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-Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt ftr dir Kreise Marburg nii Kirchhain. - Illustriertes S-nntagsblatt

Sxpeditio« Markt 81. Redaktion, Druck und Berlaz von Joh. Auq. »,ch.

M 94.

Erscheint täglich «ßa ee Werktag» »ach 6omu mb Feiertage». Q»artal-NboimemeutS-Prri- bei der Erve« bttio» 9*/« Mi-, bei den Postämter» S3RL 60 Pfg. serkl. Lesteklgeld: Infertion-gedehr fttr bte gespaltene Zeile 1=0 Pfg.. Reklamen für die Zeile SS Pfg.

Marburg, sowie b. Lnnoncrn-Unreanp von^aase»stei» unb^9^gtac

Sonntag, 21. April 1889. Jahrgang.

Dauben, «o.i» Frankfurt -. «L, Berlin, Hannover . Paris.

Oster«.

Es ist Ostern wieder herangekommen, das frohe und einfach schöne Fest nach den langen Tagen des Unters. Unverdrossen haben wir die Winterszeit hindurch gestrebt und gearbeitet, größer war der Erfolg des Einen, kleiner der des Anderen, fast fruchtlos des Mühen hier und da; aber die Arbeits- List war groß, die Arbeitsfreudigkeit in reichem Maße vorhanden. Trotz aller Sorgen, welche die Zeit zum Beginne jedes neuen Jahres mit sich bringt, mb sie haben auch diesmal wahrlich nicht gefehlt, ist der Winter doch recht ruhig vergangen, ruhiger als in manchem früheren Jahr, und fast unerwartet kommt nun das schöne Fest, das eine Ruhepause i» dem Hasten und Jagen nach Verdienst und Gewinn bringt. Seit einer ganzen Reihe von Jahren waren ton nicht so total von allen allarmierenden Kriegs­nachrichten verschont, wie in den letzten Monaten. Nirgends ein drohendes Zeichen am politischen Himmel, keine Spur von Angst und Gefahr, und selbst Ereignisie, die in unruhigen Tage reiche Be­sorgnis hervorgerufen haben würden, gingen fast unbeachtet vorüber. Haben wir nicht da allen Grund, ms des Osterfestes zu freuen, da wir uns mit wahrem Sicherheitsgefühl der Muße hingeben können, die es uns gestattet? Gewiß! Ein frohes Frühlings­fest bedeutet uns ein gutes Borzeichen für alle kommenden Wochen und Monate, es richtet den ge- smkenen Mut derer auf, die viel mit alltäglichem oder außergewöhnlichem Mißgeschick zu kämpfen hatten, es gießt neue Zuversicht in ihre Adern und zeigt ihnen als Losung das große Wahrzeichen unserer Zeit, die Arbeit, die redliche, fleißige Mannes-Arbeit. Daß das Osterfest heilsam und belebend wirkt, ist stets anerkannt, die hohe christliche Lehre von der Liederaufstehung, sie versinnbildlicht sich und wirft chren Abglanz auf jeden Einzelnen. Nach nutzlosen Wochen neue Kraft, nach Monden getöteter Schaffens­lust neue, frische Thätigkeit! Wir sahen das Wieder- erwachen der Erde aus tiefer Winterruhe, und wir erkennen, daß auch wir dem Frühling einen Tribut schuldig sind in emsigem, neugekräftigtem Thun.

Die fleißige Arbeit darf heute froher und tapferer als je vorwärts blicken, sie darf nach trüben Jahren stolzer den Kopf erheben. Was die Friedensthätig- keit so oft störte, dann und wann sie vollständig lahm legte, das ist jetzt in weite Ferne gerückt und wird hoffentlich endlich ganz verschwinden. Die Lriegsbefürchtungen sind mehr und mehr in den Hintergrund getreten, das hohe Werk, dem im ver-

O ster«.

6in Helles Freudenllingen zieht wieder durch die Welt, 6in frohes, lautes Jubeln, ein Song auS Flur und Feld; M linder weh'n die Lüste, verschwunden ist der Sturm, Des Lenzes mildes Weben erstickt so manches Mnrr'n. Das find die Osterboten, die Gäste lieb' und wert, Die wieder nad'n zum Feste dem kauten deutschen Herd, and aus ibr Klopfen, Rufen wird eiligst au'gethan: Willkommen Oster-Freude und Friede wunderbar!

Eo ist denn Ostern kommen in diesem Jahr' auf's Reu, wb »or dem Ostersegen verschwand die Sorg' wie Spreu- Die Frühlingslust besiegte des Winters harten Bann wb frohes, heißes Danken steigt auf, gen Himmel an. Das Frühlingsfest das hehre, beherrscht die Völker all', « webt geheime Bande hinauf zum Himmelssaal, «eckt die erstarrten Fluren zum frischen, munt'ren Grün, «6t in gebeugte Herzen die sroh'ste Wonne zieh'».

Koch karg sind Frühlings Gaben zur heil'gen Osterzeit, Koch find die schönsten Kinder der Erde nicht bereit;

Doch was da keimt und sprießet, zum Lichte bringt und ringt, As Schöpfer- Lob, de- hohen, mit tiefem Danke singt. Ws auch ein winzig Blümchen, ein Blättchen selbst wohl nur, A zeigt doch Allen, Allen des König Lenzes Spur;

«zog mit Wehr und Waffen hin Über das Gefild, Wag aus dem Land den Winter, erhob sein Siegesschild.

Als Osterfestes Diener schmückt er die Erde schnell, wb auf fein leises Winken, da lacht die Sonne hell;

lust'gen Strahlen fliegen hin über Groß und Klein, wb nun aufatmet alles im Frühlingsfonnenschei».

?ou ist die Erd' erstanden. Dank fei der Oster-Nacht, wd aus der Gebe Banden und schwerer Winter-Nacht;

sind viele Arme aus trüb.r Tage Last, Die schwer zu Boden drückten die Tiefgebeugten fast. &$rum zieht das Freudenlliugen jetzt wieder durch die Welt, frohes, lautes Jubeln, ein Sang aus Hain und Feld! milder wehn die Lüfte, verschwunden ist die Not, M Lenzes lindes Weden färbt blaffe Wangen rot. As find unS frohe Boten, find Gäste lieb und wert, wiederum jetzt nahen dem trauten deutschen Herd.

*nb auf ihr Klopfen, Rufen die Thüren aufgethan: Willkommen Ofterfreude und Friede wonnesam!

gangenen Herbste unser junger Kaiser sich widmete, ist nicht nur für den Augenblick bestehen geblieben, es hat seine Standhaftigkeit bereits bewährt in ernsten Tagen. Europa weiß den Frieden gesichert, so weit dies nur möglich war, das Deutsche Reich weiß vor allem, daß das Reichsschwert sicher in den Händen eines Kaisers ruht, der es nur ziehen wird zur Verteidigung des Vaterlandes und der Ehre des Reiches. Unter diesem Bewußtsein und in dieser Ueberzeugung sind wir durch die so oft mit Sturm umdrohten Wintermonate hindurchgeschritten, das ist es gewesen, was Arbeitslust und Schaffensfreudigkeit gab, die Arbeit, wenn auch noch nicht reich gesegnet, so doch gesegneter machte, als in den letztverstrichenen Jahren. Doch wir stehen erst am Anfang, noch bester soll es in künftigen Tagen kommen. Das hoffen wir zuversichtlich, denn all' die Geisteskraft, die so lange gezwungen war, «nthätig zu feiern, sie sieht mm wieder frei Feld und gute Gelegenheit vor sich, sich zu dethätigen. Wie ein guter Frühling Feld und Fluren schnell aus ihrer Todesstarre weckt, so ist der gesicherte Friede der Urheber alles ®uten und Edlen, der andauernden Thätigkeit, welche nicht allein dem Einzelnen, sondern dem ganzen Volke zum Segen gereicht. Deutschland ist schon unendlich weit vorgeschritten aus der Bahn seiner wirtschaftlichen Entwicklung. Es würde andere Staaten ganz überflügelt haben, wenn nicht hem- mende Krisen eingetreten wären, die doppelt schwer wurden durch die Unruhe der Zeiten. Nun, da die letztere schwindet, erwacht auch ein reger Muth, und besonders groß ist dieser jetzt geworden, nach­dem wir die Festigkeit der friedlichen Lage Europas erproben. Das ist der Grund, warum wir gerade dieses Osterfest freudig begrüßen, wir wollen in ihm einen Bürgen dauernder befferer Tage erblicken. Daß nicht jeder zufrieden sein wird in der Zukunft, das ist irdische Bestimmung, das wird auch nie der Fall sein. Wir können nur das erstreben, daß ehrlicher Leute Arbeit ehrliche Ernte ist; und dies Ziel zu erreichen, können wir hoffen.

Alle Nationen empfinden wohlthuend die Ruhe der Zeit und widmen sich der Arbeit des Friedens. Selbst da, wo wir gewohnt waren, lange Jahre hindurch die Feinde des europäischen Friedens zu sehen, macht sich, wenn auch nicht der Herzens­wunsch, so doch das Bedürfnis nach Ruhe und Ordnung geltend. Das ist doch ein Erfolg, zu dem wir uns beglückwünschen können, es ist ein Glied in jener Kette von Ereignissen, die uns als wohlthuende Friedensgarantieen vor Augen stehen, und in denen

^Nachdruck verboten.^

Angel«.

Erzählung aus vergangenen Tagen.

Fortsetzung.)

.Wie lautet der Inhalt, wenn Du ihn mir wieder- hole» darfst?' fragte Angela mit einiger Spannung.

.Der Marchese hat eS mir, falls sie ihn zu wiffeu wünschten, sogar gesagt', versetzte Federigo, dessen Augen und Gesichtszüge nach und nach fast ihre frühere Lebhaftigkeit aunahmen. »Ich habe schreiben müffen, der junge Marchese di Colonna habe erfahren, daß seine ans ihrer Villa entführte Verlobte sich in ihrem Hause befinde. Er ersuche sie drtugeud, sich Signora Angela Manfredis liebevoll auzunehmeu, damit er fie in den nächste» Tage», einer leichten Verwundung wegen, sei er für den Augenblick nicht dazu imstande, gesund und wohlbehalten a»S ihrem Schutze abholeu könne, wofür er ihr herzlich dankbar sei» würde.

Tiefgerührt voa der Liebe und Fürsorge ihre» Verlobte» war Angela nicht sogleich imstande fort- zufahreo, auch glaube, ste Francescas ihr schou be- kauuteu Schritt auf der Treppe zu vernehmen. Diese hatte sich, nachdem Federigo ohne ihr den Auftrag feines Herrn mitzuteileu, Angela gefolgt war, zu ihrer Gebieterin begeben, welche ungeduldig auf ste gewartet und daher schnell fragte, wer gekommen sei, wäbrend auch Conteffa Beatrice fie erwartuogs- voll avsah.

Francesca berichtete waS fie gehört uud gesehen, und sichtlich verstimmt darüber sagte Eonteffa Andrea:

.Es wäre richtiger gewesen, wir hätten den Bote« des Marchese, der jedenfalls sei» Diener ist, zuerst gesprochen. Weshalb wohl dieser nicht selbst gekommen ist?"

.Er wartet vielleicht in dem Wagen, den ich auf der Ehauffee halten sehe", meint FrauccSca.

Da die Herrin des HauseS diese wie avch seine Botschaft zu wiffe» begehrte, so trug fie Francesca

obenan steht die felsenfeste Freundschaft aller jener Staaten, deren Herrscher in dem Glück ihrer Völker ihren höchsten Lohn erblicken. Ein Winter- und Wettersturm war es auch, der über Europa dahin­zog, und schwer ist sein Wüten empfunden. Deutsch­land ist nicht dabei verschont worden, aber in aller Fährte zeigte sich erst der echte und feste Volkskern, der deutsche Muth, der vor Schwerem nicht zurück- schreckt, sondern es unternimmt, das Schwere zu besiegen. Biel ist seit dem letzten Osterfest in Deutschland verändert, die ewig wechselnde Zeit hat Neues geschaffen und Altes gestürzt, und poch nicht sind wir in unserer inneren Entwickelung zum Ab­schluß gekommen. Fort dauert der Kampf der Meinungen, und eifrig ist der Streit darüber, was dem Volke zum Besten, dem Reiche zum wahren Segen. Und dieser Kampf wird weiter dauern, immer schärfer wird die neue Zeit sich von der alten trennen, denn unaufhaltsam schreiten wir vor­wärts, immer klarer sehen wir. wo Abhilfe und Besserung von Nöten ist: die Erfahrung birgt in sich die Wahrheit, die wir gebrauchen zur Erkennt­nis unseres Wohles und Wehes. In allem aber, was Deutschland trifft und seine Stämme, stehen Kaiser und Volk einig und treu zusammen, wie sie es alle Zeit hindurch gethan seit der glorreichen Wiedererrichtung im Schlosse zu Versailles. Doch wir hoffen zuversichtlich: Wintersturm und Winter­not sind überwunden, auch für Deutschland wird

dem schweren Jahre 1888 ein Frühling an­brechen. Das fft unser Osterwunsch und unser Ostergruß!

Deutsches Deich.

®erlitt, 15. April. Heute vormittag gegen halb 11 Uhr begaben sich der Kaiser und die Kaiserin nach dem Palais der Kaiserin Augusta, um daselbst m der neu errichteten Hauskapelle, wie alljährlich an diesem Sage, an der heiligen Abend­mahlsfeier Teil zu nehmen. Dieselbe wurde auch in diesem Jahre wieder vom Oberhof- und Dom­prediger Dr. Kögel abgehalten und nahmen mit den Kaiserlichen Majestäten und Ihrer Majestät der Kaiserin Augusta nur noch der Erbprinz und die Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen an derselben Teil. Nach Beendigung der Feierlichkeit kehrten die kaiserlichen Majestäten nach dem Schlöffe zurück. Ueber bevorstehende Reisen des Kaisers verlautet folgendes: Zur Feier des 200 jährigen Stiftungs­festes der Schwedter Dragoner am 24. April wird sich der Kaiser nach Schwedt begeben. Wie aus

Eisenach geschrieben wird, trifft der Kaiser nach den bis heute vorliegenden Nachrichten, anfangs Mai, wahrscheinlich am 7., in Begleitung des Großherzogs zu mehrtägigem Aufenthalt auf der Wartburg dort ein. Nach einer heute aus London kommenden Drahtmeldung ist es jetzt endgiltig festgesetzt, daß Kaiser Wilhelm seinen Besuch bei der Königin von England in der zweiten Juliwoche machen und etwa eine Woche in England verweilen wird. Das neue preußische Einkommensteuergesetz soll bereits im Kabinett des Kaisers liegen, sonach also die Ein­bringung der Vorlage im Landtage in den Oster­ferien bestimmt zu erwarten sein. DieNordd. Allg. Zeit." schreibt: Der Kaiser ernannte für die Samoakonferenz zu Bevollmächtigten den Staats­minister Grafen Bismarck, den Wirk.'. Geheime» Legationsrat v. Holstein und den Geh. Legationsrat Dr. Krauel. Das Blatt hört ferner, die Konferenz werde am 29. d. Mts. zusammentreten. Die -Post" erklärt in einem offiziösen Artikel, Deutsch­land habe auf Samoa nie etwas anderes erstrebt, als im Einverständnis mit den anderen Mächten vorzugehen. Was Bates anbetreffe, so gebe feine Ernennung nur der Befürchtung Raum, daß Amerika übertriebene Ansprüche stellen werde. Von einem Herabdrücken der deutschen Ansprüche könne nicht die Rede fein, da sich diese niemals über das recht­liche Niveau erhoben haben oder zu erheben beab­sichtigen. DieNotionalzeiwng" meldet aus Bel­grad, daß Königin Natalie am 13. Mai dort an­kommen werde.

Anstand.

Paris, 18. April. Carnot ist wieder genesen und wohnte heute nachmittag der Eröffnung des historischen Museums zur Erinnerung an die Re­volution bei. Heute vormittag fanden auf An­ordnung Merlins abermals Haussuchungen bei dem Deputierten Tarquet und fünf anderen boulangistischen Führern statt.

Petersburg, 18. April. DerDuena - Ztg." zufolge sollen die evangelischen Stadtkonsistorien in Riga und Reval, sowie das Oelsesche Konsistorium in Arensburg ausgehoben werden.

Bukarest, 18. April. DieAgence Rumaiue" erfährt von kompetenter Seite, daß hinsichtlich der Bestimmung des früheren Kabinetts betreffend dm von der Kammer gestern bewilligten Kredit von 15 Millionen, welche ausschließlich zur Fortsetzung und Beschleunigung der Befestigungsarbeiten um Bukarest und an der Linie Fokasani - Galatz dienen sollm.

aas, dem Dimer zu sage», daß fie ihn zu spreche» begehre. Diese richtete, »ach leichtem Klopfe» Angelas Zimmer betretend, de» «ufttag aus, und Federigo war bereit ihr zu ihrer Herrin zu folgen. Ihn entlassend, faßte Angela ihm, daß fie ih» nochmals z« sehen wünsche, um ihm einen Brief für bett Marchese mttzugeben.

Das Wohngemach der Conteffa Locarno betretend, blieb er au der Schwelle stehen, denn sei» Auftrag lautete an diese, und er sah fich zweien Frauenge­stalte» gegenüber, vnd eine von diesen glich Signora Angela als ob fie deren Tochter sei. Er konnte fich seinem Stannen nicht lange überlassen, denn Conteffa Andrea sagte, ihn forschend ansehend:

»Ihr habt mich zu sprechen begehrt?'

,3a Conteffa", erwiderte Federigo und blickte zugleich zu ihrer Koufine hinüber. Dies gewahrend f»hr fie fort:

»Die Dame ist meine Verwandte und kann jede Eurer Mitteilungen höre»!'

»Ich habe von meinem Herrn, dem jungen Marchese di Colonna, keinen mündlichen «ufttag, doch diesen Brief an die Conteffa di Locarno', und damit zog er ihn aus seiner Brnststasche hervor, überreichte ihn ihr und, einige Schrstte zurückttetend, blickte er fie aufmerksam und forschend an. Das Schreiben betrachtend, sah die Conteffa, daß die Adrefle von wenig geübter Hand war. .Ehe fie eS zu lesen begann, rief fie FravceSca herbei, und trug ihr die Sorge auch für Federigo auf, während ste fich au diesem wendend, hinzufügte:

.Ich werde den Brief Eures Herrn lesen, und wenn erforderlich, Euch eine Antwort mttgeben. Falls Ihr einen Wagen habt, deren Kölscher das Warten zu lange währen sollte--*

»Der Kutscher es war Paolo ist uns be­kannt, Conteffa, und auch vorbereitet, auf mich zu warten', entgegnete Federigo »vd folgte Francesca iu ein am Flur gelegenes Stübchen, wo fie ihn ver- ließ, um ihn mft Speise und Trank ,« versorgen.

Kaum waren die beide» Verwandten allein, als Conttffa Andrea de» Brief erbrach und ihn, deffru Inhalt der Leser bereits kennt, ihrer Cousine vorlas. Als sie damit zu Ende gekommen, sagte fie fichtlich verstimmt:

»Carlo ist über diese Entführnngsgeschichte, die fein letztes Meisterwerk gewesen, alückltch hinwegge- ftorben, ich aber bedauere nichts mehr, als daß ich mich von ihm habe bereden lassen, das Opfer der­selben hier auszunehmen!'

»Dennoch trifft eS fich glücklich, daß ste hier ist" erwiderte beruhigend Conteffa Beatrice, er hätte fie an einem ihrer weniger angemeffenen Aufenthalt unter» bringen können!'

»Da hast Dn recht«, entgegnete erstere finster. UebrigenS wollte ich, der Bote des Marchese wäre gekommen, nachdem wir mit Angela gesprochen, die, wenn ste alles weiß, sicherlich so bald wie möglich nach Neapel zurückk-hren wird--'

»Wohin ich sie begleiten werde", erklärte Conteffa Beatrice. Ihre Cousine hatte keine Antwort darauf ouderu sagte:

^Während fein Diener hier gewesen, ist vielleicht der junge Marchese durch feinen Vater von allen letzten steigntffen benachrichtigt worden. Ich will ihm daher chreibeu, daß besonderer Vorgänge wegen, die er öewiß schon weiß, feine Verlobte aber erst tin Laufe »eS Tages hier erfahren würde, er nicht den Weg hierher unternehmen, sondern, lieber sobald eS feine Verwundung gestatten sollte, sich nach Neapel begeben «ächte, wo er Signora Angela Manfredi in der Villa Jfola antreffen würde.

Diese Antwort ans Giovanni die ColouaS Brief !jatte Conteffa Beatri cenS Beifall, und fich an ihren Schreibtisch setzend, fertigte ihre Cousine ihn sogleich aus. Während dieser Zett schrieb auch Angela an hren Verlobten. Sie beklagte schmerzlich, was er chon ihretwegen gelitten und noch zu leiden hatte, und hoffte inständigst, daß er von feiner Verwundung bald genese» möge. (Fortsetzung folgt.)