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Köchentlichc Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg md Kirchhain. — Illustriertes Sonntagsblatt-
Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Berlag von Joh. lag. Koch.
M 61.
Erscheint täglich aatza «n Lcrtl«^«» «ad, bona- und Feiertagen. Quartal-Ubom»emeut»-Prei- bei der Expedition 2«/, Ml-, bei den Postämtern 2 SH. 60 Pfg (exll. BesteklgÄ). Jusertion5gebLhl für dir gespaltene Zeile 10 Pfg. Reklamen für die Zeile 86 Pfg.
Marburg,
Mittwoch, 13. März 1889.
Unzeigei, nimmt entgegen die Expedition d Blatte«, sowie d. Annoueen-Bureaux von Haaseustein und Logier m Frankfurt a. «., Saffet. Magdeburg n. Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Kvlu; 9. L. Daube u. So. m Frankfurt a. WL, Berlin, Hannover. Paris.
XXIV. Jahrgang.
veröffentlicht folgende Danksagung: „Gelegentlich les Tages meiner vollendeten 70jährigen Dienstzeit ind mir so überaus zahlreiche Glückwünsche zuge- ;angen, daß es mir unmöglich ist, dieselben einzeln ju beantworten. Ich bitte deshalb alle diejenigen, )ie freundlich meiner gedacht haben, besonders auch )ie verschiedenen studentischen Vereinigungen, auf üesem Wege meinen aufrichtigen Dank entgegen rehmen zu wollen." — Die Studentenschaft der 3 Berliner Hochschulen hatte beabsichtigt, dem Feld- narschall Grafen v. Moltke zu seinem 70jährigen Dienstjubiläum eine größere Ovation in Gestalt nnes Fackelzuges und eines Kommerses darzubringen. Da der Jubilar jedoch auf die Anfrage einer äudenttschen Deputation, ob er dieselbe annehmen würde, davon abzustehen bat, hat die gesamte Berliner Studentenschaft ihrem Glückwünsche durch eine Adresie Ausdruck gegeben, welche gestern dem Feldmarschall durch eine Deputation, bestehend aus je einem Vertreter der 5 Berliner Hochschulen, in studentischem Wichs überreicht wurde. Das Titelblatt dieser Adresse zeigt auf hohem Sockel die Germania, die Büste Moltkes mit einem Lorbeerkranz schmückend, am Fuße des Sockels die Vertreter der Berliner Hochschulen in Wichs mit gezogenem Schläger dem Jubilar huldigend. Die höchst kunstvolle Adresse ruht in rehbraunem Lederumschlage, der das Wappen Moltkes trägt. — Die Kommission des Reichstages für die Alters- und Jnvaliditätsversicherung nahm heute die §§ 8—12 nach den Vorschlägen der „freien Kommission" an, welche gegen die Beschlüsse der ersten Lesung nur unwesentlich verändert sind. In 8 13 wurde folgender Absatz eingefügt: „Die Dauer einer Krankheit ist nicht als Beitragszeit in Anrechnung zu bringen, soweit sie ununterbrochen länger als ein Jahr gewährt hat, ferner wenn der Beteiligte sich die Krankheit vorsätzlich oder durch schuldhafte Beteiligung bei Schlägereien oder Raufhändeln, durch Trunkfälligkeit oder geschlechtliche Ausschweifungen zugezogen hat." § 13a wurde nach den Vorschlägen der „freien Kommission" angenommen. Derselbe trifft Bestimmungen darüber, durch welche Behörden die Krankheit zu bescheinigen ist. Auch § 14, welcher von der Ausbringung der Mittel handelt, wird nach dem Komvromißantrage genehmigt, nachdem ein Antrag, den Reichszuschuß zu streichen, abgelehnt war. In § 15, welcher von der Höhe der Beiträge handelt, wird folgende Bestimmung ausgenommen: „Die Höhe der Beiträge ist unter Berücksichtigung der infolge von Krankheiten entstehenden Ausfälle so zu bemessen, daß
durch dieselben die Verwaltungskosten, die Rücklagen zur Bildung eines Reservefonds, sowie der Kapitalwert derjenigen der Versicherungsanstalt zur Last fallenden Rentenansprüche gedeckt werden, welche in dem betreffenden Zeitraum für die Versicherungsanstalt voraussichtlich entstehen werden."
Meiningen, 9. März. Der seit dem 4. März hier wieder versammelte Landtag hat außer der Rechnungsprüfung aufs Jahr 1886 und einigen kleineren Angelegenheiten von hauptsächlich heimatlicher Bedeutung auch einige Vorlagen von allge- memerm Interesse zu erledigen. Hierzu gehören: die neue trigonometrische Vermessung des Herzogtums, welche vom preußischen Generalstab ausgeführt wird und einen diesseitigen Staatsbeitrag von 11 207 M. erfordert; ferner die Verwilligung von rund 47 000 M. zu Bauten der Gesamtuniversität Jena und von 10 000 Mk. zu Eisenbahnvorarbeiten; endlich ein Gesetzentwurf zur Ergänzung des Volksschulgesetzes hinsichtlich der Stellung der Lehrerinnen. Nach dieser Vorlage können außer den weiblichen Arbeiten auch andere Unterrichtsfächer sowie der gesamte Klassenunterricht — letzterer nur für Kinder in den ersten drei Schuljahren — an Lehrerinnen übertragen werden, welche sich über ihre Lehrbefähigung ausgewiesen haben. Es werden je nach ihrer Stellung zeitweilig und fest angestellte Lehrerinnen unterschieden. Die feste Anstellung erfolgt nach dreijähriger untadeliger Führung eines öffentlichen Lehramts. Die Besoldung der Lehrerinnen und deren Ruhegehalt sollen 75 Prozent der Lehrerbesoldung betragen. Eine Lehrerin, welche sich während ihrer Dienstzeit verheiratet, verliert hiermit den Anspruch auf ihre bisherige Stelle und auf Ruhegehaltsberechtigung; ersterer kann ihr jedoch mit Genehmigung der Oberschulbehörde belassen werden.
München, 11. März. Anläßlich des Geburtstages des Prinzregenten erhielt Fürst Fugger-Babenhausen den St. Hubertusorden, der Justizmmister Frhr. v. Leonrod den St. Michaelsorden 1. Kl., der diesseitige Gesandte Frhr. v. Niethammer in Dresden den St. Michaelsorden 2. Kl., Hofkapellmeister Levi den Titel „Generaldirektor".
Darmstadt, 9. März. Die gestrige Sitzung der Zweiten Kammer war in zwei Richtungen von weitergehender Bedeutung. Auf dem vorigen Landtag hatten die Stände bei Beratung des Hauptvoranschlags die großherzogliche Regierung ersucht, sofern dies ohne Wiedereinführung der Bezettelung möglich sei, eine gesetzliche Heranziehung des Privatweinverzehrs zur Weinsteuer ins Auge zu fasten.
Der Reichstag
vird nach langer Pause nunmehr seine Arbeiten meder aufnehmen und damit werden hoffentlich die sensationellen Klatschereien, die sich in der Zwischenzeit ungebührlich breit gemacht haben, ihr Ende erreichen. Man hatte ursprünglich die feste Absicht, die Session zu Ostern zu schließen, ist hiervon indessen abgckommen. Zunächst soll wenigstens der ernstliche Versuch gemacht werden, die Arbeiter- und Znvalidenvorlage jetzt noch zustande zu bringen und das ist eine Arbeit, die ihre drei bis vier Wochen ün Plenum des Reichstages vollkommen erfordert, dann aber ist der Beschluß der verbündeten Regierungen, dem gegenwärtigen Reichstage ein neues »der abgeändertes Sozialistengesetz zu unterbreiten, as Gewicht gefallen. Es scheint, als ob Fürst Wmarck wünsche, der Reichstag möge alle schwebenden Fragen erledigen, damit für die Neuwahlen zum Herbste reines Feld ist. Daß die allgemeinen Reichstagswahlen dann stattsinden, ist wohl als sicher heute schon anzunehmen. Der eigentliche Termin, zu welchem das Mandat des jetzigen Reichstages abläuft, der Februar 1890, ist ein äußerst ungünstiger, durch welchen die Arbeit der ganzen nächsten Session wesentlich gestört werden würde. Praktische Gründe erfordern also schon die Anberaumung der Wahlen für den kommenden Herbst, einen Zeitpunkt, gegen welchen auch sicher keine Partei etwas einzuwenden haben wird. Die Arbeit des Reichstages in seiner nun beginnenden zweiten Sessionshälfte wird wesentlich wichtiger fein als die in der ersten, in welcher die ostafrikanische Vorlage den Brennpunkt bildete. Mit Kolonialfragen wird sich der Reichstag kaum noch in dieser Session zu beschäftigen haben. Hauptmann Wißmann wird vor Ende April kaum seine ganze Kolonialtruppe beisammen haben und etwas trnstliches unternehmen können. Die Erfolge seines Zuges werden also aller Wahrscheinlichkeit nach erst die nächste Tagung des deutschen Parlamentes beschäftigen. Die Artillerievorlage und die Teilung der Marineverwaltung werden jedenfalls zu ausführlichen Erörterungen Anlaß geben, es kommen hier weitgehende, allgemeine Fragen mit ins Spiel. An der Bewilligung selbst ist nicht zu zweifeln. Nachdem der Reichstag in dieser Session schon die neuen Schiffsbauten bewilligt hat, wird er auch die Vermehrung der Geschütze und die Errichtung eines Marine-Oberkommandos genehmigen. Längere Arbeit wird auch die Abänderung des Genofsenschaftsgesetzes verursachen, über welche in der betreffenden Reichs
lagskommission eine erfreuliche Einigung erzielt worden ist.
Bei der hohen Bedeutung des Genossenschaftswesens für den deutschen Nationalwohlstand ist eine genaue Prüfung aller Detailbestimmungen geboten, und der Reichstag wird sicher darauf achten, daß der neue Rock, welcher dem- Genossenschaftswesen angezogen werden soll, auch gut sitzt, und nicht die natürliche Entwicklung verhindert. Eine große Anzahl von Anträgen liegen dem Haufe noch vor; ein gut' Teil davon ist.freilich von vornherein aussichtslos, immerhin wira der Reichstag für die sachgemäße Erledigung zu sorgen haben. Das Hauptstück der Beratungen bleibt die Alters- und Jnvalidenver- icherungsvorlage. In dem besonders wichtigen Punkte: Höhe der Rente und Beginn der Rentenzahlung hat die Mehrheit der Reichstagskommission nicht geglaubt, durchgreifende Aenderungen vornehmen zu sollen. Man nahm Rücksicht auf die obwaltenden Finanzfchwierigkeiten, und so ist denn auch der bereits gefaßte Beschluß, als Beginn der Rentenzahlung das 65. statt des 70. Lebensjahres hinzustellen, wieder umgestoßen. Es wäre zu wünschen, daß wenigstens dieser Beschluß wiederhergestellt würde, welcher das neue Gesetz wirklich einem größeren Teil der arbeitenden Bevölkerung lieb machen würde. Einfache Verwaltung und richtige Handhabung derselben erspart manches, und schließlich kann es auf eine Kleinigkeit mehr auch nicht ankommen. Die Ziffern der amtlichen Vorlage lassen befürchten, die Kosten würden zu groß werden. Die Zahlen allein find bei solchen Neueinführungen aber auch nicht immer maßgebend. Bei den Berufsgenossenschaften wurden seiner Zeit die Verwaltungskosten als sehr billig hingestellt, und heute ist es doch Thatsache, daß nur ein Teil der Genossenschaften billig arbeitet. Dort kommt alles auf praktische Einrichtung an, und bei der Altersversorgung wird es ebenso sein.
Irrrtsches Reich.
Berlin, 11. März. Am heutigen Vormittag erledigte der Kaiser zunächst Regierungsangelegenheiten, empfing darauf die Meldung des Direktors im königlichen Ober - Hofmarschallamte, Geheimen Regierungsrat Rau, und nahm sodann den Vortrag des Ober-Hos- und Hausmarschalls von Liebenau entgegen. — Mittags arbeitete der Kaiser einige Zeit mit dem Chef des Zivilkabinetts, Wirkt. Geh. Rat Dr. v. Lucanus, und hatte am Nachmittage von 12'/, Uhr ab eine längere Konferenz mit dem Reichskanzler Fürsten Bismarck. — Graf Moltke
Da ihm nicht daran liegen konnte, das Gespräch fortzufetzen, daS er nnr mit seiner Mutter zu führen beabsichtigt, so brach er eS ab, auch kehrte diese zurück uud zwar mit der Mitteilung eines in ihren Kreisen startgehabten wichtigen Ereignisses. Da nun die Vorgänge in der Hofgesellschaft für ihn »nd besonders jetzt von keinem Interesse waren, verabschiedete er sich bald, um für seinen am Abend anSzuführeuden Plan die erforderliche» Vorbereituugeu zu treffen.
Mit einbrechender Dämmerung begab er sich, begleitet von einem ihm bekannten Arzt, aus dessen Geschicklichkeit und Verschwiegenheit er rechnen konnte, nach der Villa Jsola, wo der Verabredung gemäß Marcella sie empfing uud, nachdem er fich mit ihr über diesen verständigt, iuS Leichenzimmer führte. Beim Anblick der Verstorbenen wich er erschrocken zurück; eine auffallende Veränderung war mit ihr vorgegaogen und schien die dunkle Färbung der Gesichtshaut auf keinen natürlichen Tod hinzudeutev. Seiner Aufforderung gemäß stellte sogleich der Arzt die Untersuchung an nnb voll ängstlicher Spannung warteten er wie Marcella ans deren Resultat und seine Aussage. Diese erfolgte auch nach einer Weile uud lautete dahin, daß Signora Alessandra einer Nervenlähmung erlegeu uud die alle» so bedenkliche» Anzeichen eine »atürliche Folge deS so plötzlich ein- getretenen TodeS seien.
Vollständig beruhigt »ahm »»» der Marchese Abschied von der Leiche derjenige», welche Angelas so tteue Verwandte und Beschützerin gewesen. Da er die Villa erst »ach beten Beerbtguug wieder auf« suche» wollte, so erteilte er Marcella verschiedene Aufträge an ihre junge Herrin, verließ mit dem Arzt daS Sterbehaus und beide kehrten nach Neapel zurück. Auf de» wie immer an den Ruinen vorüberführenden Heimweg erlebten ste nicht die geringste Störung uud begegneten auch in der vorgerückten Abendstunde keinem menschlichen Wese».
Im ersten Augenblick ihres tiefen Schmerzes empfand Angela noch nicht die ganz« Bedeutung ihres
großen Verlustes, zugleich auch nahm die Sorge für die Bestattuu» ihrer verstorbeueu Taute ihre Thättg- keit wie ihre Gedanke» in Anspruch. Diese fand auf dem Kirchhof des Klosters Santa Maria della Pieta statt, in dessen Kirche auch die Trauerfeier begangen worden, welcher Angela beigewohnt. Als unter beißeu Thräueu sie der letzten Pflicht gegen die teure Dahingeschiedene genügt, führte die Aebtissin sie in ihre Gemächer, um durch die Tröstungen der heiligen Religion ihre» Schmerz zu mildern nnb bem ver- waisten Mädchen den Vorschlag zu wachen, die erste Tranerzeit in Santa Maria zu verlebe«. Dies Anerbieten entsprach nnr zu sehr Angelas Wünschen und ihrer angeublicklicheu Seelenstiwmuvg, sie nahm cs daher mit tiefgefühltem Danke an, wünschte aber vorher »och einmal nach der Villa zurückzukehren, um mit Marcella die notwendigen Anordnungen für ihre längere Abwesenheit zu treffe». Auch GiovauuiS wegen mußte ste am Abend des Beerdigungstages dort auweseud sein, da er ihr für diese Zeit seinen Besuch hatte melden lassen. Ihre Liebe zu ihm hatte mit jedem Tage zugenommen, die Hochachtung vor seinem edlen Charakter war in dem Maße gestiegen, und ste fühlte nur zu gut, daß vou seinem Besitz dar Glück ihres Lebens abhing.
Seinem Versprechen gemäß erschien am Abend der junge Marchese in der Villa Jsola und fand in tiefe Trauer gehüllt Angela in dem so oft betretenen Wohnzimmer. Ihn erblickend, brach ste in heftiges Weinen ans, denn es fehlte ihrem Beisammensein diejenige, welche auch Giovanni wie einen Sohn geliebt. Er verstand ihren Schmerz und ihre Hand fassend, führte er sie nach gegenseitiger Begrüßung zu einem Sitz, wo er an ihrer Seite Platz nahm nnb in verebten Worten ihr seine Teilnahme bei ihrem großen Verlust aussprach.
(Fortsetzung folgt.)
^Nachdruck verboteu.j
Angela.
Erzählung aus vergangenen Tagen.
Fortsetzung.)
Die Gestalt gab ihm noch mehr Beruhigung, denn der Conte war größer als bie geheimnisvolle Erscheinung der Ruine». Um fich noch mehr vou feinem Irrtum zu überzeugen, beschloß er, eine direkte Frage an denselben zu richten und deren Wirkung zu beobachte». Die vorhandenen Gemälde gaben ihm Anlaß dazu und darauf hiudeuteud, sagte er:
»Sie haben hier fast alle berübwtesteu italienischen Äntnen, liebe Mutter, doch vermißt der Beschauer diejenige der nahegelegenen Festung Paluzzt, welche ohne Zweifel ebenfalls vou Künstlerhand dargestelll worden sind. Sie kennen sie natürlich ebenfalls, Conte?" wandte er sich daun plötzlich an diese».
,£), gewiß, MarchZe", erwiderte er unbefangen, »und ich finde, ste gehören zu unfern schönsten lieber- ttste» ehemaliger Baukunst!"
.Der Bogen", fuhr unverwandten Blickes Gio- banni fort, .welcher die beiden Felsen, die einen der Türme getragen, verbindet, und nach der andere» Seite hi» durch Tonueu und Cypresseu beschattet Wird, gewährt i» der Thal einen besonders malerische» Anblick. Als et» Gemälde aber müßte diese Partie voch durch menschliche Gestalten belebt werde», nnb die groteske» Figuren einiger Banbite«, bie zwischen den Mauerresten lauern, bereit, sich auf bie ahnungslosen Sauberer zu stürzen, ober auch eine ver- mummte, verstohlen hin- nnb herschreitende Gestalt, würbe gewiß dem Bilde einen besonderen Ausdruck verleihen 1"
Diese Erklärungen blieben ohne alle Wirkung •uf den Conte, welcher ruhig erwiderte:
„Sie entwerfen da wahrlich ein vollkommenes Gemälde, Marchese, nnb ich muß Ihre Fähigkeit dewnubern, mit der Sie Räuber und vermummte «tftalten zu verwendeu wissen!"
„Wirklich?"
,3a, tu der That!"
Die Marchesa war unterdes einem Diener gefolgt, welcher ihr eine» Brief überbracht und da ihr Verwandte ihrer Rückkehr harren zu wollen schien, ihr Sohn aber entschlossen war, seine Forschungen fortzusetzen, sagte er:
„Es scheint fast, daß, wenn auch die Palnzzi- rninen nicht von Räubern heimgesucht werden, sie dennoch vielleicht ähnlich gefährlichem Gesindel zum Aufenthalt dienen, denn ich bin in letzter Zeit selten daran vorübergegaogen, ohne eine vermummte G-stalt in denselben zu erblicke». Da ste stets so plötzlich erschien, wie ste meinen Blicken wieder entschwand, sollte man ste fast für eine übernatürliche Erscheinung halten!"
„Es wäre doch leicht zu untersuchen, ob Sie eine solche vor fich haben", entgegnete mit ruhigem Lächeln der Conte di Locarno.
„Dessen bedarf es nicht", antwortete mU einem forschenden Blick der junge Marn, „denn die Er. scheinung kann sprechen so gut wie Sie uud ich. Jedenfalls will ich genauere Bekanntschaft mit ihr machen, um ihr auf nachdrückliche Weise die Belästigungen zu verleiden, mit denen ste mich zu verschiedenen Zeiten beehrt hat."
„Das verdenke ich Ihnen nicht, Marchese", antwortete der Conte mit unveränderter Ruhe, „und ich würde unfehlbar dasselbe thuu, wenn mir auf meinen einsamen Wandernngeu ein solch menschliches ober überirbischeS Wesen entgegen träte."
Die vollkommene Unbefangenheit beS Conte ließ in Giovanni den Gedanken auf kommen, daß er fich mit feinem Argwohn ceirrt haben könne, unb er nicht beijenige fei, der trennend zwischen ihn und seine Eltern getreten. Dennoch aber konnte der weltgewandte Mann, der ihm nie sympathisch gewesen, fich verstellen und geeignete Helfershelfer haben und er beschloß, jetzt mehr denn je auf seiner Hut zu sein unb über Angela zn wachen.