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KZchmtliche Beilagen: Kreis-Blatt für dir Kreise Marburg md Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Lng. Koch.

werfen und wünsche Luxemburg, es möge zukünftig die großen Wohlthaten genießen, die es sich durch seine Weisheit und Treue gegen das Königshaus verschafft habe. Das Geschick der treuen Luxem­burger habe während der Krankheit des Königs den Geist desselben beschäftigt. Die Kräfte, welche ihm die Vorsehung bewahrt habe, werde er verwenden auf die Fortdauer der Sicherheit und des Fort­schritts, welche die 40jährige Aera der Einigkeit, der Zuneigung und des Vertrauens gekennzeichnet habe. In einer Depesche an den Staatsminister Dr. Eyschen erklärt der König sich sehr gerührt durch die Beweise der Hingebung und die namens der Behörden und Beamten übermittelten Glückwünsche. Der König ersucht den Minister, seinen aufrichtigen Dank zu übermitteln.

Burgas, 13. Mai. Fürst Ferdinand ist gestern nachmittag hier eingetroffen und wurde von den Ministern, den Militärbehörden, dem Klerus und dem Bürgermeister empfangen. Letzterer verlas eine Adresse. Bei dem Einzuge des Fürsten bil­deten Schüler Spalter.

Tiflis, 12. Mai. Der Schah von Persie« passierte gestern die Grenze bei Dshulfa, woselbst er von den russischen Würdenträgern und einer Ehren­wache von 150 Kosaken empfangen wurde.

Kairo, 13. Mai. DasBureau Reuter" mel­det: Betreffs Konvertierung der egyptischen Schuld beschäftigt man sich augenblicklich mit der Ausar­beitung eines bezüglichen Entwurfes, welcher ben Mächten unterbreitet werden soll. Es heißt, Eng­land und Deutschland hätten bereits im Prinzipe der Konvertierung zugestimmt; seitens Frankreichs erwarte man keine ernste Opposition.

Neffe« -Naffa«.

Marburg, 14. Mai. Zur Erwiderung auf die in Nr. 111 d. Bl. enthaltene Berichtigung hinsicht­lich des neuen Gesangbuchsdrucks sei bemerkt: 1) Wenn auch die Buchstaben des neuen Drucks etwas größer als die der alten Gesangbücher sind, so sind doch die Zellen noch immer zu eng und der Druck entspricht daher nicht den an ein Kirchen- und Schulbuch zu stellenden Anforderungen. Außerdem haben manche Exemplare so schlechtes dünnes Papier, daß der Druck des folgenden Blattes auf dem vorhergehenden durscheinend ist, was den Regeln eines ordentlichen Buchdruckes widerspricht. 2) Den Preis hat das ref. Waisenhaus einem hiesigen Buchbinder für 10 Exemplare auf 8 Mk. 20 Pfg. in Rechnung, also das Exemplar nicht für 70 Pfg., sondern, wie wir

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Wohnung oder entsprechender Mietsentschädigung.

---1 Wohnung oder entsprechender Mutsentschädo W I 2. Zur Erreichung eines Jahreseinkommens

2400 Mk. wird den Pfarrern eine Ausbesser

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2400 Mk. wird den Pfarrern eine Aufbesserungs-

Mage gewährt, sobald seit ihrer Ordination oder

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«rfcheint täglich ufa ex Werktag« nach (box» xxd Feiertag«. vxartal-UhonxemextS-Preis bei der Sxpe- Mtiony/.ÄL W bat P-stLmte« 2 AN. 50 Pfg. (exL vestellgeÜ). JxsertioasgebShr für die -«spalt«« Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 85 Pfg.

auch, daß Lutz int Einvernehmen mit dem Lezirkshauptmann als Lockspitzel fungiert habe. Nachdem durch den Staatshaushalts-Etat eine weitere Erhöhung des Fonds zur Aufbesserung des Dienst­einkommens der Psarrer stattgefunden hat, soll vom 1. April d. I. ab die Ausbesserung für die evange­lischen Pfarrer in folgender Weise geregelt werden.

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ihrer festen Anstellung im Schulamte fünf Jahre verfloffcn sind, mithm auch sofort von ihrem Eintritte in vas Pfarramt ab, wenn alsdann schon eine der gedachten Voraussetzungen zutrifft. 3. Alterszulagen über das Jahreseinkommen von 2400 Mk. hinaus offen bewilligt werden, sobald die Psarrer während einerweiteren Dienstzeit im Pfarramt" gestanden haben, und zwar von je fünf Jahren und je 300 Mark bis zum Höchstbetrage von 3600 Mk. Die Aufbesierung des Einkommens auf 1800 Mk. und 2400 Mk. erfolgt, wie ein Erlaß des Kultus­ministers ausführt, durch Gewährung persönlicher Zulagen aus Staatsfonds nur insoweit, als die Zuschüsse nicht aus dem Kirchenvermögen bezw. durch Beiträge der zunächst verpflichteten Gemeinden auf­gebracht werden können. Die Alterszulagen (Nr. 3) dagegen werden bis auf weiteres lediglich aus Staatsfonds bewilligt. Wegen einer neuen Ein- chätzung des Einkommens sämtlicher Pfarrer, welche mit Ausbesserungszulagen bedacht worden sind oder künftig werden, wird besondere Bestimmung ergehen, und bleibt Vorbehalten, nach dem Ergebnis der Einschätzung eine Kürzung, event. auch eine Er­höhung der gewährten Zulagen eintrelen zu lassen. Eine solche Kürzung soll übrigens auch schon vorher bewirkt werden, wenn eine anderweite Einkommens­verbesserung eintritt, wie durch den Wegfall der Psründenabgabe an den Pensionssonds der evange­lischen Landeskirche oder der Abgabe an den eme­ritierten Amtsvorgänger.

Gelsenkirchen, 13. Mai. In dem hiesigen Bergwerksreviere ist alles ruhig.

Dortmund, 13. Mai. Eine Deputation des Dortmunder Streik Komitees ist gestern abend nach Berlin abgereist. Der gestrige Tag und die ver­gangene Nacht sind in dem hiesigen Bergwerks- Reviere ruhig verlaufen.

Essen, 13. Mai. Laut derRheinisch - West­fälischen Zeitung" hatte die entgegenkommeude Er­klärung desVereins für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirke Dortmund", welche schon am Sonntag an allen Zechen des Oberbergamts- Bezirks angeschlagen war, bisher keine Wirkung, vielmehr haben mit verschwindenden Ausnahmen auch die Belegschaften der Zechen des Essener Reviers heute die Arbeit niedergelegt. Die Zahl der Strei­kenden beläuft sich jetzt auf 90 000 mit einer Tages­förderung von 93 000 Tonnen. Die Ruhe und Ordnung in dem gesamten Oberbergamtsbezirk Dort­mund ist seit Sonnabend nirgendwo gestört. Alle gegenteiligen Meldungen sind falsch. Das Gerücht

von einem Zusammenstöße des Militärs mit den Bergleuten auf der ZecheMargarethe" bei Apler­beck und dabei vorgekommenen massenhaften Tötungen und Verwundungen beschränkt sich darauf, daß am Sonnabend Abend junge Burschen auf die Soldaten schaffen, worauf zwei Excedenten verhaftet wurden. In Essen und Umgegend liegt noch kein Militär. Die Polizei ist hier durch bürgerliche Hülfspolizei- beamte, welche mit Uniformstücken und einer schwarz­weißen Binde versehen sind, verstärkt worden.

Anstand.

Preftburg, 13. Mai. Gelegentlich der gestrigen Uebergabe des Mandates an den Justizminister Szilagyi hielt dieser vor den Wählern eine Rede, worin er erklärte, die wesentlichste der geplanten Reformen sei jene der Verwaltung; wenn auch in bem Kabinette abweichende Anschauungen darüber beständen, so sei man doch vollkommen einig, daß eine gute Verwaltung den Hauptzweck der Reform bilden müßte und daß mit der Ernennung der staat­lichen Verwaltungsorgane allein das Wesen der Reform nicht erschöpft sei, vielmehr müßten die Organisierung der einzelnen autonomen Verwaltungs­teile, die Sicherung der staatlichen Kontrolle, die Neuorganisirung des autonomen Wirkungskreises die notwendigen ergänzenden Grundelemente derselben bilden. Die bestehenden Meinungsverschiedenheiten würden zu keiner die Reform aufschiebenden Kontro­verse führen.

Bern, 13. Mai. Gestern fand in Aarau eine Feier zur Einweihung des Denkmals für den Staatsmann Keller statt.

Rom, 13. Mai. Der Kongreß des italienischen Komitees des Friedensvereins ist gestern mit einer Rede Bonghis, der zum Präsidenten gewählt wurde, feierlich eröffnet worden. Anwesend find 98 Delegierte, welche 39 Komitees vertreten.

Paris, 13. Mai. DasEcho de Paris" mel­det aus London, daß Boulanger ernstlich erkrankt sei. Derselbe soll an inneren Blutungen leiden. Die Gesamtanzahl der Besucher der Ausstellung seit dem Tage der Eröffnung bis zum 10. d. Mts. betrug 296 322. Gestern wurde dieselbe von 54 000 Personen besucht. Im Seine-Departement irurbe gestern der Opportunist Boirier mit 313 Stimmen gegen den Radikalen Lefevre zum Senator gewählt anstelle des verstorbenen Songeon.

Luxemburg, 13. Mai. In seiner Antwort auf die Adreffe des Staatsrats erklärte der König- Großherzog, er werde sich dem Willen Eottes unter-

Aentfches Reich.

Berlin, 13. Mai. In der gestern im Reichs- kanzlerpalais unter dem Vorsitze des Reichskanzlers stattgehabten Sitzung des preußischen Staats- wmisteriums erschien auch der Kaiser, um an der mehrstündigen Beratung über die Arbeitseinstellung im Ruhrkohlengebiete teil zu nehmen. Im Reichs­tage verlautet heute, Abordnungen der Arbeitgeber imb der Arbeiter seien nach Berlin berufen worden. DieNordd. Allg. Zeit." bezeichnet die Nach­richt, der Chef des Generalstabes, Graf Waldersee, werde mit Marine- und Pionier-Offizieren in einigen Tagen in Cuxhafen eintreffen, um das Gebiet für neue große Seeforts auszuwählen, als völlig unzu­treffend; eine solche Reise sei ntcht einmal geplant gewesen, jedenialls aber sei zu wünschen, daß solche die Landesverrt!digungsangelegenheiten betreffende Meldungen, selbst wenn sie richtig seien, nicht weiter verbreitet werden. Tie Samoa - Konferenz hat bis jetzt, wie wir zuverlässig ersahren, die Land­eigentumsfrage ebenso wie die der Finanzverwaltung zu allgemeiner Zufriedenheit erledigt; ferner sind Bestimmungen vereinbart worden, betreffend die Einfuhr resp. das Verbot von Waffen, Munition Md Spirituosen Sodann ist über die Einrichtung der Munizipalregierung m Apia und die Beteiligung

Marburg,

Mittwoch, 15. Mai 1889.

(321 L Die unterste Einkommensstufe der int selbst- ständigen Pfarramt festangestellten evangelischen Pfarrer 5% beträgt wie bisher jährlich 1800 Mk. neben freier

Itytig« nimmt extgega bk «rpeditiou b Blattes, Eirrte b. Axuonttu-Bmeaux von Haasexfieiu rab Bögler Samlhtrt e. «., Saffet Magdeburg x. Bien; Rudolf Stoffe ix Frankfurt a. M., Berlin, Münch« u. Köln; ®. L. Daube n. So. in Frankfurt a. et, Berlin, Hannover. Paris.

gegenstehenden Nachrichten des LondonerHerold" -*♦01 find unbegründet. DieNordd. Allg. Zeit." 1.2t behauptet gegenüber den Schweizer Blättern, daß 1 __ Pe ihre Darstellung des Falles Wohlgemuth als aktenmäßig aufrecht erhalte, namentlich

- md Kontrolle der drei Konserenzstaaten an derselben Ulin anc Einigung erzielt. Um so leichter glaubt man o rd jetzt die noch ausstehende Frage der Souveränetät 2.£X lösen zu können. Bisher ist weder von Mataafa D nod) von Malietoa gesprochen worden. Die ent-

XXIV. Jahrgang.

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(Nachdruck verboten.)

Ei«.Kind -es Südens.

Novelle von R. An St.

(Fottfetzung.)

Ei» Seufzer der Erleichterung stahl sich über Ines Appen. Sie erwiderte kein Wort, aber sie schaute wieder mit ihren dunklen Augen zu ihm auf, und jetzt lag kein Erttsipen, keine Furcht mehr in ihrem Blick. Und nun bat Roderich leise, auf Mercedes deutend:Satin ich nicht Etwas für sie thun? Der Eohn möchte ihr so gern die treue Liebe lohnen, die fie für den Vater noch über das Grab hinaus be­wahrt, und tu etwas ben Summer vergessen machen, den fie um ihn erduldet."

Ah, Ihr seid gut, ich danke Euch", sagte Ines u»n gleichfalls in deutscher Sprache.Und wenn 3hr Etwas für nr.8 thun wollt, Don Rodrigo, so ruft einige Leute herbei, w-lche Mercedes »ach bem Sogen tragen, der dort am Thore wartet."

Statt aller Antwort hob Roderich die Bewußtlose Apor und bat JaeS vorauzugehen, um ihm den Tage» zu zeigen.

Es ist nicht möglich, daß Ihr fie allein tragt", rief fie fast ängstlich und legte ihre weiche, warme Hand, als wellte fie ihm helfen, ans die seine. ES war Keilich keine ganz leichte Bürde, aber Roderich bot ®He Kräfte auf und ließ fie erst, nachdem er fie in de» Wagen gehoben, ans seinen Armen.

Warten Sie hier noch einen Augenblick, Seuorita", bat er dann,bis ich aus dem Häuschen des Wärters dort ein wenig Wasser geholt", und gleich darauf touchte er zurück in den Schatte». JneS schaute ihm aach und fragte bann, alS er znrückkehrte:Wohin wollt Ihr jetzt gehen, Don Rodrigo? Kehrt nicht torück an das Grab Eures VaterS, ich bitte Euch. Ah sah, wie ein Mann Euch auf Schritt und Tritt »achschlich, daS gefällt mir nicht. Nehmt A>eu Platz in unserem Wagen und laßt Such zur «tadt geleiten."

Roderich hatte wohl auch den Schatten, der ihm folgte, bemerkt, aber er hatte nicht weiter darauf ge­achtet, nachdem er seinen Führer darin zu erkennen geglaubt; der mochte wohl Lust haben auf die übrigen Piaster in der Börse, aber daS Terzerol, das er bei sich trag, war gut geladen. Er wäre auch niemals aus feiger Furcht einem Mensche» anSgewichev; dennoch stieg er jetzt in den Wagen. Ein unaussprechliches Etwas zog ihn in JneS' Nähe und doch saßen sie dann einander stumm gegenüber, nur um die noch immer Besinnungslose beschäftigt in dem Halbdunkel des Wagens in das nur dann und wann die Laternen am Wege ungewiffe Streiflichter warfen.

Mercedes schien allmählich zu sich zu kommen, ihr Atem ging wieder vernehmlich und regelmäßig aber noch schlug Sie die Angen nicht auf. Da neigte sich JneS zu Roderich hinüber, daß ihr warmer Atem seine Wange streifte, »nd flüsterte:Auf der plaza bei der Kathedrale müßt ihr den Wagen verlassen denn mein Vater ich fürchte mich vor ihm."

Und Roderich, er wußte selbst nicht, woher er den Mut dazu nahm, aber er ergriff ihre Hand, preßte fie au seine Lippen und fragte flüsternd, ob es denn das erste und letzte Mal gewesen sein solle, daß er fie gesehen. Und als fie schwieg, fuhr er fort, daS dürfe nicht sein, er müsse fie Wiedersehen, und er, er würde sich nicht vor ihrem Vater fürchten.

Da kam ein Gefühl über fie, das vor langen Jahren wohl auch über Mercedes gekommen war, alS Roderich von Lodow vor ihr gestanden, daß fie ihm zu Willen sein wußte, und so fragte fie ihre Hand sanft zurückziehend:Wo wohnt Ihr? Ich will Euch Nachricht senden."

Bei der Kathedrale znr Seite deS tone Giral da, in der poaada Alvarea.

Ah, dort! So steigt morgen in der Frühe auf die Plattform, von dort könnt Ihr in den patio unseres castillo blicken, wo ich bei Morgens mit MercebeS zn lustwandeln pflege, weil eS dort unter bem Säuleugang vor ber Sonne geschützt und kühl ist.

Trage ich dann ein rotes Buch nm den Kopf ge­schlungen, so erwartet mich beim Sonnenuntergang an der kleinen, verfallenen Grabcapelle, wo die Kletter­akazie wuchert. Trage iw aber den schwarzen Schleier, so »nu so müßt Ihr Euch eben gedulden und Euch cm nächsten Morgen auf dieselbe Weise neue Nachricht holen. Doch unn lebt wohl, hier müßt Ihr gehen."

Mit diesen Worte» hatte fie de» Schlag geöffnet und drängte ihn sauft hinaus. Ein warmen Druck noch fühlte er au seiner Hand, dann stand er im Gewühl der Straße, und ber Wagen rollte hinter ihm in eine der engeren Quergasse».

VH.

Und nun begann ein Leben, in welchem seine Zeit­rechnung fich einzig an das Erblicken des roten Kopf­tuches knüpfte und es für ihn erst licht wurde, wenn fich die Sonne zum Untergange neigte. Den Tag über irrte er in den Gemälde-Galerieen umher oder saß stundenlang in der Kathedrale vor den herr­lichen Kunstwerken Mnrillo'l, ohne doch au das zu denken, waS er sah, bis die Stunde kam, in welcher er sehen durfte, an was er dachte. Daun eilte er hinaus zu der verfallenen Grabcapelle, ihrer zu warten. Und die Akazieuzweige belauschte» wiederum das Ge­flüster zweier glücklichen Herzen. Mercedes saß während deffeu seitweitS, von Zeit zu Zett eine» liebe­vollen Blick zu ihnen sendend, während eS so eigen schmerzlich nm ihre Lippen zuckte. Und wenn fie bann gingen unb Roderich ihnen nachschaute und endlich allein unter den Akazien saß, wenn dann der Abendwinb durch die Blätter strich und fie ihm all ihre lieben Worte noch einmal znzuflüstem schienen bann ging er nicht, ohne ihnen noch vorher lächelnd zugenickt zu haben.

DaS rote Kopftuch hatte Roderich wiederum eine Zusammenkunft verheißen, aber der Besuch des deutsche» CousulS hatte ihn länger anfgehalten, und so sah er als er fich der Kapelle näherte, schon die beiden Frauen dort fitzen. Sie schienen in ein lebhaftes

Gespräch vertieft und da fich eine unwiderstehliche Neugier Roderich's bemächtigte, daS Thema dieser Unterhaltung zu kennen, so ging er leise und behut­sam vorwärts und hörte gekommen, Mercedes sagen: .Und »uu, mein Kind, glaubt Ihr gewiß, daß clttS so kommen mußte. Damit Ihr glücklich werden konntet, mvßte ich leiden, ober ich danke der Madonna, daß ich durch meinen Summer Euch, mein Liebling, Euer Glück erkauft."

Ja, die Madonua ist gnädig und barmherzig", erwiderte Ines.Aber", fuhr fie nach einer Pause fort,Mercedes, wenn ich jemals sein Herz mit einer Andern teilen sollte, dann wehe jener Andern. Und wenn es meine leibhastige Schwester wäre, ihr Blut würde mir nicht zu kostbar sein, eS um seines Be- sitzcs willen zu vergießen!" Sie hatte mit blitzenden Augen gesprochen, während ihre Wange» sich röteten nnd ihre Brust sich stürmisch hob und senkte. Wie schon sie war in ihrer Erregung, in dieser heißen Leidenschaft, welche die Frauen seiner Heimat nicht einmal z» heucheln verstanden; und eS zog ihn un­widerstehlich zu ihr, zu ihren Füßen nieder.

Drei Tage waren seit jenem Abend vergangen, ohne daß Roderich fie wieder gesehen. Zwei Morgen hatte er nur den schwarzen Schleier erblickt und heut war sogar Mercedes allein unter den Säuleugang, der den Patio umgab, hinausgetreten, hatte zu ihm aufgeschaut, den Kopf geschüttelt und war dann, dal Tuch auf die Augen drückend, wieder ins HanS ge­gangen. WaS war da nur geschehen, wie konnte er Nachricht von JneS erhalte»? Er war zu verschiedenen Malen wieder auf die Plattform hinanfgestiegen, aber vergebens, er konnte nicht das leiseste Zeichen bemerke». Seit einer halben Stunde wohl ging er nun unruhig in seinem Wohnzimmer auf und ab, als der alte Jakob etntrot, ihm die eben eingetroffenen Briefe zu bringen.

(Fortsetzung folgt.)