möge bei Ankündigung der Sitzung in den Zeitungen die Stunde der Sitzung sowie die Oeffentlichkeit derselben hervorheben. — 3. Zu Mitgliedern der Kasien- revisionskommission wurden die Herren Plitt und Schaaf, zum Stellvertreter Herr Binder gewählt, 4. zum Mitgliede der Direktion der Sparkasse Herr Binder, 5. zum Mitgliede der Stadtschul- deputation Herr Braun. Die Wiederwahl des Herrn Pfarrers Bernhard als Stadtschulinspizienten und des Herrn Professor Dr. Schmidt-Rimpler als Mitglied der Schuldeputation wurde genehmigt. Gelegentlich dieser Wahl nahm Herr Bücking Beranlaffung, den von Herrn Schott angeblich in einer Vorbesprechung zur Wahl eines Mitgliedes der Schuldeputation gemachten Vorwurf, es habe sich die seitherige Deputation in den letzten Jahren eine Vernachlässigung der Bürgerschulen zu schulden kommen lassen, zurückzuweisen, die Leistungen und die Ausstattung der genannten Schulen mit Lehrmitteln insgesamt als mustergiltig hinzustellen und weiter hervorzuheben, daß die seitherige Schuldeputatton stets bereit gewesen sei, berechtigte Anträge des Lehrerkollegiums, die Anschaffung von Lehrmitteln rc. betreffend, zu gewähren und auch die Anschaffung von durchweg neuen Bänken für die genannten Schulen sei nunmehr besttmmt in Aussicht genommen. Herr Schott trat hierauf zunächst der ihm seitens des Vorredners unterschobenen Annahme entgegen, als habe er sich in dieser Angelegenheit zum Sprachrohr einiger Unzufriedenen gemacht und führte dann weiter unter Anführung von Beispielen aus, daß er den von ihm erhobenen Vorwurf, d. h. soweit derselbe die Anschaffung der Lehrmittel nicht aber die pädagogischen Leistungen betreffe, aufrecht erhalte, indem er dabei von der Ansicht ausgehe, daß die Bürgerschulen auf eine Höhe zu bringen seien, die es jedem Bürger und Handwerker ermögliche, seine Kinder in denselben unterrichten zu lasten, ohne dem späteren Vorwurfe der letzteren zu begegnen, daß ihnen die zu ihrem bürgerlichen Leben erforderliche und der heutigen Zeit entsprechende Schulbildung vorenthalten worden sei. Es empfehle sich deshalb, in die Schuldeputation auch einen solchen Mann als Mitglied aufzunehmen, besten Kinder selbst in den Bürgerschulen unterrichtet würden und der deshalb von vornherein die Garantte biete, daß er auch ein Herz für diese Schule resp. deren Bedürfnisse habe. — 6. Herr Landgerichtsrat Gleim wurde zum Mitgliede des Kuratoriums des Realprogymnasiums, 7. Herr Dr. Westerkamp zum Mitgliede der Armendeputation gewählt, und Herr Pfarrer Scheffer als Mitglied der Armendeputation bestätigt. 8. Zu Mitgliedern der Kommission für die Einschätzung zur Kommunalsteuer wurden gewählt die Auschuß- mitglieder Herren Brauer, Schott, Schaaf, Plitt, Hillebrandt, Klee, Dern und Häfner. — 9. Der Ausschuß erklärte ferner sein Einverständnis mit der vom Stadtrat vorgeschlagenen Zusammensetzung der Baudeputation, jedoch benennt er an Stelle des in Vorschlag gebrachten Ausschuß- Mitgliedes R. Euker, welcher aus Gesundheitsrücksichten die Wahl ablehnte, das Ausschussmitglied Heinrich Siebert. 10. Zum Mitgliede der Kommission für die Fortbildungsschule wurde Herr Ausschußvorsteher Siebert gewählt. Sämtliche Wahlen beziehen sich auf die Sitzungsperiode des gegenwärtigen Ausschusses. — 11. Dem Beschlüsse des Stadtrates vom 4. d. M., dem Bauaufseher B e n t s ch die Leitung des Zeichenunterrichts der Fortbildungsschule zu übertragen, wurde die Zustimmung erteilt, sowie von der durch Ueberfüllung erforderlich gewordenen Uebersiedelung zweier Schul- klasten der Fortbildungsschule in die Knabenbürgerschule Kenntnis genommen. 12. Dem Beschlüsse des Stadtrates vom 4. d. M. über die Marktpreiskommission wurde zugestimmt (dieselbe besteht aus den Herren H. Keßler, W. Römheld, sowie den beiden Quartiervorstehern Schneider und Schaaf); 13. desgleichen dem Beschlüsse des Stadtrates, betreffend eine Entschädigung von 50 Mk. für außerordentliche Dienstleistungen des Rats- Assistenten I. K e r st e n bei Gelegenheit der städtischen Wahlen. — 14. Die Beschlußfassung über die Verpachtung einer 3 qm großen Grundfläche am Bar- füßerthor wurde zur Prüfung der Frage ob sich die betreffende Stelle nicht zur Anlage einer städtischen Bedürfnisanstalt eignet ausgesetzt und zu diesem Zwecke eine Kommission bestehend aus den Herren Friedrich Siebert, Heinrich Siebert und Georg Schott gewählt. — 15. Dem Stadt- ratsbeschlusse, betreffend Reinhaltung der Schulzimmer des Realprogymnasiums resp. der Bewilligung eines Betrages von 90 Mk. zu diesem Zwecke wurde zugestimmt. — 16. Die Beschlußfassung über Aufnahme eines Rechtsstreites, betreffend die Verlegung des Fahrthores am Arculariusschen Garten, dagegen wurde ausgesetzt und zur Vorprüfung dieser Angelegenheit eine Kommission bestehend aus den Herren F. Siebert, Gleim, Dr. Wolff, Dr. Westerkamp, G. Schott und H. Siebert gewählt. — Weiter erfolgte 17. die Vorlage der Kassenabschlüsse pro März, der Kämmereikasse, der Spar- und Leihbank.
Marburg, 11. April. Der heuttge Pferdemaikt nahm einen über Erwarten günstigen Verlauf. Angetrieben waren ca. 150 Pferde, von denen etwa 30 Stück verkauft und 5 vertauscht wurden. Der Zutrieb der Tiere war so stark und der Handel so lebhaft, daß neben dem als Marktplatz zur Verfügung stehenden städtischen Holzhofe «och ein Teil
des angrenzenden Kämpfrasen in Benutz genommen werden mußte.
Marburg, 10. April. (Strafkammer.) In heuttger Sitzung erfolgte die Aburteilung eines Mannes, welcher im Jahre 1886 als Vormund ca. 800 Mk. Mündelgelder unterschlug, dann nach Amerika flüchtig ging, im vorigen Jahre jedoch von dort wieder zurückkehrte und sich dem Gericht freiwillig zur Verfügung stellte. Es war dies der 37 Jahre alte Schlosser Karl Mann aus Weidenhausen bei Gladenbach. Derselbe wurde im Jahre 1882 zum Vormunde der 3 minderjährigen Kinder des verstorbenen Formers Karl Müller daselbst bestellt und verpflichtet und wird nun in der heutigen Anklage beschuldigt: in den Jahren 1882—1885 1. unter einer von ihm eingereichten Vormundschaftsrechnung die zu derselben erforderliche Anerkennung des Gegenvormundes fälschlich selbst angefertigt und zum Zwecke der Täuschung davon Gebrauch gemacht, und 2. während dieser Zeit 795,50 Mk. Vormundschaftsgelder, welche er in Gewahrsam hatte, sich rechtswidrig angeeignet zu haben. Mann bekannte sich in vollem Umfange schuldig, macht jedoch zu seiner Entlastung geltend, daß er nur infolge Krankheit in seiner Familie sowie eingetretener Ueberschuldung zur Unterschlagung der Gelder veranlaßt worden sei. Da letztere Angaben durch die Beweisaufnahme ihre Bestättgung fanden und weiter das von dem Angeklagten veruntreute Geld bis auf einen Restbetrag von 133 Mk. bereits wieder gedeckt worden ist, so nahm das Gericht das Vorhandensein mildernder Umstände an und erkannte auf eine Gesamt-Gefängnisstrafe von 4 Monaten.
Homberg, 10. April. Heute fand Hierselbst die Konfirmation von Zöglingen der Taubstummen- Anstalt statt. Die Zahl derselben betrug 14. — Heute haben wir hier Gewitter.
Hersfeld, 10. April. Heute nachmittag gegen 3 Uhr zog das erste Gewitter über unsere Stadt, welches mit seinem nachfolgenden Regen dem ziemlich gut besuchten Ostermarkt ein rasches Ende bereitete. (H. Ztg.)
Breitenbach am Herzberg, 7. April. Heute fand bei außergewöhnlich gefüllter Kirche die feierliche Einführung des auf Präsentation bestellten Herrn Pfarrers Damm aus Wichdorf durch die Herren: Superintendent Heußner von Ziegenhain, Metropolitan Gleim und Pfarrer Reismann von Neukirchen, dahier statt. Unter den zahlreichen Kirchenbesuchern des aus 5 Ortschaften bestehenden Kirchspiels sah man auch viele Teilnehmer aus Nah und Fern, sowie auch unseren Königlichen Landrat Herrn Baron von Schwertzell aus Ziegenhain. Unter Zugrundelegung des Textes: Epheser 2, Vers 18—22 hielt Herr Pfarrer Damm eine recht zu Herzen gehende Predigt, worauf die Gemeinde 3 Verse von dem Liede Nr. 430 fang. Sodann sprach Herr Superintendent Heußner ein erhebendes Gebet und hielt eine längere, tiefergreifende Rede, welche von vielen Anwesenden rührenden Herzens ausgenommen wurde. Rach abgelegtem Gelübde seitens des Herrn Pfarrers Damm hieß ihn Herr Metropolitan Gleim namens der Klasse Neukirchen willkommen, worauf Herr Pfarrer Reismann feinen Glückwunsch darbrachte. Zum Schluß sang die Gemeinde die beiden Verse vom Liede 430 und wurde dieselbe hierauf mit dem Segen entlassen. Wir wünschen unserem neuen Seelsorger reichen Segen in seinem Amte.
Fulda, 9. April. In unserer Nachbarfiadt Hersfeld wurde kürzlich ein Mädchen aus dem Dorfe Wüstefeld, welches im vorigen Herbst infolge eines Schreckens die Sprache verloren hatte, dadurch geheilt, daß man es unversehens unter eine kalte Douche brachte. Der Schreck hierüber gab der Stummen die Sprache wieder.
Hana«, 9. April. Gestern stand der bereits viel bestrafte berüchtigte Hotelmarder Kaufmann Tenzcr von Graudenz vor den Schranken der Strafkammer. Wegen wiederholter Fluchtversuche hatte die hiesige Gefängnisverwaltung ganz außeroroentliche Vorsichtsmaßregeln treffe« und sogar einen Militärposten vor der Zelle aufbieten müssen. Der Angeklagte, welcher außerdem von den Gerichten in Frankfurt, Magdeburg und Braunschweig ebenfalls wegen Hoteldiebstählen verfolgt wird, ist kürzlich wegen verschiedener verübter Betrügereien in Schwäb. Hall zu 4 Jahren und 1 Monat Zuchthaus verurteilt worden. Hier ist der Angeklagte beschuldigt, in einem hiesigen Hotel einem Reisenden der Firma Gebr. Stollwerk in Köln aus dessen Zimmer eine Reisetasche, in welcher sich neben Geschäftsbriefen und sonstigen Gegenständen ohne großen Wert auch zwei Sparkassenbücher über in Darmstadt und Köln eingezahlte Gelder im Gesamtbeträge von 1320 Mk befanden, entwendet zu haben. Ferner wird dem Tcnzer eine Urkundenfälschung und eine Sachbeschädigung zur Last gelegt. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten, zusätzlich der in Schwäb. Hall erkannten Strafe, in eine Gesamtzuchthaus- strafe von 7 Jahren, 10 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht.
Giesten, 10. April. Gestern wurde eine Frau aus Fronhausen, welche mit sogenannten Nüßchen hier hausieren ging, noch rechtzeitig ertappt, als sie das Portemonnaie mit Inhalt aus der Tasche eines im Korridor hängende« Kleides entwendet, und sich damit entfernen wollte. Die Diebin wurde durch einen Schutzmann zur Polizeiwache gebracht und nachdem ihre Persönlichkeit festgeftellt, wieder ent
lassen und Anzeige gegen dieselbe erhoben. Au: diese Weise und gerade durch solche Hausierer, ist hier wohl schon mancher Diebstahl ausgeführt worden und dürfte den Bewohnern in dieser Hinsicht Vorsicht anzuraten sein.
Amtliche Nach richten.
Ernannt: der Regierungs-Assessor Dr. von Bonin bei der Königlichen Regierung in Cassel zum Regierungs-Rat, der Bergasseffor Salomon zu Habichtswald zum Bergaichmeister für die fiskalischen Braunkohlenwerke am Habichtswald und am Meisner, die Referendare Gunckel und Follgrabe zu Gerichtsassessoren, der Rechtskandidat Rall zum Referendar, der Königliche Oberförster Mehlburger in Ober- kauiungen zum Forstamtsanwalt bei dem Königlichen Amtsgerichte daselbst, der seitherige Probeführer, Schneider Ludwig Scharf definitiv zum Führer bei der Königlichen Erziehungs- und Besserungs-Anstalt zu Wabern, zu Gerichtsdienern die Stellenanwärter Steinhäuser bei dem Amtsgericht in Großalmerode. — Uebertragen: dem Regierungs - Assessor, Freiherr« von Dalwigk zu Lichtenfels vom 15. d. M. ab die kommissarische Verwaltung des Landratsamtes im Kreise Hünfeld. — Ueberwiesen: der Kataster- Landmesser Klauser, bisher zu Hilchenbach, der Königlichen Regierung Hierselbst. — Niedergelassen: der praktische Arzt Dr. Radig in Oedels- heim. — Versetzt: der Amtsrichter Kleemann in Steinbach-Hallenberg an das Amtsgericht in Hadamar, der Regierungs-Assessor, Graf von Görtz - Wrisberg von Gumbinnen an die hiesige Königliche Regierung. — Entlassen: auf Antrag der Gerichtsassessor Bauer behufs Uebertritts in den Fürstlich Schwarz- burgischen Staatsdienst, der Referendar Hermann Mertens II. aus dem Bezirke des Oberlandesgerichts zu Cassel behufs Uebertritts in den zu Celle. — Verliehen: den Domänenpächtern August Freiherrn Grote zu Trendelburg, Ludwig Spamer zu Kinzig- heimerhof, Helwig Heidt zu Schafhof bei Ziegenhain und Georg Wilhelm Suntheim zu Eichhof bei Hers- seld der Charakter „Königlicher Oberamtmann", dem Gerichtsdiener Beinig in Salmünster aus Anlaß seines Dienstjubiläums das Allgemeine Ehrenzeichen. — Pensioniert: der Förster Himmelmann zu Crumbach in der Oberförsterei Wellerode vom 1. Juli d. I. ab.
Telegraphische Depesche«.
Berlin, 10. April. Die „Berl. Pol. Nachr." melden, die Einkommensteuernovelle dürfte nach Annahme parlamentarischer Kreise dem Abgeordnetenhause während der Osterpause zugehen. Die erste Lesung sei auf den 6. Mai in Aussicht genommen; außerdem ist mit Sicherheit die Vorlage des Gesetzes über die Verwendung der einbehaltenen Staatsleistungen, der sogenannten Sperrgelder zu erwarten. Man werde die Vorlage in dem festen Verttauen erwarten dürfen, daß die kirchlichen und staatlichen Interessen zu vollem Rechte gelangen.
Wie«, 10. April. Das Abgeordnetenhaus nahm den Gesetzentwurf betreffend den Bau einer Eisenbahn von Jaslo nach Rzeszow auf Staatskosten an und genehmigte, daß behufs Deckung der Kosten die der Regierung gehörigen Buschtiehrader Eisenbahn-Aktien Littr. B in Höhe bis zu 2300000 Fl. verkauft werden. Prinz Liechtenstein beanttagte mit Unterstützung von allen Seiten des Hauses, das Ersuchen an die Regierung zu richten, dieselbe möge dafür eintreten, daß Oesterreich - Ungarn auf den Antrag der Schweiz wegen internationaler Regelung des Arbeiterschutzwesens eingehe. — Der Abgeordnete Pfarrer Weber hat sein Mandat niedergelegt.
Luxemburg, 10. April. Der Herzog von Nassau wurde an der Landesgrenze vom Staatsminister v. Eyschen willkommen geheißen, der ihm für den dem Lande geleisteten Dienst dankte und den Wunsch aussprach, das Haus Nassau möge in dem neuen Vaterlande gedeihen und glücklich sein. Der Herzog dankte, indem er seinen herzlichen Sympathien für das Land Ausdruck gab. Während der ganzen Fahrt waren auf allen Stationen große Volksmengen versammelt, die dem Herzog zujubelten, die Glocken läuteten und Böllerschüsse wurden gelöst. Auf dem hiesigen Bahnhofe empfingen Tausende den neuen Regenten mit begeisterten Kundgebungen. Derselbe trug die Uniform des Chefs der ehemaligen nassauischen Armee, der Erbprinz dagegen die österreichische Husarenuniform mit den Gcneralsabzeichen. In seiner Anrede beim Empfange des Staatsrares erllärte dessen Präsident gegenüber dem Herzoge, das Land sei glücklich, die Regenttchaft mit der Person des Kronerben vereinigt zu sehen, das sei die Fortsetzung der Union mit dem Hause Nassau, dem das Land lange Jahre des Glücks und der Freiheit verdanke. Nachdem der Regent die bereits gemeldete Erwiderung gegeben, trat er hinaus auf den Balkon, grüßte und dankte für die immer aufs neue wiederholten Zurufe der Menge. Zuletzt fand ein Vorbeimarsch der Freiwilligen - Kompagnie statt.
Luxemburg, 10. April. Der Herzog von Nassau ist heute um 2 Uhr nachmittags hier angekommen. Der Einzug in die Stadt gestaltete sich äußerst festlich. Die Bevölkerung bildete vom Bahnhof bis zum Schloß ein dichtes Spalier und begrüßte den Herzog fortwährend mit den Rufen. „Vive!" oder „Hoch!" Auch vereinzelte Rufe: „Vive le Regent!" wurden laut. Im Schlosse angelangt, wurde der Herzog von den Regierungsräten empfangen, worauf alsbald die Vorstellung des Kammerpräsidiums erfolgte. Später sand ein Diner
statt, zu welchem nur die nächste Umgebung zugezogen war. Beim Empfang des Staatsrats erklärte der Herzog, er bringe dem Lande seine ganze Sympathie entgegen und hoffe, in nicht ferner Zeit auch die des Landes zu erwerben. Er sei bereit, für das Glück des Landes den letzten Tropfen seines Herzblutes hinzugeben. — Nach der Ankunft des Extrazuges verließ zuerst der Herzog, dann der Erbprinz und darauf die Staatsminister den Salonwagen. Der Herzog trug Generalsuniform, der Erbprinz die Generalsuniform der österreichischen Kavallerie. Auf dem Perron war die Freiwilligen- Kompnagnie mit dem Musikkorps aufgestellt, welches die Volkshymne spielte. Der Herzog schritt die Front der Kompagnie ab und bestieg hierauf den ersten der bereitstehenden Wagen. Zu seiner Linken nahm der Erbprinz, auf dem Rücksitz der Staats- Minister Eyschen Platz. In fünf weiteren Wagen folgten die Mitglieder der Regierung und des Staatsrates, sowie der Adjutant des Herzogs und das übrige Gefolge.
Reichstag.
Berlin, 9. April.
Der Reichstag setzte heute die zweite Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend die Altersund Jnvaliditätsversicherung, bei dem zweiten Abschnitt (Organisation) fort. Die §§ 40 bis 50 wurden unverändert angenommen. Im § 51 (Staats- kommissar) wurde festgestellt, daß der Staatskommissar den Verhandlungen der Schiedsgerichte mit beratender Stimme beizuwohnen nicht befugt ist. Im Abschnitt III erhielt der erste Absatz des § 59, welcher lautet: „Jedes Schiedsgericht besteht aus einem ständigen Vorsitzenden und aus Beisitzern", auf Antrag des Abg. Grillenberger (Soz.-Dem.) einen Zusatz, wonach sowohl aus dem Kreise der Versicherten wie aus dem der Arbeitgeber die Zahl der Beisitzer mindestens zwei betragen muß. Der Abschnitt IV handelt von dem Verfahren. An den § 63 (Verfahren, in welchem die Ansprüche aus Rente geltend zu machen sind) knüpfte sich eine längere Debatte. Es lagen zu demselben verschiedene Anträge vor, welche namentlich darauf ausgehen, die gutachtliche Aeußerung der unteren Verwaltungsbehörde zu beseitigen bezw. zu beschränken. Das Resultat der längeren Debatte war indeß die unveränderte Annahme des § 63 nach den Beschlüssen der Kommission. Im übrigen gedieh die Beratung bis zum § 83 einschließlich und wurde nur noch in § 68 (die Revision betreffend) eine Aenderung beschlossen. Morgen: Fortsetzung der Beratung.
Landtag.
Berlin, 10. April.
Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich heute zunächst mit Petitionen von Justizsubalternbeamten, welche neben der Einführung des Systems der Alterszulagen bei den gerichtlichen Subalternbeamten auch um den Ausschluß der Militäranwärter von der Subalternbeamtenkarriere erster Klasse petitionieren. Die Petitionen wurden nach kurzer Debatte dem Anträge der Kommission entsprechend durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt und dann zur Beratung des Antrages der Abgg. Lassen und Johannsen (Dänen) wegen Aufhebung der Anweisung des Ober-Präsidenten der Provinz Schleswig-Holstein vom 18. Dezember 1888, betreffend den Unterricht in den nordschleswigschen Volksschulen, übergegangen. Nachdem der Anttagsteller Abg. Lassen den Antrag mit dem Hinweis darauf begründet, daß der Unterricht in der Volksschule nür mit Erfolg in der Muttersprache erteilt werden könne, erklärte sich der Herr Kultusminister im Interesse der Einheit des Staates für die Aufrechterhaltung der erwähnten Sprachen- Verordnung, die im Einvernehmen des gesamten Staatsministeriums erlassen worden sei und an der unentwegt sestgehalten werden solle. Nach kurzer weiterer Debatte wurde der Antrag abgelehnt. Darauf begründete Abg. Olzem (nat.-lib.) den von ihm und anderen Abgeordneten eingebrachten Antrag, betreffend die Beseitigung der fiskalischen Brückenzölle. Der Antrag wurde nach kurzer Debatte, in welcher sich die Vertreter der Regierung gegen denselben erklärten, der Budgetkommission zur Vorberatung überwiesen. Nächste Sitzung Dienstag, 30. Aprll, Mittags 12 Uhr (Petitionen; kleinere Vorlagen).
vermischtes.
— Ein entlassener Kommis eines Pariser Hauses zeigte aus Rache für eine ihm angeblich angethane Unbill der Newyorker Zollbehörde an, daß die Firma Spitzen, Gewebe, Gemälde rc., welche die Familie Vanderbilts, Robert Garrets, Orme Wilsons und anderer amerikanischer Millionäre in Europa bestellten, einzuschmuggeln pflegte. Der nicht gezahlte Zoll wurde dennoch den Betreffenden in Rechnung gestellt. Infolge dessen sind große Beschlagnahmen erfolgt. Der nicht gezahlte Zoll soll sich auf 250 000 Lollar belaufen.
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