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MchmtÜche Beilagen: Kreis «Blatt für IN Kreise Marburg ml Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt
Expeditio« Markt 21. — «edaktüm, Druck und Verlag von Iah. »«-. Koch.
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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen- — Quartal-Abonnements-Preis bei der Expedition 2'/. Mk-, bei den Postämtern 2 Mk. 60 Pfg. (extl. Bestellgeld) JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg, Dienstag, 2. Juli 1889.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXIV. Jatzraana. Moste in Frankfurt a. M., Berlin.München u. Köln; G. L. ^yu^iyuug.
Daube u. Co. in Frankfurt a. M, Berlin, Hannover, Pari-.
Deutsches Reich.
f Berlin, 29. Juni. Nach Nachrichten aus hie- egen Hoskreisen erwartet man den Besuch des Zaren [in Berlin Ende Juli. Es würde das mit den Meisedispositionen des Kaisers übereinstimmen, der bekanntlich von der norwegischen Tour am 22. Juli [hierher zurückkehren und etwa eine Woche hier »leiben will. Die ,B. B. Zig." will übrigens erfahren haben, daß die Reise des Kaisers nach dem Nordkap in letzter Stunde wieder fraglich geworden sei. — Verschiedene Blätter bringen aus England die Meldung, daß die gegenwärtig dort weilende Prinzessin Viktoria von Preußen sich mit dem ältesten Sohne des Prinzen von Wales verloben werde. — Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt in ihrer Rundschau : „Es ist kürzlich einer von Lord Salisbury mt englischen Parlament abgegebenen Erllärung Erwähnung gethan worden, daß keine Macht die Absicht habe, die Insel Kreta oder einen Teil derselben um dem Gebiet der Pforte abzutrennen. Damit Wnnte stillschweigend ein Gerücht als beseitigt er- [achtet werden, welches ein ausdrückliches Dementi bäum zu verdienen schien; darnach sollte Kaiser Wilhelm die Insel Kreta dem Kronprinzen von Griechenland als eine Art Mitgift versprochen haben." — Der „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Regierungs-Vizepräsidenten Zimmermann (Posen gum Regierungspräsidenten in Schleswig und des Ober-Regierungsrats Winzer (Minden) zum Regierungspräsidenten in Arnsberg. — Die „Eons, korresp." teilt mit, daß sie vom neuen Quartal ab n erweitertem Umfange und zugleich auch in einer Vochenausgabe als offizielles Organ der parlamen- arischen konservativen Fraktion, erscheinen werde. Zn einem einleitenden Arttkel des Abgeordneten Hrn. en Helldorf - Bedra sagt dieser parlamentarische Zührer der Partei: „Die bevorstehenden Wahlen ibni schon jetzt ihre Wirkung auf die Haltung der presse und der Partei-Agitation, und es kann nicht zweifelhaft sein, daß eine geschlossene Opposition, velche sich aus der Sozialdemokratie, der fieifinnigen Partei und den intransigenten Teilen des Zentrums usammengefetzt, einen schweren Kampf in Aussicht llllt, n welchem von den Gegnern der bisherigen Besctzgebung und der Tendenz, von der sie getragen »ar, alle denkbaren Mittel zur Erregung der Massen n Anwendung kommen werden. Es wird der vollen lnfpannung der Kräfte, es wird der gemeinsamen An- rengung derer, die gemeinsam jene Gesetzgebung gefördert hab en, bedürf en, um dies emAnsturm zu widerstehen.*
^Nachdruck verboten.)
I Madame de Marbrr.
Erzählung von T. Rindler.
(Fortsetzung.)
.Wie kann man so müde feinl Es lhut mir recht ib, aber jetzt kann ich Dir noch nicht die Zeit zum »Sschlasen gewähren. Begreifst Dn denn nicht, iädchen, wir find in Berlin, und es bleibt mir nur »ch ine Stunde vor dem Beginn der Probe, nm »eine Eltern zn sehen. So fitze doch nicht so steif »und gucke mich nicht an, als ob Dn kein Französisch »stehst, sondern komme und hilf mir, mich umzu. eiben."
Jetzt endlich schien wieder Leben in die sonst so kwegltche Gestalt der kleinen Pariserin zn kommen.
»Richtig, e8 ist jr wahr", rief sie nud ihre getobten geschickten Finger verstanden eS, die verlorene eit wieder etnzuholen. Bald darauf schloß Bob en Wagenschlag, nachdem die Künstlerin eingestiegen tt schwang sich zu Gil auf den Bock.
Wie sich da in den Straßen alles verändert hatte fremd alles sie anschaute, und wie die Leute auf «r Straße stehen bliebeu und ihr nud den Schwarzen schgafften.
Endlich bogen sie ans den Platz. Hier wenigstens ■tie sich nichts verändert in den fünf Jahren, st Mathilde nicht hier gewesen. Dort inmitten tob bie Michael.Kirche, von ben jetzt kahlen Bäumen »geben. Dahinter breitete sich bas Engelbecken ans dessen dicker Eisdecke eine baute Schaar von Schlittschuhläufern sich tummelte. Und hier ganz the, das Haus ihrer Ellern mst dem hübschen vouSäuleu trageueu Balkon von zierlichen Eisengittern umgeben, tet Wagen hielt. Bob sprang hinab nud erkuudigte h bei dem Portier, der neugierig die fremdländische »scheinuug musterte, nach dem Besitzer de» Hauses. Der ist auSgesahren, er xxb die Frau und vor Nach, mag werden le nicht wieder kommen", sagte der
■ton über die fremdartige Aussprache »ebl lachend.
— Der Bundesratsausschuß beantragt zu dem ihm überwiesenen Entwurf betreffend Abänderung der Vorschriften über die Prüfung der Zahnärzte, Tier- ärzie und Apotheker, die Bestimmungen für die Zahnärzte am 1. November und für die Tierärzte am 1. Oktober 1889 inkraft treten zu lassen. Aus den Vorschriften über die Prüfungen der Zahnärzte, welche jährlich zwei mal, im Sommer und im Winter, stattfinden, seien hier folgende Hauptbestimmungen mitgeteilt: Zur Erteilung für die Approbation als Zahnarzt für das Reichsgebiet sind befugt die Zentralbehörden derjenigen Bundesstaaten, welche ein oder mehrere Landesuniversitäten haben, und das Ministerium für Elaß - Lothringen. Die Approbation wird demjenigen erteilt, welcher die zahnärztliche Prüfung vollständig bestanden hat. Dieselbe wird vor der für die Prüfung der Aerzte gebildeten Kommission abgelegt. Die Zulassung zur Prüfung ist bedingt durch den Nachweis: 1. der Reife für die Prima eines deutschen Gymnasiums oder Realgymnasiums; 2. mindestens einjähriger praktischer Thätigkeit; 3. eines zahnärztlichen Studiums von mindestens vier Halbjahren au: Universitäten des deutschen Reichs. Auch als Vorbedingung zur Prüfung der Tierärzte ist das Zeugnis der Reife für Prima erforderlich, sowie der Besuch von mindestens drei Semestern einer tier- ärzllichen ober anderen höheren wissenschaftlichen deutschen Lehranstalt. Die übrigen Aenderungen der jetzigen Bestimmungen find nicht erheblich.
Bezüglich der Prüfung der Apotheker soll folgende Bestimmung Platz greifen: Tie Prüfung darf nur bei der Kommission fortgesetzt oder widerholt werden, bei welcher sie begonnen ist. Ausnahmen können nur aus besonderen Gründen gestattet werden. — Die „Rat. - Zeit." bemerkt zu den Auseinandersetzungen mit der Schweiz: „Wenn die Auslegung, welche die deutsche Regierung dem Art. 2 - des Niederlassungsvertrages giebt, schweizerischerseits auch bestritten, wenn in Abrede gestellt würde, daß die Schweiz die Pflicht habe, die in dem Art. 2 erwähnten Legitimationspapiere zu fordern, so würde doch offenbar eine entsprechende Ausübung des ihr zustehcnden Rechtes schon genügen, um die deutschen Beschwerden abzustellen, daß diese Befugnis der schweizer Behörden nicht zu dem Zwecke, die Ansammlung deutscher Sozialrevolutionäre in der Schweiz zu verhindern, gehandhabt wird, ist eine durchaus gerechtfertigte Beschwerde der deutschen Regierung."
— 30. Juni. Der Kaiser empfig heute vor-
Bob stattete am Schlage stehend, ben Hut in bet Hanb, seiner jungen Herrin Bericht ab. Sie nickte nur und sagte bann: .Nach bem CirkuS." In die weichen Polster beS Wagens znrückgelehnt, warf sie noch einen schmerzlich bitteren Blick auf das Haus, vor dessen Thür sie nmkehren mußte, sie das einzige Kind vor ihrer Eltern Thür. DaS konnte kein Glück bedeuten.
Nach Beeudignng der Probe kehrte sie mit ßifette in bas Hotel zurück, nut nach einem schleunigen Toilettenwechsel an der table dTiote teil zu nehmen. Als die große Glocke znm Zeiwen des Beginns ertönte, klopfte eS an die Thür des Vorzimmers zu den Gemächern, welche die Künstlerin inne hatte. Gleich darauf führte Bob ben Marquis bei bei jungen Fran ein.
Sie kam ihm frenbig überrascht entgegen. .Sie hier, Marquis? Ah."
.Waren Sie nicht von vornherein überzeugt, baß ch — ba mir nicht mehr vergönnt ist — wenigstens >ie gleiche Luft mtt Ihnen atmen, am gleichen Tische peiseu würbe? Doch erzählen Sie mir vorerst, wie war Ihr erster Morgen in ber Heimat?".
Sie war ihm bankbar, baß er sie ber Antwort auf feine erste Frage überhob, fürchtete sie hoch, er möchte das laute Pochen ihres Herzens hören als sie !>ie Hand leicht auf feinen Arm legte, um sich von ihm in den Speifefaal geleiten zu lassen. Sie ging deshalb lebhaft auf feine zweite Frage ein.
.Ich habe heut eine traurige Stunde verlebt. Ich habe das Haus meiner Eltern wieder gesehen, daS HanS, in dem ich geboten und ausgewachsen bin und — habe vor ber Thür umkehren müssen. Meine eitern waren beibe abwesend. Sie ahnten ja nichts von meiner Ankunft. Sie glaube» gar nicht, wie mich dies Zusammentreffen vonUmständen niedergedrückt hat. Erst als ich im Sattel saß, gewann ich meinen alten Muth wieder. Mirza Schaffy hat doch Recht:
.Da» Paradies dieser Erde
Liegt auf dem Rücke» bet Pferde
And in der Gesundheit de» Leibe».*
mittag in Friedrichskron den Hofbauiat Ihne, gewährte dem Malei Emels eine Sitzung, nahm einige Vorträge entgegen und erteilte Audienzen. Arn Nachmittag fuhr der Kaiser nach Schloß Glinicke und speiste dort mit dem Prinzen und der Prinzessin Leopold, worauf eine Wasserparthie auf der Havel unternommen wurde. Um 11 Uhr 35 Min. abends erfolgt von Spandau aus die Reife nach Kiel. — Der deutsche Botschafter in Wien, Prinz Reuß, ist heute in Berlin angekommen und wurde vom Kaiser in Potsdam in Privat - Audienz empfangen. — Die .Nordd. Allg. Zeit." widmet der Schweiz wieder noch einen Arttkel, in dem sie ausführt, die Schweiz habe jetzt, indem sie Verbesserung der Fremdenpolizei verspreche und die Stellung eines General-Staatsanwalts schaffe, zu- gcstanden, daß sie bisher die internationalen Pflichten gegen die Nachbarn nicht erfüllt habe. Die Ent- fchuldigung, daß der Kanton Aargau selbstständig gehandelt habe, sei unzulässig; die Verantwortlichkeit eines Staates dem Auslande gegenüber könne nicht durch Berufung auf die Zuständigkeit untergeordneter Organe beseitigt werden. Die Schweiz habe unter allen Umständen die Folgen zu tragen, möge ihre Gesetzgebung lauten, wie sie wolle.
— Seit den Febtuarwahlen zum Reichstag im Jahre 1887 sind von den 397 Abgeordneten, welche damals gewählt wurden, nicht weniger als 28 ausgeschieden, davon 16 durch den Tod. Die national- liberale Partei hat verloren die Abgg. von Betnuth, Frhr. v. Degenfeld, Falckenberg, Haupt, Seybold, die Reichspartei die Abgg. Schmidt (Sagau) und Staelin, die konservattve Fraktion die Abgg. Saro und v. Waldow, das Zentrum die Abgg. v. Aretin, Gielen, Psaffeiott, Trimborn. Außerdem starben der Sozialdemokrat Kräcker, der Pole Magdzinski und der Elsässer Kabls. Wegen Beförderung im Reichsoder Staatsdienste mußten ihr Mandat niederlegen und wurden nicht wiedergewählt die Abgg. Baur- fchmidt (Nat.-ltb.), Bormann (Reichspartei), Frhr. v. Gise (Zenir.), v. Köller (kons.), Frhr. v. Maltzahn (kons.), Maubach (kons.) und Dr. Sattler (Nat.-lib.). Aus anderen Gründen schieden aus die Abgg. Antoine (Protestler) Frhr. v. Göler (kons.), Hasenclever (Sozialdemokrat), Neubarth (Reichspartei) und Dr. Reinhold (Nat.-lib.).
Dortmund, 29. Juni. Unter dem Vorsitz des Oberpräsidenten Studt fand heute hier eine Konferenz der Regierungspräsidenten von Arnsberg, Düsseldorf und Münster und des Berghauptmanns Eilert über die bisherigen Ergebnisse der Unter-
Der MarqaiS neigte ben Kopf etn wenig tiefer j» ihrem Ohr nnb fuhr in bem Dichterwort fort: .Unb am Herzen des Weibes."
»Ah, Marquis, kennen Sie unfern Bodeustedt denn auch?"
Er nickte nnb fragte bann zurück: .Mathilde, könnten Sie sich niemals entschließen, ans Liebe zn einem Manne Ihrer Knnst zu eutfagen. Das heißt, so weit dieselbe in den Schranken der Arena liegt. Ich habe sehr schöne Exemplare vou Pferden in meinem Stall in Paris, und es ist ei» prächtiger Spazierritt vo» ber Avenue du bois de Boulegne bis
meinem Schlosse an ben Abhängen bei Saint Clond."
.Ich glaube bisweilen fast ben Beifall beS Publikums, ben Lichterglan,, bie Musik, kurz bie ganze Arena entbehren zu köuueu, wenn ich bafür ein. lauschte---• Sie hatte leise nnb schnell ge.
sprachen, bie dunklen Wimpern nnb ben stolzen Kopf ein wenig gesenkt. Jetzt stockte sie, hob bann Plötz, »ch ben Blick voll unb strahlend unb sagte: .Heut »benb trete ich baS erste unb letzte Mal hier in Berlin auf; unb ein anberes Engagement habe ich nicht angenommen."
Er küßte bie schlanken Finger, bie auf feinem Ärm ruhten. Da öffnete einer ber Hotelbiener bie Thür nnb sie traten in ben Speisesaal.
-Jetzt stob sie zn Hause, ber Herr nnb bie Fran", ertoiberte ber Portier, als Lob June Frage nach bem Herrn des Hanfes in ben NachmittagSstunben Dieber. Halte. Er öffnete barnach jener jungen Herrin ben Wagenfchlag unb half ihr beim Aussteigen. AIS er sich aber anfchickte, vor ihr bie Treppe hinauf zu steige», um sie zu melben winkte sie ihm znrückzn- bleiben unb eilte bann hinauf mit so leichtem be- Iflfleltem Schritt, wie einst als Kinb. Oben ange. hnflt, iog fte ganz leise bie Klingel mtt ihren vor «nefl»n0 »ttternben Finger». War doch jetzt gerade die Zett, in bet der Later sein Mittagschläschen hielt.
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suchung der Arbeiterverhältnisse im Ruhrkohlengebiete statt.
Mainz, 29. Juni. Die Kaiserin Friedrich und die Prinzessinnen Sophie und Margaretha, der König und der Kronprinz von Griechenland sind zum Besuche hier eingetroffen. Sie wurden auf dem Bahnhofe Dem Großherzog, der Prinzessin Alix und dem Prinzen Heinrich von Preußen empfangen. Nach einer herzlichen Begrüßung fuhren die Herrschaften nach dem Schlosse, und zwar im ersten Wagen die Kaiserin Friedrich, Prinzessin Alix und Prinz Heinrich, im zweiten der Großherzog und der König von Griechenland, im dritten die Prinzessinnen Sophie und Margaretha und der Kronprinz von Griechenland.
Stuttgart, 29. Juni, lieber den Vorfall mit der Abordnung von Offizieren des russischen Regiments, dessen Chef König Kail ist, erfahre ich aus zuverlässigen Quellen folgendes: Bei der Regimentsfeier, wobei die russischen Offiziere die Gäste des Offizierkorps waren, hatte die Gesellschaft an kleinen Tische» Platz genommen, und zwar so, daß die russischm an verschiedenen Tischen saßen neben württembergischeu, zum Teil bei russischen Sprache mächtigen Offiziere». Als ein Hoch auf die deutsche Armee ausgebracht wurde, weigerte sich einer der Russen, ein junger Hauptmann, auf die deutsche Armee sein GlaS zu leeren. Er sagte in deutscher Sprache zu seinem württembergischen Nachbar: „Ich kenne keine deutsche Armee, ich kenne nur eine württembergische Armee." Der angeredete württembergische Offizier erhob sich und erwiderte: „Dann weiden Sie die deutsche Armee kennen lernen müssen", unb entfernte sich mit seinen Kameraben von bem Tische, ben bald darauf der junge russische Hauptmann und ein zweiter an diesem Tisch befindlicher Kamerad verließen. Später hat der Führer der russischen Abordnung den Vorfall auszugleichen versucht, inbem er insbesonbere barauf hinwies, daß bei Hauptmann der deutschen Sprache nicht genügend mächtig fei.
München, 29. Juni. Der Prinzregent empfing heute mittag um 12*4 Uhr den persischen Gesandten in Berlin, General Mirza Reza Khan zur Entgegennahme seiner Aceredittve. Der Minister beS Aeußeren v. Crailsheim und die obersten Hofchargen wohnten bem Empfange bei.
Kissinge«, 29. Juni. Die Kaiserlichen Prinzen sinb heute vormittag um 10 Uhr hier eingetroffen. Ihre Majestät die Kaiserin halte dieselben vo« Bahnhofe ab. Das zahlreich versammelte Publikum begrüßte Ihre Majestät und die Prinzen mit begeisterten Hochrufen.
Da näherte» sich drinnen anf bem Korridor vorsichtige Schritte die Thür mürbe geöffnet und —
.Mutter I" tönte es von ben Lippen ber jungen Frau.
»Mathilbel Mein Kiub — mein einziges Kmb," klang es zitternb ans bem Muube ber Alten zurück nnb bie Beibe» lagen sich in ben Armen.
Es bauerte eine gute Weile, bis bie alte Dame sich aus ben Atmen der fie weit überragenden Gestalt ihrer Tochter los machte, fie anf einen Sessel in ber Besuch stube niederdrückte, nnb ihren Kopf zwischen beiden Hände» haltend, um ihr tief in bie Augen schaue» zu könuen, etn über das andere mal fragte? .Aber Herzenskind, wie kommst Du hierher, so plötzlich, so ganz unerwartet?"
»Ich habe eS Euch nur nicht schreiben wollen, Mama, um Euch zu Überrasche». Ich trete heut abend zum erste» mal in Berlin auf; Du weißt bei Renz draußen in der Carlstraße. Weißt Du noch, als ich damals mtt Dir dort gewesen bin? ES stad nun schon Über fünf Jahre seitdem vergangen. Dn weißt ja, damals, als mich so unwiderstehliche Lust überkam, retten zu lernen."
,3a, ja, Kind, ich weiß noch," sagte fie mit einem in ihrer froh erregten Stimmung fast komisch flingenben Seufzer. .Aber jetzt muß ich boch zuerst gehe», es bem Vater mitteilen, daß Du gekommen; denn wenn er jetzt hier ein träte und Dich erblickte, könnte er boch wohl gar zu sehr erschrecken, nnb et ist in all ber letzten Zeit gar nicht so recht wohlauf gewesen. Zittern mir doch noch die Knie von der Ueberraschnng. So, Du weißt ja, er frfiläft hier nebenan. Ich will bie Thür auflassen, baß Du gleich z» ihm etntreten kannst, wenn ich ihn vorbereitet habe.*
Lorfichtig anf ben Zehen ging bie alte Dame an bie Thür der Nebenzimmers, öffnete behutsam nnb verschwand dahinter, fie halb geöffnet lassend. Mathilde lauschte hinüber, damit kein Wort ihr entginge. Nun hätte sie drinnen den Later sagen: