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WWMiche Beilagen: Kreis-Blatt für ttt Kreise Marburg mtz Kirchhain.
Illustriertes Sonntagsblatt-
tzrpeditio« Markt 91. — Redaktion, Druck ttnb Verlag von Zoh. Ang. Koch.
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damit mir wenigstens die Beruhigung wird, daß
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liehen Wünsche zu gewärtigen wären. Es unterliegt daher keinem Zweifel, daß Tarife.Mäßigungen, welche eine wesenlliche Verminderung des Betrags der Elsen- bahnüberschüsie zur Folge haben müßten, gleichbedeutend sein würden mit der Notwendigkeit ent sprechender Steuererhöhungen. Diese Seite der Sache bedarf sicher der sorgsamsten Erwägung.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Ouartal-Abonnements-Preis bei der Expe- bitirn2,/tSRl., bei den Postämtern 2 D k. 50 Psg. (exll. Bestellgeld) JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg., Reklamen für die Zeile 25 Psg
1 Hamburg, 8. Juli. Hamburgs Waren-Einsuhr : hat auch im verflossenen Jahre gegenüber dem Vorjahre einen bedeutenden Aufschwung genommen. Nach den kürzlich veröffentlichten Tabellen des handelsstatistischen Büreaus betrug der Wert der seewärts eingegangenen Waren rund 1115 Millionen Mark gegen 1049 Millionen in 1887 und 937 Millionen in 1886. Im ganzen wurden im vorige» Jahre in der ersten deutschen Handelsstadt Waren in dem enormen Werte von rund 2070 Millionen Mark einschließlich der landwärts gekommenen eingeführt. Großbritannien hat, wie immer, den Löwenanteil an der Einfuhr (421 Millionen Mark). Dann folgen die Vereinigten Staaten von Nordamerika mit 104 Millionen Mark. Von den Eisenbahnlinie« nimmt die Berlin-Hamburger Bahn mit 357 Milk. Mark die erste Stufe; von der Oberelbe kamen für 268 Millionen Mark Waren. Unter den Warengattungen nahmen Rohstoffe und Halbfabrikate (für 648 Mill'onen Mark) den ersten Platz ein; dann folgen Verzehrungsgegenstände mit 332 Millionen Mark. Die Ausfuhr, welche nur nach den Gewichtsmengen angegeben ist, stellt sich wesentlich anders, als die Einfuhr. Während z. B. an Verzehrungs- gegenständen nur rund 140 000 Zentner eingeführt wurden, gingen mehr als 225 000 Zentner aus Hamburg wieder heraus. Der größte Teil der eingeführten Rohstoffe, Baumaterialien rc., mehr als 600 000 Zentner, dagegen wurde nicht wieder ausgeführt, sondern blieb in Hamburg, ein Beweis, daß die Jndustrieihätigkeit Hamburgs eine ungemein lebhafte geworden ist.
München, 9. Juli. Ueber das Eisenbahnunglück in Röhrmoos schreiben die „Münchener Neuesten Nachrichten": Allgemein ist die Klage über das System, durch untergeordnete, schlecht bezahlte und in ihrer Arbeitskraft aufs Acußeiste au-genützte Bedienstete aushülfsweise wichtige Dienste leisten zu lasten. Der Hülsswechselwärter Seidl, die letzte Ursache der Katastrophe, ist ein alter, halb stumpi- sinniger, überdies, wie es heißt, dem Trünke ergebener Mann, der als Stationstaglöhner in Dachau verwendet war. Wie kann man einem solchen Menschen aushülfsweise auf einer fremden Station ein verantwortungsvolles Amt übertragen, von besten richtiger und exakter Ausführung das Leben der Reisenden abhängt? Wie kann man dies thun, ohne die strengste Kontrolle zu üben, ob die Aushülfsperson auch wirklich ihre Pflicht gethan? Diese Kontrolle ist nicht geübt worden. „Der verhängnisvolle Wechsel war, wie man uns schreibt, ein sog. geschlossener wart in seinem Geiste aufnimmt. Das wäre eine gute Gelegenheit, die Hochzeitsreise nachzuholerr, die Otto damals, wen» ich mich recht entsinne, wegen seiner unerwartet raschen Berufung hierher nicht unternehmen konnte.*
Ich fühlte, wie ich bei diesen letzten Worten tief errötete, fühlte die Augen meines Mannes fest auf mir ruhen und war herzlich froh, als eine Wendung >eS Gesprächs mich einer weiteren Antwort enthob und bald daraus der allgemeine Ausbruch erfolgte.
Nachdem die letzten Gäste sich verabschiedet hatten, kam Otto auf mich zu und dankte mir in seiner ruhigen Weise, daß ich mir so viel Mühe gegeben, o liebenswürdig meine Stellung als Hausfrau auS- gefüllt hätte.
„Warst Du zufrieden, Otto, war unser kleines Fest hübsch und gelungen?* fragte ich in lebhafter Freude über seine anerkennenden Worte.
„Ja, Elma, Dir gebührt alle Ehre und Dn kannst als Hausfrau stolz sei«*, meinte er.
(Forts, tznng folgt.)
(Nachdruck verboten.)
Pariser Kleinigkeiten.
Von Walther Franck.
(Schluß)
Wenn der Deutsche in Pari» von unseren große» Rerpalästeu wenig findet, die Restaurants bilde» ast ausnahmslos eine Flucht an einander gereihter Zimmer, in denen e» unter Umständen bis zum Davonlaufen zieht, so wird er auch nicht allzuviel von der deutschen Sauberkeit in Geschäften mit Lebensmitteln finden. In den bestereu Bezirken mag es noch augehen, aber in den entfernteren Quartiere», die freilich von den Fremden nur selten ausgesucht werden, ist die höhere Schmutzerei ab und zu, und eine tüchtige Portion Unreiulichkeit nicht fetten zu Hanse. Auch die Kleidung der Bewohner und Be. wohnerinnen der Lichtstadt läßt in diese» Bezirke»
Brief 6.
Elma an Doris!
2. April 1869.
Warum schreibst Du nicht, Doris?
Weshalb schon wieder dieses lange, harrliche Schweigen, das mir entsitzlich bange macht, um so mehr, als Du nun auch den heutigen Tag vorüber- gehcn ließest, ohne mir ein freundliches Wort zu senden.
Könntest Du ohne Grund vergessen haben, daß Du mir vor Jahresfrist den My theukranz durch das Haar gesck langen, mich mit Schleier und Brautgewand geschmückt und mit dem Schwur ewiger Freundschaft von mir Abschied genommen hast?
Sollten die glänzenden Feste der großtn Welt Dich so tief in ihren Strudel gerissen haben, daß Du keinen Augenblick Zeit für Deine alte Freundin gefunden hättest? Nimm mir, ich beschwöre Di», doch bald diese quälende Sorge die auf mir lastet wie die Ruhe und Schwüle vor einem drohenden Gewitter.
Die bescheidenen geselligen Freuden, welche die Wiutersaison uusirer kleinen Stadt geboten hat, find nun längst vorüber, doch wirst Du staunen, wenn Du hörst, daß sie ihren Einfluß sogar auf unser stiller Alltagsleben erstreckt haben. Laß Dir in Kürze von meinen Erlebnissen erzählen, die in ihrer Art einfach und geringfügig, dennoch nicht ohne Rückwirkung auf weine Gemütsstimmung geblieben find.
Wir hatten einige Einladungen angenommen, »nd dann selbst eine größere Abendgesellschaft gegeben. Da cS das erste Mal seit meiner Verheiratung war, daß wir Gäste bewkrtetrn nahmen mich die Vorbe. reitungen einigermaßen in Anspruch, deuu ich wollte, wenn auch einfach und ohne Prunk, doch alles gvt und hübsch einrichteu, und sowohl meinem Gatte»
Dir wohl ergeht.
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, WWWWWVWy sowie bte Annoncen-Bureaux von Haasenstein unb Vogler
Sonnabend, 13. Juli 1889. «ÄÄ'ÄÄfiÄS ™- Jahrgang
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
fallen wurde. Die Herren erholten sich aber bald wieder, als die See ruhiger wurde. Bei der Landung in Stavanger war eine große Zahl von Bewohnern an das Ufer geeilt. Namentlich waren viele der stattlichen blauäugigen blonden Norwegerinnen erschienen und zogen die Aufmerksamkeit der Besucher in hohem Maße auf sich. — In Moskau wurde vergangene Woche das vom Verein der deutschen Reichsangehörigen im Garten des Vereins errichtete Monument für Kaiser Wilhelm I. enthüllt. Der Enthüllung wohnten der General-Gouverneur, der Kommandierende der Truppen, der deutsche und der österreichische Generalkonsul und die Glieder der deutschen Kolonie bei. — Ein der „Staatenkorr.* unter dem 9. März aus Pest zugegangener Bericht besagte, daß der Eintritt des Grafen Hartenau (Prinzen Alexander Battenberg) als Oberst eines Kavallerie-Regiments in die österreichisch - ungarische Armee „eine im Prinzip beschlossene Thatsache und deren Verwirklichung nur mehr eine Frage der Zeit* sei; heute bestätigt das „Deutsche Tageblatt* auf Grund einer ihm von besonderer Seite aus Graz zugehenden Nachricht, daß dem daselbst weilenden Grafen noch im Laufe dieses Jahres der Eintritt in die österr.-ung. Armee gewährt werden dürfte. — Die Verl. Bäckergesellen haben heute in einer von über 5000 Fachgenoffen besuchten Versammlung auf „Tivoli" beschloffen, morgen in den Generalstreik einzutreten.
Hannover, 10. Juli. Die diesjährigen großen Kavallerie-Uebungen finden bei Elze - Nordstemmen statt. An diesen Hebungen nehmen 8 Kavallerie- Regimenter teil, nämlich: die Dragoner-Regimenter Nr. 16, 17 und 19. die Husaren Regimenter Nr. 15 und 17 und die Ulanen - Regimenter Nr. 11, 13 und 16, welche mit den zugehörigen Kavallerie- Brigadestäben eine Kavallerie-Division bilden. Mit der Führung dieser Kavallerie-Division ist der General- Leutnant von Versen, General-Adjutant des Kaisers und Kommandeur der Kavallerie-Division des 15. Armeekorps, beauftragt worden. Die Uehungen dauern vom 29. August bis einschließlich 9. September. Die großen Paraden vor dem Kaiser finden, wie der „Hann. Cour." berichtet, am 13. und 14. Sept, beim Kronsberge statt. Am 15. September haben amtliche Truppen Ruhetag. Am 16. Sept, finden Hebungen der Kavallerietruppen statt, während am 17. Sept, mit der Kavallerie-Division des 7. (West- älischen) Armeekorps gegen einen markierten Feind abgehalten werden, woran sich die großen Manöver des 7. und 10. Armeekorps für die Zeit vom 19. bis 21. Sept, bei Coppenbrügge anschließen.
als Hausfrau Ehre machen als auch den Geladenen rnfer Heim in einem freundlichen Lichte rr- cheincn zu lassen. Als ich mit einem letzten prüfenden Blick die erleuchteten Wohnräume durchschritt, buifte 4 mir ein lobendes Zeugnis geben und mit stolzer Be- riedigung die Ankömmlinge empfangen.
Der Abend verlief unter anregenden Gesprächen in heiterster Stimmung. Da kam während des Abend- cffens auch die Rede auf Otto's Werke und in anerkennender Weise wurde seine Thätigkett auf den ver- chtedensten Gebieten der Wissenschaft besprochen.
„Ich bewundere wohl am meisten die geistige Schwungkraft Ihres Gatten*, sagte nun direkt zu mir gewendet Hofrat Günther, ein alter Bekannter Otto's, der neben mir saß. „Seine Bestrebungen ind ja höchst lobenswert und von den schönsten Er- olgm gekrönt, doch fürchte ich, mein junger Freund mutet seiner Kraft in letzter Zeit zu viel zu. Sie cllten ihm so angestrengte Arbeit nicht erlauben. Bemerken Sie nicht, wie müde und abgespannt er oft auSsieht?'
»Gewiß*, gab ich etwas gereizt zur Antwort, denn । die Frage klang ja fast wie ein Vorwurf. „Aber, was ist zu thun? Otto lebt nur in feinen Büchern und Studien, und verlangt keine andere Erholung. Der einzige Dienst, den ich ihm leisten kann, ist das Fernhatteu aller störenden Eindrück--.*
»Das ist doch wohl eine zu bescheidene Beurteilung Ihre» EinfluffeS, meine gnädige Frau*, meinte der alte Herr mit freundlichem Lächeln. „Verzeihen Sie meine vorhergehende Bemerkung, die ich mir ja überhaupt nur au» warmer Teilnahme für Ihren Gatten erlaubte, und befolgen Sie den wohlmeinenden Rat alten Freunde»: Kehre« Sie einmal Beide der Pflicht den Rücken, s«cheu Sie Otto zu einer kleinen Reife zu bewegen — das erfricht, ermuntert und belebt. Zum Beispiel im Frühling nach Italien )a kann man auch studieren, wen« mau mtt kunstsinnigem Auge und wiffentltcher Begabung die großarttgen Eindrücke der Vergaugeuhrtt und Gegen-
Deutsches Heidi.
Berlin, 11. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." bemerkt: Die Blätter beschäftigen sich mit einem Artikel unserer letzten Sonntagsnummer, in welchem eine Ansicht des Generals von Clausewitz über das Wesen des Krieges besprochen wurde, und schieben die Autorschaft dieses Artikels mehr oder weniger deutlich dem Herrn Reichskanzler zu. Wir rechnen es uns zur Ehre an, daß unser Blatt mitunter in der Lage ist, wohlinformierte Mitteilungen zu bringen, müssen uns aber dagegen verwahren, daß jeder Artikel unseres Blattes auf das, was man „offiziösen Ursprung" nennt, zurückgeführt werde. Von unserer Bereitwilligkeit, der von uns unterstützten Staats- regicrung unser Blatt für Artikel, welche der Tendenz desselben nicht widersprechen, zur Verfügung zu stellen, wird thatsächlich kein so ausgedehnter Gebrauch gemacht, wie andere Blätter, wenn es ihnen paßt, annehmen oder anzunehmen vorgeben. In dem vorliegenden Falle ist es umsoweniger angebracht, den Herrn Reichskanzler mit dem erwähnten Artikel in irgend welchen Zusammenhang zu bringen, als Sc. Durchlaucht bekanntlich in ländlicher Zurückgezogenheit Erholung sucht und kaum Anlaß haben dürfte, sich gegenwärtig mit derartigen Doklorfragcn zu beschäftigen. — Die „Post" erklärt, die zu Börsenzwecken verbreitete Nachricht von einer Reise des Grafen Waldersee nach Petersburg sei völlig aus der Luft gegriffen. — Der Afrikareisende Leue, welcher früher Vorsteher der Station Dar-es-Salaam war, hat Berlin verlaffen, um sich in den Dienst der Wißmann-Expedition zu begeben. — Norwegische Blätter hatten berichtet, Kaiser Wilhelm sei am Kuargletscher in nicht geringer Gefahr gewesen, indem ein großer Eisblock dicht bei ihm niederfiel; ein kleineres Eisstück traf seine Schulter. Die Gefahr ist wohl übertrieben. In dem offiziellen Bericht im deutschen Reichsanzeiger hieß es nur, es seien Eismassen mit heftigem Getöse in den See gestürzt.— In einem Reisebericht in der „Köln. Ztg." wird u. a. bestätigt, daß vor der Ankunft des Hohcn- zollern an der norwegischen Küste der größere Teil des kaiserlichen Gefolges von der Seekrankheit be-
Laß bald wieder von Dir hören, liebe Doris,
Ermäßigung -er Güter- uud Personentarife.
Wenn aus Anlaß der günstigen finanziellen Er- gebniffe der Staatsbahnen vielfach der Wunsch nach Ermäßigung der Güter- und Personentarife laut wird, so ist dies nur zu erklärlich. Wenn die sort- schreitenden Zahlen der Jahresüberschüsse der Bahnen i bekannt werden, so regt sich in allen Verkehrs- mtcressenten, dem Absender wie dem Empfänger der Güter, demjenigen, welcher im Jnteresfe seines Erwerbs zu reisen genötigt ist, wie in demjenigen, welcher die Eisenbahn zu Erholungs- und Vergnügungszwecken benutzt, der natürliche Wunsch, einen Teil dieses Ueberschusses für den eigenen Beutel - nutzbar zu machen. Bei diesem Wunsche wird aber nur zu leicht die Kehrseite der Medaille übersehen. Diese Kehrseite liegt in dem Umstande, daß Ueber- schüffe der Eisen bahnverwaltung ungefähr in ihrer gegenwärtigen Höhe einen notwendigen Faktor zur Erhaltung des Gleichgewichts in dem preußischen Staatshaushaltsetat bilden. Von dem nach Verzinsung der Eisenbahnschuld nach dem lausenden Staatshaushaltsetat noch zur Verfügung siebenden Ueberschusse der Staatseisenbahnvenwaltung haben nur 5 Millionen zur Tilgung der Eisenbahnschuld verwendet werden können, 98 Millionen aber zur Deckung von notwendigen Ausgaben, zu deren Bestreitung andernfalls die ordentlichen Staatseinnahmen keine Mittel bieten, eingestellt werden muffen. Wären diese Ueberschüsse der Eisenbahnverwaltung nicht verfügbar, so fehlte es nicht nur an den Mitteln zur Erleichterung der Volksschullasten und zu den Ueber- weisungen an die Kreise vollständig, sondern es wäre, selbst wenn man von diesen Erleichterungen abgesehen hätte, eine Vermehrung der Steuern um etwa 50 Millionen Mark, also beinahe eine Verdoppelung der Klaffen- und Einkommensteuer nötig, um die Mittel zur Deckung des Staatsbedarfs zu beschaffen. Wenn die jetzt immer stürmischer verlangten Ermäßigungen der Tarife eingeführt werden, so würden die Eisenbahneinnahmen sicherlich so sinken, daß von einem für die übrigen Staatsausgaben verfügbaren Etaisüberschuß der Eisenbahneinnahmen nicht mehr die Rede sein würde. Allein der Ausfall, welchen die gewünschte Ermäßigung der Gütertarife nach sich ziehen würde, ist von sachverständiger Seite auf mehr als 100 Millionen Mark int Jahr geschätzt. Zu dieser Summe würden dann noch die beträchtlichen Ausfälle hinzutrcten, welche an den Einnahmen aus dem Personenverkehr von der Erfüllung der bezüg-
(Nachdruck verboten.)
Vernunft und Kirbe.
Au- dem Briefwechsel zweier jungen Frauen.
Bon Marie v. Zobel und A. I. Groß v. Trockau. Fortsetzung.)
Ach liebste Freuudin, ich wollte, e8 stünde auch dl rneiuern Kalender ein bischen Aprilwetter. Kaum >virst Du'S glanbcu und fassen, und doch verlangt »ich zuweilen nach einem kleinen Sturm, nach etwas das die Gemüter bewegt, die Pulse höher schlagen Aacht, das einen lebhaften Gedankenaustausch, ein gemeinsames Handeln herbeisührt. Du weißt dicht, wie bedrückend es wirkt, dieses gleichmäßige, kdrseit'ze Wciterwirken auf dem vorgezeichneten Pfade ahne Lob, ohne Tadel, ohne Anerkennung und Unter» Atzung. Wie gerne wollt' ich Otto einmal aufbrausen scheu, ein strenges Wort, einen Befehl aus seinem Munde hören, — nur nicht immer diesen Gleichmnih diese Ruhe, diese Gleichgiltigkeit. Ja, daß ich's nut durspreche, daS Wort, das mir das Herz beschwert Aich entmutigt und weine Thatkraft zu lähmen droht
Otto's Gleichgiltigkeit für alles, was ich thue und leiste für meine Bestrebungen, unfern Bund zu einem AindesteuS freuudlicheu zu gestalten.
Trage ich die Schuld? Habe ich den rechten Weg mcht eingeschlagen, der unS zu einem bescheidenen «lück hätte führen können? Bi» ich der Aufgabe dicht gewachsen, oder ist Otto zufrieden, wünscht er dicht, daß ich s-inem Wirkungskreis näher trete, lrilnehme an seinen Arbeiten und Interessen, und soll ich hierin den Grund seiner Zurückhaltung und Kälte suchen?
Das find Fragen die ich wir wohl huudektwal delle, deren Beantwortung aber noch im Schooße der Zukunft ruht. Heute stehe ich noch auf derselben «rufe, wie in den ersten Tagen meiner Ehe, nur Ait weniger Zuversicht und Selbstverttaueu, mit der «drückenden Last der Gegenwart, die langsam und | kidförmig dahin schleicht.