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A WchmKiche Beilagen: Kreis »Blatt für Ite Kreise Marburg mtz Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt
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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartol-Abonnemerts-Preis bei der Expedition 2'/» Ml-, bei den Postämtern 2 D k. 50 Psg (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 P'g
Marburg,
Mittwoch, 30. Juli 1889.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M., Gaffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf ¥YJV Moste m Frankfurt a. M., Berlin,München u. Köln; G. L. AA1V* Daube u. Co. in Frankfurt a. M, Berlin, Hannover, Paris.
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Kreisblatt
für die Kreise Marburg uud Kirchhain und
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Die Exped. der Oberh. Zeitung.
Kauptradelsfuhrer Les WalLenburger Streiks
sind mit teilweis sehr erheblichen Freiheitsstrafen belegt worden — ein Ausgang des unseligen Handels, wie er nicht anders erwartet werden konnte. Man mag die Mißleiteten bedauern, immerhin wird niemand sagen dürfen, daß ihr Schicksal ein unverdientes wäre. Aus dem Plaidoyer des Staatsanwalts ergiebt sich mit vollster Klarheit, wie wenig gerade die oberschlesischen Arbeitsverhältnisse danach mgethan waren, den Bergleuten gegründeten Anlaß zur Unzufriedenheit ihrer Lage zu geben. Nicht plötzliche Aufwallung der Leidenschaften, sondern ein wohlüberlegter Plan lag der Waldenburger Aufwiegelung zu Grunde. Die Lage der oberschlesischen Bergarbeiter war eine durchaus zufriedenstellende, und irgend welche Forderungen erheblicher Natur waren gar nicht geltend gemacht worden, bis ganz kurze Zeit vor Ausbruch der traurigen Ereignisie Rur einmal, vor Weihnachten, wurden die Arbeiter dorstellig wegen Lohnerhöhung; ihre Forderungen wurden damals ganz sreundschastlich erörtert; es wurde ihnen vorgestellt, daß die Kohlenpreise vermutlich steigen würden und daß dann ganz von selbst auch der Lohn steigen werde, wie es ja auch geschehe ist. — Nun brach jene große Lohnbewegung in den westfälischen Kohlengrubenbezirken aus, und eine Reihe von Symptomen führten zu der Annahme, daß dieselbe in wesentlichem Zusammenhänge mit den Walden burger Vorgängen stand. Es war im vorigen Jahre eine große Anzahl von Arbeitern gerade aus Hermsdorf nach Westfalen gezogen und zweifellos erscheint es, daß die Verbindung zwischen ihnen und den ober
sNachdruck verboten.)
Vernunft «nd Liebe.
AuS dem Briefwechsel zweier jungen Frauen.
Von Marie v. Zobel und A. I. Troß v. Trockau. iFortsetzung.)
Ich wollte um jeden Preis das @18 brechen uud wandte wich nun wieder mit einer direkten Frage zu ihm. »Sie hatten den Militärdienst quittiert und einen andere» Beruf ergriffen?'
.Ja", sagte er endlich in dvmpfem Tove, »es gab eiue Zeil, uo ich mich von Allem loSrcißev wußte, was mir lieb uud teuer war 1 Die bescheidene Gage eines Offiziers reichte nicht hin, um außer weiurr Person noch Mutter uud Schwester zu erhalten. Das Schicksal hat mich dieser Sorge enthoben — meine Mutter ist tot uud meine Schwester hat deu Sckleier genommen; fie opfert ihr Leben der leidenden Menschheit unter den barmherzigen Schwestern, die auf Frankreichs Schlachtfeldern thätig sind. Der Krieg hat wich wieder zur Waffe gerufen. Ich heiße den Tod willkommen, das Leben hat keinen Wert mehr für mich!'
»Moritz!' rief ich im Tone des EotfetzevS, zum erstenmal feine» Namen auSfprecheud.'
»Weshalb erschrecken Sie meine Worte?' er- diderte er mit einem schwermütigen Lächeln. »Ich wiederhole eS: DaS Lebe» hat keine» Wert mehr für mich !'
»Sprechen Sie nicht so, Moritz', sagte ich lebhaft; »das Leben hat immer Wert, wenn man ernstlich sucht, ihm eiueu Wert abzugewinuev.'
»Gegen da« Schicksal kann man nicht ankiwpfen', tab er mir zurück.
»Nicht immer, aber meistens liegt das Schicksal m uns selbst und bann können wir es beherrschen •ttb bekämpfen, wenn wir ernstlich wollen.'
»Sie reden wohl au« eigener Erfahrung? frag rr mit einem leisen Anflug von Ironie. »Sie find Erheiratet?'
schlesischen Bergarbeitern aufrecht erhalten worden ist, daß, als man dort um Verbesierung des Lohnes kämpfte, man gerade dadurch eine gute Unterstützung zu finden hoffte, daß auch in Oberschlesien die Arbeit eingestellt würde. Offenbar sanden diese Vorstellungen Anklarg. Ganz plötzlich zeigte sich bei den Waldenburger Arbeitern Unzufriedenheit. Sonnabend, den 11. Mai, machte sich dieselbe zum erstenmale deutlich bemerkbar, da wurden jedoch bestimmte Forderungen noch nicht geltend gemacht; klar sormuliert traten diese Forderungen erst am Dienstag, an dem Tage, als es zu Ausschreitungen kam, an die Direktoren heran; man hatte ja natürlich mit Rücksicht auf die Ereignisse in Westfalen sich mit der Möglichkeit solcher Forderungen beschäftigt; diese Erörterungen fielen in durchaus günstigem Sinne sür die Arbeiter aus. Jedenfalls wurden die Forderungen bewilligt in einem Umfange, soweit cs irgend möglich war; die Deputierten erklärten, zufriedengcstellt zu sein und die Belegschaft würde es auch sein. Man erwartete nun allgemein, daß die Arbeit ganz ungestört ihren Fortgang nehmen werde, da trat die merkwürdige Erscheinung ein, daß gerade das Gegenteil der Fall war — die Antwort auf die gemachten Zusicherungen war gerade: allgemeine Arbeitseinstellung, mit Ausschreitungen erzwungen. Es war von vornherein ein ganz geschlossenes Vorgehen in Aussicht genommen, cs sollten die oberschlesischen Gruben vollständig lahm gelegt werden, um so den Bestrebungen der westfälischen Streikenden in die Hände zu arbeiten. Hätten, so führt der Staatsanwalt aus, die Waldenburger Bergleute Vcranlaffung gehabt, die Arbeit einzustellen, um eine Verbesserung zu erzwingen und hätten sie so gehandelt, so wäre das in strengem Maße zu ahnden, denn gerade die Jntereffcn der Arbeiler sind durch die heutige Gesetzgebung sehr ausreichend gewahrt; es ist den Arbeitern vollständig freigestellt, auf weitestem Gebiete sich zufammcnzu- fchaaren und auf einen Schlag die Arbeit nieder- zulcgen, sogar unter Bruch des Kontraktes; es ist bekannt, daß keine Strafe darauf steht. Die Bestimmung, daß der Arbeitgeber zivilrechtlich gegen die kontraktbrüchigen Arbeiter einschreiten tarnt, hat so gut wie gar keinen Wert. Diese Koalitionsfreiheit, welche den Arbeitern gewährt ist, ist seitens der Behörden überall auf das Peinlichste und Gewissenhafteste beobachtet worden. Gerade deswegen aber muß auf das Allerernsteste daraus gedrungen werden, daß diese Bewegung nur mit gesetzmäßigen Mitteln betrieben wird.
„Ja', erwiderte ich, ohne ihn auzuschaueu.
»Und e» scheint Ihne» demnach der Versuch leicht geworden zu sei», dem Leben neue Freude abzu- gewiunen?'
Ich ließ ihn nicht weiter reden. »Leicht!' rief ick und gedachte dabei der trostlosen kummervollen Zeit, die ich um den Veilust dieses Mannes durch, lebt hatte; »leicht, doS ist ei» hartes Wort uud tief kränkt eS mich aus Ihrem Munde.' Will ich eS rridcrlegen, so muß ich notgedrungen die alte Wunde reiße» vud vo» der Vergangenheit, die wir am besten ruhe» lassen, den Schleier ziehen. Ach ich kann nicht anders, den» eS liegt in Ihrem ganzen Wesen ein Vorwurf, deu ich nicht ertrag«, der mich schmerzt, weil ich ihn nicht verdiene. Stände mein Gatte hier an meiner Seite, ich würde mich nicht scheuen, dieselben Worte zu sprechen, die ich j tzt zu Ihnen spreche. Hören Sir mich Redern! Ich bi» nicht mit leichtem Herze», »icht mit eiaer Lüge in die Ehe getreten ; mein Mann wußte, als ich ihm die Haud reichte, daß ich ihm keine Liebe zu bieten hatte, daß meiu Herz noch mit lausend Fäden au eine» verlorenen Traum gekettet sei. Aber er hatte Sckonung und Nachsicht für mich, er wußte mit zarter Rücksicht meine Gefühle zu würdigen uud mit Geduld die Zeit abzuwarte», wo mein Herz zvr Erkenntnis einer Zuneigung gckommen war, btt ihm ft in ebler Charakter endlich gewonnen hat.'
Moritz hatte, während ich gesprochen, den Stnhl zurückgezogen uud sich mir gegenüber utedergelasseu; der kalte, fast herbe Zug nm seine Lippen war einem milderen Ausdruck gewichen, als er sagt-: ,So leben Sie in gutem Einvernehmen mit Ihrem Gatten, man hatte mir gesagt, daß Sie nicht glücklich seien?'
»Daun hat man fie falsch berichtet', rief ich mit einer Lebhaftigkeit, die selbst ihm ein leichtes Lächeln abzwang; »ich bin glücklich! Mein Glück kennt keinen Schatten, aber es weiß anch nichts mehr von der lleberschwrnglichkeit der Leidenschasten und Empfindungen eines allzu jungen Herzens — die heiligen
So der Staatsanwalt, dessen Ausführungen, wie die ergangenen Verurteilungen beweisen, sich der Gerichtshof durchaus aneignete. Der Einblick, den der Prozeß in den Mechanismus der Umsturz- agitation eröffnet, gießt viel zu denken, und es wäre zu wünschen, daß der Wortlaut der Verhandlungen in die allerweitesten Kreise des Arbeiterstandes dränge. Es würden dann höchst wahrscheinlich gar vielen die Augen geöffnet werden, welche jetzt durch den Phrasenschwall der Demagogen in eine Art moralischen Rausches versetzt sind, der sie nahezu unfähig macht, das Verbrecherische, Sinn- und Zwecklose ihres wilden Wütens gegen die Schranken gesetzlicher Ordnung zu übersehen. Au ihren Flüchten sollt Ihr sie erkennen. Die sozialdemokratische Doktrin fließt über von lauter — falscher — Arbeiterfreundlichkeit; sie verspricht denen, die sich zu ihr bekehren, die Befriedigung ihrer kühnsten Wünsche: und was zieht in ihren Bahnen hinterdrein? Wirtschaftlicher Kamps, soziale Verwüstung und die Zerrüttung zahlreicher bis dahin wohlsituierter Arbeiterexistenzen.
Das ist die Lehre der Gerichtsverhandlung über die Waldenburger Schreckenstage. Möchte sie von denen, die es in erster Linie angeht, beherzigt und befolgt werden.
Ale Senerslratswahlett
in Frankreich, deren Ergebnis infolge der Boulan- gistischen Agitation mit außerordentlicher Spannung entgegengesehen wurde, haben letzten Sonntag stattgefunden. Ein völlig sicheres Resultat ist noch nicht vorhanden, aber soviel steht fest, daß eine ziemlich starke antircpublikanifche Minderheit vorhanden ist. Die Erfolge der Pariser Ausstellung haben nicht vermocht, den Republikanern einen glänzenden Erfolg zu sichern und auch die Enthüllungen über Boulanger haben nicht verhindert, daß dieser in einer Anzahl von Bezirken definitiv gewählt ist und in sehr vielen Bezirken zur Stichwahl steht. Das alles war vorauszusehen. Am eigentümlichsten ist aber, daß sich so viele Stimmen auf Boulanger vereinten, trotzdem dieser wegen Hochverrats angcklagt und seine Wahl von vornherein für ungültig erklärt worden ist. Diese Haltung eines Teils dcr Wähler bedeutet eine recht geringe Achtung vor der bestehenden Regierung und die Zahl derer, die von der Parlamentswirtschaft nichts wiffen wollen, hat eher zu- als abge- nommen. Von einem zweifellosen Wahlsiege können im vorliegenden Falle weder Republikaner, noch
G sühle, die auf d-rn ernsten Pfade ber Pflicht im Herzen eines geprüfte» WcibcS gereift, ftnb es, die ich dem Gatte» mit »nerschütterlicher Treue geweiht habe! Und nun*, fuhr ich nach einer kleinen Pause fort, »sagen Sie selbst, träte es besser gewesen, einem unwieberbiiuglicheu Glücke nachzutrauern, einsam und zwecklos mein Leben zu verbringen, mit zur Qual, andern zur Last — oder habe ich recht gethau, indem ich einen edlen Beruf erwählte, meinem leideudeu Gemüte mit geistiger und physischer Thätigkrit entgegen getreten bin und die Pflichte» einer fotgenben Hausfrau, bie Erziehung uub Pflege einer mutterlosen Waise auf mich genommen habe? Ich möchte das Urteil aus Ihrem Munde vernehmen.'
»Sie habe» recht gethau', erwiderte er in kurzem Tone, doch mit einem Blick, in dem eine warme Abbitte für feine früheren Worte lag. »Lasse» Sic uns nun scheiden', sagte er bann nnb wollte sich vom Stuhle erheben.
Ich hielt ihn zurück. »Nein, uicht so — nicht, bevor Sie mir ein Versprechen gegeben haben. Auch Ihr Glück liegt mir am Herzen —*
.Für mich giebt es kein Glück mehr', verfitzte er traurig. »Wer so lange ein Spielball bet bittersten Verhältnisse, das Opfer schwerer Verhängnisse gewesen ist, der hat das Vertrauen auf sich selbst, ben Glaube« an baS Glück verloren. Uud -o sollte ich cS suche», fitzt, wo mir auch daS Letzte noch genommen ist, für bas ,» lebe» mir eine Pflicht war? Ich habe keiue Familie mehr —•
»Sie müssen sich ein Heim gründe»', unterbrach ich ihn. »Noch ist eS Zeit —'
Er schüttelte wehmütig bas Haupt.
Es that wir in tiefster Seele weh, biesen Mann, ben einst bie kühnsten Hoffnungen einer glänzenben Zukunft entgegen getragen hatten, ber alles in sich vereinigt, was ben begeisterte» Flug ins Lebe» be. günstig! und unterstützt hatte, aller Energie beraubt mtt sich selbst nnb der Welt zerfallen vor mir zu
Monarchisten, noch Boulangisten reden. Die Republikaner sind ihren vereinten Gegnern noch immer um ein gutes Stück voraus und sie werden auch im ganzen in der Mehrheit bleiben. Aber auch die republikanischen Stimmen haben Unrecht, welche behaupten, daß es mit Boulanger total zu Ende sei. Nicht Boulanger ist es, welcher die Wähler begeistert, die Skandale in Paris sind es, welche die Abstimmung gegen die Republik verursachen. Der Schmutz, der in Paris von der Preffe aller Parteien aufgewühlt ist, ist den Prooinzialbewohnern nachgerade zum Ekel geworden, wie denn Paris überhaupt schon seit längerer Zeit angefangen hat, feinen unbedingten Einfluß auf das Land zu verlieren.
An der Seine Ruhe zu schaffen, ist die erste Ausgabe für die französische Regierung, wenn sie bei den entscheidenden Kammerneuwahlen nicht zurückbleiben will. Es läßt sich zwar nach dem Erfolge der Generalratswahlen voraussehen, daß auch die Republikaner dort die Mehrheit behalten und den boulangistisch - monarchischen Ansturm abwehren werden, aber welches Unheil eine kräftige antirepu- blikanifche Minderheit bringen kann, ist in der letzten Kammerfession gar zu deutlich hervorgetretcn. Die französische Republik hat heute in Herrn Garnot ein sehr ehrenwertes Oberhaupt, aber sie muß auch, was ihr bisher fehlte, eine angesehene Regierung haben. Der gewerbsmäßigen Aufreizung durch die Pariser Boulangistenpreffe, die alle Schändlichkeiten den Ministern im Amt offen zur Last legte, muß ein Ende gemacht werden, das ganze öffentliche Leben wird dadurch vergiftet. Skandalgeschichten, wie sie in den letzten Monaten in Paris verbreitet wurden, sind geradezu unerhört und unter solchen Verhältnissen kann kein Land gedeihen. Die frühere Saumseligkeit bet republikanischen Regierungen rächt sich: durch das Gewährenlaffen der Hetze gegen Deutschland sind die Pariser Zeitungen total verwildert, und diese Verwilderung und Roheit muß nun bie oberste Staatsleitung auskosten. Das gegenwärtige Kabinett ist mit großer Entschlossenheit gegen Boulanger vorgegangen, aber es ist ihm noch nicht gelungen, ihn politisch tot zu machen. Eine weit größere Gefahr ist die Pariser Zügellosigkeit, von welcher der General überhaupt gehalten wird. Hier muß Ordnung und Zucht eintreten, und an dem Tage, an welchem dies erreicht sein wird, wird auch die französische Republik die Krisis, in welcher sie sich befand, überwunden haben.
sehe». Ich konnte nicht anbei8, Doris, ich mutzte noch eine» Versuch wage», iho dieser ttostlose» Stimmung zu cutreißeu. Mit zitternder Stimme sagte ich: »Und bis dahin, Moritz, wollen Sie nicht unser Haus als das Ihrige betrachten? Sie weiden heute noch meinen-Satten kennen lernen — Sie müssen meine Kinder sehen — Otto wird meine Bitte unterstützen, laffen Sie uuS in Freundschaft scheiden nnb kehren Sie zu uuS als Freund zurück!'
»Sie vergeffcn, daß ich in ben Krieg ziehe, entgegnete er ausweichend; »wer weiß, ob ich überhaupt zurückkehre?'
»Keiner weiß es', rief ich rasch uud lebhaft, »aber wenn Sie zurnckkehren?'
»Dann — bann solle» Sie mich Wiedersehen' sagte er in einem Tone, der wie ein Verspreche» {lang, erfaßte meine Hand in warmem Druck und stürzte a»8 dem Zimmer, wohl um bie innere Bewegung zu verbergen, bie mir seine feucht glänzeubeu Augen schon betraten hatten.
AIS ich Rebern nach einige» Stnnben wicdersah, war eS in Gegenwart meines Gatten. Die beide» Männer hatten sich die Hände gereicht, uud eS war mir eiue Beruhigung, zu scheu, wie unter OttoS ungezwungener Freundlichkeit auch RederuS kaltes, zurückhaltendes Wesen sich sichtbar erwärmte. Und wie sie fich in lebhaftem Gespräche gegenüber standen nnb ich still lauschend a»8 einiger Entfernung fie beobachtete, da fand mein Herz die volle Lösung ber Frage, die eS einen Angcublick bange bewegt hatte: »Wie würde Otto den Vergleich mit Moritz an?» halten?*
Ich mußte mir zur Antwort geben: Er kann fich uicht mit Moritz messen, was bie äußere Erscheinung, bie vornehme Gestalt, die Gewandtheit der Forme» anbelangt, dafür ober fehlt jenem OttoS herzgewinnendes, schlichtes IBefen, die durchgeistigten Züge, das offene Ange, daS für mich den Himmel birgt
(Schluß folgt.)