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Sllnstriettrs Sonntagsblatt

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Die übergroße Reichhaltigkeit der politischen Er­eignisse in der ganzen Welt «ährend des Jahres 1888 zwingt uns, uns in dieser Jahresrundschau in gedrängter Kürze zu fassen. Wir können das umsomehr, als das Jahr 1888 und sein Verlauf weder in einem deutschen Herzen vergessen ist, noch fe vergessen werden wird. Die Geschichte Deutsch­lands teilt sich in drei scharf abgegrenzte Perioden: i D'e letzten Wochen Kaiser Wilhelms I., die 99 Tage, der Beginn der Regierung Kaiser Wilhelms II. Wir lassen nun noch einmal, was uns in diesem Jahre betrübt und erfreut, vor unseren Lesern vor­überziehen, zur Erinnerung, zur Mahnung und zum l Beispiel. I

3m neuen Quartal kommt im unter- altenden Teil der höchst spannende Roma«

In Kirchham nimmt Herr Buchbinder indt Bestellungen entgegen.

Soweit der Vorrat re.cht wird der Sand- ttnb Schreibkalender für 1889 uch den Nachbestellungen noch beigeqeben erben.

bennmm hat sich bewllttderttttgSwürdig

bettomme«, und wo man ihre» Namen nennt, wird «>*

,@Bfreut mich, daS auch von Jhueu zu büreu". ' Mr "** 16« 4*«

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Sie ließ ihn gewähren, in der Hoffnung, daß er einen ruhigen Entschluß fassen würde. Endlich sagte et:

«Karoliue, laß meinetwillen jede Sorge schwinden: ich will den Bersnch machen, meine Liebe zu bekämpfen." -,ch-N,L"»*1

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Zufrieden, so viel erreicht zu haben, erwiderte ste ruhig:

~ totrP bald zur Einsicht kommen, daß mein irU?LöeWtfen W und mir danken, daß ich Dir die Geschichte von Elisabeths erster Liebe erzählt habe."

.ES ist wenigstens gut, daß ich sie erfahren", entgegnete er duster. .Doch nun laß uns schweigen, Karoline, Du hättest bester gethau, die Sache gar! nicht zu berühren, obwohl ich Deine gute Absicht nicht verkenne. Gieb Elisabeth diese Briefe, die sie morgen znrückschicken muß.

Er reichte ihr verschiedene Papiere und an den Tisch tretend, trank er hastig einige Gläser Wein. Dann bot er ihr einen guten Abend nnd wollte schnell das Zimmer verlosten, als die Majorin ihm ent­gegentrat und in flehendem Tone sagte:

.Ludwig, Du bist so aufgeregt, gehe noch nicht oder wenigsten» nicht allein." W W

.Meinest Du, ich würde mir ein Leid anthuu?" froflte er mit erzwungenem Lachen. Nein, Karoline, das Leben nehme ich wir deshalb nicht, darauf verlaß Dich." Und durch die Beranda in den Garten 1 hinausttetend, eilte er ans die Straße hinaus. i

« ging Mb nach einigen Minuten stand Wendtorff der Rätin gegenüber. Beide be. trachteten sich mit ernsten Blicken; er war noch

24. Kapttel.

. Die Gerichtsrätin Waldheim Mb Hermine Stein besanden sich wieder in der Heimat, von Berwandten und Freunden umgeben, die alles aufboten, nm die leidende Frau zu erheitern.

.Einmal wieder hier, Frau Rätin", hatte der Gerichtsdirektor Stahl in scherzendem Tone gesagt,

Gebeugt und tief erschüttert durch des einzigen Sohnes unheilbare Krankheit trat der gute, alte Kaiser in das neue Jahr ein. Doch die Sorge um des Reiches Wohl beschäftigte ihn nicht minder, als die um den Kronprinzen, der seit dem Herbst 18871 in der Villa Zirio zu San Remo lebte. Die Zeit­verhältnisse waren nicht sehr befriedigend. Die russischen Truppenverschiebungen nach der deutschen und österreichischen Grenze standen in höchster Blüthe, die Nachwehen der bekannten Notensälschungen, über I welche Fürst Bismarck den Czaren bei besten letzter Anwesenheit in Berlin aufgeklärt, waren noch nicht! überwunden, trotzdem im deutschen Reichsanzeiger! das Machwerk amtlich als Fälschung bezeichnet war. Die russische Preste führte eine auffallende Sprache gegen Deutschland, die immer schlimmer wurde, je ruhigere Antworten erfolgten, und in Paris freute man sich natürlich weidlich über diese Zuspitzung der Beziehungen zwischen Berlin und Petersburg.! Der alte Kaiser dachte an die allgemeine Sorge um die Erhaltung des Friedens und so sprach er denn beim letzten Neujahrs-Empfänge seiner Generale die Worte, welche sich als wahre Prophezeiung im Laufe des Jahres gezeigt haben: .Meine Herren, Ihre Aufmerksamkeit wird in diesem Jahre besonders den I Kaisermanövern in der Provinz Brandenburg gelten Die deutsche Politik suchte indessen Klarheit und er­zielte sie auch : Am 3. Februar erschien im Reichs- anzeiger urplötzlich der Wortlaut des Bündnisver­trages zwischen Deutschland und Oesterreich zum Beweise der Reinheit der Absichten beider Staaten j die nicht zum Kriege gegen Rußland, sondern nur >ur Abwehr russischer Angriffe zusammengetreten waren. Kurz vorher war der Reichskanzler vom Lande wieder in Berlin eingetroffen und unter dem Eindruck seiner großen, mit lautem Jubel begrüßten Reichstagsrede nahm die deutsche Volksvertretung

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Bestellungen auf die

Oberhesfische Zeitung

«ebß Kreisblatt

ssiven 'st

Darauf vermag ich Dir keine Antwort zu geben, schritt einige Male im Zimmer ans und ob, aber vor feiner Kousine stehen bleibend, sagte » leidenschaftlichem Tone: ' '

unb dennoch, trotz Deiner MitteflMg, Karoline, ich versuchett, Elisabeths Liebe zu erlangen." »«wohne Dich an den Gedanken, ihr entsagen Men, Ludwig", warnte Fran von Falkeuberg. . JSrem festen Charakter, den Du auch längst au haben wirst, mußt Du überzeugt fein, daß rn,n Ehe eingeht, wenn sie nicht Helberi

«v'ffs Weib werden fannl Laß deshalb solche b!°°,1°hren^ Ludwig I" fuhr die Majorin fort. M schon Mancher seine Liebe aufgeben müssen ?<rJ bJLe Driuige zu Elisabeth über.

beA fl'be 08 irgend einem

ür die weite Welt. Gronau wird schon im

* H«. "e Geschäfte der Firma Escheubach i beendigen."

1 stritt eine Weile im Zimmer auf und ab.

«°tt sie mit erhalten, nachdem et mir meinen Schwiegersohn so schnell genommen."

.. weiß alles, Fran Rätin, alles, denn ich habe Ew rm°rn 3°tetefle Jhte Schicksale Verfolg? Sie ^^lust des Eschenbachschen Reich. tumS nicht zn seht zu beklagen."

ist allerdings wahr, allein das Geschick können, doch auch ein anderes sein

nnb TOhm 6 trä8t die vielen Verluste mti Ruhe

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Die Freunde hielten Wort. Sie erschienen jeden! Tag im Hause bet Rätin und unterstützten, so viel! sie konnten, Hermine in ihrer Pflege. ' ' | Morgens begann die Rätin von dem I S11 a 2B.ebtr0Iff »u sprechen. Seine Hochzett

sollte im Herbst stattfinden und auch sein Sobn! wurde erwartet, um die ErbschaftSangelegenheit ru I

Helder t Wend toi ff hatte darüber noch kürz- «Ä. tintm ^ennbe, dem Doktor Stein geschrieben

SiHr0eJugf,' ba6 kein Aufenthalt in der Heimat sagte Hermine:^ ®°er ftta Bfltbe- Plötzlich

Kreise Marburg usd Kirchhain

und

IllnSrierles Sonntagsblatt

9t9mn st4 «llf dkN Kaiser Frikd-

Ä" Proklamation an das Volk, sein herz- bSS1!" bEs 5ütften Bismarck, seine kraft. I volle Sprache zu den Bewohnern von Elsaß-LoL-^.^

n9d^n B-'f°ll. Kaiser Friedr^" ' V ist St. bt\ würdige Nachfolger seines Vaters.

ber 99 ^ge von Zerwürfnisse zwischen dem Kaiser und dem Reichskanzler gesprochen können"^?16 '*! ba^n ni^t8 Große Männer hZÄ ^"^lnen Fragen recht wohl in ihren Ansichten trennen, ihre Endziele bleiben deshalb doch dieselben Der ganze Verkehr Fürst Bismarcks mit dem Kaiser und der Kaiserin zeigt, daß der Rcichs- IÄjJT 5! ""^ilbares Zerwürfnis mit beiden fÄJh ^ vorliegenden Differenzen ordneten sich stets, der Kaiser gab in vielem nach und der SCb vichl hartnäckig. Die Batten- erledigte sich durch den Mei­nungsaustausch zwischen Kaiser und Kanzler sehr' Kaiser Amnestie-Erlaß beschränkte der

Wunsch Fürst Bismarcks, hingegen erhob der letztere keinen Widerspruch, als ssth^das

^Nachdruck »erboten.] Die Villa am VH ei«.

Origmal-Novelle von Mary Dobson.

iFortsetzung.)

.Gern", antwortete die Majorin,aber Dn mußt t unselige Neigung anfgeben, die für Dich m «» guten Ende führen kann." W '

«b ste erzählte ihm nun alles eingehend vom

Verlobung ihres Brubers an, auch von Weitokt, sie mit ihrem verstorbenen Manne Mr Zett der Hochzeit gewesen, bann das Ge. ? lhreS Bruders mit der Rätin während Elisa, -plötzlicher und unerklärlicher Krankheit und schließ- ^L, was sie im Gartenzimmer erlauscht hatte. »®o kommt er wieder l" rief Ludwig Albrecht, kommt zurück und wird dann, da er Gustavs etn 1-' unttr Ottern eigenen Namen hier

von Ernst Fritze eben anderen kleineren Novellen und Humo- esken zum Abdruck, worauf wir besonders lufmerksam machen. \

L $?I,er Fredrich hatte den Thron bestiegen, Prinz ' ©rnte TICSr cmen Tag für seinen todkranken stimm Nn?" ^"kschaft geführt, welche auch von $ Er baIb ,n erweitertem Umfange ihm übertragen wurde, war Kronprinz geworden. Der 8m hatte sich ohne alle Störung vollzogen. te,teS a9e Unb bcr preußischen Landesver. Wllbelm« °m Tage des Hinscheidens Kaiser hnr/fr. -- 1 rbtC. Etlichen Mitteilungen gemacht.

h°"e Fürst Bismarck b ° sunde gebracht und zugleich das Dokument mit I bbr letzten Unterfärift des Kaisers vorgelegl, ivelche I s ^^?'/ ^rnden Finger vollzogen. Der todkranke, Mbertoei^h 6rac^ mit seiner Gemahlin

unverweilt von San Remo nach Berlin auf. Bei « ,^a e er die letzte Begegnung mit König [ ^1,mbe.rt. Vo" Italien, der seinen kaiserlichen Freund ! mit Thronen in den Augen verließ, und schnell ging die Fahrt durch Tirol nach Deutschland. In Leipzig den°kl? Arft Bismarck mit dem Staatsministerium S/rs,fet '?en terrn' bct de» treuen Diener seines

Iber stattliche Mann, bet er vor Stabten aewest« I r*#a 6n ?aar tuar merklich ergraut und seine Ge» I «at ren 6lel KOn b<m hochmütigen unb harten

M nfff ret?^'?etJLnra sonst eigen gewesen. In»a^e 6Iitfte er auf die Kranke irn W" 5tW u»d Lebeus- Ä.?«?b fa,6teu bewegtet Stimme:

»Nehmen Sie meinen Dank, Fran Rätin, für die

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«»»Sk haben recht, Herr Wendtorff", erwiderte die ebenfalls mit bewegter Stimme, .ich habe Schweres erlebt und werde es wohl nie gauz übet.

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kmf6- Februar das Wehrgesetz einstimmig an. Als Kaiser Wilhelm dies Resultat von seinem Enkel dem Prinzen Wilhelm, welcher der Sitzung beiae^ wohnt, erfuhr, fiel er ihm vor Freude weinend um taae ^narfi' 93'ämrcE§ @ang aus dem Reichs-, E"achHause wurde zu einem Triumphwege. ®ie Kriegsbefurchtungen schwanden infolge der Rede es Kanzlers, ganz Deutschland sah mit gutem Mut den kommenden Tagen entgegen. Die Nachrichten aus San Remo lauteten nicht ungünstig, auch der rnetoem Qt Ct tefi^ÜOn ^nem Blasenleiden, von welchem er nach Neujahr befallen war, bald wieder!

H"r,Wendtorff, Fran Rätin, Md er scheint hierher zu kommen."

diese schnell.

«Nein, sein Batet."

.Sein Batet?" wiederholte die Rätin. TOnrr^esi^, u>frd sogleich das Haus betreten. empfaS0?n ? H S < M meIbe sollte, Pe tnhig?^" i5flette e,ne Augenblick, bann sagte Jj-Ü, uicht anders, Hermine. Es würde Äe? wolltet fete' totn feiaen Besuch ab.

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W°che ^J^^^e^^teW^^ter;om,^itto mit rtende?^?^n°t des hohen Patienten nahm Iwr ? Schnelligkeit zu, und so mußte man und äetat°n 9rC,fen' bic von Dr. Bramann rasch unb sicher vollzogen wurde. Von da ab war alles I ieresse nur noch nach Sau Remo gerichtet Der 2 emitlSpmte ¥ bCr Hi°bsp°st in Thränen auä, mit Gewalt wollte er die weite Reise unter- ubhm-n und nur mit vieler Mühe konnte er von dem Vorsatze abgebracht werden. Prinz Wilhelm I nfa<e °n encr ®tcDe- Langsam, viel langsamer Kräftt°zu^abl^ des Kronprinzen

in, aber gebrochen war die Lebenskraft des

Um biefc Znt starb auch der junge tiOn Baden, andere treue Diener teS?te\9t"Öenc iur ewigen Ruhe ein, und da senkte auch der große Kaiser sein müdes Haupt neunten Morgenstunde des 9. März ent ! s^ief er nach ganz kurzem Krankenlager. Anfäna- Rosste man, auch dieser Anfall werde vorüber aber bald stellte sich die absolute Hoffnungs- ostgkelt heraus, ^n den Armen der Kaiserin starb | W-lh-lw I, Deutscher Kaiser, König von Preußen Um ihn weinte die Welt, kein Staat blleb mst kinS^"9'" °"s und überwältigend war L>m''^nfe,9nnrni§c Charlottenburger Mauso- leunt ruht seine sterbliche Hülle.

Di- Exp-d. der Oberh. Z-itu«g.

Detttschla«- und das Jahr 1888.

DSchentÜchc Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sxpeditwu- Markt 21. Rebattion, Druck und Setlag von Joh. $ag EyH, Erscheint täglich außer an Werttage« nach wann- und < -------------------

Marburg, SäääÄÜW--

WC U Donnerstag, 3. Januar 1889. XXIV. Jahrgang.

D°ubeu.Lo inFrankfurt a.Berlin"Sann.°^*

Lau^ * günstige Stimmung währte leider kaum eme Woche Aus der großen November- korssultation der Ärzte in San Remo war so viel doch m.t Sicherheit bekannt geworden, daß bei dem ! roXPrt"8enJrU^C.r °bcr sp°ter der Luftröhrenschnitt [»erbe angewendet werden müssen. Diese Ankün- dlgun9 war indessen halb vergessen, man beschäftigte ch.^hr -n.t dem um diese Zeit begonnenen Streit

Dr itte " Dr Bergmann und

denHintergrund, als^zum SchlHder ersten Februar" Dom ?bers"b f2c^e®ai^r Wilhelms inden Be'rllner Woche recht schlechte Nackrick.^» überfuhrt wurde, traf von seinem Sohne und

^t^Ellienangehörigen empfangen, der Kaiser in S Von einem Fenster dieses

^erteen *1^ QUC^ iCn Sarg seines Vaters vor- verbot S ' bCm 8 ^lgen seine Krankheit ihm

i Das Dreikaiserjahr ist vorüber. Ein Jahr der rauer und des Schmerzes, aber auch ein Jahr der »ft unb ber Einmütigkeit einer ganzen Nation 188 war die Probe auf das Meisterstück von 1871 d wohl dem deutschen Volke und dem deutschen y Alande, die Probe ist bestanden. Das deutsche schreitet fort auf dem Wege einer kraftvollen itwicklnng und seine Bürger können der Zukunft rost ins Auge sehen, sie können hoffen auf eine ----- «rnde Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse je Besserung, auf welche Tausende unb Aber- faibe harren, wäre wohl im eben abgelaufenen 1L8S iL*. mc^r schon zutage getreten, wenn nicht bie ' das öffentliche unb wirtschaftliche Leben in Hem Maße ununterbrochen beherrscht hätte. Vor ben großen Ereignissen mußten bie kleinen Fragen Alltagslebens nur zu häufig zurückstehen.

u ; «rden noch fortwährend -von sämtlicheN ichten, Postämtern und von unserer Expedition ent­egengenommen.