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Illustriertes Sonntagsblatt.
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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einseitiger Weise in den Vordergrund stellten, sind fast verstummt; auch die Söhne John Bull's erkennen, daß die Jntereffen aller friedlich gesinnten Nationen Europas die gleichen sind. Man sieht im britischen Volk ein, daß der nächste Krieg in Europa, wenn er dereinst kommt, kein Krieg zweier Einzelstaaten, sondern eine Auseinandersetzung zwischen den Völkern und Freunden ruhiger Friedensarbeit und den Begünstigern des Nationalitätenhasses und der Unruhe sein wird. Mit einseitigen Friedensschlüffen wird es im nächsten Kriege nicht abgethan sein, seine Folge wird eine Neugestaltung aller Staaten der alten Welt, eine Vernichtung der Ruhestörer sein. Fürst Bismarck hat einmal gesagt, daß den Zeitverhält- niffen entsprechend man regieren muß. Der Ausgang der letzten Kriege hat immer noch eine verhältnismäßig große Milde der Sieger gezeigt; keiner der unterlegenen Staaten ist durch den Krieg ruiniert, alle stehen sie noch heute in flottem Gedeihen. Bei dem nächsten Krieg wird des deutschen Reichskanzlers Wort zweifellos in unbarmherziger Weise zur Geltung kommen, es wird dann nur nach der Erreichung des Zieles gestrebt werden, ein für alle Male den kriegerischen Gelüsten, der Beunruhigung Europas ein Ende zu bereiten. Unter den Folgen des Krieges werden oie unterlegenen Staaten furchtbar zu tragen haben, aber diese Aussicht wird auch eine allgemeine Beteiligung am Kriege herbeiführen und daraus er- giebt sich wieder die Notwendigkeit für alle Staaten mit gleichen Jntereffen, fest zu einander zu halten. Daß jener Krieg kommen wird, davon ist wohl ganz Europa überzeugt, aber ganz Europa weiß auch, daß der starke Friedensbund ihn recht wohl noch auf ein Menschenalter und länger hinaus schieben kann. Noch tragen alle Völker die Lasten, welche die Kriegsvorbereitung ihnen auserlegt. Zur Verstärkung der kriegsfeindlichcn Mächte wird aber die Friedensreise des deutschen Kaisers nach England hoffentlich in hohem Maße beitragen und in diesem Sinne begleiten sie die besten Wünsche von Alldeutschland und Allengland bis zu ihrem Abschluß.
Und das gerade geschah mit mir. Bevor ich es wahrgenommen, hatte ich, ohne ein Wort zu sagen, die Glückwünsche der liebenswürdigen Familie empfangen, Vorteile des Koufin Karl, dessen unwürdiger Vermittler ich nur war.
Der Rat führte mich in den Speisesaal und man setzte sich zu Tisch, gerade als ob mau weine Ankunft erwartet hätte, um die Mablzeit zu beginnen. Meine Verlegenheit war nicht zu beschreiben. Meine ganze Lustigkeit war verschwunden, und weiu gewöhnliches Stchgehevlaffeu fehlte mir jetzt gänzlich, wo ich eS doch so nötig hatte.
Wir hielten ein echtes Familienmahl. Die daran teilnehmenden Persoueu waren: der JDntd, seine Frau, eine alte, gute Tante von ungefähr fünfzig Jahren, die Konfine Henriette, mit eine« interessanten, aber bleichen und etwas traurigem Geficht; die Koustue Johanna, dieses reizende Sind, welche» meine Ver- wirrung veranlaßt hatte, nud endlich der Koufin Thomas, eine lange Stange von zwölf Jahren, deffev Arme die Aermel überragten. Um meine Verlegenheit zn verbergen, befchästigte ich mich bei Tisch, als ob ich vierzehn Tage lang nichts gegessen hätte, und bei jedem Glase, das ich hiuuuterfchlürfte, erdachte ich einen Plau, um aus meiner schrecklichen Lage zu kommen.
.So liebe ich die Leute*, sagte der Rat, indem er zum drittenmal meinen Teller füllte. Et» junger Manu muß essen und trinken, ohne sich zu zwingen. Bei mir muß man thnn, als ob man zn Hause wäre. Ich mag die Leute nicht leiden, welche da sind, um zu kosten und zu lecken, al» ob fie fürchteten, vergiftet zn werden. Wohlan! noch ein Gla» auf Deine glückliche Ankunft! Gut, das heißt feinem Wirt Bescheid thnn und dem Wein Ehre erzeigen. Wer hätte gesagt, daß an» diese» kleinen so furchtsamen Burschen ein so unerschrockener Jüngling werden würde?*
Ich trank ans die Gesundheit meine» Vater» und meiner Mutter, der ganzen Familie, und besonders
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zum Gesetze, betreffend die Jnvaliditäts- und Altersversicherung, gegenwärtig erscheinen, haben sich zwei recht verschiedene Aufgaben gestellt. Die Einen wollen den sozialpolitischen Inhalt und die Mittel zu dessen Verwirklichung den beteiligten Kreisen, insbesondere den Arbeitern selbst, vermitteln, die Anderen wenden sich mehr an Diejenigen, deren Aufgabe es sein wird, das Gesetz auszuführen. Zn der -etzteren Art von Kommentaren wird man einen soeben im Deckerschen Berlage erschienenen, vom Ober-Verwaltungsgerichtsrat Hahn verfaßten zu rechnen haben, dessen Autor zu denjenigen Mitgliedern des Reichstags gehörte, welche an dem Gesetze in seinen verschiedenen Stadien in hervorragender Weise mitgearbeitet haben. Indem der. Text des Gesetzes durch Hinweis auf die bei ben/ Verhandlungen demselben gegebenen Erläuterungen in all' seinen wesentlichen Tellen erklärt wird, dürfte dieser Kommentar wesentlich beitragen, die Aus- und Durchführung des Gesetzes Denen zu erleichtern, welche in Amt und Ehrenamt damit befaßt sein werden.
Stuttgart, 5. August. Ein ärztliches Gut- achten über das Befinden des Königs besagt: ®er gegenwärtige Zustand ist befriedigend, die Veränderungen an der Lunge und am Herzen dauern fortz sind aber jetzt nicht störend; fernerhin ist eine Vermeidung größerer Anstrengungen und klimatischer Schädlichkeiten notwendig. — Auf dem von dem Könige der Universität Tübingen gegebenen Gartenfest in Bebenhausen tränt der König auf das Wohl der Universität, der Professoren und Studierenden aller Länder und nahm nachher einen Salamander entgegen. Geladen waren unter anderen die Studiengenoffen des Königs.
Deutsches Leich.
Berlin, 5. Aug. Die Kaiserin Augusta gedenkt, wie uns aus Coblenz gemeldet wird, nach mehrwöchentlichem Aufenthalte daselbst, am 7. d. M. abends gegen 7 Uhr von dort wieder abzureisen und die Rückreise nach Schloß Babelsberg anzu treten. Die Kaiserin Augusta reift mittels. Extrazuges über Gießen, Kreiensen und Magdeburg und wird voraussichtlich am Donnerstag, den 8. d. M.
tfem Sturm entschieden entgegen zu heten. So I es denn nur angebracht, daß die Bestrebungen, Mche das friedliebende Europa vereinigen sollen, per und fester geknüpft werden. Diesen Besttebungen knt auch die Reise unseres Kaisers nach England •b die Wirkung derselben ist in dem Jnselreiche pe tiefgehendere gewefen, als vielleicht gehofft ■erben ist. Die Stimmen in Englanb, welche beendig die knappen Jntereffen Großbritanniens in
Ei« toller Streich.
Humoristische Erzählung von F. E. Jensen.
(Fortsetzung.) Man wird »ich bann wahrscheinlich einlaben,
stschenfall!
Es ist wirklich sehr angenehm, einen schlechten, Kien nud nassen, im Schneckengang sich fortbe- genben Wagen gegen eine weiche nnb bequeme, in eifern Trab bahinrollende Kutsche zu vertauschen, ie Versuchung war zn groß. Ich sprang in den legen, eifersüchtig auf diesen kleinlichen Neffen, ücher das Glück haben konnte, ans einem ffo be- iewtu Wege seine schönen Konfinen zn treffen, nnb k zu Hanse blieb, nm den Gerstensaft zu kosten. M mich anbetrifft, der ich weder Kutsche uoch ine Koufiueu hatte, ich hätte an seiner Stelle nicht 1 gehandelt.
L Die ersten fünf Meilen waren schnell zurückge- Ht. Während der sechsten ließ mich da» sanfte Mänteln de» Wagens in einen tiefen Schlaf Mnfen.
1 Plötzlich hält er. Ich öffne die Augen, noch halb Maftrnnken. Ich sehe Lichter, ich höre das Geräusch Schreier Stimmen, welche in diesem Augenblick die »Nvirrung meine» Geistes noch vermehren. Mau M mich fast aus dem Wagen. Da ist er! Er ist »I Es ist unser Koufin Karl!'
Ich war bei dem Rat von RoeSwill.
fe^ch war im Begriff mich meines Auftrages in bestgewShlten Ausdrücken zu entledigen und nm zeihung zu bitten, daß ich ihn selbst ausgeführt, ■ *6att ben Kutscher damit zu betranen, al» ich, in> •fiten der andern, ein allerliebstes Soufiuchen be» •ttkre, welches neugierig feinen lächelnden nnb an» Ästigen Kopf vorstreckte. Wie war das Mädchen X S6«! Man könnte Kopf und Sprache verlieren.
Go«) eigenartig
Ld die Feierlichkeiten gewesen, welche in der Verbenen Woche im deutschen Reiche bei der lieber« Wrung der Gebeine des Generals Carnot, des , • nwzösischen Roon und Latour d'Auvergnes, des .ersten Grenadiers byt Frankreich*, nach Paris attgrsundeu haben. Sowohl die preußische wie die lyrische Regierung, welche hier in Betracht kommen, oben alle militärischen Ehren angeordnet, die be an Begräbnis deutscher Generale üblich sind und esonders bei der Uebersührung der sterblichen Ueber- che des Generals Carnot, des Großvaters des gegen- läitißen Präsidenten der französischen Republik ist 's in ganz besonderer Pomp entwickelt. Damit ist on deutscher Seite auss neue der Beweis geliefert, aß d Friedensliebe des Reiches ganz unabhängig »»der Nationalität ist, daß spezielle Abneigungen egen Nachbarvölker nicht in dem Maße vorhanden nd, daß darüber vergessen wird, was die Erhaben- eit des Todes, die Achtung vor großen Männern fordert. Diese Feierlichkeiten sind bei uns als 1 lmz selbstverständlich angesehen, es ist nirgends ein sott über ihre Zweckmäßigkeit verloren worden, ragen wir nun aber einmal, was wohl im umgehrten Falle geschehen wäre? Wir wollen nicht ezweifeln, daß nicht auch die französische Regierung iaßnahmen angeordnet hätte, welche dem internaiio- ikn Gebrauche entsprechen, aber es ist ohne Zwei- l, daß darüber die Pariser deutschfeindliche Preffe, nett Lebensaufgabe die Hetze gegen Deutschland ist,
Nacht über dort zu bleiben, nnb morgen früh ' irbe ich mich bei guter Z it zu Fuß zu meinem > ikel begeben. Also doch endlich einmal ein kleiner
»eigen doch nicht. Es ist das bedauernswert und tl, - gt, daß wir in Wahrheit wenig Freundschaft von stinK rankreich zu erwarten haben. Die Partei der Higen Leute in Paris hat nach wie vor ihren Umsatz in den Unruhestiftern; die letzteren haben iS lautere Wort und die Mäßigung wagt es nicht,
früh bald nach 7 Uhr auf Schloß Babelsberg eintreffen. Das Befinden der Kaiserin Augusta ist nach den aus Coblenz hierher gelangten Nachrichten das allerbeste. — Eine Deputation des ersten Gardedragonerregiments, welches fortan den Namen der Königin von England führen wird, ist nach London abgereist, um der Königin den Frontropport des Regiments zu überreichen. — Nach einer Aufstellung des Unterrichtsministers ist der Regierungsbezirk Köln bisher der einzige der Monarchie, welcher die Unentgeltlichkeit des Volksschulunterrichts, wie solche durch das Gesetz vom 14. Juni 1888 in Erfüllung beS Artikels 25, Absatz 3 der preußischen Verfassung als Regel ausgestellt ist, ausnahmslos durchgesührt hat. — Ueber den Stand der Arbeiten im Nord- Ostseekanal wird der „Danz. Ztg.* aus Kiel berichtet: „Es wird jetzt fast auf der ganzen Linie gearbeitet, nur in drei kleineren Losen hat die Verdingung der Erdarbeiten noch nicht erfolgen können. Bis jetzt sind rund 66 Millionen Kubikmeter Bodenaushub für 56129 386 Mark vergeben worden. Außerdem find die Erdarbeiten zweier großer Schleusenbaugruben zu Brunsbüttelerhafen und Holtenau, an den Mündungen des Kanals, an Unternehmer übertragen. Sämtliche Erdarbeiten müffen dem Hauptteil nach bis zum Schluß des Jahres 1894, einzelne Arbeiten bereits ftüher, beendet sein. Die Erd- und Baggerarbeiten sind bis jetzt verhältnismäßig rasch gefördert worden. Es arbeiten gegenwärtig auf der ganzen Linie 3500 Arbeiter, von denen reichlich 2000 in Baracken untergebracht sind. Es sind derartige Baracken, zum Tell Barackenlager, zum Teil Einzelbaracken, hergestellt in Brunsbüttel für 400 Mann, Tairaphal 150 Mann, Stubbenberg 50 Mann, Hochdonn 100 Mann, Hohenhörn 150 Mann, Grünthal 300 Mann, Fischerhütte 100 Mann, Sehestadt 200 Mann, Königsförde 200 Mann, Landwehr 200 Mann Levensau 300 Mann und Holtenau 300 Manm Auf einer Baustrecke von etwa 100 Kilometern sind mithin 12 Barackenlager eingerichtet. Mit der Herstellung weiterer Arbeiterbaracken wird von der kaiserlichen Kanalkommission fortgefahren; auch die Unternehmer bauen stellenweise Familienwohnungen für verheiratete Arbeiter. So herrschte denn auch bisher zwischen Unternehmern und Arbeitern ein durchweg sehr befriedigendes Einvernehmen. Zur Aufnahme von Kranken sind als Lazarett eingerichtete Baracken mit je 20 Betten in Burg, in Dithmarschen unb in Hanerau angelegt. Unglücksfälle im Betriebe waren bisher selten." — Die Kommentare, welche
auf die des Fräuleins Henriette, eine» Toast, den
Rat selbst vor schlug, indem er mir ein Zeichen des Verständnisses gab. Aber die Koustue führte nur das Glas zu ihren Lippen, ohne mich eines Blickes zu würdigen. Fräulein Johanna, die mir gegenüber faß, füllte unaufhörlich mein GlaS, und w”®"be l°ud eS sich, daß sie e» so oft gefüllt hatte, austng, den Kopf zu verlieren.
Gleich nach dem Mahl sagte der Rat:
™ **i>r werdet wohllhun, zu Bett zu gehen, Kinder. Mau fieht, daß Karl besonders eS nötig hat. Morgen mtrb er uns olles, was er uns zu sagen hat, erzählen.* ....'M wollte ihn nm eine besondere Unterhaltung lütten, aber der schickliche Augenblick entging mir. w ß tl/tennte sich' indem fie sich eine gute Nacht wünschte, und der Diener fühtte mich in das mir bestimmte Zimmer, wo ich sogleich meinen lieber» legnngen nachhing.
a. »DK. Aderlegnngen eines Unbesonnenen von 21 paaren! Du hast recht, geneigter Leser, fie können keinen großen Wert haben. DaS liebliche Geficht Johannas, der Wein des Rats gestattete mir kein großes Nachdenken. Ich eilte, mich zu Beit zu legen, unb fugte zu mir, wie jener berüchtigte Tyrann von Theben: .Auf morgen die ernsten Angelegenheiten.* „ *°er i^ kEe nicht einschlafen. Mein Gewiffen l d"S nie einschläft, es zwang mich, :
Int 34 kam sogar soweit,
daß ich anfftand und au bie Flucht buchte. Dieses gute Gewiffen wollte mich gluubeu machen, daß eS beffer rare, "ich durch das Fenster zu retten und ■ «Atm Onkel zu begeben, mein Felleisen ■ 0 Ach ben andern Tag wie einen
Harnischen Spaßvogel bloSgestellt zu sehen, was mich wenig rührte; oder wie einen Jnduftrieritter, der einen guten Wagen und ein gutes Abendbrod hatte er äugen wolle», was mich sehr rührte, denn die» griff meine Ehre an. So beult nun i» Alter von ! 21 Zayreu.
Der Regen war vorüber. Es war vollstänbig i
den gewaltigen Skandal erhoben hätte. Die jetzt Hwß ütgehabien Feierlichkeiten in Deutschland haben in ' ans einen sehr angenehmen Eindruck gemacht, denn - - ist weit mehr geschehen als erwartet worben war, wL « bie g hässigen Aeußerungen uns gegenüber
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes
sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler
m Frankfurt u. M., Cassel, Magdeburg u. Men; Rudolf TYIV Qrtfirnnttrt
Moffe tn Frankfurt a. M., Berlin,München u. Köln; 0. L-
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Ausland.
Söien, 5. August. Der Anthropologenkongreß wurde heute vormittag unter zahlreichster Teilnahme von Notabilitäten, darunter Virchow, eröffnet; namens der Staatsregierung begrüßte Minister Gautsch die' Versammlung.
Rom, 5. August. Die „Riforma" dementiert die Meldung von Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Ministerpräsidenten Crispi und dem Justizminister Zanardelli. — Nachrichten aus Masiauah zufolge brach General Baldiffera in der Nacht vom 2. auf den 3. August mit vier Bataillonen, zwei Gebirgsbstterieen von Ghinba nach Asmara auf unb besetzte am 4. August Asmara wiberstanbslos.
bnnkel. Die Finsternis sollte meine Flucht begünstigen. Aber wie sollte ich meinen Weg finden? 3ch mußte also wenigstens den Anbruch des Tages erwarten, um meinen Rückzug uuszuführeu und die Familie den Koufia suchen lassen, bis fein Schnupfen geheilt war.
Ich würde also das bewundernswerte Gesicht Johannas nicht mehr sehen! Welche» Unglück! Aber mit einem Wort, bleiben war unmöglich!
Ich öffnete da» Fenster zur Hälfte, und setzte mich, völlig angekleidet, hin, um den ersten Schein >e» Tage» abzuwurten. Ich war noch weit davon entfernt. Die Uhr hatte eben halb eins geschlagen. Plötzlich hörte ich ein leises Geräusch unter meinem Fenster, und einen Augenblick später stieg dieses Geräusch in die Zweige. Ohne Zweifel kletterte jemand auf einen Baum, unb, sicher, nicht mir wollte et einen Besuch machen. Er kletterte bis zu bem Stock über mir, unb ich hörte bann ganz leise ein Fenster öffnen. Es war also ein Rendezvous?
Hier, ich muß eS gestehen, ist eS nicht immer ein Inglfld, ein unruhiges Gewissen zu haben, sonst hätte ich auf beiden Ohren geschlafen unb nichts von bem gewußt, was braufeen vorging.
Aber, wer zum Teufel kann so auf ben Baum klettern? Sollte es ber Koufin Thomas sein? Warum nicht gar! Er ist erst zwölf Jahre alt! Aber man pricht; hören wir zu.
.Um des Himmels willen, mach' kein Lärm*, agte am Fenster eine flüsternde Stimme; .er ist angelommen und fein Zimmer ist unter bem meinigen. Am Ende schläft er noch gar nicht!'
«Vor einer halben Stunde ist das Wachslicht an»« gelöscht worden*, antwortete eine andere Stimme auf dem Baum. .Ein solches Murmeltier mnfe glücklich ein, elnznschlafeu.*
Ich frage einen, ob ich eine solche Benennung verdiente.
.Lieber Gustav, denke Dir meine Qual*, fuhr die Stimme vom Fenster fort, .Mein Vater hat
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Dchcntliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain