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MchWe Jalung.

WLchmtliche Beilagen: Kreis «Blatt fir tzik Kreise Marburg md Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt-

Expedition- Rar« 81. Redaktion, Druck und «erlag bon Joy. Koch.

M 157.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-Abonnements-Preis bei der Expe­dition 2V48RL, bei den Postämtern 2 Mk. 50 Psg- (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg., Reklamen für die Zeile 25 Psg

Marburg,

Sonntag, 7. Juli 1889.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf HIV Moste in Frankfurt a. M., Berlin. München u. Köln; G. L ^yuyiyuug.

Daube u- Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris-

Für Juli bis September

(3. Vierteljahr)

abonniert man noch bei der nächst ge­legenen Postanstalt, bei Herrn Buch­binder Rindt in Kirchhain und der Ex­pedition in Marburg auf die

vberhesfische Zeit»»»

nebst

Areisblatt und Illustriertes Sonntagsblatt.

Wochenschau.

Die Hundstage sind eingekehrt und haben nahezu völlige politische Stille gebracht. Unser Kaiser hat seine Erholungsreise nach den norwegischen Küsten angetreten, die bisher ohne alle Störung verlaufen ist. Die Rückkeh,. des Monarchen nach Deutschland wird erst zu Ende des Juli erfolgen, und schließt sich an die Heimkehr nach Wilhelmshaven dann sofort der Besuch der Königin von England an, der nicht in London, sondern auf der Insel Wight in Osborne, dem Lieblingsschloste der Königin Viktoria, erfolgen wird. Viel und freilich unnötig besprochen wurde das seltsame Auftreten eines russischen Offiziers während der Jubiläumsfesttage in Stuttgart, wo derselbe auf die Gesundheit der deutschen Armee zu trinken sich weigerte. Diese schroffe Haltung hatte in den russischen Zeitungen die vollste Billigung gesunden, und wenn hinterher auch das Ereignis selbst als unrichtig bezeichnet wurde, wir haben doch wieder einmal gesehen, wie man in Wahrheit im Zarenreiche über Deutschland denkt und von uns spricht. Frankreich hätte wohl oder übel seine Revanchepläne längst aufgeben muffen, wenn es nicht aus der russischen Politik noch fortwährend die Hoffnung schöpfte, eines schönen Tages doch seine Wünsche erfüllt zu sehen. Jedenfalls haben wir aber keinen Anlaß, uns heute darüber Kopfschmerzen zu machen. Die russische Kaiscrfamilie hat eine Rundreise im finnischen Meerbusen angetreten, welcher zu Anfang August der Ausflug nach Kopenhagen folgen soll. Ueber den Gegenbesuch des Zaren in Deutschland ist immer noch nichts Sicheres bekannt. Bon beiden Seiten ist die Sehnsucht auch wohl nur ziemlich mäßig.

Der Streit mit der Schweiz ist vielleicht noch

[Nachdruck octbotew.]

Vernunft und Liebe.

AuS dem Briefwechsel zweier jungen Frauen.

Bo» Marte v. Zobel und A. I. Groß v. Trockau.

Brief 1.

Elma an Doris!

$ . . ., am 30. April 68.

Wenige Wochen nm find vergangen, seit vir von einander Abschied nahmen nnd dennoch erscheint es wir, als läge eine Ewigkeit zwischen jenem Tag und heute» als hätte diese kurze Spanne Zeit mich «einem Mädcheulebeu um Jahre entrückt. So viele der wechselnden Eindrücke und Empfindungen drängten sich meiner Seele auf, so harte und zahllose Kämpfe durchströwteu mein Inneres, bis endlich nach langem, tapfer» Ringen jene Ruhe über mich gekommen, die allein das Bewvßtfein treuer, gewissenhafter Pflicht« «füllung, das redliche, rastlose Streben »ach einem tdle» Ziele einem tiefbewegten Frauengemüt geben kann.

Begreifst Du eS, geliebte Doris, wie schwer die Lösuug der Aufgabe ist, die ich mir fürS Lebe» ge­stellt habe: Andere glücklich zu mache», sie des Daseins Freude voll empfinden zu laffeu, während das eigene Herz der Liebe abgestorben ist, für sich selbst jedem Glück entsagt hat?

Dn kennst die Verhältnisse, unter denen ich meine Ehe geschloffen habe, Du weißt, welche Beweg- Srüude mich bestimmten, meinem, Gatten die Hand pr reiche»; als Professor Otto Boyer um mich warb, ttg das Lebe» leer uud öde vor mir, ich hatte mich kden mit tausend Schmerze» loSgeriffeu vou dem sonnige» Traum eiuer heiße», beseligende» Liebe lud mit ihr Hoffnung, Glück uud Jugeod zu Grabe getrageu, da tonnt* ich dem edlen Manne keine Zu- Ueiguug heucheln, wo mein Herz kalt und frostig, wein ganzes Sei» jedem wärmere» Gefühle uuzu- stanglich war, mich nicht zn einem Bunde überreden offen, dessen Grundlage allein Achtung nnd kalte «ernnuft gewesen wäre. Doch «II er endlich

nicht ganz beigelegt, aber sicher ist er in mildere Formen getreten. DieNordd. Allg. Ztg.", welche Tag für Tag diesem Thema zwei energische Ab­handlungen widmete, beschästtgt sich jetzt mit anderen Dingen und erwähnt die Schweiz überhaupt nur noch roei ij. Auch Aeußcrungen, welche der Kaiser bei seiner jüngsten Anwesenheit in Süddeutschland ge- than hat, berechtigen zu dem Schluffe, daß ein volles Einvernehmen bald nieder hergestellt sein wird. Der Kaiser bedauerte, die zwischen den beiden besteundeten Staaten eingetretene Störung, erkannte aber an, daß die Schweiz guten Willen zeige, den Reklamationen wegen der Handhabung der Fremden­polizei zu entsprechen. Er hoffte ebenfalls, der Zwist werde kerne Spur zurücklassen. Sehr, er­freulich ist, daß die einen Augenblick hervorgetretene Neigung, aus dem politischen Stteit einen wirt­schaftlichen Streit zu machen, wieder verschwunden ist.

Die Session der österreichisch-ungarischen Dele­gationen in Wien ist nach den bekannten sehr fried­lichen Erklärungen des Grafen Kalnoky still verlaufen und wird nächster Tage schon nach Bewilligung aller Forderungen geschloffen werden. Der auswärtigen Politik der Regierung ist von den parlamentarischen Körperschaften der vollste Beifall gespendet worden, namentlich ist die unveränderte Fortdauer des großen Friedensbundes mit großem Beifall begrüßt worden. Wie ein roter Faden zieht sich durch alle Reden aber der bestimmte Hinweis, daß die Wiener Re­gierung ihre Jntereffen im Orient mit allem Nach­druck vertreten wird und gar nicht daran denkt, den Ruffen freies Feld zu lassen. Die Berhältniffe in Bosnien und der Herzegowina, dem österreichisch- ungarischen Reichslande, entwickeln sich in befriedigender Weise. Von Jntereffe ist auch die Mitteilung, daß im kommenden Jahre die Bewaffnung der ganzen Armee mit dem neuen Repetiergewehr durchgeführt sein wird. Einen für die .Versöhnungs"-Politik des Ministeriums Taaffe sehr unerfreulichen Ausgang haben die Landtagswahlen in Böhmen genommen. Die Altzechen, die zwar die Deutschen auch wenig leiden konnten, mit denen sich aber noch ein Wort reden liefe, find von den fanatischen Jungzechen total geschlagen. Der Haß derselben gegen das Deutschtum geht bekanntlich bis zur offenen Be­kämpfung des deutsch-österreichischen Bündnisses, und der jungzechische Turnverein feierte neulich erst in Paris mit den Franzosen em Verbrüderungsfest. Herr Graf Taaffe ist mit der Nase auf die alte Wahrheit gestoßen: .Wer Wind sät, wird Sturm einten!"

wiederholt in warme«, beredte» Worte» uunmehr für sein Kind flchte, als die liebliche Minute selbst zärtlich ihre Aermchen nm meinen Hals schlang und mich bat, ihr eine liebe Mutter zu werden, da schwanden alle wetteren Bedenken und ich gelobte in Ottos Hand, der mutterlose» Waise ei»e treue, sorgende Pflegerin zu werden. Unsere Vermählung folgte der Verlobung i» schnellster Frist, und von derselben kamen wir bann ohne Umwege, sogleich hierher nach H., wo mein Gatte seit Kurzem die Stelle eines Profeffois an der Universität bekleidet.

ES war mein Wunsch, sofort in den Wirkungs­kreis meines neuen Berufes eiuzutreten, und Otto, stets bereit, tu rücksichtsvoller Weise meinen Bitten uachzukommeu, nahm um meinetwillen gern Abstand von einer längst geplanten Reise nach dem Süden. WaS sollte mir der blaue sonnige Himmel, die blumigen Gtfilde Italiens, wo kein warmer Strahl tu mein Herz fiel, keine duftende Blüte mehr für mich zn breche» war? Und doch laß mich nicht undankbar sein ein lichter Sonnenstrahl begrüßte mich an der Pforte meines neuen Heims und zog freundlich leuchtend mit mir durch die Räume des HaufeS e» war Minute, mein liebes Töchterchen, die, einen mächtigen Veilchenstrauß in den Händen, mir voll kindlicher Freude entgegenries: .Mama, ich habe die Blumen alle selbst für Dich gepflückt!'

Still und scheinbar ruhig nahm das Leben bann seinen Fortgang für meinen Mann in rastloser, unausgesetzter Thätigkeit, für mich in ber Sorge ums Hauswesen unb nm Minute, beten alleinige Erzieherin ich vor ber Hand noch bleiben will. Die Aufgabe ist nicht leicht, benn mancher Fehler, manche Laune hat sich bei bem vier Jahre laug mutterlosen Kiube eiugeschlichen unb schon tiefe Wurzel gefaßt, allein mtt Liebe nnb Gebnlb läßt sich so viel er. reichen, bte Kleine ist mir innig zugethan, gewöhnt fich täglich mehr an mich, unb ich glaube auch i» den ernste» Züge» ihres Vaters hie unb ba ein freudige» Aufleuchten jn bemerken über die Fort«

In Paris ging es bunt zu. Jn der Kammer warfen sich die Herren Volksvertreter die größten Unhöflichkeiten an den Kopf, mitunter kam es auch zu einem kleinen Handgemenge, welches die Saal­diener schlichten mußten. Dabei sind allerlei schmutzige Geschichten aufgetaucht, welche ein mehr als merk­würdiges Licht auf französische Verhältnisse werfen. Um eine günstige Wahlstimmung hervorzurufen, arbeitet die Regierung mit Hochdruck; was wir in Deutschland unerlaubte amtliche Wahlbeeinfluffung nennen, wird in Frankreich in ungeniertester Weise ausgeübt. Die Erhebung der Anklage gegen Boulanger ist beschlossene Sache, doch wird der Prozeß kaum vor Ende August beginnen. Der Besuch der Aus­stellung hat, wie nicht anders zu erwarten war, nicht unerheblich nachgelaffen. Die Menschheit von Europa hat ja auch noch an anderes zu denken, als nur an den Besuch der Pariser Ausstellung. Daß sich ein riesengroßes Defizit infolge der glänzenden Ausstattung und des kostspieligen Betriebes ergeben wird, ist heute schon klar, es können leicht hundert Millionen Franken herauskommen. Aber was wird das ausmachen? Paris hat sein Heu im Trocknen. In England ist der Shah von Persien jetzt der Held des Tages und wird denn auch ganz gehörig ge­feiert. Daß John Bull politische Erfolge aus dem Besuch herausschlagen wird, wird aber nicht ge­glaubt; der Schah sitzt zwischen England und Ruß­land, wie zwischen Baum und Borke, und wird sich hüten, den einen zu viel zu thun und dem anderen zu wenig. In Irland ist es bei Versammlungen wieder zu mehreren größeren Krawallen gekommen. In einem derselben wurde auch der Abgeordnete O'Brien erheblich am Kopfe verwundet.

Der Gegensatz zwischen dem Königreich Italien und dem römischen Stuhle ist größer, denn zuvor. Die Errichtung des Giordüno-Bruno-Denkmals scheint Leo XIII. ganz außerordentlich tief gekränkt zu haben, seine im letzten Kardinalskollegium gehaltene Rede gegen Italien ist nämlich von ganz besonderer Schärfe und zeigt heftige Erbitterung gegen die lei­tenden Staatsmänner. Der Papst befürchtet, daß es schließlich zu einem ernsten Konflikt kommen werde und soll schließlich für einen solchen Fall das Ver­lassen von Rom in Aussicht genommen haben. Ein schnelles Eintteten eines so ernsten Zustandes ist aber wohl kaum zu erwarten und kann auch der italienischen Regierung in keiner Weise erwünscht fein. Auch die italienische Hauptstadt Rom würde stark verlieren, wenn sie nicht mehr die Residenz des Papstes wäre.

schritte, die wir Beide zusammen mache«. Nun, liebe Doris, hast D» ein Bild meines jetzigen Lebens, wie so ganz anders wird Dein erster Bericht ans den Flitterwochen lauten! Erzähle mir von Deinem Glück, dem ich eine immer gleich warme Teilnahme im Herzen bewahre.

In treuer Freundschaft

Deine Elma.

*

»rief 2.

Doris an Elma.

6 . . ., am 16. Mai 1868.

Wie eine fünfte Elegie, wie die liebe Stimme meiner kauten Elma selber, muteten mich Deine freundlichen Zeilen an, die ich, trotz der «nanSge- setzten Hitze und Aufregung der letzten Wochen unb Monate, recht sehnlichst erwartet hatte.

Du warst so ernst, als Du im Brautkranz nnb Schleier von mir Abschied »ahmst, Deine Wange» schiene» so bleich, Deine Blicke so trüb, so gar nicht wie die strahlenden Augen einer glücklichen Braut, daß ich wie ein leises Bange» »m Dich fühlte; nm so «ehr freut eS mich jetzt, a»S Deinem Briefe zn entnehmen, daß auch auf dem ernsten Pfade der Pflicht die Blume der Freude schüchtern erblühen kann. Möge fich dieselbe für Dich, meine thenre Elma, immer schöner entfalten nnb Dich endlich so glücklich machen, wie ich eS bin, fett ich meinem ge. li'bten Kurt die Hand am Altäre gereicht. Ja, Elma, ich möchte es hinansjnbel» in die schöne, wette GotteSwelt, ich bin glücklich, unendlich, unbe­schreiblich glücklich in dem B: fitze de» geliebten Manne». Seit ich hinanSgezogen ans dem Eltern- Hause nnb Kurt mir bie Thränen beS Abschieds von den Wangen geküßt hat, ist mein ganzes Dasein nur ein Licht bet Liebe nnb beS Glücks gewesen. Der Blitzzug ttng uns noch am Tage unserer Hochzeit bis Verona, wo wir auf ber monbbeglSnzten Arena standen und fest umschlungen uns zuflüsterten, daß wohl nie zwei frohere Herze» die» schöne Schauspiel

Im serbischen Kloster Zitsche hat die feierliche Salbung König Alexanders von Serbien durch de» Metropolitan Michael, den eifrigen Förderer der panslawistischen Idee, stattgefunden. Die erste Person bei diesem Feste war aber eigentlich nicht der junge König, sondern der russische Gesandte Persiani, der als Vertteter des Zaren erschienen war und von der Bevölkerung stürmisch empfange» wurde. Der Gesandte blieb stets zur Rechten de» Königs und scheint diesem gleich nach der Zeremonie eine Vorlesung über Königspfltchten gegeben zu haben, denn er hatte eine einstündige Unterredung unter vier Augen mit dem Könige. Weit mehr noch als in Serbien hat sich der Einfluß Rußlands in Mon­tenegro gezeigt, wo der Thronfolger bei seiner Groß- jährigkeitserklärung sogar dem Zaren hat Treue schwören müffen. Neue Gefechte zwischen Engländern und Egyptern auf der einen und den Sudanderwischen auf der anderen Seite haben bei Wady-Halfa statt­gefunden. Die Derwische wurden aber mit großem Verlust zurückgeschlagen. Ueber die Konvertierung der egyptischen Rente dauern die Verhandlungen zwischen Frankreich und England fort. Die Pariser Regierung, die sich erst gewaltig auf die Hinterfüße, setzte und hohe Bedingungen stellte, scheint sich nach­gerade doch eines befferen besonnen zu haben.

Deutsches Deich.

Berlin, 5. Juli. Der Bundesrat hielt gestern unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten des Staats­ministeriums, Staatssekretärs des Innern, v. Bötticher, eine Plenarsitzung ab. Ein Antrag Anhalts, welcher bezweckt, für gewiffe Arten leichten Bieres von ge­ringem Alkoholgehalt das Feilbieten im Umher­ziehen zu gestatten, wurde dem Ausschuß für Handel und Verkehr zur Vorberatung überwiesen. Der Vorsitzende machte Mitteilung davon, daß über die Fundstücke der Ausgrabungen auf dem Boden des alten Olympia in der vom Bundesrat bereits früher genehmigten Weise nunmehr Verfügung getroffen worden ist. Zur Besetzung der bei mehreren Diszi- plinarkammern erledigten Stellen wurden die er­forderlichen Wahlen vorgenommen. Aufgrund des Unsallversicherungsgesetzes wurde genehmigt, daß für die Norddeutsche Textil - Berufsgenoffenschaft statt eines Schiedsgerichts, deren mehrere nach Bezirken gebildet werden. Den Anttägen der zuständigm Ausschüffe gemäß gelangte eine Reihe von Vorlagen aus dem Bereich des Zoll- und Steuerwesens zur Erledigung, so die Bestimmungen wegen Veröffent­lichung periodischer Mitteilungen über den jeweiligen

genoffen hatte«. Dann zogen wir wieder heim durch die öden Straße» »ach »vserm Hotel, allwo ich zn« erften Mal meinen neuen Namen einzeichnete in ba» Frembenbnch: DoiiS von Lettner I Da staub es in etwas unsicherer Schrift, bie Kurt mit einem kalli­graphischen Schnörkel verbesserte, eS schien mir wie bie Aufschrift zu einem neuen Leben! Unb baS ist auch für mich angebrochen, nicht nut in ben sonnigen Gefilben beS Südens, die wir im vereinten Genuffe durcheilte«, foudern mehr noch in meinem eigenen trauten Heim, wo ich nun feit Wochen als Hausfrau walte, als ein reizendes Weibchen, wir mein allzu nachsichtiger Satte mir täglich neu versichert!

Ach, ich kann Dir nicht sagen, wie hübsch eS war als wir, vou unserer Hochzeitsreise znrückgekehtt, unser liebes, trautes Heim zum erstenmal betraten, baS bie Fürsorge meiner theuren Eltern so reizeub für uu» auSg-stattet hatte. Die Dienerschaft, selbst Kurt» Bursche nicht ausgenommen, hatten sich in Gala ge­worfenen unb bewillkommeute« uns mit großen Sträußen an ber Schwelle unserer Wohnung. Ein reizeub gebeckter Theetisch erwartete nuS im Eßsalon unb mit hochklopfenben Herzen machte ich bat an znm erstenmal bie Honneurs für meinen lieben Kurt.

Seitdem finb wir nach einigen, noch im stillen, verborgenen Glück verlebten Tagen Bieber in ba» Alltagsleben eingetreten; Kurt versieht feinen Dienst beim Regiment nnb ich gehe meinen neuen Pflichten als Hausfrau nach unb harre ber Wieberkehr meine» lieben Männchens, dessen Schritt auf der Treppe ich schon von Weitem erkenne. Gehen wir dann zu­sammen au», fühle ich mich an feiner Seite so stolz nnb glücklich, wie als Braut, in dem Bewußtsein, daß kein flotterer Husar im ganzen Regiment sich be­findet, als mein Kurt! Eine kleine tragikomisch« Scene von nuferer Reife muß ich benn noch beachten!

(Fortsetzung folgt.) ä