konnte sich mehr in seine Ärbeiten vertiefen, während das heutige Leben, die ausgedehntere, geräuschvollere Geselligkeit und viele andere Faktoren zerstreuend auf ihn einwirken. Es ist nutzlos, in Klagen darüber auszubrechen, daß die Verhältnisse so liegen, es ist auch gar nicht möglich, die Frage zu beantworten, ob die Verhältnisse der heutigen Zeit sich gegenüber der Vergangenheit verschlechtert haben oder nicht. Solche Erörterungen sind müßig und führen zu keinem Ziele. Der praktische Standpunkt ist der, daß man untersucht, wie es anzustellen ist, daß man unter den gegebenen Bedingungen die Ziele, welche unserer höheren Bildung gesteckt sind, erreichen kann, mit anderen Worten, man muß an der Lehrmethode arbeiten und versuchen, dieselbe zu vereinfachen, wie dies ja schon auf dem Gebiete der Volksschule sowohl beim Lese- als beim Rechnen - Unterricht geschehen ist. Nun haben wir in dieser Beziehung unleugbare Fortschritte in letzter Zeit zu verzeichnen. ES wird heute ein viel höherer Wert auf die pädagogische Ausbildung des Lehrers gelegt als früher, die Veranstaltungen, welche dazu dienen sollen, den angehendm Lehrer neben seiner wissenschaftlichen Ausbildung in die Grundsätze der Erziehungslehre einzuführen, erfreuen sich einer gewissenhaften staatlichen Fürsorge, und die Probekandidaten an den Gymnasien werden in Folge der Ueberfüllung des Lehrerstandes nicht mehr wie früher mit der Verwaltung einer ordentlichen Lehrerstelle betraut, sondern durch eine beschränkte Zahl von Unterrichtsstunden in den Stand gesetzt, die Grundsätze der Pädagogik in vorsichtiger Weise zur Anwendung zu bringen, während sie früher die Neuheit des praktischen Berufes im Beginn der Laufbahn gar nicht zum Nachdenken über die Lehrmethode kommen ließ, weil sie durch die Anforderungen, welche an ihre noch ungeübte Kraft gestellt wurden, über Gebühr in Anspruch genommen wurden. Man darf sich dem Zutrauen hingeben, daß es gelingen wird, die pädagogifche Kraft unseres höheren Lehrerstandes, welche, wie Kenner des Schulwesens bestätigen werden, ohnehin schon in den letzten Jahrzehnten wesentlich gewachsen ist, noch zu steigern und auf diesem natürlichen Wege den Grund zu allen Klagen wegen Ueberbürdung zu beseitigen.
— Unser Verhältnis zur Schweiz hat durch die anmaßende Weise, wie schweizerische Behörden einen deutschen Beamten, den kein unparteiischer Gerichtshof eines Vergehens schuldig befinden würde, als gemeinen Verbrecher behandeln zu dürfen glauben, ohne Genugthuung zu leisten, eine sehr bedauerliche
Einführung tu die Pfarrkirche, und die Pfarrer verblieben auf ihreu Stelle».
Am Sonntag Cantate (21. Mai) 1549 war es tu der St. Elisabcthktrche zu unaugenehmeu Auftritteu gekommen; es war nämlich in der Mefle und Vesper Unfug und Spötterei getrieben worden, welches Bürger, meister und Rat nach Ratsbeschluß vom 25. Mai j. I. veranlaßte, zwei Tage später eiue Verwarunng bzw. Ermahnung au die zusammeuberuseue« Zünfte und Gemeinen zu erlaflev, dahiu gehend, .fich ta der Kirche zum deutsche» Hause jeglichen Unfugs zu enthalte», damit gemeiner Stadt keinerlei Beschwerung erfolge, denn sie feie» der Meinung, was auf dem Spieß beschloffeu, auch ungehindert z» leisten." Jene erwiderten hierauf, „fie glaubten uicht, daß ein Bürger Unfug getrieben, bäten deshalb sie zu verteidige» und e8 fich angelegen fein lasse», vuter de» Prädikauteu Einigkeit zu schaffen, damit der Zwiespalt unter ihnen anfhöre. Nach einer Notiz im RatSprotokoll hatten fich die Prädikanten au der Pfarrkirche unter- staude», die Papisten in ihreu Predigte» als Unterdrücker des Evangeliums auzugreifen, weshalb der Magistrat unter dem 18. Juli 1549 beschließt, .mit den Herren zu rede», solches zu unterlassen, damit der Stadt und gemeine» Landschaft kein Schaden erwüchse." Mit diesem Eintrag im RatSprotoll schließt die Sache betreffeud die Folgeleistung Kaiserlicher Majestät Ordnung.
Profeffor Dr. Thamer war der Nachfolger de» im Jahre 1539 bestellten und 1543 verstorbene» ersteu evangelischen Pfarrer» zu St. Elisabeth namens Rupprecht, eines ehemaligen DeutschordeuS- PrietzerbruderS. Thamer war schon bald nach seiner Bestellung mit seinen Kollege» in der Profeffur und im Predigtamte in Konflikt geraten, weil er in der Fundamevtallehre der Reformation, der Lehre von der Rechtfertigung abweichend lehrte, weshalb damals schon über seine Entlaffang verhandelt worden war. Burger, meister undRat aber träte» a»f seiueSeite und beschlossen am 24. April 1544 um sein Verbleiben iu Marburg
Illustriertes Sonntagsblatt-
DD
te,
te 137
we i»n ii myc II ehe fUfm .
i» Frankfurt a. 1t, Berlin, Hannover. Paris.
im,
König Albert von Sachsen gehört
dem großen General, dem echten deutschen Fürsten und Manne.
Die Wettiner gehören nicht nur zu den ältesten, sondern auch zu den berühmtesten unter den deutschen Fürstengeschlechtern und zu Zeiten war die Macht ihres Hauses weit größer als die des deutschen Kaisers. Das heutige Königreich Sachsen, Thüringen und Heficn waren in einer Hand vereinigt und bildeten eine Macht, welcher kaum ein anderer Reichs- jürst sich gleichstellen konnte. Eine Reihe glänzender und thatkrästiger Herrschergestalten zählt das Wettiner Fürstenhaus, weise Staatsmänner, die auf das Wohl ihrer Unterthanen in unermüdlicher Sorgfalt bedacht waren. Herrlich ist so die Gestalt des großen Kurfürsten Friedrich des Weisen, die hoch über seine Zeitgenosicn emporiagt, und des stolzen Moritz, vor dem der mächtige Kaiser Karl V. das Hasenpanier ergreifen mußte. Vielleicht war es nur sein früher Tod, welcher Moritz von Sachsen hinderte, sich die Kaiserkrone auf's Haupt zu setzen. Jedenfalls ist es dieser, früher viel verkannte Fürst, in welchem die spanischen Jntriguanten Karls V. ihren überlegenen Gegner fanden. Die Verbindung des Kurfürstentums Sachsen mit dem Königreiche Polen unter August dem Starken, die Erhebung zum Königreiche und die Geschichte dieses Jahrhunderts sind bekannt. In ihm ragt besonders König Johann hervor, einer der edelsten Fürsten, die Deutschland je gehabt, der Vater des gegenwärtigen Königs Albert. Wie allen deutschen Ländern sind auch dem Sachsenlande im Laufe seiner Entwicklung aus der Markgrafschaft Meißen bis zum Königreiche harte Prüfungen nicht erspart geblieben, Land und Fürsten haben alle Miseren des „heiligen römischen Reiches deutscher Nation" mit erduldet. Aber Sachsen ist ein wohlhabendes und betriebsfleißiges Land geblieben und. unter den größeren deutschen Bundesstaaten steht es heute finanziell am glänzendsten da. Ein großartiger Gewerbefleiß herrscht in seinem dicht bewohnten Gebiet und die Industrie Sachsens hat einen Weltruf weit über Deutschlands Grenzen hinaus. Es ist ein schönes deutsches Familienfest, das Wettiner Jubüäum, es gilt einem der theuersten Angehörigen aus der Reichsfamilie, der sich hoch um das Vaterland verdient gemacht hat, einem Lande und einem Volke, die sich treu dem Rerche angeschloffen, die den Vortheil des mächtigen Reichschutzes durch reiche Friedensarbeit wett machen. Deutschland ist stolz aus ein Fürstenhaus wie die Wettiner, denn von vielen seiner Mitglieder sagt die Geschichte, daß sie nicht nur dem eigenen Hause,
sondern dem ganzen Deutschland zur Ehre und Segen gereicht haben.
Anzeigen nimmt entgegen bic Spedition i. Blatte», Kurte b. Ainwncen-Bureaur von Haas«stein und Bögler Frankfnrt e. Lissch Magdeburg n. Wien; Slntzsls
’n, te
11, len, en- a.c. 3ute 18*3 gen
Marburg,
Freitag, 14. Juni 1889
Deutsches Reich.
Berlin, 12. Juni. Die .Post" teilt offiziös mit, daß die vom Kaiser angeordnete Untersuchung der westfälischen Bergbauverhältnifie bereits eingeleitet ist. Beide Teile würden gleich unbefangen und vorurteilsfrei gehört werden- die Arbeitervertreter würden gut thun, ihre Beschwerden bald zu sammeln und deren Ergebnis mitzuteilen. — Die .Nordd. Allg. Ztg." bemerkt zu den Mitteilungen verschiedener Blätter im Annoncenteil betreffs Kündigung einer Reihe von 5 prozentigen Prioritäten im Betrage von */« Milliarde Mark, wozu eine 4prozentige Schuld kreiert werden solle, daß nach dem Text der Obligationen und der denselben zugrunde liegenden Verträge eine derartige Kündigung ohne einen Vertragsbruch nicht zulässig sei, sodaß also im vorliegenden Falle eine starke Schädigung der Inhaber der Obligationen stattfinden würde. — Die Nachricht englischer Blätter, daß der Schah von Persien während seines Petersburger Aufenthaltes einen geheimen Vertrag mit dem Zaren abgeschlossen habe, findet in hiesigen unterrichteten Kreisen keinen Glauben. — Unter den Mitgliedern der Samoa- Konferenz gilt es jetzt nicht für unwahrscheinlich, daß die Beratungen über einzelne Punkte jetzt wieder ausgenommen werden muffen. Man rechnet, daß am Donnerstag eine Sitzung abgehalten werden kann. — Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Wenn man mit Unbefangenheit die Klagen wegen der Ueberbürdung der Schüler unserer Gymnasien und Realgymnasien prüfen will, ist es zunächst erforderlich, festzustellen, ob denn die Summe der verlangten Kenntnisse gegen frühere Zeiten gewachsen ist oder nicht. Dabei ist denn in erster Reihe zu berücksichtigen, daß durch den Lehrplan von 1882 eine Entlastung der humanistischen Gymnasien auf klassischem Gebiete erfolgt ist. Es werden also die Schüler in dieser Richtung nicht mehr so angespannt wie früher, wogegen nicht allein durch jenen Lehrplan, sondern auch infolge des Zuges der Zeit eine schärfere Betonung, namenllich der Mathematik, auf den Gymnasien zu bemerken ist, welche gegen jenen Nachlaß in Rechnung zu stellen ist. Somit darf man es als Thatsache bezeichnen, daß nicht eine Verschärfung, sondern lediglich eine Verschiebung der Anforderungen Platz gegriffen hat, welche die geistigen Kräfte der Schüler nicht mehr denn früher in Anspruch nimmt. Aber die früheren Zeiten waren andere: der Schüler
Wchmtliche Beilagen: Kreis-Blatt für tit Kreise Marburg und Kirchham
Expedition- Markt 21. — Redaktion, Druck und «erlag von Joh. lig. Loch.
Erscheint täglich h|b n Werkina« aach 6m< ob Seiatogc». — LortMl-IbooementS-Preik bei bet Expe. bttio»9</e«L bei be* Postämtern 9% 60 Pfg. (kB. ■efkäflelb). KlserttonSgedähr für bic gespaltene Zeile 10 Pfg,, Reklamen fftr die Zeile 86 Pfg.
Las Wettiner Inbilanm
In wenigen Tagen wird das sächsische Königs- pus der Wettiner das achthundertjährige Jubiläum jner Herrschaft feiern, und diesem seltenen Feste ringt nicht nur das Königreich Sachsen, sondern «ch das ganze deutsche Volk seine herzliche Teilnahme gtgegen. In Dresden werden großartige Beran- »llungen zu der Jubiläumsfeier vorbereitet, denen um Teil auch der Kaiser Wilhelm beiwohnen wird, zahlreiche Fremde aus allen Gauen des Reiches eiben nach der Elbresidenz strömen, um den Glanz to Festtage erhöhen zu helfen. Sind es doch so «le Tausende, die 1870/71 unter dem Oberbefehl 8 damaligen Kronprinzen, heutigen Königs Albert
Ülhelm I. und Kaiser Friedrich haben beide mit eichem Vertrauen dem König Albert das Höchst- @tr. mmando über die ganze Reichs - Armee im Falle i wr plötzlichen Mobilisierung in jenen schweren Tage», mr. gestanden, und der König von Sachsen wiederum । * n es, welcher die Anregung zum einmütigen Er-
; * einen aller deutschen Fürsten bei der glanzvollen । * ften Reichstagseröffnung des jungen Kaisers gab. ' i ib vor König Albert von Sachsen legte auch Kaiser (3764 Ülhelm II. sein Meisterstück als Soldat ab. Vor .|3 wi sächsischen Monarchen und dem von Schweden vimandierte der Kaiser Wilhelm II. persönlich das rrdekorps und später im Kaiseimanöver die ein- inen Truppen. So hat es der König von Sachsen ch als Reichsfürst redlich verdient, daß die vollste L 9 Teilnahme für die Dresdener Festtage tn ganz woben, kutschland sich zeigt, daß ihm die dankbare Hul igung der ganzen Nation dargcbiacht wild, ihm, ) Pst ............ ! ..........—I
Mi Sachsen, standen, der im ganzen deutschen Heere Mj jtnio populär war, wie der Kronprinz Friedrich l _ Mhelm und der .rote" Feldmarschall, Prinz Fried- [.£ Kch Karl von Preußen. König Albert von Sachsen tnb unser greiser Moltke sind die einzigen noch 2 50ijibenben großen Feldherren von 1870, alle anderen t Heerführer des stolzen Nationalkrieges, und ihre Zahl '• ^20, mr gewiß nicht klein, hat der Tod hinweggerafft, 0,86, । ben letzten Jahren besonders mit außerordent- 1 her Schnelligkeit. Das Jubiläum seines glorreichen i auses gestaltet sich somit zu einer persönlichen Hul-
i jung für den siegreichen Führer der Maas-Armee tm ib alle, besonders die unter seinem Oberbefehl ge-
1 anben, senden de« verehrten Führer ihre herzlichsten lückwünsche. All,... ».hll..
•ij leI "uch zu den treuesten Freunden des deutschen üd Mer auses und in dem bitterernsten Jahre 1888 -t er i m treu zur Seite gestanden. Kaiser
final«,
ie Einführung des Interims vom L August 1548 in Marburg.
(3763
)ild
Raifer Earl V. nahm von vornherein Stellung gen die Resorwatio» und behauptete diese auch 6 zu seinem Tode. De» Riß, de» die Reformation i die abendländische Kirche gemacht hatte, konnte er , , >r nicht verschmerze», weshalb e» sei» sehnlichster Kusch war, eine Vereinigung der getrennten Kirchen- Hv. Ulkten tn den deutschen Landen wieder zustande zu ■ faßen. Zn dem Ende ließ er von mehreren > Pst- Geologen eine hierauf bezügliche Schrift, welche »ter dem Namen „Interim" bekannt ist, ansaibeiteu jsßfgi »b dem Reichstage zu Augsburg vorlegen, der sie ) . ft Reicksgesetz unter folgendem Titel sanktionierte: -) Der Römischen Kaiserlichen Majestät Erklärung, - " ie eS der Religion halber im heiligen Reich bis zu ro7p.i fttrag des gemeinen Concils gehalten werden soll, UL tf dem Reichstag zu Augsburg den 15. Mai 1548 |Uu Meiert und eröffnet und von gemeinen Ständen genommen."
litt
«rp<j
Zid^ S verhalten habe. Die Abgeordneten der Ritter. JLa Aast und der Städte, welche am Spieß, dem allen *""LL?krsammlungSort der hessischen Landstände tagten, 1 wohin auch Marburg seine Deputierten geschickt
te, erklärten fich für die Annahme der Interims,
itenb fich die Geistlichkeit ablehnend gegen dasselbe
t er
(41
—' Zur Zeit der Publikatto» des Interims befand
Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen > Ott fc^be in der Gefangenschaft des Kaisers. Äußer »vW Welben würde er aus bewegliche» Gründe» sofort ' i Protest gegen die Einführung des Interims in seinen fa ^deu erhoben haben, so aber, weil er glaubte seine ^Oheit dadurch zu erlangen, zeigte er fich gefügig '' tß *b befahl durch eine Verordnung vom 1. August Ld M8 die Einführung und Befolgung desselben in *l hessischen Kirche.
. Sobald jene landgräfliche Verordnung in Heffen ^annt wurde, hielten die Landstände und die Geistern Versammlungen, um zu beraten, wie man fich
verhielt, weil fie tn demselben nur eine Brücke erkannten, auf der die Protestanten zur römischen Kirche wieder zurückgeführt werden sollten; denn trotz der ihnen darin gemachten Zugeständnisse blieb eS doch tat großen und ganzen in Lehre und Gebräuchen beim Herkommen. .Das Interim hat den Schalk hinter ihm", so lautet das in jener Zeit ent- ftanbene Sprichwort. Die oben ausgesprochene Befürchtung der Geistliche» in betreff der Einführung des Interims bestätigte fich n»r sehr bald in den Beschlüssen deS tiitentinet Concils, welches die Lehrsätze der römischen Kirche aufS neue sanktionierte und nur die Fragen über die Verehrung und Anrufung der Heiligen und über die Kommunion unter beide» Gestalte» offen ließ und auf spätere Zeiten verschob.
Um die Mitte des Monats August 1548 hatte der Superintendent der oberhesfischen Diözese M. Adam Krafft, die ihm unterstellten Pfarrer zu einer Konfernz nach Marburg berufen, zu welcher auch der hessische Kanzler LerSner in der Absicht erschienen war, fie zur Annahme deS Interims zu bewege». Einstimmig jedoch lehnten der Superintendent und die Pfarrer gewiffenshalber dasselbe ab und baten nach dem Berichte deS W. Lanze, fie bei der Lehre der Reformatto» zu belassen und ihnen nicht znzumnte», Christum mit Zusätzen wider GotteS Wort zur Verdammnis ihrer Zuhörer zu lehren und zu predigen. Der Gewalt würden fie zwar weichen — obwohl fie ihre Kirchen nicht gern verließen — damit die G- weiudeglieder unbeschwert blieben, allein was fie anbelange, so würden fie bei dem Evangelium Christi ohne Zusätze verbleiben.
Infolge jenes landstäudischen Beschlusses, die Einführung deS Interims betteffend, teilte sich Marburg in zwei Lager. Auf der einen Seite stand das Ministerium der lutherischen Pfarrkirche, der vorer- wähnte Superintendent M. Adam Krafft, der Pfarrer M. Johannes Rosenweber, der Ekklefiast M. Johannes Michelbach und der DiakonuS Eckhard Lnncker, welcher
zugleich Pfarrer in dem benachbarten Dorfe Cappel war; diese waren gegen die Einführung des Interims. Ans der andere» Seite sta»d der Stadtmagtstrat, der evangelische Pfarrer z» St. Elisabeth, Professor Dr. Theobald Thamer, und der katholische Land- komtur Johan» vo» Rehe, welch' letzterer das Interim in der St. Elisabethkirche eiusührte. Zünfte und Gemeinen der Stadt verteilten sich in beide Lager. ES sei hier bemerkt, daß bei Einführung deS evangelischen Kultus im Schiff der St. Elisabeth, kirche am Sonntag Exaudi 1539 der katholische int Chor für die nicht evangelisch gewordenen Bewohner der DentschordenS-Kommende Marburg bis zum Tode des vorerwähnten LandkowtnrS von Rehe im Jahre 1570 fortbestand.
Weil nun das lutherische Ministerium fich nicht dazu verstehen wollte, das Interim in der Pfarrkirche eiuzuführen, der Magistrat aber, ohne Zweifel aus Furcht vor spanischer Einquartierung und sonstigem Nachteile für die Stadt, dessen Einführung glaubte durchsetzen zu müffe», beschloß derselbe Donnerstags nach KrenzeSerhöhnng (20. September) 1548 den Landkomtnr von Rehe nm Hilfe anzurufen, «ob Seine Ehrwürde» nicht Rat oder Gelegenheit wiffe, wie es avzufangen sei, damit das Interim in Schwank und Gebrauch in der Pfarrkirche käme." Der Landkomtur aber war auf nichts etagegangen, sondern hatte nur erklärt, er wolle darüber an den Deutschmeister berichten. Da keine Antwort bis zum Jahresschlüsse erfolgt war, ging der Magistrat in corpore Donners- tags nach Neujahr (3. Januar) 1549 ta das deutsche Haus, den Landkomtur abermals bittend, „er möge doch als Patron der Pfanktrche Einsehens haben, daß Kaiserlicher Majestät Ordnung Folge geleistet werde." Der Landkomtnr erwiderte, „eS seija bekannt, daß vor Jahren (1527) die Pfarrkirche dem deutschen Orden abgedrnngen worden und deshalb vorläufig nichts zu mache», bis die zwischen dem Deutschmeister und Heffen obwaltendenden Stteitigketten geschlichtet seien." Dabei ist eS geblieben. Das Interim kam nicht zur