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KAchentüche Beilagen: Kreis-Blatt für dir Kreise Marburg Mld Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

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die Besichtigung abhielt.

orbnungäbtatt" meldet: Auf Befehl des Kaisers hat das Dampfboot des Stationschefs in Wilhelmshaven, welches der Kaiser benützte, als er der Kreuzerkorvette .Alexandrine" bei deren Abfahrt nach der Südsee am 15. AprilGlückliche Reise" wünschte, den Na­men .Farewell" zu führen. Der dem Reichstage zugegangene Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung des 4 des Strafgesetzbuches, bestimmt: Nr. 1 und 2 des 8 4 werden durch nachstehende Bestimmungen ersetzt: 1) Ein Deutscher oder Ausländer, welcher im Auslände eine hochverräterische Handlung gegen das deutsche Reich oder gegen einen Bundesstaat, oder ein Münzverbrechen oder ein« nach den Gesetzen des deutschen Reichs als Verbrechen oder Vergehen strasbare Handlung, oder als Beamter des deutschen Reichs oder eines Bundesstaates eine Handlung be­gangen hat, die nach den Gesetzen als Verbrechen oder Vergehen im Amte anzusehen ist- 2) ein Deutscher, welcher im Auslande eine hochverräterische Handlung gegen das deutsche Reich oder einen Bundesstaat begangen hat u. s. w. DieNordd. Allg. Ztg." bemerkt zu der Auslaffung derKöln. Ztg.", daß zu der eventuellen Verhängung des Be- lagerungs - Zustandes in Westfalen bis jetzt die Boraussetzungen fehlten: Das rheinische Blatt be­findet sich in einem Rechtsirrtum. Nach dem Gesetze vom 4. Juni 1851 kann der große Belagerungs- Zustand verhängt werden bei dringender Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Diese Voraussetzung ist hier zutreffend. Seit Beginn des Streiks sind zahlreiche Widersetzlichkeiten gegen die Obrigkeit und Zusammenrottungen der Arbeiter vorgekommen. Polizei und Militär sind mit Steinen beworfen worden, Revolverschüfle sind gefallen und es ist Blut geflosfen, Eigentum und Anlagen wurden bedroht. Die Regierung hat seither jedenfalls aus Opportunitätsrücksichten das Gesetz vom 4. Juni 1851 nicht angewendet, nicht aber weil ihre Be­rechtigung dazu zweifelhaft war. Auch § 68 der Reichs-Verfassung spricht dem Kaiser das Recht zu, dm Kriegszustand zu erklären, wenn die öffentliche Sicherheit im Bundesgebiete bedroht ist.

Marburg,

Dienstag, 21. Mai 1889.

Breslau, 18. Mai. Nach derSchles. Ztg." fand in Waldenburg heute nachmittag eine Ver­sammlung der Vertreter aller Gruben statt. Wie die .Brest. Ztg." aus Beuthen meldet, brach dort in den GrubenDeutschland",Mathilde" und in derNönigsgrube" ein allgemeiner, in derKleo- pbasgrube" ein partieller Streik aus. Im Streik­gebiet sind alle Geschäfte und die Schanklokale von abends 8 Uhr geschloffen. Eine Schwadron Ulanen und zwei Bataillone Achtzehner sind nach dem Streikgebiet abgegangen. In Königshütte sind die Schankstätren vom Militär geschlossen worden.

Aache«, 18. Mai. Auf den Gruben bei Esch- roeiler und Alsdorf herrscht voller Betrieb, ebenso auf je einer Grube bei Kohlscheidt und Höngen. Im übrigen dauert der Stteik fort, da eine Einigung nicht erzielt worden ist. Die Ruhe ist nirgends ge­stört. Der Telegraphendienst ist im Streikgebiet verlängert worden. Morgen finden mehrere Ver­sammlungen statt.

Effe«, 18. Mai. Gegenüber den von der frei­sinnigen Presse verbreiteten Nachrichten über das Verhalten der Deputation der Bergwerksbesitzer in Berlin, erklären Direktor Krabler, Bergrat v. Velsen und Geheimer Kommerzienrat Haniel in derRhein.- Westf. Ztg.", daß bezüglich des Protokolles über die Verhandlungen mit der Bergarbeiter-Deputation keinerlei Meinungsverschiedenheit unter ihnen ge­herrscht, daß ferner keiner von ihnen die Vertreter der Bergarbeiter gesehen oder gesprochen und daß sie mit den deutschfreisinnigen Abgeordneten Baum­bach und Schmidt keinerlei Unterhandlungen gehabt haben. Heute sind im Oberbergamtsbezirk Dort­mund 34910 Bergleute angefahren. Zu der mor­gigen Versammlung der Delegierten sämtlicher Berg- schasten in Bochum haben ausschließlich Delegierte Zutritt.

Köln, 18. Mai. Die internationale Ausstellurg sür Nahrungsmittel und Hausbedarf ist heute mittag in Gegenwart der Spitzen der Zivil- und Militär- Behörden feierlich eröffnet worden.

Braunschweig, 18. Mai. Der Kaiser ist heute abend 7 Uhr hier angekommen. Der Regent fuhr demselben in einem Extrazuge bis zur Landesgrenze bei Helmstedt entgegen. Auf dem Bahnhose befanden sich die Spitzen der Behörden und des Osfizier- korps. Bei Ankunft ertönten 101 Kanonenschüsse. Der Kaiser fuhr mit dem Regenten Prinzen Albrecht in offenem Galawagen und unter dem Geläute der Kirchenglocken, von brausendem Jubel begrüßt, durch die festlich geschmückte Stadt. Der Oberbürger­

wandt, der nicht weniger Fürst der Armen als der Reichen sei. Der König von Preußen und deutsche Kaiser kaffe sich nicht einschließen in die flach« Formel eines Königs, der herrscht, aber nicht regiert. Er stehe mitten im Leben, er empfange seine Im­pulse und gebe Impulse. Sein arbeitsvolles Leben mache ihn zum obersten Vermittler und wahren Entscheider. Der Kaiser hat den bisher mit der Leitung der kaiserlichen Militärkanzlei beauftragte« Generalmajor Bolfras Ahnenburg zum General- adjutanten und Vorstand der Militärkanzlei ernannt. Bei dem gestrigen Unwetter in der Nähe Wiens haben drei Menschen das Leben eingebüßt. Mehrere Ortschaften des Angelthales (südwärts von Pilsen) haben infolge nachts niedergegangener Wolkenbrüche stark gelitten. Die Harraesche Brettersäge in Lub ist mit vier Bewohnern fortgeschwemmt worden; m den Ortschaften Rackowitz und Prikowitz sind viele Häuser niedergeriffen, 9 Kinder sind ums Leben gekommen. In der Gemeinde Ino sind 7 Häuser mit 28 bis 32 Personen zu Grunde gegangen.

Bern, 18. Mai. Der Bundesrat hat die Re­gierung von Uri aufgefordert, zwei Vertreter zur Begrüßung des Königs von Italien nach Goeschenen zu senden und eine Kompagnie Infanterie zum Ehrendienst aufzubieten. Die Verwaltung der Gott­hardtbahn hat angeordnet, an der Grenze bei Diri- nella und beim Eingang des Tunnels Ehrenpforten zu errichten. Gutem Vernehmen nach hat der König von Italien dem Äundesrat seine hohe Be­friedigung ausgesprochen, daß er Gelegenheit habe, mit der obersten schweizerischen Behörde persönlich verkehren zu können.

Paris, 18. Mai. Präsident Carnot unter­zeichnete heute das Dekret, welches die Einrichtung einer Tombola genehmigt, deren Reinertrag daz« bestimmt ist, eine Anzahl Lehrer der Industrie- uad Ackerbau-Schulen, Arbeiter, Unteroffiziere, Soldaten und Marinemannschaften aus der Provinz zum Be­suche der Ausstellung nach Paris kommen zu lassen. Der Minister des Aeußern, Spuller, beauftragte den Gesandten in München, Barrsre, dem Prinzregenten das Beileid des Präsidenten Carnot und der fran­zösischen Regierung anläßlich des Todes der Königin- Mutter Marie auszudrücken.

London, 18. Mai. DerTimes" zufolge wurde gestern in London zwischen der griechischen Regierung und dem Bankhause Anthony Gibbs u. Sons in London und dem Bankhause S. Bleichröder in Berlin ein Abkommen über die Emission einer neuen 4- proz. griechischen Anleihe im Betrage von 5 Mill.

DasMarine-Ver-

Deutsches Reich.

Berlin, 18. Mai. Der Kaiser begab sich heute anläßlich der ersten Wiederkehr des Tages, an dem er dem Kaiser Friedrich die 2. Garde-Jnsanterie- Brigade vorsührte, nach Charlottenburg und legte einen Kranz auf der monumentalen Vase nieder, die an der Stelle steht, wo Kaiser Friedrich damals

meister Pockels hielt eine Ansprache und Ehrenjung- fcrn überreichten dem Kaiser einen Blumenstrauß; Schulkinder sangen patriotische Lieder. Im Schlosse bewillkommnete Prinzessin Albrecht mit dem Hofstaat den Kaiser.

Hamburg, 18. Mai. Die Passagiere des Hamburger DampfersRugia" übergaben dem Kapitän desselben, Karlowa, in Anerkennung der mühevollen Arbeit des prompten Gehorsams und des Wetteifers der Mannschaft bei Bewältigung des auf dem Schiffe ausgebrochenen Brandes, 800 Mk. zur Verteilung an die Mannschaft und sprachen gleichzeitig dem Kapitän und den Offizieren ihren Dank für die dabei an den Tag gelegte Aufopferung, Ruhe und Besonnenheit aus.

Chemnitz, 18. Mai. Auch im Oelsnitzer Kohlenrevier tritt eine Arbeiterbewegung auf. Morgen findet in Oelsnitz eine Versammlung der Arbeiter statt, welche die Forderungen auf Lohnerhöhung und Herabsetzung der Schichtzeit feststellen wird.

Münch«, 18. Mai. Die feierliche Aufbahrung der Leiche der Königin-Mutter findet in der Aller­heiligen Hofkirche statt. Dem Publikum ist der Zu­tritt am Sonntag von 8 Uhr früh bis 9 Uhr abends und Montag von 5 Uhr früh bis 8 Uhr abends gestattet. Am Tage der Beisetzung setzt sich der Leichenzug vom Brunnenhofe unter dem Thronsaale in Bewegung und führt durch die Residenzstraße, Dienerstraße, über den Marienplatz, durch die Wein- und Theatinerstraße nach der Cajetanshofkirche. Die Beisetzungsfeierlichkeit findet am Dienstag um 1 Uhr unter 101 Kanonenschüssen und Glocken­geläute statt. Die Ordnung des Trauerzugs, welche heute abend publiziert wird, ist ähnlich derjenigen König Ludwigs II. Sämtliche regierenden Fürsten auch die Kaiserinnen-Wittwen Augusta und Friedrich sandten dem Prinz-Regenten herzliche Beileids- Telegramme.

Anslknö.

Wie«, 18. Mai. In einem Artikel über den Empfang der Bergarbeiter und Arbeitgeber seitens Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm sagt dasFremden­blatt", das Eingreifen des Kaisers und die politische Seite der ganzen großen Angelegenheit werde vor allem denkwürdig bleiben. Zum ersten male seit langer Zeit sei es geschehen, daß ein so großer Streik ohne Teilnahme, ja unter ausdrücklicher Zurückweisung der Sozialdemokraten vor sich ge­gangen sei. Die Bergleute hätten sich nicht an Bebel oder Liebknecht, sondern an den Kaiser gc-

Auzeigo mannt entgegn Ht Cnxbitian d Blattes, fetoit b. Nanoncen-Bareaar von Haaseustei» tmb Segler «ÄX'ÄaiÄ W XXIV. Jahrgang. Daube u. Cs. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paris.

(Nachdruck verboten.)

Litt Kind Les Südens.

Novelle von R. Dntt.

(Fortsetzung.)

Damals als Sie ihrer Urberzeugung die kaum errungene Stellung opferten, hatten Eie in mir einen Freund, und ich in Ihnen einen Gefimtuugsgenoflen gewonnen, nur daß ich mir vielleicht, da ich so viel titer war, auch mehr Kraft, wehr Fähigkeit zum Kämpfen uud fiegreichen Durchdringen zutraute. Daß '4 meine Ohnmacht endlich doch eiusehe» lernte, zeigte Ihnen meine Demission.

Da ich mit keinen anderen Waffen als mit denen der Wahrheit zn kämpfen verstaub, mußte ich unter­liegen, sobald der Fürst den Geschmack daran ver- loten. Daß weine Demission fast mit der Mediatifiruug des kleinen Staate» zusammeutraf, ändert nicht» an der Sache. Aber wie auch immer, wir Beide können »hne Rette auf unser Leben zurückblickeu, denn wenn euch jeder strebende Mensch Irrtümern noterltegen Mrd, so können wir uns doch sagen, daß wir ge­kämpft haben, nm der Vollendung näher zn kommen. Unser Berns war, Gnte» zu thun und zn veranlassen, unsere Religion, ächt menschlich zu leben/

Er ließ den Brief sinken uud stützte deu Kopf in die Hand. .Du, Ulrich Wtudehu, Du kauust so von Dir sprechen, aber weshalb weinen Name» immer da liinein verwebeu? Bist Du Irrtümern unterworfen toefen, so habe ich gesündigt, schwer gesündigt: u, es ist beschämender, ein unverdiente» Lob hivzu- Uehmen, als einen verdienten Tadel/

Er nahm den Brief wieder auf:

,68 ift wohl natürlich, wenn man so »ah vordem tobe steht, noch einmal zurückzublicken auf da» Leben, dar hinter einem liegt, nm seinen Frieden mit der Argaogenheit za machen. Und Gott sei Dank, ich stade mehr zn danken, als zu verzeihen. Der Einen Mb ft, die den dunkelste» Schatten Über mein Leben llttvorfen, mein Weib, da» Schmach und Schande

über meinen Namen gebracht, hab' ich ein Glück zn danken, das unendlich größer ist, als alles Weh, das fie je meinem Herzen angethan, »mein Kind/

Aber mein Freund, ich will von dem, was da vergangen ift, obbrechen und Ihne» nur eine Bitte für die Zukunft vortragi n. Wenn ich jetzt abgerufen werde, steht meine Tochter ganz allein, uud da ich schon vou Jugend auf keine Verwandte und wenig Freunde besessen, so wende ich mich jetzt an Sie mit der Bitte, meiner Tochter Ihr Haus zu erschließen und die Vormundschaft für fie zu übernehmen. Sie haben ihre Mutter gekannt und einst geliebt, sagt die Fama, habe» ihrem Vater Ihre Achtung geschenkt, und deshalb hoffe ich, werden Sie zu ihr gütig fein trotz ibn8 bürgerlichen Hamen». Noch bleiben mir wohl einige Tage zu leben, die ich zur Ordnung meiner Verhältnisse benutzen will, übet welche mein Rechtsanwalt und mein Bar »niet Sie unterrichten werden.

ES ist ein Sterbender, der diese Worte schreibt, und wenn Sie den Brief erhalten ein Gestorbener, der zu Jhueu spricht; solche Bitten erfüllt man gern und deshalb bin ich auch ganz sicher, daß Sie meinen Wunsche willfahren und meiner Tochter ein väterlicher Freund sein werden. Ich habe stets treulich gesucht, ihr die Mutterliebe, die da» arme Kind nie kennen gelernt, durch meine Zärtlichkeit zu ersetzen, und des- halb wird e» mit doppelt schwer, von ihr zu gehen. Der Gedanke ober, daß mein Sind nicht vereinsamt sein, daß el in Ihrem Hanse eine ZuflnchtstStte finde» wird, erleichert mir das Sterbe», unb ich gehe gern znr Ruhe. Wenn es ein Jenseits »nd einen Richter siebt ich habe bet Wahrheit unb daher dem Ewiggnten, Ewigschönen nachgestrebt nnb erwarte seinen Wahrspruch mit ruhiger Ergebung. Möge da», was Sie an meinem Kinde thun, Ihnen tausend» fach gelohnt werden, da» ist der Wunsch

Ihre» sterbenden Freundes, Ulrich Wtndeh»/

AI» el z» dunkeln begonnen, war der Oberst mit

de« Damen von bet Schlittenfahrt zurückgekehrt. Nieve» war singend die Treppe hinanfge flogen »nd droben in Mercedes Zimmer geeilt. ,O, eS war wunderschön!" tiefste, während die Alte ihr behilflich war, den kurzen Pelzmantel anzulegen. .Es versteht aber auch Niemand so herrlich zu fahren, wie Onkel Philipp. Da» ging wie der Wind/

Bei der Sbeudwahlzeit hatte sich der Hausherr entschuldigen lasse»; er habe wichtige Briefe zu schreibe» uud nur eine Tasse Thee auf fein Zimmer befohlen.

Als wenige Stunden später Nieve» mit müden Augen in ihr Schlafzimmer trat, fand sie Mercedes dort »nd Bat: .Nicht wahr, D» erzählst mir noch ein wenig von der Mutter und Eurer Heimat?" Uud al» fie daun in den schneeigen Riffen lag, begann bie Alte Bilder jene» Lande» vor ihr aufzurollen, wo ihre Mutter geliebt nnb auch fie selbst geliebt unb glücklich gewesen.

.3°, e» muß schön fein an den Ufern des Guadal­quivir", flüsterte da» junge Mädchen leise, halb schlaf- gefangen, nnb halb darauf sagten die ruhigen, gleich­mäßigen Atemzuge, daß fie eiugeschlummert. Die Alte erhob sich leise, löste ihr Hand au» der, der Schlafeoden nnb sich über sie neigend, flüsterte sie mit geschlossenen Händen:Dios, mtdenna, o gebt, daß er die Wahrheit gesprochen, daß Der, weichet ihr znm Gemahl bestimmt, mit seinen Küssen ihre Seele an» dem Schlummer erwecken, ihr Hetz ihn allein lieben lernen mag." Dann wandte fie sich unb trat leise ans ben Balkon hinaus in bie kalte Nacht. Der Märzstutm hatte bie Wolken von bem Himmel gefegt, nnb von bet klaren, dunklen Wölbung strahlten die Sterne in goldiger Pracht. Sie hüllte sich fröstelnd in ihren Shawl nnb wollte in da» Zimmer zurück, kehren, aber ba schlugen Gegentöne an ihr Ohr, unb nun neigte fie sich über bie Brüstung nnb lauschte. Sn Roderich's Arbeitszimmer war noch Licht, am Fenster lehnte eine bnntle Gestalt, nnb von dort hei tönten bie Klänge zu der Alten herüber. ES war ein heiße», leidenschaftliche» Hetz, da» da in Tönen

erzählte, was e» nicht in Worte zu fassen vermochte. Bald war e» der süße Scherz über vergangene, glück­liche Zeiten, bald wieder peinvolle Selbstanklage» über begangene Sünden, bald mutlose Verzweiflung und mittendurch klang es doch wie schüchterne» Jauchze» um gleich darauf wieder sich i» qualvolle Zweifel aufzulösen. Die Alte droben hatte Sturm uud Kälte vergessen nnb lauschte noch immer. Eist al» er brnnten nach einer grelle» Dissonanz eine Pause machte, fuhr fie mit bet Hand über bie Augen, nnb die zitternden Lippen flüsterten: .Armes gequälte» Hetz, laß Dein Weh nur hinan» klingen in die stille Nacht, das erleichtert. E» ist noch schwerer, viel schwerer, seine Schmerzen stumm tragen zu müsse»/

Da hatte das Spiel wieder begonnen, und die schrille Dissonanz löste nun in sanfte Harmonie ans wie wenn ein verzweifeltes Gemüt, ein brennend Ange endlich Thränen gefunden.

.Wa» mag nur geschehen fein', sagte Johan» am nächste» Morgen zu dem Kammermädchen de» gnädigen Fräuleins,der Herr Baron hat gestern wieder die halbe Nacht durch gespielt, nachdem er ben Friedrich noch spät Abends mit in paar Briefe» zur Station geschickt. Der eine war an ein Fräulein Viola Windehn, also eine Bürgerliche, der andere a» Herrn von Haare»/

,Wa» wirds gewesen sei»?' erwiderte Babette, .seine Grillen wirb er wieber gehabt haben. Und baß er an Herr» von Haaren schreibt, baran {an* ich anch nichts Wunderbares finden, da der doch f» gut wie der Bräutigam des jungen gnädigen Fräu­leins ist. Na, nnb diese Viola Windehn, oder wie fie heißt, wirdne Modistin sein, bei der er die AuS- ftattung bestellt hat.

Johann wollte widersprechen, ober da sagte ei»e Stimme hinter ihnen plötzlich: »Geht an Eure Arbeit', und sie stoben auseinander, deu» fie hatte» »uu ein­mal einen, wie Babette meinte, »ubegreiflicheu Respekt vor der allen Spanierin.

(Fortsetzung folgt.)