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Die vrrbürr-rlrn Movarche«

haben durch ihre Trinksprüche im Berliner Schlosse aller Welt auf das klarste zu verstehen gegeben, daß an eine Auflösung des von ihnen abgeschlossenen Bundes in absehbarer Zeit nun und nimmer zu denken ist und daß auch für die Zukunft alle Mei­nungsverschiedenheiten ausgeschlossen find, welche ja von Gegnern des Friedensbundes ausgebeutet werden könnten. Die beiden Fürsten, ihre Völker und ihre Armeen stehen fest zu einander und wenn eine Zeit der Gefahr kommen sollte, werden sie Schulter an Schulter kämpfen. Militärische Fragen sind zwischen zwei, auch noch so befreundeten Staaten, immer schwierig zu behandeln, weit schwerer jedenfalls als diplomatische Angelegenheiten, denn sie setzen ein unbedingtes Vertrauen voraus. Soll aus solchen Berhandlungen etwas Ersprießliches hervorgehen, wüsten dem Nachbar die Geheimnisse der eigenen Landesverthridigung enthüllt werden, und welcher Staat thut das gern? Zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn ist dies aber geschehen und die ' Verleihung eines österreichischen Infanterie. Regiments ! an den greisen Feldmarschall Grafen Moltke läßt

annehmen, daß man zu einem völligen Einver­ständnis für einen Ernstfall gekommen ist. Das ist keine Militärkonvention, sondern einfach eine Thal fache, die sich aus dem außerordentlich engen Bünd­nis von selbst rrgiebt. Graf Moltke hat dem deut­schen Vaterlande wieder einen großen Dienst erwiesen und hoffentlich war es nicht der letzte. Wir wisten

i nun genau, daß, wenn einmal ein Krieg eintritt, welcher den Bündnißfall herbeiführrn sollte, in Berlin und Wien erst nicht lange studiert zu werden braucht,

- sondern sofort losgeschlagen werden kann. Das ist wertvoll für die befreundeten Staaten, wertvoll aber auch für alle, welche den Friedensbund nicht mit freundlichen Augen ansehen.

Die Trinksprüche von heute sind nur Ergänzungen zu den früheren. Sie bieten nichts überraschendes, aber sie lasten jeden, der schauen will, immer tiefere Einblicke in die eisenfeste Gliederung des Friedens- bündnistcs thun. Bei der Anwesenheit des italieni­schen Königs in Berlin fiel der erste Blitzstrahl in die Abmachungen der europäischen Zentralmächte. DasSempre avanti, Savoia!" Kaiser Wilhelm II. zeigte, daß es nichts giebt, was zu einer Trennung führen könnte. Kaiser Wilhelm ist in gleicher Weise der Freund deS italienischen Königs, wie des öster­reichischen Kaisers, Deutschland ist das Mittelglied der Kette, welche Oesterreich - Ungarn und Italien

Ei« toller Stretch.

Humoristische Erzählung von F. E. Jensen.

(Fortsetzung.)

»Anstatt eines windigen nnb pofsenrriß »den Jüng. lingS", sagte mein DnM,sehe ich nur einen traurigen And verschwiegenen Mauo. ES scheint mir, N ffe, daß sich Dein Aussehen alle Tage verändert. Eine werkwürdige Sache, Dein Haupthaar wird schwärzer, nud Deine Haut nimmt eine gelbe Farbe an, wie wenn Du vou einer Leberkraukheit bedroht würdest.'

Der gute Gott bewahre ihn davor!" ries meine Tante erschrocken an».

Ich snchte sie alle beide über den Instand meiner Gesnndheit zu beruhigen.

UeberdieS', fuhr mein Onkel fort,nicht zu- stieben, einen uugehenreu Echunrrbart zu haben, lästest Du Deinen Bart wachsen, was Dir bald daS Ansehen eines Soppirers gebe» wird. Wärest Du | nicht so erust nud überlegt, so würde ich glauben, daß Du dadurch die Blicke der junge» Mädchen an- zvzieheu suchst."

Die Wahrheit ist, daß ich meine Haare gefärbt nud mir die Haut mit Nußsaft gebränut hotte, ebenso, daß ich meinen Bart nnd Schnurrbart wachsen ließ. Der Grund dieses BemhrneuS ist leicht zu erraten. Ich wollte nicht von jemand ans der Familie oder dem Haufe zu RöSwill erkannt fein.

Sage mir einmal, Neffe, iu welcher Absicht Du Drimn Bart wachse» löstest."

.Weil ich zur retteudr« Natioualgarde »ehöre, nud weil, nach einem neuen Befehl, wir alle eine» Schnurrbart tragen mflffen."

.Welche Erfindung! ES geschieht nicht» mehr, 08 dem gleicht, waS zu meiner Zeit geschah. Kurz, wir mflffen durchaus ein wenig spazieren gehen. Morgen werde ich einen meinet Freunde, den Rat dou besuchen, der zwei Meilen von hier an einem reizenden Ort wohnt. Ich verlangt von Dir, daß g; Du «ich dahiu begleitest."

zusammenhält. Es sind deshalb auch zwischen den beiden letzten Staaten keine Störungen zu befürchten, wenngleich wir vielleicht einmal nur mit Oesterreich nach Osten, mit Italien lediglich nach Westen Front zu machen haben werden. Aber wird das so bald sein? In keiner Fürstenrede klingt diese Annahme wieder, auch jetzt wieder ist von der Verlängerung des Friedens die Rede, und wenn der deutsche Kaiser den äußersten Fall nicht außer Acht läßt, so ist ein Fingerzeig damit gegeben, was dieser äußerste Fall dem bringen wird, der ihn herausbeschwört. Denken wir auch an die Trinksprüche, welche der Kaiser in England ausbrachte, so stellt sich in allen Reden ein freundlich gesinntes Europa dar, welches über sieben Millionen Soldaten und an tausend Kriegsschiffen verfügt.

Der Kaiser von Oesterreich war in Berlin, der König von Italien war ihm vorangekommen, aus steht noch der Besuch Zar Alexanders III. Wir wir schon früher mitgeteilt, ist es beschlossene Sache für Ende dieses Monats; aber weder brauchen wir große Erwartungen daran zu knüpfen, noch zu glauben, daß er von Bedeutung für Europa sein wird. Kaiser Alexander wird durch den Besuch be­weisen, daß er die äußeren leidlichen Beziehungen zum deutschen Kaiser fortgesetzt unterhalten will, den er persönlich schätzt und hochachtet; aber der russische Selbstherrscher wird in seiner Politik doch stels der echte Russe, der starrköpfige Mann bleiben, der er stets war. In seiner Eigenart ist der Zar unbe­rechenbar, und wer will sagen, ob er nicht trotz seiner oft betheuerten Friedensliebe schon lange eine kriegerische Verwicklung hervorgerufen? aber zum Glück muß auch der allmächtige Zar fürchten: Ein verlorener Krieg bringt den wirtschaftlichen Bankerott Rußlands und den politischen Bankerott des Zar- tums. Das weiß Alexander III. ganz genau und darum können auch wir ruhig sein.

Kaiser Franz Josef bei seinem Sarde- Srenadier - Regiment.

In das Programm für die Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef in Berlin war auch eine Einladung des Osfizierkorps des Kaiser Franz Garde-Grenadier Regiments Nr. 2 an seinen erlauchten Chef zum Dejeuner ausgenommen, zu welchem Allerhöchstderselbe zur Freude des Regi­ments sein bestimmtes Erscheinen zugesagt hatte. Der in der Blücherstraße gelegene riesenhafte Ge­bäudekomplex des Kasernements hatte zu diesem

Ich war in der größten Verlegenheit.

Ich möchte lieber hier bleiben", antwortete ich.

Diese Familie ist mir unbekannt."

Nein, bei meinet Seele! fflr diesmal sollst Du nach meinem Willen thu«. ES handelt sich nm aller, liebste Personen, und Du wirst bald ihre vekannt- schalt gemacht haben."

Zn welchem Lorwand sollte ich meine Zuflucht nehme»?

Der Rat und mein Vater", sagte ich,haben sich wegen eines ZinSgeschäfteS entzweit. Ich würde nicht gut bei ihm anfgenommen werden."

DaS erstemal höre ich davon", sagte bet ehr­würdige Pastor.Man muß nicht wegen dieses geringen Metalls fich hasse». Ich würde übrigens glücklich sein, eine Versöhnung herbeiführen zu können."

DaS wäre auch mein größter Wunsch, lieber Onkel, und darum denke ich, eS ist besser, daß ich mich gleich anfangs außerhalb der Angelegenheit be­finde. Wenn ich zufällig die Bekanntschaft der Rats machen kann, ohne daß er weiß wer ich bin» so wird eS mir dann viel leichter fein, mit ihm ohne Zwang zu teben."

Auf biefe Weise, sagte ich zu mir, werde ich wenigstens Zeit gewinne».

Wie Du willst", versetzte mein Onkel.Ich werde also nicht sagen, daß Du hier bist, sondern einige wohlgemeinte Worte über die Freundschaft und Versöhnung falle» lasse». DaS kau» nie schaden."

Nein, Sott weiß, daß die» nie schaden kann", fügte meine Tante hinzu.UebrigenS gebe ich Adolf nicht unrecht. Er wird später zum Rat gehen."

Die Stunde der Ruhe war gekommen. Sobald die beiden guten Greise fich gelegt hatten, schlich tch mich durch de» Garten bis zu einem kleinen Fuß- steig, der nach RöSwill führte. Der Mond schien mit mildem Glanz. Bald bemerkte tch den weißen Pavillon, der am äußersten Ende deS kleinen Ge- Hölzes lag. Einige Minuten nachher befand ich mich bet b;m Platz, wo die Schank-l war. Die Nacht

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Aug. Koch.

Marburg, Sonnabend, 17. August 1889.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowie die Amioncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler _____

in Frankfurt a. M., Eaffel, Magdeburg u. Wien: Rudolf YYTV Qtofirrtrtttrt Messe in Frankfurt M., Berlin, Manchen u. ftßln;®. L AA1V*

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MchM Teilung.

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. Illustriertes Sonntagsblatt.

seinem Ehrentage denn auch einen würdigen und überaus großartigen Schmuck angelegt. Vor der Einfahrt erhoben sich zwei mächtige Flaggenmaste in gelb-schwarzem Anstrich, von denen lange Fahnen in den österreichischen Farben herabwehten. Das Eingangsthor trug Guirlandenschmuck. Von hier aus setzte sich ein Mastenwald fort mit Fahnen, Flaggen und Bannern in den schwarz-weißen, schwarz­weißroten und schwarz gelben Farben bis auf den mächtigen Raum des Kasernenhofes. DaS Wacht- gebäude zu linker Hand war mit Grün und Fahnen bekleidet; unter dem vergoldeten Adler auf der Dach­bekrönung sah man auf weißem Felde den roten NamenSzug des Regiments, daS Ganze war von einem großen Kranze umschlungen. Von der Seiten­wand des gegenüberliegenden ExerzierhauseS flatterten lange, weiße, schwarzgeränderte Banner herab, welche in goldenem Lorbeerkranz die goldenen Initialen unseres Kaisers zeigten. Die Dekoration der Kaserne und des Denkmals für die in den letzten Feldzügen Gefallenen des Regiments auf dem Kasernenhofe nötigte jedem Eintretenden Ausrufe der Bewunderung ab. An den ganzen Fronten zogen sich ober- und unterhalb der Fenster Guirlanden und Bogen hin, und auS den oberen Etagen wehten Flaggen in den preußischen, deuffchen und österreichisch-ungarischen Farben. Vor dem Portal deS Mittelbaues erhob sich wiederum ein Mastenwald mit Flaggen und Bannern. Den Hauptglanzpunkt der Dekoration bildete jedoch daS Denkmal vor der Mitte des Exer­zierschuppens. Ringsherum erhoben fich Flaggen­stangen mit reichem Fahnenschmuck, untereinander mit Guirlanden verbunden. Die Mitte der vordersten Stangen zierten Woppenschilde mit dem österreichischen Doppelaar und dem preußischen Adler, die übrigen silberfarbene erhabene Schilde. Der Gesamteindruck war, wie gesagt, ein überwältigend großartiger, und die ganze Ausschmückung, an der viele hundert Hände thätig gewesen, mit anerkennenswertem Fleiß herge- stellt. Der ganze Platz war sauber geharkt und die Einfahrtsstraße mit dickem Kies bestreut. So groß nun aber auch die Freude über den hohen Besuch war, so floß in dieselbe doch ein kleiner Tropfen Wermut infolge des schlechten Wetters, das sich immer ungünstiger gestaltete, je näher die Zeit der Ankunst der Monarchen anrückte. Betreten wir nun das Innere der Kaserne und wenden uns zu den Räumen, in denen die Vorbereitungen zum Dejeuner getroffen waren. Der Weg dorthin führt durch die kostbar dekorierte Halle in der Ecke der Kaserne des Füsilierbataillons, welche au den Mittel-

war herrlich. Ein sanfter Wind ging durch zwei Reihen Fichte», die den laugen Banmgang bildeten, der zürn Hanse führte. Der Hund bellte im Hof, und das Echo des Waldes antwortete. Man hörte den melancholischen Ton bet Schellen, bie an bem Halse bet aus bet Wiese weidenden Tiere hingen.

Die Uhr schlug elf. Ich konnte mich zeigen, ohne Furcht jemand zu begegnen. Ich sah, wie man ein Licht nach bem onbern auslöschte. Das Henriette» brannte allein. Sie dachte ohne Zweifel an Gustav nnb schrieb ihm vielleicht.

Ich hestete meine Augen auf dieses Licht, bis es erlosch wie die andern, gleich darin den kleinen Kinder», deren Blick ein ungebrannte» Stück Papier nur verläßt, wenn bet letzte Funke bavon verschwunben ist- 3ch stieß einen langen Seufzer ans nnb ging fort.

Auf einmal hörte ich jemand fich hinter mir be« toecen. ES wat bet Lieblingshnnd beS Rats, mein aller Freund, der meinen Sputen knurrend folgte, als ob er mich von diesem Ort verjagen wollte, den ich durch meine Gegenwart besudelte.

Wachtel, mein Junge, Du bist es? Sttll, Wachtel! Still!" Aber ohne mehre Liebkosungen er» ttibern zu wollen, fuhr er fort zu bellen nnb balb stimmten alle anbern Hunde btS Hauses ein. Ich flüchtete auf die Felder.

Am folgenden Tag, nachmittags, begab sich mein Onkel nach RöSwill. Sobald er abgefahren war, stiea ich in mein Zimmer hinauf und »ahm ein großes Fernrohr, das ich nach dem Hause des Rats hinrichtete. Ich bemerkte auf einer Anhöhe die regel» mäßige Bewegung vou etwas Weißem.

ES ist Johanna, die fich schaukelt", tief ich ans, vor Freude entzückt.

Und ick brachte den ganzen Nachmittag damit zu in dieser Richtung zu suche». Endlich müde, nichts mehr zu bemerken, warf ich mich auf einen Stuhl, einer fieberhafte» Aufregung unterliegend, die wich erst verließ, als ich den Wagen meine» Onkels znrflck- lommcn hörte.

bau grenzt. Hohe Lorbeerbäume und farbige Blatt­pflanzen umsäumten den Eingang. Bon der Halle auS, deren Wände die Namen der Gefallenen der 9. und 10. Kompagnie enhalten, gelangt man über die mit roten Läufern belegte Steintreppe zu dem in der ersten Etage gelegenen Offizierkasino. Zu­nächst ist es das Kommandeurzimmer, in daS man vom Flut eintritt, und das seinen Namen hat von den Bildern der sämtlichen Kommandeure, welche das Regiment seit seinem Bestehen bis auf den heu­tigen Tag gehabt, beginnend mit dem Oberstleutnant von Klüks und endigend mit dem Erbprinzen von Sachsen-Meiningen. Zwischen diesem Wandschmuck sieht man auch das bekannte Bild der Erstürmung von Le Bourget, an der daS Franz-Regiment rühm­lichen Anteil genommen. An diesen Raum schließt sich die sogenannte gute Stube deS Kasinos. Sie enthält nur Porträts von Mitgliedern regierender Häuser, darunter die Bilder Kaiser Wilhelm I., Kaiser Friedrichs in seiner schlesischen Dragoner- Uniform, ein Geschenk der Erbprinzessin von Mei­ningen und des verstorbenen Kronprinzen Rudolf von Oesterreich. Die Ofennische ziert ein bronzenes Denkmal, welches an die 1849 gefallenen Kameraden erinnert. Der dritte Raum ist das Frühstück»- zimmer. Wie die vorhergenannten, so ist auch die» von hohem Interesse. Die Fenster mit farbigen Butzenscheiben zeigen die Wappen der Stammbataillone, aus denen das Regiment im Jahre 1814 zusammen­gesetzt wurde, desPommerschen", desWestpreu­ßischen" und desSchlesischen Grenadierbataillons". An der Wand den Fenstern gegenüber hängen die PorttätS der im Feldzuge 1870 gefallenen Offiziere, von denen bei Metz, bei Sedan und vor Paris 22 den Heldentot für König und Vaterland gestorben sind. Von geschichtlichem Werte ist der Ofen, welcher unter dem Sims die auf die einzelnen Kacheln ein­gebrannten Wappen der Kommandeure enthält. Von diesem Zimmer gelangt man in den Speisesaal. Rechts vom Eingänge erhebt sich aus einem Hain von Palmen, Zypressen und exotischen Gewächsen die Büste des hochseligen Kaisers Wilhelm, mit einem Lorbeer kränze auf dem Haupte. Der Fensterseite gegenüber, zu beiden Seiten des Durchgangs zur Gartenveranda, hängen die lebensgroßen Oelporlräts des Kaisers Franz Josef aus st inen jungen Jahren in der Uniform des Franz-Regiments und des Kaisers Franz L Beide Gemälde find auch bekränzt. Der ganze innere Raum des Speisesaals war durch die Tafel ausgefüllt. Die Haupttafel war in Hufeisen­form aufgestellt, nach dem Garten zu offen. Zwei

Der Greis verlangte seine Pfeife, sttzte fich in feinen großen Lehnsessel nnb erlnnbigte fich »ach unserer Gesundheit. Dann begann er an feinem Käppchen zu zerren und sagte zu nnB:Ich habe Euch etwas ganz besonderes zu erzählen."

Was denn, Väterchen?" fragte meine Tante. »Jo der That, Du stehst ganz nachdeukend ans."

Darauf begann er zu erzählen, wie, da her Rat eines Abends seinen Neffen erwartete, der mit Henriette verlobt war, ein junger Mau», der die ganze Familie zu kennen schien nnb sehr gut alle Fragen beant­worten konnte, bie man an ihn that, fich vorgestellt hätte, inbem er fich fflr Karl ausgab. Salb hatte dieser junge Fremde jedermanns Vertrauen gewonnen. Er berichtet, daß Heurielte Herrn Gustav Holm liebt; er erklärt darauf, daß seine Verlobung aufgehoben ist, daß er Henriette nicht liebt und daß er übrigens fich selbst i» Berlin verlobt hat. Der Rat wirb zu­erst böse, giebt aber zulctzt feine Einwilligung zu ber neuen Verbindung nnb ber lustige Fremde läßt bei dieser Gelegenheit ein Familienfest fflr denselben Abend btS Ereignisses veranstalte». Den folgenden Tag früh erscheint der Koufi» Karl nicht, und man bemerkt, daß er verschwunden ist, indem er ein Papier zuröckließ, dessen Sinn niemand begreifen kann. Man wartet zwei Tage lang auf ihn, er kommt nicht wieder. Am brüten Tag zu Mittag kommt ein zweiter junger Mann, ber auch behauptet, Karl zu heiß-n nnb fich al» ben Neffen beS Rats vor stellt. Er zeigt fllaubmfirbige Briefe feines Vater», nnb bie ganze Familie erkennt ihn an tanfenb Umständen als ben wirklichen Koufi». Der erste war also ein Betrüger. Aber Henriette findet fich mit Herrn Holm verlobt nnb ihr Koustn kommt an, nm sie zu heiraten. Heftige Szenen gehe» vor. Der Koustn will bnrch. anS, baß seine Koufine auf ben Mann, ben sie liebt, verzichte, nnb er geht so weit, baß der Rat selbst böse wirb nnb ihm erklärt, daß er ein Thor ist. Er reist ben folgenben Tag Lieber ab, unb nicht ohne Mühe erlangt man von ihm baS Versprechen, übrigens