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Köchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg mb Kirchhain. - Illustriertes Sonntaasblatt.
_____________________________________________________________________Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Lua. Koch. "
M 57.
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Marbnrg,
Freitag, 8. März 1889.
""Et emgege» die Expedition d Blatte«, ‘
von Haaseusteill nud Vogler
M Jahrgmg.
Dauben.ko.mFrankfurt a.M., Berlin,Hannover.Pari«.
Anserm Moltke.
Der erste General - Feldmarschall des deutschen Reiches und erste Feldherr unserer Zeit, Graf Hellmuth von Moltke, begeht am 8. März einen hohen Ehrentag, den Tag seines sicbenzigjährigen Dienstjubiläums und das ganz? deutsche Volk bringt seinem Moltke, dem Manne, welcher das Schwert Kaiser Wilhelms I. war, seine herzlichsten Glückwünsche dar. Sicher würde es dem großen Manne, der sich am die Errichtung des neuen deutschen Reiches unsterbliche Verdienste errungen, nicht an seiner würdigen Ovationen fehlen, aber mit der Bescheidenheit, welche ihn in seinem ganzen Leben hindurch ausgezeichnet hat, ist der greise Held allen persönlichen Huldigungen aus dem Wege gegangen. So erübrigt es denn der deutschen Nation, dem Manne, der zu ihren ersten Lieblingen zählt, schriftlich ihre Wünsche darzubringen und mit seltener Einmütigkeit werden diese laut werden. Unser Moltke, der einfache und bescheidene Mann, ist einer der wenigen großen Helden in der ganzen Geschichte, welche nirgends Feindschaft erweckt haben. Niemals hat @ra: Moltke versucht, aus seinem eigensten Gebiet herauszutreten und sich in den politischen Tagesstreit ein« panischen, jedem, auch dem, welcher politisch anders dachte als er, brachte er die größte und verbindlichste Liebenswürdigkeit entgegen und trat er im Reichstage als Redner auf, so galten seine Worte allein der Wohlfahrt und Größe seines Vaterlandes. Such in den Ländern, welche von seinem Genie be- fiegt worden sind, bringt man unserem Moltke nur Achtung entgegen, er gehört zu jenen, gegen welche selbst in französischen Blättern nie ein Wort des Tadels laut wird. Und so sagen wir an seinem K,rentage von unserem Moltke mit Recht: Ein stltenerFeldherr, aber ein nicht minder seltenerMensch!
Moltke ist der Weg zum Ruhme nicht leicht gewacht worden. Bor nunmehr siebzig Jahren trat R, der geborene Mecklenburger, in dänische Dienste, «t dieselben aber schon nach wenigen Jahren, da kin Fortkommen in Aussicht stand, mit den preußischen zu vertauschen. Aber auch dort stieg er lwgsam aufwärts und zweite die Hälfte der dreißiger Jahre verbrachte er gänzlich als Instruktor in tür- llschen Diensten. Konnte Moltke dort nicht so arbeiten, wie er wollte, so lag das nicht an ihm, son- knt an den verrotteten türkischen Zuständen. Erst lach seiner Rückkehr, nachdem er das vierzigste Lebens- ßchr überschritten, stieg er auf Grund seiner aner- kwnten Tüchtigkeit höher und höher, bis endlich der .»w
fast Sechszigjährige an die Spitze des Großen Generalstabes trat. Moltkes Thaten sind bekannt, sie brachten ihm die Würde des Generalseldmarschalls, den innigen Dank des wieder geeinten deutschen Volkes ein. Rastlos, unermüdlich hat unser Moltke bis in sein höchstes Greisenalter gearbeitet und wenn ihn nun im vorigen Jahre sein Alter zwang, sich die schwere Last der Geschäfte etwas zu erleichtern, die verantwortungsvolle Thätigkeit jüngeren Händen zu übergeben, so ist der Neunundachtzigjährige doch heute noch Kaiser Wilhelms II. erster Ratgeber in allen militärischen Fragen und Moltkes Wort wird heute noch mit hoher Achtung vernommen. Der greise Marschall hat sich aufrecht gehalten, trotzdem ihn das Vorjahr mit dem jähen Hinscheiden der beiden Kaiser schwer traf. Kaiser Wilhelm I. stand er nahe als treuer, reichbewährter Diener und Kaiser Friedrich hat.sich selbst Moltkes „alten Freund" genannt.
Der ganze Umfang von Feldmarschall MoltkeS Thätigkeit wird erst später ganz klar werden. Er war nicht allein der große Schlachtendenker und Stratege, auch in allen Organisationsfragen sprach er ein gewichtiges Wort. Moltke ist der Urheber jener wunderbaren militärischen Maschinerie, welche das Deutsche Reich allein in der ganzen Welt besitzt, welche uns eine schwer zu erreichende Ueberlegcnheit sichert. Graf Moltke ist der moderne Feldherr, wie er im Buche steht, kaltblütig und umsichtig, durch keinen Zwischenfall faffungslos, durch keinen Sieg übermütig gemacht. Die Geschichte weist kaum ein im ganzen Erfolge glänzenderes Feldherrnbild auf, als das unseres Moltke. Unser Moltke war es, welcher dem Fürsten Bismarck die Basis für seine kühne Politik gab, aber nie hat sich der bewährte Feldherr deshalb gerühmt. Wenn der Kanzler und Andere im Reichstage sein hohes Lob aussprachen, auch nicht eine Miene verzog sich in dem stillen Gesicht des großen „Schweigers." Und nicht nur durch seine Thaten steht Moltke uns nahe, sondern auch als Mensch. Sein schweigsames Wesen ist nicht das Zeichen eines abstoßenden Charakters, der große Mann ist die Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit selbst, der auch dem Geringsten gern seine Ehre erweist, gern im Volke und mit dem Volke verkehrt. So steht des Reiches erster Feldmarschall vor uns in heldenhafter Größe, in echt menschlicher Einfachheit. Mag uns unser Moltke noch manches Jahr erhalten bleiben, dem Kaiser als treue Stütze, dem Reiche zum Ruhme, dem Volke zum Besten. Das wünschen wir dem i greifen Marschall aus ganzem Herzen! Er lebe hoch!
Deutsches Leich. I andern Gästen vereint. — In der gestern abge-
e <ro- m .... , , Ihaltenen Plenarsitzung des Bundesrats gab der
der K^r di- Reise w,rd Vorsitzende, Vize-Präsident des Staats-Ministeriums,
d r r ?näl9( aV ' M«rz Staatssekretär des Innern, von Bötticher, zunächst
Jubeffeier S! " “?" <«' G unter allseitiger Zustimmung dem Bedauern Aus-
’ ^meuts werde möglicherweise druck über den Verlust, welchen der Bundesrat das gestern ^end^~ Das Mahl, durch das am 22. Februar d. I. erfolgte Ableben Eschen Revublik nh??? u f™ndbe§ Herzoglich braunschweig-lüneburgischen Wirklichen ffnnfiL Unb~b?e" Frau Gemahlin, Geheimen Rats und Staats-Ministers Dr. jur. £ ÄL und ZJ Unb Grafen Görtz-Wrisberg erlitten hat. Den Entwurf
JL b £& durch ihre Gegenwart I eines Gesetzes wegen Aufhebung der §§ 4 und 25 Festlichkeiten' ^pM^' einer glänzendsten des Branntweinsteuergesetzes vom 24. Juni 1887 äff fi?'« SL £ s!mmcr b,e vornehmen erteilte die Versammlung die Zustimmung, erklärte b § Botschaftsgebäudes am Pariser Platze sich mit der bereits erfolgten Ueberweisung des die nrn6?«9T^h Die schöne Vorhalle und Entwurfs eines Gesetzes, betreffend die Feststellung mit So§aL? bPoTSan9« 7ren o a8en Seite» eines Nachtrags zum Reichshaushalts - Etat für das rneLn q n echten Palmen-, Orangen-, Ca- Etatsjahr 1889/90, des Gesetz-Entwurfs wegen Aus. rtfrtbe!’ htS®brCt6aaUmes ci"9efa^- Die Treppen- „ahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltung wundervolle SS, S Speisesaal zierten des Reichsheeres und des Entwurfs eines Gesetzt ken nen vo/den^(LrS ®obeItn£' unter denen über die Besteuerung des Zuckers an die zuständigen Z o Ü J Schlossern von Rom, e,ne Reihe Ausschüffe einverstanden und übergab den Antrag mdlscher Landschaften und ,Jason mit Medea^ als Hamburgs, betreffend die Bewilligung eines fort« Rots2°^?9b»bsten Kunstwerke den Besuchern der laufenden Kontos "an Inhaber von Exportmuster- bet“"nlr\nb S b0” alIen Kunstkennern lagern, den Ausschüssen für Zoll- und Steuerwesen .n niw3 m^ b'3L "erden. Der Blumenflor war und für Handel und Veckhr zur Vorberatung. Die • rrS ,9iau?1cn for^nben und verbreitete ein Resolution des Reichstages, betreffend die Veran- nebmer um224G° staltung einer Untersuchung wegen Abänderung des S infen f seI « ^°r^gste Zolltarifs für mehrere landwirtschaftliche Produkte,
mit Rosen Flieder und Parmaveilchen bedeckt; wurde dem Vorsitzenden des Bundesrats überwiesen vasenarüge Korbe aus Ssvres-Porzellan waren mit Auf den Antrag der Ausschüffe für Zoll- und verschiedenen Blumenarten eingefaßt, in den Schalen Steuerwesen und für Handel und Verkehr wurde darwi ch^'warp? ^ ' r“? Delik°teffen, beschlossen, daß die SchEnoten zur Entrichtung der
SÄrf, ©1 eSE ar6er' « Abgabe nach der Tarifnummer 4 des Reichsstempel- SiÄnfi 1° geschmackvoll ges-tz-s in deutscher Sprache und, sofern es sich nicht
2 Anblick i.f>,S^' ^s E" Zauber- um Geschäfte über ausländische Werte handelt, in artigen Anblick überrascht zu sem schien. In der Reichswährung auszustellen find. Endlich wurde £ r nnb @ai?,rfnn98 -ib über die Zollbehandlung verschiedener Gegenstände,
bnn Pin,mb9^r K 9r9'?6"’^3? Menu war über die nachträgliche Annahme eines Anerkenntnisses und Sm nb‘ ^er Branntweinsteuervergütung und über die Em-
und zerfiel in acht Teile. Die beiden Tischkarten gäbe eines ftüheren Postgehülsen wegen Bewilligung d-s ÄSSa^lestaten enthielten hübsche Aquarelle I eines Ruhegehalts Beschluß gefaßt. — PremieAeu" f 5.ranä ^larbina, den Kaiser und I nant v. Gravenreuth ist nunmehr definitiv zum Aus-
£ -arlig« Stal. I-mm-Mer. würben, D--s.lL
, a» . »r» dahinfahren. Die kaiser-1 ivurde gelegentlich der gestrigen Vorstellung von
u?d 2.'2b-"üb^Überraschung sechs Offizieren der Expedition Wißmann mit dem und MpS M I b°" fe!nftettL$er! nbmS ®e^imrat Krauel vom Kaiser zum Frühstück be- Ausdruck un^ ßK S»"Sge" f°hl-n, wobei der Kaiser mittellte, daß der Kontte-
Ausdruck und blieben nach aufgehobener Tafel noch admiral Deinhard ihm telegraphiert habe, daß Ba- pßßnftpr3!? A schien Botschaftsräumen in gamoyo zurückerobert, zwei Geschütz? erbeutet und lebhafter Unterhaltung mit dem Botschafterpaare, die Araber verlustreich geschlagen worden find — den einzelnen Angehörigen der Botschaft und den Die nächste Sitzung des Reichstages ist auf Mittwoch
[Nachdruck Deiboten.]
Ans -en Tagen -er Traner.
Erinnerungsblätter zum 9. März.
Von SR. Reinhold.
Es war zu Beginn des Februar 1888. Wie in mertn Jahren war im königlichen Opernhaus- in Berlin der SubskriptiouSball, dessen reiche Erträge LohlthätigkeitSzwecken dienten, angesetzt worden. Ain- zahlreiche, festlich geschmückte Menge durch bvgte die glänzeudeu Räume, mau harrte auf den Seifen Kaiser Wilhelm, der stets den Ball zu er. fffneu pflegte «nd stets mit militärischer Pünktlichkeit
9 Uhr erschienen war. Mau wartete eine Viertel- ronbe, unb noch eine Viertelstunde, bei Kaiser erschien W. Unter bei Führung beS General-Intendanten Stufen Hochberg begann endlich die Polonaise, »der wie viele hatten noch Siu» für die fröhlichen Seifen und für die Gestalten der Tänzer? Eist Merud, dann immer lauter drang die Kunde durch tat Saal: Aus San Remo sind schlechte Nachrichten kagelanfeu, Kronprinz Friedrich Wilhelm wird von- tatigkn Atembeschwerden gequält. Eine Operation titb kaum noch aufznschieben fein. Schnell bildeten ?4 Gruppen, Ball und Musik waren verg-ffe», »derull trauernde Mienen, ernst blickende Augen, *b der SubskriptiouSball war zu Ende, bevor er » recht begonnen. Schweigend und finster lagen Aon lange vor Mitternacht die Feftränme da. »ivzelne wenige Paffanten eilten draußen über den •taten Platz, und blickten znm Kaiserlichen Palais •Mber, in dem noch alle Fenster erleuchtet waren. 2” Hause des deutschen Kaisers war die bitterste ’otfle Herrscherin geworden.
.Schonend hatte der Leibarzt von Lauer dem tief« ^kümmerten Vater mitgeteilt, daß in dem schweren Jtaben deS einzigen SohneS abermals eine ungünstige •«nbnng Platz gegriffen. Da hatte der alte Kaiser, ta mächttgste Fürst der Well, in ohnmächtigem schmerz die Hände vor da» Gesicht geschlagen und
geschluitzt und wieder geschluchzt. Und dann war die erschütternde 6$ene gefolgt, in welcher der Monarch erst befahl, dann bat, sofort nach San Remo aufzobrechen. Mit Festigkeit widerstand der erfahrene Leibarzt des katserltchen Herrn, die weite Reise in ranhesttk Jahreszeit war nicht zn verantworten für den Neunzigjährigen, den Gram und Kummer schwer gebeugt. Doktor v. Lauer rief dir Kaiserin Augusta, den Prinzen Wilhelm zur Hilfe, und endlich gab der Kaiser nach. Aber lauge noch aß er im Kreise seiner Familie unb sprach von dem erneu Sohu-, ein so mächtiger Herr und Held, ein so bedauernswerter Vater.
Die Operation in San Remo war vollzogen. Das Befinden des Kronprinzen beflerte sich nur langsam, aber es war doch so viel ersichtlich, daß keine unmittelbare Lebensgefahr vorhanden war. Der greife Vater atmete auf; da ein neuer Schlag: ein Liebliugseukel, der junge, blühende Prinz Ludwig von Baden, sank plötzlich ins Grab. Der Kaiser war fvrchtbar erschüttert. Seine Hoffnungen sanken, die frische Kraft, die ihn bisher beseelt, begann zu chwinden, einer tiefen Niedergeschlagenheit Platz zu machen. Und das Volk ehrte die Gefühle des Herrschers. Allmittäglich sammelten sich Tausende nm daS Denkmal des alten Fritz, gegenüber dem historischen Eckfenster, still, aber herzlich war die Begrüßung des Kaisers, und wehmüttg dankte dieser durch ein Neigen des Hauptes, daS zu sagen schien: »Ihr wißt e», Kinder, wie mir zu Mut." Halbmast rauschte droben auf dem Dache die Kaiserstaudarte im Winde, schon äußerlich daS Kaiserhaus als ein ' 'rauerhanS kennzeichnend. Häufig erschien avch die 1 ‘aifetin Augusta neben ihrem Gemahl am historischen Eckfenster, und vor ihnen tauchten die Blondköpfe der kaiserlichen Urenkel auf. Niemals hat zwischen ■ Deutschlands Kaiserpaar und seinem Volk eine engere Verbindung bestanden, als an diese» Tagen.
ES war der erste Sonntag im März. Abermals >atte sich eine unzählbare Menschenmenge vor dem
W? am b°rtigeu Portale angeschlagenen Bulletins zu lesen der Kaffer stch ll'icht^-rkSle!?^v^^ ?rkaurtt, daß! und dem wogenden Ansturm der Volksmenge mußten Mhen niAta ”, e*' »5 habe das kleine immer wieder die ausgestellten Polizisten weiche», schmerzlich getauscht, Eine fieberhafte Erregung beherrschte die
tausenden zählende BolkSmasse, auf Aller L?ppen eine aewatti'ae ka«eI”Ols8 f<bwebte Bnr bte -in-Frage: Was macht der Kais«?
"aulge Menscheumevge vor deS Kaisers HauS. Daran, daß der ante, alte Serr der treue Kreuud von seinern dartnääiaen | ftcrbcn^tourbc, dachten aber doch
dich seiTetae^Wenige. Von allen heftigen Anfällen war der Wünschen für bKeMnnn Kaiser genesen, auch diesmal wird er wieder erstehen.
LääDi-L°ü°b.8L»mA. «W befü?cktt»b h«8 Ä,? e i ®8 ift Eszri I brannte daS Lebenslicht weiter, zuweilen etwas höher Verlauf ' b°8 8 tbt“ ” mmt ^ine“ gewöhnlichen I ausflackernd, und zu neuen Hoffnungen Anlaß gebend.
W,MI --Te-sang-llldnmpse» Summe- fchwirrle über bet Kroatien
ÄWlkK" F«»8- dlel-m r-,e bet U-<»I,LeLu
Äräfte flaifei SBilhelms tteßmen Kunde, di- dmch daS Portal der Behrenstraße alle Mitglieder Menschen besetzt, man stieß und drängte sich nm die I (Schluß folgt)