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Mchentliche Beilagen: Kreis «Blatt ffr tzir Kreise Marburg M Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt

Expedition Mar« 81. Redaktion. Druck und Berlag vou 3oh. Sag. Koch.

M 155.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn« und Feiertagen. Quartal-Abonnemerts-Preis bei der Expe­dition 2*/43Rl., bei den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld) JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg

Marburg,

Freitag, 5. Juli 1889.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg u Wien; Rudolf TTFV Moste in Frankfurt a. M-, Berlin,München u. Köln; G. L. 1' ,vU4't Daube u. Co. in Frankfurt a.M, Berlin, Hannover, Paris-

Für Juli bis September (3. Vierteljahr)

abonniert man noch bei der nächst ge­legenen Postanstalt, bei Herrn Buch­binder Rindt in Kirchhain und der Ex­pedition in Marburg' auf die vterhesfische 3ett**g nebst

streisblatt und Illnftriertes Sonntagsblatt.

Mit dem Pariser AusKelltmgsfrikden ist es jetzt so ziemlich vorbei. Die französischen Parteien hatten sich bekanntlich bei der Eröffnung der Weltausstellung zum Beginn des Mai fest vor­genommen, den Parisern das Geschäft nicht zu stören und den Ausstellungsfriedtn heilig zu halten. So­weit hat der gute Vorsatz allerdings gereicht, daß man sorgfältig vermieden hat, dem Ministerium Tirard - Constans Schwierigkeiten zu bereiten und eine ernste Ministerkrisis herbeizuführen. Die radi­kalen Republikaner sind zwar dem heutigen Kabinett durchaus nicht wohlgesinnt, aber da sein Sturz nur dem Boulangismus zugute kommen würde, nehmen sie es mit bis zu den Wahlen. Alle frommen Ge­danken haben aber doch nicht dazu genügt, in der Deputiertenkammer überhaupt Frieden zu halten, und heute vergeht fast keine Sitzung mehr, ohne gehörigen Lärm. Der Zweck dieser Skandalei ist lediglich, für die Wahlen Stimmung zu machen; es fällt in dessen den antirepublikanischen Parteie» recht sauer, wirlliche Erfolge zu erzielen. Den Minister Constans, der Boulangistentöter, hat reines Feld gemacht, und dann läßt es die Regierung auch nicht an weit­gehenden Vorbereitungen für die Wahlen fehlen. Der Kriegsmimster hat den Truppenbefehlshabern soeben vertraulich mitgeteilt, daß in kurzem der ganze Truppenjahrgang 1884 und 40 Prozent des Jahr­ganges 1885 entlassen werden sollen. Sonst findet die Entlassung erst im September nach den Man- vövern statt, in diesem Jahre geschieht sie volle zwei Monate früher. Obwohl der Minister den Tag noch nicht näher bezeichnet hat, wird die Ent­lassung voraussichtlich sofort nach dem Schluß der Kammersession erfolgen. Die Einstellung der Re­kruten des neuen Jahrganges wird erst im November,

statt im Oktober, erfolgen. Den Soldaten, sowie ihren Angehörigen ist diese Abkürzung der Dienstzeit natürlich höchst willkommen, und darum allein findet sie statt. Der einzige Zweck der Regierung bei diesen Maßnahmen ist eben, für die republikanischen Kan­didaten bei den Wählern Stimmung zu machen.

Tie Deputiertenkammer bewilligt jetzt in jeder Sitzung Gelder ober Maßnahmen, welche ebenfalls keinen anderen Zweck haben, als die Wähler, welche heute noch unschlüssig sind, für die Republik zu ge­winnen. So ist zum Beispiel eine Million Franken bewilligt worden, um kleine Landleute ausgiebig unterstützen zu können, welche durch Hagel, Ueber- schwemmnng und andere Ereignisse geschädigt wurden. Tie Monarchisten wollten einen entsprechenden An­trag stellen, aber der eifrige Constans kam ihnen mit der Geldforderung zuvor. Diese Gelder be­kommt aber nicht, wie es anderswo selbstverständlich wäre, der Ackeibauminister in die Hände, sondern der Minister des Innern läßt sie durch die Prä­fekten verteilen. Jedermann weiß und findet es sogar m der Ordnung, daß solche Unterstützungen nach politischen Rücksichten verteilt werden. In den weitaus meisten Fällen dienen sie zur Aufmunterung und Belohnung der Wahlstützen der Regierung. Es giebt thatsächlich in Frankreich, namentlich in Kor­sika, ganze Dörfer und Striche, in denen keine Kuh zu finden ist, da die Leute nur Ziegen halten. Und doch sind in solchen Dörfern schon oft genug Unter­stützungen vertellt worden fürdurch Rinderpest er­littene Verluste."

Die Zuschüsse für landwirtschaftliche Vereine, Kranken- und Sterbekaffen und sonstige gemein­nützige Vereine und Anstalten sind wiederum ein Mittel der amtlichen Wahlbeeinflussung und Wahl­mache. Regelmäßig wird auch während der Wahl­bewegung die Zahl der bei öffentlichen Arbeiten und Eisenbahnbauten angestellten Personen vermehrt, weshalb stets zahlreiche Unternehmen dieser Art in allen Ecken und Enden des Landes im Gange ge- jalten werden. Manche werden sogar von einer Wahlperiode bis zur anderen hingeschleppt, bevor ie fertig werden. Jedesmal werden auch einige neue Arbeiten auf Staatskosten zur Wahlzeit be­gonnen ober in Aussicht gestellt. Die Kammer hat in den letzten Tagen wiederum die bezüglichen Gesetze schockweise genehmigt. Darunter befinden ich auch die Anleihen einer Menge Städte und Gemeinden. Neben allen diesen Wahlvergünstrgungen gehen natürlich auch die Ordensverleihungen in ver- tärktem Maße her. Von wem nur irgendwie eine

^Nachdruck v.rboteu.j

Aller«.

Eine Sommer-Humoreske von Konrad Eteiermann.

Gerade zwei Tage nach ihrem Geburtstage, der ix ben Beginn des Wonnemonats fiel, war Frau Marie Neusteiu krank geworden. Das war unan- zen-bm für die ganze Familie im Allgemeinen, und für Herrn Neusteiu im Besonderen. Denn wo der hernn Auge über dem Haushalt nicht sorgend wacht, »a muß bald Fünf eine gerade Zahl sein, and Ernst Keusteiu hatte seiner Frau, die schon fett Ostern über Unpäßlichkeit geklagt, zum Wiegenfeste einen wunder­hübschen Schmuck gi schenkt. Der hatte das nervöse Setten beseitigen sollen.

Die fnukelndeu Steine hatten auch ihre Arbeit tethau, aber leider dauerte die unmittelbare Wirkung »es Erfolges nicht lange. Denn, wie zum Etu- Xluge gesagt, gerade zwei Tage nach ihrem Ge- NtiStage wurde Frau Marie krank, ernstlich krank, Ne sie sagte.

ES war außerordentlich verdrießlich. Ernst «ustein rieb sich verzweifelt den Kopf, als znm sechsten Male in einer Woche die Suppe versalzen ab bet Braten mit brenzlichem Geruch auf ben risch kam. Die Köchin bekam eine Flut vou Bor. dürfen zu hören, aber diese brave Person erwiderte «tegorisch, mehr als arbeiten könne fie nicht, und dstr Hände hätte fie nicht. Wenn fie fortwährend rat die Frau Kraukengerichte kochen müsse, könne fie um das Mittagessen für den Herrn weniger «mmeru. Gott sei Dank, verheiratet seien fie ja icht, und wenn eS dem Herr» nicht «ehr passe, dann »erbe fie znm nächsten Ersten gehen. Die Thür ««Dte nur so.

Herr Neusteiu schwiea! Au» der ersten Woche nttbe die zweite deS Mai, a»S der zwetten die »tttte uud so fort, bi» endlich der Juni heraukaw. Der Zustand vou Frau Marie uud de» Mittag, «oder ließ fortwährend zu wünsche» übrig. Dazu

waren an der Börse die Papiere gefallen, und der geplagte Ehemann uud geärgerte Geschäftsmann machte seinem Unmut in so kräftige» Worten Luft, daß die arme kranke Frau gewiß bittere Thräueu vergosieu habe» würde, wenn fie die barbarischen Aeußerungen gehört hätte. Aber fie vernahm sie nicht, und ihr Herr Gemahl wurde auch besserer Lanue, nachdem er tu seiner Stammkuetpe ein opu­lentes Strohwittwerfrühstück zu stch genommen hatte, welches der schlaue Wirt extra für verlassene Ehe­männer und solche, die es werden wollte», abge. richtet hatte. Nicht allzubillig, aber delikat!

Milder gestimmt setzte er fich a» das Schmerzens­lager seiner Frau. Fra« Marie hatte eben die neueste Bazar-Nummer geleseu, aber fie sah so ent» schlich angegriffen aus, als ihr Gatte ins Zimmer trat. Den Bazar hatte fie zwischen einen Kletder- halter verborgen. Selbstverständlich darf eine Frau vor ihrem Mauue keine Geheimnisse haben, 'aber daß der Manu alles erfährt, ist uuu auch gerade nicht nötig. Die Frau hat billigerweife auch ihr Tell au den Familtensorgeu stillschweigend zu trogen, nnb Denn auch eine neue Sommertotlette nicht der Güter größtes ist, so ist die Auswahl vou Stoff, Form, Besatz n. f. w. auch nicht der Sorgen kleinste. Und welcher Edelmut der Frau, die fich in ihrem leiden« ben Zustaube so abmüht! Mit Recht sagt der Dichter: .Ehret die Frauen, fie flechten und weben allerlei Rechnungen i»S häusliche Leben I"

Ernst Neustein trat also mit sehr mitleidigem Geficht zu feiner Frau uud ergriff ihre Hand. Er chaute so besorgt drei», daß selbst der flotte Schnurrbart davon angesteckt war; die sonst so fesch in die Höhe stehenden Spitzen hinge» recht trüb« tilg hernieder, eS war der reine Ansatz z»r Traner- weide. .Mäuschen, war machst Du?« .Mäuschen" machte gar utcht», fie seufzte uur uud schlag matt die Augen auf. Er faßte ihre Hand in seine Fivger und streichelte fie zirrlich. «Wie Du mir leid thuest 1 Aber warte n»r, so bald Du wieder aus de«

Förderung der Regierungskandibaten zu erwarten ist, bem wirb auch die Ehrenlegion ins Haus ge­schickt. Ein Spezialzugmittel bilbet noch die Aus­stellung. Zahlreiche kleine Beamte, Lehrer unb anbere Personen besuchen dieselbe auf Staatskosten; natürlich erwartet man, baß eine Hand bie anbere wäscht.

Deutsches Keich.

Berlin, 3. Juli. Heute fanb eine Sitzung des Ausschusses bes Bunbesrats für Justizwesen unb eine Sitzung ber vereinigten Ausschüsse für Hanbel unb Verkehr unb für Justizwesen statt. lieber Aeußerungen bes Kaisers bezüglich ber Schwierig­keiten mit der Schweiz wirb aus Karlsruhe ber Köln. Zeit." berichtet;Von einer Seite, bie ich für unbebingt zuverlässig halte, erfahre ich, baß der Kaiser bei feinem jüngsten Aufenthalt in Süd- beutschlanb wiederholt Anlaß genommen hat, über ben Zwischenfall mit ber Schweiz sich auszusprechen. Der Kaiser erklärte babei sein Bedauern, baß bie bciben Völker, bie so lange und so innig mit einander befreundet seien, jetzt in einen Streit ge­raten wären, sie wüßten selbst nicht wie. Die Hand­habung der Fremdenpolizei in der Schweiz habe freilich schon seit längerer Zeit Deutschland Anlaß zu Klagen und Beschwerden gegeben. Es sei aber nach den aus der Schweiz jetzt vorliegenden Be­richten anzunehmen, daß auch in den dortigen maß­gebenden und unbefangenen Kreisen sich die Ueber- zeugung Bahn breche, daß die schweizerische Fremden­polizei einer gründlichen Reorganisation bedürfe; derartige Aenderungen seien denn auch schon that­sächlich angebahnt. So zweifle der Kaiser nicht, baß binnen kurzer Zeit die jetzigen Meinungsver­schiedenheiten beseitigt werden und baß sich bas frühere gute Verhältnis balb wieder Herstellen lassen würde. Nach Lösung der jetzt schwebenden Frage würde die dauernde Interessengemeinschaft der beiden Völker für ungestörte Erhaltung der beiberfeitigen Unabhängigkeit zweifellos mehr als je erkennbar werden." Gemäß bem Statut ber Viktoria- National - Invaliden - Stiftung ist nach dem Heim­gänge des verewigten Protektors, des Kaisers Friedrich, das Protektorat der Stiftung auf den Kronprinzen übergegangen. Für die Zeit, während welcher derselbe noch nicht im Stande sein wird, die Geschäfte als Protektor zu übernehmen, hat der Kaiser durch einen an den Kricgsminister und den Minister des Innern unterm 19. März gerichteten Erlaß den Prinzen Heinrich mit der Stellvertretung

Zimmer darfst, fahre« wir alle Tage spaziere» I« Sie lächelte matt. .Wie gut Du bist! Am vorteil- hafteste» für mich würde wohl eine Badereise fein, aber Dich allein lasse», »achdem Da tm vorige» Jahre so geklagt? Um keioe» Preis ber Welt." «Wie ich Dir dauke!' erwiberte er unb küßte fie. -Ach ja«, flüsterte fie a» seiner Schulter, .weißt Du noch, wie Du im vorigen Jahre sechs lauge Wochen hier allein fitzeu mußtest? Welche sehnsüchtige» Briefe D» schriebest, wie sehr D» über baS Esse» i» be» Restaurants klagtest?" .Alles weiß ich, MänSchen unb deshalb darfst Du auch um alles iu der Welt l'eine sechs Wochen wieder verrciseu." .Wie Du mich liebst. Aber nun laß mich, das viele Spreche» greift mich noch etwas an. Abte», ntef» Schatz!"

»Sie ist boch eine recht vernünftige Fran", wieder- jolte fich Ernst Renstein nach mehrere» Stunbe», als >ie Geschäftslage fich etwas gebessert." Will mir zu Liebe,u Hanse bleiben. Hm! Unb baS Strohwittwer- rühstück war boch kolossal! Hm! Dan» vielleicht »och eiu fibeleS Jeuch'e», fovst »och ein kleines Amüsement, weiß der Henker, bald möchte ich ihr wirklich eine Reise anbieten. ES brauchen ja keine echS Wochen zu sein. Wollen einmal morgen früh ehen." .Haben Sie denn bie neue» Tänzerinnen i» dem X.-Theater schon bewundert?" hieß eS am «benb beim Bierglase. - .Nein! Wie kann ich ins .chrater gehen, meine Frau ist ja krank. So ein Abstecher von einer kleinen Stunde ist alles!" ?Ach- thut uns sehr leid. Woran fehlt» bann? Dftenber ober Norberneyer Schmerzen ober Gasteiner Sehnsucht?" .Ah bah! Meine Fran ist wirklich

«»deren rückten ihre Stühle absests. Wirklich, jetzt znm Beginn der Badesaison? Alle Achtung! Das ist ja ein Weltwunder!" .Glauben sie etwa, daß die Frauen zum Vergnügen krank werden?" Ein alter Graubart am Tische lächelte fein:" Fällt Ihnen gar nicht ein, aber fie sagen eS!« .Meine Herren, ich" .verachte Sie", er, gänzte der Andere. .Macht nicht» an», einen frischen

desselben im Protektorat ber genannten Stiftung beauftragt. Prinz Heinrich hat nun unterm 14. Juni anstelle des von Berlin verzogenen Generals ber Infanterie z. D. v. Beyer ben General ber In­fanterie z. D. v. Zychlinski ä la suite des Infanterie­regiments Prinz Louis Ferbinand von Preußen (2. Magbeburgischen) Nr. 27 unter Berufung in das Zentralkomitee unb in ben geschäftsführenden Ausschuß ber Viktoria-National-Invaliden-Stiftung zum Vorsitzenden des letzteren ernannt. Der hiesige Lehrerverein hat soeben den 46. Jahrgang desVerzeichnisses der Rektoren, Lehrer und Lehrerinnen an den Berliner Gemeinbeschulen" für das Jahr 1889/90 herausgegeben. Danach hat seit dem Vorjahre eine Vermehrung stattgefunden von 5 Gemeinbeschulen mit 102 Klassen unb 5789 Schul- finbern; das Lehrerpersonal hat sich um 5 Rektoren, 76 Lehrer unb 27 Lehrerinnen vergrößert, so baß jetzt vorhanben find: 180 Gemeindeschulen mit 3020 Klassen, darunter 1480 Knaben-, 1512 Mädchen- unb 28 gemischte Klassen. An benselben unterrichten 179 Rektoren (eine Stelle ist durch Todesfall erle­digt), 1906 Lehrer, 941 wissenschaftliche und 619 technische Lehrerinnen unb Gehilfinnen. Einschließ­lich ber mit Vertretungen betrauten Lehrer und Lehrerinnen, erteilen 3685 Personen an ben Ge- meinbeschulen Unterricht. Auf jjebe ber Anstalten kommen burchschnittlich 16 Klassen mit 939 Schülern, auf jede Klasse 56 Schüler. Unter Hinzurechnung ber Kinber, bie in Waisen-, Erziehungs- und anderen Anstalten freien Unterricht auf Kosten ber Stadt erhalten, stellt fich die Gesamtzahl der Kinder, für welche Berlin unentgeltlichen Unterricht zu beschaffen hat, wie die .Post" mitteilt, auf über 172 000. Bersin ist in 8 Schulkretse eingeteilt; jedem Kreise steht ein städtischer Schulinspektor vor, ber zugleich königlicher Kreis-Schulinspektor ist. Nach dem Etat erfordert das Gemeindeschulwesen für das Jahr 1889/90 eine Ausgabe von rund 8 241 500 Mk. Bei 8 russischen Studierenden des hiesigen Poly­technikums fanden letzte Wochen Haussuchungen statt. Einer wurde verhaftet, ebenso Ende Mai 2 russische Universitätsstudenten. Die hiesigen russischen Stu­dierenden erklären, über die Gründe des polizei­lichen Vorgehens vollkommen ununterrichtet zu fein.

In dem Militärlieferantenprozeß Wollank- Hagemann in Bersin ist gestern das Urteil verkündet worden. Beide Angeklagte sind schuldig befunden und ist Hagemann mit fünf Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust, Wollank mit anderthalb Jahren Gefängnis bestraft. Jedem Angeklagten

Seidel sollen Sie doch «och haben. Kellner!" Ernst erkundigte sich am nächsten Mittag nach bem Be­finden seiner Frau. Das Strohwittwerfrühstück mar abermals pyramidal gewesen. .Ich dauke Dir ür Deine Sorgfalt, Herzeusmaun", sagte die Kranke zärtlich. .Ich habe nur auf Deinen Vorschlag über, legt! .Welchen Vorschlag denn, meine Kindchen?" .Aber Du weißt eS doch, Ernst. Du sagtest ja selbst, ich sollte uur nicht sechs Woche» wieder ber. reisen." .Habe ich den» das schon gesagt?" Aber, Ernst, wie käme ich sonst darauf. Mei» armer schwacher Kops kann ja gar nicht mehr deukeu!" .Daun wird eS wohl stimmen. Also Du meinst, lebe Marie, Du wolltest eS noch einmal mit der Reise versuchen? Aber denkst Du nicht an die llnbe. q nemlich ketten, über welche Du im vorige» Jahre so klagtest?" »Ganz gewiß, nnb ich würbe auch gar nicht an eine Badereise denke», wenn ich »icht die Psticht hättej, wich Dir zv erhalten. Und hier i» der staubigen, heiße» Stadt werde ich nie ge. unben!"Ganz gut, aber denke doch nnr daran, wie sehr Dn im vorigen Jahre über das Essen klagtest?" .Ja, das war böS! Aber dafür giebt eS einen Rat, ich nehme unfere Köchin mit unb lasse elbst kochen; dann wird auch die Reife billiger." WaS soll ich denn aber in der Zeit machen?" rief Ernst, er hielt eS nicht für zeitgemäß, über da» Strohwittwerfrühstück zu spreche». Der von be» böfen Stammtischgenossen anSgestreute Same hatte Wnrzel gefaßt nnb wucherte kräftig bei bem Sünder. .Wenn ich mich recht erinnere, sagtest Dn mir 1« vorigen Jahre, in bem Restaurant vou 3E. fei ba» Essen recht gut gewesen", bemerkte Frau Marie ein klein wenig lebhaft unb fich langsam aufrichteub. Gerabe bas Gegenteil war bei Fall. Acht Tage ließ ich mir bie Sache gefalle», später war eS nicht mehr z«m Anshalteu!" .Nun, i» biefem Jahre wirb e» besser sei».'

(Schluß folgt)