Illustriertes Sonntagsblatt-
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zur Seite gestanden zu habeu Graf Gtfo auf Schloß Hollende bet Treisbach iu Oberhesseu und Gras Adalbert von Schauenburg in Niederhessen; beide solle» nämlich einen ehrlosen Ritter namens Egevo, der des Straßenraubes und anderer Verbrechen sich schuldig gemacht hatte, veranlaßt haben, Herzog Otto öffentlich zu beschuldigen, er habe ihn dingen wollen, Kaiser Heinrich 1V. zu ermorden. Die Anklage geschah am Pfingstseste 1070. Egeno zeigte sogar ein Schwert vor, das ihm Otto zu diesem Zwecke gegeben, und erklärte seine Aussage auf jede Art beweisen zu wollen. Otto beteuerte seine Unschuld, Kaiser Heinrich war aber damit nicht zufrieden und legte ihm auf, sich durch ein Gottesurteil (Zweikampf mit Egeno) von der Anklage zu reinigen. Otto war zu diesem Kampfe mit dem ehrlosen Ritter bereit, verlangte aber nur von Heinrich freies Geleite. Der Kaiser verweigerte ihm dieses und erklärte ihn, als er zum Zweikampfe nicht erschien, in die Acht. Da griff Otto zum Schwert, und es entstand zwischen ihm und dem Kaiser ein Krieg, der mehrere Jahre dauerte uud von dem auch Heffeu berührt wurde. Bet dieser Gelegenheit soll Otto eiueu Teil OberheffenS erobert, und um sich be- haupteu zu können, die Marburg erbaut habeu.
Im Jahre 1073 war während der Fehde zwischen Kaiser Heinrich iv. und Herzog Otto von Nordheim das vorerwähnte Schloß Hollende der Schauplatz eines blutigen Ereignisses. Graf Giso uud seine Gäste, Graf Adalbert von Schauenburg uud deffeo 4 Söhne wurden von Feinden überfallen uud getötet (cfr. Pertz. Moe. Germanica VII pag. 15.)
Die früheste Kunde über Marburg findet sich in LacombletS Urkundenbuch des NtederrheiuS I. Nr. 371. Eine vom Erzbischof Friedrich von Cölu, gestorben 1131, ausgefertigte Urkunde, berichtet über eine vom Grafen Ludwig in. von Thüringen vollzogene letzte Willensäußerung seiner Schwiegermutter, der Wittwe deS Grafen Sifo von Gudensberg. Anter den Zeugen, welche dieser Haudluug beigewohut und den Grasen
thüringisches Familiengut war, so ist es nicht unwahrscheinlich, daß die ackerbautteibendeu Be« wohuer Marburgs vou ihrem neuen Heim anS ihre iu den vou ihueu verlaffeueu Dörfern gelegenen Aecker und Wiesen so lange noch bewirtschaftet haben, bis neue Verhältnisse dieses nicht mehr gestatteten.
Die Bewohner Marburgs wareu in kirchlicher Beziehung Parochiauen des benachbarten PfarrdorfeS Oberweimar, wohin sie zur Kirche gingen, und auf den Kirchspielstotenhof zu Ciriaxweimar begruben sie ihre Toten. Im Laufe des 12. Jahrhundert» erbauten sie sich iu Marburg eine eigene Kirche zur Ehre St. KiliauS und legten um dieselbe eiueu Be- gräbuisplatz au. Auf diese Weise hatte sich Marburg zu eine» Filial von Weimar erhoben, da» urkundlich im Jahre 1210 bereits einen eigenen Pfarrer namens Wtederholdus hatte, während die gesetzliche Lösung des FilialS von der Mntterkirche erst im Jahre 1227 erfolgte. Die St. Ktliauskirche, Marburgs ältestes Gebäude, ist iu ihren Umfaffuugsmaueru noch vorhanden, uud der ehemalige KiltauStoteuhof ist der gegenwärtige sogenannte Schnhmarkt, ans welche« an Sonnabenden und Marktagen Marburger und fremde Töpfer ihre Ware feil halten.
(Fortsetzung folgt.)
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Der Unterrichtsgang in der Fortbildungsschule ist freilich noch nicht überall so, wie er sein sollte. Der Besuch der Schule müßte den jungen Leuten etwas interessanter gemacht werden. Selbstverständlich ist aus solchen Schulen alle Politik ausgeschlossen, aber wenn von einer Übersicht über die Entwicklung Deutschlands und die Gründung. des Reiches auch auf unsere heutige Zeitgeschichte über-
gegangen wird und eine ruhige Besprechung geeigneter Themata vorgenommen wird, so ist das von ehr hohem Wert. Selbstverständlich kann mit Lehr- ingen nicht darüber verhandelt werden, ob Frei- ’janbet bester sei als Schutzzoll, aber sie können auf die Thatsachen aufmerksam gemacht werden, die sich heute ereignen, und da giebt es intereffanten Stoffes in Hülle und Fülle. Jedenfalls ist die Belebung des Interesses für die Wohlfahrt des Vaterlandes angebrachter, als die Lektüre von Räuberromanen, die in jenem Alter mit großer Vorliebe gepflegt wird. Außerdem bekommen die jungen Leute eine gesunde Lebensanschauung, die sich im Laufe der Jahre naturgemäß weiter entwickeln wird. Demgemäß sollte auch für geeignete Lektüre gesorgt werden; keine langweiligen Abhandlungen, sondern fesselnde Schilderungen, welche das junge Gemüt einnehmen. Daß ein Lehrling in den gewöhnlichen kaufmännischen Einzelheiten unterrichtet wird, ist nötig. Ein einfacher Geschäftsbrief, eine Rechnung, die Grundsätze einer schlichten Buchhaltung, davon muß er Kenntnis haben refp. in der Fortbildungsschule erhalten, auch einige Rechtsbegriffe können ihm recht wohl beigebracht werden. Mit einem Wort: die Fortbildungsschule muß, wenn sie richtig wirken soll, überall zu einer Einführungsschule in das praktische Leben gemacht werden.
Noch wichtiger ist aber der Gesamtunterricht von Lehrlingen eines Gewerbes durch Fachmänner, und in dieser Beziehung kann in Deutschland noch sehr viel gethan werden. Der Lehrling lernt in seiner Lehrzeit von drei ober vier Jahren wohl bie praktische» Hanbgriffe, aber in das innere Wesen des Gewerbes bringt er selten ein. Es brauchen gar keine Geschäftsgeheimnisse preisgegeben zu werben, aber wenn die Lehrlinge eine gründliche Unterweisung in der Beurteilung des Preises und des Wertes des Materials, über deren Herstellung und Fabrikation, über die möglichen Geschäftskonjunkturen, über den Verkehr mit dem Publikum, Unterschied zwischen Herstellungspreis und Verkaufspreis u. s. w. empfangen, das würde von ungeheurer Wichtigkeit sein und manchen hüten, später einmal ein unbedachtsamer Geschäftsmann zu werden, der um jeden Preis und mit jedem Verdienst Kundschaft zu erwerben sucht, ein Verfahren, das schon oft zum Bankerott geführt hat ttotz aller anfänglichen glänzenden Aussichten. Es wäre zu wünschen, daß besonders die Innungen in dieser Richtung allgemein vorgingen, sie würden großen Segen damit stiften. Eine solche Unterweisung ganz dem Lehrmeister
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«n den Rhein begleitet hatten, kommen auch einige vou Adel aus Oberheffe«, höchstwahrscheinlich Bnrg- maneu, darunter auch einLndwig vonMarburg vor. Durch Verheiratung des Grafen Ludwig in. vou Thüringen mit Hedwig, der Erbtochter de» Grafen Giso von Gudensberg, waren besten Besitzungen in Nieder- und Oberhessen, darunter auch Marburg, an Thüriugen gekommen.
Das Schloß Marburg war auf der äußerste» Spitze eines weit in das Lahnthal vorspringende» Ausläufers des Westerwaldes erbaut worden und wurde der Ausgangspuukt der Stadt gleichen Namens. Am südöstlichen Fuße deS Schloßberges stand der Fronhof*) der Bnrg und iu der ungefähren Mitte des südlichen BergabhaugeS die Hofstatt. Um dieselbe war im Laufe der Zeit eine Ansiedelung entstanden, welche sich Marburg wannte. Diese um- faßte die Burgsitze derjenigen Bnrgmaune», welche nicht in der Burg wohnteu, denen aber sämtlich die Verteidigung derselben gegen Bezug eiueS Burglehns anvertraut war, ferner die Wohnungen der Hörigen und der Freie«, welche letztere sich mit Erlaubnis des Burgherrn gegen Entrichtung einer jährlichen Abgabe hier augebant hatte». Unter den Freien bildeten ohne Zweifel die Reiche«, welche von ihre« Renten lebten und sich unter den Schutz der Burg gestellt hatten, die Mehrzahl, die anderen waren Handwerker and ackerbautreibende Landleute a«S nahe gelegenen teils noch vorhandenen teils auSgegangenen Dörfern, tote LamerSbach, Aldenzhausen, Wolpertshausen, Aillertshausen u. a. Weil nun aber di um Marburg gelegene Feldmark landgräflich
*) Der Fronhof war zur Hälfte an das deutsche Haus gekommen, wahrscheinlich aber erst nach dem Bau des Stent- Hofes unter dem Schlosse, der urkundlich im Jahre 1357 als »auf der Neustadt' liegend bezeichnet wird. Noch gegen Ende des 15. Jahrhunderts war der Fronhof vorhanden und es wurde dessen eine Hälfte von einem Landsiedler, die andere dagegen von einem Deutschordensbruder, der den Titel »Komtur* führte, bewohnt.
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ist in allen Staaten des deutschen Reiches außerordentlich weit verbreitet, freilich nicht in gleichem Maße bei den Betroffenen beliebt. Sehr viele junge Leute find der Ueberzeugung, baß sie in ben Jahren des Schulbesuches reichlich genug gelernt hätten, baß es nunmehr auch in der Drbnung sei, baß für sie bie freie Zeit beginne, in der sie schnellmöglichst vergessen könnten, was sie in der Schule gelernt. Gerabe diese Anschauungen liefern aber ben besten Beweis für bie Notwendigkeit einer Fortbildungsschule, und wenn in derselben der Unterricht nicht so gehandhabt
Marburg bis ;«m erste« große« Kranbe i«t Jahre 1261
Das durch Ausläufer des Westerwaldes und deS LogelsgebirgeS gebildete Lahmhal zwischen Werda uud Friedelhansen bestand im grauen Altertume aus einem Sumpfe, durch den die Lahu iu großen Krümmungen sich wandt. An beiden Gestaden diese» Sumpfes eutstauden im Lause der Zett kleine An- fiedelungell, aus deuen sich blühende Dörfer entwickelte». Die Bewohner derselbe» kamen den natur- lichen Anschwemmungen vo» Erde, Sand und Gerölle durch künstliche Auffüllungen zu Hülfe und schufen auf diese Weise eiueu Bode», der sich zu fruchtbaren Leckern und Wiesen kultivieren ließ, zugletch erhielt die Lahn einen mehr regulären Lauf, der zur Anlage vo» Waffermühle» sich eignete. Zn de» letzten Ansiedelungen im oberen Lahuthale gehört höchst wahr- scheinlich auch Marburg*).
Marburgs älteste Geschichte ist vom ttefsteu Dunkel umhüllt. Alles was wir von ihr wissen — Urkunden aus jener Zeit find nicht vorhanden — beruht nur auf Sagen, welche vou Geschichtsschreibern gesammelt nnd ausgezeichnet worden find. Diejenige Sage, welche den Grasen Otto von Nordheim als Erbauer der Marburg nennt hat die größte Wahrscheinlichkeit für sich. Derselbe war nämlich von der Kaiserin Agnes, Mutter und Vormünderin ihres SohneS Kaisers Heinrich IV. mit dem Herzogtum Baiern beliehen worden. AIS nun Heinrich einige Jahre später znr Regierung kam, suchte er Otto das Herzogtum wieder zu entreiße». Hierin scheinen ihm
*) Marburg verdantt ohne Zweifel seinen Namen dem ehemals starken Marbach, der den nördlichen Fuß des Schloßberges bespült. Das Wort ,Mar" kommt neben Marburg und Marbach auch in Mardorf, in Marberg bet Elnhausen und in Marau vor- Letztere lag in der Gemarkung Cappel, erstreckte sich von der Höh« nach dem Labnthale zu und wird in einer Marburger Urkunde vom Jahre 1493 erwähnt.
daraus zu erdichten suchte, lag schlechterdings nicht vor und konnte um so weniger in der Absicht deS 1 Kaisers liegen, als sich an der Spitze der Deputation Professor Gerhard befand, der bekanntlich durchaus >ersona grata beim Kaiser ist. Richtig ist freilich, daß die Herren zuerst über die militärische Kürze des ihnen gewordenen Empfanges einigermaßen verblüfft und vielleicht auch verstimmt waren. Aber nach reiflicherem Nachdenken haben sie sich selbst agett müssen, daß dem Vorfälle keine andere Ursache zugrunde liegen konnte, als eine besonders starke Inanspruchnahme des Kaisers an jenem Tage." — Die „Nationalzeitung" teilt aufgrund von eingezogenen Erkundigungen mit, daß bei dem Vorstände >er deutschen Witugesellschaft von Zerwürfnissen mit )em Sultan von Witu nichts bekannt sei. Auf keinen Fall seien etwaige Zerwürfnisse auf eine Anweisung des Vorstandes der Gesellschaft zurückzuführen, letzterer habe im Gegenteil bestimmte Anweisungen gegeben, zum Sultan Achmed und seinem Nachfolger ein freundschaftliches Verhältnis anzubahnen. Es dürste bie Aufgabe des deutschen Generalkonsuls in Sansibar sein, den Vertreter der Witugesellschaft zur Befolgung dieser Anweisungen des Vorstandes anzuhalten, andererseits solche» Jntriguen von anscheinend konkurrierender deutscher Seite entgegenzutreten, die schließlich der englisch- ostastikanischen Gesellschaft zu gute kommen müssen. — Das Zentrum hat heute im Äbgeordnetenhause mit den Unterschriften der 'gesamten Fraktion den sog. Windthorstschen Schulantrag eingebracht, der in der Hauptsache verlangt, die königliche Staatsregierung aufzufordern, dem Landtage baldigst ben Entwurf eines Gesetzes vorzulegen, burch welche» ben Kirchen unb ihren Organen inbetreff des religiösen Unterrichts in den Volksschulen diejenigen Befugnisse in vollem Umfange gewährt werden, welche die Verfassungsurkunde im Art. 24 denselben burch den Satz: „Den religiösen .Unterricht in ber Volksschule leiten die betreffenden Religionsgesellschaften" zugesichert hat. Jrn weiteren spezifiziert der Antrag die Wünsche des Zenttums über die Anstellung bet Lehrer und die Erteilung des Religionsunterrichts. — Wie wir aus guter Quelle hören, wird die Vorlage, betreffend die Vermehrung der Artillerie, bereits in den nächsten Tagen dem Bundesrat zugehen und die Beratung derart beschleunigt werden, daß der Reichstag Anfang März in die Lage versetzt werden kann, sich mit der Vorlage zu beschäftigen. Mit Rücksicht darauf hat auch ber Präsident bes Reichstags bie Wiedereinberufung des Reichstags auf den
Marburg,
Freitag, 15. Februar 1889.
Ärscheint täglich «Her en Werktagen nach Sonn- und Feiertage«. — Qnartal-AbinmemrntS-PreiS bei der Expe- bitten 2% 2RL bei den Postämtern 9SH 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnfertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg., Reklamen für die Zelle 85 Pfg.
ei c hell ■CM.
(Nachdruck verboten.)
Im Sturm der Eifersucht.
Roman von Ernst Fritze.
(Fortsetzung.)
Sie ertoteberte seine» Gruß nicht, sonder» der» suchte, beängstigt vou diesem unerwartete» Besuch, eine Seitenthür zu gewinne», augenscheinlich tu der Absicht, hinter derselben zu verschwinde».
Kreisrichter Hellberg verttat ihr den Weg «nd führte fk unter sanften und beschwichtigenden Worten nach ihrem Platze zurück.
.Beruhigen Sie fich, mein Fräulein; eS ist ein
Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg M Kirchhain
Expedition? Markt 21. — »ebattion, Druck nnd «erlag von Iah. »ng. «sch.
zuzumuten, ist etwas viel. Die Zeit fehlt dazu oft, und vor allem wirkt ein gemeinsamer Unterricht ganz anders.
Deutsches Keich.
Berlin, 13. Febr. Das „Armeeverordnungsblatt" bringt eine Kabinettsordre vom 7. Februar, welche bestimmt, daß das 7. unb das 10. Armeekorps die diesjährigen Kaisermanöver abhalten; ferner finden bei dem 7. und 10. Armeekorps besondere Kavallerie - Hebungen statt. Zu dem Ende werden dem 7. Armeekorps zugeteilt die 22. Kavallerie- brigabe, das Kürassierregiment v. Seydlitz Nr. 7, das Husarenregiment König Wilhelm I. Nr. 7; dem 10. Armeekorps werden jugetetlt der Stab der 18. Kavalleriebrigade, das 1. Mecklenb. Dragoner- Regiment Nr. 17, das Hannoversche Husaren- Regiment Nr. 15, das 2. Brandenburgische Ulanen- Regiment Nr. 11 unb bas altmärkische Ulanen- Regiment Nr. 16. Die Bestimmung ber Divisionsführer bleibt dem Kaiser Vorbehalten. Ferner findet eine Pontonnier-Uebung auf dem Rheine zwischen Philippsburg und Mannheim, eine größere Armirungs- übung ber Fußartillerie bei Posen unb eine Belagerungsübung bei Cüstrin statt. — Don einem Berichterstatter, der fich wieberholt als gut unterrichtet über Vorgänge am hiesigen Hose gezeigt hat, wird den „B. N. N." geschrieben: „Zwischen dem „Berliner Tageblatt" unb der „Post" hat sich ein Streit über den Verlauf einer Audienz entspannen, welche eine Abordnung der hiesigen Universität vor einigen Monaten beim Kaiser hatte. Uns ist der wahre Hergang seit ungefähr drei Monaten genau bekannt unb wir wollen int Hinblick auf die gegenwärtige Preßpolemik mit dem, was wir darüber wissen, nicht länger zurückhalten. Wie alljährlich, begab sich auch am Beginn dieses Wintersemesters der neu gewählte Rektor unb Senat der hiesigen Universität zum Monarchen, um sich demselben vor- zustellen. Kaum hatten sie bas Aubienzzimmer betreten, als ber Kaiser in Gala-Uniform rasch in ber Thür, bie zu seinen Privatgemächern führt, erschien. Der Rektor begann eine Ansprache, die der Kaiser indessen mit den schnell gesprochenen Worten unterbrach: „Ich danke Ihnen, meine Herren, ich habe keine Zeit, ich muß gleich fort. Sie dürfen meines wohlwollenden Interesses für die Universitäten, unb besonders für bie Universität Berlin stets gewiß fein. Leben Sie wohl!" Damit waren die Herren entlassen. Das ist die ganze Geschichte! Eine absichtliche Brüskierung, die man in manchen Kreisen
Anzeigeu nimmt entgegen bie Expedition d. Blatte- sowie b. limoncen-Buteaui von Hänfenstem und Logier in Frankfurt a. SL, Kassel. Magdeburg n. Wien; Rudolf XXIV. Hahraaua. Messe in Frankfurta.M„Berlin, München«. Köln; 0.8. ^yui/iguug.
Daube u. Eo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paris.
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werden kann, wie es erwachsenen jungen Leuten gegenüber wohl angebracht ist, so sind eben die Besucher der Fortbildungsschule selbst Schuld daran. Gottlob nicht aus allen, wohl aber aus nicht wenigen deutschen Städten kommen immer wieder Klagen, welche von Widersetzlichkeit der Fortbüdnngsschüler gegenüber ihrem Lehrer berichten, die zuweilen sogar soweit geht, daß die Hilfe des Gerichts in Anspruch genommen werden muß. In allen Fällen, in denen die jungen Leute zeigen, daß eine strenge Schulzucht ihnen recht nötig thut, muß natürlich diese auch gehandhabt werden, und so mehr sind Jene zum regelmäßigen Schulbesuch anzuhalten. Der Fortbildungsunterricht ist heute, wo der Grundsatz gilt, daß niemand sich zuviel tüchtigen Wissens aneignen könne, geradezu notwendig. Es wird genug über Unfähigkeit geklagt, denn die Ansprüche an das Wissen sind bedeutend gestiegen, und mit Mutterwitz allein kommt man nicht mehr von der Stelle. Das Fortbildungs- ____, schulwesen ist auch im preußischen Abgeordnetenhause ig i»| in den letzten Tagen ber Gegenstand einer eingehenden Erörterung gewesen, unb man hat bie Wichtigkeit b «selben, die Notwendigkeit es zu sördern, nicht genug betonen können. Mit Recht! Die jungen Leute werden später Meister und selbständige Ge- »erbtreibenbe, und von ihren Kenntnissen hängt richt nur ihr eigenes Wohl, sondern auch das weiterer Kreise ab. Wissen und Leisten der Staatbürger erhöht auch Nationalwohlstand und Steuerkraft des