Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. -
Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Iah. Lu«. Loch.
Illustriertes Sonntagsblatt.
Marburg,
M 274
vuwn .
Bestellgeld
und ihre Einführung
welche namentlich aus gegen die einheitliche
von einer solchen abgesehen der Zukunft Vorbehalten.
Die vielfachen Bedenken, dem Kreise der Beteiligten
Bemessung der Rente, wie des Beitrags nach Veröffentlichung des im Bundesrat in erster Lesung festgestellten Entwurfs sich erhoben, haben zu einer wiederholten Prüfung der Frage geführt, deren Ergebnis, wie -toir bereits gemeldet, der Vorschlag auf Abstufung der Rente und des Beitrags ist. Nach fünf großen Ortsgruppen soll die Invalidenrente nach dem Verhältnis des bei den Krankenkaffen zu Grunde gelegten ortsüblichen Tagelohns sich abstufen, so daß z. B. der Höchstbetrag der Invalidenrente für die Gruppe mit dem höchsten Tagelohn auf rund 350 Mark steigen würde. Dabei
sollen die Beiträge der Arbeiter unter Festhaltung des Grundsatzes, daß die Gesamtbelastuog der Beteiligten nicht erhöht wird, entsprechend verschieden bemessen und somit für die Arbeiter in Orten mit geringerem ortsüblichen Tagelohn in erwünschter Weise ermäßigt werden. Man wird dem Bundesräte für diese wesentliche Verbesserung der Vorlage Dank wiffen müssen: sie beseitigt einen guten Teil der Bedenken, welche auch aus dem Kreise der Versicherten gegen die bisherigen Vorschläge geltend gemacht wurden.
^Nachdruck verboten.^
Die Villa am Vhei«.
Original-Novelle von Mary Dobson.
(Fortsetzung.)
Auf einer GeschLstSreise begriffe», hatte er dem Verlangen, den Rhein einmal hinabzufahren, nicht widerstehen können und war auf diese Weise der Rätin »ud ihrer Tochter Begletter geworden. Au einer der größere» Stationen hatte er sich von ihnen getrennt, vorher aber in Erfahrung gebracht, daß sie sich »ach Wiesbaden begeben würden.
Die Rätin hatte de» ihrer Tochter erwiesenen Aufm.rksamkeiteu wohlgefällig zugesehen uud da auch diese sie zwar ruhig, doch nicht unfreundlich aufge- vommeo, so begann ihre mütterliche Liebe uud Fürsorge schon einen schönen Zukuuftsplan zu bauen, welcher indeß, als er fick ohne auf ein Widersetzen hinzu- deuten von ihnen verabschiedete, wieder schwinden mnßte.
So waren sie den» »ach Wiesbaden gekommen, wo sie, dem Rat einer umsichtigen Reisegefährtin zufolge, mH schon eine Wohnung an der Hauptstraße gesichert. *8 herrschte tu dem weltberühmte» Badeorte fast wehr Lebe» und Treibe», als die au die Ruhe der Brovinzialstadt gewöhnte GerichtSrättn gewünscht, dennoch sagte ihnen dies bald zu und schließlich ge. währte eS ihnen großes Vergnüge», die mit Mensche» wrd Wagen ongefüllten Sttaßen nnd Spaziergänge zu durchwandern. Von einem wetten AuSflnge in der Umgegend zurückkehrend, hatten sie gegen Abend «8 zweiten Tages ihrer Anwesenheit die Nähe der Stadt und wohlgepflegten Anlage» ausgesucht, und *>f einer Bank Platz genommen, welche ihnen den Blick auf die belebteste» Wege gestattete. Hier berat» Wagte» fie, aus welche Weise die letzte» TageS. stunde» zu verbringe» seiest, als sich,ihnen plötzlich rwe wohlbekannte Gestatt näherte und Herr Eschendach fie mtt gewandter Höflichkeit und »verkenn, darer Freude begrüßte.
Sie erwiderte» dies einigermaßen überrascht »ud
Ale Kemeflimg -er Alters- und Jttvali-enrenle.
Ohne Zweifel unterlag die in den früheren Entwürfen für die Alters- und Invalidenversicherung vorgesehene einheitliche Bemesiung der Alters- und Invalidenrente, wie der Beiträge der Versicherten ernsten Bedenken. Die völlige Nichtberücksichtigung der Verschiedenheit der durchschnittlichen Arbeitslöhne mußte notwendig zu einer gewisien Unbilligkeit nach beiden Richtungen fuhren. Für den Arbeiter in Gegenden, in welchen der bei den Krankenkassen maßgebende ortsübliche Tagelohn 0.80 Mark beträgt nnd die Lebenshaltung einen entsprechend niedrigen Aufwand erfordert, ist eine Invalidenrente, deren Höchstbettag dort den jährlichen Durchschnittslohn des gesunden Tagelöhners selbst übersteigt, offenbar ungleich mehr, als für den Arbeiter in einer Gegend mit dreifach so hohem Tagelobn, aber auch entsprechend hohen Preisen. Umgekehrt fällt ein Wochenbeittag von 20 Pfennig selbstverständlich dem Ar- bester mit einem Tagelohn von 0.80 Pfennig ungleich schwerer, als demjenigen, desicn Verdienst das Doppette oder Dreifuche beträgt Jener muß den 24., dieser muß den 48. oder 72. Teil seines Wochen- bchnes für die Alters- und Invalidenversicherung opfern. Alle diese Erwägungen waren bei Aufstellung deS Entwurfes nach ihrem vollen Gewicht gewürdigt worden; man glaubte indessen die Durchführung der ohnehin schwierigen und verwickelten Verwaltung nicht noch durch die Weiterungen und Schwierigkeiten erschweren zu dürfen, welche eine Abstufung der Rente und deS Beitrags nach sich ziehen muß. Es war daher nach dem Grundsätze, daß das Besiere der Feind des Guten ist, zunächst
zeugen nur von dem, was einst gewesen. . . . Das preußische Volk empfindet mit jedem Tage mehr, was es seinen Königen verdankt, was der König für 'Staat und Gesellschaft bedeutet, und darum hält es die Rechte der Krone hoch, widerstrebt es jeder Schmälerung derselben. Je mehr seine politische Erkenntnis reift, je stolzer es sich heim Vergleich seiner inneren Berhältniffe mit denen anderer Staaten fühlt Am so weniger verlangt es nach fremden Institutionen. Ihm genügt es, daß ohne Zu- stimmMg feiner Vertreter fein Gesetz erlassen, keine Steuer auferlegt, kein Pfennig verausgabt, keine Anleche erhoben werden kann, daß die Parlamente das Recht der Konttott der gesamten Staats- und
der in Potsdam einer der angesehensten Kavaliere war, so tragisch gestaltet, ist, daß ihm vor wenigen. Wochen bereits seine beiden Kinder an der gleichen, furchtbaren Krankheit gestorben sind" und der Vater sich anscheine^» bei der. Pflege - des letzteren, eines- blühenden Knabens, angesteckt hat.
—- Es verdient Beachtung, daß die »Nordd. Allg. Zig." in ihrem gestrigen Blatte folgenden Artikel abdruckt: Der „Esercito Jtaliano", eine militärische Fachschrift von hohem Ansehen, deren Herausgeber Sgr. de Luigi, ein gewesener Offizier, als eine Autorität in militärifchen Fragen gilt, veröffentlicht in diesen Tagen aus der Feder dieses Herausgebers einen Artikel über die Stellung Italiens im nächste» Kriege, der in Rom große Beachtung gesunden hat. Die wesentlichste» Stellen des Artikels mögen nach einer Uebersetzung des „Pester Lloyd" nachfolgend reproduziert werden: „Die Italiener protestieren unausgesetzt gegen die Zumutung, daß sie die Absicht haben, Frankreich anzugreifen; die Franzosen andererseits versichern, daß sie keinerlei kriegerische Intentionen gegen uns hegen. Ich glaube, daß beide Parteien es mit diesen Versicherungen aufrichtig meinen. Der Krieg wird aber ttotzdem bei der ersten sich darbietenden Gelegenheit ausbrechen, als das natürliche nnd unabwendbare Resultat jener Serie von Ereigniffen, welche die gegenwärtige Situation geschaffen haben: der Gestaltung zweier großer geeinigter und nationaler Staaten an der französischen Ostgrenze, welche den Einfluß Frankreichs begrenzen, seine Expansivkraft eiuschränken und die Grundlage des neuen europäischen Gleichgewichts bilden. Frankreich kann nicht anders, als all seine Anstrengungen darauf richten, diesen Zustand der Dinge zu ändern. Es würde seine glänzende Vergangenheit verleugnen, wenn es nicht versuchen würde, früher oder später den eisernen Ring, mit welchem es durch die Einigung Deutschlands und Italiens geseffelt ist, zu durchbrechen, und es wird dies thun. Man kann es hierfür nicht tadeln. Laßt unS offen sprechen, wozu ist es gut, uns gegenseitig zu täuschen? Frankreich wird nie«
Deutsches Reich.
Berlin, 19. Nov. Nach den Angaben über den Reichsetat für 1889/90 belaufen sich die außerordentlichen Ausgaben im Marineetat, welche durch die neuen Schiffsbauten veranlaßt find, auf 9—10 Mill. Mk., die Mehrausgaben im Militäretat infolge der höheren Getreide- und Fouragepreise an" 2—3 Mill. Mk. Die Mattikularumlagen weisen nut eine Steigerung von etwas über eine Million Mark auf, während die Ueberweisungen an die Einzelstaaien erheblich gestiegen sind, obgleich ein Defizit von 22 Mill. Mk. gedeckt werden muß. — Die .Schl. Ztg." schreibt: Der Liberalismus, wie er seit dem Jahre 1830 bei uns landläufig war, ist sichtlich im Absterben. Der Niedergang der Fortschrittspartei giebt dafür in beredtester Weise Zeugnis. Dieser Niedergang, der sich bei den Landtogswahlen in überaus drastischer Weise manifestiert hat, ist nicht etwa ein plötzlicher, durch irgend einen Umschwung in der inneren oder äußeren Politik bedingter, er hat sich vielmehr stetig vollzogen. Sein Beginn datiert in das Jahr 1866 zurück, in welchem die Partei vor der Geschichte Fiasko gemacht hat. Einzelne Reprisen, tote sie im Anfang der siebziger Jahre zu konstatieren waren, haben diesen Prozeß nur zeitweise zu hemmen, nicht aber 4hru zu wehren vermocht. Als im August von 1879 Herr von Forckenbeck sein Pronunciarniento im Zoologischen Garten Berlins erließ, in welchem er das gesamte .Bürgertum in Stadt und Land" aufforderte, sich zu einer großen „wahrhaft liberalen" Partei zu vereinigen, das gewaltige Sturmsignal aber ungehört verhallte, war der Verfall dieser Spezies von Liberalismus entschieden. Selbst die Fusion der Fortschrittspartei mit den sogenannten Secessionisten, die bis dahin den linken Flügel der nationalliberalen Partei ausgemacht hatten, hat dem Marasmus nicht zu steuern vermocht. Die wenigen Säulen der Partei, welche heute noch aufrecht stehen,
der Aufforderung der Rätin, neben ihnen Platz zu nehmen, Folge leistend, sagte er, nachdem sein Blick einen Moment länger als erforderlich auf Elisabeth geruht, die im einfachen, aber geschmackvollen Somwer- anznge, in der ganzen Anmut und Frische der Jugend ein Bild war, welches jedes Männerauge feffeln mußte:
Da ich von meinem Geschäftsdiener erfahren, daß zu Hanse alles in bester Ordnung ist, konnte ich mir das Vergnügen nicht versage», die Stadt Wiesbaden, wo ich so lange nicht mehr gewesen, ebenfalls auf. zusuchen!*
.Es wird Ihne» schwer geworde» fein, ein Unterkommen zu finden*, meinte die Rätin, bereu stille Hoffnungen sich wieder zu beleben begannen.
.Für einen einzelnen Manu ohne große Ansprüche ist leicht gesorgt', erwiderte er lächelnd, .schwieriger aber war eS, Sie außerhalb Ihres Hotels aufzn. finde».'
.Wir find fast de» ganze» Tag abwesend gewesen.' .So haben Sie fich die Stadt nnb Umgegend wohl einigermaßen angesehen. Wie lange gedenken Sie zu bleiben, Frau Rätin?'
.Nur noch einige Tage, wir gehen bann nach Homburg nnb Baden.'
.In Homburg wirb es Ihne» kaum gefallen, beffer in Baben nnb Sie dürfen nicht unterlassen, auch ei» Stückchen vom Schwarzwalb zu besuche». Doch ich wollte Ihnen einen Vorschlag machen. Es ist biefen Abend jenseits der Stadt ein großartiges Konzert, wie kein zwetteS veranstattet werde» kau», gestatte» Sie mir, Sie dahin zu begleiten.'
Die Rätt» machte Einwendungen, welche jedoch Herr Eschenbach zu überstimme» wußte »ud Mutter und Tochter »ach dem Konzert begleitete, von dem fie erst, nachdem lange schon die herrliche Sommernacht angebrochen war, zurückkehrte».
Bo» dem Abend an war er der stete Begletter der GerichtSrättn Waldheim nnb ihrer Tochter, war man indeß t» dem belebte» Badeorte kaum beachtete,
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b Blatte», sowie b. »nnonren-Bureanx von Hoafenftem unb Bogle,
. Stoffe in FrankfurtÄÄÄ;«1 xxni Jahrgang
Daube u. Lo. in Frmckfurt a.Berlin, Hannover. Bari», rZ ?•» v ■- r <
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mals, selbst nicht nach dem Jahre 1892, in der Lage sein, aus die Neutralität Italiens zu rechnen. Durch den Instinkt der Selbsterhaltung wird Italien geleitet, vom Anbeginn des Kampfes seine Kräfte mit Jenen zu vereinen, die Frankreich in dem eisernen Ring hatten wollen, was immer noch die beste Garantie des Friedens ist. Frankreich weiß dies wohl. Ein Erfolg der französischen Waffen, der durch unsere Neutralität erleichtert worden, würde sich Italien bald und bitter fühlbar machen. Einem
„Aber Herr Eschendach wird kommen.' .Ich wollte, ich hätte ihn nie gesehen.' «Sein Antrag kann Dich nur ehren, tausende von jungen Mädchen würden ihn mit Freuden annehmen.'
.Das aber kann ich nicht, Mutter', erwiderte die Tochter mit Nachdruck.
.Du wirft ihn doch nicht ablehnen, Elisabeth?' fragte schnell die Rätin.
.Und wenn ich er thäte?'
.Wolltest Du während Deine» ganzes Lebens vielleicht den harten Kampf ums Dasein kämpfen?' fragte ihre Mutter mit einem Anflug von Bitterkeit.
.Lieber das thnu, als ohne Liebe heiraten!'
.Kind, Du weißt nicht, war Du sprichst', ent- gegnete ernst und fast traurig die GerichtSräti». .Der Erwerb Deines Lebensunterhaltes wird, so lange Du jung und kräftig bist, Dir nicht schwer werden, später aber, wenn Tu älter geworden und der Mut der Jugend schwindet, wird Dir nach und nach der Gedanke komme», daß Tu Unrecht gethan, die Dir gebotene Liebe und Stütze eines Gatte», eine gesicherte Lebensstellung auSgeschlage» zu Haden! — Du weißt nur zu gut, daß wir bis jetzt kaum tm Stande ge* wese» find, einen Notpfennig zu ersparen. Nach meinem Tode hört meine Pension auf, bis dahin werde ich aber schwächer unb Du wirst älter werbe».'
.Mutter, Mutter, Du entwirfst mir ba ein sehr traurige» Zukunftsbild, während ich mich in be» Gedanken bineingelebt, mit erneuter Kraft immer mehr arbeiten und leisten zu können!' rief Elisabeth in schmerzlichem Ton.
-Ich habe nur der Wahrheit gemäß gesprochen.'
.Aber nicht daran gedacht, daß ich ein große» Unrecht begehen würde, Herrn Escheubach» Siebe nnb Hand anzunehmen, wo mein Herz kau« die Neigung zu Helbert Wendtorff überwunden.'
.Nein, Elisabeth, daS ist kein Unrecht', antwortete entschiede» »nb zuversichtlich ihre Mutter, .zumal Du agst. baß Dein Herz diese erste Liebe ftbermnnben.'
Elisabeth trat nochmals ans Fenster »nb blickte
Erscheint täglich außer an Werktagen nach tonn- unb ■* i
Feiertagen Quartal-AboimemeulS-PreiS bei der Sxpe- ZV( IirillIi ||.
bition 21/. ®IL bei den Postämtern S Stt. 50 Pfg. (extt. ö"
*“* Mittwoch, 21. November 1888.
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insbesondere der Finanzverwaltung haben, daß ihnen das Recht der legislatorischen Initiative zustcht, und außerdem das hochwichtige Recht, Petitionen anzunehmen, zu prüfen und der Regierung zu überweisen. Nach dem Recht, vom König erkorene Minister zu „stürzen' und ihm andere Minister aufzudrängen, verlangt heute nur noch die radikale Demokratie, der das noch existente kleine Häuflein der Fortschrittspartei unbedingt zugezählt werden muß. Die jüngere Generation fühlt sich frei von den Traditionen der Jahre 1830 und 1848, an denen unsere Fortschrittler immer noch zehren. Auch aus der Erfahrung hat das lebende Geschlecht politische Lehren gezogen. Es hat erkannt, daß jener Parlamentarismus, wie ihn die konstitutionelle Schablone will, die sittlühe Korruption fast ausnahmslos im Gefolge hat. . . . Heute bewegt sich unser Staatsleben i» neuen eigenartigen, wirklich nationalen Bahnen, und der Ausfall der vorjährigen wie der diesjährigen Wahlen hat gezeigt, daß die weit überwiegende Mehrheit unseres Volkes den großen Staatsmann, der uns diese Bahnen erschlaffen, nicht — wie Herr Richter und die um ihn — von feinem Platz verdrängen, sondern ihn stützen und fördern will. — Ein außerordentlich tragisches Geschick hat ein deutsches Fürstenhaus ereilt; Sonntag Mittag ist in Potsdam der Erbprinz von Schönburg-Waldenburg, Rittmeister im Leib-Garde-Husaren Regiment, an Herzlähmung infolge von Diphtheritis verschieden. Erbprinz Otto Karl Viktor, geboren am 1. Mai 1856, ist der älteste Sohn des Fürsten Otto, Fürsten, Grafen und Herrn von Schönburg (im Königreich Sachsen), Grafen und Herrn von Glauchau und Wartenburg, auch der niederen Grafschaft Hartenstein und Besitzer der ehemaligen reichsständischen, jetzt Rezeßherrschaften Waldenburg, Lichtenstein und Stein. Was den Tod des Erbprinzen, unter Bekannten aber z» Bemerkungen Veranlassung gegeben haben würde. Er war unermüdet, neue Genüsse und Vergnügungen für sie ausfindig zu wachen und sein Benehmen war dabei ebenso taktvoll wie fein gebildet, so daß e8 schwer hielt, feine Aufmerksamkeit abzulehnen. Dem Auge der Mutter war eS klar, daß er für die Tochter, eine schnell entstandene, aber um so heftigere Neigung empfand, und auch diese wußte seine Aufmerksamkeit ähnlich deute», de»« als sie am Morgen deS letzte» TageS ihrer Anwesen- bett in Wiesbaden ihr Frühstück eingenommen, und bie Rätin längst das nachdenkliche Gesicht ihrer Tochter bemerkt, sagte diese, fie ernst aublickeud:
«In einer Halde» Stunde wird Herr Escheubach u»S zur Ausstellung abbolen, Mntter. ES freut mich, daß wir morgen Wiesbaden verlaffen »ud er wird »nS hoffentlich nicht weiter aufsuchen.'
.Ist seine Begleitung Dir unlieb, Elisabeth?' fragte die Rätin, fie forschend betrachtend.
.Dar nicht', entgegnete diese, leicht bie Farbe wechselnd allein —'
6in Klopsen unterbrach fie unb auf die Antwort der Rätin trat der Kellner mit einem Bries ein, welchen er ihr übergab nnd fich wieder entfernte. Bon einer unbestimmten Ahnung erfaßt, sah fie auf ber äbreffe in fester männlicher Handschrift, während >te Angen ihrer Toä ter fich umbfifterten. Endlich das Konvert öffnend, sagte fie:
.Elisabeth, ich glaube zu wisse», von wem dies Schreiben ist unb ebenfalls, was eS enthält.'
«Ich auch Mutter', erwiberte die Tochter ruhig und ans Fenster tretenb, blickte fie achtlos auf die chou belebte Straße hinab. Nach längerer Pause, in welcher die Mutter be» Bries gelesen, fuhr fie fort:
.Herr Eschenbach hält um Deine Hand an, Elisabeth und will »ach einer Stunde kommen, nm Deine unb meine Antwort zu erfahre»! — Lies elbst' »nb fie reichte ihr den Bries.
.Elisabeth, war gebentft Du zu antworten?' .Ich weiß e» »ich^ Mutter!' üM