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lang totgeglaubten Sohne Heinrich. Die vielen Thränen des Leides sind nun in Freudenthränen verwandelt. Der bei Gravelotte wohl verwundete unb gefangen genommene Gardist Heinrich Daniel giebt in seinem Briefe an, daß er von Turkos nach Afrika gebracht und einem Plantagenbesitzer zum Präsent gemacht worden sei. Dort habe er nun 19 Jahre als Sklave arbeiten und dabei die schrecklichste Behandlung erdulden müssen; das Fleisch sei ihm roh vorgeworfen worden, Kleider habe er seit 1870 nicht an seinem Leibe gehabt. Wie dieser Mann weiter mitteilt, hat er sechsmal Fluchtversuche gemacht, die aber jedes­mal mißlungen sein sollen. Endlich, bei der Beer­digung des Plantagenbesitzers, sei ihm die Flucht gelungen. Drei Tage und drei Nächte ist er auf der Flucht gewesen, bis er ermattet und ermüdet in einer Stadt liegen geblieben und zum Glück von dort lebenden deutschen Handelsleuten ausgenommen worden sei. Dort werde er jetzt noch verborgen gehalten. Lum erstenmale sei ihm jetzt Gelegenheit geworden, seinen Eltern Kunde zu geben. Der Sohn bittet die Eltern herzlichst, doch seine Auslieferung resp. Befreiung veranlassen zu wollen. Sofort nachdem er den Brief erhalten, fuhr der Vater nach Wetzlar und machte dem Bezirks-Kommando, sowie dem Kö­niglichen LandratSamt daselbst die Anzeige, worauf denn auch Depeschen »ach Berlin abgegeben worden sind. Es wird sich Herausstellen, ob die Angaben des Totgeglaubten aus Wahrheit beruhen.

Telegraphische Depesche«.

Berlin, 14. Oktbr. DenBert. Pol. Nachr." zufolge sind bei den Blättermeldungen über die dem Bundesräte zugegangenen Anleiheforderungen von 249 Millionen 16 Millionen für den Bau des Rordostseekanals und 4 Millionen für die Hamburger Zollanschlußbauten übersehen; der Gesamtbetrag der Anleihe beträgt demnach etwas über 269 Millionen. Daß gegen 80 Millionen für den Bau von Reichs­eisenbahnen gefordert wurde, wird als ganz unzu­treffend bezeichnet. Die Eröffnung des Reichstags erfolgt kommenden Dienstag den 22. Oktober mittags 12 Uhr.

Berlin, 14. Oktbr. Zu Ehren der Prinzessin Sophie fand heute Galatafel statt, woran alle Mit­glieder der königlichen Familie und hier anwesende Fürstlichkeiten, alle Minister, Staatssekretäre, der griechische Gesandte Vlachos, die Generalität, die obersten Hoswürdenträger, im ganzen 134 Personen teilnahmen. Prinzessin Sophie saß zwischen der regierenden Kaiserin und der Kaiserin Friedrich; ihr gegenüber saß der Kaiser. An die Galatafel schloß sich später größere Hofcour an. Die Kaiserin Friedrich trug Trauertoilette mit dem Band des Schwarzen Adlerordens und dem Stern in Brillanten;

ihre Oberhofmeisterin Fürstin Hatzfeld und Staats­dame Gräfin Brühl trugen ebenfalls Trauerkleidung.

Karlsruhe, 14. Okt. Nach einer heute von der »Badischen Landes - Zeitung- gebrachten nicht­amtlichen Uebersicht über die Ergebnisse der Land­tagswahlen ist der Verlust von 7 Mandaten auf Seiten der Nationalliberalen wahrscheinlich, von denselben dürften 5 den Ultramontanen, 1 den Deutschfreisinnigen, 1 den Demokraten zufallen.

München, 14. Oktbr. Der Prinz von Wales mit seiner Gemahlin, den Prinzen Viktor und Georg sowie den Prinzessinnen Viktoria und Maud ist abends 8*/i Uhr hier eingetroffen, wo er vom eng­lischen Gesandten am hiesigen Bahnhofe empfangen wurde. Die hohen Gäste sind im Hotel Bellevue abgestiegen und reisen morgen früh acht Uhr mittelst Extrozug nach Brindisi weiter.

Wie», 14. Okt. Die auf heute abend anbe­raumte Abreise des Kaisers nach Meran mußte wegen der Verkehrsstörungen durch das Hochwasser verschoben werden. Die Gesandtschaft des Sul­tans von Zansibar reiste abends nach München.

Wie«, 14. Okt. Wie derNeuen Freien Presse" aus Ccttinje gemeldet wird, ist der Minister des Auswärtigen, Radonic, gestorben.

Genua, 14. Okt. Ein aus sieben Schiffen be­stehendes permanentes italienisches Geschwader traf heute nachmittag von Spezia ein und wechselte mit dem heute von San Remo eingelaufenen deutschen Geschwader Salutschüsse.

London, 14. Okt. Eine Reutermeldung aus Kapstadt besagt: Das Kanonenboot Bramble begiebt sich demnächst nach der Walfischbay.

Kopenhagen, 14. Okt. Die Königliche Residenz ist heute nach Kopenhagen verlegt. Der König und die Königin haben mit der Kaiserin von Rußland und den Großfürsten um 3 Uhr Fredensborg ver­lassen. Die Kaiserin wurde am Bahnhofe von der zahlreich versammelten Menschenmenge mit lebhaften Hochrufen begrüßt. Die Kaiserin und die Groß­fürsten werden Kopenhagen morgen früh mit der Dershawa" verlassen.

Belgrad, 14. Okt. Die Skupschtina wird sich in den nächsten Tagen mit den Wahlprüfungen be­schäftigen, zu der dann stattfindenden feierlichen Er­öffnung wird eine Botschaft der Regentschaft er­wartet. Der französische Gesandte Patrimonie ist von seinem Urlaube zurückgekehrt. Die Einwan­derung von 1200 Familien aus Montenegro, welche mehrere Blätter als am 1./13. d. Mts. bevorstehend angekündigt hatten, ist thatsächlich noch nicht erfolgt; die diesbezügliche Kommission hat ihre Arbeiten, bei denen es sich darum handelt, eine so erhebliche Menge neuer Bewohner anzusiedeln und zu ver­teilen, noch nicht abgeschlossen. Die Behauptung,

daß die Regierung für die Ansiedlungszwecke 10 000 Dinars bestimmt hatte, ist unrichtig; die Regierung hat nur gestattet, die öffentlichen Mildthätigkeiten zugunsten der Einwandernden und für die Zwecke ihrer Ansiedelung anzurufen.

Koustautmopel, 14. Ott. DieAgence Con- stantinopel" wird von zuständiger Seite zu der Er- ttärung ermächtigt, daß die Nachricht verschiedener Blätter, der englische Botschafter White habe die Pforte neuerdings bestimmt, die bulgarische Frage zu erwägen, durchaus unbegründet ist. Der Bot­schafter that keinerlei Schritte bei der Pforte in betreff der bulgarischen Frage.

Nniverlitats - Chronik.

Bonn, 14. Ott. Der frühere Missions-In­spektor Or. F a b r i zu Godesberg ist zum ordentlichen Honorar - Professor in der evangelisch - theologischen Fakultät hiesiger Universität ernannt.

Die Universität Basel ist unter den schwei­zerischen Hochschulen die einzige, welche ihre Hallen den Frauen noch verschlossen hält. Jetzt ist der me­dizinischen Fakultät ein Gesuch um Zalassung von Studentinnen zugegangen.

Vermischtes.

(Fürst Bismarck als Theaterbesucher.) Am letzten Freitag hat, wie bekannt, der Reichskanzler die Galavorstellung im Opernhause besucht. Es ist das in der That ein nennenswertes Ereignis, denn der Fürst ist kein Theaterbesucher. Seit er preußi­scher Minister ist, dürfte er kaum ein dutzendmal ein Theater besucht haben. In den sechziger Jahren fand er sich zeitweise im Wallaer-Theater ein, wo die lustige Berliner Posse herrschte; seit 1865 hat sich der Fürst aber nur zweimal im Theater gezeigt und zwar außer am 11. Oktober 1889 nur noch im Jahre 1879 am 11. Juni. Das war der gol­dene Hochzeitstag des Kaiserpaares und damals, wie neulich saß der Fürst in einer der kleineren Logen in großer Generalsuniform.

Ein Engländer, der mit einigen Freunden zum Besuche der Ausstellung nach Paris gekommen war, hatte seine Bekannten am ersten Abend bei einem Spaziergange auf den Boulevards verloren. Er hatte die Adresse seines Hotels vergessen und irrte die ganze Nacht in den Straßen von Paris umher. Da er auf diese Weise seinen Gasthof nicht fand, ging er ruhig zum Nordbahnhof, fuhr nach London, suchte dort in seiner Wohnung die Adresse des Pariser Hotels und kehrte am anderen Tage zu seinen Freunden nach Paris zurück, die bereits auf der Morque, bei der Polizei und in allen Krankenhäusern nach ihm gesucht hatten und beim

Vernehmen der Geschichte ein mehr als überraschtes Gesicht machten.

I« eigner Sache.

Schon mehrfach haben wir die Erfahrung gemacht, daß ein anderes hiesiges Blatt, von uns, namentlich in sachlichen Dingen gebrachte Original-Artikel kurzerhand abdruckte, indem es denselben die für den Leser harmlose Bemerkung voransetzte: denCasseler Zeitungen- rc. entnehmen wir. . und so den Anschein erweckte, als seien dieselben von ihm er- oder in auswärtigen Blättern ge­funden. Eine Probe dieser Unverfrorenheit bringt das betreffende Blatt auch in seiner gestrige» Nr. 242 wieder. Indem dasselbe den in unserer Nr. 239 enthaltenen Original-Artikel überAichung der Gewichte rc.- in seinem vollen Wortlaute ab­druckt, denselben jedoch mit einer solchen Einleitung versieht, als spiele diese ganze Angelegenheit in Cassel und jener Artikel sei als Original der dortigen Zeitungen erst nach hier gelangt. Hoffentlich genügt die Wiedergabe dieser einen Thatsache, um ge­dachtes Blatt imfalle eines Abdruckes unserer Ori- ginalartikel zu einer ehrlichen Quellenangabe zu ver­anlassen. Die Redactton.

Frankfurt, 14. Okt. Auf dem heutigen Lieh- markt waren angetrieben: 480 Ochsen, 14 Bullen, 457 Kühe, Stiere und Rinder, 233 Kälber, 870 Hämmel und 282 Schweine. Die Preise stellten sich wie folgt pro 100 Pfd. Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qual. 68 bis 70 Mk., 2. Qual. 63-65 Mk., Bullen 1. Qual. 5153 Mk., 2. Qual. 48 bi» 50 Mk. Kühe, Stiere, Rinder 1. Qualität pro 100 Pfd. 6062 Ml, 2. Qual 50-55 Mk. Kälber 1. Qual. 6873 Pfg., 2. Qualität 5761 Pfg. Hämmel 1. Qual- 5860 Pfg., 2.Qualität 4850 Pfg. Schweine 1. Qual. 67-68 Pfg., 2. Qual. 65-66 Pfg.

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