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belgischer Kohlen nach Essen und sind die erste« Sendungen bereits hier eingetrosfen. Von Saar­brücken läuft täglich ein Extrazug Kohlen hier ein. In England selbst sind ganz bedeutende Qantitätcn Kohlen und Koks angekauft worden, welche bereit- teilweise auf den eigenen Dampfern der Firma zwischen England und Rotterdam schwimmen und i« wenig Tagen an der Verbrauchsstelle angelangt sei« werden. Es wird deshalb heute der Betrieb einiger der still gelegten Walzwerke wieder ausgenommen und von morgen an dürfte die ganze Fabrik wieder in vollem ordnungsmäßigen Betriebe sich befinden. Es ist begreiflich, daß die von der Firma Krupp ge­troffenen Maßnahmen ganz außerordentliche Opfer bedingen. Es kann daher nicht hoch genug ange­schlagen werden, daß die Firma Krupp diese Opfer bringt, um etwa 18 000 Arbeiter in Lohn und Brot zu erhalten.

Bochum, 10. Mai. lieber die Katastrophe auf der Bahnhofstraße geht derWests. Volksztg." folgender Bericht eines Augenzeugen zu:Gerade im Begriffe, einige Briefe zur Bahn zu bringen, hörte ich anhaltendes Hurrahrufen und das Laufen und Rennen von Personen. Ich eilte auf die Straße, als die Menge nach den Seiten auseinanderstob und eine Salve erdröhnte. Mir pfiffen die Kugel» um die Ohren, worauf ich es für ratsam hielt, auS meinem Fenster den weiteren Verlauf der aufregenden Scene zu beobachten. Inzwischen hatten sich die Soldaten mitten in die Straße gestellt und sich schußfertig gemacht; da liefen Personenzüge ein und nur mit Entsetzen dachte ich der Dinge, die da kommen mußten. Jetzt erdröhnt die zweite Salve, der ein lauter Aufschrei folgte. Noch einmal hieß der junge Offizier die Soldaten sich schußfcrtig machen. Schon kamen einige Personen vom Bahn­hofe her auf die Bahnhofftraße und es erdröhnte die dritte Salve. Die Soldaten rückten nach dieser That ab und ich eilte auf die Straße, um mich zur Bahn zu begeben. Wenige Schritte von meiner Wohnung entfernt lag eine Person tot am Bode» und da, wo die Bahnhofstraße zum Bahnhofe abbiegt, schwamm, mit dem Tode ringend, eine zweite Person im Blute. Wie sich herausstellt, sind die Erschossenen mit dem Zuge, der von Essen kam, eingetroffen und also infolge Uebereifers des jungen Offiziers als Aufständige angesehen worden. Die Hurrahrufer waren Schulkinder, Burschen im Alter bis zu 17 Jahren und Fabrikarbeiter, keine Bergleute. Die Getöteten wurden auf Stroh gebettet und nach etwa einer Stunde von der Polizei auf einem Wage»

dem er Glück und Frieden geiandt, aus deu Knie» für sein Seelenheil betete?

.Er hatte unwillkürlich einige Schlitte vorwärts gethau und stand nun dicht bei deu beteoden Fi amu als sich plötzlich ein Laut des EvtsitzenS von de» Lippen ber Netteren rang, die beide Hände abwehrend gegen ihn auSstre ckte, indem fie mit heiserer Stimme rief: Aci, aci, Rodrigo 1*

Dann plötzltw, noch immer auf den Knien liegend breitete sie die Arme aus, und mit einem Schrei: Rodrigo'1, aus dem halb Jubel, halb Entsetzen klang sank fie bewußtlos zusammen. Roderich hatte sich zu ihr niedergebeugt und fie tu seinen Armen aufgefange» während JneS mit großen, erschreckten Aug'N zu ihm aufblickte Daun fprang fie auf und rief: .Net», nein, ihr dürft sie mir nicht nehme», ich geb' es nicht zu." Dabet klammerte fie die Arme fest um de» leblos scheineudeu Leib ihrer mütterlichen Pflegerin. Sic schmiegte de» Kopf an das bleiche Haupt, da» noch immer in Roderich'S Armen ruhte, daß der Schleier von ihrer Stirn glitt und der Knoten de» nachtfchwarzen Haares fich löste, das laug herab floß. Seidenweich umspielte es Roderich'S Hand, während JneS süße Schmeicheluameu in das Ohr der Be­wußtlosen flüsterte.

Roderich harte jetzt seine sonderbare Lage über­blickt. Kein Zweifel, die beiden hielten ihn für eine» dem Grade Entstiegenen, wozu feine Sehnlichkeit mit dem Vater Vieles beitragen mochte; er mntzte ihm» sein plötzliche» E- scheinen erklären.

Sevorita!" sagte er leise und bemühte fich, seiner Stimme einen beruhigenden Klang zu geben;Seuorita, ich bin der Sohn dessen, der dort rnht, für de» Sie Ihr pabre nuestro gesprochen; der Sohu, dem da­mals utwt vergönnt war, an der Leiche feines Vater» zu beten, weil er weit da oben im Norden weilte. Ich bin jetzt gekommen, nm endlich einmal an seine« Grabe zu knien, an dem Grade des besten Vater», deffeu Namen ich trage."

(Fortsetznug folgt.)

MWH; Miing

Illustriertes Sonntagsblatt

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23. Mai: Parade im Lustgarten zu Potsdam,

M Mittagstafel im Staatsschloß, Wafferfahrt nach der Psaueninsel, Abendtafel bei dem italienischen Bot­

schafter. 24. Mai: Exerzitien bei Berlin, Frühstück

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politischen Kreise und bildet den hauptsächlichen Stoff

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Ausstellung. Abschiedstafel bei dem Kaiserpaar. Die dritte Lesung der Alters- und Jnvaliden-Ber- ficherung wird im Reichstage wahrscheinlich nächsten Donnerstag beginnen. Man glaubt allgemein, daß nach Beendigung derselben der Schluß der Sessian erfolgen wird und nimmt an, daß dies zwifchen km 22. und 25. Mai geschehen könne. Der

beim Offizierkorps des 2. Garde-Regiments, Besuch der Ruhmeshalle, Familientafel bei dem Prinzen

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durch Einwirkung auf die Arbeitgeber herbeizusühren. Es ist dem Minister v. Herfurth und dem Ober­präsidenten v. Hagemeister auf der Konferenz in Dortmund gelungen, ein Syndikat aller Arbeitgeber

Erscheint täglich ufn u Mkrttigti «ach 6oan> Feiertage». - Luartal-Uöo«»rm«»t»-Prrtt bei »er Uxpe- siti» 3% ÄL bei bei Postämter» > 50 Pfg. (exkl.

BeftelgÄ). JxserttoiszHichr ft* die gespaltene Zeile 10 Bffl-. Reklame» für die Feile 15 Pfg.

Zugeständnisse den Streikenden gemacht werden können; und welches dann mit den verschiedenen Syndikaten der Arbeiter in den einzelnen Revieren unterhandeln soll. Die Auffassung der Regierung gicbt wohl ein Leitartikel derNordd. Allg. Ztg." von heute abend wieder; in diesem wird zunächst betont, daß der Streik eine schwere Schädigung des gesamten Erwerbsleben bedeutet, und daß allseitig bei Wunsch bestehe, es möge baldigst eine Verein­

barung zwischen den Kohlenzechen und den Arbeitern herbeigeführt werden. Dann heißt es:Ein Urteil darüber abzugeben, wie diese Vereinbarung beschaffen sein soll, welche Forderungen der Bergarbeiter etwa zu gewähren fein werden, kann nicht unsere Aufgabe sein; unseres Erachtens sind überhaupt nur die­jenigen imstande, diese wirtschaftliche Seite der Streitfrage zu beurteilen, welche in Mitte der Ver­hältnisse selbst stehen und sich über die Meinung beider Teile direkt zu informieren vermögen. Leider ist nun nicht zu leugnen, daß in vereinzelten Fällen die erregte Stimmung zu erheblichen und bedauer­lichen Ausschreitungen geführt hat, glücklicherweise aber darf gesagt werden, daß neben diesen Einzel- fällen und abgesehen von dem allerdings schon an sich eine Eigenmächtigkeit darstellenden plötzlichen Bruch des Arbeitsvertrags die Mehrzahl der Berg­arbeiterschaft bisher sich nicht vom Wege der Gesetz­lichkeit hat abbringen laffen. Hoffentlich werden die bei solchem Anlaß unvermeidlichen offen und ins­geheim an die streikende Arbeiterbevölkerung heran­tretenden Aufreizungen diese relativ befriedigende Situation nicht noch verschlimmern. Die Verant­wortlichkeit, die Vereinbarung über die nun einmal erhobenen und durch den Streik zum Kampfobjekt gemachten Forderungen vereitelt oder erschwert zu haben, ist von allen Seiten gleich groß, und hinter dieser Verantwortlichkeit stehen nicht nur die selbst zu tragenden, sondern auch die anderen auferlegten Opfer und Beschädigungen. Man kann also nur wünschen, daß sich alle Teile ihrer Verantwortlichkeit bewußt seien und daß in diesem Bewußtsein ein billiger Ausgleich baldigst gefunden werden möge." Die Samoakonferenz hat heute eine Plenarsitzung abgebalten, welche über zwei Stunden dauerte; es wurde in derselben über die Einrichtung der Re­gierung in Samoa beraten. Ein Beschluß wurde aber, wie es scheint, nicht gefaßt; die Dauer der Konferenz ist noch nicht abzusehen. DerReichs- Anzeiger" veröffentlicht, daß in dem Gefechte bei Bagamoyo am 8. d. M. von dem KreuzerSchwalbe" Unterleutnant Schelle aus Danzig, von der Kreuzer­fregatteLeipzig" Matrose Füll aus Nürnberg ge­fallen sind. Von dem KreuzerSchwalbe" wurde Matrose Klebba aus Großendorf (Kreis Neustadt i. Westpr.) verwundet.

Kiel, 11. Mai. Die Kaiserin traf um 7 Uhr 35 Min. mit dem Eckernförder Zug hier ein und setzte alsbald ihre Reise nach Berlin fort.

Esse«, 11. Mai. DerRhein. Wests. Zeit." zufolge waren heute die Vertreter der sämtlichen

Marburg,

Dienstag, 14. Mai 1889.

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Zechen des Oberbergamtsbezirkes Dortmund ver­sammelt. Dieselben beschlossen in Geaenwart des Oberpräsidenten und des Regierungspräsidenten eine längere Erklärung an die Bergleute, worin es, nach- dem die Arbeiter auf das ungesetzliche Vorgehen der Streikenden hingewiesen worden, heißt:Im Interesse der zukünftigen Entwickelung der Arbeiter- verhältniffe innerhalb des Bezirks und zur Aufrecht­erhaltung der festen Grundlagen, auf denen dieselben beruhen muffen, könnten wir (die Direktoren) in bem uns jetzt von den Arbeitern ungesetzlich auf- genötigten Kampfe lediglich die Machtverhältnisie entscheiden laffen; wir erwägen jedoch die unge­wöhnlich ernsten Folgen, welche eine längere Fort­dauer der Arbeitseinstellung nicht nur für unsere Bezirke, sondern auch für die weitesten Kreise des Vaterlandes hat und erklären deshalb rückhaltlos: daß jede einzelne Grubenverwaltung unseres Bezirks bereit und ernstlich entschloffen ist, den Arbeitern, wenn sie die Arbeit wieder aufgenommen haben, erhöhte LöhtK" zu bewilligen. Es ist unmöglich und widersinnig, wie jeder Bergmann weiß, eine allge­meine Lohnerhöhung in einer bestimmten prozentualen Höhe für die Bergarbeiter vorzunehmen, deshalb sind solche Versprechungen sinnlos. Wir beanspruchen aber für unsere feierliche Lohnerhöhungszusage volles Vertrauen, welches dem Ernste und den Schwierig­keiten der Lage entspricht. Was das Verlangen in- bezug auf die zur Zeit acht Stunden unter Tage betragende Arbeitszeit und deren Abkürzung betrifft, fo entbehrt dasselbe jeder sachlichen Begründung. Dasselbe Blatt schreibt: Es war natürlich, daß durch den unvorhergesehenen Eintritt des Streiks im hie­sigen Kohlenrevier zunächst auch die Firma Krupp in Mitleidenschaft gezogen wurde. Auch die Berg­leute der der Firma Krupp gehörigen ZecheHan­nover", welche einen großen Teil des Bedarfs der Gußstahlfabrik deckt, legten die Arbeit am Montag und bezw. Dienstag nieder, was eine empfindliche Verminderung des der Fabrik und ihren Außenwerken täglich zugehenden Kohlenquantums zur Folge hatte. Außerordentliche Anstrengungen, welche die Firma Krupp unmittelbar nach Ausbruch des Streiks auf ihrer ZecheHannover" gemacht hat, haben ihr in­zwischen den Bezug der benötigten Kohlen und Koks in einer mehr als ausreichenden Menge für jede absehbare Zeit gesichert. Aus Oberschlesien, aus den belgischen und holländischen Häfen, aus Hamburg, sowie aus dem belgischen Kohlenrevier rollen schon seit Mittwoch dieser Woche täglich mehrere 100 Waggons deutscher und bezw. englischer und

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Mai. Aus Petersburg wird ge­meldet, daß der Gegenbesuch des Zaren beim Kaiser Wilhelm auf Mitte August festgesetzt sei, und daß er in Kiel erfolgen solle, wohin der Zar mit einem Geschwader kommt; nach Berlin werde er nicht bmmen. Für den Aufenthalt des Königs von Ztalien am hiesigen Hofe ist folgendes vorläufige Programm entworfen worden: 21. Mai Ankunft auf bem Bahnhofe, Empfang durch die Kaiserin im Gardes du Corps-Saal des königl. Schlaffes; Fa­milientafel, Gala-Abendtasel. 22. Mai: Große Parade auf dem Tempelhofer Felde. Spazierfahrt noch Charlottenburg, Besuch der Oper, Abendtafel.

, zustande zu bringen, welches heute in Essen unter r«fm Borsitz des Oberpräsidenten feststellen soll, welche

litzschftz bllbrecht, Fahrt durch die Stadt, Konzert im weißen - -- Saal. 25. Mai: Besuch der Unfallverhütungs-

Inyige» nimmt entgegen die «xpeditto» » Blatte», sowie ». Annoucen-Bureeuq von Haaseistei» trab Bögler

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Daube u. Le. t» Frankfurt a.«., Berlin, Hannover. Lari».

Trflflf streik der Bergarbeiter im rheinisch-westfälischen

pV"I Revier beschäftigt hier im steigenden Maße alle

aller Unterhaltungen im Reichstage. Es unterliegt rfjSoS frem Zweifel, daß die Regierung mit Nachdruck bemüht ist, eine Beendigung des Streikes, namentlich

Wchentliche Beilagen: Kreis »Blatt für die Kreise Marburg mid Kirchhain

Srbtbition' Markt 21. Redaktion, Druck und «erlag von Joh. Lug. Koch.

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40.

45.

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50.

(Nachdruck verboten.)

Litt KM -es Südens.

Novelle von R. An St.

(Fottfetzung.)

Der Priester stand vor demselben, als er seine Predigt begann, und ihm gegenüber stand eine Frau, Sanz in Schwarz gekleidet, einen blondlockigen, etwa zehnjährigen Knab-n an der Hand. Ich mußte nnr immer hinüberstarren in ihr schmerzvolles Gesicht «nd in die rotgeweinten Angen des Knaben, ohne auf die Worte des Predigers zn hören, bis ich endlich bemerkte, daß er deutsch sprach, und dann lauschte ich mit angehaltenem Atem. Er sprach lange über den edlen Charakter, das reiche Leben und das plötzliche, schreckliche Ende des Toten, von seiner binterlafjenen Familie von dem jugendlichen Sohne, "er in der Heimat zurückgeblieben, und dem nicht tinmal vergönnt sei, am Sarge seines Vaters zu beten. Ich hatte auf die Rede gelauscht wie man einem Vortrage in einer fremden Sprache über einen anferm Wissen durchaus fernliegenden Gegenstand flgt, wo man fich zufrieden giebt, wenn man die «orte versteht, ohne den Sinn zn fassen Und so sandte ich mich endlich, meinen Weg anzutreten bo tönten mir noch die Worte nach:Und so ver- trauen wir denn Deine sterbliche Hölle der Erde öt, und ich segne Dich, Roderich, ans bem hochedlen Hause der Freiherren von Lobow."--Weiter

Mte ich nichts.

Mit einem gtüenben Schrei hatte ich mich mieber gewendet, versuchte mir durch die Menge Bahn zu Sechen, und sank bann plötzlich kraftlos zusammen, einige Frauen, bie auS müßiger Neugier hergelaufen üwren nahmen sich meiner an nnb führten mich wenig abseits. Dort verbarg ich wich, als fie üüch wieder allein gelaffen, hinter bem Sockel eine» Men Kreuzes um mit klopfenden Pulsen nnb Mernbem Kopf hinüberzufchauen, wo sie eben ben fe«g Hinabgelaffen, nnb fein Knabe, ben zu lieben

ich ihm geschworen, drei Hände Sand laut weinend in die Gruft streute.

Da also war er, ben ich Tage nnb Nächte hin­durch so schmerzlich ängstlich herbeigesehnt! Ich schauderte, wie furchtbar gnädig die Heiligen sich mir gezeigt, indem fie meinen Fluch an ttm erfüllt. Und immer toterer wurde e8 in meinem Kopfe, das Fieber wahnsinnigen, leidenschaftlichen Schmerzes schüttelte meine Glieder, aber ich verhielt mich ganz still, bis der Zug sich wieder entfernt hatte, nnb verharrte in meiner Stellung, bis auch bie Totengräber ihr Werk beenbet hatten nnb bet Hügel fich über feinem Grabe erhob. Dann, al» es ringsum wieder still geworden, schlich ich mich hin. Ich hatte noch allein mit ihm zu sprechen, ganz allein. Niemand durfte mich hören, als er. Jetzt durfte bas blonde Weib sich nicht zwischen mich und ihn drängen, denn jetzt ge­hörte er mir so gut tote ihr. Stein, er gehörte mir jetzt noch mit viel größerem Rechte, denn sie war von ihm gegangen, während ich bei ihm blieb nnb bei ihm bleiben wollte bis fie mich auch bort unten in die kühle Erde betten wußten. Und dann war mir, als läge ich schon da unten; aber wie die Erde mir auf Kopf nnb Herz drückte! Und bann plötzlich sah ich ihn, und alle Schmerzen schwanden; eine tiefe Bewußt lofigkeit war den Fieber Phantasien gefolgt. AIS ich wieder erwachte, waren Wochen vergangen. Eure Mutter, Ines, Donna Manuela, hatte mich am Tage nach dem Begräbnis auf jenem Hügel liegend ge­funden und mich tu ihr Schloß gebracht. Dort hatte sie während einer langen Krankheit für mich gesorgt. Was war da natürlicher, als baß ich noch meiner Genesung bas Leben, das keinen Wert mehr für mich hatte, ihrem Dienste widmete. Sie wollte mir in ihrem Hause eine Stellung aumeifen, die einzunehmen meine Kenntnisse mich wohl berechtigen, aber ich zog vor, ihre Dienerin zu sein, da angestrengte harte Arbeit mir bas Leben erträglich machen sollte. In jener Zett, als ich eben genesen, wurdet Ihr geboren, Donna Ine», nnb um Buch einst erziehen »nb

unterrichten zu können, nahm ich meine Studien mit allem Eifer wieder auf. Als Ihr bann sprechen ge­lernt hattet und mit den kleinen Füßen schon so munter urnhertrippett, da starb Donna Manuela armes Kivdl Aber nun wurdet Ihr so recht eigent­lich mein Töchterchen, denn noch auf dem Sterbelager mußte ich Donna Manuela versprechen, Euch nie zu verlassen, Euch zu lieben und für Euch zu sorgen, wie für mein eigen Kind. Und das will ich halten bis ans Ende." .

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Sie hatte das letzte ruhig erzählt, aber auf ihren Wangen brannte noch die Röte der Erregung, als sie jetzr das Gesicht dem jungen Mädchen zuwandte und rntt tiefem Ernst sagte:So da habt ihr nun meine Geschichte und wißt, weshalb ich das Grab dieses Mannes pflege, und nun sprecht noch eine eracion flomieieal mit ihr für fein Seelenheil."

.Nein", rief JneS,nein, Mercedes, ich kann nicht für ben Manu beten, ber Dich unglücklich ge­macht hat, er ist es nicht wert, unb Du hattest wohl Recht, ihm zu fluchen."

«Ines, Kinb, bebenIt", fuhr Mercebes in ihrem ernsten Ton fort,bie Liebe ist ein Gottesgeschenk, nnb Niemanb kann fie faffen ober auslöschen, wie der Verstaub ihm vorrechnet, unb beShalb konnte er nicht ander», als mich lieben unter taufend Dualen.* Unb bann fuhr sie erregt fort:Unb glaubt mir, Kinb, bie Glückseligkeit, bie ich bei jenem kurzen Traum in feiner Liebe gefuubeu, würbe ein ganzes, lange» Leben, alle Sorge nnb Leid und Not aufwiegen.--

Unb nun betet noch ein padre »»estro mit mir."

JneS kniete jetzt wieder an ihrer Seite, nnb das Murmeln ber Betenden drang zu dem Lauscher, der bisher regungslos au bem Obelisk gelehnt. Das also war sein Vater, ber Mann, von bem er geglaubt baß sein ganzes Leben keinen dunklen Fieck anfzn- toeifen habe, nm ben seine Mutter sich zn Tobe ge­härmt! Aber hatte er wohl ein Recht, ihn zu ver­urteilen, er, ber Liebe von ihm erfahren, wenn baS Weib