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Meutliche Beilagen: Kreis-Blatt fiir die Kreise Marburg und Kirchhain. — Illustriertes Sonntagsblatt.
' e Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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Zig." berichtet, nun endlich doch eine Aenderung des unangenehmen Zustandes erzielt worden, zwar nicht in dem Sinne, daß alle deutschen Postwertzeichen gleiches Recht erhalten haben, aber doch wenigstens insofern, als in Zukunft in den meisten Fällen dem Empfänger der Betrag der unrichtig verwendeten Wertzeichen angerechnet wird. Grundsätzlich ist die Bestimmung, daß Sendungen, welche mit Postwertzeichen eines anderen Postgebietes versehen zur Auflieferung gelangen, als unfankiert zu behandeln und die Postwertzeichen als ungiltig anzusehen sind, beibehalten worden, sie hat aber durch folgenden Zusatz eine wesentliche Einschränkung erfahren : „Sind dergleichen Sendungen des Wechselverkehrs nach demjenigen Gebiete bestimmt, welchem die Postwertzeichen angehören, so zieht die Postanstalt am Bestimmungsorte von dem Empfänger nur das nach Abzug des Wertes der Marken verbleibende Porto ein oder vergütet auf sonstige Weise dem Empfänger den Betrag der unrichtig verwendeten Wertzeichen. Postkarten, welche mit Wertzeichen der Reichs - Postverwaltung, der königlich bayrischen oder der königlich württembergischen Postverwaltung versehen sind und im Bezirke einer anderen deutschen Postverwaltung als derjenigen, welcher das Wertzeichen angehört, aufgeliefert werden, find gegen Erhebung von 5 Pfg. Porto und 5 Pfg. Zuschlaggebühr — zusammen 10 Pfg. — zu befördern. Sind jedoch dergleichen Postkarten nach demjenigen Gebiete bestimmt, welchem das Wertzeichen angehört, so ist am Bestimmungsorte von dem Empfänger nur der nach Abzug des Wertes der Marke verbleibende Betrag einzuzieh en." Wurde bisher ein Brief von München oder Stuttgart mit einer Reichs- postmarke nach Berlin gesandt, so mußte der hiesige Empfänger 20 Pfg. zahlen, von jetzt an zahlt er nur noch 10 Pfg. Eine Reichspostkarte, in München nach Stuttgart aufgegeben, brauchte bisher gar nicht befördert zu werden; in Zukunft hat der Empfänger nur 10 Pfg. zu zahlen. Für eine Reichspostkarte, die in München oder Stuttgart nach Berlin aufgegeben wird, hat der hiesige Empfänger von jetzt an nur noch 5 Pfg. nachträglich zu entrichten. Das Uebereinkommen ist am 25. Mai d. I. abgeschloffen worden, dem Publikum aber bisher nicht bekannt geworden, weil es im amtlichen Teile des .Reichs- Anzeigers" nicht veröffentlicht worden ist.
Hannover, 4. Aug. Mehr als 2000 Brieftauben aus mehr als 60 Vereinen der Städte Krefeld, Deutz, Eupen, M.-Gladbach, Nippes bei Köln, Zülpich, Altendorf (Rheinland), Barmen,
warfen wir alles weg, um nach den Schmetterliugeu zu laufe». Einen Augenblick nachher gingen wir langsam, und Johanna begann mir tausend unbedeutende Sachen zu erzählen, welche der neue Koufin wohl wissen mußte. Ich kam dahin, mir einzubildeu, daß ich der wirkliche Konsiu Karl wäre.
»DaS ist unglücklich", sagte sie, »daß meine Schwester Henriette leidend ist; aber wir wolle» hoffen, daß sie eS morgen nicht wehr ist."
.Ich versicherte dem liebenswürdige» Kind, daß ich bei ihr keineswegs die Abwesenheit ihrer Schwester bemerkte.
.Welch herrliche Erklärnug für einen Verlobten der elf Jahr hat auf sich warten lassen', sagte sie.
.Henriette war nicht sehr erfreut über meine Ankunft.'
.Du mußt eS nicht übel nehmen, Sovfi». Schau feit länger als einem Monat sieht sie immer so melancholisch auS; aber das wird vergehen. ES liegt übrigens einmal in ihrem Charakter. Wenn Du wüßtest, wie gut sie ist! Sie taugt viel mehr als ich.'
.Aber ich will eine lustige Frau, deuu ich liebe die Lustigkeit über alles.'
.Wie wunderbar ist daS I Wir dachten uns, Du wärest ei» ruhiger und ernster Meusch, und mau hatte Dich augeklagt, im höchsten Grade langweilig z« fein. Auch beklagte ich oft die arme Henriette. Nach mir ist ein langweiliger Ehemann das Uner- träglichste der Welt. Glücklicherweise brauche ich sie nicht mehr zu beklagen.'
Ich würde sie gern umarmt haben.
.So hast Dn also', sagte ich, ,»nr mit Furcht und Schrecke» au mich gedacht. Und wer hat wich auf eine so vorteilhafte Weise geschildert?'
,Det« Vater selbst, und dann der Brief, welche» Dn an Henriette am Tage ihrer Einsegnung schriebst, indem Dn ihr Deinen Berlobungsring schicktest. Und, tu der That, lieber Konst», dieser Brief war sehr wenig einnehmend. Papa halte die größte Mühe,
M 185.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-Abonnemevts Preis bei der Expedition 2'/» Mk-, bei den Postämtern 2 Mk- 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
F, .....
Marburg,
Freitag, 9. August 1889.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf TT1V Qftfirftftttft Moste in Frankfurt a. M-, Berlin, München u. Kölu;G. L- Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
-rittsches Reich.
Berlin, 7. August. Bei der am 12. d. M., »chmlttags 5 Uhr, auf dem Tiergarten-Bahnhof erbenden Ankunft Sr. Majestät des Kaisers von Oesterreich, Königs von Ungarn, bilden die Truppen
Garde - Korps, mit Ausnahme der Artillerie- Ehießschule und des 4. Garde-Grenadier-Regiments nigin, Spalier. Auf dem Bahnhof Tiergarten ht die Leib Kompagnie des 1. Garde - Regiments , F., vor dem Königlichen Schloß eine Kompagnie es Kaiser-Franz-Garde-Grenadier-Regiments Nr. 2 «t Fahne und Regünentsmusik als Ehrenwache, lor dem Wagen der Majestäten reitet die Leib jkadron des Regiments der Garde du Korps, hinter 1 mjenigen des Erzherzogs Franz Ferdinand von >sterreich-Este eine Eskadron des Garde-Kürassier - iegiments. Im Lustgarten wird die Leib-Batterie Lg 1. Garde-Feld-Artillerie-Regiments ausgestellt, solche leim Einfahren der Majestäten in das Branden- ferger Thor mit dem Salutschießen beginnt. Es werden 101 Schuß abgegeben. Abends 8*/2 Uhr Pndet ein großer Zapfenstreich vor dem Königlichen sCchlosse, Lustgartenseite, statt, ausgesührt von sämt- Men Musikkorps des Garde-Korps, mit Ausnahme «sjenigen des 4. Garde-Grenedier-Regiments Königin. — Vom Husaren - Regiment Kaiser Franz oseph von Oesterreich, König von Ungarn (Schles- ig-Holstein.) Nr. 16 treffen 6 Unteroffiziere hier n, welche den Dienst als Ehrenposten bet der Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers von Oesterreich or Allerhöchstdessen Gemächern versehen sollen. — ultuminifier von Goßler, der heute seinen Urlaub »tritt, wird denselben in der Schweiz verbringen. — !er „Reichsanzeiger" meldet: Die sofort an Ort id Stelle angestellten amtlichen Ermittelungen er» iben, daß die Nachricht, in Russisch-Polen nahe der kkußischkn Grenze sei die Rinderpest ausgebrochen, «richtig ist. In den bezeichneten russischen Kreisen mden mehrere tätlich verlaufene Milzbrandsälle statt, lein auch diese nicht umfangreiche Epidemie ist be- kits erloschen. Ueberdies ist die preußische Grenze nt Jahren gegen den Import russischer Wiederkäuer reng gesperrt, so daß keinesfalls die Einschleppung wer Seuche zu befürchten ist. Auch der Vieh- hmuggel hat seit längerer Zeit völlig aufgehört. — n der von den Bäckergesellen gestern abend abge- -ltenen sehr zahlreich besuchten Versammlung wurde schlossen, den Lohnkampf nochmals aufzunehmen »d die Beschränkung der Arbeitszeit von 10 Uhr bends bis 10 Uhr früh sowie einen Minimallohn
von neun Mark für den jüngsten Gesellen ansteigend bis 15 Mark für den Werkmeister zu fordern. Der Tag des zu proklamierenden Generalstreiks soll bis zu dem Morgen des Tages, wo derselbe beginnt, geheim gehalten werden.
— Vom orientalischen Seminar wird berichtet: Im orientalischen Seminar haben am Sonnabend die Diplom-Prüfungen begonnen, über welche der „Reichs-Anzeiger" vor einigen Wochen einen Erlaß veröffentlichte. Nach dem bei Errichtung des Seminars aufgestellten Programm dauert der Kursus für das Chinesische 6—8 Semester, sür das Japanische 6 Semester, sür Hindustanisch, Arabisch, Persisch und Türkisch je 4 und für Suaheli 2 Semester. Da die Eröffnung des Seminars mit dem Beginne des Wintersemesters an der Universität 1887 erfolgte, so sind jetzt die ersten 4 Semester verflossen und am Sonnabend hat die Prüfung im Türkischen stattgefunden, an welche sich diejenige im Arabifchen anschließt und dann die im Persischen und Hindustani. — Von den int Seminar geübten Sprachen treten nach und nach zwei in den Vordergrund, nämlich das Suaheli und das Chinesische. Tas Suaheli, welches im engsten Zusammenhänge mit dem Arabischen steht, kommt selbstverständlich dadurch in Frage, daß ein sehr großer Teil des Suaheligebietes unter deutschem Schutze steht, wohin zahlreiche Deutsche sowohl in amtlichem wie in privatem Auftrage Jahr aus Jahr ein ihren Weg nehmen müffen. Die Kenntnis der Landessprache ist für alle ein dringendes Bedürfnis. Das Chinesische wird von vielen jungen Leuten, welche nicht die amtliche Laufbahn einschlagen wollen, gehört, da offenbar zwischen Deutschland und China lebhafte Handelsverbindungen bestehen. Es sind schon fünf Schüler des Seminars, welche geschäftlichen Kreisen angehören, nach China abgegangen, um dort Stellungen in europäischen Häusern einzunehmen. — In Bezug auf das Hindustani hat man andere Erfahrungen gemacht; zunächst wird das eigentliche Hindustani in dem großen als Indien bezeichneten Ländergebiete nur von 30 bis 34 Mill. Menschen gesprochen (also nicht viel über 10 Prozent der Gesamtbevölkerung), dann aber hat sich heraus- gestellt, daß doch die Beziehungen Deutschlands dahin sehr geringe sind. Das Bedürfniß, sich diese Sprache anzueignen, ist daher bei uns kaum vorhanden. Demzufolge ist der Besuch des Hindustani- Unterrichts sehr schwach. Da das orientalische Seminar dazu bestimmt ist, den Hörern die betreffenden Sprachen in ihrem gegenwärtigen Stande und namentlich auch ihre fortschreitende Entwickelung
beizubringen, so werden für die Bibliothek eine größere Anzahl von Zeitschriften in jenen orientalischen Sprachen gehalten. Bei dem Lesen dieser Blätter kommen nicht selten höchst intereffante Nachrichten zum Vorschein, namentlich bietet es hohes Interesse, die Anschauungen der orientalischen Völker über Europa zu hören und Tagesereigniffe von ihnen betrachtet zu sehen. So ist in den türkischen und arabischen Zeitungen sehr viel von Berlin und Deutschland die Rede, die Reise des Schah von Persien z. B. durch die europäischen Staaten ist in ihnen ausführlich geschildert mit höchst charakteristischen Bemerkungen. Auch wird viel vom Kaiser, von Bismarck, vom deutschen Heere gesprochen. Nicht minder bemerkenswert sind die Darlegungen dieser Blätter über ihre heimischen Angelegenheiten. Man kann daraus oft einen Einblick gewinnen, der uns auch nach den besten Darstellungen von Europäern verborgen bleibt. Alle diese Dinge sind vollständig für uns vergraben und selbst mitunter ganz wichtige Meldungen kommen daraus nicht zu unserer Kenntnis. Diese Beobachtungen haben bei den Lehrern des orientalischen Seminars den Gedanken reifen lassen, ob man nicht solche Dinge und interessante Betrachtungen übersetzt und damit zu weiterer Kenntnis bringt, daß man sie in einer Korrespondenz erscheinen läßt, welche den deutschen Zeitungen zugänglich gemacht wird. Der Plan ist zwar noch in den Vorberatungen, doch ist die Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß er zur Ausführung kommt; es würden zunächst die einzelnen Nummer nach dem vorhandenen Stoff zwanglos, also nicht in bestimmten Zeiträumen, erscheinen.
— Im Gebiete der bayerischen und der württembergischen Postverwaltung werden bekanntlich besondere Postwertzeichen auSgegeben und verbraucht. Ein Brief, welcher eine Freimarke der Reichspostverwaltung trägt und bei einer bayerischen oder württembergischen Postanstalt aufgegeben wird, galt bisher als unfrankiert, und eine Postkarte der Reichspostverwaltung, welche innerhalb der bayrischen und württembergischen Grenzpfähle einer Postanstalt zur Beförderung übergeben wurde, brauchte nicht abgesandt zu werden. Hierdurch entstanden namentlich in der sommerlichen Reisezeit viele Uebelftänbe, ihre Abstellung konnte aber bisher, obwohl im Reichstage die Sache mehrfach zur Sprache gebracht wurde, nicht erfolgen, weil Bayern und Württemberg an ihrem Postreservatrechte festhielten und sich zu keinen Konzessionen verstehen wollten. Durch ein kürzlich getroffenes Ueberemkommen ist, wie die „Magdeb.
Ei« toller Stretch.
Humoristische Erzählung von F. E. Jensen.
(Fortsetzung.)
.Vorwärts, sprich mein Junge, thu' Dir keine» Bang an. Ich selbst bi» vor sehr vielen Jahren Harnbmg gewesen, und, als ich znrückkehrte, hatte Ä soviel zn erzählen, daß man genötigt war, mich fün Aufhöreu zn veranlasse».'
I Welches Glück! Ich kenne Hamburg wie meine lasche. Und ich schickte wich an, eine Erzählung I Ach Art meines Onkels zu mache«, d. h. fast ohne t»be. : Der gute alte war entzückt, alle die Ver.
i iaderungeo zu hören, die in dieser großen Stadt Nt sich gegangen waren, seitdem er sie verlasse» hatte.
suchte in meine Erzählung so viel Geist und Äteresse als möglich zu leger. Der Kousiu Thomas Atzte seine beiden Ellbogen auf den Tisch und brach tft in ein lautes Gelächter aus. Meine Tante ließ tinigemal ihr Strickzeug falle», um die Heinen Zeichnungen zu betrachte», mit dcneu ich meine Er. iihluug begleitete. Fräulein Henriette sah mich mit edler weniger wider»äitigen Miene au, als vorher, Nb Johanna, die entzückende kleine Johanna, richtete N mich touskud Fragen über die Damen, die Mode» Nb die Theater von Hamburg. Die Antworten fchltcn keineswegs, den» ich hatte jeneFtageu gründ- Vch studiert.
.Ich wußte wohl', sagte der Rat, daß, wen» Ria Mund einmal im Gong wäre, wir neues Uten würde». Wie large bist Du in Berlin ge» Nieten ?*
»Sogleich, mein Onkel. Ich bin ja noch nicht *it Hamburg ftrtig, ich habe damit noch de» ganzen <eg zu thu». Morgen werden wir auf Berlin »Amen.'
»Morgen", sagte ich zu mir. »Hoffe» wir, daß N heut entkommen werde.'
1 t »Wie Tu willst. Auch ich liebe e», daß alle» j * feiner Zeit geschehe. Hier geht alles zur Stnnde
und zur Minute. Morgens thut jeder, was er will. Punkt zwölf Uhr wird gefrühstückt, grvau drei Uhr zu Mittag und um acht Uhr Abendbrot gegessen. Hier find Bücher und dort find Jagdgewehre, die Pferde find im Stall, benutze alles, als wenn es Dir gehörte.'
»Ich werde einen Spaziergang im Garten machen', sagte ich, indem ich einen Blick des Einverständnisses auf Henriette warf, wovon ich eine große Wirkung erwartete.
Sie achtete nicht darauf, und ich war genöttgt, merken zu lassen, daß ich ei» Fremder wäre und den Weg nicht kenne.
»Ein Fremder", rief bet Onkel. »Ja, allerdings, in elf Jahre» kann man vieles vergesse». Dann wärst Dn ... ich will einmal sehe» ... Ja, so istS . . . Du bist 23 Jahre. Damals warst Du erst zwölf Jahre. Man hätte nicht sagen könne», das Da solch ein lustiger Bursche werde» würdest. Wohlan, Hemiette, zeige Du Deinem Koustu . . .'
»Mir ist nicht wohl, lieber Vater, ich habe schreckliches Kopfweh', antwortete Henriette.
Henriette sah wirklich krank ans.
.Weibeikrankheit!" sagte kopfschüttelnd de^Rat. „Wir kennen daS. Wenn Ihr erst mehr an einander gewöhnt fein werdet, werden diese Arten von Beschwerden verschwinden. Und et heftete einen Blick anf mich, den ich mit einem Zeichen de» Kopses erwiderte, und welches bedeutete:, Ich habe verstaube».«
»Host D» auch Kopffchmerzeo, Johanna? Leidest Du auch an den Nerven?' fragte er.
Ich warf einen bittenden Blick auf Johanna.
»Ich denke, die frische Luft wird mir nicht schaden', antwortete fie lachend.
»Nun wohl, dann übernimm Du Deinen Konstn Karl. Zeige ihm de» Garte», daS kleine Labyrinth, und vergiß hauptsächlich nicht die schöne Feruficht, welche man von dem Ort auS hat, wo fich die Schaukel befindet. Geht Linder.'
Ich drückte dankbar die Hand deS Rat?.
»Komm Koufin", sagte Johansta. »UebrigenS soll ich Du oder Sie sage». Wir müsse» unS vorher darüber verständige».'
»Du, um de» Himmels willen! Du!' rief ich. »Sonst würde ich kein wirklicher Konfiu fei». Nicht wahr, lieber Onkel?'
»Gewiß, mein Junge, ich bin zufrieden, zn sehe», daß Du nicht die steifen Manieren so mancher Leute angenommen hast, die Dein immer so ernster Vater so sehr empfahl. Man muß fich immer zeigen, wie man ist.'
Entzückt über den Spaziergang, de» ich mit Johanna zu machen im Begriff stand, fehlte wenig data», daß ich ging, ohne Henriette das geringste Zeichen von Aufmerksamkeit zu geben; aber als ich beinahe die Thür erreicht hatte, besann ich mich plötzlich und kehrte schnell zvrück, um ihr die Hand zu kiffen und gute Befferuvg zu wünschen. Dies brachte die andern zum Lacheu und Henriette selbst konnte nicht umhin, über meine Eigentümlichkeit zu lächeln.
Geneigter Leser, was mußt Du von mir denken, der ich wirklich wagte, die reizende kleine Johanna in den Garten und in das Latyriuth zu begleiten. Ich, ihr falscher Koufin, der ich hätte eingesperrt werden solle», dafür, daß ich mich unter dem Namen eines andern in eine ehrbare Familie eingeschlichen hatte l Ich, der ich ba8 schrcckliche Verbreche» begangen hatte, daS Briefgeheimni» zu verfitzenI Ich ging, die holde und unschuldige Tochter deS Rats an meinem Arm, während ich von ben Dienern und Hnnben hätte fortgejagt werden sollen! Wirklich» eS giebt keine Gerechtigkeit mehr.
Indem ich meine Gesellschaft ansah, erschrak ich über meine Verwegenheit. Johanna in ihrem neuen Linonkleib, ein kleines blaues Tuch um ben Hais, einen große» Strohbut auf bem Kopf, war göttlich. Ich fühlte, baß ich fie anbetete.
Wir liefen wie zwei Kinder. Wir pflückten Blume» deren Namen wir einander lehrte». Wir versahen UNS damtt, nm ein Kräuteibnch anzulegen. Dann