MchWje Mlilm.
KSchmtiiche Beilagen: Kreis-Blatt für Ut Kreise Marburg Md Kirchham. - Illustriertes Sonmaqsblatt.
Expedition - Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von J oh. Laq. Koch. ”
Erscheint tigltÄ «ßa n Werkt«ge» «ch Scan» raü ■/• 11* Feiertage». — vNortal-«boaaemeatS-Prri< bei der Erve-
Jts. 114 total y/jÄL M be* Postämter» 13RL 50 Pfg. (exll. BrsteLgÄ). J»sMonrzebtthr für bie gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Feste 85 Pfg.
Marburg,
Donnerstag, 16. Mai 1889.
Anzeigen numnt nügege» bU Expedition b. ©lotte«, f»tae ^Amonem-Lureour von Hoaseastei» und Bögler
Daicke n. Co. ia Fronkfnrt o. 8t., Berlin, Hannover. Porig.
XXTV. Jahrgang.
Die Disriplin in -er franröltfche» Armee
jft seit 1871 ganz bedenklich gelockert worden; es ist dies vielleicht das schlimmste aller unerwünschten Resultate, welche sich unter der gegenwärtigen Republik ergeben haben. Die Lockerung der militärischen Zucht berührt Offiziere sowohl, wie Mannschaften; General Boulanger ist derjenige General, welcher mit der Widersetzlichkeit gegen die Befehle des Kriegsministers am weitesten gegangen ist, er kam bekanntlich eigenmächtig von Clermont nach Paris, obgleich ihm ein Urlaub verweigert war und griff hinterher noch den Minister öffentlich in den Zeitungen an, aber er ist nicht der einzige französische Offizier, welcher von der Disziplin sonderbare Begriffe hatte. In dem politischen Parteizank sind wiederholt, trotz des strengen Verbotes der Pariser Regierung, Offiziere heworgetreten und es bedurfte erst des sehr scharfen Erlasses des Kriegsministers Freycinet, um dieser Unsitte einigermaßen zu steuern. Die Achtung vor der Pariser Regierung ist in einem erheblichen Teile des Osfizierkorps gering; Thatsache ist es ja, daß, als die Prinzm von Orleans noch in Frankreich waren, Dutzende von Offizieren diesen ihre Aufwartung machten und sich in streng royalistischen Kreisen bewegten. Daß die Dinge noch immer nicht zu offenen Unzuträglichkeiten geführt haben, liegt daran, daß der zum Generalissimus der französischen Armee designierte Gouverneur von Paris ein überzeugungstreuer Republikaner und rücksichtslos energischer Offizier ist. Das Ansehen, welches General Caussier genießt, hält die unruhigen Elemente im Offizierkorps in Schranken, und Boulanger wurde von der Ausführung seiner verschiedentlich auf- tauchenden Staatsstreichgelüste immer durch die Rücksichtnahme auf Saussier abgehalten, der treu zu der Regierung stand. Diel schlimmer wie im Offizierkorps sind aber die Verhältnisse unter den Mannschaften. Die Soldaten haben keinen Respekt vor chren Offizieren, und deutlich genug ergiebt sich dies »us den bekannten Revolten der letzten Zeit: An der belgischen Grenze trat fast eine ganze Jäger- Kompagnie auf benachbartes Gebiet über und in Tours feierten mehrere hundert Infanteristen Boulanger, als ob er bereits Kaiser von Frankreich sei. In beiden Fällen, die mehrfach Vorgänger gehabt haben, widerstanden die Mannschaften offen den Ermahnungen ihrer Offiziere. Aber die Lockerung der Disziplin spricht sich auch schon zur Genüge im verkehr zwilchen Offizieren und Mannschaften aus; »le Letzteren zeigen dem Offizier eine wenig respekt-
(Nachdruck verboten.)
Eitt Kl«- -es Sü-rtts.
Novelle von R. Anüt.
(Fortsetzung.)
Roderich nahm die Briefe, warf einen nach dem oberen auf den Schreibtisch znr späteren Erledigung «r den letzteren erbrach er sofort, der kam von vruder Philipp onS der heimatlichen Residenz. Er «lte ihm mit, daß die Wahl eines Adjntanten für «n jungen Fürsten auf ihn gefallen, nnb tote erfreut "darüber sei, endlich aus der Langwelle der kleinen Earutson au deu Hof gekommen zu sein.
«Ah, Serenissimus wollte wahrscheinlich daS, was *°n dem älteren Bruder gethan, ein wenig anS- vrichen, vergessen machen, indem er dem jüngeren Ittne Gunst zuwendet.'
Er stützte den Kopf in die Hand. Wäre es nicht mne Pflicht gewesen, seine Erfahrungen für den l-ugereu Bruder zu verwerteu? Mußte er ihm nicht ^kuigsteus sein eigenes Schicksal als Warnung vor- «lteu, um ihm zu zeigen, welch' uuficheru, schlüpfrigen ««den er betreten? Aber dann sagte er sich, eS würde «ch nichts nützen, denn wann hätte der Eine durch
Andern Niederlage je das zu große Vertrauen Affine Kraft verloren? Tief atmend nahm er deu griff wieder zur Hand und laS: .Doch ehe ich Vließe, muß ich Dir noch das neueste Thema mit- «neu, welches vom ganzen Hofe jetzt wohlwollend •»b lobend besprochen wird, während Jeder im Stillen sarkastische Randbemerkung dazu macht, oder sie *»tfr dem Fächer verstohlen dem Nachbar znflüstert. ^les Thema heißt — und es wird auch Dich in- ~refftten, da Du die handeludeu Persoueu genau ?nntu mußt —: Die schöne Isabella, i» bell» bioa- »etu, das vielgeliebte Hoffräulein von Wettern, oder “°n sie sonst noch zu bezeichnen beliebt — ist r^tzuch in heißer Liebe entbrannt, und zwar für — jungen Fürsten wirst Da meinen, o nein, übrigens Fürst Ernst, als er von seinem Oheim
volle Haltung, nehmen sich im Dienst allerlei heraus, und die Offiziere, statt auf Strenge zu halten, drücken ein Auge zu oder alle beide. Natürlich fehlt es nicht an Regimentern, in welchen die militärische Disziplin mit voller Energie aufrecht gehalten wird, aber das böse System, Fälle von Unbotmäßigkeit zu vertuschen, statt sie gebührend zu bestrafen, gewinnt immer weitere Ausdehnung. Militärische französische Fachblätter äußern sich mit Besorgnis über diese Frage, die durch die neue Heeresorganisation noch verschärft wird. Um Maffenkorps auf die Beine zu bringen, ist die Dienstzeit in Frankreich gegen früher erheblich abgekürzt, die Präsenzstärke hingegen bedeutend erhöht worden. Dies Verfahren hat den Nachteil, daß bei den einzelnen Leuten die Strammheit eine geringere wird und aus dem Mangel an tüchtiger Ausbildung entwickelt sich dann naturgemäß der Mangel an Disziplin. An der französischen Ostgrenze stehen die besten Regimenter der Republik und dort tritt die böse Sache noch nicht so deutlich hervor. Je mehr man aber nach dem Westen und Süden Frankreichs kommt, um so beut licher tritt das ungebührliche Verhalten der Soldaten und die Gleichgiltigkeit der Offiziere dagegen in Erscheinung. Die Letzteren verstehen es auch oft absolut nicht, sich in Respekt zu setzen und die Sache ist schon so arg geworden, daß sich selbst gute Freunde Frankreichs darüber lustig machen. Wenn neulich russische Offiziere davon erzählen, wie in Nizza ein französischer Hauptmann mit einem seiner Unteroffiziere zusammen kneipte, so ist das durchaus keine Ausnahme. Es ist sogar noch ganz anderes zu sehen.
Deutsches Reich.
Berlin, 14. Mai. Die Deputation der Grubenarbeiter soll heute, nachmittags 3 Uhr, vom Kaiser empfangen werden. Der Audienz soll der Minister des Innern beiwohnen. — Die von Dortmund nach hier gereiste Deputation der streikenden Bergarbeiter besteht aus den Bergleuten Schröder, Bunde, Siegel und Esser. — Die „Nordd. Allg. Zig." bemerkt über die Stellung des Reichskanzlers gegenüber der Emin Pascha-Expedition: Die wohlwollende Form, womit der Reichskanzler das Gesuch des Emin Pascha-Komitees um Unterstützung aus Reichsmitteln durch sein Schreiben vom 15. August 1888 beantwortet habe, fei der Person Wißmanns als einer ersten Autorität betreffs der Afrikaforschung gegenüber erklärlich und angesichts der damaligen friedfertigen Zustände und der für die Beziehungen zu England beachtenswerten damaligen Auffassung von scherzend gewarnt wurde, sein Herz vor dieser Circe zu bewahren, erwiderte mit seinem gewöhnlichen Ton: .Mein Herz ist für derartige rötliche Schönheiten niemals zugänglich gewesen. Sie gemahnen mich stets en den Schein der Nordlichter, die nie ein anderes Gefühl in mir aufkommen ließen, als das des Bedauerns, des Mitleids mit de» Meufcheu, die oft darauf allem angewiesen sind." Wie findest Dn das? Die schöne Isabella stand nicht weit hinter ihm und hatte alles gehört. Ich sah, wie sie erst bleich, dann rot wurde, wie ihre Augen einen zornigen Blitz zu dem jungen Fürsten hinübeischleuderten, während sich ihre kleinen spitzen Zähne tief in die Unterlippe gruben ober im nächsten Augenblick schon hörten wir Helles Lachen, mit dem sie dem Kammerherrn auf eine seiner faden Bemerkungen antwortete. Sie that wir so leid, da die Worte des jungen Fürsten sie empfindlich verletzt haben mußten, daß ich den ganzen Abend über bemüht war, ihr meine Huldigungen auf zarteste Weise zu Füße» zu legen. Die.nahm sie dann auch so gnädig auf, daß ich ernstlich in Gefahr geriet, wich sterblich in sie zu verlieben; denn das wirst Du doch noch zugestehen müffeu, wenn Du irgend ein wenig Sinn für Frauenschönheit besitzest, daß sie ganz absonderlich, bezaubernd schön ist. Doch Du siehst ans dem Bekenntnis, daß ich noch glücklich nm diese Klippe geschifft bin, wozu freilich der beißende Spott des Fürsten Ernst, mit dem er niemals zurück« hält viel beigetragen hat. Nun, ich bin ihm iw Grunde dankbar dafür und gewöhne mich überhaupt wehr und wehr au feine ernste, wortkarge Art, die ihn nur auf Augenblicke verläßt, wenn er Gelegenheit findet, sich in Sarkasmen zu ergehen, und manchmal ist er dabei wirklich ganz famos.
Doch nun leb’ wohl, Roderich. SBenn Dir da fern im Süd' das schöne Spanien anfSngt langweilig zu werden, wirst Du ja wohl wieder zu uns zurückkommen, und das soll mich freuen.
Dein Philipp.'
Hier schloß der Brief. Ja, aber wer war den»
der Lage Emin Paschas unbedenklich gewesen. Seitdem sei infolge der Vorgänge an der Küste von Zansibar eine Verschiedung aller damaligen Verhältnisse eingetreten, die den Leitern der Reichspolitik im Jntereffe Deutschlands eine abwartende Stellung zur Pflicht mache. — Der kommandirende General des ersten Armeekorps General von Kleist ist unter Belassung in seiner Stellung als Chef des Infanterie-Regiments Graf Dönhoff (7. ostpreußisches) Nr. 44 zur Disposition gestellt. — Der von mehreren Blättern gemeldete angebliche Streike der Kutscher der großen Berliner Pferdebahn beschränkt sich darauf, daß 23 Kutscher eines Depots heute ftüh die Arbeit einstellten, weil ihre Forderung nach mehr dienstfreier Zeit unberücksichtigt blieb. Dieselben sind sofort durch Reservekutscher ersetzt worden, so daß keinerlei Betriebsstörung dadurch entstanden ist.
Breslau, 14. Mai. Der „Breslauer Zeitung" zufolge streiken die Bergleute in Hermsdorf. — Gestern stellten in Hermsdorf mehrere Abteilungen Schlepper die Arbeit ein. Heute brach in den Glückhilf-Gruben bei Hermsdorf ein Streik aus. Gegen 3000 Bergleute legten die Arbeit nieder.
Este«, 12. Mai. Eine Versammlung von etwa 5000 Bergleuten fand heute vormittag hier statt. Herr Daniel Eckhardt, als Vorsitzender der Versammlung, ergriff, laut der „Essener Volksztg.", zunächst das Wort. Wir stehen heute, io etwa führte Redner aus, vor einer Kardinalsrage. Teilweise ist der Streik schon ausgebrochen, und indem ich Ihnen nochmals anheimgebe, welche Wege Sie weiter einschlagen wollen, frage ich: Was wollen Sie thun? (Allseitiger Ruf: Streiken!) Redner fährt dann fort: Indem Sie jetzt den Kampf aufnehmen, ermahne ich Sie daran: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. Als an die hiesige Polizei-Verwaltung die Anfrage gerichtet worden, ob auch in Essen Militär einrücken solle, hat dieselbe den Bescheid gegeben, daß man kein Militär verlange. Für dieses Verfahren muffen wir der Polizeibehörde unseren Dank und unsere Anerkennung zollen. Die Essener Bergleute haben bei dem Streik im Jahre 1872 bewiesen, daß sie ruhige und ordnungsliebende Männer sind. Der Bergmann ist Nr. 1 in der Industrie; wohlan, dann soll er auch zeigen, daß er Nr. 1 ist im Punkte der Ordnung und der Moral. Die Bergleute sollen während des Streiks sich moralisch betragen und ihres Standes und Namens sich würdig zeigen. Der folgende Redner, Herr Rosenkranz, bemerkte: Der Grund der Streikbewegung
dieser Unglückseligste, der diese Schlange an sein Hn» genommen? DaS war ganz Bruder Philipps Art, an8 dem Einen in daS Andere zu kommen, und nichts ganz zu sagen. Aber da am Rande stand noch ein klein gekritzeltes Postfcriptnm, und Roderich entzifferte mühsam: „Da ich beinahe vergessen, Dir den Namen deS glücklichen Bräutigams zu nennen. Er ist etwa 25 Jahre älter als die schöne Braut, aber der erste Günstling, der nächste Vertrante des Fürsten, der alles über ihn vermag, ohne doch seine Macht jemals zu mißbrauchen, der allgemein beliebte und geachtete Ulrich Wiudehn.'
Roderich suchte einen Augenblick in seinen Erinnerungen, aber da stand er deutlich vor ihm, der Manu mit der gebietenden Gestalt und den schönen wohlwollenden Zügen. Er meinte, feine klare, tiefe Stimme zu hören.
»Ja, das war der Manu, dem selbst die Hof- welt den Edelmut und die Unverzagtheit nicht ab- spiecheu konnte, an den sich die Verleumdung nicht wagte, weil seine offenbarste Selbstlosigkeit ihr den Weg zu ihm verwehrte. Das war der Mann, von dem der Fürst sagte: „Hätten alle Herrscher Freunde, wie ich i» Wiudehn gefunden, wahrhaftig, es stünde bester um manchen Thron.'
Wie war eS möglich, daß das rothaarige Weib ihn zu umstricken vermochte? Und wie motte es kommen, daß daS hochgeborene Fräulein ans dem alten Hause Derer von Wettern sich zu dem Bürger, lichcu herabließ?' Freilich, er mar ja „so etwas von einem Menschen', denn er besaß weitgehenden Mn- fluß in dem kleinen Staat.
Aber da am Rande der vorhergehenden Seite von Philipps Brief stand noch Etwas: „Mau erzählt sich, daß der Fürst die Absicht habe, als Hoch- zeitsgeschenk Wiudehn in den Freiherrntzand zu erheben, und ihm den Titel eines Geheimen Eabinet». rateS zu verleihen.' U bella biondetta, denke ich, wird genau davon unterrichtet fein, ihre liebende
liegt nicht so sehr in der Verkürzung der Löhne, als in der Vermehrung der Arbeitszeit. Letztere hätte man längst im Wege der Gesetzgebung regeln müsten und es wird auch nicht eher unter den Bergleutea zur Ruhe kommen, bis durch eine Arbeiterschutzgesetzgebung die Arbeitszeit verkürzt worden ist. ES wird beschlossen, den Streik auf alle Zechen de» Essener Gebietes auszudehnen.
Siege«, 11. Mai. (Versammlung -von Industriellen.) Auf Einladung des Kreis- landrates hatten sich heute nachmittag im Lokale der Gesellschaft „Erholung" hierselbst aus dem Kreise und dem benachbarten Bezirke Industrielle und insbesondere Vertreter der Gruben des Siegerlander in beträchtlicher Anzahl versammelt, um diejenigen Maßnahmen zu besprechen, welche geeignet erscheinen möchten, die nachteiligen Folgen der Arbeit seinstel- lungen im westfälischen Kohlenreviere für die Arbeiter des hiesigen Bezirkes nach Möglichkeit abzuwenden. Man war einhellig der Ansicht, daß in erster Linie auf die Möglichkeit des Weiterbetriebes der hiesigen Tiefbauanlagen der größte Wert gelegt werden möchte und daher vor allen Dingen Kohlen für die Wasterhaltung herbeizuschaffen seien. Es wurde deshalb, wie der „Rh.-W. Ztg." berichtet wird, auf Ersuchen der Versammelten vom Königl. Landrate und der hiesigen Handelskammer, deren Präsident an den Beratungen teilnahm, an den Minister der öffentlichen Arbeiten, Exzellenz v. Maybach, sofort die telegraphische Bitte gerichtet, die königl. Berg- Werksdirektion in Saarbrücken anweisen zu wollen, ohne Verzug zunächst einen Extrazug von 50 Doppelladern Kesselkohlen für den hiesigen Bezirk zu beladen, um auf diese Weise der ersten größten Gefahr eines Erliegens der hiesigen Gruben begegnen zu können. Wenn der Herr Minister diese durch die Lage der Verhältnisse nur zu begründete Bitte, wie man zuversichtlich annehmen zu dürfen glaubt, erfüllt und damit fernere Bezüge von Kohlen aus dem Saargebiete ermöglicht, steht zu hoffen, daß dann wenigstens den Grubenarbeitern des Siegerlandes die Arbeitsgelegenheit erhalten und ein größerer Notstand hierorts abgewehrt werden kann.
Aache«, 14. Mai. Der „Aachener Volksztg.' zufolge nimmt der Streik in Höngen zu. In Kohl- scheibt ist auf mehreren Gruben die Arbeit eingestellt worden, andere sind noch im Betriebe. Die Ausständischen verlangen eine 15proc. Lohnerhöhung und dieselbe Schichtzeit, wie im Ruhrgebiete. Die Ordnung ist bisher nicht gestört worden.
Dortmund, 14. Mai. Die neuesten Nachrichten
Hingebung hätte fie sonst wohl nicht ganz so weit getrieben."
«Ab so!' rief Roderich nnb lachte laut und höhnisch auf. Dann plötzlich ernst werdend, fügte er bet: „Armer, armer Winbehn."
Als er gedankenvoll deu Brief zusammenfaltete, strich er mit der Hand über die Stirn nnb sagte laut: „Was gehts mich' an?'
Damit wandte er sich einem Soffer zu, her seine mitgebrachten Bücher enthielt, um Einiges für Ine» herauszusuchen. Aber während er suchte, fiel ihm ein Maroquin-Köstcheu in die Hand er legte eS Hinte» sich aus deu Schreibtisch. Aber er konnte durchaus nicht finden, was er wollte, seine Gedanken und seine Augen schweiften immer wieder hinüber zu dem roten Etui, biS er endlich unwillig über selbst an deu Schreib- tisch trat und eS öffnete. DaS kalte hohnvolle Lächeln, welches anfänglich um feinen Mund spielte, Derlot fich mehr und mehr aus feinen Zügen, je länger er in dicS Antlitz blickte, daS noch den nämlichen bezavbernden Reiz auf ihn ausübte, wie vor Monden. Alles, was zwischen dem damals und dem Jetzt lag, zerrann vor ihm, eS war, als stände er wieder ihr gegenüber, höre den Hellen Klang ihrer Stimme und atme wieder den Duft der Rose, di« sie an der Brust getragen. Und plötzlich bückte er ich nieder nnb bedeckte den lachenden Mund, die chillerndeu Singen mit leidenschaftlichen Küssen.
.Herr Baron', sagte da hinter ihm die Stimme des alten Jakob, daß er sich verwirrt umwaudte, „draußen steht ein muchacho, der behauptet er müsse Sie sofort nnb zwar allein sprechen. Er wollte fich durchaus nicht abweisen lassen', fügte er auf den erstaunten, verständnislosen Blick seines Herrn enb huldigend bei, nnb als Roderich ungewiß fragte; „Wer, wer wartet draußen?' fuhr er beruhigend fort: „Ich hab' ihn zwar in das Vorzimmer gelassen, aber der Herrn Baron wissen ja, dort giebt es nicht» »»' — und er machte eine entsprechende Haubbe-