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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für iit Kreise Marburg und Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt,

Txprditiou Markt 21. Rebattimt, Druck und Setlag von Joh. A»g. «och. ö

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Marburg,

Sonnabend, 18. Mai 1889.

llnzeige» nuauu eitgege» die tzpedtttmi d Blatte«, l'wie d. Amlonem-Bureaur von Haase»stei» md Bögler

Daube u. Lo. i» Frankfurt a. VL, Berlin, Hannover. Pari«.

XXIV. Jahrgang.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. Mai. Zur Audienz der Arbeit­geber bei dem Kaiser erschienen der Abg. Ham- vacher, der Geh. Kommerzienrat Hantel, Bergrat vou Belsen und Bergassessor Krabler. Bei der Audienz war zugegen der Minister des Innern Herrfurth. Dr. Hammacher als Präsident des bergbaulichen Znteressenbezirks Dortmund sprach zunächst dem Kaiser den ehrfurchtsvollsten Dank für die Bewilli­gung der Audienz, sowie für den Schutz aus, den die Staatsregierung dem von dem Massenstreik er- saßten Teil des niederrheinisch-westfälischen Industrie- Bezirks habe zuteil werden lassen. Indem derselbe dem sehnlichsten Wunsche Ausdruck gab, bald wieder zu geordneten Verhältnissen in den dortigen Arbeits- zuständen zu gelangen, bemerkte er:Wir glauben, daß die Arbeitgeber durch die öffentliche Erklärung des Vereinsvorstondes vom 11. Mai ein weit­gehendes Entgegenkommen zwecks Herstellung fried­licher Verhältnisfe bethätigt haben. Nach gewissen­hafter Untersuchung sind wir als ehrliche Männer zu der Ueberzeugung gekommen, daß ein wirklicher Grund zu der jetzt eingetretenen Benutzung des Koalitionsrechtes seitens der Arbeiter, selbst abgesehen dm den ungesetzlichen Formen, in denen sich die­selben dieses Rechtes bedienten, nicht vorlag. Von den Forderungen der Arbeiter halten wir die auf Erhöhung der Löhne gerichtete für eine solche, zu deren Erreichung es der Arbeitseinstellung nicht be­durfte. Sachkundige wiflen, daß die Bergarbeiter auch ohne Arbeitseinstellung bei fortgesetzt günstiger Entwickelung der Kohlenpreise in den Genuß höherer Löhne gelangen werden. Die zweite bedeutungs- dolle Frage betrifft die Länge der Arbeitszeit. Nie­mand aber wird sagen können, daß die bei uns wigesührte Arbeitszeit von acht Stunden unter Tage, welche die kürzeste in allen Bergrcvieren Deutsch­lands ist, für die Gesundheit mtb die Lebensver- hültniffe des Arbeiters nachteilig sei. Viele andere Heine Klagen hätte man zweckmäßig auf dem Be­schwerdewege bei den Bergbehörden und den Gruben- derwaltungen zu friedlichem, glücklichem Austrage bringen können. Trotzdem beschlossen wir die Zu­sage einer Lohnerhöhung, wenn die Arbeit wieder ausgenommen würde, obschon der Streik wie eine Flutwelle über das Land kam und ohne Beachtung der gesetzlichen Kündigungszeit ausbrach. Sie wurde gegeben in dem Bewußtsein der ganzen Verantwort­lichkeit, die heute auf den Schultern der Arbeitgeber wht, und in der Erkenntnis der verheerenden Folgen,

(Nachdruck verboten.)

Litt Ai«- -es Süde«s.

Novelle von R. An St.

(Fortsetzung.)

Noch ehe eS zu tagen begann, war mau in Cadix. Der Pater war bald gefunden und ihre» Wünschen geneigt gemacht, so daß die ausgehende Sonne ein glöcklickeS junges Paar begrüßte. Die Rückfahrt Md) Sevilla wurde daun zu Laude angetreten, da eine Wasserfahrt bet der starken Strömung des Flusses K beschwerlich gewesen wäre. Als das junge Paar « Castillo Gradonirez eiulraf, herrschte Trauer darin da der Herr des Schlosses vor einer Stunde schon die Augeu geschlossen zum ewigen Schlaf. Sobald ks möglich war, verlüß Roderich mit seiner jungen «wahlin Sevilla, und da er seine südliche Wunder- dlume nicht gleich in die Einsamkeit seiner nordischen ster versetzen wollte, lebten sie zwei Jahre laug auf Men in fremden Ländern. Wohl ringelte sich zu. *üen noch eine rote Locke durch seine Träume, aber s« Blick in die tiefe», dunklen Augensterne seines tagen WeibeS, aus dem ein ganzer Himmel voll «ebe ihm entgegeuftrahlte, ließ diese Traumbilder ohne toitmerung verschwinden. Aber dann war er mit ^8t8 endlich in die Heimat zurückgekehrt, und dann " e bann -----------

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Die Portiere wurde aus einander geschlagen und ta Schritt näherte sich, ohne daß Roderich eS be- ^rkte. Da fühlte er plötzlich seine Schulter leicht ^rndrt und fuhr aus feinem Träumen auf.

, »Du, Mercedes?" rief er, verwirrt in das ®e» W der Alten starrend, ,waS willst Du von mir, to8 begehrst Du?"

.Rechenschaft." Wie deutlich und grausam klar «ude für Silbe von den welken Lippen fiel und wie Mchend die kleine», schwarzen Augen der Alten auf

Büge deS Mannes geheftet waren.

3$ habe meinen Schwur gehalten, ich habe ge>

welche die gewaltigen Arbeitseinstellungen bis in die weitesten Kreise des deutschen Vaterlandes fortgesetzt und steigend ausübt. Jeder einzelne von uns bietet den feiernden Bergleuten die Hand zum Frieden. Es giebt aber eine Grenze für die Nachgiebigkeit, diese ist gegeben durch die Pflichten, welche uns die Sorge für die Ordnung und Sicherheit des Be­triebes auferlegt. Gebe Gott, daß der Arbeitsaus- stand, der in einem ähnlichen Umfange Deutschlands Fluren bisher nicht heimsuchte, bald verschwinden möge." Der Kaiser antwortete: Ich habe Ihnen die Audienz gestattet, weil es selbstverständ­lich Sache des Monarchen ist, daß, wenn Seine Unter thanen in Streitigkeit unter einander einer Verstän­digung bedürfen und sich dann vertrauensvoll an das Staatsoberhaupt wenden, dann beide Parteien gehört werden. Ich habe die Arbeiter vorgestern gehört und freue Mich, Sie heute zu sehen. Was die Ursache des Streikes betrifft und die Mittel zur Beseitigung desselben, so erwarte Ich eingehende Berichte Meiner Behörden. Mir kommt es haupt­sächlich darauf an, in anbetracht der weitreichenden Schädigung der gesamten Bevölkerung, welche der Streik zur Folge hat, und nachdem ein zweiter Streik in Schlesien, übertragen aus West­falen, im Ausbruch begriffen ist,, möglichst bald dem großen westfälischen Streik ein Ende zu machen. Was Ich den Arbeitern gesagt habe, wissen Sie. Ich habe meinen Standpunkt darin in aller Schärfe gekennzeichnet. Die Arbeiter haben Mir übrigens einen guten Eindruck gemacht, sie haben sich der Fühlung mit der Sozialdemokratie enthalten. Daß die Worte, die Ich zu ihnen gesprochen habe, in den Arbeiterkreisen Westfalens Anklang gefunden haben, ist Mir durch Telegramm bezeugt worden, und Ich habe Mich gefreut, daß die Einmischungs- Versuche der Sozialdemokratie von ihnen mit Energie abgewiesen worden sind. Die Verhandlungen, die Sie, Herr Hammacher, als Vorsitzender des Vereins, wie Ich gerne höre, mit der Arbeiterdeputation geführt haben, sind Mir durch das Ministerium des Innern zugegangen und Ich spreche Meine Anerkennung für das Entgegenkommen aus, welches Sie den Arbeitern gezeigt haben und wodurch die Grundlage zur Verständigung gewonnen worden ist. Ich würde Mich freuen, wenn auf dieser Basis sich Arbeitgeber und Arbeiter vereinigen würden. Ich möchte von Meinem Standpunkte aus noch eines betonen: Wenn die Herren der Ansicht sind, daß die von Mir gehörten Deputierten nicht die maß­gebenden Vertreter der Kreise, die dort streiken,

kämpft wie ein Mann, nicht meineidig zn werden, Mercedes", und dabei schaute er auf in das Antlitz der Dienerin seines KindeS wie zu feinem Richter.

Laßt das Vergangene begraben fei», Don Rodrigo" fiel die Alte ihm in die Rede, »nicht deßhald will ich mit Euch rechten. Ich verlange Rechenschaft: Weßhalb wollt ihr NieveS, mi joya, aus dem Eltern­hause entfernen, weßhalb ihr einen Mann geben, den sie nicht Hebt, weßhalb fie verheiraten, ehe ihr Herz erwacht ist?"

Roderich atmete auf. Er war in feinen Träumen so weit, weit abgewefeu von der Gegenwart. Es galt ja nur, der Alten einen wohlüberlegten Beschluß zu begründen. Diese schien sein Schweigen für eine Weigerung zu halten, denn sie fuhr nach kurzer Pause fort: «Ich hab' das Recht, Rechenschaft von Euch zu begehre», denn in jener Nacht, da Donna Ines starb, sagte fie mir dieselben Worte, mit denen Donna Manuela mir einst ihr Kind anS Herz gelegt: »Mercedes, verlasse mein Kind nicht, wenn ich nun von ihm gehen muß, liebe eS, wie Du mich geliebt, und wache darüber, daß Niemand ihm ein Leid an- thut. ES wird Deines Schutzes und Deiner Sorge bedürfen." Und ich schwor zu erfüllen, was fie »er­langte, wie ich es einst ihrer Mutter geschworen. Wie ich damals meinen Schwur gehalten nach besten Kräften so will ich ih» auch jetzt zu halten suchen bis ans Ende."

Roderich hatte Zeit gewonnen, fich zn fassen. Er war aufgestanden, hatte mit langen Schritten das Zimmer durchmessen und war bann an bas Fenster getreten, um den forschenden Blicke» der Alte» ans» zuweichev. Tort, die Stir» an die kalte» Scheiben gedrückt, konnte er besser verteidigen, was er für gut und richtig hielt. Und so sprach er jetzt auch mit feiner gewöhnlichen ruhigen Stimme: »Ja, Mercedes ich freue mich, daß NieveS sofort darauf eingegangen ist, das Weib Henn von Haareu's zu werden, da ich sicher glaube, baß eS zu ihrem Glücke dient."

wären, so macht dies nichts aus. Wenn Sie auch nur einen Teil der Arbeiter hinter sich haben und die Meinung wiedergeben, die in Ihren Kreisen be­steht, so wird doch immer der moralische Versuch einer Verständigung von hohem Werte sein; sind sie aber wirklich Delegierte derselben und haben sie die Ansicht der gesamten westfälischen Arbeiter vertreten und sind sie mit den Punkten, die Sie ihnen eröffnet haben, einverstanden, dann habe Ich zu dem ge sunden vaterländischen Sinne dieser Männer das Verttauen, daß sie, und nicht ohne Erfolg, alles daran setzen, möglichst bald ihre Kameraden wieder zur Arbeit zu bringen. Ich möchte bei dieser Ge­legenheit allen Beteiligten dringend empfehlen, daß die Bergwerksgesellschaften und ihre Organe in Zukunft möglichst nahe Fühlung mit den Arbeitern erhalten, damit ihnen solche Bewegungen nicht ent­gehen, denn ganz unerwartet kann der Streik sich unmöglich entwickelt haben. ES sind, wie Mir be­richtet worden, allerdings Vorbereitungen getroffen, e§ bestand die Absicht, einen allgemeinen Streik ausbrechen zu laffen, nur zu einer späteren Zeit, und der Streit ist dort nur vorzeitig zum Ausbruche gekommen. Ich möchte Sie bitten, dafür Sorge zu tragen, daß den Arbeitern Gelegenheit gegeben werde, ihre Wünsche zu formulieren, und sich vor allen Dingen immer vor Augen zu halten, daß diejenigen Gesellschaften, welche einen großen Teil Meiner Unter- thanen beschäftigen und bei sich arbeiten lassen, auch die Pflicht dem Staate und den beteiligten Ge­meinden gegenüber haben, für das Wohl der Arbeiter nach besten Kräften zu sorgen und vor allen Dingen dem vorzubeuxen, daß die Bevölkerung einer ganzen Provinz wiederum in solche Schwierigkeiten ver- wickelt werde. Es ist ja menschlich natürlich, daß jedermann versucht, sich einen möglichst günstigen Lebensunterhalt zu erwerben, die Arbeiter lesen die Zeitungen und wissen, wie das Verhältnis des Lohnes zu dem Gewinne der Gesellschaften steht; daß sie mehr oder weniger daran Teil haben wollen, ist erklärlich. Deshalb möchte Ich Sie bitten, daß die Herren mit dem größten Ernst die Sachlage jedes­mal prüfen und womöglich für fernere Zeiten dergleichen Dingen vorzubeugen suchen. Ich kann Ihnen nur ans Herz legen, daß das, was der Herr Vorsitzende Ihres Vereins am gestrigen Tage mit Erfolg begonnen hat, möglichst bald zu einem guten Ende geführt werde. Ich bettachte es als Meine königliche Pflicht, den Beteiligten, den Arbeitgebern sowohl wie den Arbeitern, Meine Unterstützung bei Meinungsverschiedenheiten in dem Maße zuzuwenden,

»Zn ihrem Glück?" Die Alte lachte bitter auf. ®a, Don Rodrigo, denkt einmal zurück, wann hätten wir Weiber je Anderes als namenloses Leid in unserer Liebe gesunden? Denkt an das Schicksal Eurer Mutter. Eures, an das meine."

Er fuhr herum: »Du sagst, JneS habe kein Glück in meiner Liebe gefunden?"

P ja, glücklich ist fie gewesen, denn eS ist süß, geliebt z» werden vou dem Manne, der einzig unserem Herzen theuer ist, und sollte es noch so kurz sein. Mannerliebe ist eine stolze Blume mit rotglühenden «luten mit berauschendem Duft, aber MSnnertrene J*.e schwaches Pflänzcleiu, von dem der leiseste Windhauch die Blüten streift. Und wenn der erste Sturm kommt, der das schwache Pflänzlein entwurzelt, daß eS sterben muß, und die rotglühenden Blüten der Liebesblume fich bann einer Anderen zuneigeu, um jener ihre Düfte zn spenden, dann verwandelt fich all bas Entzücken, die Glückseligkeit, die unser Her, bisher erfüllt, in unaussprechliches Leid, in namenlose Pein. Und wohl dem Weibe, dem das Herz in jener ersten qualvollen Stunde bricht." Sie blickte einen Augenblick träumerisch in das Treiben per Schneeflocken, dann richtete fie wieder den Blick fest auf den Mann am Fenster, der ihr den Rücken zugewandt, und fuhr fort: »Und wir alle, wir hatten geliebt, o wie heiß geliebt und fanden doch nach kurzem Glück nur endlos Leid; was ermattet Ihr dann für NieveS in der Verbindung mit einem Manne, den fie nicht Hebt? Meint Ihr, daS Glück nie kennen lernen sei auch ein Glück, weil man dann nie den Kummer über seinen Verlust tragen muß? Jetzt schläft Ihr Herz noch, aber eS kann eine Zeit kommen in der es ermatt, und wenn es fich bann gefesselt findet' wird eS nicht De» hassen lernen, der eS feiner »Frei­heit beraubt vielleicht glühender, als eS ie ver­mocht hätte zu Heben?" x

»Nein, Mercedes, nein", unterbrach Roderich die Alte heftig, »NieveS hat nicht Deine oder ihrer Mutter heiße Natur, fie ist kühl und ruhig »ud heiter wie

in welchem Sie Ihrerseits bemüht sind, die Interessen Ihrer gesamten Mitbürger durch die Pflege der Einigkeit untereinander zu fördern und vor Er­schütterungen wie diese zu bewahren.

Das Acltestenkollegium der Kaufmannschaft erörterte die Gründung einer Gesellschaft zur För­derung der Anstellung und Niederlassung deutscher Kaufleute und Industriellen im Auslande und be­schloß, eine Anzahl deutscher wirtschaftlicher Vereine und größerer Handelsvorstände zu befragen, ob sie geneigt seien, mit dem Acltestenkollegium einen Auf­ruf zur Schaffung der in den Grundzügen bereits vorgezeichneten Organisation zu erlassen. Große Vorbereitungen werden in Berlin zu Ehren der Ankunft des Königs von Italien getroffen. Die Stadt Berlin wird sich in einem ganz besonders schönen Schmuck präsentieren: die städttschen Be­hörden haben beschlossen, 150 000 Mark zur Aus­schmückung der Sttaßen herzugeben. Den Stadtverordneten ist heute vom Bürgermeister Duncker folgende Vorlage zur Beschlußfassung zu­gegangen:Am Dienstag, den 21. d. M., 10 Uhr morgens wird der König von Italien als der hochwillkommene Gast des Kaisers in Berlin ein­ziehen. Der deutsche Kaiser festlich empfangen in Rom, der König von Italien freudig begrüßt in der deutschen Reichshauptstadt: das sind beglückende Zeichen friedlicher Zeiten, hoffnungsreiche Zeichen gewaltiger, in der Freundschaft der Völker endender Wandlungen. Unserer ehrerbietigen Sympathie für den hohen Freund des Kaisers wünschen wir durch den Schmuck der Sttaßen Ausdruck zu geben, durch die er seinen Weg nimmt. Gern wird die Bürger­schaft unserer Aufforderung, auch ihrerseits durch den Schmuck der Häuser die gleiche Empfindung zu bekunden, Folge geben. Die geehrte Versammlung ersuchen wir daher um folgenden Beschluß: 1) Die Königgrätzerstraße vom Anhalter Bahnhof bis zum Brandenburger Thore, sowie die Sttaße Unter den Linden sollen zum Empfange des Königs von Italien würdig geschmückt werden. 2) Für diesen Zweck werden dem Magistrate 150 000 Mark aus der Position für unvorhergesehene Ausgaben zur Ver­fügung gestellt. Wir ersuchen, diese Vorlage als eine dringliche zu behandeln." Es unterliegt keinem Zweifel, daß am Donnerstag in der Stadtverordneien- Versammlung die Vorlage mit überwältigender Mehr­heit angenommen werden wird.

Hirschberg, 16. Mai. Zu weiterer Verstärkung der Truppen ist nachts eine Kompagnie des fünftenJäger- bataillons p. Extrazug nach demStreikgebiet abgegangen.

die Schneeflocken draußen, deren Name fie trügt Und wenn ihr Herz jemals erwacht, so wird eS unter den Küssen des Mannes fein, der fie zu feiner Gattin erwählt und dessen Herz ihr allein gehört. Er liebt fie und wird fie ihn Heben lehren und dadurch ein glückliches Leben schaffen für fie Beide."

r, Die alte war mit gespannter Aufmerksamkeit feinen Worten gefolgt. AIS er schwieg, wiederholte sie: »Sie ist kühl und ruhig und heiter wie eine Schnec flocke ja, Ihr mögt Recht habe». Ver­gebt. Dann wandte fie fich und verließ das Zimmer doch ehe die Vorhänge hinter ihr zusammenfielen, warf sie noch einen langen, schmerzlich zärtlichen Blick auf Roderich zurück.

Der Oberst hatte fich, al» er seinen Bruder bet. lassen, in seine» Mantel gehüllt und den Guts- Hof durchschritten bis z» de» weit ausgedehnte» Stallungen am anderen Ende desselben. Als er ein« trat, scklug ihm die Luft warm entgegen und ei» c ratet Weste und schwarzen Gamaschen«

beintleibern, der beschäftigt war, frisches Heu in die Marmorkrippen zu füllen, machte ihm eine ungeschickte Verbeugung.

»Sind die Damen »och hier?" fragte der Oberst. Da hörte er schon NieveS' helles Lachen, vou bem Doktor Wermut gesagt, eS höre fich an, wie das Rauschen und Plätschern einer Wald quelle und da ah er fie auch, das Köpfchen dicht au den schlanke» Hals seines Pferdes geschmiegt, das aus ihrer Hand fraß.

An der Wand gegenüber, auf einer der gepolsterte» Bank-, saß Betty und nickte ihm freundlich zu. »ES bat nicht oft bet uns ein Thier eS so gut wie Ihr Pollux, Heber Vetter. Sehen Sie nur, wie NieveS ihn verwöhnt", rief fie ihm zu und lud ihn zugleich mit einer Handbewegnug ein, an ihrer Seite Platz in nehmen, welcher der Oberst nachkam. Das »lieber Vetter" mochte ihn wohl auch ermutigen, vertraulich hre Hand zu fassen.

(Fortsetzung folgt)