Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sxpckitio«! Markt 21. — Retattüm, Druck trab Verlag do« Joh. Sag.
'itung.
- Illustriertes Sonntagsblatt.
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des nahen Todes; nicht der eigenen Person galt der letzte Gedanke, er galt dem Daterlande.
Kaiser Wilhelm II. hat die Friedenspolitik seines Großvaters und Vaters mit voller Erkenntnis und kraftvoller Energie ausgenommen, er hat mit Entschiedenheit ausgesprochen, daß auch sein Sinnen den Werken friedlicher Arbeit und einer förderlichen Gesetzgebung und nicht der Erlangung verlockender kriegerischer Lorbeeren gilt. Daß es dem jungen Kaiser mit seinen Worten gewissenhafter Ernst, beweisen seine großen Reisen durch halb Europa, der Eifer, mit welchem er darnach trachtete, die Beziehungen zu den Nachbarstaaten so freundlich wie möglich zu gestalten, die überkommenen festen Bündnisse durch Wort und Handschlag zu bekräftigen. Auch in der stürmischen Zeit zog des Reiches Schiff ruhig seine Bahnen, wir beobachteten wohl Vorsichtsmaßregeln gegen in der Ferne zeitweise erscheinende drohende Gefahren, aber nie ließen wir uns fortreißen, Drohung mit Drohung zu erwidern. Deutschland ist ruhig im Vollbewußtsein seines Rechtes und seiner Kraft, im Hinblick auf den großen Friedensbund, welcher die Völker Mittel-Europas vereinigt, auf das Bündnis, welches seine Probe bereits bestanden/ Deutschland kann alles ertragen, Schmähungen und Hohn, aber es erträgt keine Antastung seiner nationalen Ehre. Dem Hiebe würde ein zermalmender Schlag folgen, und der Friedensbrecher würde nicht allein besiegt, er würde auf Jahre hinaus unschädlich gemacht werden.
Deuffchland steht nach Außen hin gefestigst und befestigt da,- es braucht sich durch die möglichen Gefahren nicht von der hohen Aufgabe abdrängen zu lassen, den Ausbau des Reiches im Innern zu fördern, zu bessern, wo in dm herrschenden Verhältnisse» äne Besserung am Platze ist. Vieles giebt es noch zu thun, denn Zeit und Verhältnisse machen fortwährend neue Ansprüche. Alle deutschen Parteien haben nur das Ziel der Größe des Vaterlandes vor Augen, sie denken verschieden über die Wege, auf welchen dies Ziel zu erreichen ist. So wird es auch in Zukunft an weiteren Kämpfen nicht ehlen, aber wir denken auch gern daran, daß wir langsam für die Erkenntnis des Rechten einen treuen Verbündeten erlangen, das ist die praktische Er- ahrung. Das Deutsche Reich ist jung an Jahren, trotz aller deutschen Gründlichkeit steckt in der Reichsgesetzgebung demgemäß ein gut Stück Theorie. Die Jahre lehren uns allmählich nun selbst erkennen, wo den praktischen Erfordernissen des Lebens mehr Rechnung getragen werden muß. Ein gesunder
das Jahr der Sorgen war auch ein Jahr des ernsten Stolzes, denn Deutschland hat alle die Anfechtungen, die so reichlich an das jugendliche Reich herangetreten sind, glorreich überwunden. 1888 ist der 1870/71 geschlossene Bund der deutschen Stämme abermals befräftigt, aller Welt ist gezeigt, daß nur ein einiges Volk im deutschen Reiche wohnt, daß für alle Bürger, welcher Partei sie auch sonst angehören mögen, nur der eine Gedanke besteht: Kaiser und Vaterland. In den Tagen seiner tiefsten, schmerzlichsten Trauer war Deutschland am größesten und kein Staat in Europa, auch die uns wenig freundlich gesinnten nicht, hatten uns ihre Anerkennung versagt. DaS war ein Trost in dcm tiefen Leid, das gab festen Mut. Wir wissen heute, wo wir Abschied vom alten Jahre nehmen, wie wir stehen und wir können mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Deutschland ist stark durch fein einiges, wehrhaftes Volk, das mit Vertrauen auf feinen jungen Kaiser, den Nachkommen großer Ahnen und seine hohen Verbündeten blickt. Einig sind die deutschen Fürsten, einig auch die deutschen Stämme und so mag und wird es bleiben alle Zeit.
Es war am Neujahrstage 1887 als der greife Kaiser Wilhelm I. zum letzten male seine Heerführer um sich sah, unter welchen nur einer, gerade der dem Volke am teuersten, fehlte, der deutsche Kronprinz. Es war damals eine Zeit banger Sorge; die Beziehungen zu Rußland hatten sich sehr getrübt, die zu Frankreich sich nicht gebessert. Was wird 1888 bringen? Das war die allgemeine Frage. Da sprach der alte Kaiser beim Neujahrsempfange ein anfklärendes Wort. Er sagte den Generalen: „Meine Herren, Ihre Aufmerksamkeit wird in diesem Jahre besonders den Kaisermanövern gelten!" Diese kurze Prophezeiung ist eingetroffen] in ganz anderer Weise freilich, als vor einem Jahre Jemand ahnte. Der Friede blieb erhalten, aber die Kaisermanöver wurden zum Meisterstück des dritten jungen Kaisers; Kaiser Wilhelm I. und Kaiser Friedrich III. waren schnell hintereinander ins Grab gesunken. Der Gram um den geliebten einzigen Sohn kürzte des alten Holden Lebenslage und Kaiser Friedrich erlag der tückischen, furchtbaren Krankheit. Sie sind nicht vergessen die großen Kaiser und werden nie vergessen werden. Kaiser Wilhelm's I. letzte Worte: „Ich habe keine Zeit müde zu fein!" und Kaiser Friedrich s herzerschütterndes: „Lerne zu leiden ohne zu klagen!" sind echtes Edelgestein, die wie ein Schatz von der deutschen Nation werden gehütet werden. Die großen deutschen Kaiser waren am größesten int Angesicht
Inm Jahreswechsel.
Wir scheiden vom alten Jahr, wir sagen 1888 iebewohl, indem wir uns anschicken, die Schwelle es Neuen Jahres zu überschreiten. Doch der Fuß ockt, die Augen, welche lachend hinüberschauen zu 889, verdeckt ein Schleier stiller Wehmut. Schwer 1’8 trotz allem von 1888 zu scheiden. Es war l>s ereignisreichste, das schicksalsschwerste Jahr, welches wir seit 1870 erlebt und auch in keinem ahre traten die Ereignisse unvorhergesehener, schla- enber ein, als in dem jetzt abgelaufenen. Aber
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auf die ivberhesfische Zeitung «röst Krrisblatt
Kr -le Kreise Marburg «ad Kirchham und
Illustriertes Sonntagsblatt »erben x noch fortwährend von allen Post- foltern entgegengenommen.
Der heut. Ar. des neuen Quartals liegt ein großer Wand- und Schreibkalender ftr 1889 bei.
Im neuen Quartal kommt im unter» halt enden Teil der höchst spannende Roman tIrn Sturm -er Eifersucht von Ernst Fritze
leben anderen kleineren Novellen und Humoresken zum Abdruck, worauf wir besonders aufmerksam machen.
In Kirchhain nimmt Herr Buchbinder Kindt Bestellungen entgegen.
I Soweit der Vorrat reicht wird der der Rr. 1 anliegende Kalender auch ben Nachbestellungen noch beigegeben werben.
Dte Exped. der Oberh. Zeitung.
Sinn ist's, den unser Volk bis zu dieser Stunde sich int Großen und Ganzen erhalten, damit werden wir auch zu guter Letzt doch über den Berg kommen. Mag das neue Jahr eine weitere Erkenntnis des Rechtes und dessen bringen, was unserem Vaterlande gut ist.
_ Unseren Lesern aber rufen wir bei dem wehmütigen Abschied vom Alten, beim stohen Eintritt in das neue Jahr von ganzem Herzen zu:
Viel Glück «vd Freude, Lege« und Friede« 1889!
Berli«. 29. Dez. Die hiesigen Botschafter werden am Neujahrstage dem Kaiser und der Kaiserin in besonderer Audienz gratulieren. — Prinz Heinrich von Preußen wird, wie wir erfahren, zur Neujahrsfeier am 1. Januar früh aus Kiel hier eintreffen und im Königlichen Schlöffe Wohnung nehmen. — Wie der „Hamb. Ref." aus Friedrichs- ruh gemeldet wird, hat der Reichskanzler vom Kaiser Wilhelm und der Kaiserin Augusta zum Weihnachtsfest kostbare Geschenke erhalten, die von eigenhändigen Glückwunschschreiben begleitet waren. — Staatsminister v. Bötticher hatte sich vorgestern auf einen Tag nach Friedrichsruh zum Vortrage beim Reichskanzler begeben. Wie verlautet, hat es sich um Besprechungen über Landtagsangelegenhelten, besonders um den Entwurf der Thronrede, Bekanntmachung der Einberufung u. a. gehandelt. — Sicherem Vernehmen nach ist von der Einbringen im Reichstag einer Nachtragsforderung für nn>. tärische Zwecke Abstand genommen. — Der BundeS- rat hielt heute eine Plenarsitzung ab, in der er Ausführungs-Bestimmungen zum Handelsvertrag mit der Schweiz annahm, der mit dem 1. Januar in Kraft tritt. Dieselben betreffen hauptsächlich die erforderlichen Aendexungen des Warenverzeichnisses. — Die Mutter der Kaiserin, Herzogin Adelheid von Schleswig-Holstein, ist bedenklich erkrankt. Die 53 jährige Dame ist im Salon ausgeglitten und hat ich eine schwere Verletzung am Nacken zugezogen.
— Das neue Jahr hebt für Deutschland und insbesondere für die deutsche Arbeiteiwelt unter Vorzeichen an, welche wohl zu der Hoffnung be- rechtigen können, daß es für das Vaterland, sowie ür die Interessen der vaterländischen Arbeit ein gedeihliches werden dürfte. Der Ausblick von der internationalen Wetterwarte erscheint insofern als kein ungünstiger, als die Allianz der mitteleuropäischen
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Dienstag, 1. Januar 1889. *$“2' Jahrgang
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Neujahr 1889.
Glückauf zum Neuen Jahr! Nach langen, schweren Tagen Bricht an das Neue Jahr Mit frohem, lichtem Schein, Der Welt es wendet zu Sein lächelnd' Angesicht, DaS Fried' und Freude scheinen Hieneiden nur zu bieten.
Willkommen Neues Jahr! Ein donnernd Jubelrufen Erhebt sich überall, Und schallend bringt nach Oben Der Hoffnung ftoher Laut, Des Wunsches munt rer Spruch; Viel, viel das Neue Jahr Wird zu gewähren haben.
DaS ist ein endlos Wünschen, Ein Fordern ohne Ende. Der Knabe und der Greis, Das Weib, das lust'ge Kind, Der arbeitssreud'ge Mann, Der Reiche und der Arme» Das Wünschen steht nicht still, Es ist so Neujahrsbrauch.
Und war denn gor so schlimm DaS nun verstrich'ne Jahr? Ja, es war ernst, sehr ernst, Ganz Deuffchland hatte Trauer; Da» Alte Jahr, es sah Den Schmerz de» ganzen ColTS, Doch sah' eS auch die Straft, Die enfge, feste Treue.
Wohl einem Jüngling gleich Ging Deutschland seine Wege Bis hin zu diesem Jahr! Nun ist es anders worden! Des Lebens voller En,st, Auch Deutschland traf er plötzlich, Und aus dem Jüngling wurde Ein fester, ernster Mann.
Es war das Prüfungsjahr, Das Gott dem Reiche schickte! Doch wohl dem deutschen Volk, Es hat sich gut bewährt; Was auf den blut’gen Feldern So schwer ward einst errungen, Das ist im letzten Jahr Gewahrt für alle Zeit.
Nicht leicht wir überschreiten Des Neuen Jahres Schwelle, Doch gehn' wir tapfren Muts) Vertrauend Kaiser, Reich;
Was Achtzehnhundertneunundachtzig Auch mag bringen: Wir Deutsche fürchten Gott, Sonst Niemand in der Welt!
Und das ist unfre Freude, Das giebt uns guten Mut, Wir hoffen und vertrauen Auf deutsche Kraft und Gott. Und wenn nun Heller Jubel DaS Neue Jahr begrüßt. Es ist nicht leichtes Lachen, Es kommt auf tiefster Brust.
Drum nun »ach schweren Tagen Glückauf zum Reuen Jahr,
DaS tritt zu uns heran Im frohen, lichten Glanz. Erhebt die Gläser hoch Und laßt sie klingen rein : Das Neue Jahr mag friedlich, Recht sehr gesegnet sein!
Hans Wald.
^Nachdruck verboten.^ Die Vllla am Rhein.
Original-Novelle von Mary Dobso«.
(Fortsetzung.)
23. Kapitel.
Die Majorin war zur bestimmten Zeit angelangt, Hermine war nach der Vaterstadt gereift und nach achttägiger Abwesenheit znrückgekehrt und anscheinend herrschte in dem schönen Maimonat unter den Bewohnern der Villa eine ganz fröhliche Stimmung. Dies war aber nur scheinbar der Fall, denn es war im Grunde doch nur eine von Allen geschickt gezogene SRaSle. Die Majorin langweilte sich bereits in der tillen Häuslichkeit, in der unr wenige Bekannte er- chieneu, zu Elisabeths Sorgen war nun noch die um Ludwig Albrecht gekommen, den sie natürlich jetzt elteuer und nie allein sah, dem sie auch mit großer Zurückhaltung begegnete. Hermine betrübte sich über das hochfahrende Betragen der Majorin, war sie aber ans Rücksicht für Elisabeth mtt Sttllschweigen i berging, und die Rätin blickte voll Sorge ans ihre Tochter, deren GefichtSzüge, sobald sie sich unbeachtet ühlte, schwere Gedanken aussprachen.
Bald nach HermiuenS Rückkehr saßen die drei Frauen ans der Veranda, nm ben schönen Mai. abend zu genießen; die Majorin war bei einen Familienfeste in der Stadt gewesen, sehr ermüdet nach Hanse gekommen und hatte erklärt, in ihrem Zimmer bleiben zu wollen. Aber nicht im Stande, lange allein gn sein, begab sie sich doch bald wieder
in die unteren Räume hinab und tm Gartenzimmer augelangt, hörte sie ihre Verwandtkn angelegentlich reden. Neugierig, den Gegenstand ihrer Unterhaltung zu erfahren, näherte sie sich dem Fenster, als gerade Elisabeth sagte:
»Also bet alte Wendtorff verheiratet sich wieder?"
»Ja*, entgegnete Hermine Stein, „mit einer etwa vierzig Iahte alten kinderlosen Wittwe. Sie soll eine angenehme Persönlichkeit und eine tüchtige Hausfrau fein und auch einiges Vermögen besitzen; ie ist daher für den Fabtikherrn eine sehr angenehme Partie 1*
»Hat man denn gar nicht von seinem Sohne gesprochen, Hermine?" fragte die Rätin.
»Helbett Wendtorff kommt noch diesen Sommer ans Amerika zurück", antwortete Hermine, »und zwar besonderer Geschäfte wegen, da bei einer zweiten Heirat seines Vaters ihm das Vermögen seiner Mutter ausgezahlt werden muß!*
»Dann stehen nach Jahren Vater und Sohn fich zum ersten Mal gegenüber", erwiderte die Rätin, »auch hat ihn Niemand, nachdem er nach Amerika legaugeu ist, wiedergesehen, obgleich er gewiß einmal in Geschäften in England gewesen l'
»Doch, Mutter, ich — ich habe ihn toieberge« sehen', sagte nach einer Pause Elisabeth mtt be. wegter Stimme.
»Du?" tiefen überrascht ihre Zuhörerinnen und die Majorin, welche bet Unterhaltung mtt Aufmerksamkeit gefolgt wat, stieß einen leisen Laut beS Staunens ans und trat noch näher an bie geöffnete Thür.
,3a", entgegnete Elisabeth, „ich habe Helbert Benbtorff wiedergesehen nnb zwar als Gustavs Bote, >er auf bet letzten Reise feine Bekanntschaft genta$t hatte. ES war jener Mr. Walker, ber bei Gustavs gefährlicher Krankheit fich feiner so angenommen.'
»Mr. Walket?' wiebetholten erstaunt bie Rätin nnb Hermine uub die erstere setzte hinzu: „Aber ich «einte, der Herr fei ein Engländer gewesen, wie ja auch fein Name befagte.'