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HLchmtliche Beilagen: Kreis »Blatt für die Kreise Marburg md Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt-
Expedition- Mark 51. — Redaktion, Druck und »erlag von Ioh. Lug. Koch. "
M 160.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-Abonnements-Preis bei der Expedition 2'/. Mk-, bei den Postämtern 2 Mk. 60 Pfg. (exkl. Bestellgeld) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg
Marburg,
Donnerstag, 11. Juli 1889.
Anze,gen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt-.M., Gaffel, Magdeburg u Wien; Rudolf Messe in Frankfurt a. M., Berlm. München u. Köln; G L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris-
XXIV. Jahrgang.
Die Ausführung -er Beschlüsse der Samoa-Konferenz hat jetzt bereits begonnen, und daraus ergiebt sich, dass auch die Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika mit den einzelnen Abmachungen einverstanden ist, wenngleich die offizielle Zustimmung erst nach dem Wieder- zusawmentlitt des amerikanischen Kongresses in Washington erfolgen kann. Wie erinnerlich sein wird, wurde bei der Vertagung der Samoakonferenz mügeteilt, daß einzelne Entscheidungen sofort voll streckt werden sollten. Das geschieht nun: Die beiden Kriegsparteien in Samoa, der bisherige .König" Tamasese und sein Gegner, der Häuptling Mataafa, schließen Frieden, und Malietoa, der von einem deutschen Geschwader abgesetzte König, kehrt nach Apia zurück und wird unter Zustimmung aller interessierten Mächte wieder zum König von Samoa ausgerufen oder neuerwählt werden, in dessen Namen aber eine aus Vertretern der Mächte bestehende Kommission fortan regieren wird. Diese Wiedereinsetzung eines entthronten .Königs" ist keine Neuheit, sondern hat erst vor einem halben Dutzend Jahren ein Vorbild gehabt. Damals führten die Engländer mit dem Zulukönig Celewayo einen ziemlich ausgedehnten Krieg, der mit der völligen Besiegung und Gefangennahme des Königs endete und der durch den Tod des Prinzen Louis Napoleon gewissermaßen berühmt geworden ist. Nach der Gefangennahme wurde Cetewayo nach England gebracht, dort u. a. auch der Königin vorgestellt, und erst nach längerer Pause kam er nach Osiafrika zurück, wo er wieder in seine Herrschaft eingesetzt wurde und sich nunmehr als Freund der Engländer zeigte, bis er nach einigen Jahren starb. Malietoa, mit dem wir es nun zu thun haben, war von Hause aus kein erbitterter Deutschenfeind, er hatte nicht den geringsten Anlaß, auf deutsche Reichsangehörige seinen besonderen Groll zu werfen. Aber er war, wenigstens in den letzten Jahren seiner .Regierung", eine völlige politische Null; wer ihm Geld schenkte oder borgte, an ein Wiederbezahlen war natürlich nie zu denken, war sein Freund, und Malietoa versprach ihm, was er halten konnte, und was er nicht halten konnte.
Als schließlich die von den Amerikanern aufgehetzten Eingeborenen allerlei Unbill gegen die Deutschen berübten, war ihm die Sache auch recht, und da ihm die Dankees blanke Dollars und gefüllte Flaschen brachten, glaubte er schließlich alle Ursache zu haben, kin Freund der Amerikaner und Feind der Deutschen
sRachdruck verboten.j
Vernunft und Liebe.
AuS dem Briefwechsel zweier jungen Frauen. Marie v. Zobel und A. I. Groß v. Trockau.
i Fortsetzung.)
«Wie gefällt Ihnen die junge Fran unseres schönen Rittmeisters Leitner?* fragte die Baronesse wre ältere Freundin.
Ich fühlte mich sofort verpflichtet, mich zu er- hebeu und den beide» Damen meine Gegenwart zu betraten, allein die rasch eiufalleude Gräfin machte 's wir mit dem, was ste sagte, unmöglich, und «Lute mich in mein Versteck.
„O sie ist hübsch*, sagte sie, .frisch und lustig, sehr unbedeutend, das reine Kind! Wenn sie »icht die reiche Mitgift hätte, würde er sie wohl kanm rvwmwen haben!"
.Freilich*, erwiderte die Lecken, .den Vergleich *it Liane Thalheim hält sie nicht aus, aber eine «bliche Erscheinung ist sie immerhin und sehr 6er, «bt in ihren teeren Gatten!'
. .Desto besser für sie', »einte die Gräfin, .wenn « nur auS diesem svßeu HerzenStranme me erwacht! ••inner tote Rittmeister von Leitner find nicht ge, m°|tt, nm kleine, unbedeutende Frauen auf im«ei in lieben, besonders wen» daneben eine alle Liebe n'ht, so sckön und geistreich wie Liane Tholheiw!"
»Und die die Bente nicht fahren läßt, liebe Frenudin", verbrach sie die Tecken.
.. »Sie hat sich übrigens sehr tapfer benommen "tseu Abend', entschuldigte die Gräfin.
e »3a gewiß', schaltete deren Freundin wieder ein. •wnr etwas blaß sieht ste «ul, und ihre Augen 'Wen nach immer mit demselben Feuer zu ihre» '"Minen Koni wacher.*
»Courmacher, meine Liebe? Ich glaube, Leitner weit «ehr all daS. Mau spricht sogar von stillen Verladung, welche der Rittmeister erst
zu sein. Ansehen besaß er nur wenig im Lande; die Häuptlinge zahlten ihm kleine Summen und thaten im übrigen, was sie wollten, und die leichtlebige Bevölkerung war ebenfalls mit dem absoluten Mangel an geordnetem Regiment einverstanden. Sie stahlen und tranken, wie sich die Gelegenheit gerade bot. Nun soll Malietoa wiederkommen! Man darf wohl annehmen, daß er in der Gefangenschaft etwas manierlicher geworden ist, und, was wohl für die Mächte am meisten ins Gewicht fällt, außer Malietoa ist kein Mitglied der alten samoanischen Königsfamilie vorhanden, welcher die Ein., geborenen allein den Königstitel zugestehen. Die kriegführenden Parteien haben sich in die neuen Verhältnisse gesunden, sie wissen, daß sie unter Malietoa ebenso unabhängig, wie bisher, sein werden. Für eine Regierung der Ordnung bietet Malietoa zwar wenig Gewähr, und deshalb werden die Regierungs befugnisie eben den Vertretern der interessierten Mächte zugeteilt werden, so daß also Ruhe und Ordnung gesichert sein werden, selbst wenn Malietoa in seine früheren Schwächen zurückfallen sollte. Er ist eben nur Strohmann. Neuer Zwist könnte lediglich durch neue Uneinigkeit der Mächte, speziell zwischen Nordamerika und Deutschland entstehen, und die Keime hierzu hat hoffentlich die Samoakonferenz beseitigt. Unbekannt ist bisher, ob von dem Häuptling Mataafa Genugthuung für den Kampf vom 18. Dezember gefordert werden wird. Verlangt wurde dieselbe, aber seither ist über bezügliche Schritte nichts weiter verlautbart.
Arutfchrs Reich.
Berlin, 9. Juli. Der „Reichsanz." berichtet ferner über die Reise des Kaisers: Auf der Fahrt des Kaisers durch den Hardanger Fjord am Donnerstag, den 4. Juli, wurde „Greif" beordert, bei der Telegraphenstation von Utne, kurz vor dem Eingänge in den Sörfjord zurück zu bleiben, um die bis zum Abend einkommenden Depeschen der Dacht nachzubringen. Nachdem die Dacht vor Odde im Sörsjord gegen 4 Uhr geankert hatte, begab sich der Kaiser im Jagdanzuge ans Land, unternahm eine etwa l*/t stündige Spazierfahrt im Kariol, welches von Sandven auf der Dacht mitgeführt war, bis an den See Sandven und kehrte zur Tafel um 6 Uhr sehr befriedigt an Bord zurück. Während der Abendstunden ließ der Kaiser die elektrischen Scheinwerfer der Dacht in Thätigkeit setzen, welche eine Lichtstärke von je 40 000 Kerzen repräsentieren und beobachtete die Wirkung derselben,
löste, als er von seiner jetzigen Frau das Janort bereits erlangt hatte.'
.Nicht möglich!" lief die Baronesse. .Nun, eS ist gvt, dcß junge verliebte Frauen nicht immer über die jüngste V-r gangen he it ihrer Gatten Bescheid wissen es möchte sonst schlimm ausseheu um manches ehe» liche Glück! Die arme kleine Leitner thut mir übrigens leid, wenn die Sache sich wirklich so 6er» halten sollte.*
Da die Damen plötzlich fanden, der feine Zug 6om Fenster her könne ihrer Gesundheit schaden, entfernten sie sich indeß ich tote oersteinert in meiner Ecke fitzen blieb.
Was hatte ich hören müssen?
Kurt sollte mit dem Bild eiu.r Andern im H-rzrn um mich gerrorbev, mir eine Liebe geheuchelt haben, die er nie gefühlt l Und das Alles um deS schnöden Mammons willen, den er mit meiner Hand erwarb? War eS möglich? War eS denkbar? Oder toar es eine Erfindung deS Neides und der Bosheit, eine abscheuliche Verleumdung? Gewiß, eS konnte nicht wahr sein! All' mein Glück lag jetzt in Trümmern wenn ich daS glauben sollte! Und dennoch, wenn ich seines Benehmens bet der Begegnung von damals gedachte, dann schien mir das Entsetzliche nur allzu wahrscheinlich. Tausend Zweifel zerrissen mein Herz. Ich hätte aufschreieu mögen vor Schmerz und Wehl Wie ei» Sturm durchtobte eS meine Seele, das Zimmer schien sich mit mir im Kreise zu drehen, die Menschen vor wir fliehen, und dennoch hatte ich das unbestimmte Gefühl behalten, daß ich mich aufrecht erhalten müsse.
Mühsam rang ich nach Fassung und eS »ar mir endlich gelungen, mich einigermaßen zu beruhigen, als auch schon die erste» Takte einer Quadrille er» tönten; die Paare ordneten sich bereits und auch mein Tänzer kam wich abznholeu. Ich erhob mich lebhaft, froh meinen eigenen Gedenke» zu entfliehe», nahm feinen Arm und trat nit ihm in daS Earree ein.
.Dicht neben uni, als erste! Paar bei nächsten
inbem der Kaiser selbst die Direktion des einen Apparats leitete. „Greif" war mittlerweile nadj Dbbe nachgekommen und überbrachte einige Depeschen. Nach einer sehr guten Nacht begab sich der Kaiser am Freitag, den 5., um 7l/a Ühr morgens ans Land, bestieg daselbst mit dem Dr. Güßler und dem General Grafen Waldersee je ein Kariol und begab sich wieder nach dem Sandven-See, woselbst das Gefolge bereits zu Fuß angelangt war. Nachdem bereit gestellte nordische Jollen den Kaiser mit Gefolge über den See gebracht hatten, wurde von Jordal aus gegen 8'/. Uhr morgens der Marsch nach dem Buar Brä angetreten. Der Weg führte über Steingeröll und auf leidlichem Fußpfade durch ein von allen Seiten von hohen Felswänden ein-- geschlossenes Thal ohne nennenswerte Steigung. Birken und Ulmen gaben einigen Schutz gegen die heiße Sonne. Gegen 10V. Uhr wurde der Fuß des Gletschers erreicht, in Nähe desselben das bereit gestellte Frühstück eingenommen und dann noch längere Zeit an dem Gletscher verweilt. Während der Anwesenheit lösten sich Teile der Eismassen und fielen mit großem Getöse in bin reißenden Fluß. Gegen 1 Uhr trat der Kaiser sehr befriedigt von dem Ausfluge den Rückweg an und langte gegen 3 Uhr an Bord zurück. Nachdem um 5 Uhr eingenommenen Mahle schoß der Kaiser nach der Scheibe mit der Büchse und mit der Pistole. »Greif" war auf Allerhöchsten Befehl morgens nach Stavanger abgegangen, um die Post von dort abzuholen und sie am Sonnabend nach Odde zu bringen. — Der Ehekontrakt des Kronprinzen von Griechenland und der Prinzessin Sophie, der Tochter Kaiser Friedrichs, ist in der verflossenen Woche unterfertigt worden. Die Schwester des deutschen Kaisers erhält eine Mitgift von zwei Millionen Mark, welche Summe den Erbanteil der Prinzessin von ihrem verstorbenen Vater bildet. Die Prinzessin erhält jedoch nur die Nutznießung der Summe, und ferner von der Kaiserin Friedrich eine Mitgift von hunderttausend Mark, wobei jedoch das Erbrecht der Prinzessin nach ihrer Mutter vollständig intakt bleibt. — Gestern nachmittag fand, der »Post" zufolge, eine Sitzung des Staatsministeriums statt. — Der Kultusminister hat die Universitäts - Kuratoren darauf aufmerksam gemacht, daß die Universitätskassen zu den Spezialkaflen gehören, und daß demgemäß nach dem Allerhöchsten Erlasse vom 11. September 1876 der Finalabschluß der genannten Kassen am 30. April jeden Jahres für das vorangegangene Rechnungsjahr stattzufinden hat.
CarreeS, stand Kurt mit Comteß Liane. Meine kaum bewahrte Fassung drohte «ich bei diesem Anblick zu verlassen.* Kurt sprach mit feiner Partnerin so eifrig, daß er den leichten Fächer schlag, mit welchem ® «ich ihm bemerkbar mache» wollte, garnicht be» achtete, und sie sah zu ihm auf mit einer ganze» Sieg e schmerzlicher Entsagung i» ihren schönen, dunkle» «»gen.
Da faßte mich ein wilder, stechender Schmerz der mir durch alle Pulse ging, der Boden wankte unter meinen Füßen, ich fühlte mich einer Ohnmacht nahe und bat mit fast versagender Stimme meinen -ä-aFjer, mich aus dem Saal zu geleiten. Er bot mir bereitwillig seinen Arm, flüsterte hastig seinem Vis-ä-™ eine Entschuldigung zu und verließ mit mir da» Carree, indeß Kurt, ganz vertieft in die Unterhaltung mit 2»ane, meinen Abgang gar nicht bemerkte. Erschöpft nnd in heiße Thränen ansbrechend denen ich nicht länger gebieten konnte, sank ich im Nebenzimmer auf ein Sopha und war bald von teilnehmenden Müttern, umringt, die mich mit Essenzen lesprengteu, mir beruhigende Worte sagten unb unter «6 über deuLetchtsinn der jungen Frauen und den wahr- cheinlichen Grund meiner nervöse» Aufregung zischelte».
Ich konnte endlich die Qualen, die mich erfüllten ond de» Zwang, den die Situation mir auferlegte, nigt Unger ertragen und bat, mir den Wagen zn- bestelle», ich wolle den Ball verlasse». Met» Tänzer ging sofort, den eigene» Wage» del Generals z» bestellen unb da die Quadrille zu Ende war, kam
3Ra1n“ ?rbei. Ich schloß die Augen als er sich über mich beugte und beantwortete seine etwa! besorgte Frage, ob ich mich noch unwohl fühle mit einem stummen Kopfnicken. Seine Nähe jedoch owie dal Bewußtsein, daß er jetzt au! dem Bereiche bou Lianen! schone» Auge» sei, gab mir rasch Ruhe °»d Fassung wieder »nd all der Wage» gemeldet wurde, vermochte ich an Kurt! Arm mich von der Dame de! Hause! zu verabschieden und die Treppe hinab bi! an da! Conpee zu gehe».
Des Ferneren hat der Minister die Kuratoren bi! auf weiteres ermächtigt, vom 1. April b. I. ab über den beim Titel »Insgemein" der Universitäts- rc. Etats gebildeten Dispositionsfonds „Zu sächlichen Ausgaben der Institute" mit der Maßgabe zu verfügen, daß die Mittel desselben, soweit sie nicht für die betreffenden Institute und Vorlesungen Verwendung zu finden haben, dem Titel „Insgemein" zuzuführen sind. Ueber die hiernach erfolgten Verfügungen ist dem Minister vierteljährlich eine spezielle Uebersicht einzureichen. Zuschüsse aus Zentralfonds zur Deckung etwaiger Fehlbeträge beim Titel „Insgemein" können nach dem bezüglichen Ministerialerlaß nicht in Aussicht genommen werden.
— Der mehrfach erwähnte Artikel über das Verhältnis von Krieg und Politik, welchen die „Nordd. Allg. Ztg." in ihrer Sonntagsausgabe veröffentlichte, hat folgenden Wortlaut: Da die „Kriegsfrage", wenn auch vorläufig glücklicherweise nur akademisch, und in der Mehrzahl sogar von recht unberufenen Federn, in einem großen Teil der europäischen Presse tagtäglich erörtert wird, so dürfte es nicht ohne Interesse sein, einen Blick in die einschlagende Literatur zu thun. Das Beste, was nicht nur in Preußen, sondern wohl überhaupt über die „Theorie des Krieges" geschrieben worden ist, rührt von dem bekannten General 6. Clausewitz her, welcher als eine unbestrittene Autorität auf diesem Gebiete angesehen wird. Es hatte sich zu der Zeit, als er lebte und wirkte, in den 20er und 30er Jahren, die Theorie vom sogenannten „absoluten Kriege" gebildet. Nach dieser Theorie ist der Krieg als etwas Alleinstehendes, nur seinen eigenen, technisch - militärischen Gesetzen folgendes zu betrachten, welches keinerlei Beziehungen zur allgemeinen Politik hat. Dieser Theorie, die sich in der auf die Freiheitskriege folgenden Friedensperiode gebildet hatte, trat Clausewitz auf das Entschiedenste mit der Behauptung entgegen, daß der Krieg sowohl seiner Ursache und seiner Entstehung nach, als auch während seines ganzen Verlaufes und bei seiner Beendigung im innigsten Zusammenhänge mit der allgemeinen Politik eines Landes stehe und dieser angepaßt werden müsse, wie das Mittel dem Zwecke. Clausewitz faßte feine ebenso scharfsinnigen als eingehenden, umfassenden und von einer Fülle kriegsgeschichtlichen Materials getragenen Betrachtungen dahin zusammen, daß der Krieg nichts anderes al- „die Fortsetzung der Politik mit anderen (d. h. gewaltsamen) Mitteln sei". Unter diesem Gesichtspunkte unterzieht Clausewitz die Kriege berühmter Feldherren aller Zeiten und Länder einer Kritik
Kurt hob mich sorglich hinein und fragte bann am Schlage stehen bleibend: „Fühlst D» Dich noch sehr unwohl, soll ich mit Dir fahre»? W nn cs nicht fein muß, kehre ich zurück in den Saal, dem ich habe mich zum Cotillo» engagirt und es ist heute etwa! Mangel an Tänzern.*
„Ich kann allein fahren! Bleib nur, wenn el Dir Vergnüge» macht', erwiderte ich kurz, gekränkt und cmpört darüber, daß er mich fragen konnte und e8 nicht selbstverständlich fand, mich zn Begleiten.
Er schien von alledem nichts zu bemerken, berührte zum Abschied leise meine Hand, gab dem Diener, welcher den Schlag schloß, unsere Wohnung an und trat bann in bas Hau! zurück, indeß ich laut aufschluchzend in die Kissen bei Wagens sank.
Es war vier Uhr morgens, al! er nach Hause kam und sich leise Über mein Lager beugte; ich hielt di- Augen geschlossen, obgleich ich wachte, denn ich wollte ihm nicht Rede stehe». — Ein innerer Schauder überlief mich bet der Atmosphäre von Tabak und Spirituosen, die von Kurt anSging. Er hatte also nicht nur bis zuletzt getanzt, sondern war offenbar noch bei dem Trinkgelage der Herren nach dem SaBe zurückgeblieben, indes ich mich einsam grämte und meinte. Hätte da! die Liebe zn thnn vermocht? O Elma, kann eS Dich wundern, daß ich damals unter Thränen einschlief und mit Thränen wieder ertoachte.
Kurt schlief noch fest, als ich mich von meinem Lager erhob, mich ankleidete und zum Frühstück ging, da! ich heute zum ersten Mal seit unserer nngeu Ehe allein einnehmen mußte. ES war mir recht schwer um! Herz unb meine Aufmerksamkeit war gar nicht bei ber Zeitung, die meine Augen Überlogen, ohne ihren Juhall meinem Geiste zum Bewußtsein zu bringen, denn zwischen den Zeilen lief die Erinnerung an den vergangenen Abend hin und mein Herz bewegte ängstlich die bange Frage: wie ollte ich Kurt begegnen, wie konnte ich mit alledem ans dem Herzen fortan mit ihm weiter leben?
Mir bangte ordentlich vor einem Wiedersehen