Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. — Illustriertes Souutaasblatt.
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch. * “ ***
: Theresia von Bayern nach Venedig ab. — Die „Pol. Korr." meldet aus Belgrad: Die auf heute vor« mittags anberaumte Zusammenkunft der Königin Natalie mit ihrem Sohne, dem König Alexander, ‘ erfolgt im Sinne der Weisungen des Königs Milan im Beisein deS Gouverneurs Dokics und des ersten Adjutanten Ciric: Die Königin-Mutter weigerte sich bisher, auf die Verpflichtung eines nur zeitweiligen Aufenthaltes in Belgrad einzugehen. Die Königin erhielt den Besuch des russischen Gesandten Persiani. — Wie daS ,Fremdenblatt" schreibt, sind die aus Kreta einlaufenden Nachrichten fortdauernd befriedigend. Die aus Athen kolportierten Sensationsnachrichten über masienhafte Inhaftierungen und angebliche türkische Grausamkeiten auf der Insel sind willkürliche Erfindungen. Durch die Erhebungen ist festgestellt, daß den türkischen Behörden und Truppen keinerlei Grausamkeiten zur Last fallen.
Avelliuo, 30. Sept In der vergangenen Nacht fand m dem Tunnel zwischen Ariano und Piane- rettolo ein Zusammenstoß zweier Personenzüge von Neapel und Fogglia statt. Eine größere Anzahl Waggons wurde zertrümmert, die Zahl der veruu- glückten Personen ist unbekannt. Die Behörden begaben sich unverzüglich nach dem Schauplatz deS Unfalls. Die Landpost mußte ihren Abgang verzögern.
30. Sept. In den Kohlengruben bei Flenuproduits und Pecguery brach ein teilweiser Streik aus; 439 Arbeiter stellten die Arbeit ein.
Rotterdam, 30. Sept. Heute früh wollte eine Anzahl Streikender die Arbeit wieder aufnrhmen, wurde jedoch von den anderen daran gehindert. Die Lage ist daher unverändert. Auf der Maas liegen zwei Kriegsschiffe, drei Kanonenboote und zwei armierte Schaluppen, um, falls es zu ernsteren Ruhestörungen kommen sollte, die Ordnung wieder herzustellen.
Petersburg, 30. Sept. Im ersten Halbjahre 1889 betrugen die Reichseinnahmen 412,4 Millionen Rubel gegen 374,8 im vorigen Jahre, die Reichsausgaben 415,3 Millionen gegen 420,7 im vorigen Jahre.
Belgrad, 30. Septbr. Es werden folgende weiteren amtlichen Wahlergebniffe gemeldet: Im Piroter Kreise sind 5 Radikale, in den Kreisen Semendria und Negotin je 5 Radikale und Liberale, in den Kreisen Valjeud, Kragujevacz, Czaczak, Uziko le 6 Radikale zur Skupschtina gewählt. — Bei dem gestrigen Empfange der Königin war außer einigen Mitgliedern der Fortschrittspartei keine politische Persönlichkeit anwesend. Die Ansammlung
Dr. Justus-Brinckmann-Hamburg über das Thema: ,Welches Interesse hat der Gcwerbestand an der Förderung des Arbeitsunterrichts?" Tas Schlußwort erstattete der Geschäftsführer deS Vereins Abgeordneter von Schenkendorff - Görlitz. Sämtliche Borträge wurden mit Beifall ausgenommen. Mit dem Kongreß ist eine umfangreiche Ausstellung von Arbeiten verbunden, wie sie bislang noch nicht vereinigt gewesen sind. Die Anerkennung derselben ist eine allgemeine. Seitens des Deutschen Vereins wurde dem Reichskanzler Fürsten Bismarck folgendes Danktelegramm übermittelt: „Ew. Durchlaucht bringt der in Hamburg tagende 9. deutsche Kongreß für erziehliche Knabcnhandarbeit ehrerbietigste Grüße und wärmsten Dank dar für die seinen Bestrebungen auch in diesem Jahre zugewendete wirkungsvolle Unterstützung Die von Ew. Durchlaucht weit ausgesteckten Ziele für deutsche Arbeitskraft werden sicher und bewußt von einer Jugend fest im Auge behalten werden, welche werkthätige Arbeit übt und ehrt. Möge zum Heile der deutschen Lande eS Ew. Durchlaucht beschieden sein, noch lange Jahre hinaus zu wirken und auch unferm Vereine die Wege frei zu halten und zu sichern." — Der XI. deutsche Kongreß für erziehliche Knaben - Handarbeit setzte heute vormittag seine Verhandlungen fort. Zunächst verlas der Vorsitzende, A. Lammers - Bremen, daS vom Reichskanzler eingelaufene Dankestelegramm. Dem Bericht über die wirtschaftliche Lage des Vereins folgten Referate über Stand und Ausbreitung der Bereinsbestrebungen in Deutschland, über die Thätig- keit der Sektionen für Knaben - Handarbeit in den Lehrervereinen zu Görlitz und Berlin, sowie ein Bericht der im vorigen Jahre gebildeten Kommission zur Feststellung der Grundsätze für den Arbeils- unterricht und die praktische Durchführung desselben. In einer sich daran anschließenden mehrstündigen, ehr lebhaften Debatte über die gesamten auf dem Kongreffe gehaltenen Referate wurde im Allgemeinen eine der Bewegung selbst günstige Stellung einge-1 nommen; überhaupt war der ganze Verlauf des Kon- greffes ein der Sache durchaus günstiger. Nachdem der Kongreß noch eingeladen worden, seine nächste Zusammenkunft in Frankfurt a. M. oder aber in den Reichslanden, am liebsten in Sttaßburg, abzu- Ijalten, wurden die Verhandlungen geschloffen.
jNach druck verboten.j
Die Tochter -es Herr« Maire. Helleres aus ernsten Tagen von I. F r o n e t. Es war in jeueu Tagen, in welchen der Stern des Generals Bonlanger am hellsten lenchtete, und alle Pariser Zeitungen ohne Ausnahme schweif, wedelnd den Mann umdräugtru, von welchem sie zu glauben Vorgaben, daß er die erste Größe unseres Jahrhunderts fein werde, und von welchem fie wußten, daß er eine offene Hand auf anderer Leute rosten habe. Damals wurde das Spionage-Gesetz erlassen, und erschien die erste Nummer der „Cocarde", des Leiborgans des Mächtigen, und erlebte eine Auflage von ziemlich einer viertel Million! Man hatte dem General Bonlanger nur die Pferde noch nicht vor seinem Wagen anSgespauut, aber auch bis zu diesem welterschütteruden Augenblick schien «S nicht mehr allzuweit zn fein.
Um diese Zeit war eS, daß Herr Fournier nach l laris kam, nach Paris, in dem neuen Rocke, den er fich eigens zu dieser Reise hatte machen laffen, mit einem ganz modernen, seidenen Hut. lllerdtngS saß ihm der letztere etwas unbequem, trotz- >em Herr Fournier Maire ans einer kleinen normauut» cheu Stadt war; aber da oben in dem Küstengebiet ging man einfacher einher, und der seidene Hut wäre gewiß nugekanft gebliebeu, weuu Luclle Fouruier nicht daraus bestände» hätte. So wurde er deun angeschafft und verfitzte seinen glücklichen Besitzer in hte Sorge, ihn im Gewühl deS Pariser Straßen. ebeuS ungefährdet fich zu erhalten. Um so stolzer war der Herr Maire ans den ueneu Rock; freilich ehlte diesem nach Herrn FonruierS Ansicht noch etwas, ja, der Herr Maire war sogar der bestimmten leberzeugnog, eS müsse noch etwas fehlen. Der Schneider daheim hatte es allerdings bestritten, aber ein Blick auf die Pariser zeigte Herrn FraryoiS Jacques Fournier, daß er, wie stets, Recht gehabt: Ein OrdenSbändchen fehtte.
Deutsches Reich.
Berlin, 30. Sept. Der Kaiser und die Kaiserin werden morgen vormittag das Neue Palais verlassen, um mittels Sonderzuges von der Wildparkstation aus über Charlottenburg und Spandau, nach Ludwigslust und Schwerin abzureisen, wo die Ankunft nachmittags 2V, Uhr erfolgen dürfte. — Bei der Ankunft in Schwerin findet auf dem dortigen Bahnhofe großer Empfang statt. — Am Freitag, 4. Oktober, treffen der Kaiser und die Kaiserin wieder im Neuen Palais bei Potsdam ein. — Das .Berliner Tageblatt" hört bestimmt, Herr von Scholz bleibe Finanzminister auf den Wunsch des Reichskanzlers. — Nach einem Londoner Telegramm der „Kreuz-Ztg." sind die Gerüchte von der Herabsetzung des türkischen Heeres von 150 000 auf 100 000 Mann falsch, vielmehr verlautet das gerade Gegenteil. — Die.Post" und die .National - Ztg." lehnen entschieden den Vorschlag ab, die Reichstagssession vor Weihnachten zu schließen. — Bei der Pariser Preisverteilung erhielten die deutschen Vorschußvereine, nach dem System Schulze - Delitzsch, den großen Preis. — Der Zar kommt am 8. Oktober, 3 Uhr nachmittags, nach Berlin. Auf der Rückfahrt werden 50 000 SRonn Truppen die Eisenbahnstrecke von Wirballen bis Petersburg besetzen. — In zwei Privatklagen Leopold Sonncmanns in Frankfurt a. M. und Dr. Kayßlers (Redakteur der „Post") in Berlin gegen den Redakteur der .Kreuz-Ztg.", Reichstagsabgeordneter Freiherr von Hammerstein, wegen Beleidigung durch Zeitungs-Artikel, in welchen das Schöffengericht die Klage als während der Reichstagssession jvcrjährt erachtet hatte, «kannte die Strafkammer des Landgerichts unter Abänderung des schöffengerichtlichen Urteils dahin, daß das Tagen des Reichstags die Verjährung nicht unterbreche, beide Klagen seien mithin nicht verjährt. In der Klagesache Sonnemanns wurde Freiherr von Hammerstein zu 1000 Mk. eventuell zu 100 Tagen Gefängnis verurteilt, in der Klagesache Kayßlers wurde Freiherr von Hammerstein freigesprochen, weil der betreffende Zcitungs - Artikel nicht gegen Kayßlcr gerichtet sei. — Der „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht heute eine lange Liste der Auszeichnungen, welche aus Anlaß der Anwesenheit des Kaisers an Offiziere u. s. w. deS 7. Armee - Korps verliehen worden sind. General von Albedyll hat das Großkreuz des Roten Adler - Ordens mit Eichenlaub in Brillanten erhalten. — Der Kaiser hat dem Ver
treter von Mr. Edison, Herrn A. Theo E. Wangemann eine kostbare Busennadel verliehen. Dieselbe zeigt auf blauer, von Brillanten eingefaßter Emaille ein W aus Diamanten, überragt von der Kaisttkrone, die aus Brillanten und Rubinen sich zusammensetzt. — Morgen tritt das Gesetz vom 1. Mai 1889, betreffend die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossen- ichasten, in Kraft. — Den „Polit. Nachr." zufolge ist der Marineetat den Vundesratsausschüffen heute zugegangen; der Militäretat und Hauptetat dürsten noch in dieser Woche zur Verteilung gelangen. Zweifellos werde der Etat biS zum 21. und 22. Oktober, wo der Reichstag zusammentteten solle, vorn BundeSrate fertiggcstellt sein. — Der heutige Vortrag des Staatsministers von Bötticher beim Kaiser dürfte der Einholung der Ermächtigung zur Einberufung des Reichstages gegolten haben.
Potsdam, 30. Septbr. Der Kaiser empfing heute, mittags 2 Uhr, die Gesandten des Sultans von Sansibar, welche sich in Galawagen und unter Eskorte einer Abtellung der Garde - Ulanen vom Bahnhof nach dem neuen Palais begeben hatten. Vor dem Palais stand eine Ehrenwache, welche den Präsentiermarsch spielte. Der Empfang fand im Muschelsaale statt. Der Kaiser, welcher in Begleitung des Prinzen Leopold und des Staatssekretärs Grafen Herbert Bismarck erschien, erwiderte auf das huldvollste auf die zwei Schreiben des Sultans, welche die Gesandten verlasen. Letztere überreichten sodann die meist aus Waffen bestehenden Geschenke des Sultans und wurden darauf auch von der Kaiserin empfangen. Alsdann fand ein Frühstück statt.
Hamburg, 29. Septbr. Heute mittag 1 Uhr wurde der 9. deutsche Kongreß für erziehliche Handarbeit im großen Sagebielschen Etablissement durch A. Lammers-Bremen eröffnet. Seitens des Senats begrüßte Senator Koehler die aus allen Teilen des deutschen Reiches sehr zahlreich erschienenen Vertreter. Der Geh. Regierungsrat Schneider aus Schleswig, als Vertreter des preußischen Kultusministers, versicherte die Versammlung der wohlwollenden Haltung )er Regierung. Ein gleiches Interesse bekundete Dr. Bruegcl-Stuttgart im Namen des württember- gischen und Schuldireklor Schweizer Mühlhausen i. E im Namen des elsaß - lothringischen Ministeriums. Dann nahm der Vorsitzende das Wort, um die Fortschritte der Bewegung darzulegen. Es folgte der Vortrag von Lehrer Rißmann-Berlin: „Welches Interesse hat die deutsche Lehrerschaft an der Förderung des Arbeitsunterrichts?" Korreferent war Dr. Goetze-Leipzig. Einen weiteren Vortrag hielt
XXIII.
Oberst Rrnwores größte Sorge wußte vor allen Dingen sein, die Summe herbei zu schaffen, durch welche er sozusagen sein Leben erkaufen sollte — wenigstens doch seine Freiheit, falls das Urteil seiner Richter gelinde ausfiel. Die Stunden, welche seinem ergebnisreichen Morgenspaziergang folgten, hatte er zu Vorbereitungen für seine Abreise angewandt, die fich nicht allein auf Blackturn erstreckte, sondern er war auch bereits von Mrs. Wetherby aufgefordert, nach ihrer Begegnung so bald wie möglich „Wanderers Ruh' zu weiden. ES lag ihm sehr daran, fich mit Gettrud htufichtltch ihre? Zusammentreffens in Sorten nub ihrer Verbindung zu bereden, da eS ihm bisher nicht gelungen war, fie auch nur einen Augenblick wiederzuseheu.
Die beiden Zimmer, welche er bewohnte, lagen getrennt in beiden Stockwerken deS HaufiS, und mehrmals war er schon zwecklos auf» und abgegaugeu, tu der Hoffnung, Gertrud auf dem Korridor oder den Treppen zu treffen.
Nach diesen vergeblichen Versuchen, dir er fich iudeß leicht durch MrS. WetherbyS Wachsamkeit erklären konnte, setzte er fich an seinen Arbeitstisch, um zu schreibe». Er hatte vorher fürsorglich die Vorhänge deS Fensters herabgelafleu, und kein Sonnenstrahl vermochte in sein Wohugewach zu dringen in das er sonst in reichlichem Maße fich Luft und Licht zu verschaffen suchte.
Die Arbeit, welche er jetzt unternahm, mußte uu. gewöhnlich wichtig sein und seine Aufmerksamkett und allen Fleiß erfordern, die« wenigstens verriet sein GefichtSanSdruck, als er fich über fie verneigte und mit prüfendem Auge die Linien verfolgte die seine Feder über das Papier zog.
Je länger Renmore arbeitete, desto größer wurde sein Eifer, und er gewahrte nicht eher, daß Jemand sein Zimmer betreten, als bis Gettrud an seiner Sttte stand.
Ungeachtet seiner gewohnten Fassung und Geister.
sRachdruck verboten.)
Die Rose von Windermere.
(Fortsetzung.)
Er wandte fich nach diesen Worten, nm zu gehen Renmore hielt ihn jedoch zurück und sagte: „Ich begreife noch immer Ihre wütende Eifersucht nicht, dnrch die Sie fich so ganz und gar beherrschen lasse» l Lasse» fie fich doch Überzeugen, daß fie grundlos ist--•
„Grundlos, wenn ich Sie doch mtt dem Mädchen sehe, daß jeden Andern schnöde zurückweist?'
„Ich bin nicht gewohnt, irgend Jemand Rechen- schäft von meiner Handlungsweise abznlegeu, auch dürste Niemand außer Ihnen ungestraft so zu mir reden. Um Sie aber zu überzeugen, daß ich wahr geredet, teile ich Ihnen mit, daß ich dar Feld räumen >nd einen Besuch von mehreren Tagen abstatteu will, do ich dazu noch stündlich mit einem reichen, junge», schöne» Mädchen zusammen sein werde.'
Die häßlichen, abstoßenden GefichtSzüge des Predig«» erhellte» fich einen Augenblick, dann aber sagte er hastig: „Wer steht mir jedoch dafür, daß Sie es mit diesem Besuch ehrlich meinen? Daß Sie doll"u?" mttaet Beobachtung nicht entziehen
„Und Sie um Ihr Geld betrügen werde?' unter- ^ach Renmore ihn. „Seien Sie ganz unbesorgt! vie werden genau, wo Sie wich zu beobachten haben Während Sie doch hier Miß Wetherby Ihre Huldigungen Ebringen können. — Und nun gehoben Sie fich, dohl, bis wir uns Wiedersehen! Ich glaube doch, •aß Sie hiermit vollkommen beruhigt find!'
Nach diesen Worten entfernte Renmore fich und schlug den Weg »ach dem Dorfe nnb bann nach .Wandere» Ruh' ein, während Quandisch einen Oberen Pfab verfolgte, nm ebenfalls in seine Wohnung * gelange».
Ausland.
Wie«, 30. Sept. Die griechische Königsfamilie st um 9 Uhr 15 SD?in. nach Venedig abgereist. Mit demselben Zuge reiste die Prinzessin Maria ,ege»watt fuhr et bei ihrem Anblick zusammen, nm me9r. da er bestimmt wußte, daß er die Thür, “uf be“ Gang führte, sorgfältig verschlossen hatte. Sie hatte diese aber auch nicht benutzt, sondern war durch eine andere eingetreten, die man vom Zimmer ans nicht bemerkte, da fie vollständig durch Tapeten verdeckt war.
Auch Gertrud erschrak fichtlich, als fie die plötzliche Veränderung sah, die bet ihrem unerwarteten Ein.
seinen Zügen vorgtug. Das Vettrauen, welches er vom ersten Augenblick ihrer Bekanntschaft "" P ihr empfunden, hatte ihn von je her veranlaßt, viel weniger Verstellung und Zwang in ihrer segenwart als in derjenigen Anderer zu üben und ich auf zuerlegen, und oft, wen» fie ihn voll Teilnahme und Liebe schweigend beobachtet, hatte fie,n ihrer Ueberraschung nnb selbst mit einer Beimischung von Furcht bemerkt, daß fie in seiner gelegentlichen, a» ihrer Sette oft wieberkehreubeu Zerstreutheit er ""t selten tiefe Seufzer nnb SchmerzenSlante anS- iieß. Weuu fie aber tiefbekümmert nach bet Ursache derselben fragte, schloß er fie, hastig nnb schnell ein Lächeln erzwingend, in seine Arme, nnb fein? wieder. g-w°"u-u- lebhafte Heiterkeit ließ fie jede augenblickliche Unruhe vergessen.
. o»eIi”D^Äaflte d" untrügliche, scharfe Blick >er Liebe, daß er vielen Kummer nnb große Sorgen habe ober gehabt habe, nnb baß er ans biesem Grunde wohl auch so geflissentlich bie Gesellschaft Auberer mied. 1 1
Bei zunehmender Vertraulichkeit hatte fie deshalb ineS Tages einige Fragen an ihn gerichtet und zur Antwort erhalle», baß seine frühere» Tage b»rch ben Verlust theurer Angehörigen gettübt feie», bereu An- beuke» »och frisch tu ihm lebe, daß aber bie Zeit Hefen m»# nachhaltenden Schmerz mildern würbe
??? schon Ersatz für machen Verlust. Mtt dieser Erklärung, die ihr wahrscheinlich genügend wat, mnßte fie fich znsrieben geben. “ 8
(Fortsetzung folgt.)
Marburg,
in Frankfurt a 3R Eaffet unb Vogler
tfflr U Mittwoch, 2 Oktober 1889. UWZMMLW m Ww