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Illustriertes Sonutagsblatt.

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V.

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um 9 Uhr mit dem Großherzoge von Baden in einem Sonderzuge zur Gefechsiibung der 28. Division. Auf der Fahrt nach dem Bahnhofe wurde Seine Majestät von der Bevölkerung enthusiastisch begrüßt. Um 1 Uhr findet das Dejeuner statt. Zum Dejeuner im großherzoglichen Schlöffe waren 90 Einladungen ergangen. Die Kaiserin saß zwischen dem Kaiser und dem Großherzoge, die Großherzogin links vom Kaiser. Die Kaiserin besuchte heute vormittag mit der Großherzogin den hiesigen Wohl- thätigkeitsverein. Namens der Vorstände begrüßte Geheimrat Ullman» die Kaiserin, welche lebhaftes Interesse an den verschiedenen Zweigen der Vereins- thätizkeit bekundete. Das kaiserliche Paar ist mit dem Großherzoge um 3 Uhr 40 Minuten nach­mittags mittelst Sonderzuges von hier nach Straß­burg abgereist. In den Straßen rief die Volks­menge den Majestäten Abschiedsgrüße zu.

Deutsches Deich.

Berlin, 20. Ang. Der »Post" zufolge werden der Kaiser und die Kaiserin gegen den 20. September von Genua aus die Reise nach Griechen­land antreten und von dort erst Ende Oktober zurück­kehren. Heute zieht Kaiser Wilhelm zum ersten­mal als Herrscher in die Hauptstadt des Reichs- landes Elsaß - Lothringen ein, begleitet von Seiner erlauchten Gemahlin. Indem das Kaiserliche Paar Wohnung nimmt in dem neu erbauten Kaiserpalast, tritt die Bedeutung des Besuches, durch welchen die Bevölkerung des Grenzlandes geehrt wird, in beson­ders helles Licht. Der deutsche Kaiser und Seine Gemahlin werden in Elsaß-Lothringen zu Hause sein. Die persönliche Gegenwart wird bekunden, mit wie herzlichen Gefühlen das Herrscherpaar auch diesem Teile des deutschen Volkes entgegentritt, und der Zauber, der die Majestät umgiebt, wo sie sich mit Herzensgüte vereint, wird sicherlich auch hier seine Wirkung auf die Gemüther nicht verfehlen. Geho­benen Sinnes und Mutes wird sich dem Auge des kaiserlichen Herrn in der alten Grenzfcste des Reiches der Teil deutscher Wehrkraft darstellen, welcher dort zur treuen Wacht berufen ist; es weiden die Meister und Jünger der Wissenschaft dem Enkel des Helden nahen, der, als kaum das siegreiche Schwert ruhte, an dem waffenstarken Orte auch alle edelsten Künste des Friedens erblühen machte; daneben aber wird noch eine ganze Bevölkerung in Scharen sich herzu­drängen, dem Herrscher zu huldigen, dessen hoher Gerechtigkeit und Milde sie längst vertrauen gelernt hat. Wenn das deutsche Volk diesseits des Rheins heute mit stolzerem Bewußtsein hinüberblickt nach den Gauen, wo in neuem Glanze wiederum eine Kaiserliche Pfalz erstanden ist, so werden auch jenseits, überall wo Kaiser Wilhelm in die Mitte Seines Lölkes tritt, zahlreiche Herzen freudiger schlagen und es als einen Segen empfinden, daß Elsaß-Lothringens Geschick wieder in den Händen eines deutschen Kaisers ruht. Die Kraft, die Herzen zu gewinnen, wird sich an unserem erlauchten Kaiserpaare bewähren jenseits wie diesseits des Rheins, und so werden die jetzigen festlichen Tage nicht ohne dauernde Frucht bleiben für die immer innigere Wiedervereinigung der in bösen Tagen einst auseinandergerissenen Glieder des deutschen Reiches. Reichskanzler Fürst Bis­marck begiebt sich heute nachmittags von hier nach Schloß Friedrichsruhe. Graf Herbert Bismarck hat fich gestern abend von hier nach Straßburg begeben, ton sich dort dem Gefolge des Kaisers anzuschließen.

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sNachdruck verboten.)

Ile Dose von Windermere.

i.

Nb war im Sommer des JahreS 183 die letzte» Strahle» der uutergehevde» Sonne vergoldeten die Hügelreihen, welche in westlicher Richtung den See Windermere mit dem freundlichen Dorfe gleichen Namens schützen und überschane»; da» glänzende Tagesgestirn begann schon hinter jene» Berge» zu derschwindea, wo fich der Himmel immer höher färbte,

Ansinnd.

Pest, 20. August. Das Konsilium der Ärzte beschloß, keinen operativen Eingriff bei Graf Andraffy vorzunehmen, da dessen Befinden befriedigend ist.

Paris, 20. August. Kriegsminister Frcycinet teilte- dem heutigen Ministerrate das Resultat der Untersuchung gegen die in der Boulanger - Affaire kompromittierten Offiziere u. s. w. mit Danach werden 59 Offiziere wegen Beteiligung an einen politischen Charakter tragenden Schritten dement­sprechend gemaßregelt werden. 22 Offiziere der Territorialarmee werden ihrer Stellung enthoben, 21 Unteroffiziere des stehenden Heeres bezw. der Reserve werden degradiert, versetzt oder mit Ge­fängnis bestraft. 8 Gendarmen werden entlassen, die gleiche Strafe trifft einige Zivilbeamten deS Kriegsministeriums. Die allgemeinen Wahlen finden am 29. September statt.

Petersburg, 20. August. Die fünfzigjährige Jubelfeier des Bestehens des Observatoriums Pul­kowo wurde gestern gefeiert in Gegenwart des Präsidenten der Akademie der Wiffenschaften, Groß­fürsten Konstantin Konstantinowitsch, der Minister und anderer Würdenträger, des deutschen und des französischen Botschafters, der Deputationen der Universitäten, Akademieen und ausländischer Obser­vatorien, darunter viele deutsche und das Observa­torium von Greenwich. Unter den zahlreichen Glück­wunschdepeschen befand fich auch eine solche des Kaisers, welcher huldvoll der Verdienste der Stern­warte gedachte.

mb eine jugendliche Gestalt ans einem FelSvorsprvvge hervortrat, vo» dem auS fie weithin die Sege»d über- «icke» konnte. Wie diese reich von der Natur au «etz und Schönheit ausgestattet, so war auch daS liebliche Wese», das, iu Jugendblüte prangend, von goldigem Schein umflösse», einem schöne» Silbe gleich m bei Adendbeleuchtuug hervortrat.

So mochte auch et» noch jug, üblicher Wanderer oeuken, bei auf seinem Wege burch biese Berg- unb Seegegeud Englands plötzlich von der Erscheinung gefesselt ward, die sein scharfes, «wherschweifenbes tage eutbeckt hatte, nnd welcher er »ahe genug war, m» genau ihre Gestalt wie ihre GefichtSzüge zu er. taue». Er wagte weder Bewegnug noch Atemzug, dell er fürchtete, dadurch die» unerwartete Bild, das wm fast wie eine Liston schien, schwinden zn sehe».

Da» vor ihm stehende Mädchen mochte achtzehn »is neauzeh» Jahre alt fein, nnb in ihrer schönen, chenwäßigen Gestalt war seltene Aumnt mit jener Gewandtheit nnd Kraft vorhanden, die fortwährende mbnug derselben nnd Gesnudhest allein verleiht Sie war mittlerer Größe, doch schien fie ans den ersten Blick von höherem Wuchs, da ein schlanker HalS das edelgeformte Haupt trug, um da» fich da» lichtbrauue Haar iu volleu Flechte» legte nab nnt bie schöne, hohe Stirn frei ließ. Der Glanz ihrer «efblanen Augen warb burch baS ftische Bot bet «angeu gehoben eine seingeschnittene Nase, ein «adrnchivoller Mund, den Wei Bethen Perleuzähne

fc -

Der Finanzminister kündigte folgende Schuldver­schreibungen der Bergisch Märkischen Eisenbahn: Vierprozentige Prioritäts - Obligationen 5. Serie 1. und 2. Emission vom 24. März 1863 und 24. Ok­tober 1864, sowie die vierprozentigen Noodbahn- Prioritäts - Obligationen vom 17. April 1868 und 28. April 1880 zum Umtausch gegen 3»/,prozentige Staatsschuldverschreibungen. Tie umzutauschenden Schuldverschreibungen verbleiben den Inhabern mit dem bisherigen Zinsenanspruch bis zum 1. Juli 1890. Zur Konvertierung sind ferner gekündigt Berlin- Stettiner 2. und 6. Emissin, Berlin-Hamburger 3. Emission Berlin-Anhalter. In Bezug auf den Rücktritt des Finanzministers v. Scholz wird der Nat.-Zig." geschrieben: Thatsache ist, daß Herr v. Scholz zurückzutreten wünscht und diesen Wunsch auf ein nicht unbedeutendes Augenleiden stützt; That­sache ist aber auch, daß er dem Ansuchen nachgegeben hat, vorläufig und ohne Bezeichnung des Termins im Amte zu verbleiben. Eine Wendung wird nicht eher eintreten, als bis man fich über einen Nach- solger verständigt hat. Bekanntlich haben in den letzten Tagen Besprechungen zwischen dem Fürsten Bismarck und dem Staatssekretär des Reichsschatz­amtes stattgefunden. Der letztere hatte infolge seiner Herberusung seinen Urlaub unterbrochen und ist längst wieder abgereift. Es verlautet, daß sich die Unterredung auch auf die Lcstung des Finanzressorts in Preußen bezogen hat und für jetzt nach dieser Richtung hin ohne Ergebnis geblieben ist.

Das Palais der Kaiserin Augusta Unter den Linden ist noch immer das Ziel Vieler, welche die Jnnenräume desselben besichtigen und namentlich die Wohn- und Arbeitsräume Kaiser Wilhelms 1 in Augenschein nehmen wollen. Der Andräng zur Besichtigung des Palais war zuweilen ein derartiger, daß man sich genötigt sah, an der Gitterthür Unter den Linden eine Tafel mit der Aufschrift »Geschlossen" anzubringen. Gegen Lösung einer Karte für 50 Pfg. wird man zunächst durch die Wohn- und Arbeitsräume des entschlafenen Kaisers geführt So gelangt man, wie dieNeue Pr. Zig." berichtet, in das sogenannteFahnen- Zimmer", wo bis zum 27. Januar d. I. die Fahnen und Standarten der hiesigen Garnison sich befanden. Zur Erinnerung daran hat man an der Stelle des Zimmers ein Banner mit der Aufschrift aufgestellt: »Hier standen Preußens siegreiche Fahnen"; ferner legte die Großherzogin von Baden ein Lorbeerkranz daselbst nieder, auf dessen Widmungsschleifen in Goldbuchstaben die Worte stehen:Luise. 27.

zierten über bie harmonischen Züge tiefes, ernstes Nachbenken gebreitet so war der Anblick, bei fich bem überraschten Wanberer borbot

Schnell entstand in ihm der Wunsch, fie näher zn sehe», fie zn sprechen, nnd er verwandte daher kein Ange von ihr, nm womöglich mit ihr am Fuße des Hügels znsammenzntreffe», wo et fich bann zu­gleich nach bem richtigen Pfade erkundigen wollte, den er ans seiner Wanderung verloren hatte.

Plötzlich jedoch sah er, wie fie im Hinabsteigen inne hielt, ein kleine» Horn an ihre Lippen setzte und diesem einige helle Töne enttockte, dann aber seine» Blicken gänzlich entschwand. Einem inneren Auttiebe nachgebend, folgte er schnell ihren Schritten, vermochte aber nicht, fie zu erreiche», weil der Weg ihm unbekannt war; et kletterte daher wieder mühsam eine» Hügel hina», nm fie nur nicht ganz an» den Angen zu verlieren. Seine Anstrengung ward auch belohnt, den» er sah die junge Hirttu an dem anderen Ende de» Thale» wieder hervorkommen, gefolgt von mehreren Kühen, die bet Schall ihre» einfachen Instrumente» znsammengernfen.

Von noch größerer Uugebulb, fie einznholeu, er­faßt, beschleunigte er seine Schritte nnb traf auch wirklich »tt ihr zusammen, als fie an bei Spitze ihrer Heerbe an» bet Schlucht hervortrat und bie Richtung nach bem See eiuschlug. Al» er fie nun in bet Nähe betrachtete, fanb er fie fast »och lieb­licher, al» ihm die Feme fie gezeigt. Ihre einfach läubliche Tracht ließ bebet ihre Schönheit nur noch mehr heivortreten, bereu ruhiger Ernst inbeß jede Vertraulichkeit schon in der Anrede streng zutückwie».

Darf ich Sie bitten", redete der Fremdling fie an,mir den Weg nach dem Dorfe anzugebeu? Ich habe mich in diesen Bergen verirrt und bin Ihnen schon von Weitem gefolgt, in der Hoffnung, von Ihnen den richttgen Pfad zu erfahren."

Er hatte fie bei diesen Worten unwillkürlich ehrerbietig begrüßt nnb stand mm, seine Reffemütze

Januar 1889." Auf den Polster-Lehnstuhl im sogenanntenKonferenz-Zimmer", auf welchem der verstorbene Monarch bei Minister-Besprechungen oder bei anderen Angelegenheiten Platz nahm, ruhen ebenfalls mehrere Lorbeerkränze. VomKonferenz- Zimmer" gelangt man in dasArbeits-Zimmer", an dessen einem Fenster sich der Monarch beim Vorüberziehen der Wache so oft zeigte. Hier ist alles noch so erhalten, wie es der Kaiser verlassen hat; nur hat man die Oberfläche des Schreibtisches, sowie einen Tisch, auf welchem sich verschiedene vom Kaiser benutzte kleinere Sachen, Geschenke und andere Gegenstände befinden, mit einem dünnen Drahtgitter versehen, um diese Sachen vor dem Berühren seitens des Publikums zu schützen. In diesem Zimmer erblickt man ferner die vielen Schleifen mit Widmungen, welche an Kränzen dem Monarchen bei den verschiedensten Feierlichkeiten übersandt, bezw. überreicht worden waren und welche, nachdem die Blätter abgewelkt, losgelöst und geordnet hier Auf­nahme fanden. Unter den verschiedensten Geschenken in diesem Zimmer befinden fich solche vom ver­storbenen Kaiser Nikolaus von Rußland, dem Kaiser von Japan rc. Unter den vielen Gegenständen im Bibliothek-Zimmer" erregt ganz besondere Auf­merksamkeit eine Stutzuhr, auf deren Vorderseite sich die Büder der Urenkel des Kaisers befinden; diese Uhr wurde dem Kaiser zum 90. Geburtstage dargebracht. Die Bibliothek selbst ist in den Besitz des Prinzen Heinrich übergegangen. Das Schlaf- und Sterbezimmer deS Kaisers wird dem Besucher des Palais nicht geöffnet. Die übrigen Räume des königlichen Palais, welche man in Augenschein nehmen kann, sind die Wohn- und Arbeitsräume der Kaiserin Augusta sowie die Gesellschaftsräume. Im Arbeits­zimmer der Kaiserin erblickt man über dem Schreib­tisch das von Ephcu umrankte, von Angeli im Jahre 1871 gemalte Oelbild des Kaisers Wilhelm I, während man in den Gesellschaftsräumen des Palais die verschiedensten Kunstgegenstände erblickt, welche dem Kaiserpaare zur silbernen und zur goldenen Hochzeit dargebracht wurden; endlich solche, welche dieselben iu den verschiedensten Städten ankauften. Der große Tanzsaal des Palais hat für die Besucher insofern ein besonderes Interesse, als derselbe ein in der Mitte desselben laut gesprochenes Wort oder Händeklatschen etwa zwanzig Mal wiedergiebt. Die Besichtigung des Palais ist nur während der Abwesenheit der Kaiserin Augusta von hier gestattet.

Karlsruhe, 20. August. Der Kaiser begab sich heute früh um 6 Uhr zur Jagd und fuhr dann ta bet Haud, vor ihr, gebnlbtg ber Antwort harrend, bie fie ihm erteilen würde.

Aber auch fie hatte bet feiner unerwarteten Au. rebe schnell ben Blick z» ih« erhoben nnb sah vor sich «inen jungen Manu mit eblen GestchtSzÜgen unb einer stattlich anmutigen Gestalt, beffen zwar sehr einfacher Reifeanzug ihr beuuoch nicht verbarg, baß er ben höheren Stände» augehörte, bie sie zur Sommerzeit in SBinbermere ost genug zu sehen Ge. legenbett hatte; man kam hierher, sowohl um bie malerische Gegend zu bewundern, wie auch dem Ver. guügen der Fischerei nachzngehen.

Nach einer augenblickliche» Pause entgegnete mit einem kaum merklichen Lächeln die Hirtin, für die wenigstens der Reisende noch immer fie hielt:Sie müssen fich wahrlich weit vom rechten Pfade verirrt haben, mein Herr, daß Sie unser Dorf, welches doch hart am See liegt, nicht finden könne», iudeß Sie diese» vou jedem Berge an» sehe»! Such hätte ber Kirchturm Ihnen ein sicherer Führer sein können, ber Sie unfehlbar aus ben rechten Weg nnb a»S Ziel gebracht hätte."

-3ch sehe z» meiner Beschämung jetzt ein, baß eben so zerstreut wie bltub gewesen sein muß, um mich so zu verstreu. UebrtgeuS beklage ich ben Zeitverlust nicht, ben ich dadurch erlitten, da er die Veranlassung war, daß ich das holdeste Wesen kennen gelernt, welche» je meine Augen gesehen l"

Die junge Hirtin errötete bet dieser Andeutung, bie nur ihr gelten konnte, nnb ihn hastig unter­brechend, pigte fie auf den Rirdjtnrm und sagte: Solfleu gie nur dieser Richtung und Sie könueu das Dorf Windermere nicht verfehlen. Behalten Sie dabei stets den Kirchturm im Ange, ben Sie, deutlicher °-»h hier, am Ende des Hohlwegs sehen werben."

Den Kstchiurm! ja ben Kirchturm I" entgegnete ber Frembe bebeutnngsvoll nnb zugleich von bem Wunsche geleitet, ba» Gespräch weiter fortzuführen.

(Fortsetzung folgt.)

MchW 3filitii||

W Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Expedition: Markt 21. Redaktion, Truck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

Anzeigen nimmt entgegen bie Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler _____

w Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXIV Messe in Frankfurt a- M., Berlin,Manchen u. Köln; G. L. AAi, Daube u. Co. in Frankfurt a. M , Berlin, Hannover, Pans.

sNachdruck verboten.)

Eine Ehescheidung «ach -em Tode-

Bon » (Fortsetzung.) .Ach, Georg, wenn ich tot wäre, würden Dritte Küsse mich in ba» Leben znrückrnfen."

Nach diesen Worten kennten sie fich.--

Vier Jahre waren seitdem verflossen, alS Georg der in Brest landete, ben Weg »ach Paris einschlng, wo er bei seiner Mutter anlaugte. Er hatte Sorge getragen, fie zuvor burch einige seiner Freunde vo» feiner Rückkunft benachrichtigen z» lasse». Al» fie ihn sah, war eS daher für fie eine Freude, ohne Bei­mischung von Staunen oder Schreck, denn Georg war verwundet und gefangen gewesen, nnb hatte für tot gegolten. Das Glück Georgs war auch groß, beuuoch aber bemerüe Fran von Charon nach den ersten tnmultuarischen Ausbrüchen eines solchen Wiedersehen» einen sonderbare» Trübsinn indem Blicke ihres Sohnes, sowie Zerstreutheit tu feinen Antworten. Sie be­fragte ihn, er aber lehnte bie Antwort ab; fie brang lebhafter in ihn, und um fie zu beruhigen, «klärst Georg den Grund seine» Trübsinns auf folgend«

.Es ist eine Kinderei, Hebe Mutter, eine Thor» hett, eines Mannes unwürdig, aber ba Sie glauben, daß meine Traurigkeit ernste Ursachen hat, muß ich Sie wohl beruhigen, selbst auf bie Gefahr, lächerlich zu erscheinen. Al» ich vor ber Kirche St. deS Prtz vorbei tarn, sah ich fie ganz schwarz auSgeschlagen unb zu einem reichen Leicheubegräbni» vorgerichtet. DaS ist ganz bestimmt etwas sehr Gewöhnliche» und würbe nicht einmal bie Snftueiksamkett eines Kindes erweckt haben: mir that aber ber Anblick wehe. Ich weiß nicht, weshalb er vorkam, als läse ich bie Ber- künbignng eines Unglücks. Sie lächeln und habe» Recht. Aber drei Jahre der Gefangenschaft und ent» setzlicher Leid« haben mich bem Stummer so verstaut gemacht, daß ich Überall fürchte, wem» ich glücklich bitt."

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und t||lA M A

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