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^Politik und das Exzentrische im bürgerlichen Leben weit mehr und ungenierter breit machen kann, als in kleineren Gemeinwesen, in welken die herrschenden ruhigen Anschauungen nur schwer verdrängt werden können, die Kriminalqerichte einen bescheideneren An-

Itadt und Land im Leutschkn Reiche.

Von dem Einfluß der Großstädte aus Kleinstadt und Plattes Land ist seit dem sehr schnellen An­wachsen der deutschen Großstädte und der Ausbildung der radikalen politischen Richtung der Sozialdemo kralle sehr viel die Rede gewesen. Daß ein solcher Einfluß besteht, kann nicht bestritten werden, ebenso­wenig, daß dieser Einfluß nicht immer ein erfreu- licher ist. Es liegt in der Natur der Sache, daß sich in großen Städten der Radikalismus in der

einen zwingenden Einfluß auf das ganze Reich aus­übt, wie London und in noch viel höherem Maße Paris. Auch Berlin übt eine solche Gewalt nicht aus; seine Machtsphäre ist sogar recht beschränkt, und der wirkliche Einfluß reicht nur wenig über Norden und Osten unseres Vaterlandes hinaus mch selbst in diesen Gebieten machen die provinzialen Hauptstädte der Reichshauptstadt schon gewaltige Konkurrenz. Die Aversion, welche früher in weiten Kreisen Deutschlands gegen Berlin herrschte, hat

teil an der juristischen Thätigkeit haben. Die großen Städte gleichen heute einem Magnet; sie ziehen viele hohe und edle Geister an, und Gutes und Schönes geht in reicher Menge aus ihren Mauern hervor, sie bilden aber auch beliebte Zentralpunkte für die Genossen der Laster und Verbrechen. Der Menschenstrom, welcher durch sie hindurchrauscht, hat nicht immer reine, Helle Wellen, und leider werden so manche, die die Großstadt anlockt, nur zu leicht in die schlammigen Fluten hinübergezogen und ver­sinken. Diese Thotsache besteht für Deutschland, ftt besteht ober in noch weit höherem Grade" für Frank­reich, England und Nordamerika.

Unliebsame Erscheinungen, welche hin und wieder au das Tageslicht getreten sind, haben die Ansicht auftauchen lasten, daß die Großstädte, oder bester

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fürchtung ist indessen weit übertrieben, denn wir haben in Deutschland keine Stadt, welche

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thrm und Gnade zu erbitten. Sie zweifelte nicht daran, daß ihr Vater alles anwenden werde, ihr einen solchen Plan auszuredeu, deshalb wollte sie auch gar nicht mit ihm darüber sprechen. Leutnant von Seelen, den sie seiner Freundschaft für Stephan und seines männlich ernsten Wesens wegen während ihres Auf­enthaltes in Wartcvberg schätzen gelernt hatte, sollte ihr Ratgeber werden.

Sie fühlte sich fitzt als Frau selbstständiger als ehemals, nnb Herr Georg ließ ihr auch volle Freiheit.

Siebeschloß also, den Adjutanten durch etnBillet zu ersuchen, daß er auf ein paar Stunden nach Neuen­rode komme, da sie in betreff der Angelegenheit ihres Mannes Wichtiges mit ihm zu sprechen habe.

Der Adjutant zögerte keinen Angenblick, ihrem Wunsche zu willfahren, und ritt auf das Gut hin- über.

Hier legte sie ihm ihre Idee vor, aber er schüttette den Kopf dazu. Der König empfing nicht gern Damen, die ihm Bittschriften überreichten, am un­gnädigsten aber würde er es aufgenommen haben, wenn olche fich gar auf militärische Verhältnisse bezögen, in denen er ebenso unerbittlich streng als gerecht zu ein pflegte. Leutnant von Seelen sagte der jungen Gräfin daher voraus, daß sie gar nicht zu einer Audienz gelangen werde, da der König ihren Namen bereits kenne, und sogleich erraten werde, was sie von ihm erbttte» wolle. ,

Traurig senkte Käthchen da» Haupt, ihre letzte Hoffnung war verschwanden. Mit dem tiefsten Be- daneru verließ der Adjutant Neuenrode wieder; das Bild der ttostlosen Fran wollte ihn ans dem Rückrttte gar nicht wieder verlaffen, als wolle es ihn daran er­innern, einen Erfolg versprechenden Plan für fie zn entwerfen; oberer mochte fich den Kopf «rbrechen, so v ei er wollte, eS fiel ihm nichts ein.

Als von Seelen znrückkehrte, und zum Obersten wie allabendlich, kam, fand er diesen in der heftigsten Aufregung im Wohnzimmer; Helene weinte nnb be­grüßte ihn weniger lebhaft als sonst.

[Nachdruck verboten.^

-er Deserteur.

Novelle von StaniSlauS Graf Grabowski.

(Fortsetzung.)

sich so ziemlich gelegt; man interessiert sich für Berlin, aber respektiert wie Paris von den Franzosen wird es nicht. So ist die Machtsphäre aller deutschen Großstädte nur Eine begrenzte und gilt dies schon von der guten Seite, um wie viel muß es nicht erst von der schlimmen gelten. Die Großstädte scheinen eine Macht, weil am meisten von ihnen die Rede ist; aber die trockenen Zahlen beweisen, daß sie, das ganze Reich in Anrechnung gebracht, trotz ihrer schnellen Bevölkerungszunahme doch nur einen Keinen Teil der Gesamtbevölkerung ausmachen.

Noch der letzten Volkszählung sind im deutschen Reiche 21 Großstädte mit 7 446 381 Einwohnern, 116 Mittelstädte mit 4171 874 Einwohnern, 683 Kleinstädte mit 6 054 629 Einwohnern, 1951 Land­städte mit 5 805 893 Einwohnern, Landorte mit 26 376 927 Einwohnern. Tas sind die akten­mäßigen Zahlen. Es ist recht wohl zu glauben, daß der Zuzug nach den Großstädten noch mehr in Zukunft sich steigern wird; aber der Moment, in welchem der Einfluß der Großstadt in Stadt und Land ein durchschlagender werden wird, den wird Deutschland überhaupt wohl nicht erleben, dem steht die Art des Volkscharakters hemmend im Wege. Tie deutsche Landbevölkerung und die der Kleinstädte wird nie so umgestaltet werden können, daß sie aus alles, was in den Großstädten kommt, blindlings schwört. Ter langsame, bedächtige Ge- dankenzug, die Hartnäckigkeit des überaus ruhigen Charakters wird allen Verlockungen der Großstadt Trotz bieten. Rechnen wir nun noch, daß von jener Bewohnerzahl der Großstädte die, welche politischen und anderen Extravaganzen huldigen, von welchen Gefahr für das politische, bürgerliche und soziale Leben erwartet werden könnte, wieder nur einen kleinen Bruchteil bildenso vermögen wir beim besten Willen nicht, unsere Zukunft als düster zu bezeichnen. Die Großstädte find keine überaus ernst zu nehmende Gefahr für unser Volk; fie gewähren wett mehr Nutzen durch die große Förderung von Gewerbefleiß und Industrie und auch dadurch, daß sie die Oeffnungen bilden, durch welche sich das gährende Element ergießen kann. Tie Großstädte sind ein Produkt der Zeit und was die Zeit in ihrer Eigenschaft schafft, entspricht auch der Strömung im Volksleben. Manches erscheint uns absonderlich, bis sich endlich doch sein hoher Nutzen klar erweist. Das deutsche Volk steht so est, sein Charakter ist im Durchschnitt so fest und edel, daß es keinerlei Anfechtungen zu fürchten hat. Wir sind keine Engel und die Verbrecherzahl ist

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E Batet wußte ebensowenig einen Rat zu geben, sie sich selbst, obgleich fie angestrengt darüber ^^jonn. wie fie dun geliebten Manne helfen könne.

PUtzltch kam tl ihr in den Sinn, ob eS ihr nickt , sei» sollte, selbst nnb zwar persönlich vor h0t König zu gelangen, einen Fnßsall vor ihm zn

Wöchentriche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain.

_________________________________________________________________________Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und »erlag von Joh. Ang. Loch.

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Gaffel.

1888.

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Die Zukunft sah ihm so schwarz auS, daß er fich «ckt einmal einer Hoffnung hingeben mochte, der König «»ne feine Strafe mildern nnb dazu war auch in der «4at wenig AuSficht vorhanden, nachdem jener ihm _ [" wenig gnädige Prädikate in der Ordre zur Abhaltung <* Kriegsgerichts beigelegt, und daS VerwendungS- I4retben seines Regimentskommandeurs nicht einmal beantwortet hatte.

Der Coruet verbrachte die nächste Zeit, bis die Bestätigung des Königs eintreffen sollte, in einer ""'en Situation. Er erhielt ans seinen eigenen Wunsch «wn Brief von Kälhchey, Niemand besuchte ihn Meend feiner Einsamkeit, als täglich einmal der vatzmajor, um zu revidieren, und ein alter Invalide, ihm daS Effen brachte; mit Beiden wechselte er Porte, nicht, weil fie ganz ««>1« waren, sondern wett er selbst Herz zu schwer belastet fühlte, nm über gleich- inltige Sachen zu plaudern.

So vergingen beinahe drei Wochen, und e8 ließ A »vch gar nicht absehen, wie lange diese physische

- Illustriertes SomitagsblM

Er hatte nicht den Mut, an seine Frau zu schreiben ; von ihr die über ibn verhängte Strafe mitzuteilen; er war überzeugt, fie werde dieselbe durch Leutuaut «n Seelen oder den Obersten selbst erfahren, denn ---- Urteil mußte sogleich dem Regiments-Kommando j«geteilt werden.

Anzeigen ntwtail entgegen die '

feto« d-Annoneen-Bureaur von Haasenstein und Vogler

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Daube u. La. u» Frankfurt a.«., Berlin, Hannover.'Baris.

der Radikalismus in den Großstädten, eine Ge­fahr für Mittel- und Kleinstädte und Plattes "6710 Land bedeutet, daß von ihnen eine bedroh- Lchc Art von Vergiftung ausgehe. Diese Be-

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au den .Alten ^auS dem Busch- schreiben^' ob« ba?Vie& ^iuru Augenblick uuentschloffeu,

lieber kann Er baS tbun, LenÄant von Seelen to ffielAeVS ÄF?1' abtftn l°"e. »erbe bann meinen Namen b?rnnter setzfu Wa tt Bbeuren SJne'a S PV Rettung Er, ich will Ihm biktieren benn der Ale, -»euren Mannes hätte Teil nehmen können.

®e|>ef4e diktieren; morgen kann Er bann »ach Nruen-1 U»^ miä«^|eM schmt ftchr «in leicht fepeitter

?hU.mJ>CLU^ "cht groß aber alle Ausnahmen«jähren nm je ein Sechstausendstel, von da um je können dre Regel nicht anftchten.__________________ ein Achttausendstel bis zum Höchstbeträge von M-

»mXA |fid> einem Fünfzighundertstel des betreffenden Jahres-

»tt-lni 14 Wnh . r. I to^n8- Die niedrigste Invalidenrente würde in der

«erlra 14. Nov. Der Kaiser folgte gestern ersten Klaffe 72 Mark, die höchste in der fünften

Regiments um L Garde- Klaffe 350 Mark bew-gq,Mw Altersrente für

Seg ments zum Diner, nahm heute vormittags männliche Personen soll jährlich ein V-crund- ?°sS''untT bem Sr zwanzighundertstel des Jahreslohues betragen,

und dem Staatssekretär Grasen Herberr «iso im ersten 72, im fünften 5168 Mark. - M-l? nachmittags nahm der Kaiser eine DerReichsanzeiger^ veröffentlicht die Allerhöchste mänäntm^ Ä bU Bestätigung der Wahl des Landrats Fuß zum Bür!

et?- < »Schwalbe , Hirfchberg, und des I germeifter von Kiel.Die Polit Nachrichten* Fr^rn^ v^A^^Een ^-namiten Kapitäiis zu See bezeichnen die Nachricht von der Borberettung^einer des Geburtstaaes ? h rfnb anläßlich Vorlage wegen Erhöhung der Tabaksteuer alsdurch-

des Prinzen Leopold eme größere aus unzutreffend. Wenn an dem gegenroartiqm . Marrnorpalais statt. Der I Tat aksteuergesetze Aendernngen vorgenommen werden

STÄ-mb e dürften dieselben nttr technische Seiten be-

der Alters- und ^nvaltden-Bersicherung der Arbeiter treffen, worüber schon lange Erhebungen stattsinden fort und erteilte dem Entwürfe seine Zusttmmuug die jedoch einen Mbige^Ä

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ÄS."« SäitSZs u'bTj" j-m. Spitz- « ygto'bieT

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b«®aS,n"K*a TS'T'1 d-r tssii 3?8.- b-n»-n°n g-g-n unh S i Versicherungs-Anstalten diese Anleihe tritt in ein helles Licht durch die uns

L sS tt DäU,^en?e Komm'ffar soll nicht, gemeldete Thotsache, daß der Staatssekretär Graf vn« bisherigen Entwürfe vorgesehen war, Herbert Bismarck am Sonntag zu Konferenzen mit vom Reichskanzler nn Einvernehmen mit den Re- feinem Vater in Frie^icksrnb aewrien ill

ÄÄta »t bem Seiten, zu bn«,,«. »M,Ijch M hi.- U

S ?''ank',lb« S-Ptoii »°ch «ntoommm »«be«.

Ortschaften des Ticuttoen wfiÄa 1 I einzige, was geschehen kann, ist die Erteilung

b/r des von wohlwollenden Warnungen an das Publikum wöbnttm ?/2 "Ebltchen Tagelohns der ge- In hohen Finanzkreisen HZ es heute, Herr von rünf§^naSn^a?teiTmrb,en Mendelssohn, dir sich zur Mitunterzeichnung des

bieieniaen Orticboste^ nm^^ ^ ' soll Anlecheverttages nach Petersburg begeben habe, sei

300 ® 1 v J°hreslohn auf den Artikel der9?. A. Z." hin von den Teil-

bic°brittt vierte und fönflp m*t ^0, nehmern der Firma Mendelssohn zurückberufen

600 be w 00 Ä1 ^0, worden. Wir glauben an diese Nachricht nicht, wir

Teilbeträgen ^des ^re-b^ne^ " in ^en das Zustandekommen der Anleih?und m-ment- f'J'Ä , ^ahreSbettages berjemgen Orts- lich die Beteiligung deutscher Bankhäuser für ae- SHSFT?5' määsä

nächstsolaenden ©afenherinfirp ® °r- m 1 r^ten, welche der Finanzoperation andere als Kon­tausendstel in den dann foloendpn in, r I herlierungszwecke zuzufchreiben, von verschiedenen

an5l9 Kalender-1 Orten her und neuerdings auch aus Wien kommen.

Erscheint täglich außer an Werktage» nach toinm- und

W» qma Feiertagen. Qnartal-«bo>mementS-PretS bei der Sxpe» ZWfnrDllrrt.

Jto El V bitten 2»,,ÜRL,be4 den Postämtern SBtt. 50 Pfg. iexkl-

Me C äeiIe Freitag, 16. November 1888.

[6922 sr.

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