Wöchentliche Beilage«: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchham. - Illustriertes Sonntaasblatt
Exprditieu: Markt 21. — Redaktion, Druck und »«lag von Iah. Lug. Koch. ö
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Erscheint täglich «e|« «n Btdteg« «ch &ran* mb Feiertag«. — Quartal-LdolmementS-Preis bei der Sxpe- Intimi 9‘Ä 8RL bei d« Postioüeru 3 Ml. 60 Pfg. (ritt, vestellgew). JusertiourgedLhr für die gefpaltme Zeile HO Mq.. Reklamen für die Zeile 35 Pfg.
Marburg,
Freitag, 12. April 1889.
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XXIV. Jahrgang.
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Deutsches Leich.
Berlin, 10. April. Der „Reichs - Anz." veröffentlicht die Bekanntmachung der Reichskommission von gestern, wonach das Verbot der Nummer 65 und des ferneren Erscheinens der .Volkszeitungaufgehoben wird. — Die „Nordd. Allg. Zig." kommt anläßlich der Nachrufe über den jüngst verstorbenen Grafen Peter Schuwalow auf die wiederholt vom Reichskanzler gegebene Darstellung zurück, daß der erste und eigentliche Bevollmächtigte Rußlands auf dem Berliner Kongreß nicht der altersschwache Gortschakow, sondern Schuwalow war, und daß Kaiser Alexander sehr befriedigt war über die Resultate, welche dieser sein Vertrauensmann auf dem Kongreß mit Hülfe der rückhaltslosen deutschen Unterstützung erzielte. — Bei der Bedeutung, welche in der gegenwärtigen Erörterung die Frage der Umgestaltung der Verhältnisse der Reichsbank und der Notenbanken überhaupt einnimmt, wstd in den .Berl. Pol. Nachr." eine Uebersicht über diejenigen Banken gegeben, welche noch zur Ausgabe von Banknoten berechtigt sind: Als das Bankgesetz vom 14. März 1875 erlassen wurde, gab es solcher Banken 33, deren ungedeckten Notenumlauf 385 000 000 Mk. betrug. Davon haben inzwischen auf die Befugnis zur Notenausgabe verzichtet : die Ritterschaftliche Privatbank tn Pommern (Stettin), die Bank des Berliner Kassenvereins, die Kommunalständische Bank für die Oberlausitz (Görlitz), die Landgräflich hessische konzessionierte Landesbank, die Leipziger Bank, die Rostocker Bank, die Weimarsche Bank, die Oldenburgische Landesbank, die Mitteldeutsche Kreditbank in Meiningen, die Privatbank zu Gotha, die Anhalt-Dessauische Landesbank, die Thüringische Bank (Sondershausen), die Geraer Bank, die Niedersächsische Bank (Bückeburg), die Lübecker Privatbank und die Kommerzbank in Lübeck. Der diesen Banken zustehende Anteil an dem Gesamtbeträge des der Steuer nicht unterliegenden ungedeckten Notenumlaufs ist gemäß § 9 des Bankgesetzes dem Antelle der Reichsbank zugewachsen, und erfuhr der letztere dadurch eine Steigerung von 259 Mill. Mark auf 274 834 000 Mk. Die letzte Bank, deren Notenbetrag in Höhe von 1251 000 Mk. vor noch nicht langer Zeit der Reichsbank zuwuchs, war die Kölnische Privatbank. Gegenwärtig sind zur Notenausgabe demnach nur noch 16 Banken berechtigt, und zwar: die Rerchsbank, die Städtische Bank zu Breslau, die Magdeburger Privatbank, die Danziger Privat - Aktienbank, die
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[Nachdruck verboten.)
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Erzählung aus vergangenen Tag« «Fortsetzung.)
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Die Kräfte der Maichesa waren erschöpft, und wiederum gegen die Kissen finkend, schlossen fich ihre lugen und sie verlor das Bewußtsein. Der Coute rief die Kammerfrau herbei und herab sich in den Garleusaal, um deu Erfolg von deren Bemühungen Äzuwarteu. Nach einer Weile kam diese zu ihm, tti ihm mitzuteilen, daß ihre Herrin »och nicht wieder aus ihrer Ohnmacht erwacht sei und sie es für thre Pflicht halte, den Fawiltenarzt hole» zu leffen. Sie habe schon den Auftrag gegeben, den Sagen auzuspauueu.
,So werde ich ihn benutzen und den Arzt der «archesa oder wenn er verhindert sein sollte, einen wideren schicken*, sagte der Coute und fuhr nach wrntgeo Minuten nach Neapel, wo er glücklicherweise be» Hausarzt der Familie Colonna in seiner Wohnung das und bereit fand, fich sogleich nach deren Be- sttzungeu zu begeben.
Der Marchese kehrte erst gegen Morgen von stivem Ausfluge mit dem König heim. Auf feine Frage nach dem Befinden seiner Gemahlin, über das e täglich mehrfach Nachricht erhielt, antwortete traurig «vd ausweichend der langjährige Haushofmeister:
.Ach Marchese, der Zustand uuserer verehrten "tbteteiin hat sich schnell verschlimmert.*
Der Marchese erschrak und fragte:
.Es ist doch keiueLebensgefahr vorhanden, Jakobo?' .Die Marchese ist schon zum ewigen Leben ein. ttgangtn*, erwiderte dieser bewegt. .Ein Herzschlag, sie bei einem Besuch deS Coute Locarno betroffen am Abend im Beisein deS Arztes, der in der "tlla geblieben, fich nochmals wiederholt.*
»Ist der Coute in der Villa gewesen?* unter» Mch ihn der Marchese nud eine Ahnung sagte ihm, ™ welcher Angelegenheit.
Provinzial - Aktienbank des Großherzogtums Posen, die Hannoversche Bank, die Frankfurter Bank, die Bayerische Notenbank, die Sächsische Bank zu Dresden, der Leipziger Kassenverein, die Chemnitzer Stadtbank, die Württembergische Notenbank, die Badische Bank, die Bank für Süddeutschland, die Braunschweigische Bank und die Bremer Bank.
— lieber den neuen Kriegsminister, der bisher das Amt des Gouverneurs von Straßburg bekleidete, entnehmen wir der .Straßburger Post" folgende Angaben: So sehr man davon überzeugt ist, daß die Wahl des Kaisers auf einen zum Kriegsminister geeignetem Offizier gar nicht hätte fallen können, aus dem einfachen Grunde, weil General v. Verdy eben der geeignetste ist, so sehr bedauert man natürlich hier den Weggang des in den weitesten Kreisen ebenso hochgeachteten als beliebten Gouverneurs, der militärische Schneidigkeit mit wohlwollender Berücksichtigung der bürgerlichen Interessen der Bevölkerung sehr wohl zu vereinigen wußte. Julius v. Verdy du Vernois, der Sprößling einer ursprünglich französischen altadeligen Familie, die in Deutschland eine zweite Heimat gefunden, ist am 19. Juli 1832 in Freistadt in Schlesien geboren, wird also in diesem Sommer 57 Jahre alt. Er steht mithin in der Vollkraft des reifsten, leistungsfähigsten Mannesalters. Im Kadettenkorps erzogen, trat der junge Verdy mit 18 Jahren als Secondeleutnant in das 3. Pommersche Infanterie-Regiment Nr. 14 ein. Im Jahre 1861 wurde er zum Hauptmann, 1866 zum Major ernannt. Den Feldzug machte er im Generalstabe des Oberkommandos der 2. Armee mit; nachher wurde er in den Großen Generalstab versetzt, in welchem ihn das Jahr 1870 zum Abteilungschef vorrücken ließ. Im Jahre 1876 wurde Oberst v. Verdy zum Generalmajor, 1879 zum Direktor des Allgemeinen Kriegsdepartements im Kriegsminifterium, 1881 zum Generalleutnant, 1883 zum Kommandeur der 1. Division (in Königsberg), 1887 zum Gouverneur von Straßburg ernannt. Der 14. April 1888 brachte ihm die Beförderung zum General der Infanterie und der 8. April 1889 die Ernennung zum preußischen Kriegsminister. Verdy ist, wie alle Offiziere, die neben und unter ihm gestanden, noch heute rühmen, stets ein tüchtiger Frontoffizier gewesen; aber der Schwerpunkt seiner militärischen Thätigkeit und die Bedeutung seiner militärischen Tüchtigkeit liegen auf andern Feldern: auf dem militärwissenschaftlichen und dem Verwaltungsgebiete. General v. Verdy ist einer unserer ersten Militärschriftsteller und einer unserer ersten
Dcr Diener erzählte ausführlich, was er in der Sache wußte und nachdenklich und doll Spannung hörte ihm sein Gebieter zu. Don» teilte er ihm auch mit, daß ein Mann an8 der Stadt . ... gekommen sei und ihn dringend in wichtiger Veranlassung zu sprechen gewünscht habe. Als er seine Abwesenheit erfahren, habe er erklärt, am folgenden Morgen wtederkommen zu wollen.
.Hat er keine Andeutung gemacht, weshalb er mich so dringend zu sprechen begehrt?* sagte der Marchese, dessen Gesichtszüge einen erregten Ausdruck genommen.
.Nein, Marchese', antwortete der Diener, .doch hat er gesagt, daß seine Mitteilung nur für Sie bestimmt sei.*
Der Marchese war überzeugt, daß der Mann seines Sohnes wegen gekommen, doch weit entfernt zu ahnen, was diesem zugestoßeu sei. Da er nicht antwortete, fuhr Jacobo fort:
.Der Coute ist ebenfalls hier gewesen/ Marchese, und da auch er dringend eine Unterredung mit Ihnen wünscht, wird er fich ebenfalls morgen wieder einfiuden."
.Ich will beide sehen, ehe ich nach der Villa hinausfahre*, verfitzte nach momentaner Pause so ruhig wie möglich der Marchese, obgleich die größte Angst und Sorge um seinen Sohn fich seiner bemächtigt hatte. Daun entließ er seinen Diener mit der Weisung, in einer halbe» Stunde seiner weiteren Befehle gewärtig zu sein.
Die traurigen Ereignisse der letzten Zest, besonders aber der unerwartete Tod feiner von ihm hochgeschätzten Gemahlin hatten den Schlaf von feinen Augen fern gehalten und frühzeitig schon erscholl feine Glocke durch den fast totenstillen Palast. Kaum hatte er sei» Frühstück eingenommen, als der Mann ans der Stadt.....der Kutscher Paolo» gemeldet
und sogleich zu ihm geführt ward, der Diener aber den Auftrag erhielt, jede,Störung abzuweifen. Ebenso verständig wie gewandt, wachte Paolo den besten Eindruck aus den Marchese, dennoch war et einiger-
Gelehrten auf militärwissenschaftlichem Gebiete. Seiner Feder entstammen die Geschichte des 14. Infanterie-Regiments, die Studien über Truppenführung, die kriegsgeschichtlichen Studien nach der applicatorischen Methode, die Beiträge zum Kriegs- spiel, zu den Kavallerieübungsreisen und andere Werke von bleibende Wert, die vielfach bahnbrechend und umgestaltend gewirkt haben. Verdy hat — obwohl von Haus aus Infanterist — die erste Generalstabsübungsreise im Festungskriege geleitet ; Verdy ist der Urheber der Kavallerieübungsreisen, der systematischen Ausbildung höherer Truppenführer für den Festungskrieg und anderer wichtigen Einrichtungen gewesen; Verdy war überhaupt bei fast allen wichtigen Reformen, die das letzte Jahrzehnt auf militärischem Gebiete gebracht hat, bahnbrechend, leitend, beratend oder begutachtend thätig. Auch noch die letzten wichtigen Entwürfe, welche das jetzt abgelaufene Winterhalbjahr gezeitigt hat, sind nicht ohne seine gewichtige Mitwirkung zustande gekommen. Wenn wir dem noch hmzufügen, daß Verdy ein ebenso guter, formgewandter und schlagfertiger Redner ist, als ein ausdauernder Bureau- Arbeiter, so glauben wir selbst in diesen großen Zügen, die das Wesen und die Bedeutung des Mannes nur andeuten, nicht erschöpfen können, hinreichend dargethan zu haben, daß der General als Kriegsminister in der That der rechte Mann am rechten Platz genannt zu werden verdient.
Ansland.
Wie«, 10. April. Das Abgeordnetenhaus nahm heute mit Zweidrittel-Mehrheit das Wehrgesetz mit den Amendements des ungarischen Reichstages an. Die Erklärung des Antisemiten Türk, das österreichische Bündnis sei für Deutschland wertlos, rief entschiedene Proteste Pleners und des Landesverteidigungsministers hervor, welche allseitigen Beifall fanden. Rieger erklärte namens des Tschechenklubs sein Einstehen für das deutsch-österreichische Bündnis, welches eine Garantte des Friedens von Europa bilde. Fürst Liechtenstein, Graf Coronini und Steinwender wiesen hieraus ebenfalls die Aeußerung Türks zurück, welche Fiegl auch namens des Verbandes der Deutschnationalen verleugnet. Der Präsident erteilte schließlich Türk eine Rüge.
Bern, 10. April. Da bei der Beratung des Ausschusses des Nationalrates für den Auslieferungsvertrag mit Oesterreich-Ungarn sich Schwierigkeiten ergeben haben, beschloß der Nationalrat, die Beratung desselbm bis zur Junisession zu vertagen, maßen verlegen, wie er nach seinem ehrerbietigen Gruß seinen traurigen Bericht beginnen solle. Dies gewahrend, sagte der Marchese, zwar ernst und förmlich wie immer, doch in anfforbernber Weise:
„Laßt mich Eure Mitteilungen, wegen welcher Ihr mich so bringenb zu sprechen gewünscht, hören.*
Im Bewußtsein beS ihm geworbenen wichtigen Auftrags, hatte aber Paolo schon seine ganze Fassung wiedergewonnen und berichtete in kurzen, klaren Worten, wie er den jungen Marchese und seinen Diener Federigo kenne» gelernt, waS er mit ihnen erlebt, und in welcher Angelegenheit er von ersterem
Neapel gesandt sei. Der Marchese hörte ihm ohne Unterbrechung zu, kein Zug seines ernsten, stolzen Gesichts verriet feine Gedanken und Gefühle bei der Vorstellung alles deflen, waS fein Sohn deS jungen Mädchens wegen, mit der er sich verlobt, unternommen und ebenfalls bei der ihm immer klarer werdenden Gewißheit, daß feine nun verstorbene Ge- mablin, deren unerwartete Erkrankung und plötzlicher Tod er sich nicht hatte erklären können, wie auch ihr Verwandter, de» er nur nm ihretwillen geduldet, der Sache näher gestanden. Dem jungen Mädchen, das feines SohueS wegen eine so schreckliche Verfolgung erlitt, konnte er einige Teilnahme nicht versagen. In hohem Grade peinlich war eS ihm, daß sein Sohn als Verwundeter und teilweife Gefangener in einem Hospital untergebracht war, doch wußte er zu feiner Beruhigung, daß es ihm leicht sein würde, die Sache gütlich beizulegen. Da er seiner Stellung, mehr noch deS Todesfalles wegen nicht reifen konnte, wollte er geeignete Personen schicken, welche sich der Pflege seines Sohnes annehmen sollten. Sich dessen treuen Dieners erinnernd, erkundigte er fich nach ihm und Paolo berichtete:
.Federigo ist bald hergestellt, Marchese, doch darf er feinen Herrn nicht besuchen. Es würde diesem gewiß eine große Beruhigung fein, könnte er ihn um sich haben!'
Die eingetretene Panse unterbrechend, sagte der
Paris, 10. April. Die Kammer wird sich am Donnerstag bis Mitte Mai vertagen angesichts der Unmöglichkeit, das Budget vor Ostern burchzuberaten.
Luxenrburg, 10. April. Der Staatsminister und die übrigen Mitglieder der Regierung reisten heute vormittag dem Herzog von Nassau bis zur Grenzstation Wasserbillig entgegen. Staats- und Privat-Gebäude sind in Flaggenschmuck. Die Eidesleistung des Herzogs auf die Verfassung findet morgen nachmittag 3 Uhr vor der versammelten Kammer statt.
London, 10. April. Im Unterhause brachte der Deputierte Clark gestern eine Resolution ein, worin die Errichtung eines schottischen nationalen Parlaments zur Verwaltung und zur Konttolle der schottischen Angelegenheiten für wünschenswert erklärt wird. Der Generalsekretär für Irland, Balfour, bekämpfte den Antrag namens der Regierung und betonte, Schottland wünsche kein separates Parlament, denn es blühe unter der Union. Der Antrag ClarkeS wurde hierauf mit 200 gegen 79 Stimmen abgelehnt.
Sofia, 10. April. Die ehemaligen Minister Radoslawoff, Jovantuar und Jovantchnoff, welche wegen Veröffentlichung von beleidigenden Aeuße- rungen über den Fürsten Ferdinand vor Gericht gestellt waren, sind je zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden.
Bukarest, 10. April. Florescu lehnte die Bildung des Ministeriums ab. Darauf berief der König aufs neue Catargiu.
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Marburg, 11. April. (Gemeinde-Ausschußsitzung.) Anwesend waren 21 Mitglieder. Herr Außschußvorsteher Siebert eröffnete diese erste Sitzung des neugewählten Körpers mit dem Wunsche, daß die Verhandlungen desselben in der kommenden Amtsperiode der Stadt zum Segen gereichen möchten und gab der Versammlung hiernach Kenntnis von dem seitens der Kgl. Regierung in Cassel den Ausschußmitgliedern I. Hösner und H. Klee bewilligten Dispens von den Bestimmungen des § 44 der Gemeindeordnung, nach welchen Schwiegervater und Tochtermann nicht gleichzeitig Mitglieder iw Gemeinde-Ausschüsse sein können. Die Erledigung der Tagesordnung fand dann in nachstehender Reihenfolge statt. 1. Zum Schriftführer für die laufende Amtsperiode wurde Herr Professor Dr. Westerkamp, zu dessen Stellvertreter Herr Buchhändler Braun gewählt. — 2. Die Geschäftsordnung der vorigen Periode wurde bestätigt, jedoch mit dem von Herrn Schott beantragten Zusatze, der Ausschußvorsteher
Marchese: «Da mein Sohn Euch so viel Vertrauen geschenkt und Ihr Euch deffeu würdig gezeigt, so will auch ich Euch das weinige beweisen und hoffe, Ihr werdet uuS ferner treu und verschwiegen dienen.'
»Sie können stets auf weine Ergebenheit und Verschwiegenheit bauen, Marchese*, erwiderte ruhig Paolo.
»Nun wohl, so hört, was ich Euch zu sagen habe und führt meine Aufträge genau aus. Ihr habt vielleicht von der Dienerschaft gehört, daß gestern abend die Marchesa gestorben ist. DieS darf augenblicklich mein Sohn nicht erfahren, doch könnt Ihr eS Federigo mitteilen. Fahrt so bald wie möglich zurück und geht mit dieser Karte--* hi» erhob
fich der Marchese, nahm eine solche aus feinem Schreibtisch hervor, auf die er einige Worte schrieb, sie in ein Seubert steckte und es Paolo übergab — »ß» dem Polizeipräfekten der Stadt und man wirb ®udj und Federigo schon zu meinem Sohne gehen laffen. Sagt ihm, daß Ihr mich gesprochen, feine Mutter aber in der Villa sei, er in den nächsten Tagen wieder von mir hören werde und in jeder Beziehung ruhig fein solle.*
Als Paolo das Wohugemach des Marchese ver- laffen, stand dieser einige Augenblicke mit uwdüstertem Gesicht da, dann die Klingel ziehend, trug er dem eintretenben Diener ans, anspannen zu lassen und fich bereit zu halten, ihn sogleich nach der Villa zn begleiten. 818 bald darauf der Diener den Wagen meldete, sagte er auf einen Brief deutend:
.Gib den an Pietro, damit er ihn dem Coute einhäudigt, wenn er kommen sollte", und, bereits zur Fahrt gerüstet, nahm er bann in seinem Wagen Platz und begab fich nach der Villa hinaus, wo seine Gemahlin, die der Tod so schnell von seiner Sette ge» rissen, als Leiche lag.
Kaum hatte er seinen Palast eine halbe Stunde verlassen, als der Coute erschien, und dies mit nicht geringem Befremden erfuhr.
(Fortsetzung folgt)