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Illustriertes Somtagsblatt.

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Wicklung. Alle großen Staaten, welche die Geschichte aufweist, hatten auch ihre drohenden inneren Ge­fahren, schwerer vielleicht noch als die heutigen. Aber jene srüheren Zeiten kannten richt die Nach­sicht und Humanität unserer Tage, in ihnen wurde man gar bald mit lästigen Elementen fertig. Aber wie sich jede excentrische Richtung, die da auf­tauchte, im Laufe der Jahre selbst zerrieb, so wird es auch mit der heutigen Umsturzbewegung gehen. Sie wird von ihren Aposteln als unüberwindbar hingestellt! Das ist schon früher vielfach gesagt worden, aber niemals zugetroffen. Solche Erschei­nungen sind nur Zeichen der Zeit, schließen aber nicht den Zeitgeist selbst in sich. Es ist die allge- meine Strömung heute dahingehend, das LoS und die soziale Lage des Arbeiterstandes aufzubeffern.

Die einzelnen Vorschläge äußern sich bald ge­mäßigt, bald in radikalster Weise; die Zeit und Zeitverhältnisse werden einen Ausgleich bringen, und die Menschheit wird zu anderen Tagesfragen über­gehen. Auch die denkbar freiste Staatenverfaffung kann nun einmal die Verhältniffe, die der mensch­lichen Anschauung entsprechen, nicht auf den Kopf stellen. In den Vereinigten Staaten von Nord­amerika ist gewiß soviel Freiheit und Gleichheit vor­handen, wie nur immer möglich, aber was sagte Herr Liebknecht, als er aus Newyork zurückkehrte? Drüben ist es noch viel schlimmer, als in Deutsch­land!" Um einen Zustand herbeizuführen, wie er nach den Hoffnungen der Herren Bebel und Lieb­knecht bestehen sollte, ist vor allen Dingen die höchste Selbstlosigkeit notwendig. Und die allen Menschen einzuimpsen, ist absolut unmöglich. Gute Worte und freundliche Ermahnungen können die Jugend vor thörichten Einbildungen bewahren. In diesem Sinne ist es Pflicht, den Hinweisungen des badischen Fürsten zu folgen. Jedes Volk bildet sich selbst, durch sich selbst, und der Versuch weniger, rS leiten zu wollen, ist vergebliche Mühe, wenn ihnen nicht die wahre Lolksneigung zujauchzt. Das Volk urteilt und richtet.

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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

und reiste heute früh zum Reichskanzler nach Friedrichsruh. DerPost" zufolge steht der Tag der Abreise des kaiserlichen Paares nach Italien im Oktober noch nicht ganz fest, die Bestimmung darüber hängt von Umständen ab, die noch nicht zu übersehen sind.

Danzig, 7. Sept. Der sechste Vereinstag des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke" wurde heute hier abgehalten. Nachdem bereits gestern vormittag eine Beratung des Vor­standes abgehalten worden war, fand abends 8 Uhr eine zahlreich besuchte Volksversammlung statt, in welcher Abgeordneter Rickert-Danzig über die haus­wirtschaftliche Erziehung der Mädchen aus dem Volke sprach und Pastor Hirsch-Lintorf über einige praktische Erfahrungen aus den Trinkerheil-Anstalten. Heute vormittag 10 Uhr wurde der Vereinstag im Bildungs-Vereinshause unter Vorsitz des vormaligen Botschafters v. Keudell eröffnet. Der Oberpräsident v. Leipziger begrüßte die Versammlung im Namen der Staatsregierung, der Oberbürgermeister von Winter im Namen der Stadt Danzig. Der Vor­sitzende teilte hierauf mit, daß der Geschäftsführer des Vereins, LammerS - Bremen, unerwartet am Erscheinen verhindert sei. Darauf wurde die Rechnung für 1888 auf den Bericht der Revisoren genehmigt, und vom Pastor Hirsch ein eingehender Bericht über die segensreiche Wirksamkeit der Trinkerheilanstalten erstattet. Die Ausführungen des Letzteren führten nach längerer Diskufsion, in welcher auch die beab­sichtigte Errichtung eines Trinkerasyls für West­preußen berührt wurde, zur Annahme einiger leitender Grundsätze für die Verwaltung solcher An­stalten und wiesen auch darauf hin, daß eine gesetz­liche Regelung der einschlägigen Fragen, namentlich der bereits vom vorigen Juristentage beantragten Entmündigung gemeinschädlicher Gewohnheitstrinker, zu wünschen sei. Um 1 Uhr wurde der Vereinstag geschloffen.

Kiel, 7. Sept. Die abgelösten Mannschaften S. M. Kreuzer »Adler" und S. M. Kanonenboot , Eber" sind nachmittags 2 Uhr hier eingetroffen und vom Vizeadmiral Knorr sowie dem Osfizierkorps begrüßt worden. Eine tausendköpfige Menge hatte sich bei der Ankunft eingefunden und geleitete die Angekommenen im Triumphzuge nach dem Schloßhof, wo Se. K. Hoheit Prinz Heinrich eine Ansprache an dieselben hielt. Se. K. Hoheit führte darin aus, es sei den Heimkehrenden vergönnt gewesen, in hervorragender Weise und in herrlichem Maße ihre Pflicht im Auslande zu erfüllen; sie hätten sich als

sie das kleine Kind, welches sie in ihren Armen hielt, an ihre Brust drückte.

Blutrot blickte die Sonne durch den Nebel; die Seeleute hauchten auf dem Verdeck ihre« Geist aus denuoch aber lächelte fie, lächelte tote eine Irrsinnige, drückte das Kind fast ehrfurchtsvoll au ihre Brust, als hielte fie einen Engel in ihren Armen einen Talisman in der Not, einen Schutz in aller Gefahr!

Die Mannschaft", erzählte Mike weiter, «fristete kanm noch ihr Leben, denn die geringe Nahrnng, welche nns verabreicht ward, wnrde jeden Tag noch spärlicher uns zugemeffen, weil jetzt das Schiff zwischen den EiSmaffen eingeklemmt war. Ich faß, den Tod erwartend, gleichgültig da, während die uugeheme» Schollen gegen die Planken trieben, daß jede einzelne zu zelbrecheu drohte.

Und die Zigeunerin? Wahnsinn war angesichts des Todts ihre Ruhe und Freudigkeit, mit der fie auch dies ertrug und »ns zurief, Gefahren und Hnuger noch eiue kurze Weile zu ertragen, da Hülfe und Rettung nahe fei.

Ohne zu wissen, warum, blickte ich endlich zu ihr wie zu einem höheren Wesen aus, deffeu Worte mir Trost ein flößten, obgleich noch keine Aussicht vor­handen war, daß sie je erfüllt würde». Ich be- trachtete immer wieder die regungslosen EiSmaffen und vergaß in dem herrlichen Anblick, den sie im hellen, scharfen Sonnenlicht gewährte», daß sie »User Grab zu werde» drohte».

Und während ich ruhig mein Ende erwartete, krachte das Schiff, dnrch einen furchtbaren Stoß er­schüttert, der wich ans meinem Sinnen weckte, nnb wir Alle glaubten, daß unser letzte Stunde ge­schlagen habe und das Schiff gescheitert fei. Dies war aber, dem Himmel fei Dank, nicht der Fall; auch hörten wir gleich das anfmnnternde Zurufen der Zigenneriu, die mit der Hand nach den Eis. maffeu dentete, welche sich von dem Schiff entfernten, so daß dies, ans der Gefangenschaft bestell, erst langsam, daun immer schneller weller segelte nnb,

Deutsches Reich.

Berlin, 7. Sept. DieNordd. Allg. Ztg." bezeichnet die Zeitungsmeldungen über den bevor­stehenden Rücktritt des Finanzministers von Scholz als müßige Erfindungen. Derselbe sei augenleidend und habe zur Herstellung seiner Gesundheit einen längeren Urlaub angetreten, von seinem Rücktritte ei in amtlichen Kreisen nichts bekannt. Der Botschafter Graf Hatzfeldt ist gestern hier eingetroffen

Hier trat die Wirtin mit freundlichen Gruße hin­zu, reicht ihm zugleich einen Kmg ihres besten Bieres denn auch ihr lag daran, sich fein Wohlwollen zn erhalten nnb sagte: «Stärkt Euch zuerst, mein alter Freunb; nach Eurem weiten Weg in bei Sonnenhitze wird bieS Ench sehr erquicken! Zu­rück, Stuber, zurück, bamit Ihr nicht anbereu Gästen ben Eingang versperrt."

«Nehmt meinen Dank für biefen Trunk, Mrs. Wetherbyl" sagte er, nachbem er einen vollen Zug aus bem Krug gethao. Ich trinke ihu auf das weitere Gedeihe» Eures HauseS, den» wahrlich, nach einer langen Reise über die ganze Erde kauu ein Wanderer kaum einen besseren Hafen finden, als Ihr ihm hier bietet. Laßt aber nur die Kinder bei mir, ich habe sie gern um mich, denn einem Kinde verdanke ich mein Leben!" fitzte er mit einem feiner bedeutsamen, geheimnisvollen Blicke hinzu, die meistens jenen wunderbaren Geschichten vorausgingen, durch die er in der ganzen Gegend bekannt geworden.

«Wie? einem Kinde verdankt Ihr Ener Leben?" wiederholten vier oder fünf Stimmen zngleich, nnb die Bauern nahmen ihre Pfeiffen aus bem Munde, ließen ihre Krüge ans dem Tische stehen nnb brängten sich gleichfalls bem Eingang zu.

Der Greis jeboch beantwortete ihre Frage nicht, sondern verharrte eine Weile schweigend nnb in tiefem Nachfinnen. Endlich jedoch schien er ihre Neugier nicht länger auf die Foller spannen zu wollen, denn er that noch einen Zug aus bem Kruge, setzte ihn bei Seite nnb begann in seiner eigentümlichen Er- zählnngSweise folgendermaßen:

«Wir waren ans einer gefahrvollen, beschwerlichen Reise; Tage lang schon trieb nufer Schiff vor bem scharfen Wind bahin, zwischen ben ungeheuren schwimmeubeu EiSmaffen, wobei ber Hnuger nnb die furchtbare Kälte jede» Antlitz bleichte nnb fast jedes Glied lähmte. Dennoch ober lächelte in freudiger Zuversicht jenes Weib, die Zigenneriu, die bei uuS war und die ich noch vor mir sehe, sie lächelte, als

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brave Söhne des Vaterlandes und als Deutsche von echtem Schrot und Korn gezeigt und nicht allein im blutigen Kampfe mit dem Feinde, sondern auch im Kampf gegen die Elemente ihre Treue bis in den Tod bewährt; er halte fich daher für be­rechtigt, die Kameraden vom .Eber" und vom .Adler" im Namen Sr. Majestät des Kaisers, der ost mit ihm von ihnen gesprochen, und welcher jeden wahrhaft tapferen Mann wie Seinen Sohn lieb habe, zu bewillkommnen.

Breme«, 7. Sept. Nach einem der hiesigen Geographischen Gesellschaft aus Tromsoe zugegangenen Telegramm sind die von der Gesellschaft zu zoologischen Forschungen in dem Eismeer abgesandten Reisenden, Dr. Kuekenthal und Dr. Walter, mit erfreulichen Resultaten wohlbehalten nach Tromsoe zurückgekehrt.

Dresden, 7. Sept. Se. Majestät der Kaiser und der König von Sachsen haben sich heute früh 7 Uhr, bei regnerischem Weiter nach Ostrau be­geben, um den südlich von Oschatz stattfindenden Korps* Manöver« gegen den markierten Feind beizuwohnen. Heute nachmittag findet im hiesigen Residenzschlosse ein großes Diner statt, zu welchem 250 Einladungen ergangen sind. Der Kaiser, der König von Sachsen und die anderen Fürstlichkeiten sind heute nachmittag 2*/i Uhr vom Manöverfelde nach hier zurückgekehrt. Ihre Majestät die Kaiserin hat heute mittag die Rückreise nach Berlin angetreten. Vorher besuchte Ihre Majestät die Gemäldegallerie. An dem Paradediner heute nachmittag im königl. Schlosse nahmen, außer den hohen Herrschaften selbst, deren Gefolge, die fremdherrlichen Offiziere, die Generalität, die in der Parade gestandenen Stabsoffiziere re. teil. Bei dem Diner trank der König auf das Wohl des Kaisers und betonte, daß er in schweren, wie in guten Tagen allezeit getreu wie einst dem Großvater des jetzigen Kaisers auch freudig diesem selbst, dem Kaiser Wilhelm II. folgen werde, wenn die Gefahr des Vaterlandes es fordere. Der Kaiser danfte herzlichst und wies auf die Be­ziehungen seines seeligen Vaters zu dem Könige Albert hin; er trank auf das Wohl des Königs und des sächsischen Heeres. Abends besuchten das Kaiser- und das Königspaar, sowie die anwesenden Fürstlichkeiten das Hofthcater, wo zwei Lustspiele gegeben wurden. Nach dem ersten traten die Herr­schaften auf den Balkon, um den von sämtlichen Musikkorps des sächsischen Armeekorps ausgeführten Zapfenstreich anzuhören. Der Theaterplatz war bengalisch mit Magnesiumlicht erleuchtet und machte einen großartigen Eindruck. Den Thee

einmal ans bem Ozean, bie augenblickliche Gefahr fibermnnben hatte.

Unb bie Zigenneriu? Atzt sahen wir ein höheres, überirbtscheS Wesen, be» einige ber Mannschaft an- betenb fast zn Füßen gesnnken wären, inbeS Alle fie umringten, nm zu erfahren, woher fie jene Offen- barnng erhalte», bie fich erfüllt halte, woher ihr Mnt nnb ihre Zuversicht gekommen, während Alle verzweiflungSvoll den baldigen Tod erwartete».

Statt der Antwort aber hielt sie uns das Kind entgegen nnb sagte mit lauter, vernehmbarer Stimme: «Blickt auf biefen Knaben hier, dessen Stirn ein Zeichen trägt, das Ihr nicht sehet, welches ich jedoch zn lesen vermag wie die Seite eines Buches! Wenn das Haupt dieses Kindes auf einem Schiffe ruht, hat weder Stnrm noch Wellen Macht über daffelbe, und es kann inmitten ber größten Gefahren so sicher schlafen wie in einem Daunenbett ans festem Laube. Wohl mag eS in seinem Leben mit anberen Gefahren zu kämpfen haben; ich sehe sogar, daß die Zukunft fie ihm in reichlichem Maße Vorbehalt bas Waffer aber wirb nie Macht über ben Knaben gewinne», denn sein Schicksal geht mit ihm sicher nnb unge- stört seinen Weg. Unb wenn ich weiter in bie Znknnft bringe, nm noch mehr von seinem spätere» Leben zn erfahren, so sehe tch ihn sicher behütet »nb bewahrt, unb auch Diejenige», bie mit ihm in Be­rührung komme». Dennoch preise ich sein Geschick nicht, baß eS ben Knaben also behütet, sondern nenne eS vielmehr grausam doch fragt mich nicht weShalb? ES genügt schon, wenn ich eS weiß. Ihr seid jetzt sicher; allein kein sterblicher Steuermann konnte Ench ans Tob, Gefahren nnb ben Schrecke» dieser EiSeiuöden retten!"

Nach einer kurzen Pause fuhr ber alte Seemann in seiner Erzählung fort: «Wir betrachteten bie Fra» mit schweigendem Staunen, bas Kind aber voll Neu­gier nnb Furcht, bie mich bestimmte, es nie außer Angen zu lassen, »m zu erfahren, ob mit ber Zeit

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler _____

in Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf TTTV Stoffe tn Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; @. 8.

Dauben. So. in Frankfurt a.M., Berlin, Hannover, Paris.

Innere Gefahren.

Der Großherzog von Baben hat in diesen Tagen auf dem Feste von Kriegervereinen seines Landes ein Ansprache an die Festteilnehmer gehalten, in welcher er betonte, daß das deutsche Reich nicht nur Süßere, sondern auch innere Feinde habe und daß jeder deutsche Mann, gleichviel welcher Partei er angehöre, jenen mit allen Krästen entgegenarbeiten müsse. Was der Großherzog hierbei im Auge ge­habt, kann nicht zweifelhaft sein; er meinte jene Elemente, welche sich mit dem Gedanken einer Sozial- Revolution tragen. Daß das deutsche Reich wirklich einmal eine solche Revolution erleben sollte, das braucht man wohl nicht zu besürchten; sicher haben aber jene Bestrebungen nichts Vorteilhaftes für das Reich und schon der Umstand, daß sie überhaupt vorhanden sind, fordert zu einer Abwehr und Be­kämpfung derselben auf. Der Deutsche ist kein ge­borener Revolutionsmann, wie Polen, Franzosen, vielleicht auch Spanier und, früher wenigstens, Ita­liener. Es giebt ein Lebensalter, in welchem gar mancher rasch bereit ist mit der Zunge und nicht genau überlegt, waö er spricht; aber bei reiferem Mer treten auch reife und gesunde Anschauungen ein und die Zahl derer, welche sich in extravaganten Anschauungen bewegen und vorgeben, daran zu glauben, ist gering. Von den Sozialdemokraten haben ben lautesten Mund und sind die extremsten Elemente die jungen Leute um das zwanzigste Le­bensjahr herum; von ihnen gilt das bekannte Wort: Manche Leute sprechen davon am meisten, wovon sie am wenigsten verstehen." Aus eigener Anschau­ung kennen sie das Leben nicht, vermögen es auch nicht zu kennen und so verlassen sie sich auf die Urteile anderer, die mit voreingenommener Ver­bissenheit die Welt durch eine Spezialbrille betrachten.

Der Großherzog von Baden hat deshalb auch mit Recht seine Mahnworte an junge Leute ge­richtet, weil dieselben am leichtesten zu bethören sind, und großen Worten am bereitwilligsten Glauben schenken. Im späteren Lebensalter erkennen schon die meisten von selbst, daß Jugendpläne gar zu häufig schöne Träume find, über die man später lächelt. Ruht mit Worten wird im 19. Jahrhundert ein besseres Los für den einzelnen geschaffen, sondern nur durch die Arbeit. Wir glauben zuversichtlich: Wenn dieses Jahrhundert zu Ende ist, wird man es nicht ein Jahrhundert des Umsturzes, sondern ein solches der Arbeit nennen.

Ständig ist nichts in der geschichtlichen Ent- jNachdruck verboten.)

Ale Rose vo« Windermere.

(Fortsetzung.)

Obgleich bie letzte» Worte nur leise von bem heimlich beunruhigte» Heuchler gesprochen waren, hatten fie dennoch Mikes scharfes Ohr erreicht, ber jetzt ans einer ber Seitenbänke unter bem verbeckte» hauseiugaug Platz genommen unb in nachdrücklichem Tone fugte: «Ihr nennt Diejenige» gottlos, die einem ulten Manne gefolgt nnb, um ihn von feinem langen gefahrvollen Leben erzähle» zu hören? Wie Mancher eher, ber den Priesterrock trägt, mag wohl barunter ein gottloseres Herz verbergen, als biefe hier eS haben."

Er richtete hierauf einen so drohenden, verachtungs­vollen Blick auf den Priester, daß dieser fich lang­sam tu Mrs. WetherbyS Heiligtum zurückzog, nm sich seinen Angen zu entziehe».

«Verwünscht! drei Mal verwünscht sei diese Unter­brechung", murmelte er, «die gerade in dem Augen- blick kam, als ich im Begriff war, von dem thörichten Weibe hier in Erfahrung zu bringen, ob mein Ver­dacht begründet sei, daß dieser Renwore nicht Der­jenige ist, für den er fich ausgibt. Aber die (Segen, »art eines alten Seemannes ist mir gefährlich, nud ich gehe, um einen anderen Versuch zu mache», diese» Oberste» mir in der Nähe zu bettachte»."

Während nun der Methodistenprediger fich mit einigen glaubwürdigen Gründen von MrS. Wetherby delche ihu zu wetterem Besuch anfforderte, verab- schiedete, hatten Männer, Frauen und Kinder fich in nnb nm ben Eingang gesammelt und Letztere baten »oll Ungestüm nm bie versprochene Erzählung.

«Könnt Ihr nicht warte», Ihr lärmenben, kleine» Taugenichtse?" rief der GreiS, das Haupt eines kleine» blondhaarigen Knaben sanft streichelnd, den er schon ans seine Kniee genommen. «Laßt doch nur erst einen alten Mann zu Äthern kommen, den Ihr schon feit einer Viertelstunde mit Suren Bitten «folgt."