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Wöchentliche Beilagen: Kreis -Blatt für dir Kreise Marburg and Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt

Expedition? Markt 21. Redaktion, Druck und Verleg »ou Zoh. An«. Koch.

Auslaud.

Wien, 9. Febr. DieM. N. Nachr." bringe» folgende angeblich vollkommen zuverlässige, vo» hervorragender Stelle ausgehende Mitteilungen über den Tod des Kronprinzen Rudolf: Baronesse Mary Vetsera fuhr am Montag vormittag mit ihrer Freundin Gräfin Larisch angeblich auf Kommissionen-Beforgung. Am Kohlmarkte veranlaßte sie die Gräfin, allein auszusteigcn und in einen Laden einzutreten, worauf sie selbst auf der entgegengesetzten Seite den Wagen verließ und einer anderen Stelle zueilte, wo, wie sie wußte, der Fiaker Bratfisch auf sie wartete. Mit ihm verließ sie Wien und fuhr nach Meyer- ling. Unterwegs jedoch bereits gesellte sich Kron­prinz Rudolf zu ihr. Das Paar legte die weitere Wegstrecke ohne jede Heimlichkeit der Außenwelt gegenüber zurück. In Meyerling brachten Rudolf und Mary den Montag und Dienstag heiter z«, und zwar in Gesellschaft des Grafen Hoyos und des Prinzen Coburg. Mittwoch früh fand man die Beiden tot im Bette nebeneinander. Wer zuerst die Entdeckung machte, steht noch nicht fest, wahrscheinlich Kammerdiener Löschet. Die Kerzen waren ganz herabgebrannt, offenbar hat das Paar die Nacht durchwacht. Es ist unbedingt ausgeschlossen, daß sie ihn und dann erst sich erschossen habe. Rudolf tötete zuerst Mary und dann sich, ganz dem Wiener Romanstil entsprechend. Die Kugel trat bei ihm gegen das linke Ohr an der oberen Schädeldecke heraus, wodurch in Verbindung mit den verwachsenen Näthen eine Sprengung der Schädelknochen erfolgte. Auch die Vetsera ist in den Kopf geschoffen. Ihre Leiche wurde zu den Cisterziensern nach Heiligen­kreuz geschafft und dort in aller Stille beerdigt. Daß seitdem eine Exhumierung stattgefunden habe, ist falsch, ebenso, daß Rudolf die Leiche, ehe er den Selbstmord beging, noch mit Blumen gesckmückt habe. Sie wurden Beide schmucklos, tot nebeneinander liegend gefunden und von allen Kutschern, Lakaien, Dienern u. s. w., was nur in Meyerling war, eine Zeit lang begafft. So groß war die Kopflosigkeit! Von den Briefen, die Rudolf während der Nacht

16. Kapitel.

Melancholischen Angesichts gehorchte der treue Bursche. Das »»erhörte Ereignis hatte allmählich seinen Weg bis in die Waldung gefunden und die «agewöhuliche Abwesenheit der Forstmeisters erklärt. Der treue Bursche glaubte au keinen Mord, wie mau ihm berichtet hatte, aber er fürchtete einen unglück­lichen Schuß, der, in der Hitze des Zornes ausge- führt, mehr als ei» Schreckschuß geworden war.

Als Frau Hedwig unter heftigem, ängstliche« Herzklopfen mit ihrer Kleinen durch die wetten Kornfelder fuhr, drang daS traurige Geläut der Altenbeker Glocken durch die stille Luft. Ctlli, die mit starren, offenen Auge» durch die baumlose» Fluren fuhr, wo es keine Waldgeister gab, fragte ihre Mutter, was das für eine Musik i» der Luft sei.

O, die arme Fra« wußte, daß unter diesem Ge­läute ein Manu begraben wurde, den ihr Gatte ge­tötet haben sollte. Sie antwortete nicht.

Man bringt die Leiche nach der Residenz", sagte Franz, sich zu ihr weudend,und der andere Herr von Schweitzer begleitet sie nicht einmal, er bleibt hier."

Zum ersten Mal in ihrem ganzen Leben drängte sich eine bittere Verwünschung durch die reine, lebens» frische Seele der jungen Fra». Sie brachte sie nicht über ihre Lippe»; aber sie gestaltete sich in ihre« Innern zu eiuem trotzige» Mute. Die Vergangen» heit dieser Brüder im Zusammenhänge zu erforsche», mußte Buuseu ein Leichtes sein, und in dieser Ver­gangenheit ruhte der Anlaß z» eiuem Racheakte, wie ihn die Worte verrieten: ,Hch hab« ihn totgeschossen, wie ich es Euch geschworen habe."

Mit diesem trotzige» Mate ausgerüstet, langte sie in Drebitz an uud stieg sogleich beim Amte aus.

Die Gemahlin des dicke» Herrn sah und erkauute sie. Der Amtmann selbst saß im Seffel nnd ver­schlief seine» Aerger. Die Gnädige weckte ihn.

(Fortsetzung folgt.)

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mhtiger Trauer, daß die verleumderische Jntrigue

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Lreuzztg." teilt zur Steuer der Wahrheit mit, daß er Kaiser sich allerdings neulich mißbilligend über

ü^rankreich zu betreten, mochten sie dort Verwandte Mm ober nicht. Einem deutschen Offizier, der in Welfort kranke Verwandte besuchen wollte, würde es «gehen, wie es den deutschen Studenten dort er- wgen sei, und weit schlimmer; ein deutscher Osfi- er würde, wenn er gegen die ihm widerfahrene

Pfarrer Bruck abgehaltenen Requiem für den Kron- Prinzen Rudolf von Oesterreich wohnten der König, die Prinzen und Prinzessinnen, das diplomatische Corps, die Generalität, die Minister Bischof Bernert und eine zahlreiche Trauergemeinde bei.

Darmstadt, 8. Febr. Der Ständekammer ging heute ein Gesetzentwurf betreffend die Errichtung einer Landeskreditkasse zu.

>ir die Hoffnung auf eine friedliche Stimmung unfe­es Nachbars haben aufgeben müssen," schließt die Sotbb. Allg. Ztg." ihre Auslassung, .so verfahren

ww fortan ohne Haß und Zorn, nur aus politischer Berechnung, nach den Satzungen der Gegenseitigkeit. Solche Väter und Mütter, die nach 19 Jahren noch ihre Söhne im französischen Heere für den uns täg­lich drohenden Krieg bereit halten, sollen nach Frank­reich übersiedeln, um sich den Verkehr mit ihren Kindern zu sichern."

Bei dem großen Interesse welches heut zu­tage unterem höheren Schulwesen entgegengebracht wird, erscheint es angemeffen, Angaben, die in dem .Statistischen Jahrbuch der höheren Schulen Deutsch­lands" enthalten sind, mitzuteilen, besonders da sich dieselben auf ganz Deutschland beziehen. Danach gab es im Jahre 1888 im Deutschen Reiche im ganzen 416 Gymnasien gegen 409 im Vorjahre. Auf Preußen entfielen 264, auf Bayern 35, auf Sachsen 17, auf Württemberg und Elsaß-Lothringen je 15, auf Baden 14, auf Hessen und Mecklenburg- Schwerin je 7, auf Braunschweig 6, auf Olden­burg 5, auf Anhalt 4, auf Sachsen - Weimar und Mecklenburg-Strelitz je 3, auf die übrigen kleineren Staaten je 12 Gymnasien. Fünf- bis sechs- klassige Progymnasien gab es 54 gegen 53 im Vor­jahre. Die meisten dieser Anstalten (40) haben Preußen, Elsaß-Lothringen (5) und Württemberg (4). Je 2 finden sich in Baden und Hessen, 1 in Sachsen- Ko bürg. In den sämtlichen übrigen deutschen Bundes­staaten sind berechtigte Progymnasien nicht vorhanden. Die Zahl der Realgymnasien belief sich 1888 auf 135 gegen 136 im Vorjahre. Auf Preußen ent­fielen 91, auf Sachsen 11, auf Mecklenburg-Schwerin 6, auf Bayern nur 5, auf Hessen 4, auf Württem­berg, Baden, Sachsen-Weimar, Sachsen-Meiningen, Anhalt und Bremen je 2 dieser Anstalten; 6 Bundes­staaten hatten je 1 Realgymnasium. Ferner gab es 109 Realprogymnasien gegen 108 im Vorjahre und 17 Oberrealschulen gegen 16 im Vorjahre. 86 der Realprogymnasien und 12 der Oberreal­schulen entfielen auf Preußen. Die Zahl der Real­schulen und höheren Bürgerschulen belief sich auf 154 gegen 153 im Vorjahre. Nur 38 dieser An­stalten hat Preußen auszuweisen, während auf Bayern 33, aus Sachsen 20, auf Hessen 14, aus Baden 11, auf Württemberg und Elsaß - Lothringen je 10 und auf die übrigen Lände? zusammen 18 entfallen. An anderen öffentlichen und privaten berechtigten Lehr­anstalten waren 81 gegen 85 im Vorjahre vor­handen, so daß die Gesamtzahl aller berechtigten höheren Schulen im Deutschen Reich im Jahre 1888 968 betrug gegen 962 im Vorjahre. Interessant ist es, wie die Ressortverhältnisse in den einzelnen

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AeZmches Reich.

Berlin, 9. Febr. DerReichs-Anz." bemerkt, die stattgehabte Audienz des Präsidenten Bödiker «d des Brauerei-Direktors Rösicke beim Kaiser «n diesen Herren nicht nachgesucht gewesen sei. Die-

Staaten liegen. So ist in Bayern, Württemberg, Baden, Heffen und Elaß - Lothnügen das höhere Schulwesen Landessache, in Süddeutschland kennt man überhaupt keine städtischen derartigen Anstalten. In Preußen ist die Mehrzahl der Gymnasien königlich, wogegen die Realgymnasien und sechs- bis siebenklassige höhere Schulen überwiegend städtisch sind. Von 40 Progymnasien sind nur 14, von 91 Realgymnasien nur 19, von 86 Realprogymnasien nur 14, von 38 Realschulen und höheren Bürger­schulen nur 1 königlich. In Sachsen sind von 17 Gymnasien 4, von 11 Realgymnasien 7 städtisch. Die 20 Realschulen sind sämtlich Gemeindeanstalten.

Potsdam, 9. Febr. Der ungünstigen Witte­rung wegen fand die Uebergabe der von Sr. Ma­jestät dem Kaiser den 3 Bataillonen des 1. Garde­regiments zu Fuß verliehenen Fahnenbänder, anstatt im Lustgarten im sogen, .langen Stall" statt. Lachdem der Kaiser die Front der im langen Stall ausgestellten Bataillone, gefolgt von einer zahlreichen Suite, in welcher sich auch die Marokkanische Ge- sandschaft besand, abgeschritten hatte, richtete er an das Regiment mit weithin schallender Stimme eine Ansprache:Am heutigen 12. Jahrestage Meines Eintrittes in das Regiment, der an derselben Stätte erfoglte, habe Ich euch zusammengerufen, um euch einen neuen Beweis Meiner Huld und Gnade zu verleihen. Das 1. Garde-Regiment nennt sich mit Stolz das erste und vornehmste der Armee. Seine Geschichte reicht zurück bis in die Zeiten Friedrich Wilhelms I. und seiner Riesen-Grenadiere und das Regiment trägt in seinen äußeren Abzeichen die Er­innerung an die Riesengarde des Soldatenkönigs. Es ist gelungen, die Geschichte des Stammes noch weiter hinauf zu verfolgen bis zum Jahre 1688. Zur Erinnerung daran verleihe Ich dem Reaiment Fahnenbänder, welche an diese Zeit seines Ursprungs erinnern sollen." Die Ansprache schloß mit der Mahnung an das Regiment, sich alle Zeit seines Namens und seiner Geschichte würdig zu zeigen. Hierauf befestigte der Kaiser mit eigener Hand die Bänder au den Fahnen. Dieselben tragen auf schwarzem Grunde mit silberner Einfassung die In­schrift : .Zur Erinnerung an 1688"; darunter steht auf dem einen Bande der NamenszugF. III.", auf dem andern die Jahreszahl1889" und der NamenszugW. II." Die Schleifen der Bänder tragen die silbergestickten Jahreszahlen1688" und .1889." Der Verleihung folgte ein Parademarsch in Zügen.

Dresden, 9. Febr. Dem heute hier durch den

lall». MH davor zurückschrecke, den Monarchen zu betrüben. ert- L Die Reichstagskommission für das Alters- und »ivalideiwersicherungs-Gesetz lehnte heute den Antrag is Einrichtung einer Reichsversicherungsanstalt ab. - DieNordd. Allg. Ztg." bemerkt zu den Angriffen

«französischen Preffe gegen die deutsche Botschaft und kr Angelegenheit des Senartschen Tagesbefehls: 50 pfe ** Botschaft habe, als sie das Paßvisum zu ertei- m ablehnte, nur die ihr erteilten Vorschriften be- ilgt, welche von Berlin ausgegangen; es sei ihr irch Erlaß des Reichskanzlers allgemein untersagt, även französischen Offizieren Paßvisa zu erteilen. Sie französische Presse habe auch gar kein Recht, »» h über das Vorgefallene zu beklagen. Ihre Hetze- «n, verbunden mit den drakonischen Bestimmungen es srcnzösischen Spionagegesetzes, machten es den * Kiven deutschen Offizieren schon lange unmöglich,

kreis«, reu Redakteur, Freiherr» v. Hammerstein, einem ^geordneten gegenüber ausgefprochen und daß er «sagt habe:Was ist in Hammerstein gefahren? sch?** 1 ja Welse geworden sein?" DieKreuzztg." ' Gemerkt dazu: Es erwecke bei ihr das Gefühl auf-

Pieper ihandlung klagen wollte, vor französischen Gerich- 8 leinen Anwalt und kein Recht finden. ~

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scheint täglich außer an Werttaqen ssw Sonn-und Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blatte«

Seiertesten.^ derSxpv- HPCÜTUIWtL We d. Amwueen-Bureaux mm&enftemunb Sogtet

drtion Mi., bti den Postämtern I Mi. 50 Pfg. fextt. _ " in Nranttsrt c. M° Laffcl Maadrdura n. »»Eott YVTV

GestellM). .Jvsertum^bähr juc bie gefönt Zeile Dienstag, 12. FehlUM' 1889. Moffe in Frankfurt B-rlinMürAnSn f®.L. H"' JahrglMg«

10 Arg., Reilamen für die Zelle 25 Pfg. u* Daubeu.So.mFrankfurt a.R.,BerlimHannover Paris.

dben waren vielmehr vom Kaiser besohlen, der sich Frau tta baS int Interesse der Arbeiter geplante Aus- Bilden ellungsunternehmcn unterrichten wollte. Ein ichach erwähntes Gerücht von der Erschütterung a Stellung des Finanzministers Scholz findet in illamentarischen Kreisen nur insofern Glauben, als ilmo? -ts-chlich der v n Scholz ausgearbeitete Gesetzent- < ms, betreffend die Reform der direkten Steuern, edrici« gn Bismarck zurückgewiesen worden ist. Die

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4 »Ja! Ja! Ich lief fort, u»d Tiras, der immer ? lärmt nnd bellt, de» sperrt' ich in die Mädchen- «be". bekrästtgte die Kleine fröhlich.

»Du Kobold I Wenn Dir »nn Schaden ge. Wm wäre?'

...»Ach Mama, die gute» Waldgeister thun mir Ms. Und da ging ich denn gleich »ach dem Feld- 2*8« hinaus und pflückte eine Menge Kornblume». S*'1 mit einem Male kriegte ich eine» Schreck, Mama. t*a kam ein schwarzer, kohlschwarzer Waldgeist ans ^Feldwege daher, der konnte nicht ordentlich

[Nachdruck verboten.)

Im Sturm -er Eifersucht.

Roman von Srnst Fritze.

(Fortsetzung.)

Fran Hedwig »mschlaug sie bewegt, sie küßte die Ikenlose Stirn der Kleine», die sich, betroffen von

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cgieape .Was erzählst Du der kleinen Anny für Ge- 1 eine Richten, Cilli? Dergleichen mußt Dn dem Kinde W vorlügen, hörst Tn?' sagte sie, mehr sanft Aend, als befehlend.

Cäcilie richtete rasch ihr bekränztes Köpfchen von «t Brust der Mutter auf und entgegnete ernst und nichtig:

stione« £ Mutter Thiam», ängstlich an sie schmiegte und »eine» * bleichen Wangen derselben streichelte.

. »Gelogen hab' ich gar nicht, Mama.' Ihre ~I..'j8®8en blickten habet mit einem Ansdruck in die

*efle» der Mutter, den sie ihrem Vater abgelanscht Wut mochte. .Ich wist eS Dir erzähle», aber ganz ^wiß, wie eS gewesen ist, und nicht ein Wort dazu speck- Jeu. Siehst Tu, Mama, ich wollte gern Korn,

b. ik8rtot» haben, aber Du schliefst heute so sehr lange, |t®6 ich* eine allerliebste Aengstlichkett «alte sich r» P ihrem Gesichtchen.

zrop» i .Daß Du ohne meine Erlaubnis sortliesest', »iinite die Mutter.

.Ctlli, bleibe bei der Wahrheit', mahnte die Mutter.

.Sanz gewiß, er konnte nicht ordentlich laufen, und er war kohlschwarz. Der Waldgeist setzte sich am Grabe» nieder, aber gar nicht lange; den» da kam die schöne Waldfee mit de« goldenen Haaren; da stand er schnell ans und stellte sich mitten auf de» Weg. Da schrie die Waldsee laut vor Angst und Schreck und wollte sortlauseu. Da rief der Waldgeist: .Bleib und höre!'

.Das hast Du vorhin nicht erwähnt, Ctlli', mahnte die Matter, immer anfmerksamer werdend.

.Aber es ist so, ganz gewiß. Hör' nur zu, Mama.'

Sie legte die kleine Hand au die Stirn, als wolle fie Nachdenken.

,3a. So war es. Und da blieb die Waldfee wieder stehen und sagte: .Otto, Ott», wo kommst Du her? Und da streckte der schwarzs Waldgeist seine Hand aus, die war aber nicht schwarz, sondern schneeweiß, und sagte: .Kehr' um!'

.Vorhin sagtest Du .bleib da', wendete Frau Hedwig merklich aufgeregt ein.

.Da hab' ich falsch gesagt, Mama. Der Wald, geist sagte: .Kehr' nm, Ida; er kommt nicht, Dich zu holen; er kommt nie wieder, ich habe ihn totge- schosseu, wie ich eS Euch Die Kleine stockte, als könne sie das rechte Wort nicht finde»; ihre Mutter horchte atemlos, half ihr aber nicht ein, bis fie fragte: .Mama, heißt eS nicht geschworen? Fran Hedwig nickte.

.Ja, so sagte er, wie ich eS Euch geschworen habe. And da fiel die Waldfee auf ihre Knie und sagte immerfort: ,O, T» Schrecklicher, Du Schreck­licher', wobei fie weinte und die Hände vors Gesicht schlug. Aber da kam der Tiras den Weg entlang gelaufen nnd bellte; er hatte mich anfgespürt. Und da war die Waldfee verschwunden und der schwarze Waldgeist auch.'

»Ist das wirklich wahr, Ctlli?' fragte Frau Hedwig in stürmischer Bewegung.

»Ganz gewiß, Mama', beteuerte die Kleine mit ihrer hellen, znverfichtliche» Stimme.

.So hätte Dich Gott vielleicht zur rechten Stunde in's Feld hiuausgelockt', flüsterte die Mutter, ihr Kind inbrünstig küssend. ES war wie ein Lichtstrahl in ihre Seele gefallen, daß hier eine Aufklärung des fruchtbaren Verdachtes z» finde» fein möchte, der ihre» Gatten getroffen.

.Von welcher Seite kam die Waldfee, CM?' fragte fie, mühsam ihre Faffnng behauptend.

Von daher, wo Förster Menzel wohnt, Mama.'

Ortauhof V* flüsterte Fran Hedwig ganz leise. Und der schwarze Waldgeist, woher kam dieser?"

Ans dem Walde, Mama, mitten durch die kleinen Bäumchen bis zum Sieg über den Graben; da ging er hinüber und setzte fick hin, als sei er recht raube.'-

Nun lauf und spiele mit Anny', sprach Fran Hedwig. Sie maßte allein fein, nm sich fassen zu könne». Sie fühlte, daß es gewagt sein würde, direkt die Wahrnehmungen ihres Kindes zu benutzen. Was war zu thun? Nachforschungen halten, wer die beiden Menschen seien, die ihre Kleine al# Wald­geister bezeichnete? Und wenn fie erfuhr, wer das schöne Mädchen war? Die Verhältnisse zeigten sich derartig nnangeuehm, daß niemand freiwillig den Schleier des Geheimnisses lüften werde.

Wie eine Inspiration überkam fie plötzlich der Entschlnß, zum Amtmann von Bunsen ihre Zuflucht zu nehmen, ihm, der ihren Gatten verhaftet hatte, de» Weg zu zeigen, wo er den wirkliche» Thäter suchen könne.

Rasch ordnete fie ihre Toilette, kleidete ihre kleine Tochter in den Sonntagsstaat nnd bestellte, daß Franz de» Jagdwagen bereit machen solle, um fie nebst Cilli nach Drebitz zu fahren.