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Wöchentliche Beilagm: Kreis-Blatt für dir Kreise Marburg Md Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt-

Sxpeditio«: Markt 21. Redaktion, Druck uud Verlag von Ivh. Auq. Koch.

M 45

Deutsche» Reich.

chlicha lxrie-Vorlage sind die Zahlen auch jetzt noch nicht

ien Minister der öffentlichen Arbeiten dahin

igesprochen, daß die Vergebung von Bahnhofs-

chaurationen durch die betreffenden königlichen chiebsämter nicht lediglich nach dem Meistgebot I folgen, vielmehr vor allem darauf gesehen werden

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uns

^e vermieden oder es wurden Bescheinigungen _L_- in Gemeindevorstehern beigebracht und zugelaffen,

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ernte lefüllta

Erscheint ttglich «cher en Werktage« nach Sonn- und Feiertage«. OLartal-Abonnemerrtg-PreiS bei der Expe­dition 21/. Mi-, bei den Hostimtern i Mk- 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jssertionsgebühr für die gespaltene Zelle 10 Big-, Reklamen für die Zelle SS Pfg.

rstauration überschreiten, gerechtfertigt, wenn der > hoch bemessene Pachtbetrag entweder zu Zahlungs- swierigkeiten seitens des Pächters und Verlusten ir die Verwaltung führen würde, oder doch be­lichten lasse, daß der Pächter zur Verabreichung Minderwertiger Speisen oder Getränke verleitet reiben könne. Es dürfe jedoch anderseits bei Ver-

obgleich diese zur Ersetzung der polizeilichen keines­wegs geeignet sind. Da diese Aushülfen fortan entbehrlich sind, so wird auch der Ausfall an der Stempelsteuer nicht bedeutend werden. Die Führungs­zeugnisse zum Eintritt in den einjährigen und drei­jährigen freiwilligen Militärdienst bleiben auch ferner­hin stempelfrei. Der Minister für Handel und Gewerbe hat die Regierungen darauf hingewiesen, daß den Lehrern an staatlichen Fortbildungsschulen ein Züchtigungsrecht gegenüber den Schülern der Fortbildungsschulen nicht zusteht. Reichen Ermah- mungen und Tadel gegen Störung des Unterrichts durch ungebührliches Betragen nicht aus, so ist der Ruhestörer aus dem Unterrichtszimmer hinauszu­weisen und die ernstliche Bestrafung auf Grund der bezüglichen Polizeiverordnung bei der Ortspolizei- Behörde zu veranlassen. Dieses Verfahren werde sich voraussichtlich als wirksam erweisen, weil die Schüler in der Regel außerstande sein werden, die wider sie erkannten Geldstrafen zu bezahlen, und diese daher in Haftstrafen werden umgewandelt werden, auch vielfach eine nachträgliche häusliche Bestrafung durch den Lehrherrn die Folge davon sein wird. Sofern das Verhalten eines Schülers sich irgendwie als Sachbeschädigung darstellt, soll darauf hingewirkt werden, daß derselbe hierfür be­straft wird. Silberne Fünfmarkstücke mit dem Bildnis Wilhelms II. und der Jahreszahl 1888 sind soeben zur Ausgabe gelangt. Zur Ausprägung von Fünfmarkstücken mit der Jahreszahl 1888 ist nur eine geringe Anzahl zur Verfügung gewesen, so daß diese Münze als Seltenheit gelten dürfte. Die fortan im Laufe des Jahres noch zu prägenden Gold- und Silbermünzen werden sämtlich die Jahres­zahl 1889 erhalten. Eine wirksame Handhabung der Bestimmungen gegen umherziehende Zigeuner­banden ist durch eine Erleichterung des Einschreitens der Amtsvorsteher und städtischen Polizeiverwaltungen gegeben worden. Abgesehen von der strafrechtlicken Verfolgung wegen Übertretungen soll schon das bandenweise Umherziehen keinesfalls geduldet werden. Diese Weisung wird besonders von den Bewohnern des platten Landes freudig begrüßt werden, weil gerade sie von den Zigeunerbanden bisher sehr un­angenehm belästigt wurden. Der Chef des Bank­hauses Mendelssohn & Kompagnie und frühere Präsident des Ältestenkollegiums der Berliner Kauf­mannschaft, Fran; von Mendelssohn - Bartholdy, ist gestorben. Die Budgetkommission des Abgeord­netenhauses hat den Antrag v. Huene auf Gleich­stellung der Gehaltszusicherung für katholische Geist-

-. -. haft, ob die Deklaration oder Selbsteinschätzung wirklich von der Regierung beschlossen wird. Sehr befreunden können auch wir uns nicht mit derselben, schreibt dieR. B.", denn wir fürchten, daß das, was man damit erreichen will, nämlich die schärfere und gerechtere Besteuerung des Kapitals doch nicht erreichen wird. Die kleineren Leute, wie die Land­leute, Beamte und Kaufleute, deren Geschäfts- und Einkommenverhältnisse durchsichtig sind, werden durch die Deklaration wahrscheinlich höher getroffen werden; aber wer will das Einkommen der großen Kapita­listen kontrollieren? Sie können also erklären, was sie wollen. Gerade für die ehrlichen gewissenhaften Bürger hat die Deklaration etwas sehr Peinliches. Es legt niemand gern seine Vermögensverhältniffe selbst vor seinen Freunden, geschweige denn aber vor einer öffentlichen Steuerbehörde dar; bei Ge­schäftsleuten kommen dabei die Rücksichten auf ihren Kredit in Betracht. Man sagt zwar, sie könnten ja ihr Einkommen höher einschätzen, als es in Wirk­lichkeit ist, strafbar sei nur die zu niedrige Ein­schätzung. Allein einem gewissenhaften Mann wird auch dies widerstreben; denn er betrügt dadurch zwar nicht den Staat, wohl aber seine Geschäfts­verbindungen und sich selbst, indem er mehr Steuer zahlt als er zu zahlen braucht. Wir glauben des­halb, daß die Einführung der Selbsteinschätzung im Publikum wenig Anklang finden wird. Steuern sind ja freilich überhaupt nicht dazu angethan den Steuer­zahlern Freude zu bereiten, allein gerade deshalb soll man sich bestreben, sie so einzurichten, daß sie möglichst wenig unangenehm von den Steuerzahlern empfunden werden. Sind die direkten Steuern ohnehin mehr als die indirekten dazu angethan, die Steuerpflichtigen zu berühren, so wird dies Unan­genehme empfinolich durch die unter Strafe gestellte Selbsteinschätzung oder Erklärung über die eigenen Einkommenverhältniffe noch außerordentlich vermehrt. Will die Steuerbehörde es genau nehmen und die Selbsteinschätzung genau kontrollieren, so würde sicherlich eine Menge recht unangenehmer Prozeffe entstehen, will die Behörde aber möglichst die Augen zudrücken, so wird die Sache im ganzen bleiben, wie sie jetzt ist; die Selbsteinschätzung hat dann nur eine theoretische Bedeutung und der Zweck einer höheren Besteuerung des Kapitals wird dann auf diese Weise ebensowenig erreicht, als durch die Börsensteuer. Wir haben uns deshalb früher schon dahin ausge- sprachen und sind noch immer dieser Meinung, daß jener Zweck viel leichter, besser und wirksamer erreicht wird ohne jene peinliche Unannehmlichkeit

Sgilti'g festgestellt. Dieselbe wird als Nachtrags- lat eingebracht werden und sind bei diesem auch t Kredite für Ostafrika eingerechnet. Auf der agesordnung des Bundesrats für Morgen steht

liche mit den evangelischen derart, daß das Gehalt von 5 zu 5 Jahren um 300 Mk. bis 2700 Mk. "teigt, für evangelische bis 3600 Mk., abgelehnt. Dagegen wurde ein Antrag Enneccerus angenommen, daß das Gehalt der katholischen Geistlichen von 5 zu 5 Jahren um 150 Mk. steigen und, wie der Etat vorschlägt, mit dem Maximum von 2400 Mk. abschließen soll.

lieber die evangelischen Taufen und Trau­ungen in den einzelnen Provinzen des preußischen Staates bringt dieEtat. Korr." Tabellen, denen wir folgendes entnehmen: Von 100 Lebendgeborenen aus rein evangelischen Ehen wurden im Jahre 1887 getauft in Westfalen 99,01, in Schlesien 98,60, in Hannover 97,98, in Rheinland 97,76, in Hessen- Nassau 97,63, in Pommern 97,53, in Posen 97,42, in Westpreußen 97,40, in Ostpreußen 96,19, in Sachsen 95,86, in Schleswig. Holstein 94,76, in Brandenburg 93,73, in Hohenzollern 93,33 und in Berlin 86,95 (im Vorjahre 87,80.) Von den Kindern aus evangelischen Mischehen wurden mehr als die Hälfte evangelisch getauft in Berlin (50,34 Prozent) und Sachsen (50,06 Prozent), nahezu die Hälfte in Brandenburg, Posen und Heffen-Nassau, während erheblich zurückstanden Pommern mit 36,13, Ostpreußen mit 34,70, Westfalen mit 31,40, West- prußen mit 30,32 und Hohenzollern mit 14,52 Proz. Von den Kindern unehelicher Mütter wurden in Berlin nur 73,09 Prozent, in Schleswig - Holstein 82,94, in Westpreußen 84,02 und in Branden­burg 84,73 getauft, dagegen in Hessen-Nassau 91,29, in Posen 92,68, in Hannover 92,61 und in Hohen­zollern 100,90. Auf 100 Eheschließungen rein evangelischer Paare entfielen Trauungen in West­falen 100, in Rheinland 99,10, in Hannover 98,28, in Posen 97,65, in Schlesien 97,64, in Schleswig- Holstein 96,93, in Hessen-Nassau 95,85 , in West­preußen 95,57, in Ostpreußen 94,65, in Sachsen 94,20, in Pommern 94,03, in Brandenburg 93,19, in Hohenzollern 85,71 und in Berlin 62,80 (im Vorjahre 61,25.) Von den evangelischen Misch­paaren wurden evangelisch getraut: 63,23 Prozent in Posen, 56,14 Prozent in Schleswig - Holstein, 52,81 Proz. in Schlesien, 48,20 Proz. in Branden­burg, 48,20 Proz. in Hessen-Nassau, dagegen nur 35,22 Proz. in Ostpreußen, 32,24 (im Vorjahre 29,01) in Berlin und 7,69 Proz. in Hohenzollern.

Die Einkommensteuervorlage ist, wie berichtet wird, in den letzten Tagen Gegenstand eingehender Erörterungen im Schoße der Regierung gewesen. In parlamentarischen Kreisen ist man noch zweifel-

Marburg,

Freitag, 22. Februar 1889

Berlin, 20. Febr. Der seitherige Präsident des immergerichts von Oehlschläger ist unter Ver­jüng des Charakters als Wirklicher Geheimer Rat it dem Prädikat Exzellenz zum Staatssekretär des kichsjustizamtes ernannt worden. Bei der Ar-

knabe egel nutzlos sind. Bisher wurde mit Rücksicht BMK die hohe Gebühr die Ausstellung der Bescheini- ^^^ungen häufig durch Anfrage von Behörde zu Be-

<necht,pung von Bahnhofs-Restaurationen nicht nach Will- [oeller ir verfahren werden, vielmehr müsse die Nichibe- Otte icksichtigung des Mehrgebots in jedem Falle durch r. Soh t Sachlage ausreichend gerechtfertigt erscheinen. en be ine erfreuliche Wirkung des am 1. April in Gel­ork be mg tretenden Stempelgesetzes ist auch die Cr­est bei äßigung der Stempelgebührsür polizeiliche Führungs- oststril engniffe von Mk. 1.50 auf 50 Pfg. Jene Gebühr oth. C M in der That eine drückende, da die Zeugnisse iss, «er großen Zahl von Bewerbern unentbehrlich und Klöta n Falle des Mißlingens der Bewerbung in der

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blattes.

sowie d. Annoncen-Bureanx von Hänfenstem und Bögler

m Frankfurt a. BL, Cassel, Magdeburg tu Wien; Rudolf XXIV Stoffe in Frankfurt a. M., Berlin, München «.Köln; L. ' Daube n. To. in Franlfutt a. SR., Berlin, Hannover. Vari«.

kMI i Vorlage noch nicht. Die Kommission des rt eine nchstags sür Alters- und Invaliden - Versicherung touibtbete heute die erste Lesung des Entwurfs. Die (112 Rite Lesung wird etwa in 14 Tagen beginnen. Lim Anlaß eines Spezialfalles hat sich der preu- ingt

hmtmpi iE, daß der Bewerber Sicherheit für eine ge- nässi^j hiiMundige, den Interessen der Verwaltung und toSd» es Publikums entsprechende Führung der Restau- igen. niion bietet. Von diesem Gesichtspunkte aus sei Leid» eher auch die Zurückweisung von Angeboten, welche eime Heblich und offenbar den Pachtwert der betreffenden

Caffe 1S8»

fRachdruck verboten.)

Im Sturm -er Eifersucht.

Roman von Ernst Fritze.

(Fottsktzimg.)

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9.

»^Vielleicht ist das nicht mehr zweckmäßig. Erlaucht Ü unverzüglich feinen G heimsekcetär beauftragt, M Kreisgerichte die Befreiung seines Forstmeisters 1 fordern, und hat fein Recht zu dieser Forderung

. Die Gnädige zuckte die Achseln. .Hast Du flennt« Ö8 öon den Privilegien gehabt, dieSr. Erlaucht bis - 6» ErlösLen des Stammes über seine Forstreviere

TL «assen find?'

Stundet. Gleichzeitig hat er Beschwerde an die tgierung gehen lassen."

.Was? Eine Beschwerde über mein Verfahren?" ' k Thorheit wird abgewiesen I"

wjßuotge wUßie jajon, oatz oies Der Hau war

E aber für geraten, sich von ihrem Herrn (St * 85, W belehren zu lassen."

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. .Freilich, hat ober nichts zu sagen, Gusta. Menberg hat seine JurisdiktioR verlvreu; die Fezialrechte, die dem Stamme geblieben, beziehen Hans das Waldrevier, welches gleich einer Enklave Achen uns liegt; diese Spezialrechte betteffen kleine ?s8ehen, meine Gate; ein Mord ist aber kein

»Ein lächerliches Privatvergnügen der alten Erlaucht " hat nichts zu bedeuten.'

^.Es muß doch wohl, denn der alte Lorenz ist

Mer und Flamme gewesen. Hast Du nichts darüber js Deiner Geschäftsinstruktion, guter Bunsen?' Gnädige wußte schon, daß dies der Fall war,

Mies Vergehen, es hat gar nichts zu sagen, v_ Dich auf mich."

yf- fc.»2Bte nun, wenn Forstmeister Starkloff nicht der t Mörder wäre, lieber Bunsen?'

> v »Dann sprechen ihn die Geschworenen frei, I find sie eben Geschworene."

' > -Ich wollte Dich warnen, bester Bunsen; ich habe £4 nun gewarnt, Witte ist ganz außer sich, er hat ^tgenhest gehabt, die Maßregeln kennen zu lernen,

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die Se. Erlaucht trotz feine8 schmerzhaften Podagras getroffen hat, um feinen Spezialreckten Geltung zu verschaffen. Se. Erlaucht fordert Deine Entfernung von hier; willst Du nicht einer unangenehmen Verabschiedung vorbeugen und von selbst gehen? Ein Vorwand ist ja leicht zu finden."

.Ich denk' nicht dr'an. Es hat gar nichts zu sagen. Sie werden den Erlaucht schon zurechtweisen, nnd, wenn Kreisrichter Hellberg etwas gegen mich anzeitelu will, so werde ich ihm schon dienen, beste Gusta. Nun laß mich in Ruhe!"

Die Gnädige seufzte und fetzte sich wieder ans Fenster. Sie erwartete irgend etwas zu erleben, deshalb heftete sie ihren Blick fortgesetzt aus den kleinen Fensterspiegel, der, außerhalb angebracht, ihr die ganze Straße, mithin auch das alte Gebäude, worin die Kreisgerichtskommisstou war, in Sicht brachte.

Ihre Voraussetzung täuschte ste auch nicht.

Der Justitiar hatte den Wagen mit der Absicht verlassen, unverweilt das auszuführen, waS. ihm nach den erlangten Aufklärungen oblag.

Er trat in den dunklen Voiflur des Gebäudes und sendete seinen Aktuar nach dem Gefängniswärter, um von diesem die Schlüssel zu fordern.

Nun stand dem Justitiar nichts mehr im Wege, bei dem Gefangenen einzutteten. Warum zögerte er denn nock?

Ein Gefühl, von dem er sich keine Rechenschaft geben konnte, bewog ihn, den Schlüssel zu der Gesängnisthür eine volle Minute in der Hand zn halten, ohne den Mut zu finden, ihn ins Schlüsselloch zu stecken.

Wie würde er den Forstmeister finden? was konnte er bei seinem Eintreten sür einen Empfang erwarten?

DaS war aber doch nicht der eigentliche Grund seines Zauderns. Die Worte, welche Frau Hedwig ihm erwidert, als er sie um den Zweck ihres Besuches befragt, diese Worte leuchteten in seiner Erinnerung ans und machten ihm klar, was ihm ein gewisses

Grauen einflößte. .Ich möchte meinen Mann um alles in der Welt nicht in einer demütigenden Situation sehen', hatte Frau Hedwig mit dem Bewußtsein ihrer begeisterten Liebe und Verehrung für den Gatten gesagt.

Wie würde er den Forstmeister finden, zornig in seinen schuldlosen Leiden oder empfindlich durch die erlittene Unbill oder heftig bewegt von der Kränkung? Im Aufruhr seiner Gefühle machte der Justitiar nun seinem unschlüssigen Zögern ein Ende und schob rasch und geräuschvoll den Schlüssel ins Schloß. Eben so entschlossen öffnete er die Thür und trat ins Gefängnis.

21. Kapitel.

Der Anblick, der sich ihm darbot, wirkte wahrhaft wohlthuevd und beschwichtigend auf ihn. Starkloff saß mit dem Rücken der Thür zugewendet. Der kleine Tisch vor ihm war genau so gestellt, daß das Tageslicht, welches spärlich durch ein hockbelkgems Fenster in das Gemach fiel, den Platz vollkommen hell genug machte, um schreibe» zu können. Die Luft im Zimmer war kühl, aber nicht dumpfig, weil die Fevsteiflügel offen standen, und ein leiser Luft­zug den Blütendust der davor stehenden Linden herein wehrte.

Der Justitiar blieb ruhig eine Weile ans der Schwelle und beobachtete den Forstmeister. Er arbeitete. Die Tbätigkeit seines Geistes hatte das ricktige Mittel erkannt, nm sein Seelenweh zu mildem. Sein Bleistift und die Blätter seines Notizbuches genügten ihm, sich in die Studien der Waldkultnr zu versenken, die das Element seines Lebens waren. Vertieft in feine Aufzeichnurgen, hatte er vielleicht ganz überhört, daß jemand ge> kommen sei, genug, der eutstandeue Zug warf die Feuster zu, und dies weckte ihn aus seiner Ver­sunkenheit. Er sah sich um, und er stand auf.

Ob eS seine Verwunderung erregte, den Justitiar in feinem Gefängnisse zu sehen, muß unerörtert

bleiben, aber so viel ist gewiß, seine Stirn faltete sich düsterer, und der Ausdruck seines Auges wurde herausfordernder.

Hellberg ließ ihm keine Zeit zum Nachdenken. Er warf die Thür weit auf und trat einige Schritte näher, indem er laut und bestimmt sagte:

»Sie sind frei, Herr Forstmeister.'

Starkloff verbeugte sich sehr förmlich, trat dann an seinen Tisch, raffte die Schreibutensilien zusammen und antwortete Überaus gleickgiltig:

«Das Uebrige wird sich finden.'

Der Ton und die Haltung Starkloffs gefiel dem Justitiar. Er gewann es Über sich, eine freundliche Verabschiedung anzubahnen, obwohl dies gegen feine Grundsätze lief.

»Es wird eine Zeit eintreten, Herr Forstmeister, wo Sie sich für eine Aufklärung des traurigen Irrtums interessieren, der Sie hierher gebracht, bann bin ich bereit'

»Ich interessiere mich für nichts, Herr Kreisrichter', unterbrach Starkloff ihn sehr höflich.

«Vielleicht doch-, erwiderte Hellberg gelaffen, .und bann bin ich bereit, Ihnen alle Eröffnungen zn machen, die Sie wünschenswert finden.'

Starkloff hatte fein Notizbuch eingesteckt und ließ seine schönen, ernsten Ange» ausdrucksvoll im ganzen Gemache umher schweifen.

.Eine Genngthnnug für die Schmach, hier beinahe drei Tage eingeschlossen gewesen zu sein, wird wir versagt bleiben; denn .der Himmel ist hoch und der Zar wohnt weit', pflegt der Russe zu sagen; allein für meine Satisfaktion wird anderweit Sorge ge­tragen werden, darauf rechne ich!'

.Das wünsche ich von ganzem Herzen', entgegnete Hellberg, indem er mtt einer achtungsvollen Ver­beugung seitwärts trat, nm den Forstmeister aus der Thür gehen zu lassen.

Bis unter die Wölbung des gothischeu Bogen» begleitete Hellberg den Forstmeister, und hier erst verabschiedete er sich nochmals durch eine Ber-