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MZchentliche Beilagen: Kreis-Blatt fflr dir Kreise Marburg md Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt- Expedition Markt 21. — «edattion, Druck und »erlag von Joh. Lng. «och.
Jt£ 117.
Feiertag«. - Qaartal-XdonnementS-PreiS bei der Erve- ditto» 2</. SRL bei den Postämter» 1$H. 50 Pfg. (exkl BesteSgelb). JnserttmtSgetthr für bie gespaltene Zeile 10 Pfg., Nellame» für bie Zeile 86 Pfg.
Marburg,
Sonntag, 19. Mai 1889.
Inytfl« numnt «tgege» bk fcpebtttoa b Blatte«.
sowie b. »nnoneev-Bureonx von Haasenstein und Bögler
™- Jahrgang.
Daube u.Lo.m Franlfutt a. et, Berlin, Hannover. Paris.
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auf die bedauerliche Erscheinung hinzuweisen, daß der Reichstag, obwohl er vor einer Aufgabe von solcher Bedeutung steht, wie er sie, mit Ausnahme
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forscht, so ist einmal nicht zu verkennen, daß die Art tob Weise, in welcher die Opposition das Jnvaliditäts- tod Altersversicherungsgesetz bekämpft, dazu beigetragen hat, die Lust, die täglich vorgebrachten Bedenken zu hören, erheblich abzuschwächen. Außerdem darf wohl zur ferneren Erklärung jener mangelhaften Besetzung des Reichstages in Erwägung
(Nachdruck verboten.)
Ei« Ki«d -es Südens.
Novelle von R. Dndt.
(Fottsetzung.)
Dann sagte er plötzlich mit einem warmen Blick: .Bettina, wiflen Eie, heut ist ein Jahrestag, ein trauriger Gedenktag für mich."
»Heut? Wieso?" fragte sie und sah verwundert ft ihm auf.
»Darf ich es Ihnen erzählen?"
»Ich bitte darum."
Deutsches Reich.
Berlin, 17. Mai. Einige Abendblätter erwähnen die erfolgte Abreise der Bergwerksvertreter mit dem Hinzufügen, daß von der morgen in Bochum stattfindenden Versammlung des Vereins für die bergbaulichen Jnteresien die weitere Entscheidung zu erwarten sei. — Die heutige Sitzung der Samoa- Konferenz begann um 2*/, und endete um 4'/, Uhr. — Der Bundesrat trat gestern unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten des Staatsministeriums, Staatssekretärs des Innern von Bötticher zu einer Plenarsitzung zusammen. Ein Antrag von Bremen, betr. die Branntwein - Kontingentmenge einer dortigen Brennerei, wurde den zuständigen Ausschüsien überwiesen. Hierauf wurde über die Sr. Majestät dem Kaiser zu unterbreitenden Vorschläge wegen Besetzung einer Mitgliedstelle beim Reichs - Versicherungsamt, sowie verschiedener erledigter Stellen bei den Disziplinarbehörden Beschluß gefaßt, ferner den Beschlüssen der beteiligten Genossenschastsversammlungen wegen Zuteilung folgender Industriezweige: der Dachfilz- und Dachpappefabrikation, der Edel- und Halbedelstein - Schleiferei und- Schneidereibetriebe, ber Speckstein-Gasbrcnnerfabriken zu anderen Berufs- genoflenschaften, die Genehmigung erteilt. Dem Anträge des Justizausschusses entsprechend, wurde dem Entwurf eines Gesetzes wegen Abänderung des § 4 des Strafgesetzbuches die Zustimmung erteilt. Der Entwurf eines Gesetzes über die Zwangsvollstreckung in das unbewegliche Vermögen soll, wie die Versammlung ferner beschloß, die nämliche geschäst-
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»Und da stand ich noch immer und fragte mich, M ich mit jenen ersten Frühlingskindern wohl am fcften tbun könne. Da sah ich Sie kommen, Bettina, ($1 v wußte eS plötzlich. Und dann, als wir uns be. 1 Mßt hatten, zog ich Ihren Arm in den meinen,
>18. tostckte Ihnen meine Blumen in die Hand nnd sagte:
•Betty, ich habe deS Frühling» erste Blumengrüße nsawmelt, nm meine Liebe damtt zn schmücken. Liebe,
etwa des Verfassungswerkes selbst, noch nie zu lösen . hatte, trotzdem wiederholt beschlußunfähig war. Wenn «an nach den Gründen dieser Beschlußunsähigkeit
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»Heut vor vierzehn Jahren war ein prächtiger, mmenheller Frühlingstag. Ich hatte mich fett einigen «ochen bei meinem Bruder zum Besuch anfgehalten, tob an jenem Morgen hatte ich die ersten Schnee» ilöckchen und Veilchen gepflückt, einen ganzen Strauß, UctmiM ■ Bub stand im Garten, atmete die herrliche Frühling» - Zeit ' «st, sah in den binnen Himmel hinauf und dachte ird, »-> - FrühlingSgedauken.
„. , 1 »Jetzt entsinne ich wich jenes Morgens auch", ft-l “ ■ l Betty ins Wort. »Zur selben Zett ungefähr
besonder om offenen Fenster meines Zimmer» und
hnung mH gleichfalls hinaus in den blauen Himmel an den rchmitB «llen Sonnenschein nnd dachte, — daß dies prächtiges Trockenwetter sei, denn wir hatten große Wäsche [355 »«habt. Und dann ging ich hinab, um deu Mägden ft sagen, daß die Leinen auf der Wiese hinter dem Gemüsegarten gezogen werden müßten. Da ich sie ton in der Küche nicht fand, so ging ich in den wüten —"
Hn|| liche Behandlung erfahren, wie der Entwurf eines bürgerlichen Gesetzbuchs. Schließlich erfolgte die 10.Ernennung von Kommifsarien zur Beratung von alpedellk Borlagen im Reichstag, und die Vorlegung von (355 Angaben. — Die »Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Mehrfach sind wir bereits in der Lage gewesen,
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gezogen werden, daß es sich in dec zweiten Beratung der Vorlage im Wesentlichen um Worte handelte, und daß die Ansicht, es genüge, wenn nur ein Teil der Reichsboten sich an diesem Wortkampfe beteiligte, infolgedessen an Boden gewonnen. Indessen ist jetzt die Vorlage in ein anderes Stadium, dasjenige der definitiven Entscheidungen getreten. Die dritte Lesung ist, im Vergleiche zur zweiten, sozusagen die gesetzgeberische Thal, und daß sich an dieser der Reichstag vollzählig beteiligt, muß im Interesse des Ansehens der parlamentarischen Institution selbst dringend gefordert werden. Die Folgen jener bisher gezeigten Lässigkeit sind denn auch nicht ausgeblieben. Es ist bezeichnend, daß bie § Frankfurter Zeitung", welche der Idee der Jnvaliditäts- und Alters- Versicherung von vornherein sympathisch gegenübersteht, dennoch die Thatsache der Beschlußunsähigkeit gegen die Mehrheit des Reichstages auszubeuten sucht. Mit scharfem Spotte macht sie auf den Widerspruch aufmerksam, der zwischen den Reden über die Bedeutung der Vorlage und der that- sächlichen Pflichlvernachlässigung klaffe. So kläglich sei es noch nie mit der Pflichterfüllung des Reichstages bestellt gewesen; es habe Sessionen gegeben, die sich vom Beginn des Winters hingezogen hätten bis zum Hochsommer, aber die Beschlußunfähigkeit, jetzt eine Regel, sei Ausnahme geblieben. Die »Frankfurter Ztg." erklärt dann diese Erscheinung damit, daß die Kartellparteien sich vor dem Gelingen des Werkes fürchteten und deshalb den »Arbeitsausstand" entgegensetzten. Sie bezeichnet es als ein „öffentliches Geheimnis", daß die Reichstagsmehrheit vor der Verantwortlichkeit für dieses Gesetz zurückscheue, aber nicht den Mut habe, der Regierung gegenüber die Verantwortlichkeit für eine Ablehnung auf sich zu nehmen. Wenn es zur Schlußabstimmung kommen werde, dann würde die Mehrheit natürlich nicht fehlen und, dem Kommando des Kartellgedankens gehorchend, für das Gesetz stimmen, allerdings mit der Reservation, hinreichend bekundet zu haben, daß es widerwillig geschehe und ihnen niemand eine Verantwortlichkeit ausbinden dürfe. Im weiteren Verlaufe der Auseinandersetzungen bezeichnet die »Frankfurter Zeitung" die „innere Unwahrheit" des Kartellgedankens als letzte Ursache der Pflichtwidrigkeit des Reichstages. — Der hiesige Magistrat hat folgendes Schreiben erlassen: »Am 21. d. Mts. vormittags will S. M. der König von Italien in Berlin eintreffen. Die Gemeindebehörden haben beschlossen, die Straßenzüge, welche von der Einliebe Betty, willst Du diese duftigen Liebesboten freundlich auuehmeu? Hast Du mich ein wenig lieb?"
»Und in diesem Augenblick", fiel Betty wieder ein, »fiel die kleine Nieves die Stufen von der Veranda herunter, und thr Geschrei tönte bis zu uns herüber. Da mußte ich denn schnell laufen, um zu sehen, ob das Kind sich Schaden getyan, und als ich dann die Kleine auf dem Schooß hielt und sah, wie ihr das rote Blut aus dem Näschen auf die weiße Schürze tropfte —"
»Da stand ich wieder hinter Ihnen, reichte Ihnen wiederum die Blumen, die Sie vorher hatten fallen lasten, und bat: »Liebe, liebe Betty, nimm die Blumen nnd sage mir, daß Du mir gut bist." Aber statt dessen sagten Sie ärgerlich: »Aber, Vetter, begreifen Sie denn nicht, daß ich j-tzt keine Zeit habe, über irgend etwas nachzudenken? So sehen Sie doch nur, wie das arme Kind blutet und weint."
Setty war sehr rot geworden und wollte etwas erwidern, aber der Oberst liefe ihr keine Zett dazu, sondern fuhr fort: »Eine Stunde später ritt ich von Lodeuwald fort und warf die verschmähten Frühlingskinder auf dem Wege in einen Graben. AIS ich bann nach Jahren wieder nach Lodeuwald kam hatte Nieves die Masern. Es war wieder ein Märztag wie damals, sonnig und lenzdnrchduftet, da stellte ich noch einmal dieselbe Frage an Sie, Betty, und die Antwort, die mir wurde, lautete: »Aber, Vetter, sehen Sie denn nicht das arme, kranke Kind? Da können Sie doch unmöglich verlangen, daß ich an etwas Anders denke, als an die Kleine." Und bann ging ich wieber. — Aber Betty, so oft ich Sie seither ge. sehen, ich kann den Gedanken nicht los werden, daß wir nun einmal zusammen gehören. Und da heut wieder ein Märztag ist, zwar ein recht winterlicher —" Er wandte sich plötzlich und rief: »Nieves, bitte, thue mir den Gefallen und setze Dich einen Augenblick dort auf die Bank, aber recht still."
»WeShalb denn, Datei ?" fragte daS junge Mädchen ludern eS feiner Bitte uachkam.
fafjrt berührt werden, nämlich die Königgrätzer Straße vom Anhalter Bahnhof bis zum Brandenburger Thor und die Straße Unter den Linden feftlief; zu schmücken. Sie hoffen, daß die Anwohner dieser Straßenzüge durch Ausschmückung der Häuser ebenfalls dazu beitragen werden, daß dem Hohen Verbündeten unseres Kaisers und Königs, dem Herrscher des befreundeten Italienischen Volkes, sogleich bei seinem Eintritt das Gefühl der Verehrung entgegengetragen wird, welches das deutsche Vaterland und die deutsche Hauptstadt für ihn empfinden.
— Als Gesichtspunkte für die Beurteilung der, wie erwähnt, über das gesamte Volksschulwesen im preußischen Staate im Jahre 1886 vorliegenden amtlichen Stattstik werden in der einleitenden Denkschrift aufgeführt: die nachfolgenden Zahlen beschreiben den Gesamtcharakter unseres Volksschulwesens mit rücksichtsloser Offenheit. Sie decken die Mängel, welche noch zu beseitige», die Schäden, welche zu überwinden sind, ehrlich auf. Die Volksschulverwaltung ist sich selbst klar bewußt, daß sie noch einen weiten Weg hat, ehe sie dahin gekommen ist, nicht ideale, sondern auch nur normale Verhältnisse zu schaffen; aber sie meint richtig zu handeln, wenn ft- vor dem ganzen Lande die Aufgabe darlegt, welche ihr zu lösen übrig bleibt, und sie überläßt sich der Hoffnung, daß sie damit zugleich nicht nur die beteiligten und verpflichteten Gemeinden, sondern alle diejenigen, welche eine Vorstellung von der Bedeutung der Schule haben, zur Mitarbeit an ihrem Werke anregen werde. — Was nun zunächst die Zahl der Kinder beträgt, für bereit ordnungsmäßige Beschulung die Schulverwaltung zu sorgen hat, so wurden am 1. Dezember 1885 für die gesamte Monarchie 679 276 Kinder im Alter von 5 bis 6 Jahren und 5 225 891 Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren, zusammen also 5 905 158 Kinder ermittelt. Da der Beginn des schulpflichtigen Alters nicht überall gleich ist, so werden etwa die 5 225 891 Kinder und ein Teil der 679 267 Kinder als schulpflichtig anzusehen sein. Aus verschiedenen Gründen kommt jedoch ein Teil der schulpflichtigen Kinder in Wegfall. Nach der vorliegenden Statistik bezw. nach den Angaben der Ortsbehörden waren in öffentlichen Volksschulen eingeschult 4838 247 Kinder, 299 280 besuchten andere Lehranstalten, Privatschulen rc., 170 439 besuchten aus zulässigen Gründen, 13 519 wegen körperlicher oder getstiger Mängel die Schule nicht, 8826 konnten wegen Ueberfüllung der Schule nicht ausgenommen werden, 3145 entzogen sich dem Schul-
»Jch sage eS Dir nachher!"
»WeSbalb, Philipp?" fragte auch Betty.
»Das Thier könne vielleicht auSschlagen und Nieve» wehe thnn, und ich bekäme dann wieder dieselbe Antwort, wie schon zweimal wenn ich jetzt wiederhole: »Betty, liebe Betty, sage mir, daß Du mir gut bist und meine Frau werden willst. Habe ich doch nun vierzehn Jahre um Dich geworben, tote einst Jakob um seine Schöne."
Er hatte ihre Hand ergriffen, jetzt reichte ste ihm auch noch die andere nnd sagte: »Nun, Philipp, wenn Du meinst, daß wir zusammen gehöre», dann will ich eS nun amt glauben. »Nun wandte fie sich zu NieveS zurück und rief: »Kleine, was meinst Du wollen wir Beide wohl am gleichen Tage Hochzeit mache»? Onkel Philipp will mich an» einmal durchaus zur Frau haben."
»Ah, das ist schön", rief das junge Mädchen, »dann werde ich Euch oft, sehr oft besuchen."
.Mit Deinem Manu", fügte Tante Betty bei.
»Ach so, ja, aber wem er nicht mag, komme ich allein."
IX.
NieveS hatte gerade »och Zett gehabt, sich uwzn- kleide». AIS fie iv daS Wohnzimer trat, meldete eben der Diener, daß das Diner bereU sei, und während Onkel Philipp Tante Betty in daS Speisezimmer führte, nahm NieveS wie gewöhnlich de» Arm ihres Vaters. Er war schmiegsam und zerstreut, aber Onkel Philipp und Tante Betty sahen so glücklich au» und plauderte» so hetter. AIS die Suppe gegeffen war ergriff Philipp fein Glas, reichte eS seinem Bruder hi» unb sagte: »Nun, Roderich, wünsche uns Glück md stofee mit mir an auf eine glückliche Brautzeit."
Roderich neigte sich z» seiner Tochter hinüber, berührte ihre Stirn leicht mit den L ppe unb sagte: ,3a, möge diese Verbindung Glück und Segen für Dick bringen, mein geliebte» Sind."
NievcS sah verwundert zu ihm auf, fie war diese zärtliche Sprache nicht gewöhnt, md erwiderte: »Papa
besuche. Dazu kommen für Berlin noch etwa 36 100 schulpflichtige Kinder, welche in den vorstehenden Ziffern fehlen. Demnach waren rund 5 369 500 schulpflichtige Kinder im preußischen Staate vorhanden, von denen etwas über 5 Millionen der unterrichtlichen Fürsorge des Volksschulgebietes zufallen, zum weitaus größten Teile der eigentlichen öffentlichen Volksschule. Damit ist die Aufgabe bezeichnet, welche der preußischen Volksschulverwaltung aus der Fürsorge für die ordentliche Beschulung eines so gewaltigen Kinderheeres erwächst. Mit den angeführten Zahlen ist aber gleichzeitig auch bärge« legt, daß diese Aufgabe, was den äußeren Umfang der Einschulung anlangt, fast vollständig gelöst erscheint. Vollfinnige Kinder, welche dem Volksschul- Unterrichte entzogen werden, sind wenig mehr als 3000 ermittelt, und nur 8826 konnten nicht sofort nach Eintritt in das schulpflichtige Alter in die Schule des Orts ausgenommen werden, weil die Unterrichtsräume fehlten. Von den aufgenommenen Kindern hatten 4 706 300 entweder die Schule am Wohnorte oder doch einen Schulweg von weniger als 3 Km.; 131 947 Kinder hatten einen weiteren Weg.
Breslau, 17. Mai. Der »Breslauer Zeitung" zufolge wurde in Waldenburg die Ruhe nirgends gestört. Die Bergleute der Pleßschen Grube, etwa 4000 Mann, streiken. Dieselben lehnten die angebotene zehnprozentige Lohnerhöhung ab und weigerten sich auf die Erledigung der Forderung bis Sonnabend zu warten und inzwischen weiter zu arbeiten.
Aachen, 17. Mai. Der Streik auf den Gruben des Eschweiler Bergwerkvereins ist beigelegt unb als beendet anzusehen. Im Wurmrevier dauert der Stteik noch fort, doch kommen keinerlei Ausschreitungen vor.
Effen, 17. Mai. Laut der »Rheinisch-Westfälischen Zeitung" hat heute morgen abermals eine noch größere Zahl von Bergarbeiter als gestern die Arbeit wieder ausgenommen, namentlich ist im Dortmunder und Gelsenkirchener Reviere die Zahl der Eingefahrenen eine beträchtliche. Gestern abend um 7*4 Uhr kehrte die Abordnung der Bergarbeiter von Berlin nach Dortmund zurück. Die Deputierten erhoffen eine baldige Verständigung. Heute nachmittag findet in Dortmund eine große Versammlung zur Entgegennahme des Berichtes der Deputation statt.
Mönche«, 17. Mai. Die Ueberführung der Leiche der Königin-Mutter von Hohenschwangau hierher findet am Sonntage, die Beisetzung am Dienstag oder Mittwoch statt. Heute mittag reiste
ich war nicht gemeint. Onkel Philipp nnd Tante Betty haben fich vorhin verlobt."
Ei» leichte» Lächeln verschönte Roderich'» Gesicht. Er wandte fich z» seinem Bruder, streckte ihm und Betty die Hände entgegen und sagte einfach: »Dann wünsche ich auch Euch von Het^n Glück", nnd nach einer Panse fügte er bei: »Mein Hans wird öde werden unb ich sehr einsam."
Ein Diener brachte die eben eingetroffenen Postsachen; ein Brief für den Hausherrn von fremder Hand. Roderich steckte ihn zu fich nnd bann, als der Kaffee gereicht war und der Schlitten zu einer Spazierfahrt in die klare, kalte Luft vor der Freitreppe wartete, ging er in sein Zimmer, ihn zu lesen während Philipp mit seiner Brant und seiner Nichte unter fröhlichem Geklingel in den Wald hinanSsnhr.
*Par f° still geworden in dem Flügel de» kleinen Schlosses, in welchem Roderich's Arbeitszimmer liegt. Kein Mensch regt fich dort, nur oben am Fenster ftyt die alte Mercedes, ein auf geschlagenes Buch auf ben Snieen, aber ihre Augen find gedankenvoll hinauf, gerichtet zu dem Himmel, an dem der Wind die Wolken jagt. Und unter ihr fitzt Roderich von Lodoto an feinem Schreibtisch, einen geöffneten Bries in der Hand. Seit vielen Minuten schon starrt er auf die Unterschrift, obgleich doch in deutlichen, Haren Züge» zu lesen ist: »Ulrich Windehn."
Jetzt endlich wendet er das Blatt und liest einen Passus de» Briefes:
»Ich bin ganz sicher, daß Sie mir nicht zum Vorwurf machen werden, wie viele Andere wohl thnn, daß ich durch meine damalige Weigerung, als mir Rang und Titel geboten wurde», meinem Kinde ein Unrecht getyan, den» ich weiß, daß Sie den Menschen nach feinem Wert bemessen, nicht nach Tittl und Namen, die er trägt.
(Forifetznng folgt.)