud streug fabelten, heimlich ihre Mutter uud da» Vaterhaus verlafleu zu haben, und unter diese» war begreiflicherweise auch MrS. Wetherby deren Herz »och durch die strenggläubige» biblischen Lehren, wie der Methodist fie verkündete, dem sie mit blinder Verehrung avhtug, erfüllt war. Sie hatte, tote wir wissen, ihre Tochter, weil fie anders­gläubig war und Qnandischs Bewerbungen abge. wiese», gottlos, halsstarrig und widerspenstig genannt; uachdem aber Gertrud zu Mr. Fenton geflüchtet, war diese in ihre» Augen nur noch eine Verlorene, die Schmach »ud Schande über ihr Haupt gebracht, uud fie ersuchte Alle, welche ihr Haus beträte», ihrer Tochter in ihrer Gegenwart nicht zu erwähueu. Von ihrem ausäuglich so hoch geschätzte», weil für vor­nehm gehaltene» Gast sprach fie eben so wenig; er war ja der Mitschuldige ihrer sündige» Tochter, uud schlimmer noch als das, ein allgemein bekannter Verbrecher, der überall verfolgt wurde, auf dessen Er­greifung die Behörden einen hohen Preis gesetzt hatten.

Wenn fie indeß auch Allen, welcheWanderers Ruh" betraten, Schweigen avferlegea konnte, so schwieg doch Einer nicht, Einer sprach mit dem Vorrecht, das man ihm überall stillschweigend eivräumte, so- wohl von Gertrnd wie auch vou Renmoxe oder viel­mehr Stavfield, so oft er mit ihr allein war, uud dieser Eine war, wie der Leser wohl erraten wird, der alte Seemann Mike.

Ja ja, MrS. Wetherby", sagte er, als er bald »ach dem Ereignis bei einem fttnge guten BiereS, welche» fie ihm immer reichte, allein i» der Saststnbe saß, wo er mit ihr über Beide gesprochen,ja ja, MrS. Wetherby, glaubt nur, der Mensch muß sei» Geschick erfüllen, er wird do» der Geb»rt an z» dem bestimmt, was er werden soll uud werde» muß uud

Gelegenheit ergreifen, um Rußland vor die Kriegs- srage zu stellen. Diese Besorgnis ist dem Zaren hier angeblich völlig genommen worden, und daraus vor allem soll sich die Befriedigung erklären, die Alexander III. über das Ergebnis seiner Unterhal­tung mit dem Reichskanzler hier zur Schau trug. Diese Mitteilung enthält nichts, was nicht ein ge­schickter Reporter kombinieren könnte. Sie ist durch­aus nicht unglaubwürdig, aber sie ist auch nicht glaubwürdiger, als andere Kombinationen über der­artige Unterredungen. Wie schon gemeldet, hat Freiherr von Schorlemer-Alst sein Mandat zum Abgeordnetenhause niedergelegt. Da Herr von Schorlemer sein Reichstagsmandat schon früher ausgegebcn hat, bedeutet der jetzige Schritt die Zu­rückziehung vom parlamentarischen Leben überhaupt. Freisinnige und nationalliberale Blätter schließen daraus, daß der westfälische Freiherr mit seinem Freunde Windthorst nicht mehr in voller Ueberein- stimmung sich befindet, wie man das schon aus dem Fernbleiben des Herrn von Schorlemer vom letzten Katholikentage gefolgert habe. Freiherr v. Schor- lemer-Alst selbst veröffentlicht im »Wests. Merkur" eine Ansprache an seine Wähler, in welcher er mit­teilt, daß er sein Landtagsmandat wegen gesund- heitsrücksichten und Ueberhäufung mit Arbeiten niedergelegt habe. Er dankt seine» Wählern für das ihm während 20 Jahren geschenkte Vertrauen und bittet dieselben, fernerhin zum Zentrum zu halten, wie auch er thun werde.

Berlin, 20. Oktbr. Der Reichshaushaltsetat pro 1890/91 enthält folgende Hauptziffern: Die Gesamtausgabe beträgt 1208 664 730 Mk., davon 849 614835 dauernde Ausgaben (das sind mehr gegen das Vorjahr 38 578 323 Mk.) und 81 349 597 Mark einmalige Ausgaben des ordentlichen Etats (das sind mehr gegen das Vorjahr 20 343 680 Mark). Ferner 277 700 307 Mk. einmalige Aus­gaben des außerordentlichen Etats, welche auf be­sondere Fonds und Deckungsmittel, in der Haupt­sache auf eine Anleihe von 266 789 307 Mk. ange­wiesen sind. Von diesem letzteren Posten entfallen 139 552 300 Mk. auf das Reichsheer, 31281950 Mark auf die Marine. Von dem Mehrbedarf der fortlaufenden Ausgaben entfallen 6 629 006 Mark auf das Reichsheer, 2 554 275 Mk. auf die Marine, 9 039 000 Mk. auf die Verzinsung der Reichsschuld, 3 447 727 Mk. auf den allgemeinen Pensionsfonds. Von dem Mehrbedarf der einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats entfallen ungefähr 20 Mil­lionen ebenfalls auf das Reichsheer. Die Matrikular-

kaun diesem auf keine Weise entgehe». Dies ist auch mit Stavfield der Fall."

.Ihr sprecht da eine gefährliche Lehre ans, Mike", entgegnete die Wirtin ruhig, nach welcher man alle, selbst die verbrecherischen Handlungen des Menschen entschnldigen, diese» aber nur ein Werkzeug deS Ge­schickes oder der Bestimmung nennen sollte."

«DaS ist in de» meiste» Fälle» meine Anficht »ud wein Glaube!' entgegnete der alte Seemann.

«Aber nicht der weinige, Mike! Ich behaupte vielmehr, daß wir freien Wille», Vernunft und Ver­stand, und vor allen Dingen die Lehren der Bibel und unserer Prediger haben! Stavfield wird aber wohl in seinem Lebe» nicht viel davon gehört habe»!'

DaS kau» ich nicht sage», MrS. Wetherby. Er wird indeß wohlgetha» haben, keine» Prediger wie den Methodisten Qnaudisch auzuhöre», der hier die Lehre» nnferet Bibel verbreitet, ohne auch »ur eine einzige davon zu befolgen, wie ich Euch dieS aus Erfahrung beweisen könnte l"

Mike!" rief die Wirtin mit zunehmender Auf­regung,kein Wort weiter in meinem Hanse» über unseren Prediger! Er verdient gewiß vor allen Andern die Hochachtung seiner Gemeinde, und hat nur seine Pflicht getha», de» Verbrecher beim Ge­richt auzugebe». Wäre eS ihm doch gleichfalls ge. fangen, mein ungeratenes Kind noch am Altar von seiner Seite zu reißeu und zu mir zurück zu bringen denn nach dem, was geschehe» ist, darf fie nie wieder mein Haus betreten."

MrS. Wetheri y, Gertrud ist Euer einziges Kind! Wie traurig uud elend ist ober Eure Religio», wen» fie Euch uicht einmal gebietet, die Liebe zu fiben, die doch daS Haupigefetz deS Christentums ist und Euch auch lehre» wüßte, Eurer Tochter zu Ver­geben! Ich «eine, dies wäre als Mutter Eure Pflicht, den» die Bibel sagt auch:Vergebet, so wird Euch vergebe» I"

Nach meiner Meinung ist eS zuerst die Pflicht deS Kinder, dem Wille» der Elter» zu gehorchen,

beiträge erhöhen sich um 41553140 Mark. Die Ueberweisungen aus Reichssteuern an die Einzel­staaten betragen 298 510 000 Mark, so daß die Einzelstaaten diesmal 28 200 000 Mk. mehr über­wiesen bekommen, als sie an Matrikularbeiträgen zahlen. Im Vorjahre betrug dieser Ueberschuß 62 691 921 Mark, so daß die Einzelstaaten sich diesmal um etwa 34 V, Millionen Mark schlechter stehen. Die Einnahmen aus Zöllen sind etwa 17 Millionen Mark höher veranschlagt, die Stempel- abzaben um 2 Millionen, die Branntweinkonsum­steuer etwa ebenso hoch, wie im Vorjahre, die Maischraumsteuer wesentlich niedriger, ebenso die Konsum- und Materialsteuer für Zucker, die Salz und Biersteuer dagegen etwas höher.

Ausland.

Wie«, 19. Okt. Der rumänische Minister des Aeußeren, Lahovary, machte den Botschaftern, dem Grafen Kalnoky, dem Sektionschcf Szögyeny, den österreichischen und ungarischen Ministern und dem Obersthofmeister Prinzen Hohenlohe Abschiedsbesuch und reiste heute früh nach Bukarest zurück.

Triest, 19. Okt. Der prachtvoll hergerichtete Dampfer des Oesterreichischen Lloyd, dieJmpera- trix", welcher Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich und Ihre K. K. Hoheiten die Prinzessinnen Sophie, Victoria, Margarethe und die erbprinzlich-meiningi- schen Herrschaften nach Korinth überführen wird, ist heute morgen 7 Uhr von hier nach Venedig abgegangen, wo die Einschiffung stattfinden soll. Eine Kapelle der Kriegsmarine, welche an Bord konzertieren wird, wurde bereits gestern auf der Jmperatrix" eingeschifft.

Verona, 19. Okt. Der König und die Königin von Dänemark find in der vergangenen Nacht hier eingetroffen und werden in der kommenden Nacht über Bologna nach Brindisi Weiterreisen.

Brindifi, 19. Okt. Der Großsürst-Thronfolger von Rußland kam in der letzten Nacht hier an, wurde aus dem Bahnhofe von dem Prinzen Walde­mar von Dänemark, dem Prinzen Georg von Griechenland und den Behörden empfangen und schiffte sich alsbald zur Weiterreise nach Athen ein.

Mailand, 19. Okt. Ihre Majestäten der Kaiser Wilhelm und die Kaiserin Augusta Victoria sind mittelst Sonderzuges heute vormittag 9 Uhr 12 Minuten hier eingetroffen und haben nach nur wenige Minuten zählendem Aufenthalt, während dessen der deutsche Botschafter Graf Solms den kaiserlichen Salonwagen bestieg, die Reise nach Monza und Gertrud hätte demnach unserem vortteffltcheu frommen Prediger ihre Hand reiche» müssen."

Der Seemann stieß ein kurzes höhnisches Lachen ans und sagte, plötzlich ungewöhnlich ernst werdend: .Ich sage Euch, MrS. Wetherby, eS wird die Zeit kommen, uud vielleicht schon bald, wo Euch die Augen geöffnet werde» und Ihr Euch glücklich schätzt daß Euer schöne», unschuldiges Kind nicht daS Weib deS schlechteste», uiedligsteu Bösewichts geworden ist, der die Erde trägt."

Der Greis hielt plötzlich inne, den» an dem ihm gegenüberliegenden Fenster glaubte er da» Gesicht des Elende» z» sehe». daS jedoch eben so schnell wieder verschwand, während er anSrief:Beim Himmel! er war eS selbst Euer Prediger."

Unmöglich! Mr. Qnaudisch ist der Eifrigste bei der Verfolgung deS Verbrechers:"

Doch, doch, er muß eS gewesen sein!"

Bei diese» Worte» verließ er das Gasthaus uud blickte sich schnell nach allen Seiten um; eS war je. doch niemand zu sehe».

Ich muß mich wohl geirrt haben", sagte er dann halblaut,und MrS. Wetherby hat wahrscheinlich Recht, daß er mit den klebrigen den unglücklichen Knaben verfolgt! Möchte, o möchte er doch ent- kommen! Aber ich glaube eS nicht, denn fein Ge. schick seine Bestimmung . . . Geschieht jedoch daS schlimmste, wird er gefangen genommen, so mag fich Der hüte», dessen Werk dieS gewesen 1 Die Rache deS alten Mike wird nicht ruhen, und sollte fie ihn auch biS in feinen Tod verfolgen I

XXXV.

Nach all den unerwarteten Ereignisse» und Ent- hölluuge» hatte Miß Sutherland ihrem Bruder gegenüber keinen leichten Stand, denn feine Neckereien nnb Anspielungen bezüglich des vornehme» Gaste», defle» Bekanntschaft fie 'so geflissentlich gesucht und der fich schließlich al» Abenteurer und Schwindler, ja sogar al« ei» von de» Gerichte» verfolgter Ser- brecher auSgemiefen, wollten kein Ende nehmen.

fortgesetzt. Ein Empfang fettens der Behörden war auf Wunsch unterblieben.

Monza, 19. Okt. Ihre Majestäten der Kaiser Wilhelm und die Kaiserin Augusta Viktoria sind 9Vi Uhr vormittags hier eingetroffen und von dem Könige, der Königin und sämtlichen Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses, sowie von den Hofstaaten und den städtischen Behörden am Bahn­hofe empfangen worden. Die Häuser der Stadt hatten festlich geflaggt, die Fenster waren mit Tep­pichen geschmückt, in den Straßen und Fenstern harrte eine Kopf an Kopf gedrängte Menschenmenge. Die Begrüßung der Majestäten war eine außer­ordentlich herzliche und warme; der König umarmte und küßte den Kaiser wiederholt, ebenso begrüßte die Königin die Kaiserin mit Umarmung und Kuß. Der Ministerpräsident Crispi begrüßte den Staats­minister Grafen Bismarck aufs herzlichste. Hierauf bestiegen die Majestäten die Wagen und begaben sich, von der Volksmenge begeistert begrüßt, in das Schloß. Nach dem Eintreffen allda fand ein Cercle statt, bei welchem der Kaiser den Ministerpräsidenten Crispi, der König den Grafen Bismarck durch An­sprachen auszeichneten. Nach dem Familiendiner werden sich Se. Majestät der Kaiser und der König nach dem Schloßpark zu einer Jagd begeben. Der Prinz Amadeus reist heute nachmittag nach Liffabon. Das Kaiserpaar nahm nachmittags um 4 Uhr den Thee bei der Königin ein. Abends 8 Uhr fand das Diner statt, welchem die Kaiserin wegen leichter Unpäßlichkeit nicht beiwohnte. Die morgige Comosee-Spazierfahrt ist wegen des Tode» des portugiesischen Königs aufgegeben; die Abreise des Kaiserpaares nach Genua bleibt nach den bis- ' herigen Bestimmungen auf Montag mittag 1 Uhr festgesetzt.

Paris, 19. Oktbr. Präsident Larnot vollzog heute vormittag die Einer nung Nisards zum Direktor der politischen Angelegenheiten 4m Ministerium des Auswärtigen. Der Ministerrat beschieß auf den Bericht des Kriegsministers de Freycinet, den bou- langistischen Deputierten Laisant wegen seiner Betei­ligung an Wahlversammlungen aus der Liste der Territorialarmee zu streichen.

Lissabon, 19. Oktbr. Heute nachmittag um 1 Uhr verkündeten Kanonenschüsse der Kriegsschiffe und Festung, sowie Glockengeläute der Hauptstadt das Ableben des Königs Ludwig 1 Sämtliche Läden und Magazine wurden sofort geschlossen, überall erschienen Trauerinsignien; die Minister, welche sämtlich in CascaeS weilen, der Nuntius,

Seit langer Zett hatte man Mr. Sutherland nicht so hetter und gesprächig gesehen, er schien wirklich fast feine unheilbaren Krankheiten nnb fein Hebel über den Gedanken zn vergessen, in dem so viel besprochenen, so viel gerühmten Oberst Renmore eine andere Person geahnt zu haben, als die, für welche er in Windermere nnb der Umgegend gelten wollte.

Zur große» Freude nnb zur Erleichterung feiner vielgeplagten Schwester langte nach einigen Tagen Mr. Lawtou zn dem versprochenen Besuch au. 6r tarn jedoch ohne seine Tochter, die von ihrem Nerveunufall noch nicht gänzlich hergestellt war, nnb der Doktor Esdaile bie größte Ruhe auempfohlen hatte.

Nachbem Miß Sutherlanb ihm gegenüber vorläufig ihrer Pflicht als freundliche Wirtin genügt, Mr. Sutherlanb fich biefer gleichfalls durch Begrüßung und vielseitige Erkundigungen entledigt, nnb ihr Gast, nach bem wetten Ritt einigermaßen etmflbet, neben ihnen Platz genommen, sagte ber Hausherr, vergeblich bemüht, feine Schabeufreude zu unter» drücken:Nun, Mr. Lawtvn, wie steht e» mit ben Verbesserungen, zu benen Ihr so ausgezeichneter Gast Ihnen bie Pläne angegeben? Lassen Sie fie aus» führen?*

Der Lord von Bfacktnr», welcher denkranken Manu", wie er seinen Wirt zu nennen pflegte, stets mit besonderer Rücksicht behandelte, entgegnete ruhig, obgleich er sich durch dessen Worte gereizt fühlte: Die Berbeffernugeu werden anSgeführt, wett bie Pläne ganz unübertrefflich find! WaS aber den Menschen anbetrifft, von dem Sie reden und ber so­wohl Ihr Gast wie ber meinige war nun, da kann ich nur sagen, daß, so sehr ich ihn auch ver­damme» muß, ich dennoch bedauere, daß er nicht Der gewesen, für ben er sich anSgegeben! Zu meinem »Tröste aber find noch andere Leute als tote von ihm überlistet worden."

(Fortsetzung folgt.)