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HIchentliche Beilagen: Kreis Blatt ffir Mt Kreise Marburg und Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt

Srveditiont Markt 21. Redaktion, Druck und Setlag von Joh. leg. Koch. . *

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Irscheint ttglich afa o verktaa« nach 6oim- xnb Feiertagrn. Bg«et«I»llimwmaiÖ»&eiS bei der Skpe- dition21/.ÄL bei den PostLmtern SM. 50 Pfg. (exkl. LesteLgeld). JnsertioKsgeöthr für eie gefpoltene geile 10 Bis-, Reklame» für die Rette 85 Pfg.

Marburg,

Mittwoch, 12. Ium 1889.

Ingeigen nümnt entgegen die «rpeditton d Blatte», sowie d. Nnnoncen-Bureanr von LaasenKei» und 8aalet äRoflbebutaiL 88ien; Rcklf Mofse in Frankfurt a. Berlin, München n. »ln; G.L

Dauben.Co.inFrankfnrt a. 9t-, Berlin,Hannover.Paris.

XXIV. Jahrgang.

Deutsches Reich.

Berlin, 8. Juni. Der Fürst und die Fürstin fismarck sind heule morgen 8 Uhr 40 Min. nach karzin abgeretst. Aus Sansibar, den 7. Ium, jirb gemeldet: Die Deutschen fanden zuerst Wider- I mb südlich von Saadani; die Eingeborenen flohen ier bald. Gegenwärtig finden Verhandlungen statt, ernt Ausgang darüber entscheiden wird, ob Paw ini angegriffen werden soll. Die .Nordd. Allg. tg." teilt die Erklärung des deutschen Reichsvereins i Zürich mit, in welchertreu zu Kaiser und Leich stehende Deutsche" gegen die Behauptungen Wr »Nordd. Allg. Ztg." über die Behandlung der Deutschen in der Schweiz protestieren. Das offiziöse Hott fügt folgendes hinzu: Indem wir diese s Kundgebung erwähnen, kommen wir dem Reichsver- f m weiter entgegen, als vielen anderen ernsthaften j Persönlichkeiten, die an uns lebhafte Klagen über wangemessene Behandlung in der Schweiz richteten. )ir haben davon nichts veröffentlicht, weil wir die snehin ernste Lage nicht noch mehr erschweren tollten. Der deutsche Reichsverein, der unseres siffens noch nie gegen die in seiner nächsten Nähe atlfindende Massenproduktion einer Kaiser und Reich aflächig beschimpfenden Literatur protestiert hat, chebt sich zum Richter deutscher Zeitungen in einem lugenblicke, wo die deutsche Regierung mit der Eid- woffenschast in einer ernsten Auseinandersetzung «griffen ist, über Verpflichtungen, die beiderseitig us Verträgen und den Geboten bisher geübter iter Nachbarschaft entspringen, und verwendet sein athos gegen deutsche Blätter, die dagegen an- uipfen, daß der blindwütige Radikalismus im lienste aller antimonarchistischen Strömungen das Verhältnis zwischen der Schweiz und Deutschland krgifte." Der Züricher Verein hätte besser die ntwicklung der Thatsachen abgewartet, er segle aber i Fahrwasser aller derer, die seit 30 Jahren die Here Einsicht Bismarcks bekämpfen; diese werde, i Gott will, sich auch in diesem Falle bewähren, vtz des Eifers, womit Parteigeist und Unkenntnis

Recht zu trüben suchen. DerKöln. Ztg." i litb aus Petersburg gemeldet: Der Zar drückte i K seiner Verabschiedung vom Schah diesem per- alich energisch seine Meinung über die persische olitit aus; sollte der Schah sich jetzt bei seinem «suche in England abermals zu Rußland ungünstigen sugeständniffen hinreißen lasten, so möge er vorher i «denken, daß sich längs der persischen Grenze 00 000 russische Bajonnette befänden. Er, der tt, könne nicht dafür stehen, daß er dieselben nicht i Bewegung setzen würde. Ter Schah aniwor- > >« nicht.

Berlin, 9. Juni. Der Schah von Persien traf a 6 Uhr 5 Min. auf dem reich geschmückten mtralbahnhofe ein. Bei der Ankunft intonierte

i« Musik die persische Nationalhymne, während die hrenwache präsentierte. Der Kaiser, welcher die - «de du Korps-Uniform mit den persischen Orden : igelegt hatte, empfing, umgeben von sämtlichen i kwzen, dem Staatssekretär Grafen Herbert Bis- i «rck, dem Feldmarschall von Blumenthal, den «Beraten und Flügeladjutanten, der gesamten «neraltät, dem Gouverneur, dem Stadtkomman- Bten, den Stadtverordneten, dem zweiten Bürger- Bister, dem Personal der persischen Gesandtschaft

des persischen Konsulats, des russischen Militär- llachss ie., den Schah, umarmte ihn und drückte ® wiederholt die Hand. Nach der Vorstellung 1 Prinzen schritten der Kaiser und der Schah die Kenwache ab und ließen dieselbe im Parademarsch Vieren. Hierauf begaben sich der Kaiser und 1 Schah im vierspännigen Galawagen, welchem pitzreiter und eine Eskadron Ulanen vorausritten, Ehrend eine weitere Eskadron dem Wagen folgte, sich die übrige Wagenreihe in Programmge­ber Weise anschloß, nach dem Schlosse Bellevue,

der zahlreichen Menschenmenge mit brausenden "chs begrüßt. Beim Passieren des Brandenburger hbres ertönte der Salut der Geschütze. Bei der Mt am Schlosse Bellevue präsentierte die dort Wellte Ehrenwache. Nach dem Parademarsch ^«lben begaben sich die Herrschaften in das Schloß, 1 die Vorstellung der Oberhof- und Hofstaaten ilsand. Der Kaiser fuhr alsdann nach dem hie- b Schlöffe zurück, wo der Schah bald darauf Mo wie bei den hier anwesenden Prinzen und

Prinzessinnen Besuche abstattete. Später begab sich der Kaiser wieder nach Schloß Bellevue, wo die Abendtasel stattfindet

ÄUStlMd.

Wien, 8. Juni. DiePolit. Corresp." schreibt: In unterrichteten Kreisen ist über die von einem hiesigen Blatte gemeldete Zusammenkunft des Grafen Kalnoky mit Erispi, welche angeblich in Eger stattfinden soll, nichts bekannt. Ebensowenig hat man Kenntniß von der derzeitigen Anwesenheit der Familie Crispi's in Carlsbad. Der Acker bauminister Graf Falkenhayn empfing heute eine Deputation der stinkenden Bergarbeiter des Mieser und Pilsener Reviers und sagte eine Untersuchung der Beschwerden in den Fällen zu, denen eine Verletzung der gesetzlichenBestimmungen zu Grunde liegen könnte. Der Minister betonte gleichzeitig, daß die Behörden nur dann vermittelnd für die Bergleute eintreten könnten, wenn diese zunächst auf den Boden des Gesetzes zurückkehren und die Arbeit wieder aufnehmen würden. In diesem Sinne werde er die Bergämter der Reviere anweisen, in der sicheren Erwartung, daß wirklich billige Ansprüche der Bergleute bei den Werken Gehör finden würden. Der Fürst von Montenegro ist mit der Prinzessin Militza heute Vormittags hier eingetroffen und von dem Fürsten Peter Karagiorgewitsch am Bahnhofe empfangen worden

Kladuo, 8. Juni. Die Prager Eisen-Jndustrie- Gesellschaft hat allen Bergarbeitern, welche wieder angefahren sind, vollen Anspruch auf die Bruder- labe zugestanden. Die Befürchtung einer Erneuerung des Strikes ist damit geschwunden.

Bern, 8. Juni. Wie verlautet dürfte die Bundesversammlung noch in dieser Session die Ein­führung von kleinkalibrigen Repetiergewehren be­schließen und die dazu erforderlichen Kredite bewilligen. England hat feine Teilnahme an der inter­nationalen Arbeiterschutz-Konferenz zugesagt.

Luzern, 8. Juni. Der internationale Antisklaverei- Kongreß wird hier vom 4. bis 8. August lagen.

Rom, 9. Juni. Zur Teilnahme an der Giordano Bruno-Feier sind zahlreiche Deputationen eingetroffen, welche von den Komitees und den Studenten empfangen wurden. In der Stadt herrscht eine festliche Be­wegung ; Festteilnehmer durchziehen mit Musik und ihren Fahnen die Straßen. Die Studenten der hiesigen Universität begrüßten die Komilitonen aus anderen Städten und dem Auslande gestern abend im Universilälshose, wo eine Büste Giordano Bruno's aufgestellt ist. Die Enthüllung des Giordano Bruno-Denkmals fand heule um 11 Uhr unter Be­teiligung einer ungeheuren Menschenmenge statt. Die Feier, an welcher 'sich 6000 Vereine mit 1970 Fahnen beteiligten, verlies in größter Ordnung. Bei prachtvollem Weller setzte sich der Zug um 9 Uhr vormittags von 6000 Deputattonen der Munizipien, der Universitäten, ausländischen und inländischen Vereinen mit 1970 Fahnen und Bannern, mit 100 Musikkorps vom Tempelplatze aus durch die Via Nazionale, den Corso Vittore Emanuele, die Baularistraße entlang in Bewegung. In dem Zuge befanden sich 2000 Abgesandte aus den Abruzzen und 2500 Studenten und Deputierten der Frei­maurer aus Deutschland, Frankreich, Belgien, den Vereinigten Staaten von Nordamerika, Ungarn, Dänemark und Mexiko. Eine zahlreiche Volks­menge bildete Spalier und begrüßte den Zug mit begeisterten Eviva-Rufen. Der Zug traf um 10*/i Uhr auf dem Campo Fiori ein, das in einen Blumenhain verwandelt war, und gruppierte sich um das Denkmal.' Die Tribünen waren von Senatoren und Deputierten, sowie den Munizipaldelegierten Roms und Nolas besetzt. Um 11 Uhr fiel die Hülle des Monuments inmitten eines langanhaltenden Beifallsturmes. Alle Musikkapellen spielten, die Banner wurden gesenkt, die Zuschauer auf dem Platze und an den umliegenden Fenstern schwenkten Hüte und Tücher. Alsdann erfolgte die Uebergabe des Denkmals durch Notariatsakt an den Bürgermeister Roms, welcher in einer der Feier entsprechenden Ansprache erwiderte. Die hierauf folgenden Reden des Bürgermeisters von Nola und des Deputierten Bovio fanden begeisterten Beifall. Nach der Feier zogen die Deputationen nach dem Capitol, wo am Platze der Büste Garibaldi's, der Deputierte Jmbriani eine enthusiastisch aufge­nommene Rede zum Gedächtnisse des Generals hielt.

Paris, 9. Juni. Der Präsident Carnol er­öffnete heute auf dem Exerzierplatz von Vincennes vas internationale Turnfest. Auf Anordnung des obersten Gerichtshofes ist in der vergangenen Nacht der Unterintendant Reichert, welcher im früheren Ministerium Boulanger angestellt war, verhaftet worden. Das »Journal des Debats" berichtet, daß wegen der in den Papieren des Untermten- bantcn Reichert gefundenen kompromittierenden Schriftstücke, der Staatsgerichtshof heute vormittag Fleuchst, seiner Zeil Kapitän vom Generalstabe des Kriegsministers, habe verhaften lassen. Die Ver­haftung des Untetintenbanten Reichert würbe damit begründet, daß Reichert falsche Aussagen vor Gericht wachte und sich weigerte, die vom Untersuchungs­richter verlangten Schriftstücke auszuhändigen. Nach­dem Reichert die Schriftstücke ausgeliefert und An­gaben über die Schriftstücke, welche sich im Besitze des Kapitän Fleuchat befanden, gemacht hatte, wurde er gestern wieder in Freiheit gesetzt. Weitere Ver­haftungen sind bis jetzt nicht vorgenommen worden. Der ehemalige Kabinetchef Boulangers, General Jung, wurde heute von der Untersuchungskommission des Staatsgerichtshofes vernommen. (Deputierten­kammer.) In der gestrigen weiteren Beratung des Unterrichtsetats griff Mun von der Rechten Ferry heftig an, dessen -Karne allein schon genüge, um Blut und Thränen im Lande fließen zu machen. (Stürmischer Beifall von der Rechten.) Mun klagte, das Land sei unwohnlich für die Hälfte seiner Ein­wohner gemacht worden, es sei solch unerträglicher Diktatur endlich satt. (Lärmende Proteste im Zen­trum.) Nachdem hierauf der Redner zur Ordnung gerufen, ergriff Unterrichtsminister Fälliges das Wort zur Entgegnung.

Madrid, 9. Juni. Der Staatsrat beschloß den Grafen Benomar wegen Vertrauensbruch vor Gericht zu stellen; man erwartet, daß der Mmister- rat sich heute mit der Angelegenheit beschäftigen werde. Gestern haben hier und in Jaen (Anda­lusien) Erdbeben stattgefunden.

Lissabon, 8. Juni. Die Deputiertenkammer nahm einen Antrag an, ähnlich dem gestern in der ersten Kammer beschlossenen, betreffend die Rechts­ansprüche Portugals auf Gebiete in Ost- und Zentralafrika.

Petersburg, 9. Juni. Das diesjährige Re­krutenkontingent der Armee und Marine ist auf 255 000 Mann festgesetzt, neben 2400 Mann in Derek, Kuban und Transkaukasien für die Ergänzung der spezialkaukasischen Truppen.

Sijet», 8. Juni. Der Fürst von Montenegro ist gestern abend von hier wieder abgereift.

Belgrad, 8. Juni. Die Regenten unterzeich­neten einen Ukas, wonach der Metropolit Theodosius Demetrius, Bischof von Risch, und Nikanor, Bischof von Zica auf ihr Ansuchen pensioniert, und der Me­tropolit Michael als Metropolit von Serbien, sowie der Bischof Hieronymus als Bischof von Nisch in ihre ehemals innegehabten Stellungen wiedereingefetzt werden. In dem Pensionsgesuche erkennen die aus- scheidenden Kirchenoberhäupter an, daß der Rücktritt von ihren Posten im Slaatsinlereffe liege und ein Gebot für den Frieden und die Würde der ortho­doxen Kirche in Serbien sei.

Athen, 8. Juni. Die aus Kreta gemeldeten ausgebrochenen Unruhen sind nicht ernsthafter Natur, sondern lediglich auf Parteihaber zurückzuführen.

Kairo, 8. Juni. Die österreichische Regierung hat ebenfalls ihre Zustimmung zur Konversion der privilegierten Schuld erklärt.

Zanzibar, 8. Juni. Nach weiteren Melbungen stieß die beutsche Macht auf einen ernsteren Wibcrstand zuerst süblich von Saabani, inbeffen flohen die Ein­geborenen nach kurzer Zeil. Augenblicklich schweben Verhandlungen, von deren Ausgange es abhängt, ob die Deutschen Pangoni angreifen werden.

Netvyork, 8. Juni. Nach offiziellen Berichten aus Seattle beträgt der durch die Feuerbrunst an Gebäuden angerichlete Schaden 7 Millionen Dollars, von denen amerikanische Versicherungsgesellschaften 21/« Millionen Dollars tragen.

Rio de Janeiro, 9. Juni. Der Vicomte Onropreto übernimmt den Vorsitz in dem neugebil­deten liberalen Ministerium. Alfonso Celso hat den Auftrag erhalten, ein liberales Ministerium zu bilden.

Hesse«-Nassarr.

Marburg, 11. Juni. Aus Cassel trifft die be­trübende Nachricht ein, daß am Freitag Abend daselbst der langjährige Vorsitzende und Gründer des Hessischen landwirtschaftlichen Zentral - Vereins, Herr Geh. Regierungsrat a. D. Eduard Wendel- stadt, nach längerem Leiden aus diesem Leben ge­schieden ist. Einen ausführlicheren Nachruf dieses, um die hessische Landwirtschaft hochverdienten Mannes, werden wir demnächst folgen lassen.

Marburg, 11. Juni. Am letztvergangenen Sonnabend feierte unser verehrter Mitbürger und Universitätsprediger Herr Professor Dr. Achelis nebst Gemahlin das Fest der silbernen Hochzeit, zu welchem Verwandte teils aus weiter Ferne herbei- gekommen waren, um nebst vielen Freunden und Bekannten aus hiesiger Stadt an diesem frohen Familientage teil zu nehmen. Ein Sängerchor, ge­bildet aus Mitgliedern des hiesigen Wagnervereins und anderen Sängern und Sängerinnen, über­raschten das Jubelpaar bereits am frühen Morgen mit dem Bortrage des ChoralsLobet den Herrn den mächtigen König der Ehren" und der Motette »Wirf dein Anliegen auf den Herrn". Zahlreiche Gratulanten folgten im Laufe des Tages und bedachten das Jubelpaar mit einem überaus reichen Blumenflor, während eine Menge Telegramme und Briefe die Glück­wünsche und Grüße aller derjenigen überbrachten, welche der Feier persönlich beizuwohnen verhindert waren. Den Schluß der schönen Jubelfeier bildete eine am Abend in dem gerade jetzt im köstlichsten Rosenschmuck prangenden Garten arrangiertes Sorten« fefl, das bei herrlichstem Welter, ebenso wie das ganze Fest in der besten Stimmung verlief und die Gäste des allverehrten Jubelpaares bis spät zusammenhielt.

Marburg, 11. Juni. Ganz ohne Regen sind die Pfingstfeiertage bei uns nicht verlaufen, trotzdem war das Welter so, daß es den Aufenthalt in der herrlichen Fülle der Natur in reichstem Maße ge­stattete, wovon bann auch recht vielseitiger Gebrauch gemacht wurde. Sehr besucht am gestrigen Morgen war der Gottesdienst in der reformierten Kirche, in welcher Herr Missionsprediger Schrenk die Predigt hielt. Nach deren Beendigung ver­kündete er der Gemeinde, daß das Presbyterium in seiner letzten Sitzung die Annahme des neuen evan­gelischen Gesangbuches beschlossen habe, da ein Wider­spruch hiergegen nicht erfolgt sei. Die Gemeinde­ungehörigen wurden indessen noch darauf aufmerksam gemacht, die Anschaffung zu beanstanden, bis eine neue verbesserte Auflage, deren Herausgabe bevorstehe, erschienen sei. Es ist diese Warnung vor dem Ankauf der gegenwärtigen Ausgabe einzig und allein der berechtigten Kritik in unserem Blatte zuzuschreiben, und hoffen wir, daß die in Aussicht gestellte neue Ausgabe nicht wieder so mangelhaft erscheinen wird, daß wir wiederum ge­zwungen sind, gegen dieselbe vorzugehen.

Marburg, 10. Juni. Ein für das gesamte Fortbildungsschulwesen grundsätzlich höchst folgen­schweres Urteil hat das Berliner Kammergericht ge­fällt. Dasselbe war als letzte Instanz von der Staatsanwaltschaft gegen die Urteile des Schöffen- unb Lanbgerichts eines niederschlesischen Gerichts- sprengels angerufen worben, um eine wegen unent» schulbigter Versäumung des gewerblichen Fortbil- dungsunterrichls verhängte Polizeiftrafe aufrecht zu erhalten. Das Kammergericht verwarf die Berufung der Staatsanwaltschaft und bestätigte somit die Er­kenntnisse beider Gerichtshöfe, welche die Handwerks- meister von der Polizeistrafe freisprachen. In der Begründung heißt es:Den Ortspolizei - Verord­nungen, welche den Besuch der Fortbildungsschulen regeln und Bestrafungen in Versäumnisfällen festsetzen, wohnt eine rechtsverbindliche Kraft nicht bei. Es lann nicht anerkannt werden, daß die Fürsorge da- ür, daß gewisse Gesellschaftsklassen sich eine über ba§ Ziel der Elementarschule hinausgehende Bildung aneignen, zu den Gegenständen ortspolizeilicher Vor­christen im Sinne des § 6 des Gesetzes über die Polizei - Verwaltung vom 11. März 1850 gehört. Das Fortbildungsschulwesen hat auch seine Regelung in der Reichsgewerbeordnung gesunden. Wenn die Staatsanwalts noch auf bas Gesetz vom 4. Mai 1886 hinweist, wonach ber Handelsminister Zuschüsse tut Unterhaltung der Fortbildungsschulen (sofern sie 4 den Forderungen der Staatsregierung unbequemen)