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MchM Reifung.

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marbnrg nnd Kirchhain. Jllnstriertes Sonntaasblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktton, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch. "

JBL 189.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-Abonnements Preis bei der Expe­dition L'/^Mk., bei den Postämtern 2 Til 60 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Mittwoch, 14. August 1889.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg u-Men; Rudolf Messe tn Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L- Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

XXIV. Jahrgang.

Zur A«k««st des Kaisers Fra«; Josef in K erlitt

Die Empfangs-Vorbereitungen für den Kaiser Franz Josef sind nun beendet; sie haben sich, dem Wunsche des hohen Gastes entsprechend, in einem engen Rahmen gehalten; doch wird sich die Straße Unter den Linden recht vorteilhaft präsentieren, säst kein Haus ist ohne Flaggenschmuck geblieben, geschmackvolle Draperieen haben die größeren Casös angebracht; lustig im Winde wehen heute die schwarz- gelben und schwarz-weiß-roten Flaggen und Fahnen und rufen dem Kaiser Franz Josef einherzliches Willkommen" zu. Hier und da sind auch die Büsten des österreichischen Herrschers ausgestellt, aus einem Blum en parterre lugen sie hervor. Zu den östcr- nichischen Fahnen gesellen sich auch die italienischen, so ist auch in dieser Weise der Dreibund zum Aus­druck gebracht.

Ist natürlich der Flaggenschmuck Unter den Linden am reichsten, so hat man auch in den an deren Straßen des Tages nicht vergeffen, namentlich in den großen Verkehrsadern, in der Lcipzigerstraße, in der Friedrichstraße grüßt uns ein ganzer Flaggen­wald, von einem Dach zum anderen ziehen sich die Fahnen hin, um viele Portale und Häuser ziehen sich Guirlanden, aus denen schwarz gelbe Fähnchen hervorschauen.

Das Leben Unter den Linden trug bereits gestern einen sestlichen Charakter; und das Leben fing früh an oder hörte recht spät auf. Um die erste Stunde uach Mitternacht des Sonntags standen Unter den Linden in dichter Kette viele hunderte von Menschen, um den Kaiser begrüßen zu können. Auf dem Lehrter Bahnhof, wo der kaiserliche Extrazug 12 Uhr 40 Minuten einlicf, war es jedoch recht still, nur wenige Menschen hatten sich eingefunden; zur Be­grüßung war der Gouverneur, der Kommandant don Berlin, der Polizeipräsident erschienen.

Kaum war die Maschine zum Stehen gebracht, als der Kaiser und Prinz Heinrich den Perron be­traten und mit herzlichem Händedrucke den Kom­mandanten, Gouverneur rc. begrüßten. Der Kaiser sah ungemein frisch und wohl aus, die frische See­luft und des Nordlands Sonne hatten das Gesicht tief gebräunt; der Kaiser trug die Militär-Uniform, um die Schultern hatte er den Militärmantel ge­worfen, das Haupt mit der weißen Marincmütze bedeckt. Der Kaiser und sein Bruder bestiegen einen offenen Zweispänner und fort ging cs in schneller Fahrt dem Schlöffe zu. Die Hochrufe Unter den

Linden setzten ein, kräftig und weitdrirgend; herz­lichst dankte der Kaiser für diese Grüße.

Am Sonntag früh strömten Tausende den Linden und dem königlichen Schlöffe zu; der Andrang des Publikums war ein so gewaltiger, daß die Paffage recht erschwert war. Da brachen laute, fortwährend sich erneuernde Hochs aus, der Reichskanzler kam angesahren, er trug die Uniform seiner Halberstädter Kürassiere, das Aussehen war ein kräftiges und gutes. Der Kanzler begab sich in das königliche Schloß, er blieb lange bei dem Kaiser. Die Haupt­wache rückte heran; dieses militärische Schauspiel hat von. seiner alten Anziehungskraft nichts verloren; die Flutwelle, welche das Musikkorps umgicbt, bleibt dieselbe mächtige, fortwährend sich vergrößernde.

Ueber den Schloßplotz marschierten strammen Schritts, unverrückten Auges die Garden, da teilten sich an einem der Fenster des Schloffes die Vor­hänge, der Kaiser sah seine Truppen vorüberdefilieren, hinter dem Monarchen stand die Kaiserin. Mit lautem stürmischem Jubel begrüßten die Tausende das Herrscherpaar. Die zum Ehrendienst des Kaisers Franz Josef und zum Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich - Este kommandierten Offiziere mel­deten sich beim Kaiser, mit den Angehörigen des Hosmarschallamts besprach derselbe dann noch die letzten Vorbereitungen.

Am Nachmittag ging ein strömender Regen hernieder, grau in grau war der Himmel überzogen und spannungsvoll schauten Viele zum dunklen Firmament empor, stellenweis wurden die Fahnen wieder eingezogen. Heute früh machte der Himmel ein fröhlicheres Gesicht, die dunklen Wolken teilten sich und nun hieß es allgemein »Fahnen heraus." Unter den Linden sah man die Eisenbahner <üi voller Thätigkeit, mit eimr affenartigen Geschwindigkeit errichteten sie vom Schloß bis zum Brandenburger Thor den Feldtelegrophen; er soll heute nachmittag in Funktion treten, die Batterie auf dem Lustgarten wird benachrichtigt werden, wenn die beiden Kaiser sich dem Brandenburger Thor nähern und der Salut der Geschütze wird dann erkrochen.

Vom Bahnhof Tiergarten bis zum Schloß werden beim Einzug der beiden Kaiser die Gardctruppen Spalier bilden. An der nördlichen Seite der Charlottenburger Chauffee werden stehen: vom Bahnhof bis zum »Großen Stern": das Kaiser- Franz Garde-Grenadicr-Rcgiment Nr. 2 und das 2. Garde-Regiment z. F., von da b!s zur König grätzerstraße: das Garde-Füsilier-Regiment und das 4. Garde-Regiment z. F., die 4 Regimenter unter

Befehl des Oberst Frhrn. von Wilczeck. Gegenüber auf der südlichen Seite stehen: daS 1. Garde- Regiment z. F., das 3. Garde-Regiment z. F., das Garde-Jäger- Bataillon, das Lehr-Jnfanterie-Bataillon, die Unterosfizier - Schule und das 4. Garde-Regi­ment z. F. unter Befehl des Generalmajor von Lindequist. Vom Brandenburger Thor wird das Spalier die Linden entlang weiter gebildet auf der Nordseite vom Leib-Garde-Husaren-Regiment dem 1. und 2. Garde-Feld-Artillerie-Regiment, dem Garde-Kürassier-Regiment und dem Garde-Schützen- Bataillon unter dem Kommando des Generalmajor v. d. Knesebeck. Auf der Südseite stehen das Kaiser- Alexander-Garde-Grenadier Regiment Nr. 1 und das 3. Garde - Grenadier - Regiment Königin Elisabeth unter dem Kommando des Oberst Blecken von Schmeling. Von der Schloßbrücke, am Lustgarten, Front nach dem Schlöffe, steht das Regiment Gardes du Corps mit Ausnahme einer Eskadron, welche gegenüber zwischen Schloßbrücke und Rampe des Schloffes Aufstellung nimmt. Auf der Rampe hält die vom Franz-Regiment gestellte Ehrenwache; drei Kompagnien vom selben Regiment stehen zwischen Dom und Schloß.

Der Kaiser von Oesterreich bezieht die Königs­kammern im königlichen Schlöffe; die schönste Fürsten­wohnung, welche sich in dem letzteren befindet und welche Kaiser Franz Josef auch bereits bei seiner letzten Anwesenheit im Jahre 1872 inne hatte. Der Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich-Este bezieht die Kleistsche Wohnung im Schlöffe, wo auch das ganze Gefolge des Kaisers wie des Erzherzogs untergebracht ist, auch das diplomatische Gefolge des Kaisers, der Minister des kaiserlichen Hauses und des Acußern Graf Kalnoky, Sektionschef im Ministerium des Acußern von Szögeny-Marich, der Legationsrat Graf Wydenbruck. An dem Schloß- Portal, welches zur Wohnung des Kaisers von Oesterreich führt, ist man mit der Herrichtung eines Baldachins beschäftigt.

Die Ausschmückung des Bahnhofs .Tiergarten" ist heute früh vollendet worden. Der Baldachin, welcher die offene, nach der Bachstraße führende Treppe überdeckt, ist vier Meter hoch und mit roten, goldbordierten Stoffen und Sammt reich drapiert. Den Eingang flankieren hohe Masten, von denen die deutsche Reichsflagge und die österreichisch-unga­rische Fahne herabweben. Das Innere des Balda­chins nach der Treppe zu ist mit weißen Decken be­hangen und mit deutschen und österreichischen Fahnen geziert. Die Treppen selbst, sowie der Eingang zu

denselben sind mit kostbaren Blumen besetzt. Die Stadtbahnbögen, durch die die Treppe hinabführt, sind abgeschalt und schwarz-gelb drapiert und mit Wappen und Kränzen behangen. Auch der Ausgang nach der Straße prangt in herrlichem Schmuck. Hier sieht man große Cartouchen mit Kaiserkronen und Adlern, die durch Guirlanden und FcstonS mit einander verbunden sind. Auch das kaiserliche Schloß hat dem hohen Gaste zu Ehren Schmuck angelegt, lieber das Portal zunächst der Schloß­apotheke wölbt sich ein mächtiges Belarium, das von goldenen Masten gehalten wird. Das Belarium zeigt auf goldbrokatenem Grunde die preußischen Adler. Auf dem inneren Behang sieht man in der Mitte die Wappen Oesterreichs und Deutschlands, seitlich eingefaßt von Bordüren mit dem preußischen und österreichischen Adler. Die Seiten sind mit Stoffen in österreichischen und deutschen Farben drapiert.

Wien, 12. August. Der Kaiser ist gestern, abends 9 Uhr, mit großem Gefolge nach Berlin abgereist. Auf Wunsch des Kaisers unterblieb jede offizielle Verabschiedung. Der Kaiser traf kurz vor 9 Uhr auf dem Bahnhofe ein und unterhielt sich bis zum Abgänge des Zuges mit dem Minister Grafen Kalnoky und dem Sektionschcs Szögyenyi. In Prag besteigt Erzherzog Franz Ferdinand den Zug.

Aussig, 12. Aug. Der Kaiser Franz Josef traf heute früh 7 Uhr 45 Mi», kn Aussig ein. Auf dem Perron des Bahnhofes waren die Spitzen der weltlichen und geistlichen Lokal-Behörden unter Führung des Bezirkshauptmanns Hütter, sowie eine Deputation des Adels unter Führung des Fürsten Moritz Lobkowitz zum Empfange anwesend Nach­dem der Kaiser, welcher in Marschalls-Uniform war, dem Waggon entstiegen, schritt derselbe auf den Bezirks Hauptmann zu und erkundigte sich bei demselben über die Industrie- und Arbeiterverhält­nisse des Bezirkes. Der Kaiser ließ sich sodann die einzelnen Spitzen der Behörden vorstellen und be­ehrte mehrere der Herren mit huldvollen Ansprachen. Hierauf nahm Se. Majestät die Vorstellung der durch den Fürsten Moritz Lobkowitz geführten Adels­deputation, bestehend aus 8 Herren und 5 Damen, entgegen und unterhielt sich längere Zeit mit den­selben. Se. Majestät begab sich sodann in den fest­lich geschmückten Wartesaal und nahm daselbst mit dem Erzherzog Franz Ferdinand das Frühstück ein. Für die Begleitung war in den anstoßenden Lokali- täten serviert. Nach kaum 10 Minuten Aufenthalt

Ei« toller Stretch.

Humoristische Erzählung von F. E. Jensen.

(Fortsetzung.)

Daun drehte sie mir de» Rücken zu.

.Kinder", sagte der Rat, .wollt Ihr Euch streiten? Glaubt mir, Ihr gleicht eiuauder so sehr, daß dies immer eine Ursache zur Uueiutgkeit zwischen Euch sein wird."

.Sie schmeicheln mir, Oukcl", sagte ich.

.Aber ich finde wich gar nicht geschmeichelt", er- diderte Johaova. Ich Hebe die launischen Menschen nicht. Glücklicherweise bist Du der Verlobte Henriettes und nicht der meinige. Heuttette ist viel « nachsichtig."

Henriette warf ihrer Schwester eine» flehenden Blick zu.

.Ja", sagte Johanna, Teinctwegeu werde ich suche», auch nachsichtig zu feto. Doch, ich sage es Dir vorher, weru Tu ihu nicht znr rechten Zeit zu iesseru suchst, so wird er Dir böser verursache». Mau wird ihn daran gewöhne» müsse», uur darauf zu antworten, was man ihu ftagt."

Darauf reichte sie mir die Hand.

«Bereust Du Seine Sünden?"

.Bon ganzem Herzen."

.Bitte um Verzeihung und versprich, Dich zu iefferu."

.Ich bi» ein großer Sünder. Ich verspreche eS Dir, und bitte Dich um Verzeihung."

Ich drückte einen heißen Krß auf ihre Hand.

.Gut, daS genügt, jetzt bitte auch Henriette um Verzeihung und umarme sie. Ich habe Euch »och richt »warme» sehe» und möchte scheu, wie dies Guck steht."

Ich brauche uicht darauf aufmerksam zu mache«, daß diese Einladung Henriette so sehr alS wich in eine schreckliche Verlegenheit fitzte. Dennoch mußte tt anSgeführt werden. Ich umarmte sie brüderlich uud Gott weiß, wie sehr dieser Kuß mein Gewiffe» verzehrte.

.In Wahrheit, für einen Unbesonnenen ist eS sehr paffend", sagte Johanna; .mau möchte sage», daß dies feto erster Versuch ist."

Meinetwegen", sagte der Rat.Der Friede ist geschloffen, er dauere lauge! Jetzt Neffe, komm mit wir uud steh mein neue8 Pferd an, das ich vor einiger Zeit gekauft habe. Wir werden scheu, ob Du Dich ebenso gut auf die Zähne eines Pferdes, als auf die hübschen Schauspielerinnen Hamburgs verstehst."

Laßt doch Karl ein wenig ruhig", bat die Fran den Rat.Wahrlich, Ihr müßt ihu langweile». Der eine fragt ihu nach dem Kalender, der andere uach der Tierarzueikunde, sogleich will ich ihu meiner­seits über die Kochkunst prüfe». Karl, ich werde Dir etwas raten: gieb ihnen immer recht. Sonst würdest Tu Gefahr laufen, als Unwiffender be­handelt zu werden."

Er könnte eS wage», ohne dies", sagte Johanna. Ach. Vcrzeihnrg! ich vergaß, daß der Friede ge­schloffen war."

Nachdem ich daS Pferd besehen hatte und einen Augenblick mit dem Rat spazieren gegangen war, ging ich allein in den Garte». Bald kam Henriette, mich da zu treffen. Jude« sie mich bemerkte, er­blaßte sie, und iL bemächtigte wich ihrer Hand, nm sie auf eiue Bark zu sitze».

Korsin", sagte Henriette, nachdem sie sich svon der ersten Gemütsbewegung erholt hatte,Du mußt erstaunt feto, daß ich Dich um eine geheime Unter» rednug gebeten habe. Wenn Tn wüßtest, wie pein­lich mir dieser Angeublick ist, Du würdest Mitleid mtt mir habe»."

Fräulein, ich biusJhnen eine Erklärung schuldig uud dauke Ihnen für die Selegenhett, die Sie mir gegeben habe», z»--"

Teurer Konst», fei nicht böse ans «ich. Sprich nicht in diese« für Fremde paffenden To», der mich »och mehr leide» läßt. Ich bin Dir eine Erklärung schuldig, uud ach, eine Srklirnug, deren Folgen der

Verlnst Deiner Achtung uud Freundschaft fein wird. O, wie nnglücklich bin ich!"

Weine nicht, gute Konfine, Deine Thränen thun mir weh. Ich werde alles in der Welt thun, nm Dich glücklich zu fehe». Mein Lebe» und alles was ich habe, gehört Dir."

Die dopptlte Bedeutung, die man diese» Worten geben konnte, ließ Henriette heiße Thränen vergießen.

Man findet immer Trost im Unglück", fuhr ich gute Gott hat das Gegengift neben das Gift gestellt. Vertran Dich mir ganz, nnd, wenn eS w r nicht gelingt, Dir das Glück zurückzugeben, fo fei überzeugt daß eS geschieht, weil es nicht auf meinen bloßen Willen aukowmen wird."

, O Karl!" sagte Henriette lebhaft,sprich nicht zu mir mit so viel Eanftmnt; ich verdiene es nicht. 6oflL^trJ.ieber' doß Du mich hoffest, daß Dn mich vcraomeust 1"

-Fein, Henriette, wenn ich so spräche, so würde ich.Dich tanschen. Meine Gefälligkeit kann nicht so weit gehen." '

../3a, Haffe mich, verabscheue wich", erwiderte sie schluchzend.Wern Du wüßtest--Mein Gott!

wie soll ich cs ihm sagen ?--Wenn Du wüßtest--

Nein, ich kann nicht--"

, »Teure Henriette", sagte ich mit Rührnog,Dn 6 & i"' tiue Erklärnug zu geben; ich will Dir Deine» Schritt leichter mache». Ich will Dei» Her, von einer für feine Kräfte zu schweren Last befreien. Dn kommst, um nufere Verlobung anfzuhebeu, ich weiß eS."

- "£n rief sie ganz erschrocken anS.

Habe Mitleid mit mir, Karl! Laß wich einige Angenblicke allein. Ich wage nicht, die Angen an Dich zn erheben!"

Sie verbarg ihr Gesicht in ihr Taschentuch, daS sie mit ihren Thränen benetzte. Ich zog «ich voll Tranrigkeit znrück.

. "welche Lage", dachte ich.Dar arme Mädchen wird vor Kummer sterben, wenn man ihr nicht ihren

Gustav giebt. Gustav ist eiu guter Bursche und nachdem, was der Rat selber von ihm sagte, eine paffende Partie. Der Konstu mnß ein Blödsinniger sein. Aus den Befehl seines Vaters geht er eine Berbindnng mit einem jungen Mädchen ein, die er "icht kennt. Er muß außerdem langweilig und ganz sicher ein weichliches nnd nachlässiges Wesen fein, weil er sich durch einen schlimmen Schnupfen mutlos machen läßt. Henriette ist ein Mädchen von Gefühl, er muß deffen vollstäudig beraubt sein, sonst wäre er schon seit langer Zeit hier gewesen. Wer weiß sogar, ob er sie liebt? Nein, nie wird dieser Mensch Henriette heiraten. Wenn ich den beiden Verliebten riete, die Flucht zu ergreife», während ich hier bin, und wenn ich einige Stnuden nachher mich auch flüchtete. Oder wenn wir in Gesellschaft flüchteten. Dnmmheit! Doch es scheint mir, daß, wenn sie die Flucht ergriffen, der Koufiu nicht mehr daran denken würde, von seinen Rechten Gebrauch zu mache». Und nichtsdestoweniger, wenn er dessen fähig wäre? Ei, der tausend! Was für ein Gezänk würde eS im Hause geben! Da fitzt dieses arme Mädchen und »eint, um einen Stein zn rühren. Oder wenn ich fortführe, meine Rolle bis zu Ende za spiele», nnd, wenn ich förmlich auf ihre Haud im Interesse Gustavs verzichtete, was würde geschehen? Der wirkliche Konst» würde komme» und er würde mit langer Nase nach Hause zurückkehre», um da seine» Schnupfe» zu heile». Oder vielleicht würde ich bester thuo, an diesen Koufin M schreiben und ihm berichte», daß seine Ehe un­möglich ist. Wer könnte bester als ich ihm die Wahrhett der Dinge erklären? Aber nein, mit welchem Recht würde ich einen solchen Schritt thnu? Gleich, viel, was anch komme, weil ich eine besondere Un. besonnenhett begangen habe, so will ich wenigstens bei der Rückkehr das Glück hinter mir laste». Ich muß Segen von hier wttnehmeu. Also ans Werk!

Mein Glück wird mich begeistern."

Henriette saß immer ans derselben Stelle. Ich fitzte «ich neben sie nnd suchte ste zu beruhige«.